Höhere Fachprüfung. Betriebswirtschafter des Gewerbes Betriebswirtschafterin des Gewerbes

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1 Schweizerischer Gewerbeverband und seine Sektionen Reglement über die Höhere Fachprüfung zum Erwerb des eidg. Diploms als Betriebswirtschafter des Gewerbes Betriebswirtschafterin des Gewerbes

2 1. Allgemeine Bestimmungen Gestützt auf die Artikel des Bundesgesetzes über die Berufsbildung vom 19. April 1978 und die Artikel der Verordnung über die Berufsbildung vom 7. November 1979 erlässt die Trägerschaft nach Artikel 1 das folgende Reglement: Art. 1: Trägerschaft 1. Die Trägerschaft der Prüfungen bildet der Schweizerische Gewerbeverband (im Auftrag seiner Sektionen). 2. Die Trägerorganisation überträgt die Durchführung der Prüfungen seinem Weiterbildungsinstitut, dem Schweizerischen Institut für Unternehmerschulung im Gewerbe (SIU). 3. Prüfungsgebiet ist die gesamte Schweiz. Art. 2: Zweck der Prüfung Der Kandidat/die Kandidatin hat an der Höheren Fachprüfung den Nachweis zu erbringen, dass er/sie die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, um in der betriebswirtschaftlichen Führung eines gewerblichen Klein- und Mittelbetriebes höheren Ansprüchen zu genügen. 2. Organisation Art. 3: Prüfungskommission 1. Die Durchführung der Prüfung wird von einer Prüfungskommission getragen, die sich aus 5 Mitgliedern aus dem Kreis der Trägerschaft zusammensetzt. Die Amtsdauer der Mitglieder wird durch die Trägerorganisation, welche sie abordnet, bestimmt. 2. Die Prüfungskommission wählt den Präsidenten mit einfacher Stimmenmehrheit für jeweils vier Jahre. Er ist nach Ablauf seiner Amtszeit wieder wählbar. Das Schweizerische Institut für Unternehmerschulung besorgt das Sekretariat. 3. Die Prüfungskommission konstituiert sich selbst. Sie ist beschlussfähig, wenn die Mehrheit der Mitglieder anwesend sind. Beschlüsse erfordern das Mehr der Anwesenden. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Präsident

3 Art. 4: Aufgaben der Prüfungskommission Die Prüfungskommission: a) erlässt die Ausführungsbestimmungen zum Prüfungsreglement b) setzt Zeitpunkt und Ort der Prüfung fest c) bestimmt das Prüfungsprogramm d) genehmigt die Prüfungsaufgaben e) wählt die Experten und setzt sie ein f) entscheidet über die Zulassung zur Prüfung g) entscheidet über das Bestehen der Prüfung und die Abgabe des Diploms h) behandelt Anträge und Beschwerden i) sorgt für die Rechnungsführung und die Korrespondenz j) erstattet Bericht an die Aufsichtsbehörde und die Trägerorganisation Art. 5: Öffentlichkeit 1. Die Prüfung steht unter der Aufsicht des Bundes; sie ist nicht öffentlich. 2. Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) wird rechtzeitig zu den Sitzungen und zur Prüfung eingeladen und mit den Prüfungsakten bedient. 3. Ausschreibung, Anmeldung, Zulassung, Kosten Art. 6: Ausschreibung 1. Die Prüfung wird mindestens 6 Monate vor Beginn in der gewerblichen Fachpresse ausgeschrieben. 2. Die Ausschreibung orientiert zumindest über die Prüfungsgebiete, die Prüfungsgebühr, die Anmeldestelle und die Anmeldefrist. Art. 7: Anmeldung 1. Die Anmeldung hat auf dem offiziellen Formular zu erfolgen, welches beim Sekretariat der Prüfungskommission erhältlich ist. 2. Der Anmeldung ist eine lückenlose Zusammenstellung über die Ausbildung und die bisherige berufliche Tätigkeit (mit Fotokopie der Zeugnisse) beizulegen. 3. Mit der Anmeldung anerkennt der Bewerber/die Bewerberin das Prüfungsreglement

