Aufbau und Grundsätze des Rechnungswesens

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1 Aufbau und Grundsätze des Rechnungswesens 1 Hauptmerkmale des Rechnungsmodells Das Rechnungsmodell beruht auf dem Handbuch des Rechnungswesens der öffentlichen Haushalte und beinhaltet im Wesentlichen folgende Grundsätze: - Systematische Erfassung aller Finanzvorfälle eines Gemeinwesens - Zweiteilung der Verwaltungsrechnung in eine Laufende Rechnung und eine Investitionsrechnung - Anwendung eines einheitlichen Ausgabenbegriffes - Abschreibung der aktivierten Investitionen - Anwendung des einheitlichen Kontenrahmens - Förderung des Kostendenkens 1.1 Systematische Erfassung aller Finanzvorfälle eines Gemeinwesens Im Sinne der allgemein anerkannten Grundsätze der Haushaltführung richtet sich das Rechnungsmodell nach - der Jährlichkeit (alles, was das laufende Rechnungsjahr betrifft, ist in der Buchhaltung dieses Jahres zu verbuchen) - der Vollständigkeit (alle Belege sind zu verbuchen, für jede Buchung muss ein Beleg vorhanden sein; alle Konti sind auszudrucken und in der Bestandesund Verwaltungsrechnung aufzuführen) - der Klarheit und Wahrheit - der Brutto- und Sollverbuchung (keine Verrechnung von Aktiven mit Passiven oder Aufwand mit Ertrag) - dem Haushaltsgleichgewicht - der Wirtschaftlichkeit Aufbau und Grundsätze des Rechnungswesens 30. November 2011 / Seite 1

2 1.2 Zweiteilung der Verwaltungsrechnung in eine Laufende Rechnung und eine Investitionsrechnung Die Laufende Rechnung ist als kaufmännische Erfolgsrechnung konzipiert. Sie enthält den laufenden Aufwand und den Ertrag einer Rechnungsperiode und weist als Saldo den Aufwand- oder Ertragsüberschuss eines Rechnungsjahres aus. Im Sinne des volks- und betriebswirtschaftlichen Investitionsbegriffes gelten als Investitionen und sind somit der Investitionsrechnung zuzuordnen: - Erwerb, Erstellung und Verbesserung von Sachgütern des Verwaltungsvermögens - Übertragungen vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen - Beiträge an Erwerb, Erstellung und Verbesserung von Vermögenswerten mit Nutzungsauflagen (Investitionsbeiträge) - Beteiligungen des Verwaltungsvermögens - Eigenleistungen für Verwaltungsvermögensbildung Betragsmässig geringe Investitionen können auch der Laufenden Rechnung belastet werden. Als Minimalbetrag gilt eine Limite von 10'000 Franken pro Objekt, das heisst, Investitionsausgaben bis 10'000 Franken können generell in der Laufenden Rechnung verbucht werden. Im Übrigen gilt als Abgrenzung zur Laufenden Rechnung eine Limite von 20 % des Steuerertrages der Gemeinde. Investitionsausgaben über 100'000 Franken pro Objekt sind jedoch in jedem Fall der Investitionsrechnung zuzuweisen. 1.3 Anwendung des einheitlichen Ausgabenbegriffes Im Rechnungsmodell wird die Ausgabe wie folgt definiert: - Mitteleinsatz zur Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe = Ausgabe Beispiele: Kauf von Unterrichtsmaterial/Büromaterial Ausgaben für Porti, Telefon, usw. Zahlung von Löhnen - Mitteleinsatz zur Schaffung von neuem (anderem) Finanzvermögen = Anlage Beispiele: Kauf einer Obligation Festgeldanlage Aufbau und Grundsätze des Rechnungswesens 30. November 2011 / Seite 2

