Fair Trade - Ethischer Konsum Ein Stundenentwurf

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1 Utensilien für die Gruppenstunde Konsum Ethik Fairtrade Beamer Internetzugang Einige Teilnehmer haben Smartphones Einige Teilnehmer bringen ihre Laptops für Online-Recherche mit Fair Trade - Ethischer Konsum Ein Stundenentwurf 1. Einleitung Als am 24. April 2013 in Bangladesch die große Textilproduktionsstätte Rana Plaza einstürzte und über 1000 Arbeiterinnen und Arbeiter unter sich begrub, schien die Welt aufzuschrecken. Denn viele bekannte Modefirmen in Deutschland ließen in dem Gebäude ihre Kleidung fertigen - zu unmenschlichen Bedingungen für die vielen Arbeiterinnen. Obwohl die ausbeuterischen Methoden schon vorher bekannt wurden, blickte die Öffentlichkeit zum ersten Mal hinter die Praktiken in der Textilbranche und fing stärker als zuvor an das alltägliche Unrecht an den Arbeiterinnen zu sehen. Ethischer Konsum und Fair Trade sind schon lange keine Neuheit mehr. Fast jeder kennt die Fair Trade und Bio Siegel auf dem Kaffee, dem Orangensaft oder ähnliche Siegel bei Textilien, Holzprodukten und Papier. Aber ethisch zu konsumieren, ist nicht immer leicht, denn die Vielzahl der Siegel, die unterschiedlichen Standards, eine aufwendige Suche nach ethischer Kleidung und ein höherer Preis sind für viele Konsumenten Barrieren. Dennoch wächst der Markt für faire und ökologische Produkte und mit unserem Kaufverhalten können wir nicht nur unserer christlichen Identität Ausdruck verleihen, sondern auch dazu beitragen, dass sich die Bedingungen für Arbeiterinnen in Asien konkret verändern. 1.1 Die Idee vom ethischen Konsum Die Anfänge des modernen Fair Trades reichen bis in die 40er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die mennonitische Hilfsorganisation MCC in den USA importierte Produkte, die in ihren Projekten zu fairen Bedingungen in den Entwicklungsländern hergestellt wurden und verkaufte sie an Unterstützer. Aber schon in der Kolonialzeit begannen Christen (z.b. die Quäker) sich für gute und faire Arbeitsverhältnisse der Arbeiter in den Kolonialländern einzusetzen. Heute beziehen wir nicht nur Produkte, die bei uns nicht natürlicherweise wachsen können (z.b. Bananen, Kaffee, ), sondern lassen viele unserer Produkte aus Kostengründen in ausländischen Fabriken fertigen (Kleidung, Elektronik, ). Dort herrschen aber oft andere Sozial- und Umweltstandards und Sicherheitsbestimmungen. Viele Arbeiterinnen und ihre Familien leben unterhalb des Existenzminimums, leiden unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen und haben keine Chance sich zu wehren. Günstige Produkte für den Konsumenten und hohe Profite für die Unternehmen sind das Ergebnis. Ethischer Konsum achtet darauf, dass alle drei Beteiligten (ArbeiterInnen, Unternehmen und Konsumenten) ihren fairen und lebenssichernden Anteil bekommen. 1.2 Ethischer Konsum auf drei Säulen in der Produktionskette 1. Säule: Sozialstandards

2 - faire und lebenssichernde Entlohnung - Recht gewerkschaftlich zu organisieren - Richtlinien zum Arbeitsschutz (keine Kinderarbeit, faire Arbeitszeiten, ) - Weiterbildung und unabhängige Beschwerdemöglichkeiten für die ArbeiterInnen 2.Säule: Umweltstandards - Ressourcenschonende Produktion - Begrenzungen für den Gebrauch von Schadstoffen - Gebrauch von Bio-Baumwolle 3.Säule: Transparenz und Glaubwürdigkeit - Wie glaubwürdig sind die versprochenen Standards in den Produkten? - Gibt es unabhängige und externe Prüfer mit veröffentlichten Prüfergebnissen? - Gibt es ein glaubwürdiges Siegel, das die Standards garantiert oder eher ein Marketing ohne wirklicher Veränderung (sog. greenwashing)? Quelle: CIR/Illustration: Marco Fischer, grafischer.com 1.3 Einige wichtige Siegel im Überblick für den Textilbereich: - Cotton Made in Africa (CMiA) - Global Organic Textile Standard (GOTS) - SA8000/SAI - Naturland - Fartrade Certified Cotton - Fair Wear Foundation 1.4 Online-Shops und Portale mit fairen Textilien - Avocado (www.avocadoshop.de) - Hessnatur (www.hessnatur.de) - Greenality.de - - Manommama.de - Glimpseclothing.de - Nackedei-clothing.de - 3freunde.de