4 Art. 8: Zulassung 1. Zur Prüfung wird zugelassen, wer a) in vollen bürgerlichen Ehren und Rechten steht, sowie b) ein Fähigkeitszeugnis einer dreijährigen Berufslehre oder ein Maturitätszeugnis, sowie c) einen Fachausweis einer eidgenössischen Berufsprüfung oder ein Diplom einer höheren Fachprüfung besitzt oder eine andere mindestens gleichwertige Vorbildung nachweisen kann, sowie d) mindestens vier Jahre in leitender Stellung in einem gewerblichen Klein- oder Mittelbetrieb nachweisen kann und e) die Prüfungsgebühr fristgerecht einbezahlt hat. 2. Über die Gleichwertigkeit von ausländischen Ausweisen entscheidet das BBT. 3. Der Entscheid über die Zulassung zur Prüfung wird dem Bewerber/der Bewerberin nach Eingang der Anmeldung mitgeteilt. Ein ablehnender Entscheid nennt die Gründe und umfasst eine Rechtsmittelbelehrung, welche die Beschwerdebehörde und die Beschwerdefrist nennt. Art. 9: Kosten 1. Der Kandidat/die Kandidatin entrichtet die Prüfungsgebühr bis zur Anmeldefrist. 2. Kandidaten/Kandidatinnen, die nach dem Zulassungsentscheid aus entschuldbaren Gründen von der Prüfung zurücktreten müssen, wird der einbezahlte Betrag unter Abzug der entstandenen Kosten rückerstattet. Zieht ein Kandidat/eine Kandidatin nach Ablauf der Meldefrist seine Anmeldung ohne triftigen Grund zurück, so verfällt die Gebühr. 3. Wer die Prüfung nicht besteht, vor oder während dieser ohne zwingenden Grund zurücktritt oder ausgeschlossen wird, hat keinen Anspruch auf Rückerstattung. 4. Die Prüfungsgebühr für Kandidaten/Kandidatinnen, welche die Prüfung wiederholen, wird im Einzelfall von der Prüfungskommission unter Berücksichtigung des Prüfungsumfangs festgelegt. 5. Für den Druck des Diploms und den Eintrag in das eidgenössische Register wird vom BBT eine Gebühr verlangt, die zusammen mit der Prüfungsgebühr erhoben wird. 6. Auslagen für Reise, Unterkunft, Verpflegung und Versicherung während der Prüfung gehen zulasten des Kandidaten/der Kandidatin

5 4. Aufgebot, Rücktritt, Ausschluss, Prüfungsaufsicht, Abschluss Art. 10: Aufgebot 1. Eine Prüfung wird in der Regel jährlich durchgeführt, wenn nach Ausschreibung mindestens 10 Kandidaten/Kandidatinnen je Amtssprache die Zulassungsbedingungen erfüllen. 2. Der Kandidat/die Kandidatin kann sich in einer von drei Amtssprachen Deutsch, Französisch oder Italienisch prüfen lassen. 3. Der Kandidat/die Kandidatin wird mindestens einen Monat vor Beginn der Prüfung aufgeboten. Dem Aufgebot kann entnommen werden: a) das Prüfungsprogramm mit Angaben über Ort und Zeitpunkt der Prüfung sowie die zulässigen und mitzubringenden Hilfsmittel; b) das Expertenverzeichnis. 4. Einsprachen gegen Experten müssen mindestens 14 Tage vor Prüfungsbeginn dem Präsidenten der Prüfungskommission vorgebracht und begründet werden. Dieser entscheidet endgültig und trifft die notwendigen Anordnungen. Art. 11: Rücktritt 1. Der Rücktritt muss der Prüfungskommission schriftlich mitgeteilt und belegt werden. 2. Als entschuldbare Gründe gelten namentlich: a) Militär- oder Zivilschutzdienst; b) Krankheit, Unfall oder Mutterschaft; c) Todesfall in der Familie oder Lebensgemeinschaft. Art. 12: Ausschluss 1. Die erforderlichen Unterlagen werden dem Kandidaten/der Kandidatin zur Verfügung gestellt. Zulässige Hilfsmittel werden den Kandidaten/Kandidatinnen mit dem Prüfungsprogramm bekanntgegeben. 2. Kandidaten/Kandidatinnen werden von der Prüfung ausgeschlossen, wenn sie: a) unzulässige Hilfsmittel verwenden; b) die Prüfungsdisziplin grob verletzen; c) die Experten zu täuschen versuchen. Art. 13: Prüfungsaufsicht, Experten 1. Mindestens eine fachkundige Aufsichtsperson überwacht mit der gebotenen Sorgfalt die Ausführung der Prüfungsarbeiten. Sie hält ihre Beobachtungen schriftlich fest

