Gottesdienst am 12. Juni 2011, Pfingstsonntag, in Hegensberg - Liebersbronn Predigt: Pfarrer Siegbert Amman Text: Johannes 16, 5 15

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1 Gottesdienst am 12. Juni 2011, Pfingstsonntag, in Hegensberg - Liebersbronn Predigt: Pfarrer Siegbert Amman Text: Johannes 16, 5 15 eingespielt am 13. Juni 2011 Kanzelgruß: Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Liebe Gemeinde, der Predigttext für den Pfingstsonntag ist der Abschiedsrede Jesu an die Jünger entnommen und steht in Johannes 16,5-15. Jesus spricht dort den Jüngern gegenüber zum ersten Mal vom Heiligen Geist und was derselbe bei uns Menschen bewirken soll. Doch die Jünger verstehen zunächst nur Bahnhof Wissen wir, fast 2000 Jahre später, mit dem Heiligen Geist was anzufangen, oder sind wir genauso unbedarft und unwissend? Aber hören Sie selbst, was Jesus über den Heiligen Geist verrät: 5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? 6 Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt DER TRÖSTER nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben 10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. 12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. 13 Wenn aber jener, DER GEIST DER WAHRHEIT, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. Herr schenke Reden, Hören und Verstehen durch deinen Heiligen Geist. Komm Heiliger Geist. Liebe Gemeinde, dem heutigen Text geht die sorgenvolle Frage der Jünger voraus: Herr, was wird aus uns werden, wenn du, unser Meister, von uns gegangen bist? Wer schon einmal in einem Handwerks- oder einem Industriebetrieb gearbeitet hat, kennt das vielleicht: Da richtet man eine Maschine ein, da legt man Hand an zum letzten Arbeitsschritt, bevor das Werkstück fertig ist und die Produktion verlässt. Da hat man mitbekommen, wie lange die Kollegen schon an eben diesem Produkt gearbeitet haben und jetzt fehlt nur noch eine Bohrung, mit einem Mini-Bohrer. Stimmt der Vorschub, hab ich das rechte Maß eingestellt?

2 Man, was ist, wenn die Bohrung verläuft und ich Ausschuss produziere. Dann doch lieber noch mal den Meister holen, dass der sich die fertig eingestellte Apparatur anschaut. Zu viel steht auf dem Spiel. Da tut es gut, wenn einem einer hilft, die immense Verantwortung zu tragen. 2 Doch wenn der Meister weg ist wenn ich selber alle wichtigen Entscheidungen treffen muss dann beschleicht mich das mulmige Gefühl: die Nummer ist mir zu groß. Ich will ja keinen Murks produzieren, schon gar nicht, wenn es um die Sache Jesu geht. Können Sie sich hineindenken in die Gefühlslage der Jünger unmittelbar vor Pfingsten. Was kommt auf mich zu? Kann ich das, was Jesus von mir, was Jesus von uns erwartet? Die Jünger ahnen von ferne, was da auf sie zukommt, wenn Jesus nicht mehr bei ihnen ist. Bisher hat er gute Ratschläge gegeben. Bislang war er es, der gepredigt hat und die Menschen allein durch seine Präsenz faszinierte und dann erst die Wunder und Grosstaten, von denen man landauf, landab sprach, Wenn er lehrte, dann brannte ihnen das Herz. Wenn er Anweisungen gab, erschein alles ganz logisch und vernünftig. Und selbst wenn er sie tadelte, sprach aus seinen Worten die Liebe, die ihn so einzigartig machte. Mit ihm an unserer Seite, kann uns nichts passieren das war ihr Credo. Aber jetzt: was soll die Ankündigung, jetzt einfach wegzugehen? Wie sollte er ihnen dann noch beistehen können? Jesus, wir können und wollen nicht ohne dich leben, hör ich die Jünger flehen. Herr, bleibe bei uns. Es geht nicht ohne dich! Wir haben ja an den vergangenen Sonn- und Feiertagen gehört, was Jesus den Seinen zumutet. Denn nach Zumutung sieht es zunächst aus. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen, hat es in den Ostergeschichten geheißen doch nun sagt der Auferstandene zu den Seinen: Ich gehe hin zu dem, der mich gesandt hat. Sind die Jünger also nicht wieder in derselben misslichen Lage wie vor Ostern? Liebe Gemeinde, es ist die frohe Botschaft dieses Textes, dass Jesus den Jüngern hier mit guten Argumenten erklärt, wozu das alles gut sein soll. Er sagt: Trotz meinem Heimgang zu Gott braucht ihr mich nicht zu entbehren. Ihr sollt nicht traurig sein, wenn meine Seinsform eine andere sein wird. Wenn ich zum Vater zurückkehre, dann geschieht dies, weil ich nur so bei allen Menschen gleichzeitig sein kann. Lasst euch auf diese neue Erfahrung mit mir ein und ihr werdet meine geheimnisvolle, aber zugleich mächtige Gegenwart spüren. Die Jünger werden ihn fragend angesehen haben. Wie kann sich ein Mensch in diese göttlichen Zusammenhänge hineinversetzen? Lasst es einfach mal auf euch zukommen so interpretiere ich Jesu Rede an die Jünger. Mein Weggang ist kein Verlust, sondern ein siegbringendes Ereignis. Die Katastrophe von Golgatha wird nun erst völlig umgewandelt in einen Sieg: Wie geht das? Nun: Im Alten Testament heißt es, dass ein am Holz Hängender ein von Gott Verfluchter sei. Der von den Menschen als Gotteslästerer Verdammte kehrt aber nun dorthin zurück von wo er ausgegangen ist. Das ist der Beweis, dass die Menschen den Prozess gegen Jesus endgültig verloren haben. Jesus geht zu Gott, er hat Gott ganz auf seiner Seite. Jesus hat seine Mission auf Erden erfüllt. Er ist den Weg, den der Vater ihm zugetraut und zugemutet hat, bis in den Tod gegangen, ja mehr noch: Er hat den Tod besiegt. Ein für alle Mal.

