Report: Das 440-MHz-Versprechen

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1 Report: Das 440-MHz-Versprechen In der Auseinandersetzung über die Frage, ob es in Zukunft für den wachsenden Bedarf an Frequenzen für den Einsatz von drahtlosen Produktionsmitteln noch genügend Kapazitäten gibt, hat die Bundesnetzagentur dargestellt: Für drahtlose Mikrofone bestehen folgende Nutzungs- oder Mitnutzungsmöglichkeiten: 32,475-38,125 MHz, MHz, MHz, MHz, MHz, MHz, MHz, ,5 MHz. In der Summe sind mehr als 440 MHz (ohne die optionalen Kapazitäten z. B. im 700-MHz- Band) für Funkmikrofone zur Nutzung bzw. Mitnutzung verfügbar. Im Zuge einer Vergabe des 700-MHz-Bandes stehen damit aus Sicht der Kammer für die Nutzer drahtloser Produktionsmittel ausreichend Frequenzen zur Verfügung. 1 Die nachfolgende Analyse der einzelnen Frequenzbereiche zeigt, dass die Darstellung der Bundesnetzagentur allenfalls auf theoretischen Überlegungen beruht und nicht die tatsächlichen Nutzungsmöglichkeiten berücksichtigt. 1 Rdz 165ff Entscheidung der Präsidentenkammer der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen vom 28. Januar 2015 zur Anordnung und Wahl des Verfahrens sowie über die Festlegungen und Regeln im Einzelnen (Vergaberegeln) und über die Festlegungen und Regelungen für die Durchführung des Verfahrens (Auktionsregeln) zur Vergabe von Frequenzen in den Bereichen 700 MHz, 900 MHz, 1800 MHz sowie weiterer Frequenzen im Bereich MHz für den drahtlosen Netzzugang zum Angebot von Telekommunikationsdiensten; Entscheidung gemäß 55 Abs. 4, Abs. 5 und Abs. 10, 61 Abs. 1, Abs. 2, Abs. 3,Abs. 4 und Abs. 6, 132 Abs. 1 und Abs. 3 TKG- Aktenzeichen: BK1-11/003 1

2 Übersicht: von der BNetzA aufgeführte Frequenzbereiche Frequenzbereich (in MHz) Theoretisch nutzbar (Summe in MHz) Tatsächlich nutzbar (Summe in MHz) Anmerkung (1) 32,475-38,125 5,65 0 Störungen durch Computer, Netzteile und weitere Elektronik (2) Dichte Belegung durch Digitalradio DAB+, Störungen (3) Bereich fällt künftig weg (Frequenzauktion Digitale Dividende 2 ), weitere Frequenzen sind von DVB-T belegt (4) Störungen durch Mobilfunk (5) Störungen durch Mobilfunk (6) Soll künftig vom Mobilfunk genutzt werden (Kandidatenband) (7) Derzeit für drahtlose Produktionsmittel nutzbar (8) ,5 83,5 0 Störungen durch WLAN Gesamtsumme 562,

3 Details zu den Frequenzbereichen (1) 32,475-38,125 MHz Die digitale Steuerungen in Computern, Computer-Netzwerken, getakteten Netzteilen, Audiogeräten mit DSPs (Digitale Klang Prozessoren), LED Wänden, Energiesparlampen usw. senden hochfrequente Störsignale aus. Deren Stärken liegen über denen der als Hochfrequenzsender klassifizierten Geräte. Deshalb ist der Betrieb von drahtlosen Mikrofonen in der Nähe dieser Geräte nicht betriebssicher möglich. (2) MHz Dieses Band ist für Digitalradio DAB+ zugewiesen. In den nächsten Jahren werden immer mehr Radioveranstalter in diesen Bereich wechseln und ihre UKW-Verbreitung einstellen. Die ARD hat beschlossen, in Zukunft nur noch in diesem Bereich senden zu wollen. Zwischen den DAB+ Sendern wird es kaum freie Kapazitäten für drahtlose Produktionsmittel geben. Dieser Bereich bietet keine Zukunftsperspektiven und ist zudem ebenfalls von Störungen durch elektronische Geräte betroffen (siehe 32,475-38,125 MHz). (3) MHz Ein Teil dieses Bandes, der Bereich MHz, wird als Digitale Dividende 2 an den Mobilfunk versteigert werden. Außerdem sind 30 MHz für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) vorgesehen. Es steht dann nur der Bereich MHz zur Verfügung. Dies entspricht den TV-Kanälen Jeder dieser TV-Kanäle hat eine Breite von 8 MHz. Der Kanal 48 wird nach bisheriger Erkenntnis aufgrund von Störungen durch den Mobilfunk weder für DVB-T2 noch für drahtlose Produktionsmittel nutzbar sein. Es bleibt der Bereich von MHz, also 216 MHz in Summe. Unterstellt man, dass im Mittel 10 Kanäle, also 80 MHz mit DVB-T2 belegt sein werden (ohne Simulcast von DVB-T und DVB-T2), dann bleiben für drahtlose Produktionsmittel theoretisch 136 MHz übrig. Die Zahl der belegten Kanäle ist jedoch in jeder Region unterschiedlich, so dass die tatsächlich verfügbare und störungsfrei nutzbare Bandbreite je nach Standort variiert. Nach Untersuchungen der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR Hessen) stehen 3

