Lohnsteuer. Stand: Oktober HWK Oberbayern - Dr. Marcus Mey, Rechtsanwalt

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1 Lohnsteuer Stand: Oktober

2 Lohnsteuer (1) Lohnsteuer: Teil der Einkommensteuer (Vorauszahlung im laufenden Jahr, gewöhnlich monatlich mit Gehaltsabrechnung) Besonderheit: Verpflichtung des Arbeitgebers, vom Bruttogehalt die Lohnsteuer/ Kirchensteuer einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen Lohnsteuerpflicht: jeder unselbständige, weisungsgebundene Arbeitnehmer, der Arbeitslohn bezieht; gleichgültig, ob laufende oder einmalige Bezüge Beachte: Schuldner der Lohnsteuer ist grundsätzlich der Arbeitnehmer! Folgen im Konkursfall! 2

3 Lohnsteuer (2) Fristen zur Abführung für Arbeitgeber: grundsätzlich zum 10. des Folgemonats, es sei denn, - die einzubehaltende und abzuführende Lohnsteuer betrug im Vorjahr nicht mehr als 1.000,00, dann jährlich - Mehr als 1.000,00, aber nicht mehr als 4.000,00 vierteljährlich - Mehr als 4.000,00 monatlich 3

4 Lohnsteuer (3) Freibeträge: AN kann beim FA Eintragung von Freibeträgen beantragen; dies hat auf amtlichen Vordrucken bis spätestens 30. November des aktuellen Veranlagungszeitraums zu erfolgen Beispiel für Freibeträge: Pauschbeträge für Körperbehinderte oder Hinterbliebene Werbungskosten, soweit sie den Arbeitnehmer- Pauschbetrag übersteigen Sonderausgaben außergewöhnliche Belastungen 4

5 Lohnsteuer (4) Lohnsteuerklassen (vgl. auch Handwerksfibel S. 298) Steuerklasse I: Ledige, dauerhaft getrennt Lebende, Geschiedene, Verwitwete nach 1. Todesjahr ohne Kinder Steuerklasse II: wie Steuerklasse I, aber mindestens ein Kind, d.h. berechtigt, Entlastungsbetrag für allein Erziehende (Haushaltsfreibetrag) in Anspruch zu nehmen Steuerklasse III: grundsätzlich nur Verheiratete oder ehemals Verheiratete im Todesjahr und ein Jahr danach, Ehepartner in Lohnsteuerklasse V 5

6 Lohnsteuer (5) Steuerklasse IV: Verheiratete, beide Arbeitnehmer, beide Steuerklasse IV Steuerklasse V: Verheiratete, ein Partner Steuerklasse III Steuerklasse VI: AN bei weiterem Arbeitsverhältnis oder Nichtvorlage der Lohnsteuerkarte Grundsatz: AN dürfen nur bei Vorlage einer Lohnsteuerkarte beschäftigt werden, sonst: Lohnsteuerklasse VI 6

7 Lohnsteuer (6) Ausnahmen: (1) Gelegentliche kurzfristige Beschäftigung (2) Unvorhergesehene kurzfristige Beschäftigung (3) Geringfügiges Beschäftigungsverhältnis ( 400,-- Minijobs) 7

8 Gelegentliche kurzfristige Beschäftigung Gelegentliche, nicht regelmäßige, nicht berufsmäßige und nicht wiederkehrende Beschäftigung; Dauer: darf 18 zusammenhängende Tage nicht übersteigen; Lohn darf durchschnittlich 62,00 pro Arbeitstag und 12,00 pro Arbeitsstunde nicht übersteigen; Lohnsteuer ist vom Arbeitgeber zu tragen und beträgt pauschal 25%; 8

9 Beschäftigung bei unvorhersehbaren Einsätzen Beispiel: Katastropheneinsätze Wie Folie (8), jedoch entfällt die Voraussetzung des durchschnittlichen Lohnes von 62,00 pro Arbeitstag 9

