Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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1 Bundesminister Dirk Niebel, MdB Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Fair Handeln Eröffnungsrede bei der Internationalen Messe für Fair Trade und global verantwortungsvolles Handeln , Messe Stuttgart Es gilt das gesprochene Wort!

2 2 Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Landesminister Friedrich, es freut mich sehr, hier und heute so viele Menschen begrüßen zu dürfen, die sich für faires Handeln interessieren. Dabei steht faires Handeln für eine ganze Palette von Themen: nachhaltiger Tourismus, verantwortungsvolles Handeln in Wirtschaft und Finanzwesen und natürlich der faire Handel. Als liberaler Entwicklungsminister bin ich sehr froh darüber, dass besonders der faire Handel - Fair Trade - in den letzten Jahren so eindrucksvoll den Weg in die Mitte der Gesellschaft gefunden hat. Denn der faire Handel vereint zwei meiner entwicklungspolitischen Grundüberzeugungen. Erstens: Nachhaltige Entwicklungserfolge lassen sich nur durch partnerschaftliche Zusammenarbeit erreichen, nicht durch herablassende Almosen. Und zweitens: Entwicklungszusammenarbeit kann nur durch breites Engagement erfolgreich sein. Durch eine engagierte Zivilgesellschaft und eine verantwortungsvolle Wirtschaft. Mein Ziel als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist es, vor allem erst einmal Hunger und Armut zu reduzieren. Der Faire Handel ist für uns dabei ein wichtiges Instrument. Hier engagieren sich Menschen aktiv in ihrem Alltag, bei ihren alltäglichen Kaufentscheidungen. Sie unterstützen Kleinbauern in den Entwicklungsländern. Die bekommen durch faire Preise und langfristige Handelsbeziehungen die Chance, sich aus eigener Kraft aus der Armut zu befreien. Und sie machen auch etwas für sich selber, denn die Produkte sind von bester Qualität. Deshalb unterstützt mein Ministerium den Fairen Handel. Zwei Drittel der Verbraucher in Deutschland kennen das Fairtrade-Siegel bereits, das ist ein toller Erfolg. Aber zwei Drittel kaufen es noch nicht im Alltag - das wollen wir ändern. Die jährlich statt findende Faire Woche, deren Schirmherrschaft ich auch dieses Jahr wieder gerne übernehme, ist ein wichtiger Teil unserer Förderung. Von 2012 bis 2014 stellte die Bundesregierung über für die faire Woche zur Verfügung. Im letzten Jahr haben Tausende Ehrenamtliche

3 3 bundesweit mehr als 2000 Veranstaltungen organisiert. Von der Probieraktion bis zum Fachvortrag: Die faire Woche erreicht mehr als eine Million Bürgerinnen und Bürger. Wir sind also auf einem guten Weg. In den letzten 3 Jahren hat sich der Umsatz mit Produkten des Fairen Handels in Deutschland verdoppelt auf fast eine halbe Milliarde Euro (477 Mio) Lebensmittelgeschäfte bieten über unterschiedliche fair hergestellte Produkte an. Weltweit liegt der Umsatz bereits bei knapp 5 Mrd. mit weiter steigender Tendenz. Mehr als 1,2 Mio. Produzenten und mehr als 1000 Kleinbauernorganisationen und Plantagen in über 60 Ländern handeln schon fair. Der Faire Handel beweist dabei etwas sehr wichtiges, nämlich dass Wirtschaft, Ökologie und Soziales keine Gegensätze sind. Wirtschaftlicher Erfolg und verantwortungsvolles Handeln sind keine Widersprüche. Im Gegenteil: langfristig geht das eine nicht ohne das andere. Mehr Umsatz im fairen Handel bedeutet mehr Einkommen für die Produzenten, mehr Partizipation, mehr Schulen, mehr Umweltschutz das ist nicht Charity, das sind Chancen für alle. Deshalb wollen wir mehr fairen Handel. Dabei bleiben die Wirkungen jedoch nicht allein auf die Produzenten und deren Familien beschränkt. Fairer Handel leistet auch einen Beitrag zur Entwicklung lokaler Gemeinden und hat damit positive Effekte auf ganze Regionen. Eine kürzlich veröffentliche unabhängige Studie hat nochmal bestätigt, dass Fair Trade sehr wichtig für die ländliche Entwicklung in unseren Partnerländern sein kann. Meine Damen und Herren, der Erfolg des fairen Handels kommt nicht von ungefähr. Er ist Ergebnis des jahrelangen und oft ehrenamtlichen Engagements vieler Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Kommunen, Nichtregierungsorganisationen und Kirchen. Sie alle setzen sich tatkräftig für die Menschen in unseren Partnerländern ein. Und Ihnen allen möchte ich dafür meinen ganz persönlichen und herzlichen Dank aussprechen.

