Behandlungspflege in Werkstätten für behinderte Menschen

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1 Behandlungspflege in Werkstätten für behinderte Menschen Werkstätten:Messe 2012 Nürnberg Jasmin Fischer Rechtsanwältin Iffland & Wischnewski Rechtsanwälte

2 Begriffsbestimmung Behandlungspflege Grundpflege Behandlungspflege: Maßnahmen der ärztlichen Behandlung, die dazu dienen, Krankheiten zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern und die üblicherweise an Pflegefachkräfte/Pflegekräfte delegiert werden können Pflegefachkraft: 3 jährige Ausbildung mit Examen in einem Pflegeberuf Beispiele: Gesundheits- und Krankenpfleger/-in, Gesundheitsund Kinderkrankenpfleger/-in, Altenpfleger/-in, Krankenschwerster/-pfleger Pflegekräfte: einjährige Ausbildung in der Pflege mit staatlicher Prüfung Pflegehilfskräfte: un- oder angelernte Helfer in der Pflege Beispiele: Injektionen, Wundverbände, aber auch Medikamentengabe

3 Grundpflege: Grundlegende, gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Pflegeleistungen in Form der Körperpflege, Ernährung, Mobilität und nichtmedizinische, pflegerische Tätigkeiten wie Prophylaxen Beispiele: Waschen, mundgerechtes Zubereiten oder die Aufnahme der Nahrung, Gehen, Stehen, Darm- und Blasenentleerung

4 Wer erbringt Behandlungspflegeleistungen in der WfbM? Begleitende Dienste der Werkstätten, 10 Werkstättenverordnung (WVO) Seit April 2007: Gesetzesänderung zu 37 SGB V (Häusliche Krankenpflege) Zuvor häusliche Krankenpflege zu Lasten der Krankenversicherung nur in der Häuslichkeit oder in der Familie Jetzt auch sonst an einem geeigneten Ort => Werkstätten für behinderte Menschen im Gesetz ausdrücklich benannt Anspruch auf Leistungserbringung durch ambulante Pflegedienste bei besonders hohem Pflegebedarf

5 Kostenträger: Zuständige Rehabilitationsträger als Träger der Leistungen zur Teilhabe, 10 WVO Krankenkasse im Rahmen der häuslichen Krankenpflege nach 37 SGB V

6 Voraussetzungen für die Leistungserbringung durch den begleitenden Dienst der WfbM nach 10 WVO: Korrekte und präzise Anordnung durch den behandelnden Arzt Durchführung durch Pflegefachkräfte oder entsprechend qualifizierte Mitarbeiter Anleitung durch Arzt oder Pflegefachkräfte Regelmäßige Kontrolle, Überwachung und Unterstützung durch Arzt oder Pflegefachkräfte Regelmäßige Schulungen Einwilligung des Beschäftigten, auch in die Ausführung durch Nicht- Pflegefachkräfte (Dokumentation)

7 Haftungsrechtliche Gesichtspunkte: Beim Einsatz von Nicht-Fachkräften ist mit aller größter Sorgfalt darauf zu achten, dass das Wissen und Können der Mitarbeiter geprüft wird und Delegation mit dem behandelnden Arzt oder einem Beratungsarzt der Einrichtung abgeklärt wurde Aus Beweisgründen ist dies alles sorgfältig zu dokumentieren! (LG Waldshut-Tiengen, Urt. v , Verurteilung eines Heimleiters wegen Anstiftung zur Körperverletzung - hier subkutane Injektion).

8 Voraussetzungen des Anspruchs auf häusliche Krankenpflege nach 37 SGB V: Ärztliche Verordnung Antrag an / Genehmigung durch die Krankenkasse Besonders hoher Pflegebedarf (folgende Folien) Keine eigene Leistungsverpflichtung / keine Leistungserbringung durch den begleitenden Dienst (folgende Folien)

9 Besonders hoher Pflegebedarf In Werkstätten für behinderte Menschen ist ein besonders hoher Pflegebedarf gegeben, wenn über die Pflichten der Einrichtung hinaus die Ziele der häuslichen Krankenpflege nur durch den Einsatz einer (zusätzlichen) Pflegefachkraft erreicht werden können. Beispiele aus der Rechtsprechung: - SG Dresden (nicht rechtskräftig): Insulininjektionen sind vom überörtlichen Sozialhilfeträger zu übernehmen Az.: S 18 KR 397/08 ER, Beschluss vom Hessisches LSG (rechtskräftig): Insulininjektionen als häusliche Krankenpflege von Krankenkasse zu erbringen Az.: L 1 KR 110/06 ER, Urteil vom

10 Keine eigene Leistungsverpflichtung / Leistungserbringung durch den begleitenden Dienst Leistungsverpflichtung kann sich ergeben aus: Landesrahmenvertrag Leistungs- und Vergütungsvereinbarungen mit dem zuständigen Rehabilitationsträger Werkstattvertrag mit dem Beschäftigten

11 Vorteile der Leistungserbringung durch ambulante Pflegedienste: Entlastung in haftungsrechtlicher, finanzieller und zeitlicher Hinsicht Empfehlung: Prüfen Sie, zu welchen Leistungen die jeweilige WfbM aufgrund von Rahmenvertrag, Leistungs- und Vergütungsvereinbarung und Werksattvertrag verpflichtet ist. Führen Sie ggf. neue Verhandlung mit dem Sozialhilfeträger.

12 Ende des Vortrags! Für Rückfragen: Rechtsanwälte Iffland & Wischnewski Pfungstädter Str. 100 A Darmstadt Tel: / Fax: /

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