10 Minijobs (1) Arbeitnehmer, die durch einen oder mehrere Aushilfstätigkeiten monatlich maximal 400,-- verdienen, bleiben mit diesem Verdienst grundsätzlich steuer- und sozialversicherungsfrei; dies gilt auch dann, wenn der Arbeitnehmer andere positive Einkünfte erzielt, zum Beispiel aus Vermietung und Verpachtung, Kapitalvermögen usw.; Diese Regelung gilt auch für Arbeitnehmer, die in einem Hauptarbeitsverhältnis stehen und bei einem weiteren, zweiten Arbeitgeber einen einzigen Aushilfsjob haben. 10

11 Minijobs (2) Als Ausgleich für die Steuer- und Abgabenfreiheit muss der Arbeitgeber eine pauschale Abgabe von 30% an die Bundesknappschaft zahlen. Es besteht die Möglichkeit, dass der AN die Differenz zum regulären Rentenversicherungsbeitrag selbst zahlt, dann erwirbt er auch Ansprüche aus der Rentenversicherung Für private Haushaltshilfen gelten noch günstigere Konditionen: in diesem Fall sinkt die pauschale Abgabe an die Knappschaft auf 12%; darüber hinaus kann der Arbeitgeber die gezahlten Löhne bis zur Höhe von 510,- pro Jahr auf seine Einkommensteuerschuld anrechnen. 11

12 Minijobs (3) Konsequenz (Beispiel) Zahlt ein Unternehmer beispielsweise an seine Ehefrau als betriebliche Aushilfskraft ein Jahresgehalt von 4.800,00, kostet ihn dies zusätzlich 1.440,00 pauschale Abgaben; er kann also 6.240,00 als Betriebsausgaben absetzen. Dies kann eine Steuerersparnis von zusätzlich ca ,-- bringen (bei einem unterstellten persönlichen Grenzsteuersatz von 42%). 12

13 Werbungskosten (1) Definition Aufwendungen zum Erwerb, zur Sicherung und Erhaltung des Arbeitslohns sowie Aufwendungen, die die Ausübung des Dienstes mit sich bringt Werbungskostenpauschale für alle Arbeitnehmer: 920,00 (in der Lohnsteuertabelle schon eingearbeitet) Aufteilung bzw. Schätzung bei teilweise beruflicher Veranlassung 13

14 Werbungskosten (2) Beispiele für Werbungskosten des Arbeitnehmers: - Beiträge zu berufständischen Vereinigungen - Fachzeitschriften/Fachbücher - Aufwendungen für Werbegeschenke bei provisionsabhängiger Bezahlung - Kontoführungsgebühren für Gehaltskonto - Telefonkosten (anteilig) meist pauschale Berechnungsmethode 14

15 Werbungskosten (3) Werbungskosten, die der Arbeitgeber ganz oder teilweise dem Arbeitnehmer lohnsteuerfrei ersetzen kann (stellt dann für den Arbeitgeber Betriebsausgabe dar!) - Werkzeuggeld, Berufskleidung - Fort- und Weiterbildungskosten - Entfernungspauschalen (für Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte: 0,30, weitere Änderungen ab : nur noch ab dem 21. Kilometer, ggf. wieder Änderungen ab !! Arbeitnehmer darf diese dann allerdings nicht mehr als eigene Werbungskosten ansetzen!!. 15

16 Werbungskosten (4) Lohnsteuerfreie Zuwendungen: Betriebsveranstaltungen, Fehlgeldentschädigungen, Aufmerksamkeiten bis 40,00, Getränke während der Arbeit, Mahlzeiten, Krankheits-, Erholungs- und Heiratsbeihilfen, bestimmte sonstige Zuschläge wie Sonn-, Feiertag-, Nachtarbeit bis zu 50% => Weitere Beispiele: Handwerksfibel S. 303f 16