3 3 Nun wird er seine Sache so weiterführen, dass sie in alle Zukunft siegen wird. Er will nun von oben her, in göttlicher Gestalt seine Wirksamkeit fortsetzen. Wie macht er das? Antwort: Er dirigiert fortan seine Jünger durch den heiligen Geist. Dieser Geist ist der Geist Jesu und dieser steht den Jüngern in allen Lagen bei. Sie sind gelehrt, getadelt und geschützt wie vorher. Sie müssen nichts entbehren. Nur dass dieser Geist eben nicht sichtbar ist, wie Jesus, in seinen Erdentagen. Leider verlangt aber unser Verstand immer nach etwas Sichtbarem und Greifbarem. Im Grunde wollen wir alle sehen und betasten, wie wir das von Thomas lesen, der erst dann glauben konnte, als ihm Jesus leibhaftig gegenübertrat und es zuließ, dass er ihn berühre. Liebe Gemeinde, es gibt einige namhafte Historiker, die sagen: Die Menschen hätten sich nach dem Weggehen Jesu rasch nach greifbaren Stützen umgesehen und deshalb habe sich in der alten Kirche auch mit der Zeit die Theorie vom Papst als Stellvertreter Christi entwickelt. Weil der Herr Jesus nun nicht mehr zu unsrer sichtbaren Welt gehörte, hat man einen sichtbaren Ersatz gesucht und war sogar bereit, sich dieser sichtbare Leitung der Kirche unterzuordnen. Ich möchte heute Morgen nicht in konfessionalistische Spitzfindigkeiten abdriften im Gegenteil. Mir ist aufgefallen, dass Jesus hier keinen Menschen als Stellvertreter benennt, sondern eine weit größere Macht. Jesus sagt: Ich sende euch den Heiligen Geist, den Beistand, den Tröster. der wird euch Glauben einpflanzen, der wird euch helfen und euch lehren, was zu tun ist. Was die Aufgaben des heiligen Geistes sind, wird dann im Folgenden deutlich ausgesprochen. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; Verstehen Sie, was das heißt? Ich habe in der Vorbereitung lange über diesen Satz nachgedacht. Er wird der Welt die Augen auftun das heißt doch im Klartext. Wer sich auf den Heiligen Geist einlässt, wer von ihm erfasst wird, der bekommt ein erweitertes Bewusstsein, der bekommt einen Zuwachs an Erkenntnis. Dinge, die bislang im Verborgenen lagen, erschließen sich plötzlich wie von selbst, weil dieser Mensch eine neue, geistliche Sicht auf die Dinge hat. Geht das auch noch konkreter? Nun, ich versuche es mit Jesu Worten: Gottes Geist kann einen Menschen ob er nun im 1. oder im 21. Jahrhundert lebt lehren, was es mit der Sünde auf sich hat, was Gerechtigkeit bedeutet und wie wir sie erlangen und zu guter Letzt: Der Heilige Geist kann uns erläutern, was es mit Gottes Gericht auf sich hat, vor dem wir alle eines Tages stehen. Sie fragen sich: Wie geht das im Einzelnen? Durch die ganze Geschichte der Kirche hindurch, erleben wir, dass Gottes Geist, die Geschicke der Menschen lenkt. Durch die christliche Predigt und zuvor durch das Wort der Propheten, die Gott zu seinem Volk geschickt hat, werden Menschen auf ihr fehlendes Gottesverhältnis aufmerksam gemacht. Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Umkehr treibt, lesen wir im Römerbrief. Gott geht dir, Mensch, nach. Und er freut sich, wenn du nicht erst durch die ganz schwere Erschütterungen deines Lebens hindurch zur Einsicht kommst: Die größte Sünde besteht darin, dass wir Jesus den Glauben verweigern.

