Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt, Herr Detlef Schubert

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1 Zielkonflikte lösen Anforderungen und Auswirkungen des Energiekonzeptes des Landes Sachsen-Anhalt auf die wirtschaftliche Entwicklung des Burgenlandkreises Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt, Herr Detlef Schubert Sachsen-Anhalt gehört zu den wenigen Bundesländern, die ein Energiekonzept bis zum Jahre 2020 vorlegen können. Die Diskussionen um dieses Konzept waren kontrovers, aber produktiv, da auf diese Weise alle wichtigen Aspekte und Ziele aufgenommen werden konnten. Das Land hat sich in der Energiepolitik zum Ziel gesetzt, die Nachhaltigkeit der Energieversorgung unter Beachtung der ökologischen und wirtschaftlichen Grundsätze, der sozialen Nachhaltigkeit und ethischen Vertretbarkeit umsetzen. Angestrebt wird, die Abhängigkeit von Importen an Erdöl und Erdgas, aber auch Steinkohle abzumindern. Unter Beachtung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kommen dabei vor allem in Frage: o Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, o der Erhalt der heimischen Braunkohlennutzung in hocheffizienten und damit klimaschonenden Anlagen als preisgünstiger und sicherer Energieträger sowie o der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien. Sachsen-Anhalt nimmt bei den erneuerbaren Energien in Deutschland eine Spitzenposition ein. Hierzu zunächst einige Zahlen.

2 Die langjährige Wachstumsrate des Anteils dieser Energiequellen zwischen 1995 und 2007 betrug knapp 45 %. Sie lag damit weit über dem Bundesdurchschnitt. Im Jahr 2007 betrug der Anteil der regenerativen Energien 9,6 % am Primärenergieverbrauch. Im Bundesdurchschnitt waren es etwa 6,6 %. Damit lag der Anteil in Sachsen-Anhalt 45 % über dem Bundesdurchschnitt (Anteile der konventionellen Energieträger am Primärenergieverbrauch: Braunkohle ca. 20 %, Erdgas ca. 40 %, Erdöl ca. 26 %). Sachsen-Anhalt leistet damit einen überdurchschnittlichen Beitrag, Europa dem Ziel näher zu bringen, bis 2020 einen Anteil der regenerativen Energien von 20 % zu erreichen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste die Wachstumsrate im Zeitraum 2008 bis 2020 bei 5,8 % pro Jahr liegen. Im Jahr 2007 lag diese Wachstumsrate bei etwa 8,3 %. Sachsen-Anhalt wird also dieses Ziel sicher erreichen. Dominiert wird die Entwicklung von der Nutzung der Windkraft und der Biomasse: Die Wachstumsrate im Sektor Windkraft liegt bei mehr als 12 % pro Jahr, im Sektor Biomasse bei mehr 40 % pro Jahr. Der Bereich erneuerbaren Energien sind deshalb auch ein bedeutender Industriezweig und ein Motor für Innovation, Wachstum und Beschäftigung. Es kann geschätzt werden, dass 2006 in Sachsen-Anhalt bis Menschen direkt oder indirekt von den erneuerbaren Energien gelebt haben. o Allein beim Windenergieanlagen-Hersteller ENERCON in Magdeburg sind indirekt und direkt z.z. mehr als Mitarbeiter beschäftigt. Hinzu

3 kommt noch die dreifache Anzahl an Beschäftigten in Zuliefer- und Dienstleistungsbranche. o Bei Q-Cells in in Thalheim waren Ende 2007 knapp 1700 Menschen beschäftigt. Für Landesregierung ist die Branche erneuerbare Energien nicht nur unverzichtbar aus energiepolitischen, sondern auch insgesamt aus wirtschaftspolitischen Gründen. Trotz der erzielten Erfolge bei der Nutzung von erneuerbaren Energien werden die fossilen Energieträger auch in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen. Die Landesregierung bekennt sich im Energiekonzept deshalb ausdrücklich zur Braunkohle. Weil Sachsen-Anhalt große geologische Vorräte an Braunkohle besitzt, ist sie ein langfristig verfügbarerer Primärenergieträger, der Deutschlands Abhängigkeit von Energieträger-Exporten deutlich verringert und zu niedrigen Kosten im Land gefördert werden kann. Die Braunkohle ist aber nicht nur unverzichtbar für einen ausgewogenen E- nergiemix, sondern sie ist auch ein überaus bedeutender Wirtschaftsfaktor. So leisten die Investitionen der MIBRAG einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung in der Region und im Land. Mit nahezu Mitarbeitern, darunter 140 Auszubildenden, gehört die MIBRAG zu den größten Arbeitgebern im Länderdreieck Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

4 Neue Tagebaue können aber nur aufgeschlossen werden, wenn die Umweltauswirkungen auf ein zulässiges Maß begrenzt werden und es dafür in den Regionen Akzeptanz gibt. Ein großer Teil der Kraftwerke für die Stromerzeugung in Deutschland ist ü- ber 20 Jahre alt. Damit ergibt sich in den nächsten Jahren ein akuter Bedarf für einen Neubau an Kraftwerkskapazitäten. Die notwendige Modernisierung des Kraftwerksbestands eröffnet die Chance, die Stromversorgung in Deutschland zukünftig stärker an den Zielen einer nachhaltigen Energienutzung zu orientieren, womit sich Umweltbelastungen aus Bereitstellung, Transport und Nutzung von Energie reduzieren ließen. Die Wirtschaft des Burgenlandkreises hat in den vergangenen Jahren einen ordentlichen Schritt nach vorn getan. Bei der Bruttowertschöpfung steht der Kreis inzwischen an zweiter Stelle in Sachsen-Anhalt. Der Exportanteil konnte 2007 um 29 % gesteigert werden. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, die auch erwarten lässt, dass die immer noch zu hohe Arbeitslosigkeit zurückgedrängt wird. Umso wichtiger ist es für den Kreis, dass weder die Wirtschaft, noch die privaten Verbraucher durch zu hohe Energiekosten belastet werden. Ein ausgewogner Energiemix unter Einbeziehung der Braunkohle bietet dazu die besten Voraussetzungen. Die Landesregierung setzt sich dafür ein, dass das Braunkohlevorkommen Lützen in den neuen Landesentwicklungsplan aufgenommen wird. Dabei wird der Bau eines neuen Kraftwerkes unterstellt.

5 Der Burgenlandkreis ist aber auch stark touristisch geprägt. Sehr sensibel muss deshalb mit den kulturhistorischen Stätten, z. B. mit dem Nietzsche Geburtshaus in Röcken und dem Schlachtfeld des Schwedenkönigs Gustav Adolfs umgegangen werden. Diese Stätten müssen auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass das Land Sachsen-Anhalt mit seinen bedeutenden Schätzen Touristen aus aller Welt mit Erfolg anzieht. Es geht hier auch um das Ansehen des Landes, um seine Haltung zu Kultur und Geschichte. Umso erfreulicher, dass die MIBRAG sich Anfang dieses Monats entschlossen hat, die Ortslage Röcken nicht abbauen.

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