Fachkräftebedarf der deutschen Wirtschaft an der Schnittstelle beruflicher und hochschulischer Bildung

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1 Prof. Dr. Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) Bundeskonferenz Chance Beruf Berlin, Fachkräftebedarf der deutschen Wirtschaft an der Schnittstelle beruflicher und hochschulischer Bildung

2 Bildungsprognosen Besonders ausgeprägt ist der drohende Mangel im Fahrzeugbau und Maschinenbau mit je mehr als fehlenden Arbeitskräften im Jahr Diese Branchen vereinen zudem 65% der fehlenden Hochschulabsolventen in der Industrie auf sich. [Prognos 2011] Schnell zunehmender Fachkräfteengpass Leichtes akademisches Überangebot entspricht nicht ganz dem betrieblichen Bedarf. [QuBe 2012] Seite 2 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

3 Bildungsprognosen Besonders ausgeprägt ist der drohende Mangel im Fahrzeugbau und Maschinenbau mit je mehr als fehlenden Arbeitskräften im Jahr Diese Branchen vereinen zudem 65% der fehlenden Hochschulabsolventen in der Industrie auf sich. [Prognos 2011] Schnell zunehmender Fachkräfteengpass Leichtes akademisches Überangebot entspricht nicht ganz dem betrieblichen Bedarf. [QuBe 2012] Ab 2008 werden die Studienanfängerzahlen - so die Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK) - zunächst langsam zurückgehen, von heute auf im Jahr [Der Spiegel ] Bis 1989 hat sich die Zahl der arbeitslosen Akademiker ungefähr verdoppelt, auf 4,3 Prozent unter Universitäts- und 3,4 Prozent unter Fachhochschulabsolventen. Viele Arbeitsmarktexperten raten von einem Hochschulstudium ab. Sie warnen vor einem akademischen Lumpenproletariat, das zwischen Arbeitslosigkeit und Gelegenheitsjobs sein Dasein fristen werde. [ Dr. Seite Arbeitslos 3 Eckart Severing - Der Forschungsinstitut Spiegel. 1993] Betriebliche Bildung (f-bb)

4 Zugänge in die Sektoren des Bildungssystems In den 1960er Jahren waren unter 10 % einer Alterskohorte Studienanfänger, 1995 mehr als ein Viertel und 2013 mehr als die Hälfte (Destatis 2011a, nbb 2014) nbb2014, 99 Seite 4 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

5 Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten [IAB] Immer lag die Akademikerarbeitslosigkeit unter der durchschnittlichen Arbeitslosigkeit. Seite 5 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

6 Steigende Akademikerquoten, geringe Akademikerarbeitslosigkeit Frage: Zunehmender Bedarf nach akademischen Wissen? oder Verdrängung niedrigerer ebenfalls ausreichender beruflicher Qualifikationen? Seite 6 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) [Prognos 2008]

7 Thesen 1. Die kognitiven Anforderungen im Beschäftigungssystem steigen. Daher erhöht sich die Nachfrage nach akademischer statt beruflicher Bildung. 2. Die Hochschulen verberuflichen sich, die Berufsbildung am oberen Ende akademisiert sich. Die Schärfe der Scheidung von beruflichen und wissenschaftlichen Qualifikationen geht zurück. 3. Die Unternehmen sind flexibel und folgen dem Absolventenangebot. Seite 7 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

8 These 1: Anforderungen der Wissensarbeit Duale Ausbildung produziert Handlungswissen, Hochschule Theoriewissen. Daher kein Allokationswettbewerb, aber: eine Wissensgesellschaft braucht mehr Akademiker. Indizien: Zunahme der sekundären Dienstleistungen gegen industrielle und handwerkliche Facharbeit. Bei den sekundären Dienstleistungen, aber auch bei anspruchsvollen gewerblich-technischen Ausbildungsgängen ist eine Verschiebung hin zu theoretisch-wissenschaftlichen Inhalten zu beobachten. Seite 8 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

