Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator

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1 GERLINDE RUTH FRITSCH Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator REIHE AKTIVE LEBENSGESTALTUNG Gefühle & Bedürfnisse Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen Eine Orientierungshilfe für Psychosomatikund Psychotherapiepatienten Junfermann V e r l a g

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3 2. Es gibt immer einen Auslöser für unsere Gefühle Um zu verstehen, was unser Organismus braucht, hilft es, zunächst den Auslöser für unsere aktuelle Befindlichkeit herauszufinden. Dadurch können wir das Suchfeld für das, was uns fehlt, überschaubar eingrenzen. 1. Äußere Auslöser Sinnlich wahrnehmbare Ereignisse, sichtbares Verhalten, verbale Äußerungen Auslöser für Gefühle 2. Innere Auslöser Gedanken, Erinnerungen, Vorstellungen, Fantasien, Einbildungen, Befürchtungen, Unterstellungen, Erwartungen, Sehnsüchte, Wünsche 3. Körperliche Auslöser Körperhaltung, Atmung, Bewegungsmuster, Mimik, Gestik, Muskelspannung, Blutdruck, hormoneller Zustand, Blutzuckerspiegel, Sauerstoffversorgung, Stoffwechsel Abbildung 2: Auslöser für Gefühle Weil wir Menschen uns individuell voneinander unterscheiden, reagieren wir mitunter ganz unterschiedlich auf die gleiche Sache bzw. den gleichen Auslöser. Was für den einen gut ist, verträgt ein anderer vielleicht gar nicht. Das hat mit unserer Lebensgeschichte und unseren unterschiedlichen Erfahrungen zu tun, die unser individuelles limbisches System prägten.

4 16 Gerlinde R. Fritsch: Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator Wenn es Ihnen nicht gut geht, ist es sinnvoll, das Suchfeld für die Ursache und die Ursachenbehebung einzugrenzen, indem Sie sich fragen, was der Auslöser ist: l Warum genau geht es mir gerade schlecht? l Wodurch wurde meine unangenehme Befi ndlichkeit ausgelöst? Womit genau fi ng es an? l Was ist geschehen? Was hat jemand anderes gesagt oder getan, oder: Was habe ich gesagt, getan oder zugelassen? l Wenn im Außen nichts geschah: Woran habe ich gedacht, bevor es mir schlechter ging? l Was ist bei mir körperlich gerade los? Wie gut etwas für uns ist, zeigt uns unser Organismus, indem er uns eine Rückmeldung durch Gefühle schickt.

5 3. Gefühle sind zum Wahrnehmen da 3.1 Warum Gefühle sinnvoll sind Gefühle zu haben, ist kein Anzeichen für Schwäche. Gefühle sind sinnvoll: Sie sind wie körperliche Schmerzen ein wichtiges angeborenes biologisches Signalsystem für unser Überleben. Sie zeigen uns, wie ein Auslöser auf uns wirkt. Sowohl Gefühle als auch Schmerzen informieren uns darüber, ob wir uns seelisch oder körperlich im grünen Bereich bewegen oder ob wir etwas dafür tun müssen, dass es uns besser geht. Es gibt darum keine guten oder schlechten Gefühle. Alle Gefühle sind ein lebensnotwendiges Instrument zur Orientierung. Sie zeigen uns, ob wir uns in Gefahr befinden oder nicht und ob etwas gut für uns ist. Gefahr besteht, wenn unsere Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Darum verdienen ausnahmslos alle Gefühle unsere Achtung und unsere Aufmerksamkeit. Angenehme Gefühle zeigen uns, dass wichtige Bedürfnisse von uns erfüllt sind. Unangenehme Gefühle zeigen uns, dass wichtige Bedürfnisse von uns nicht erfüllt sind. Ein Gefühl zu beachten bedeutet zu allererst, es wahrzunehmen. Damit ist gemeint, es ganzheitlich körperlich-sinnlich zu spüren. Die körperliche Wahrnehmung ist der einzige Weg, Gefühle zu fühlen.

6 18 Gerlinde R. Fritsch: Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator Die Gefühlswahrnehmung setzt die Wahrnehmung des Körpers voraus. Fragen Sie sich hin und wieder: l Spüre ich meinen Körper? l Spüre ich den Kontakt zwischen Körper und Boden oder Stuhl? l An welchen Körperstellen spüre ich meinen Körper? (Füße, Bauch, Rücken, Brust, Gesicht, Augen...) l Was genau spüre ich in meinem Körper? (Wärme, Vibration, Kraft, Anspannung...) l Wie fühlt es sich an? (weich hart, eng weit, starr bewegt, warm kalt, angespannt entspannt...) Ob etwas Ihnen gut tut, spüren Sie unmittelbar am Feedback Ihres Körpers: Wenn etwas Ihnen gut tut, fühlen Sie sich unmittelbar körperlich eher kräftig, weit, aufgerichtet, leicht, weich, hell, stark. Ihre Lebensfl amme brennt heller. Wenn etwas Ihnen nicht gut tut, fühlen Sie sich unmittelbar körperlich eher kraftlos, eng, bedrückt, schwer, hart, dunkel, schwach, widerstrebend. Ihre Lebensfl amme fl ackert bläulich vor sich hin. Eine Möglichkeit, Ihr aktuelles Gefühl herauszufinden, l ist innezuhalten, an den Auslöser zu denken, l die Aufmerksamkeit in den Bauch-/Brustraum zu richten, l sich zu fragen: Fühle ich mich jetzt...? l und dabei die einzelnen Gefühlswörter der nachfolgenden Gefühlslisten durchzugehen, l während Sie eine körperliche Resonanz zu erspüren suchen: Fühlt es sich stimmig an oder nicht? Lässt die Körperspannung nach? Gibt es ein Weite-Gefühl in der Brust? Oder bleibt das Gefühlswort ohne jegliche Körperreaktion? Wenn Sie mehrere Gefühle als stimmig erleben, spüren Sie nach: Was ist das stärkste oder tiefste Gefühl bezüglich des aktuellen Auslösers?

28 HOSPIZ Leverkusen..................................... Es ist meine Achtsamkeit, die es mir ermöglicht wahrzunehmen, was mir gut tut, was mich erfüllt oder aber was mir Energie nimmt und wovor ich mich

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