17 Lohnsteuer (7) Antragsveranlagung (wenn ausschließlich Lohn bezogen wurde, nicht verheiratet und keine höheren Werbungskosten) Pflichtveranlagung (sobald weitere Einkünfte aus anderen Einkunftsarten oder Verheiratet und beide Partner erwerbstätig oder Freibetrag auf Lohnsteuerkarte eingetragen u.ä.) Lohnsteuerhaftung (Steuerschuldner ist grundsätzlich der Arbeitnehmer, Haftungsschuldner aber der Arbeitgeber) 17

18 Lohnsteuer (8) Solidaritätszuschlag: 5,5 % der Lohnsteuer Kein Soli : wenn monatlicher Lohn bestimmten Betrag nicht überschreitet (Steuerklasse III 162,--) Auch beim Soli: Arbeitgeber hat einzubehalten und an das FA abzuführen getrennte Aufzeichnungspflicht Kirchensteuer: im Folgejahr als Sonderausgaben absetzbar!! 18

19 Gewerbesteuer 19

20 Gewerbesteuer Gewerbesteuer: Gemeindesteuer FA setzt Steuergrundlage (Messbeträge) fest, die Gemeinden legen jedoch den Hebesatz fest und erlassen den Steuerbescheid Steuerpflicht: jeder Gewerbebetrieb Besteuerungsgrundlage: Ertrag des Gewerbebetriebs 20

21 Gewerbeertrag Gewerbeertrag: Gewinn + Hinzurechnungen./. Kürzungen = berichtigter Gewerbeertrag Hinzurechnungen (Beispiele, vgl. zu den Einzelheiten auch Handwerksfibel S. 286f.): - 50% der Zinsen für Dauerschulden - Gewinnanteile von stillen Gesellschaftern, u.a.m. 21

22 Kürzungen Kürzungen (Beispiele): - 1,2 % des Einheitswertes des zum Betriebsvermögen gehörenden Grundbesitzes - Gewinnanteile einer GmbH, OHG oder KG, wenn Gewinnanteile in die Ermittlung des Gewinns des Gewerbebetriebs mit eingeflossen sind 22

23 Berichtigter Gewerbeertrag Berichtigter Gewerbeertrag./. Freibetrag ( ,--) = Steuermessbetrag Aber: bei Kapitalgesellschaften gibt es keinen Freibetrag! 23

24 Beispiel zur Berechnung der Gewerbesteuer Gewinn des Einzelunternehmens: ,-- Zinsen für Dauerschulden ,-- + Hinzuzurechnen davon 50% ,-- Gewerbeertrag ,--./. Freibetrag ,-- Gewerbeertrag ,-- Hiervon 3,5% Ergebnis * Hebesatz = zu zahlende Gewerbesteuer Mindesthebesatz von 200% 24

25 Steuermessbetrag / Prozentsatz Seit 2008 gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften, es gilt ein einheitlicher Prozentsatz von 3,5% 25

26 Anrechnung auf ESt. Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer des Gewerbetreibenden ( 35 EStG) - Verminderung der tariflichen Einkommensteuer um das maximal 3,8-fache des Steuermessbetrages Beispiel: tarifliche Einkommensteuer ,00 Steuermessbetrag 2.000, ,00 * 3,8 = 7.600, ,00./ ,00 = 7.400,00 zu zahlende Einkommensteuer 26

27 Bescheide Gewerbesteuerbescheid: erlässt die Gemeinde, enthält die zu zahlende Gewerbesteuer Gewerbesteuermessbescheid: erlässt das Finanzamt, sendet der Gemeinde und dem Steuerpflichtigen zu; Gemeinde erlässt auf dieser Grundlage den Gewerbesteuerbescheid Achtung: Gewerbesteuermessbescheid ist Grundlagenbescheid sofern er nicht korrekt ist, muss gegen diesen Bescheid bereits Einspruch eingelegt werden sonst: Problem der Rechtskraft!! 27

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