Studie IT-Trends IT-Kompetenz im Management steigt

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1 Studie IT-Trends 2014 IT-Kompetenz im Management steigt

2 Inhalt 1. Kehrtwende 3 2. Executive Summary 5 3. Rahmenbedingungen 6 4. IT-Budgets 9 5. IT-Organisation Agilität der IT Sourcing Cloud Services Tops und Flops 33

3 1. Kehrtwende Jahrelang haben CIOs gehofft, eines Tages Business Partner des Managements zu werden und in dieser Rolle geschäftliche Probleme mit Technologie zu lösen. Dieser Traum wird sich für viele möglicherweise nicht mehr erfüllen. Denn während die Bedeutung von IT in den letzten Jahren enorm gestiegen ist, wurde der CIO nicht in gleichem Maße wichtiger. Stattdessen holte das Management in Sachen IT-Know-how auf und verweist den CIO jetzt fast wieder auf seine angestammte Rolle als Dienstleister. Allerdings nur fast. Denn in diesem Jahr steht zwar immer noch die Effizienz der IT ganz oben auf der Anforderungsliste der CIOs, sie sollen sich aber auch stark um die Verbesserung der Geschäftsprozesse kümmern. Gleichzeitig steigt der Druck der Fachabteilungen, schneller zu liefern und flexibler zu reagieren. Agil in diesem Sinne sind aber erst wenige Unternehmen, wie der neu aufgelegte Index zeigt. Unter den Technologiethemen beherrscht in diesem Jahr die Sicherheit die Agenda, allerdings nicht nur wegen der NSA-Affäre. Die zunehmende Digitalisierung führt dazu, dass IT-Ausfälle und Sicherheitslücken für Unternehmen immer teurer und risikoreicher werden, so dass sie alle Anstrengungen unternehmen, um Probleme zu vermeiden. Dementsprechend halten sich die CIOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei der Nutzung von externen Clouds nach wie vor stark zurück, haben ihre eigenen Kapazitäten in den vergangenen 12 Monaten aber stark ausgebaut. Das Motto lautet jetzt: Cloud ja, aber vor allem die eigene. Diese und weitere spannende Ergebnisse lesen Sie in der IT-Trends-Studie Darüber hinaus diskutieren wir die einzelnen Aspekte auch im IT-Trends-Blog (www. de.capgemini.com/it-trends-blog) und freuen uns, Ihre Meinung zu den Ergebnissen per Twitter oder per zu erfahren. Dr. Uwe Dumslaff Chief Technology Officer Germany Capgemini Dr. Peter Lempp COO Application Services Germany Capgemini Thomas Heimann Projektleiter IT-Trends Capgemini 3

