Rettung mobilitätseingeschränkter Personen

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1 Rettung mobilitätseingeschränkter Personen Anforderungen aus Sicht der Feuerwehr Datum: Vortrag von: Dipl.-Ing. Nils Witte, Stadt Leipzig, Branddirektion 1

2 Gliederung Ursachen Begriffsbestimmung Maßnahmen und Beispiele Rechtsgrundlagen 2

3 Welche Person kann sich selbst retten? 3

4 Wann ist jemand behindert? Mit 60, 70 oder 80 Jahren? Wenn man im Rollstuhl sitzt? Wenn man eine Brille oder ein Hörgerät trägt? Mit Demenz? Wenn eine Pflegestufe zugeordnet wurde? Wenn man wegen einer Sportverletzung an Krücken läuft? Wenn man Lernschwierigkeiten hat? sozialrechtlichen Definition in Deutschland: Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. ( 3 Behindertengleichstellungsgesetz) 4

5 Arten der Behinderung 5

6 Demographischer Wandel 6

7 Gesellschaftlicher Wandel: Gleichstellung behinderter Menschen 7

8 Rechtsgrundlagen und andere Regelungen 50 SächsBO Barrierefreies Bauen (2) Bauliche Anlagen, die öffentlich zugänglich sind, müssen in den dem allgemeinen Besucher- und Benutzerverkehr dienenden Teilen barrierefrei sein. Nr. 4.7 DIN Barrierefreies Bauen - Planungsgrundlagen - Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude In Brandschutzkonzepten sind die Belange von Menschen mit motorischen und sensorischen Einschränkungen zu berücksichtigen, beispielsweise - Durch bereitstellen sicherer Bereiche für den Zwischenaufenthalt nicht zur Eigenrettung fähiger Personen; - Durch Sicherstellung einer zusätzlichen visuellen Wahrnehmbarkeit akustischer Alarm- und Warnsignale vor allem in Räumen, in denen sich Hörgeschädigte allein aufhalten können, z.b. WC-Räume; - Durch betrieblich/organisatorische Vorkehrungen. 8

9 Grundsatz zur Rettung von Personen Grundsatzpapier der Fachkommission Bauaufsicht Die Feuerwehr kann im Brandfall nur eine begrenzte Anzahl von Personen retten. Die Anzahl der Personen, die von der Feuerwehr gerettet werden können, lässt sich nicht benennen, da die Umstände im Brandfall äußerst unterschiedlich sein können (Hilfsfrist, Zeit der Brandentdeckung und -meldung, Brandentwicklung, Stärke der Feuerwehr, Mobilität der zu rettenden Personen usw.). Die Feuerwehr kann in Sonderbauten mit vielen Menschen die Personenrettung nicht sicherstellen; sie ist darauf angewiesen, dass die Personen beim Eintreffen der Feuerwehr das Gebäude bereits weitgehend verlassen haben oder sich in sicheren Bereichen befinden. Neben der ausreichenden Ausbildung von Rettungswegen ist daher ebenso von Bedeutung, dass die Menschen früh-/rechtzeitig mit der Flucht beginnen. Für eine rechtzeitige Räumung hat deshalb in Sonderbauten (z. B. Versammlungsund Verkaufsstätten, Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen) der Betreiber zu sorgen. 9

10 Wo ist mit mobilitätseingeschränkten Personen zu rechnen? Alten- und Pflegeheime Arbeitsstätten Versammlungsstätten Verkaufsstätten Wohnungen Senioren-WG Verkehrsbauwerke 10

11 Rettungskonzept Horizontale Selbstrettung / Rettung in sicheren Bereich: - angrenzender Brandabschnitt Schutzraum (Treppenraum) Anforderungen: - brandschutztechnisch qualifiziert abgetrennt - sicherer baulicher Rettungsweg Kommunikationsverbindung Lüftung / Rauchfreihaltung Sicherheitsbeleuchtung Ausreichende Fläche 11

12 Schutzraum am Citytunnel Leipzig 12

13 Hilfsmittel zur horizontalen Selbstrettung / Rettung 13

14 Hilfsmittel zur horizontalen Rettung 14

15 Hilfsmittel zur horizontalen Rettung 15

16 Hilfsmittel zur horizontalen Rettung 16

17 Hilfsmittel zur horizontalen Rettung Krankentrage nach DIN EN Länge 1,95m (+0,02/-0,05m) Breite 0,55m ( 0,02m) Masse < 23kg Zzgl. Fahrgestell 17