3 Der einheitlichen Trennung zwischen Ausgaben der Verwaltungsrechnung und Anlagen des Finanzvermögens kommt grosse Bedeutung zu. Als Finanzvermögen gelten Vermögenswerte, welche veräussert werden können, ohne die öffentliche Aufgabenerfüllung zu beeinträchtigen. Als Verwaltungsvermögen gelten Vermögenswerte, die unmittelbar der Erfüllung öffentlicher Aufgaben dienen, insbesondere Investitionen und Investitionsbeiträge. 1.4 Abschreibungen Im Rahmen der öffentlichen Aufgabenerfüllung dürfen nur Ausgaben mit Investitionscharakter als Verwaltungsvermögen aktiviert werden. Aus praktischen Gründen ist im Rechnungsmodell die Abschreibung auf dem Restbuchwert vorgesehen. Grundsätzlich sind feste Abschreibungssätze aber bei grösseren Investitionen zweckmässiger. Durch Aufwandüberschüsse der Laufenden Rechnung entstandene Fehlbeträge sind mit jährlich einem Fünftel abzuschreiben. Ertragsüberschüsse der Laufenden Rechnung sind vorerst zur Abschreibung des Bilanzfehlbetrages zu verwenden. Wenn kein Fehlbetrag vorhanden ist, hat grundsätzlich ein Übertrag auf das Eigenkapital zu erfolgen. Die aus der Sicht der Haushalttransparenz etwas problematische Praxis, den Ertragsüberschuss für zusätzliche Abschreibungen zu verwenden, soll eingeschränkt werden. Zusätzliche Abschreibungen sind nur im Ausmass der budgetierten Abschreibungen und allfälliger Nachtragskredite, z. B. als Verwendung des Ertragsüberschusses, zulässig. In jedem Fall ist das Rechnungsergebnis vor der Vornahme zusätzlicher Abschreibungen zu präsentieren. 1.5 Anwendung des einheitlichen Kontenplanes In Anlehnung an den in der Schweiz üblichen Kontenrahmen wurde ein Musterkontenplan für die Kath. Kirchgemeinden im Thurgau erarbeitet (siehe Register 19). Mit Blick auf die Vergleichbarkeit und Einheitlichkeit ist die sorgfältige Anwendung dieses Kontenplanes ein wesentlicher Bestandteil des Rechnungsmodells. 1.6 Förderung des Kostendenkens Es geht darum, mit verhältnismässig einfachen Mitteln das Kostendenken zu fördern. Insbesondere gilt es, den Personal- und Sachaufwand sowie Abschreibungen und Zinsen den einzelnen Aufgabenbereichen realistisch zuzuordnen. Aufbau und Grundsätze des Rechnungswesens 30. November 2011 / Seite 3

4 2 Schematische Darstellung des Rechnungsmodells Bestandesrechnung Verwaltungsrechnung Aktiven Finanzvermögen Passiven Fremdkapital Laufende Rechnung Verwaltungsvermögen Eigenkapital Aufwand Ertrag Ertragsüberschuss Investitionsrechnung Ausgaben Einnahmen Nettoinvestition Aufbau und Grundsätze des Rechnungswesens 30. November 2011 / Seite 4

5 3 Aufbau der Kontonummer 3.1 Bestandesrechnung In der Bestandesrechnung (BR) werden vier- bis sechsstellige Kontonummern verwendet. Die einzelnen Ziffern haben die folgende Bedeutung: 1 Kontenklasse (Aktiven) 10 Kontengruppe (Finanzvermögen) 100 Kontenuntergruppe (Flüssige Mittel) 1000 Konto (Kassa) /01 Unterkonto (z. B. Kassa Pfleger) Anstelle von Unterkonti können aber auch andere Kontonummern verwendet werden. Es ist dabei darauf zu achten, dass sie der richtigen Untergruppe zugeordnet werden (z. B für Kassa Pfleger, 1001 Kassa Sekretariat, 1002 Kontokorrent TKB, 1003 Kontokorrent RB, etc). 3.2 Laufende Rechnung und Investitionsrechnung In der Laufenden Rechnung (LR) und in der Investitionsrechnung (IR) werden sechs- bis achtstellige Kontonummern verwendet. Die ersten drei Ziffern stellen die Funktion dar und haben folgende Bedeutung: 1 Aufgabenbereich (Allgemeine Verwaltung) 110 Funktion (Versammlungen, etc.) Die zweiten drei Ziffern stellen die Aufwand- bzw. Ertragsart dar und haben folgende Bedeutung: 3 Kontenklasse (Aufwand) 30 Kontengruppe (Personalaufwand) 300 Einzelkonto (Sitzungsgelder) Die letzten beiden Ziffern können bei Bedarf für eine weitere Unterteilung verwendet werden. Beim Konto Liegenschaftenunterhalt könnte dies z. B. sinnvoll sein, wenn auf die Verwendung zusätzlicher Funktionen verzichtet wird. Grundsätzlich sind bei fast allen Funktionen alle Aufwand- und Ertragsarten möglich. Im Musterkontenplan sind nur die am häufigsten verkommenden Konti aufgeführt. Aufbau und Grundsätze des Rechnungswesens 30. November 2011 / Seite 5

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