4 4 Studie IT-Trends 2014

5 2. Executive Summary IT-Know-how im Führungskreis nimmt zu, die Bedeutung des CIOs nicht Die Zusammenarbeit zwischen Fachund IT-Seite hat sich in den letzten Jahren spürbar verbessert, abzulesen an der geringen Anzahl der CIOs, für die Business-IT-Alignment in diesem Jahr noch eine wichtige Anforderung ist. Der Fortschritt ist unter anderem auf das gestiegene IT-Know-how des Managements zurückzuführen, in dessen Folge IT-Themen jetzt häufiger im Vorstand diskutiert werden. Der CIO ist allerdings nicht mehr so oft dabei: In diesem Jahr ist die Zahl der CIOs mit einem festen Platz am Tisch um mehr als 10 Prozent gesunken. Damit könnte ihre Hoffnung auf die Rolle des Business Partners möglicherweise dahin sein, denn der Bedeutungsanstieg von Technologie führt offenbar nicht zwangsläufig dazu, dass auch der CIO für die Geschäftsleitung wichtiger wird. IT-Budgets entwickeln sich positiv Da die wirtschaftliche Lage gut ist, werden die IT-Ausgaben in diesem Jahr in mehr Unternehmen erhöht als gekürzt. Im kommenden Jahr profitieren vor allem die deutschen CIOs von Budgetsteigerungen, während sich die Lage in Österreich auf hohem Niveau stabilisiert. In der Schweiz hingegen müssen viele IT-Verantwortliche ihre Ausgaben ab dem kommenden Jahr senken. Die Investitionen der Fachabteilungen in Technologie sind wieder etwas zurückgegangen und erreichen mit 16 Prozent wieder das Niveau von Da nur etwa die Hälfte der CIOs über diese Ausgaben informiert ist, haben viele Angst vor negativen Konsequenzen: Sie fürchten um die Standardisierung der IT und befürchten den Aufbau einer Schatten-IT und neue Datensilos. Allerdings gehen die IT- Verantwortlichen etwas gelassener mit dem Thema um als 2013 und können auch Vorteile in den Investitionen der Fachabteilungen sehen. Diese stecken ihr Budget in erster Linie in Pilotprojekte zur Entwicklung neuer Geschäftsprozesse und kaufen neue Hardware wie beispielsweise Smartphones und Tablets ein. Der ohnehin schon geringe Anteil externer Cloud Services, der von der Fachabteilung direkt bezahlt wird, ist von 20 Prozent im Vorjahr auf knapp 11 Prozent zurückgegangen. Nutzung unternehmenseigener Clouds sprunghaft gestiegen Analog dazu stellen Unternehmen jetzt mehr Services aus der eigenen Cloud bereit. In den vergangenen Monaten wurden ihre Kapazitäten fast verdoppelt, so dass sie jetzt knapp 30 Prozent aller IT-Services bereitstellen. Der Public Cloud oder Services von Dritten stehen CIOs aber immer noch skeptisch gegenüber: Ihr Nutzungsgrad liegt im Durchschnitt bei lediglich etwas mehr als 4 Prozent der Gesamtleistung der IT. Outsourcing: Vertragslaufzeiten und Gewerkegrößen in Bewegung Klassische Application und Infrastructure Management-Leistungen sowie Softwareentwicklung werden aber weiterhin in großem Umfang von Dritten zugekauft. Allerdings verändern sich die Bedingungen: Etwas mehr als ein Drittel der Befragten geht davon aus, dass die Vertragslaufzeiten in Zukunft kürzer werden. Außerdem rechnet die Mehrheit mit einem neuen Zuschnitt der Gewerkegrößen: 35 Prozent wollen die Leistungspakete in Richtung Full- Outsourcing vergrößern, 27 Prozent gehen von der Aufteilung in kleinere Gewerke aus, die dann an verschiedene Spezialisten ausgelagert werden. Letzteres würde neue Steuerungsmodelle erfordern, da sind sich die Befragten einig. Weniger als 30 Prozent der CIOs holten im vergangenen Jahr auch Projekte ins Unternehmen zurück. Im Vordergrund stand der Wunsch, intern wieder das entsprechende Knowhow aufzubauen und die Reaktionsgeschwindigkeit zu erhöhen. Etwa jedes fünfte Unternehmen ist agil Ein Grund für Insourcing ist, dass die Fachabteilungen ein höheres Tempo fordern. Sie machen Druck auf die IT, Anwendungen schneller anzupassen und flexibler zu reagieren, und zwar ohne Qualitätseinbußen. Der Agilitätsindex zeigt, dass 19 Prozent der Befragten diese Kunst bereits beherrschen, während 37 Prozent noch ganz am Anfang stehen. Ihre IT-Landschaft deckt die fachlichen Anforderungen nicht gut ab und sie können die vereinbarten Service Level nicht einhalten. Darüber hinaus haben sie Schwierigkeiten, Prozesse schnell anzupassen und mit der Entwicklung neuer Software hinterherzukommen. Tops und Flops: Sicherheitsthemen belegen die ersten Plätze Mit Business Continuity, Schutz vor Malware und Security Compliance zählen neben Virtualisierung und Integration von Standard- und Individualsoftware überraschend viele Sicherheitsthemen zu den fünf wichtigsten Technologien und Themen Dabei schlägt sich die Affäre um die Abhöraktionen britischer und amerikanischer Geheimdienste vor allem darin nieder, dass der Schutz vor Industrie- und Datenspionage in diesem Jahr den zweithöchsten Bedeutungszuwachs überhaupt verzeichnete. Höher war er lediglich bei Machineto-Machine-Kommunikation. Nach jahrelangem Zögern setzen jetzt viele Unternehmen Projekte auf, um herauszufinden, welche Geschäftsmodelle sich lohnen. Viele CIOs implementieren außerdem Enterprise Collaboration- Plattformen, Lösungen für das Identity und Access Management und arbeiten an der Einbindung von Kunden in die digitale Prozessabwicklung. 5

6 3. Rahmenbedingungen Ziel Die Studie IT-Trends ermittelt den aktuellen Stand in der IT sowie die Trends der kommenden Jahre. Welche Themen sind den IT-Leitern im deutschsprachigen Raum wichtig? Wie entwickeln sich die Budgets? Wie verändern sich die Anforderungen an die IT und die Organisation der Abteilung? Eckdaten Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 141 Entscheidungsträgern, von denen 96 in deutschen, 27 in österreichischen und 18 in schweizerischen Unternehmen arbeiten. Sie erzielen zwischen 250 Millionen Euro und mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Ansprechpartner waren Personen, die auf Geschäftsführungsebene beziehungsweise oberer Managementebene zu den strategischen IT-Aktivitäten ihres Unternehmens Auskunft geben konnten. Alle Teilnehmer erhielten Fragen zu den folgenden Themen: Budgets der kommenden Jahre IT-Organisation Agilität der IT Sourcing Cloud Services Aktuelle IT-Trends Umsatzgrößenklassen Umsatzgrößenklasse der beteiligten Unternehmen unter 500 Mio. EUR 500 Mio. bis 1 Mrd. EUR 1 bis 2 Mrd. EUR 2 bis 5 Mrd. EUR 5 bis 20 Mrd. EUR über 20 Mrd. EUR 28,0 % 11,2 % 14,0 % 13,1 % 14,0 % 19,6 % Basis: Alle Befragten ohne Banken, Finanzdienstleister und öffentlicher Bereich (n = 107) Abweichungen zu 100 Prozent sind auf Rundungsdifferenzen zurückzuführen Bilanzsummengrößenklassen Bilanzsummengrößenklasse der beteiligten Banken und Finanzdienstleister unter 5 Mrd. EUR 5 bis 25 Mrd. EUR 25 bis 100 Mrd. EUR 100 bis 250 Mrd. EUR über 250 Mrd. EUR 33,3 % 16,7 % 8,3 % 33,3 % 8,3 % Basis: Banken und Finanzdienstleister (n = 12) Abweichungen zu 100 Prozent sind auf Rundungsdifferenzen zurückzuführen Abb. 01 Abb Studie IT-Trends 2014