18 Bauliche Anforderungen zur horizontalen Rettung Rettungsweglänge, -breite Kennzeichnung Beleuchtung Stufenlos Rauchabschnittsbildung, Lüftung, Rauchfreihaltung 18

19 Vertikale Rettung Treppen Aufzüge - Allgemeine baurechtliche Anforderungen Evakuierungsaufzüge Feuerwehraufzüge Rettungsrutschen und -schläuche Rettung mit Hubrettungsfahrzeugen der Feuerwehr Hilfsmittel zur vertikalen Rettung 19

20 Treppen - Beispiel 20

21 Treppen So geht es nicht! 21

22 Treppen Maße nach DIN Nutzbare Laufbreite: 1,00 m Nutzbare Treppenpodestbreite bp: 1,00 m Nutzbare Treppenpodesttiefe tp: 1,00 m Bei notwendigen Treppen ist sicherzustellen, dass die Maße im fertigen Zustand den Transport von Personen auf einer Trage nach DIN EN 1865 durch die Rettungsdienste erlauben. 22

23 Aufzüge 39 SächsBO - Aufzüge (4) Gebäude mit einer Höhe nach 2 Abs. 3 Satz 2 von mehr als 13 m müssen Aufzüge in ausreichender Zahl haben. Von diesen Aufzügen muss mindestens ein Aufzug Kinderwagen, Rollstühle, Krankentragen und Lasten aufnehmen können und Haltestellen in allen Geschossen haben. Dieser Aufzug muss von allen Wohnungen in dem Gebäude und von der öffentlichen Verkehrsfläche aus stufenlos erreichbar sein. 50 Abs. 3 Satz 1 bis 5 gilt entsprechend. Haltestellen im obersten Geschoss, im Erdgeschoss und in den Kellergeschossen sind nicht erforderlich, wenn sie nur unter besonderen Schwierigkeiten hergestellt werden können. (5) Fahrkörbe zur Aufnahme einer Krankentrage müssen eine nutzbare Grundfläche von mindestens 1,10 m mal 2,10 m, zur Aufnahme eines Rollstuhls von mindestens 1,10 m mal 1,40 m haben. Türen müssen eine lichte Durchgangsbreite von mindestens 0,90 m haben. In einem Aufzug für Rollstühle und Krankentragen darf der für Rollstühle nicht erforderliche Teil der Fahrkorbgrundfläche durch eine verschließbare Tür abgesperrt werden. Vor den Aufzügen muss eine ausreichende Bewegungsfläche vorhanden sein. 23

24 Evakuierungsaufzüge nach DIN CEN oder Voraussetzungen: - Bauliche Voraussetzung: Brandgeschützter Fahrschacht und sicherer Wartebereich - Technische Voraussetzungen: Notstromversorgung, Kommunikationsverbindung, verlässliche Information über die Rauch und Feuer in den Vorräumen - Organisatorische Voraussetzung: Evakuierungskonzept und permanente Verfügbarkeit von geschulten Evakuierungshelfern Baurechtlich sind Aufzüge keine Rettungswege. 24

25 Feuerwehraufzüge nach DIN EN Feuerwehraufzüge sind der Feuerwehr vorbehalten und können nur durch die Feuerwehr zur Rettung eingesetzt werden. 25

26 Rettungsschlauch ist keine Alternative 26

27 Rettungsrutschen sind keine Alternative Bild: FF Einsiedel Rettungsrutsche um

28 Rettung mit Hubrettungsfahrzeugen nicht zur schnellen Rettung geeignet 28

29 Hilfsmittel zur vertikalen Rettung Piktogramm nach EN ISO 7010 Links: Evakuierungsstuhl Unten: Evakuierungstuch 29

30 Hilfsmittel zur vertikalen Rettung Tragestuhl des Rettungsdienstes 30

31 Grundlagen und Literatur Barrierefreiheit nach 50 SächsBO DIN Barrierefreies Bauen - Planungsgrundlagen - Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude DIN Gebäudetreppen - Begriffe, Messregeln, Hauptmaße ( ) Grundsatzpapier der Fachkommission Bauaufsicht zur Rettung von Personen und wirksame Löscharbeiten, 2008, G. Famers, J. Messerer 31

32 Branddirektion Abteilung: Vorbeugender Brandund Gefahrenschutz Leipzig Tel.: (0341) Fax.: (0341)

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