3 - Andrekossmann.com - Calebshill.de - Bleed-clothing.de - Ethletic.de (Schuhe) 2. Praktischer Teil 2.1 Einstieg: Barrieretest Folgende vier Hindernisse zeigen sich oft als Barrieren für ethischen Konsum: Diskussion in der Gruppe: Welche der genannten Gründe trifft auf euer Kaufverhalten zu? Barrieren und Einwände (Barrieretest) Gruppenarbeit 1 Ethischer Konsum ist zu teuer. Konsumverhalten reflektieren und Alternativen finden. 2 Fair gehandelte Textilien sind schwer zu finden (denn meine Lieblingsmarke handelt und produziert nicht fair). 3 Welchen Siegeln kann ich trauen? Es gibt so viele Siegel und ich blick da nicht mehr durch. 4 Ist eine gute Sache, aber für mich keine christliche Priorität. Wo finde ich Kleidung, wenn ich ethisch konsumieren will? Online Testeinkäufe. Mit einer App Klarheit über Siegel bekommen. Gottes Herz für Gerechtigkeit entdecken (evtl. auch als biblischer Impuls vom Leiter). 2.2 Gruppenarbeit: Resultierend aus dem Barrieretest Nach dem Barrieretest gibt es eine Kleingruppenarbeit (ca. 25min, anschließend präsentiert jede Gruppe in je 5 min ihre Ergebnisse). Hierfür können sich die Teilnehmer in Gruppen je nach eigener Bewertung einteilen (Bsp: Diejenigen, die Argument 1 als höchstes bewertet haben, treffen sich in Gruppe 1 usw.) oder die Teilnehmer suchen sich eine Gruppe selber aus, nachdem der Leiter die Gruppenarbeit vorgestellt hat. Gruppe 1: Ethischer Konsum ist zu teuer Wie gehen kostengünstig und fair zusammen? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es? Diskutiert folgende Optionen und Aussagen: - Second Hand Kleidung: Gebrauchte Kleidung ist meist günstig. Kleidertausch mit Freunden und Bekannten wirkt sich schonend auf den Geldbeutel aus. Dann bleibt mehr für fair gehandelte Kleidung übrig. - Nicht alle fair gehandelte Produkte sind immer viel teurer. - Es lohnt sich nachhaltige und faire Kleidung zu kaufen, die man länger tragen kann als viele Billig-Shirts, die in wenigen Monaten im Müll landen. - Weniger ist mehr: Im Schnitt kauft jede und jeder Deutsche fünf neue Teile im Monat. Jedes Jahr kommen also 60 neue Teile in den Kleiderschrank. Als sei der nicht ohnehin schon vollgestopft. 300 Teile oder mehr sind hierzulande keine Seltenheit. Und von dem, wird zumeist nur ein Drittel regelmäßig getragen. - Wenn ein Produkt fair gehandelt sein soll, muss bei dem Arbeiter auch mehr Lohn ankommen. Ein höherer Preis ist damit auch gerechtfertigt.