7 Erhebungsinstrument Die Führungskräfte wurden schriftlich zur Teilnahme an der Studie eingeladen und erhielten einen persönlichen Zugangscode zum Online-Fragebogen mit überwiegend geschlossenen Antwortkategorien. Befragungszeitraum Capgemini führte die Befragung in der Zeit vom 16. September bis zum 18. Oktober 2013 durch. Die Adressen der kontaktierten Unternehmen stammten von Capgemini. Branchenverteilung Welcher Branche gehört Ihr Unternehmen an? Öffentlicher Bereich Handel Automobil Industrie Bank, Finanzdienstleister Versicherung Energieversorgung 15,6 % 12,1 % 11,3 % 11,3 % 8,5 % 5,7 % 5,0 % Telco & Medien Logistik Sonstige Servicebereiche IT-Dienstleister Gesundheitswesen Chemie Verkehr, Touristik Pharma 4,3 % 3,5 % 2,8 % 2,8 % 2,8 % 2,8 % 2,1 % 2,1 % Hightech 1,4 % Andere 5,7 % Basis: Alle Befragten (n = 141) Abweichungen zu 100 Prozent sind auf Rundungsdifferenzen zurückzuführen Abb. 03 7

8 8 Studie IT-Trends 2014

9 4. IT-Budgets Die wirtschaftliche Lage ist gut, dementsprechend wird in diesem Jahr in mehr Unternehmen investiert als gekürzt und 2016 entwickelt sich die Situation ebenfalls positiv, wobei die Unsicherheit mit der Länge des Prognosezeitraums zunimmt und demzufolge die Vorhersagen für 2016 etwas verhaltener sind. Die Lage in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist jedoch sehr unterschiedlich: Deutsche CIOs erwarten vor allem im kommenden Jahr Budgeterhöhungen, darunter viele IT-Verantwortliche aus dem öffentlichen Bereich. Sie rechnen damit, dass 2015 mit der Umsetzung des neuen E-Government-Gesetzes begonnen und in IT investiert wird, um dazu beizutragen, den Haushalt zu konsolidieren und die Herausforderungen des demografischen Wandels zu meistern. Am positivsten schätzen die CIOs im Handel die Situation ein: 2014 erwartet die Hälfte von ihnen höhere Budgets, für 2015 gehen sogar 64 Prozent von einer Steigerung aus. Die hohen Investitionen fließen in vielen Fällen in den Ausbau des Online-Geschäftes, der dem stationären Handel inzwischen große Konkurrenz macht. In Österreich profitieren 2014 ebenfalls viele CIOs von steigenden Budgets und können damit das hohe Investitionsniveau der letzten Jahre halten. Ab 2015 kehrt Stabilität ein, sprich wenig Kürzungen oder Erhöhungen. Im Gegensatz dazu rechnen viele Schweizer CIOs 2015 mit Einschnitten: Knapp 43 Prozent gehen von Kürzungen aus, im Folgejahr sogar 57 Prozent. IT-Budget-Veränderung Wie wird sich das IT-Budget 2014 im Vergleich zum Budget 2013 verändern? Weiß nicht/ keine Angabe 5,0 % Steigt 39,0 % Steigt um mehr als 10 % 14,0 % Steigt um bis zu 10 % 25,0 % Sinkt um bis zu 10 % 15,0 % Bleibt gleich 35,0 % 21,0 % Sinkt Sinkt um mehr als 10 % 6,0 % Basis: Alle Befragten (n = 100) Abb. 04 9

10 Infrastrukturkosten trotz stärkerer Cloud-Nutzung hoch Mit knapp 29 Prozent fließt der größte Teil der Ausgaben nach wie vor in die Aktualisierung von Hardware, Netzen und Infrastruktur, obwohl in diesem Jahr wesentlich mehr Infrastruktur- Services aus der Cloud kommen als im letzten Jahr. Die Ausgaben des öffentlichen Sektors und des Handels sind in diesem Segment mit knapp 35 beziehungsweise 33 Prozent anteilig am höchsten und liegen damit deutlich über dem Durchschnitt. Bei den staatlichen Stellen sind die hohen Infrastrukturkosten auf die strengen Sicherheitsvorschriften zurückzuführen, wegen derer viele Behörden und Ämter ihre eigenen Netze und Rechenzentren aufbauen und betreiben müssen. Beim Handel machen sich die Investitionen ins Online-Geschäft bemerkbar, das mehr Rechenzentrumskapazitäten und Netzleistung verlangt. Im vergangenen Jahr wurde fast ein Viertel des Geldes für kleinere Softwareaktualisierungen und die Implementierung von Minor Releases ausgegeben und damit knapp 6 Prozent mehr als für größere Softwareprojekte wie die Implementierung von Major Releases, Harmonisierungen und Upgrades. In diesem Jahr wird in beide Bereiche mit 21 und 22 Prozent ungefähr gleich viel Geld gesteckt. Für Innovationen stehen insgesamt knapp 21 Prozent des Budgets zur Verfügung, das ist in etwa der gleiche Anteil wie im Vorjahr (22 Prozent). Nutzung IT-Budget: Ausgaben nach Branchen Wie verteilt sich das Budget auf die folgenden Bereiche? Aktualisierung von Hardware, Netzen und Infrastruktur im Allgemeinen Wartung, Pflege und Projekte zu Minor Releases vorhandener Software (inkl. gesetzlicher Änderungen, kleinerer Korrekturen etc.) Projekte zu Major Releases vorhandener Software (inkl. Updates/Upgrades/Harmonisierungen etc.) Evaluierung von Innovationen Umsetzung von Innovationsprojekten (Beschaffung, Entwicklung, Implementierung) Puffer für unvorhergesehene Projekte 9,9 % Basis: Alle Befragten (n = 89) Abweichungen zu 100 Prozent sind auf Rundungsdifferenzen zurückzuführen 21,7 % 32,5 % 29,1 % 34,9 % 27,6 % 23,5 % 20,0 % 20,5 % 22,9 % 20,8 % 25,4 % 22,5 % 20,2 % 19,8 % 20,8 % 5,5 % 5,5 % 8,1 % 7,6 % 5,9 % 16,5 % 13,9 % 15,2 % 9,3 % 14,8 % 7,5 % 5,6 % 6,9 % 6,0 % Finanzdienstleister Handel Industrie Öffentlicher Bereich Andere Abb Studie IT-Trends 2014