9 These 2: Überlappung der Bildungssektoren Verberuflichung der Hochschulen v. a. der privaten und vieler FHs. Theorieanreicherung der Berufsbildung am oberen Ende Indizien: Angebot unmittelbar arbeitsmarktorientierter und berufsqualifizierende Bachelor-Studiengänge, z. T. in Kooperation mit Unternehmen (Franchise-Modelle). Ausweitung hybrider Formate ( Duales Studium ) Hochschulen entdecken beruflich Qualifizierte als Zielgruppe für ein Qualifikations-Upgrading Komplexe Berufe mit hohen Theorienanteilen Seite 9 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

10 These 3: Flexibilität der Nachfrage Der Überlappungsbereich der Bildungssektoren nimmt zu, weil die Unternehmen flexibel auf das Absolventenangebot reagieren können. Indizien: Unternehmen folgen bei ihrer Rekrutierungsstrategie der erhöhten Studierneigung leistungsfähiger Schulabgänger. Akademisierung aus berufsständischen und tariflichen Gründen, nicht wegen grundsätzlicher Veränderung der Tätigkeiten Rekrutierung über (oder seltener unter) der zunächst geforderten Qualifikation gleicht Disproportionen beim Absolventenangebot bisher weitgehend aus. Seite 10 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

11 Wettbewerb von Bachelor und Dualer Ausbildung aus betrieblicher Sicht Bachelor 6,1 Semester Ø Studiendauer Praktikumsanteile, Anwendungsbezug Keine hochschulübergreifende Standardisierung Im Vergleich zur dualen Ausbildung geringe Regulierungsdichte Duale Ausbildung am oberen Ende Vergleichbare Dauer des Bildungsgangs Hohe Anteile betrieblicher Ausbildung Leichterer Übergang in den Betrieb Standardisierung der Abschlüsse Ordnungspolitisch hoher Aufwand der Genese und Adaption von Berufsbildern Seite 11 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

12 Abschottung im Bildungssystem, Flexibilisierung im Beschäftigungssystem? An- und ungelernte Tätigkeiten Facharbeit Akademische Berufe Individuelle Erwerbsverläufe Geringere Planbarkeit Häufigere Tätigkeitswechsel t Keine Ausbildung Duale Ausbildung Hochschule Versäulung Mangelhafte Schnittstellen Kein Anschluss ohne Abschluss Verbindung zur Weiterbildung brüchig Seite 12 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

13 Durchlässigkeit? 1. Entwicklungsdynamik im Überschneidungsbereich von beruflicher und akademischer Bildung. Trifft auf Bedarf an wissensbasierter Facharbeit. 2. Daher: Die Legitimation der strikten Scheidung der Bildungsinstitutionen und Lernkulturen schwindet. 3. Durchlässigkeit mangelhaft: Zulassung unter Restriktionen gegeben, Anerkennung beruflicher Qualifikationen wenig systematisch. 4. Keine bildungspolitische Formatierung des Überlappungsbereichs, daher Qualitätsprobleme und teilweise wenig nachhaltige Angebote Seite 13 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

14 Folgerungen für mehr Durchlässigkeit 1. Die Duale Ausbildung muss ihre Reagibilität und Flexibilität erhöhen, damit sie der Regelbildungsweg für komplexe, wissensbasierte Facharbeit bleibt. 2. Langfristig kann nur die wechselseitige Anerkennung und Anrechnung von Lernleistungen aus Studium und Ausbildung die Attraktivität der dualen Ausbildung für besonders leistungsfähige Jugendliche und damit für die Unternehmen sicherstellen. 3. Monolithische Bildungsgänge in Hochschule wie in Ausbildung behindern Übergänge und verhindern Anrechnungen. Seite 14 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

15 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) Obere Turnstr Nürnberg Tel.: Mail: Seite 15 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

16 BACKUP Seite 16 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

17 Akademisierung komplexer Berufe? Institutionelle Segmentierung akademischer und beruflicher Bildung: Divergente Bildungskulturen, Organisationsformen und Zertifizierungssysteme Wachsende Überschneidungen nach Einmündung, Curricula und Arbeitsmarktallokation/Personalrekrutierung der Unternehmen Trotz hoher Abbrecherquoten kaum systematische Übergangsmöglichkeiten und hohe Anrechnungsrisiken Demografische Rückgänge durch höhere Studierquoten für die Hochschulen überkompensiert, daher für die Berufsbildung verschärft Seite 17 Eckart Severing Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

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