6 2. Die Abnahme und Bewertung mündlicher Prüfungen erfolgt durch zwei Experten. 3. Zwei Experten beurteilen die schriftlichen und praktischen Prüfungsarbeiten und legen gemeinsam die Note fest. 4. Nahe Verwandte, gegenwärtige und frühere Vorgesetzte und Mitarbeiter des Kandidaten/der Kandidatin treten bei der Prüfung als Experten in den Ausstand. Art. 14: Abschluss und Notensitzung 1. Die Prüfungskommission versammelt sich im Anschluss an die Prüfung zu einer Sitzung, an welcher die Prüfungsergebnisse zusammengestellt werden und über das Bestehen der Prüfung Beschluss gefasst wird. Der Vertreter des BBT wird an diese Sitzung eingeladen. 2. Nahe Verwandte, gegenwärtige und frühere Vorgesetzte und Mitarbeiter des Kandidaten/der Kandidatin treten bei der Entscheidung über die Verleihung des Diploms in den Ausstand. 5. Prüfungsfächer und Anforderungen Art. 15: Prüfungsfächer Die Prüfung umfasst folgende Fächer und dauert: Prüfungsfach Dauer in Minuten Fachnoten Prüfung 1.Teil: mündl. schriftl. Positionen Entwicklung der persönlichen Führungsfähigkeiten 90 1 Aspekte des Unternehmungsumfeldes 60 1 Unternehmungsinterne Managementaspekte 60 1 Prüfung 2.Teil: Organisation und interne Kommunikation Personalmanagement Marketing Finanzmanagement und Controlling Strategische Unternehmungsführung 90 1 Diplomarbeit/interdisziplinäre Evaluation 30 Diplomarbeit (2h) (12h) - 6 -

7 Art. 16: Prüfungsanforderungen Die Prüfungsanforderungen sind in der Wegleitung zum Prüfungsreglement festgelegt. 6. Beurteilung und Notengebung Art. 17: Beurteilung 1. Jedes Prüfungsfach kann in Positionen und allenfalls Unterpositionen unterteilt werden. Diese Unterteilung sowie die Gewichtung der einzelnen Teile legt die Prüfungskommission fest. 2. Positionsnoten werden mit ganzen und halben Noten nach Artikel 18 bewertet. 3. Die Fachnote ist das Mittel aller Positionsnoten. Sie wird auf eine Dezimalstelle gerundet. 4. Die Gesamtnote ist das Mittel aus den Fachnoten. Sie wird auf eine Dezimalstelle gerundet. Art. 18: Notenwerte 1. Die Leistungen werden mit Noten von 6 bis 1 bewertet. Die Note 4 und höhere bezeichnen genügende Leistungen; Noten unter 4 bezeichnen ungenügende Leistungen. Andere als halbe Zwischennoten sind nicht zulässig. 2. Notenskala Note Eigenschaften der Leistung 6 Qualitativ und quantitativ sehr gut 5 Gut, zweckentsprechend 4 Den Mindestanforderungen entsprechend 3 Schwach, unvollständig 2 Sehr schwach 1 Unbrauchbar oder nicht ausgeführt - 7 -

8 7. Bestehen und Wiederholen der Prüfung Art. 19: Bedingungen zum Bestehen der Prüfung 1. Die Prüfung hat bestanden, wer im Gesamtdurchschnitt mindestens die Note 4,0 und in nicht mehr als zwei Fächern eine Note unter 4,0 sowie in keinem Fach eine Note unter 3,0 erreicht. 2. Kandidaten/Kandidatinnen, die sich nicht rechtzeitig abmelden, ohne entschuldbaren Grund zur Prüfung nicht antreten, nach Beginn zurücktreten oder ausgeschlossen werden, haben die Prüfung nicht bestanden. Art. 20: Prüfungszeugnis 1. Jeder Kandidat/jede Kandidatin erhält ein Prüfungszeugnis, aus dem die Noten in den einzelnen Fächern und das Bestehen oder Nichtbestehen der Prüfung ersichtlich werden. Die Prüfungskommission stellt das Prüfungszeugnis aus. 2. Der Kandidat/die Kandidatin hat keinen Anspruch auf Aushändigung der Prüfungsarbeiten. Art. 21: Wiederholung 1. Wer die Prüfung nicht bestanden hat, wird frühestens nach einem Jahr zur nächsten ordentlichen Prüfung zugelassen. Wird auch die zweite Prüfung nicht bestanden, so wird der Bewerber/die Bewerberin frühestens nach Ablauf von drei Jahren seit der ersten Prüfung zu einer dritten und letzten Prüfung zugelassen. 2. Die zweite Prüfung bezieht sich nur auf die Fächer, in denen bei der ersten Prüfung nicht mindestens die Note 5,0 erzielt wurde; die dritte dagegen auf alle Fächer der zweiten Prüfung. 3. Für die Anmeldung und Zulassung gelten die gleichen Bedingungen wie für die erste Prüfung. 8. Diplom, Titel und Verfahren Art. 22: Titel und Veröffentlichung 1. Wer die Prüfung bestanden hat, erhält das eidgenössische Diplom. Dieses wird vom BBT ausgestellt und von dessen Direktor und dem Präsidenten der Prüfungskommission unterzeichnet