11 Die Industrie investiert in diesem Jahr überdurchschnittlich viel in Innovationen. Insgesamt 23 Prozent ihrer IT-Ausgaben fließen in die Evaluation und Umsetzung. Am zweithöchsten sind die Ausgaben der Finanzdienstleister, die offenbar eine sehr effiziente Vorgehensweise entwickelt haben: Für die Beurteilung der Innovationen im Vorfeld benötigen sie lediglich knapp 6 Prozent des Budgets und können fast 17 Prozent in die Beschaffung, Entwicklung und Implementierung stecken. Im öffentlichen Bereich dagegen wird zwar relativ viel für die Evaluation, prozentual aber wenig für die Umsetzung ausgegeben. Demnach scheitern viele Projekte schon ganz am Anfang, bevor sie jemals praktisch erprobt wurden. Fachabteilung fährt IT- Investitionen etwas zurück Die Fachabteilungen geben in diesem Jahr etwas weniger Geld für Technologie aus als im vergangenen Jahr. Der Anteil ist von 19 auf rund 16 Prozent gesunken und damit wieder auf dem Niveau von Diese Investitionen werden von vielen CIOs nicht gern gesehen, weil sie negative Konsequenzen für die Standardisierung und Automatisierung der IT sowie den Aufbau einer Schatten-IT und neuer Datensilos befürchten. Diese Vorbehalte gründen sich unter anderem darauf, dass nur knapp 49 Prozent der Befragten (Vorjahr 48 Prozent) über jede Investitionsentscheidung der Fachabteilung informiert werden. Demnach haben viele CIOs keine Chance, beratend einzugreifen, um Wildwuchs zu verhindern. Obwohl sich der Informationsfluss in diesem Bereich kaum verändert hat, reagieren viele von ihnen gelassener als im vergangenen Jahr. Außerdem steigt die Anzahl derjenigen, die auch positive Aspekte sehen. Durch die Investitionen der Fachabteilung werden in ihren Augen zum Beispiel Anforderungen schneller umgesetzt und die IT-Abteilung entlastet. Allerdings kommt es darauf an, wofür das Geld ausgeben wird: Während Investitionen in Pilotprojekte für die Entwicklung neuer Geschäftsprozesse für die IT-Einheit unkritisch sind, können der Einkauf von Hardware, Umsetzung von Projekten, die die IT-Abteilung abgelehnt hat, oder die Nutzung externer Cloud Services Probleme verursachen. 11

12 Letztere ist in diesem Jahr aber stark zurückgegangen, sie fiel von 20 auf knapp 11 Prozent. Gleichzeitig ist die Bereitstellung von IT-Leistungen aus der unternehmenseigenen Cloud gestiegen. Demnach könnten die Projekte im vergangenen Jahr Pilotierungsmaßnahmen gewesen sein, die jetzt inhouse umgesetzt werden. Es ist aber auch möglich, dass durch die erneute Diskussion um die Datensicherheit einige Projekte von externen Dienstleistern ins Unternehmen geholt wurden. Einschätzung der CIOs zu Ausgaben der Fachabteilungen Wie bewerten Sie die Verwaltung von IT-Budget durch die Fachabteilung? Positiv 21,1 % 13,7 % Neutral 36,8 % 34,4 % Negativ 39,5 % 48,1 % Keine Meinung 2,6 % 3,8 % Studie 2014 Studie 2013 Basis: Alle Befragten (2014: n = 76; 2013: n = 131) Abb. 06 In den vergangenen drei Jahren haben wir viel in Zentralisierung und Integration investiert. Die dadurch erreichte Stabilisierung der Lage erlaubt uns, in den nächsten Jahren verstärkt in Innovation zu investieren. Dipl.-Ing. Anton Leitner CIO, NÖM AG, Österreich 12 Studie IT-Trends 2014

