Impfmedizin in der Praxis

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1 Impfmedizin in der Praxis Allgemeine Empfehlungen Allgemeiner Impfkalender für Erwachsene Diphtherie und Tetanus unbedingt aber auch zur Aufrechterhaltung des Impfschutzes, sollen die Impfungen gegen Poliomyelitis und Pertussis alle 10 Jahre wiederholt werden. Diphtherie und Tetanus: Auffrischung ab dem 60. Lebensjahr alle 5 Jahre Dafür stehen Einfach- und Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung: 2-fach-lmpfstoff: Diphtherie/Tetanus, 3-fach: Diphtherie/Tetanus/Polio und ein 4-fach Impfstoff: Diphtherie/Tetanus/Polio/Pertussis.

2 Personen, welche schon länger als 20 Jahre die empfohlenen Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis, Pertussis nicht erhalten haben, sollten bei Wiedereinstieg in das empfohlene Schema zwei Impfstoffdosen im Abstand von 1-2 Monaten erhalten! Impfungen bei zunehmendem Alter Generell ist damit zu rechnen, dass mit zunehmendem Alter (individuell ab etwa Jahren) bei Immunisierungen der Impferfolg und damit das Ausmaß und die Dauer des Impfschutzes abnehmen. Dies gilt vor allem bei Neuimmunisierungen. Auffrischungsimpfungen können nach einem kürzeren Intervall notwendig sein. Alle Erwachsenen sollen ab dem 60. Lebensjahr gegen Pneumokokken geimpft werden. Zusätzlich empfohlene Impfungen FSME-Impfung: nach erfolgter Grundimmunisierung und der 1. Auffrischung nach 3 Jahren bzw. nach Fachinformation alle 5 Jahre, ab dem 60. Lebensjahr alle 3 Jahre Auch mehr als 10 Jahre nach der letzten FSME-lmpfung wird kein Beginn einer Neuimmunisierung, sondern 1 Auffrischungsdosis und anschließende Titerbestimmung empfohlen Hepatitis A: Auffrischung frühestens 10 Jahre nach erfolgter Grundimmunisierung bzw. nach HAV-Antikörperbestimmung Hepatitis B-Impfung: bei Indikation Influenza: Impfung jährlich, besonders ab dem Alter von 60 Jahren Masern: Impfung für Erwachsene, welche keine Immunität gegen Masern besitzen; es werden zwei MMR-lmpfungen im Abstand von mindestens 4 Wochen empfohlen Varizellen (Windpocken): für seronegative Frauen im gebärfähigen Alter

3 Die Impfempfehlungen für Erwachsene haben besondere Bedeutung, weil manche Erwachsene im Kindesalter nicht oder nur teilweise geimpft wurden! Reaktionen und Nebenwirkungen nach Impfungen Das Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien hat in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium eine Ergänzung zum Österreichischen Impfplan veröffentlicht. Das Ziel ist es, eine Aufklärung über Art, Häufigkeit, Ursachen und Risiken von Impfnebenwirkungen anzubieten. Nutzen und Risiko Für jede im Österreichischen Impfplan empfohlene Impfung ist eine positive Nutzen- Risiko-Relation durch das Zulassungsverfahren belegt. Zum Beispiel beträgt das Risiko für eine Masernencephalitis 1:1.000, während das Risiko für eine Enzephalitis nach Masernimpfung bei 1: , also um den Faktor 1000! niedriger liegt. Dennoch gibt es eine große Unsicherheit nicht nur für Eltern kleiner Kinder! Begriffserklärung Impfreaktion: Harmlose lokale Schwellung und Rötung, Schmerzen an der Impfstelle, als auch systemische Reaktionen, wie Fieber oder Gelenkschmerzen oder eine abgeschwächte Reaktion, im Sinne einer Impfkrankheit. Impfnebenwirkungen: Darüber hinausgehende, aber heilbare Beeinträchtigung der Gesundheit. Schwere und unerwartete Impfkomplikationen werden als Impfkomplikation bezeichnet, wenn sie mit bleibenden Schäden einhergehen. Alle Begriffe sind aber heutzutage überholt und laut WHO soll der Begriff AEFI (adverse events following immunization) verwendet werden. Dabei kann es sich um ein Symptom, einen veränderten Laborbefund oder das Auftreten einer Erkrankung handeln. Immer wieder wird ein Zusammenhang zwischen Impfungen und bestimmten Erkrankungen des Immunsystems, wie Allergien oder Autoimmunerkrankungen befürchtet. Es ist aber zwischen Impfungen (insbesondere Lebendimpfungen wie MMR) und Entwicklungsstörungen in großen epidemiologischen Studien kein ausreichender Zusammenhang gefunden worden.

4 Ein Zusammenhang zwischen Impfungen wie zum Beispiel gegen Hepatitis und FSME und MS konnte ebenfalls nicht bestätigt werden! Ein erhöhtes Risiko für ein GBS wurde für eine Reihe von Impfungen, wie zum Beispiel gegen Meningokokken nicht bestätigt! Lediglich bei Influenza-H1N1-Impfung bestand ein gering erhöhtes Risiko für GBS, wobei aber auch hier das Krankheitsrisiko durch Influenza bei weitem höher war als das geringe GBS-Risiko. Eine Erhöhung des Risikos für SIDS (Sudden infant death) durch Impfungen wurde ebenfalls nicht gezeigt. Was Allergien betrifft, so zeigten Studien ein erhöhtes Risiko für allergische Reaktionen, Asthma bronchiale und atopische Dermatitis und Impfungen. Notwendige Impfungen Zeckenschutzimpfung Die Impfung ist der einzige Schutz! Viren, die durch den Zeckenbiss übertragen werden, führen zu einer Entzündung der Gehirnhäute und des Großhirns. Bei überlebter Infektion kommt es zu schwersten neurologischen Defiziten. Borrelien, eine Bakterienart, die ebenfalls beim Zeckenbiss übertragen wird, werden mit Antibiotika therapiert. Hepatitisimpfung Es gibt viele verschiedene Hepatitisvirenarten: Hepatitis-A-Viren, relativ ungefährlich, werden mit Nahrungsmitteln, Meeresfrüchten etc. aufgenommen. Die Infektion verläuft meist mild, mit Oberbauchschmerzen, Übelkeit und dergleichen. Hepatits-B- Viren werden durch Blutkontakte, medizinische Eingriffe, Erste-Hilfe-Leistungen mit blutenden Verletzungen, Sexualkontakte, aber auch beim Tätowieren, Piercen und dergleichen übertragen. Die Viren führen zu einer Entzündung der Leber, in weiterer Folge zum zirrhotischen Umbau und eventuell folgendem Leberzellkarzinom!

5 Dr. Nadja Riautschnig Ärztin für Allgemeinmedizin Quelle: Definition und Erläuterungen zum Österreichischen Impfplan

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