9 2. Der Diplominhaber ist berechtigt, folgenden geschützten Titel zu führen: Diplomierter Betriebswirtschafter des Gewerbes / Diplomierte Betriebswirtschafterin des Gewerbes Economiste d entreprise dans les arts et métiers diplômé Economista aziendale nelle arti e mestieri, diplomato 3. Die Namen der Diplominhaber werden veröffentlicht und in ein vom BBT geführtes Register eingetragen, das jedermann zur Einsicht offensteht. Vorbehalten bleiben die Bestimmungen der Gesetzgebung über den Datenschutz. 4. Zur Führung des geschützten Titels sind nur die Inhaber des Diplomes berechtigt. Wer ohne Bestehen der erforderlichen Prüfung den geschützten Titel oder einen Titel verwendet, der den Eindruck erweckt, er habe die Prüfung abgelegt, wird mit Haft oder Busse bestraft. Art. 23: Entzug des Diploms 1. Das BBT kann ein auf rechtswidrige Weise erworbenes Diplom entziehen. Die strafrechtliche Verfolgung bleibt vorbehalten. 2. Der Entscheid des BBT kann innert 30 Tagen nach seiner Eröffnung an die Rekurskommission des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartementes weitergezogen werden. Art. 24: Beschwerderecht 1. Gegen Entscheide der Prüfungskommission wegen Nichtzulassung zur Prüfung oder Verweigerung des Diploms kann innert 30 Tagen nach ihrer Eröffnung beim BBT Beschwerde eingereicht werden. Diese muss die Anträge des Beschwerdeführers und deren Begründung enthalten. 2. Über die Beschwerde entscheidet in erster Instanz das BBT. Sein Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung an die Rekurskommission des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartementes weitergezogen werden. 3. Wird die Beschwerde abgewiesen, werden die Kosten des Verfahrens (Spruchund Schreibgebühren) dem Beschwerdeführer auferlegt. 9. Deckung der Prüfungskosten Art. 25: Ansätze, Abrechnung 1. Die Trägerorganisation legt auf Antrag der Prüfungskommission die Ansätze fest, nach denen die Mitglieder der Prüfungskommission (mit Ausnahme des Sekretärs), das Prüfungssekretariat und die Experten entschädigt werden

10 2. Die Prüfungskosten werden, soweit sie nicht durch die Prüfungsgebühren, den Bundesbeitrag und allfällige Zuwendungen gedeckt sind, durch die beteiligte Trägerorganisation nach Anzahl der aus ihren Kreisen zur Prüfung zugelassenen Kandidaten/Kandidatinnen getragen. 3. Die Prüfungsgebühr wird rechtzeitig und im Einverständnis mit dem BBT festgelegt. 4. Für die Festsetzung des Bundesbeitrages werden dem BBT nach dessen Weisung Budget und Abrechnung eingereicht. 10. Inkrafttreten Art. 26: Inkrafttreten 1. Dieses Reglement tritt mit der Genehmigung durch das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement in Kraft. 2. Die erste Prüfung findet frühestens zwei Jahre nach Genehmigung dieses Reglementes statt. 11. Erlass Bern, den 28. Oktober 1995 Die Trägerorganisation SCHWEIZERISCHER GEWERBEVERBAND Nationalrat Hans Rudolf Früh (sig.) Präsident Dr. Pierre Triponez (sig.) Direktor Dieses Reglement wird genehmigt. Bern, den 4. April Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement J.P. Delamuraz (sig.) Kleine Änderungen: 3. Juli 1998 Artikel 8 Abs. 1 c) 25. Februar 1999 Artikel

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