13 Fachabteilungen in der Industrie und von Finanzdienstleistern gehen eigene Wege In der Industrie sieht die Lage allerdings anders aus: Ihre Fachabteilungen geben überdurchschnittlich viel Geld für externe Cloud-Lösungen aus, obwohl ihre CIOs genauso umfangreich wie Kollegen anderer Branchen eigene Lösungen aufbauen. Dabei konzentrieren sie sich allerdings auf Infrastruktur- und Plattform-Lösungen und kaufen Software-as-a-Service verstärkt zu. Die Hemmschwelle für die Nutzung externer Cloud-Applikationen ist demnach geringer und Fachabteilungen wie Marketing und Kommunikation, HR und Vertrieb erhalten mehr Freiraum, selbst einzukaufen, weil die IT-Einheit kein adäquates Angebot bieten kann oder will. Darüber hinaus stecken diese Fachabteilungen viel Geld in Hardware, weil die Wunschgeräte offenbar nicht zur Verfügung gestellt werden. Wenn das ohne das Wissen der IT-Einheit passiert, können neue Sicherheitslücken und Supportprobleme entstehen. Im Gegensatz dazu investieren Fachabteilungen von Finanzdienstleistern sehr stark in Projekte, die die IT abgelehnt hat. Ein Grund dafür könnte sein, dass die zentralen IT- Abteilungen in vielen Banken derzeit damit beschäftigt sind, die Kernbankensysteme zu optimieren und zu erneuern. Für weitere Innovationen bleiben dann oft keine Ressourcen und die Fachabteilungen gehen eigene Wege, um ihre Projekte umzusetzen. Ein anderer Grund könnte sein, dass die Maßnahmen zwar in Absprache mit der eigenen IT-Einheit umgesetzt, aber eben nicht von ihr finanziert werden. Budgetausgaben der Fachabteilungen nach Branchen Zu welchem Zweck werden die von der Fachabteilung verwalteten Mittel verwendet? 54,5 % Pilotprojekte für die Entwicklung neuer Geschäftsprozesse 50,0 % 42,1 % 44,4 % 53,8 % 9,1 % 10,0 % Nutzung externer Cloud Services 26,3 % 0,0 % 3,8 % 45,5 % 10,0 % Realisierung von Projekten, die die IT abgelehnt hat 15,8 % 22,2 % 23,1 % 18,2 % Finanzierung von Hardware (z. B. Tablet-PCs, Smartphones) 40,0 % 52,6 % 11,1 % 53,8 % Andere Zwecke Basis: Alle Befragten (n = 75); Mehrfachnennungen möglich 27,3 % 20,0 % 21,1 % 22,2 % 15,4 % Finanzdienstleister Handel Industrie Öffentlicher Bereich Andere Abb

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15 5. IT-Organisation Der Effizienz- und Kostendruck ist hoch Der Effizienzdruck auf die IT-Abteilungen ist in diesem Jahr leicht gesunken. Dennoch ist eine effiziente Erbringung von IT-Services nach wie vor die wichtigste Anforderung an den CIO. Darüber hinaus müssen verglichen mit dem Vorjahr jetzt mehr IT-Verantwortliche die Kosten senken. Diese Anforderung korreliert nicht unbedingt mit Budgetkürzungen, denn in der Regel geht einer Kostensenkung eine Investition voraus, die beispielsweise für mehr Effizienz oder Automatisierung sorgt. Darüber hinaus müssen neu entwickelte Anwendungen oder Innovationen nach der Pilotphase erst standardisiert werden, um sie effizient betreiben zu können. Auch das kostet erst einmal Ressourcen. Aufgrund dieser beiden Phänomene sind CIOs im Grunde genommen permanent damit beschäftigt, die Kosten zu senken. Fachabteilung und IT arbeiten besser zusammen Überraschenderweise haben nur noch 9 Prozent der CIOs die Vorgabe, das Business-IT-Alignment zu verbessern (Vorjahr knapp 18 Prozent), was darauf hindeutet, dass sich die Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen verbessert hat. Die Daten zeigen, dass die Kooperation desto reibungsloser funktioniert, je kleiner das Unternehmen ist. Effizienz der IT steigern Verbesserung der Geschäftsprozesse Kosten der IT senken Das ist auf die flacheren Hierarchieebenen und die kürzeren Abstimmungswege zurückzuführen, die generell eine engere Zusammenarbeit ermöglichen. In Konzernen (mehr als 5 Milliarden Umsatz pro Jahr) sind die Abstimmungswege dagegen deutlich komplexer, deshalb steht das Thema dort bei mehr als doppelt so vielen CIOs auf der Agenda wie im gehobenen Mittelstand. Anforderungen an die IT 2014 Was werden die drei wichtigsten Anforderungen an die IT in Ihrem Unternehmen im kommenden Jahr sein? 44,0 % 41,8 % 38,3 % Neben höherer Effizienz und niedrigeren Kosten haben deutlich mehr IT- Verantwortliche als im letzten Jahr die Aufgabe, die Geschäftsprozesse zu verbessern. Das gilt vor allem für den kleineren Mittelstand mit einem Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro pro Jahr und den gehobenen Mittelstand mit einem Umsatz zwischen 500 Millionen und 5 Milliarden Euro pro Jahr. Parallel dazu ist der Druck der Fachabteilung gestiegen, IT-Services schneller bereitzustellen. Das bekommen vor allem die CIOs von Konzernen zu spüren, die häufig aufgrund der gewachsenen Strukturen Flexibilität eingebüßt haben. Für viele von ihnen gilt in diesem Jahr darüber hinaus die Vorgabe, die Interaktion mit Kunden und Partnern zu verbessern. Bereitstellung konstant stabil laufender IT-Services Unterstützung des Unternehmens/der Behörde beim Wandel Entwicklung neuer innovativer IT-Produkte und -Services Schnellere Bereitstellung von IT-Services Verbesserung der Informationsauswertung und -nutzung Verbesserung der Interaktion mit Kunden/Bürgern und Partnern des Unternehmens/der Behörde Erhöhung der Datensicherheit Förderung des Umsatzwachstums des Unternehmens Business-IT-Alignment Erfüllung der Compliance-Anforderungen Steuerung der operativen IT-Risiken Basis: Alle Befragten (n = 141) 34,8 % 25,5 % 21,3 % 19,1 % 14,9 % 14,2 % 10,6 % 10,1 % 9,2 % 9,2 % 2,8 % Abb