4 4 Sie sind mit Ihrem Engagement ein Vorbild für andere. Mit ihren Informationskampagnen und Aktivitäten bewegen sie immer mehr Menschen, sich mit entwicklungspolitischen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Das größte bürgerschaftliche Engagement findet vor Ort, in den Kommunen statt. Das BMZ veranstaltet deshalb alle zwei Jahre den Wettbewerb Hauptstadt des Fairen Handels holte die Freie Hansestadt Bremen mit ihren vielfältigen Aktionen den Titel. Auch für 2013 lade ich alle aktiven Kommunen herzlich ein, sich zu beteiligen und Preisgelder von insgesamt zu gewinnen. Die Preisverleihung findet dieses Jahr im Rahmen der Fairen Woche am 18. September in Bremen statt. Bewerben können Sie sich noch bis 15. Juli Ich freue mich außerdem sehr, heute gemeinsam mit meinem Amtskollegen Minister Friedrich auf das neue "Promotorenprogramm" von Bund und Ländern hinzuweisen. Diese Programm ist ein Novum. Denn wir, Bund und Länder, haben uns auf eine gemeinsame Finanzierung der entwicklungspolitischen Bildungsaktivitäten in Deutschland geeinigt. Das Programm wird durch die Eine-Welt-Landesnetzwerke umgesetzt. Es handelt sich also um eine ausschließlich zivilgesellschaftliche Aktivität. Wir werden für diese neue Säule unserer entwicklungspolitischen Bildungspolitik etwa 1,5 Mio jährlich bereitstellen. Mein Damen und Herren, Bürgerschaftliches Engagement kann nicht von oben verordnet werden und soll es seinem Wesen nach auch gar nicht es entsteht aus der Mitte der Gesellschaft. Der Faire Handel ist das beste Beispiel dafür. Wir können Engagement aber unterstützen, indem wir Zivilgesellschaft und Kommunen als Partner ernst nehmen und so noch mehr Zukunfts-Entwickler für unsere Themen begeistern. Wir wollen, dass BMZ nicht nur für Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung steht, sondern auch für Bürger-Mitmach- Zentrale. Unser Ziel ist es, die Zahl der Engagierten in Deutschland auf zwei Millionen zu verdoppeln.

5 5 Dafür haben wir schon viel getan: In dieser Legislaturperiode wurde die Förderung der Zivilgesellschaft um fast ein Fünftel erhöht, auf jetzt 662 Mio.. Diese Mittel ermöglichen viele Aktivitäten zivilgesellschaftlicher Organisationen. Aber noch wichtiger als mehr Geld ist, dass wir unsere Zusammenarbeit wirksamer organisiert haben. Ein entscheidender Schritt ist hier die neu gegründete Engagement Global ggmbh. Bis dahin waren die Programme der zivilgesellschaftlichen und kommunalen Zusammenarbeit in der Entwicklungspolitik auf nicht zwei oder drei - sondern gleich vier Organisationen aufgesplittert. Es gab einen Dschungel unübersichtlicher Angebote. Selbst Eingeweihten fiel es schwer, sich in den verschiedenen Programmen und Fördermöglichkeiten zu orientieren. Daraus haben wir eine einzige Ansprech- und Beratungsstelle für Bürgerengagement mit einer Adresse, einer Telefonnummer und einer Website gemacht. Besuchen Sie den Stand von Engagement Global hier auf der Messe. Und erfahren Sie mehr über die Arbeit und die Angebote unserer jungen Servicestelle. Meine Damen und Herren, die Themen der diesjährigen Messe Fair Handeln sind breit gestreut und es gibt viel Interessantes zu Entdecken. Ob nachhaltiger Tourismus, Corporate Social Responsibility, nachhaltiges Handeln in Wirtschaft und Finanzwesen: Sie werden zahlreiche Möglichkeiten finden, sich als Zukunftsentwickler zu engagieren. Und ich kann es nicht oft genug betonen: Entwicklungspolitik braucht Ihre Unterstützung, Ihr Engagement. Ziel der deutschen Entwicklungspolitik ist es, Armut zu reduzieren, Konflikte zu verhindern, Hunger zu bekämpfen. Das klingt bedeutungsschwer und ernst. Ist es auch. Aber wir alle können die Welt jeden Tag ein bisschen und ein Schlückchen fairer machen: Mit mehr Kaffee, mehr Saft und mehr Bananen aus fairem Handel.

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