4 in Frankfurt am Main nur 4 TV-Kanäle (32 MHz) für drahtlose Produktionsmittel zur Verfügung. 136 MHz wären für das Tagesgeschäft zwar grundsätzlich ausreichend. Zusätzliche Veranstaltungen also besondere Ereignisse oder Großevents aus Sport, Politik und Kultur könnten aber damit nicht abgedeckt werden. (4) MHz Dieser Frequenzbereich, eine so genannte Mitten- oder Duplexlücke, ist von der Bundesnetzagentur zwischen dem Up- und Downlink des Mobilfunks (LTE) vorgesehen. Er ist nicht für professionelle drahtlose Produktionsmittel nutzbar, weil er von Außerbandaussendungen der Handys nachhaltig gestört wird. Funkmikrofone usw. können deshalb in dieser Duplexlücke nicht betriebssicher genutzt werden, wenn Publikum mit Handys in der Nähe ist. (5) MHz Auch dieses Spektrum ist wegen Störungen aus den angrenzenden LTE-Frequenzen für professionelle drahtlose Produktionen nicht nutzbar. Außerdem ist dieser Bereich kein exklusives Mikrofonband. Die drahtlosen Produktionsmittel müssen sich die Nutzung mit anderen Short Range Devices teilen. Damit ist die Störsicherheit von Mikrofonanwendungen nicht gewährleistet. (6) MHz Dieses Spektrum soll künftig vom Mobilfunk genutzt werden und ist von den internationalen Organisationen bereits als Kandidatenband bestimmt. Damit steht es für drahtlose Produktionsmittel nicht zur Verfügung. (7) MHz Diese Mobilfunk-Duplexlücke ist derzeit ohne Einschränkungen für drahtlose Produktionsmittel nutzbar. Es besteht jedoch die Gefahr, dass sich dies bei Umstellung des Mobilfunks auf LTE nachteilig ändert, wenn die Bundesnetzagentur nicht durch strenge Frequenznutzungsbestimmungen eine Störung ausschließt. 4

5 (8) ,5 MHz Dieser Frequenzbereich ist kein Mikrofonband, sondern wird für Hochfrequenz-Geräte in Industrie, Wissenschaft, Medizin und Haushalten genutzt (so genanntes ISM-Bereich, Industrial, Scientific and Medical Band). Durch die ständig wachsende WLAN-Nutzung ist hier kein betriebssicherer, störungsfreier Betrieb von drahtlosen Produktionsmitteln möglich. Fazit Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass auch nach der Versteigerung der Digitalen Dividende 2 mehr als 440 MHz für professionelle drahtlose Produktionen zur Verfügung stehen. Allerdings ist der größte Teil der angeführten Frequenzen allenfalls auf dem Papier für PMSE nutzbar dieser Report belegt es. In der Realität reduzieren sich die behaupteten 440 MHz auf gerade einmal 156 MHz. Für die Produktion von Programmen und Veranstaltungen im heute bekannten Umfang wird dies nicht ausreichen, besonders bei Großereignissen. Die Kultur- und Kreativindustrie ist damit massiv bedroht, Deutschland stellt sich als Ausrichter von Ereignissen internationalen Formats ins Abseits. Berücksichtigt man die tatsächlichen Nutzungsbedingungen, so kann man das 440-MHz- Versprechen der Bundesnetzagentur nur als falsch bezeichnen. Theoretisch verfügbare Frequenzen helfen im Produktionsalltag niemandem weiter. Das muss auch die Politik erkennen. Aus diesem Grund setzt sich die Initiative SOS Save Our Spectrum dafür ein, dass Bundesregierung und Bundesnetzagentur endlich ihre Zusagen einlösen: Sie müssen langfristig genügend qualitativ hochwertiges Ersatzspektrum für drahtlose Produktionsmittel zur Verfügung stellen. 5

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