16 Die Anforderungen an die Datensicherheit allgemein sind in diesem Jahr nicht wesentlich gestiegen, trotz der Affäre rund um die Abhöraktionen des amerikanischen und britischen Geheimdienstes. Sie schlägt sich aber deutlich in der höheren Bedeutung des Themas Abwehr von Industriespionage nieder (siehe Kapitel Tops und Flops ). Die bessere Auswertung und Nutzung von Informationen steht nur bei knapp 15 Prozent der CIOs auf der Prioritätenliste. Der Wert ist im Vergleich zur Studie 2013 kaum gestiegen und spiegelt die Zurückhaltung der IT-Verantwortlichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Bezug auf die Nutzung von Big Data Analytics wider. Viele Unternehmen sind nach wie vor im Experimentierstadium oder beschäftigen sich überhaupt nicht damit. IT-Know-how des Managements nimmt zu, Bedeutung des CIOs nicht Da IT inzwischen in fast allen Bereichen des Unternehmens eine wichtige Rolle spielt, bemühen sich offenbar auch immer mehr Mitglieder der Geschäftsleitung darum, Technologie und ihre Möglichkeiten zu verstehen. Mehr als die Hälfte der befragten CIOs ist der Meinung, dass das IT-Know-how im Führungskreis in den letzten beiden Jahren zugenommen hat, vor allem im gehobenen Mittelstand. Aufgrund des gestiegenen Wissens werden IT-Themen bei knapp 61 Prozent der betroffenen CIOs häufiger im Führungskreis besprochen, für 23 Prozent hat sich dadurch die Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung verbessert. Von höherem Zeit- und Kostendruck berichten lediglich knapp 10 Prozent. Es gibt allerdings auch eine Kehrseite dieser insgesamt positiven Entwicklung: Im Gegensatz zum letzten Jahr nehmen jetzt weniger CIOs an allen Sitzungen des Management Boards teil. Die Quote sank von fast 37 auf 32 Prozent. Im Gegenzug stieg der Anteil der CIOs, die nur manchmal teilnehmen, um fast 7 Prozentpunkte. Position als Business Partner ausbauen kann. Im Gegenteil: Allmählich zeichnet sich ab, dass IT-Know-how in Zukunft zum Basisrepertoire jeder Führungskraft im Management gehören wird. Vom CIO wird zwar nach wie vor erwartet, dass er das Geschäft versteht, aber seine Bedeutung in der Geschäftsführung sinkt proportional, je weniger technologieaffin die Branche ist. Bei Finanzdienstleistern beispielsweise nehmen 45 Prozent der CIOs regelmäßig an Board-Sitzungen teil, in der Industrie und der Automobilbranche sind es nur knapp 17 Prozent. In 10 Jahren werden mehr Leistungen dazugekauft Das gestiegene IT-Know-how in den Führungsetagen scheint sich auch auf die zukünftige Entwicklung der IT-Organisation auszuwirken. Im vergangenen Jahr ging noch ein Drittel der befragten CIOs davon aus, dass es in 10 Jahren zwei IT-Abteilungen geben könnte, nämlich eine für die technische Infrastruktur und eine für Geschäftsprozesse. Auf diese Weise hätte die IT-Funktion die Möglichkeit, den gestiegenen Anforderungen an das geschäftliche Know-how gerecht zu werden und gleichzeitig die technische Kompetenz auf demselben hohen Niveau weiterzuentwickeln. Wahrnehmung von IT Messen Sie den Erfolg der IT? Unternehmen nach Umsatzgröße bis 500 Mio. EUR 500 Mio. bis 5 Mrd. EUR über 5 Mrd. EUR 50,0 % 50,0 % 56,1 % 43,9 % 72,2 % 27,8 % Basis: Alle Befragten ohne Banken, Finanzdienstleister und öffentlicher Bereich (n = 107) Dieses Modell befürworten in diesem Jahr aber nur noch knapp 24 Prozent der Befragten, darunter viele CIOs aus Unternehmen des größeren Mittelstandes. Im Gegenzug hat ein anderes Modell Anhänger gewonnen. Knapp 51 Prozent der Befragten (Vorjahr rund 47 Prozent) denken, dass in 10 Jahren die meisten IT-Services von externen Dienstleistern erbracht und nur noch auf der eigenen Plattform integriert werden. Dieses Konzept wird vor allem von Konzern- CIOs favorisiert und deutet auf die Verkleinerung der internen IT-Funktion hin. Als Gründe werden in erster Linie die steigende Komplexität und der zunehmende Druck auf die Kosten genannt. Dass dieses Modell durch die einfachere Integration externer Services oder leistungsfähigere Angebote der Dienstleister beschleunigt wird, halten nur wenige CIOs für die Treiber der Veränderung. Weniger als ein Fünftel der Befragten geht davon aus, dass sich organisatorisch prinzipiell nichts ändern wird. Ihre Zahl hat im Vergleich zu 2013 ebenfalls leicht zugenommen und könnte auch ein Indiz dafür sein, dass sich die Rolle des CIOs nicht so stark wandeln wird, wie in den letzten Jahren aufgrund der Digitalisierung angenommen wurde. Ja Nein Abb. 09 Der Bedeutungsanstieg von Technologie hat also nicht dazu geführt, dass auch der CIO wichtiger wird und seine 16 Studie IT-Trends 2014