4 Liebe Gemeinde; Gott hat es sich enorm was kosten lassen, um uns Menschen heimzuholen. Er wirbt um uns, obwohl ihm ganz andere Mittel zur Verfügung stünden. 4 Er hat alle Strafen, die wir aufgrund unserer Treulosigkeit verdient hätten auf seinen Christus abgewälzt. Er hat ihn in den Tod gehen lassen um uns ein für allemal fürs ewige Leben zu gewinnen. Mit Jesu Auferstehung, mit seiner Himmelfahrt und mit seiner Inthronisation zur Rechten Gottes, stellt er uns dieses herrliche Ziel vor Augen. Das Sein bei Gott in Ewigkeit. Eia, wär n wir da! Möchte man manchmal sagen. Aber nun sind wir nun mal gefangen in der Welt des 21. Jahrhunderts. In einer Welt voller Umbrüche und Sorgen. Was bringt es uns, wenn uns einer das Ziel eines ewigen Lebens vor Augen malt und in fröhlichsten Farben vom Himmel und vom Sein bei Gott erzählt? Können wir heut an Pfingsten glauben, dass mit Jesu Auferstehung sein Sieg feststeht und alle seine Widersacher bereits gerichtet sind? Liebe Gemeinde, selbst die Jünger Jesu, hatten Probleme, das alles zu verstehen. Obwohl sie so viel mit Jesus erlebt hatten. Deshalb setzt Jesus den Heiligen Geist als Lehrmeister ein. Er wird euch in der Wahrheit leiten. Das heißt: Er wird euch helfen, dass nach und nach Licht kommt in die Fragen, die ihr euch heute noch stellt. Nehmen sie als Beispiel die vielen Jesusworte, die die Evangelisten später gesammelt haben. Da waren viele Ereignisse und Kommentare, die den Jüngern zunächst schwer verständlich waren. Und erst nach und nach haben sie die Zusammenhänge begriffen. Das ist für mich das Wirken des Heiligen Geistes. Er hilft zum Beispiel die universale Bedeutung von Jesu Werk zu verstehen. Mit seiner Hilfe durfte Johannes auf Patmos sogar einen prophetischen Blick in die Zukunft werfen. Liebe Gemeinde, das alles sind Wirkungen des Heiligen Geistes! Ohne den Heiligen Geist wäre kein Neues Testament entstanden. Wer hätte ein Interesse daran gehabt, die Evangelien, die vielen wichtigen Paulusbriefe und die prophetische Schau des Johannes in der Offenbarung, zu sammeln und gemeinsam aufzubewahren für die Nachwelt? Wo doch die Jünger bei Jesu Weggang noch so verwirrt und unverständig waren. Der Heilige Geist hat diesen Männern das Verständnis gegeben für Jesu Wort und Werk. So konnten sie schreiben und predigen, was Gott durch diesen Jesus an der Welt getan hat und was das Ziel aller Pläne Gottes ist. Jesus selbst hat nicht ein einziges geschriebenes Wort hinterlassen. Er wusste: Der Heilige Geist wird die Jünger an alles erinnern, was er mit ihnen gesprochen hat. Er wird ihnen alles klar machen, so dass sie es für die Menschen im geschriebenen und gepredigten Wort weiter geben können. Und die Jünger und Jüngerinnen Jesu haben es weitergegeben. Wie viele Frauen haben ihren Kindern von Jesus erzählt und dafür gesorgt, dass das Gute, das mit ihm in die Welt gekommen ist, in deren Herzen weiterlebt.

5 Für mich ist das alles ein Beweis für das stille, aber stetige Wirken des Heiligen Geistes. Kein Mensch wäre je zum Glauben gekommen, wenn der Heilige Geist nicht die Predigt und die Bibel den Menschen verständlich und eindrücklich gemacht hätte. 5 Und auch heute unterstreicht der Heilige Geist das, was uns dieser Bibeltext sagen will. Und das was bei jedem Einzelnen von Ihnen nachwirkt, kann ganz unterschiedlich sein. Kein Prediger hat das in der Hand. Ohne das Wirken des Heiligen Geistes bleibt nichts hängen beim Hören einer Predigt. Denn der Heilige Geist muss einem jeden und einer jeden Herz und Ohren aufschließen: Nur so kommt es zum Glauben! Liebe Gemeinde, sie fragen sich jetzt vielleicht, warum spüre ich nicht mehr von diesem Heiligen Geist? Warum wirkt er nicht spektakulärer bei mir? Haben Sie ihn schon einmal darum gebeten? Nehmen Sie eines heute Morgen aus meiner Predigt mit nach Hause: Wir sind nicht verlassen und verwaist. Wir haben einen Beistand, den Jesus selbst uns verheißen hat. Und dieser Heilige Geist wirkt dort, wo man ihn wirken lässt, wo man ihn bittet. Komm, Heiliger Geist. Komm und erweise dich als Tröster, der mein Herz kennt, wie kein anderer. Du weißt, was ich brauche. Du weißt, dass mir nicht mit einen leisen Windzufächeln gedient ist, Nein, mein Herz sehnt sich nach diesem Brausen, mit dem du die Jünger und mit ihnen viele Tausend andere wachgerüttelt hast aus ihrer Lethargie und Trägheit. Veni Creator Spiritus! Komm Heiliger Geist, mit deiner schöpferischen Kraft und Kreativität. Führe mich ein, in deine Wahrheit und lass mich Anteil bekommen an Gottes Herrlichkeit, in Ewigkeit.

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