4 Stellt eine Kostenrechnung auf: - Wieviel gebt ihr für Klamotten aus? - Wie könnten Mehrkosten für ein Einzelkleidungstück kompensiert werden? - Wie viele Kleidungsstücke braucht man eigentlich? Was wollt ihr euch vornehmen, um aus der zu teuer Falle herauszukommen? Gruppe 2: Fair gehandelte Textilien sind schwer zu finden Onlineshopping als Test: Wo finde ich fair gehandelte Kleidung? Sucht als Gruppe auf den gelisteten Webadressen (siehe oben) und sucht nach Kleidungsstücken, die euch gefallen und vom Preis ok sind. Sucht ein Oberteil (T-Shirt, Hemd, ) und eine Hose bzw. Rock aus. Mit welchen Siegeln bzw. Zertifikate wird eine faire Produktion nachgewiesen? Diskutiert in der Gruppe: Was habt ihr gefunden? Gibt es auch preislich gute Angebote? Was war schwer zu finden? Anschließend präsentiert eure fairen Kleidungsstücke (z.b. per Beamer) und eure Diskussionsergebnisse. Gruppe 3: Welchen Siegeln kann ich trauen? Die christliche Initiative Romero schreibt: Zahlreiche Siegel und Standards sind mit dem zunehmenden Trend des ethischen Konsums ins Leben gerufen worden aber was verbirgt sich hinter den bunten Logos und wohlklingenden Standards? Für viele KonsumentInnen ist es schwer, hier zwischen glaubhaften Ansätzen und sogenanntem Greenwashing zu unterscheiden. Aktion: Siegelklarheit gewinnen und Siegelapps ausprobieren. Es gibt zwei Apps, die einen Überblick über unterschiedliche Siegel und deren Qualität geben. (neue App, bisher nur im Bereich Textilien) und Ladet beide Apps auf eure Smartphones und testet sie aus. Klärt folgende Fragen: - Was bewerten die Siegel? - Wie glaubhaft und transparent sind sie? - Welche Siegel bewerten nur Umweltstandards oder nur Sozialstandards? - Findet ihr ein Siegel, das bei allen drei Kategorien gut abschneidet? - Welche Beobachtungen macht ihr? Bei der Christlichen Initiative Romero kann ein Siegelheft Wear fair im Hosentaschenformat für 1 bestellt werden. Dort werden alle Siegelanbieter bewertet. Gruppe 4: Gottes Herz für Gerechtigkeit entdecken Lest folgende Bibelstellen und schreibt die Verse auf Moderationskarten: Psalm 12:6; Jesaja 1:17; Sprüche 14:31; 1Thess 4:6-8; Jakobus 5:4 Diskutiert folgende Fragen und schreibt einzelne Punkte auf farbliche Karten - Grün: Was ist Gott in Bezug zu Menschen in Armut wichtig? - Gelb: Wie gehen die biblischen Autoren mit Ausbeutung und ungerechter Entlohnung um? - Rot: Wie sieht das christliche Leitmotiv für den Handel aus? - Blau: Welche Anweisungen ergeben sich für ein authentisches Christsein?

5 Teilt eure Beobachtungen anhand der Moderationskarten auf einer Tafel mit den Anderen. 2.3 Abschluss: Überlegt gemeinsam: - Was war für mich neu? - Welche Auswirkungen hat es auf mein Kauf- und Nutzungsverhalten? - Welche ersten Schritte nehme ich mir bewusst vor? Ergänzt euer Wissen mit dem Quiz von der Micha-Initiative zum Thema fairer Konsum in der Textilbranche: 2.4 Aktionsideen Ihr wollt aktiv Dinge zum Thema ethischen Konsum ausprobieren? Hier sind einige Ideen für euch als Gruppe. Faire Frühstückparty: Veranstaltet gemeinsam ein faires Frühstück und jeder bringt mindestens ein faires Produkt mit. Z.B Kaffee, Orangensaft, Schokocreme, Milch, Brötchen vom selbstbackenden Bäcker Faire Shoppingtour: Welche Klamotten wollt ihr euch in Zukunft zulegen? Sucht gemeinsam nach fairen Produkten unter folgenden Kriterien: o Onlineshops mit einem unabhängigen Siegel o Second Hand: sucht nach Secondhand Shops in eurer Gegend. o In den Läden in eurer Stadt: Fragt bei den Verkäufern und checkt mit euren Apps die Siegel ab. Findet ihr etwas? Siegel-caching: Wer findet als erstes ein faires Kleidungsstück in eurer Stadt? Zeitgleich lauft ihr vom vereinbarten Treffpunkt in die Läden eurer Stadt los. Ihr müsst das Kleidungsstück nicht kaufen. Beweisfoto des Kleidungsstücks mit Siegel schickt ihr per Handy an den Koordinator. Danach trefft ihr euch und tauscht euch aus. Was habt ihr gefunden? Konnten die Verkäufer euch helfen? Tauschparty: Jeder von euch bringt Klamotten mit, die er nicht mehr trägt, aber die noch gut sind und bietet sie den anderen an. Jeder kann sich kostenlos bedienen oder einen kleinen Preis für einen guten Zweck spenden (z.b. EC-Indienhilfe.de). Zur Tauschbörse kann man noch andere einladen. Ihr werdet überrascht sein, welche Schätze in den Kleiderschränken ungebraucht auf ihren neuen Besitzer warten. Gerhard Wiebe, Referent für Sozial-Missionarische Arbeit beim Deutschen EC-Verband, Kassel

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