17 Der Erfolg der IT wird zu selten gemessen Obwohl der Druck auf die Kosten und die Leistung der IT nach wie vor hoch ist, erheben lediglich knapp 58 Prozent der Befragten Leistungskennzahlen. In Konzernen ist die Erfolgsmessung naturgemäß stärker ausgeprägt und nimmt proportional zur Größe des Unternehmens ab. Am häufigsten werden IT-Kennzahlen gemessen und zwar vor allem die IT-Kosten pro Arbeitsplatz und die IT-Kosten pro Umsatz in Prozent. Beide Zahlen sind relativ leicht zu ermitteln. Die IT-Kosten pro Umsatz sind allerdings von der Wertschöpfungstiefe des Unternehmens abhängig und nur bedingt mit den Werten anderer Unternehmen vergleichbar. Häufig werden IT-Kosten, die in zugekauften Produkten stecken, nicht ausgewiesen. Dadurch erscheinen die prozentualen IT-Kosten niedrig, weil die Ausgaben des Zulieferers in den Produktkosten verschwinden. Kostengünstiger ist nicht unbedingt besser Die IT allein an den Kosten zu messen, ist aber ohnehin problematisch: Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen mit höheren IT-Ausgaben häufig effektiver und profitabler sind als der sparsame Wettbewerb. Der Grund ist, dass übertriebenes Sparen dazu führen kann, dass die Geschäftsprozesse nicht mehr optimal abgedeckt werden und dann die Kosten in den Fachabteilungen steigen. Damit erscheint die IT zwar sehr kosteneffektiv, dient aber nicht dem Ziel, die Effizienz des Unternehmens zu erhöhen. Nur knapp 60 Prozent der CIOs halten die Infrastrukturkosten pro Anwender nach, obwohl diese relativ leicht zu erheben und die zugrundeliegenden Leistungen stark standardisiert sind. Fast gar nicht werden die Entwicklungsoder Projektkosten pro Anwender gemessen. So eine Erhebung ist zum Beispiel sinnvoll, um herauszufinden, ob sich die Auslagerung dieser Leistungen lohnt, weil das Angebot des Dienstleisters günstiger ist. Man kann aber nur zwei identische Projekte vergleichen, weil die Kosten sowohl branchen- als auch technologieabhängig sind. Marktzahlen haben wenig Aussagekraft. Business-KPIs werden von vielen befürwortet Die Messung von geschäftlichen Kennzahlen in der IT sollte nach Meinung vieler CIOs deutlich ausgebaut werden. Die Ursache ist unter anderem der hohe Rechtfertigungsdruck, dem die IT unterliegt. Denn im Zuge der Digitalisierung verursacht sie scheinbar immer höhere Kosten, deren Mehrwert für das Unternehmen schwer nachzuweisen ist. Das soll sich nach Meinung der Befragten ändern. Die meisten wollen dazu den Beitrag der IT zur Verkürzung der Durchlaufzeiten messen. Damit könnten sie den Effizienzgewinn darstellen, der sich nicht nur in niedrigeren Betriebskosten, sondern auch in Wettbewerbsvorteilen niederschlagen kann. Knapp 70 Prozent würden den Beitrag der IT zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit ermitteln, der sich vor Erfolgsmessung der IT Business-KPIs Woran messen Sie hauptsächlich den Erfolg der IT? Woran sollte er Ihrer Meinung nach gemessen werden? Beitrag der IT zur Verkürzung von Durchlaufzeiten Beitrag der IT zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit Beitrag der IT zur Verringerung der Produktkosten* Beitrag der IT zu schnellen Markteinführungen (Time to market)* Anteil der IT an der Umsatzsteigerung* Anteil der IT an der Gewinnsteigerung* Anteil der IT an der Gewinnung von Marktanteilen* allem an der Nutzerfreundlichkeit und Effektivität von Online-Shops und Webseiten, aber auch an der Optimierung von Geschäftsabläufen inklusive Automatisierung und Verringerung der Fehleranfälligkeit, der besseren Verzahnung von Anwendungen und vielem anderen mehr messen lässt. Manche Kennzahlen sind schwer zu ermitteln In der Praxis ist das allerdings schwierig. Obwohl es 70 Prozent sinnvoll fänden, den Beitrag der IT zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit zu messen, sind derzeit nur 42 Prozent der CIOs dazu auch in der Lage. Ähnlich verhält es sich mit dem Beitrag der IT zur Verringerung der Produktkosten, den 40 Prozent messen. Sehr sinnvoll, aber offenbar schwer zu realisieren ist auch die Messung des Anteils der IT an der schnelleren Markteinführung von Produkten. Während sie von 58 Prozent als wichtige Kennzahl eingestuft wird, können sie nur knapp 21 Prozent ermitteln. 76,5 % 44,6 % 69,8 % 42,4 % 61,4 % 40,4 % 58,1 % 20,9 % 52,3 % 15,6 % 41,9 % 13,0 % 33,3 % 11,4 % Basis: Alle Befragten, die Erfolg der IT messen (n = 59) * Basis: Alle Befragten ohne öffentlicher Bereich, die Erfolg der IT messen (n = 47) Soll Ist Abb

