Ulrike Kuckero. Till Wiesentroll. und die Riesen-Überraschung. Mit Illustrationen von Almud Kunert. Thienemann

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1 Ulrike Kuckero Till Wiesentroll und die Riesen-Überraschung Mit Illustrationen von Almud Kunert Thienemann

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3 Inhaltsverzeichnis Ein seltsamer Tag 7 Till verschickt Einladungen 17 Till lädt die Waldelfe ein 22 Der Nebeltroll hat eine Frage 31 Der Wasserfalltroll hat eine Frage 41 Der Eistroll hat eine Frage 49 Till Wiesentroll hat viel zu tun 57 Das Fest beginnt 61 Ein Unglück geschieht 74 Eingesperrt! 84 Gerettet! 92 Das Fest geht weiter 100

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5 Ein seltsamer Tag Eines Morgens erwachte der kleine Wiesentroll Till, rieb sich die Augen und hatte das Gefühl, er hätte etwas sehr Wichtiges vergessen. Er starrte gegen die lehmigen Wände seines kleinen Schlafgemachs. Er reckte die Arme und warf seine Decke aus gesammelter Schafswolle fort. Dann sprang er auf und trat vor seine Höhle, die unter einem großen bemoosten Stein lag, schaute über die bunte Wiese und dachte angestrengt nach. Doch ihm wollte einfach nicht einfallen, was er wohl Wichtiges vergessen haben könnte. Blaue und gelbe Blumen schaukelten sacht im Sommerwind, hier und da gaukelte ein 7

6 Kuckero_Till _Ueberraschung_x :22 Uhr Seite 8 Schmetterling zwischen ihnen, und die Bienen summten von Blüte zu Blüte.»Wie herrlich meine Wiese ist«, sagte Till Wiesentroll zu sich selbst, und doch war er irgendwie unzufrieden. Langsam stapfte er zum Bergbach, der am Rande der Wiese vom Berg herunterplätscherte. Das klare kalte Wasser sprang über glatte Steine, die am Grunde des Baches glänzten und funkelten. Ab und an schoss ein Fisch zwischen ihnen hindurch. Wie jeden Morgen füllte Till seinen Teekessel mit Wasser und stapfte zurück, um seinen Bergbachtee zu kochen. Er setzte sich auf 8

7 Kuckero_Till _Ueberraschung_x :22 Uhr Seite 9 das Wurzelhöckerchen und sah zu, wie das Feuer unter dem Kessel tanzte.»wie schön ich es hier hab«, sagte Till Wiesentroll, und doch klangen seine Worte leer und hohl. Schließlich ging Till Butterkohl und Kräuterwurz sammeln. Er wanderte über die Wiese bis zum Wald, fand mehrere Kräuterwurze und zwei Butterkohle und kehrte schließlich wieder um, denn es war längst genug. Trotzdem hatte er irgendwie das Gefühl, er müsste 9

8 noch weitersuchen, obwohl sein kleiner Rucksack bereits schwer an seinen Schultern zerrte.»heute ist wohl ein seltsamer Tag«, sagte Till, stapfte durch das hohe Gras zurück zu seiner Höhe und legte einen Butterkohl für das Frühstück bereit. Dann setzte er sich wieder auf das Wurzelhöckerchen, nahm sich einen Becher frischen Bergbachtee und kaute bedächtig seinen Butterkohl. Doch an seltsamen Tagen schmeckte auch ein Butterkohl nicht ganz so saftig wie sonst. Und der Bergbachtee war ziemlich schal. Till Wiesentroll schüttelte den Kopf und dachte, dass es wohl auch solche Tage geben musste. Er überlegte, worauf er sich heute freuen konnte. 10

9 Vielleicht ein gemütlicher Plausch mit den Schmetterlingen? Oder ein Spiel mit den Fischen im Bach? Fliegen zählen? Grashüpfer fangen? Nichts davon war verlockend, fand Till und sah sich um. Kam dort nicht jemand zwischen den Bergen entlanggesegelt? Hörte er nicht ein Plitsch- Platsch herannahen? War dort hinten nicht ein weißes Glitzern zu sehen? Till Wiesentroll horchte und schaute, schaute und horchte. Nichts. Niemand kam. Kein Nebeltroll schwebte heran mit seinem großen grauen Ballon. Kein Wasserfalltroll näherte sich mit seinem langen blubbernden Wasserschlauch. 11

10 Kein Eistroll rauschte die Berge herab auf seinem weißen, Schnee sprühenden Schlitten. Alles war still und friedlich, wie meistens. Till Wiesentroll hielt noch eine Weile Ausschau. Doch vergebens. Da fiel sein Blick auf das Schild, das über seiner kleinen Eingangstür hing. Deutlich war da zu lesen: Till Wiesentroll Herzlich willkommen!»genau!«, rief Till und sprang auf.»herzlich willkommen! Aber warum kommt denn dann keiner?«plötzlich wusste Till wieder, was er so Wichtiges vergessen hatte: Er wollte Besuch haben! Endlich wieder einmal Besuch von seinen 12

11 Freunden! Wie lange war es her, dass der Nebeltroll sich hatte blicken lassen? Der Wasserfalltroll kam noch seltener. Und erst der Eistroll! Alle Jubeljahre kam der mal ins Tal, und das meist nur im Winter. Ich könnte Gonnerdroll besuchen, dachte Till Wiesentroll und schaute auf den riesigen Berg, in welchem der Bergtroll Gonnerdroll wohnte. Es war noch gar nicht so lange her, dass Gonnerdroll ein Freund von Till geworden war. Bei dem Gedanken daran, wie sehr sich Till vor Gonnerdroll und seiner dröhnenden Stimme gefürchtet hatte, musste Till lächeln. Der Bergtroll war aber auch wirklich furchterregend riesig und nicht 13

12 gerade zimperlich. Wie der seine Kugeln beim Kegeln schleuderte, das war wirklich nicht von schlechten Eltern! Doch irgendwie verspürte Till Wiesentroll wenig Lust, den Berg hinaufzusteigen. Ich könnte die Waldelfe besuchen, dachte Till weiter. Die Waldelfe lebte gleich nebenan im Wald und würde sich sicher freuen. Wenn sie nicht gerade schlief, was fünfmal am Tag vorkam. Doch auch hierzu konnte Till sich nicht aufraffen. Lustlos hockte er sich wieder auf sein Wurzelhöckerchen und starrte in das Feuer unter dem Teekessel. Er wollte niemanden besuchen gehen. Er wollte selbst besucht werden, so war das nun mal. Eine Weile starrte er ins Feuer und dachte gar 14

13 nichts. Dann, gerade flog eine Libelle sirrend vorbei, hatte Till eine Idee.»Ich hab s«, rief er und sprang von seinem Höckerchen auf, dass der Becher umkippte.»ich hab s! Ich feiere ein Fest und lade alle meine Freunde ein. Dann habe ich alle auf einmal zu Besuch!«Das war es.

14 Jubelnd warf Till seinen grasgrünen Schlafanzug in die Luft, zog endlich seine blattgrüne Hose und das wiesengrüne Hemd an und machte sofort einen Plan für das große Fest.

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