18 18 Studie IT-Trends 2014

19 6. Agilität der IT Die Industrialisierung der IT ist mittlerweile sehr weit fortgeschritten und hat eine Plateauphase erreicht. In den letzten beiden Jahren haben sich der Modularisierungs-, Standardisierungsund Automatisierungsgrad der IT- Landschaft und der IT-Prozesse nur noch marginal verändert und die Eigenleistungstiefe stagnierte. Wir ziehen daraus den Schluss, dass der Industrialisierungsdruck inzwischen gesunken ist, weil bereits recht gute Bedingungen geschaffen wurden. Agilität drängt Industrialisierung in den Hintergrund Dafür werden zusätzliche Anforderungen an die IT gestellt: Fachabteilungen verlangen ein höheres Tempo bei der Entwicklung neuer und der Anpassung vorhandener Anwendungen. Sie wünschen sich mehr Agilität, um in der schnelllebigen Welt zeitnah reagieren zu können. Ohne eine industrialisierte IT sind diese Anforderungen nicht zu erfüllen, aber sie allein reicht nicht mehr aus. Zusätzlich benötigt das Unternehmen eine zukunftsfähige IT-Architektur, eine effiziente und auf die Fachseite ausgerichtete IT-Organisation, ein partnerschaftliches Verhältnis zu ihr, genügend Budget und die Unterstützung der Geschäftsleitung. Nur so wird das Unternehmen das hohe Tempo in den kommenden Jahren mitgehen können. Geschwindigkeit allein bringt aber wenig, wenn die Qualität nicht stimmt. Die IT-Abteilung muss außerdem die Service Level einhalten, die Projektlaufzeiten begrenzen und anforderungsspezifisch entwickeln, was die Fachseite benötigt. Der Agilitätsindex Um die Agilität von Unternehmen in dieser Form anhand der Dimensionen Flexibilität und Qualität zu ermitteln, haben wir einen Index entwickelt, der auf folgenden Kriterien basiert: Dimension Flexibilität: die Fähigkeit, einen bestimmten Prozentsatz der Kernprozesse innerhalb von drei Monaten zu ändern anforderungsgerechte Entwicklung neuer und die Weiterentwicklung vorhandener Software im vergangenen Jahr, dabei wurden die Kernprozesse zu den unterstützenden Prozessen im Verhältnis 70 zu 30 gewichtet Dimension Qualität: die Abdeckung der von der Fachseite geforderten IT-Funktionalität im vergangenen Jahr die Erfüllung der Service Level im vergangenen Jahr Da sich einige Einflussgrößen auf die Zusammenarbeit zwischen Fach- und IT-Seite beziehen, betrachtet der Index nicht nur die Arbeit des CIOs allein, sondern auch die Agilität des Unternehmens insgesamt. 19

20 Jede Organisation wurde anhand ihrer Ergebnisse einer der folgenden vier Gruppen zugeordnet: Die Überforderten (37,2 Prozent) erzielen im Vergleich zur Gesamtstichprobe unterdurchschnittliche Ergebnisse. Ihre IT-Landschaft deckt die Anforderungen der Fachabteilung nicht gut ab und sie können die vereinbarten Service Level nicht einhalten. Darüber hinaus haben sie Schwierigkeiten, Prozesse schnell anzupassen und mit der Entwicklung neuer Software hinterherzukommen. Die Qualitätsbewussten (37,2 Prozent) konzentrieren sich darauf, die Bedürfnisse der Fachabteilung mit ihrer IT- Landschaft abzudecken, und legen viel Wert darauf, die Service Level zu erfüllen. Sie haben allerdings Schwierigkeiten, neue Anforderungen zeitnah umzusetzen, da ihre IT-Landschaft zu unflexibel ist. Agile Unternehmen kommen häufig aus wettbewerbsintensiven Branchen Was charakterisiert die einzelnen Gruppen noch? Unter welchen Bedingungen arbeiten CIOs in agilen Unternehmen und wie haben sie die Voraussetzungen für Qualität und Flexibilität geschaffen? Man könnte annehmen, dass vor allem kleine Unternehmen gut abschneiden, weil sie aufgrund der kurzen Abstimmungswege und einer weniger komplexen IT-Landschaft flexibler sind. Das ist jedoch nicht der Fall. Da der Index auch die Qualität der IT-Landschaft und der Leistungen der IT-Abteilung beurteilt, gehören Organisationen jeder Größe zu den Besten. Agilitätsindex 2014 Unternehmen der einzelnen Index- Gruppen kann man aber in gewissem Maße bestimmten Branchen zuordnen. Auffallend viele Agile sind Finanzdienstleister oder kommen aus dem Handel, während zu den Überforderten etwas mehr Energie- und Automobilkonzerne gehören. Im Einklang mit den Ergebnissen vergangener Jahre zeigt das, dass Finanzdienstleister und der Handel sehr viel für eine flexible IT-Landschaft und die passgenaue Abdeckung der geschäftlichen Anforderungen tun, da sie in einem wettbewerbsintensiven Endkundenmarkt agieren. Die Energieund Automobilbranche verkauft zwar auch an Endkunden, aber die Interaktion mit ihnen findet nicht so häufig statt wie in den erstgenannten Beide Dimensionen im Griff haben die Agilen (19,1 Prozent): Sie können schnell neue Anwendungen bereitstellen und einen hohen Prozentsatz ihrer Kernprozesse innerhalb von drei Monaten ändern. Darüber hinaus erfüllen die Anwendungen die Anforderungen der Fachabteilung und die Service Level Agreements werden zu einem überdurchschnittlich hohen Prozentsatz eingehalten. hoch 37,2 % qualitätsbewusst 19,1 % agil Diese Art von Qualität fehlt den Flexiblen (6,4 Prozent), darüber hinaus deckt ihre IT-Landschaft nicht die geforderten Funktionalitäten ab. Im Gegenzug sind sie aber in der Lage, schnell neue Anwendungen zu entwickeln und ihre Kernprozesse in kurzer Zeit an neue Anforderungen anzupassen. Qualität 37,2 % 6,4 % überfordert flexibel niedrig Flexibilität hoch Basis: Alle Befragten (n = 94) Abweichungen zu 100 Prozent sind auf Rundungsdifferenzen zurückzuführen Abb Studie IT-Trends 2014

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