Basel II Hintergründe, Fakten, Chancen

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1 Basel II Hintergründe, Fakten, Chancen INKLUSIVE ANTWORTEN AUF HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN

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3 3 VORWORT Vorwort SEHR GEEHRTE DAMEN UND HERREN, Basel II allein der Begriff ruft bei vielen Unbehagen, Unverständnis und Ablehnung hervor. Schreckensszenarien sagen eine Austrocknung kleiner und mittelständischer Unternehmen voraus, weil sich Bankkredite für diese Klientel verteuern würden; die wichtigste Kapitalquelle des Mittelstands würde mit einem Schlag versiegen und ganze Wirtschaftszweige seien gefährdet. Ist das wirklich so? Die Eigenkapitaladäquanzrichtlinie des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht so die korrekte Bezeichnung von Basel II verlangt ein Rating von den Kreditkunden; landauf, landab heißt es nun, dass dies den deutschen Mittelstand im Gegensatz zu anderen Kundengruppen deutlich benachteilige. Stimmt das? Agenturen und Beratungen drängen auf den Markt, tragen aber insgesamt wenig dazu bei, den Mittelstand mit dem zu versorgen, was er angesichts der sich nun ändernden Vorschriften für Banken bei der Kreditvergabe am dringendsten braucht: Information. Als genossenschaftliche Zentralbank der Volksbanken, Raiffeisenbanken und Spar- und Darlehnskassen im Rheinland und in Westfalen sowie als Geschäftsbank für den Mittelstand erfüllt die WGZ-Bank diese Aufgabe mit der vorliegenden Broschüre. Wir versuchen, Ihnen einen Überblick über die zugegebenermaßen komplexe Materie zu verschaffen: Wir skizzieren die Inhalte des Basler Konsultationspapieres, bringen Ihnen die Kalkulation von Kreditgeschäften näher, zeigen Ihnen die häufig vernachlässigten Chancen aus Basel II für den Mittelstand auf und geben Antworten auf immer wieder auftauchende Fragen zum Thema Rating. Eine informative und vor allem Gewinn bringende Lektüre wünscht Ihnen Werner Böhnke Vorsitzender des Vorstands der WGZ-Bank

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5 5 INHALT Inhalt Vorwort 3 Basel II Die Reform der Eigenkapitalübereinkunft Norbert Maurer, WGZ-Bank 6 Was kostet ein Kredit? Manfred Schnor, WGZ-Bank 11 Welche Chancen birgt Basel II für den Mittelstand? Werner Böhnke, WGZ-Bank 17 VR-Control Managementinformationssystem zum Risikocontrolling Bernhard Krob, BVR 23 Frequently Asked Questions zum Rating 27

6 REFORM 6 Basel II Die Reform der Eigenkapitalübereinkunft Norbert Maurer, WGZ-Bank Vor mittlerweile gut zehn Jahren hat der mit hochrangigen Vertretern von Zentralbanken und den Aufsichtsbehörden der wichtigsten Industrieländer besetzte Basler Ausschuss die derzeit noch immer gültige Eigenkapitalvereinbarung vorgelegt. Seither haben sich die Bankgeschäfte, die Praktiken im Risikomanagement, die Aufsichtsansätze, aber auch die Finanzmärkte grundlegend verändert. ZIELE VON BASEL II Die bestehende Vereinbarung aus 1988, die bis zum Ende des Jahres 1992 umgesetzt werden musste, konzentrierte sich auf das gesamte Eigenkapital einer Bank, das zur Begrenzung des Insolvenzrisikos und der möglichen Kosten für die Einleger beim Konkurs des Institutes relevant ist. Die am 16. Januar 2001 vom Ausschuss vorgelegte überarbeitete Fassung der neuen Richtlinie verfolgt daher im Wesentlichen das Ziel, die für Banken geltenden Vorschriften zur Unterlegung ihrer Risiken mit angemessenem Eigenkapital den aktuellen Marktgegebenheiten anzupassen. Die unter Basel II diskutierte neue Eigenkapitalvorschrift wird alle bisherigen Novellen zum Bankaufsichtsrecht aufgrund der Dimension der Auswirkungen deutlich in den Schatten stellen. Viele Bereiche sind tangiert: Aufsichtsbehörden und Banken, aber auch die kreditfinanzierte Wirtschaft. Die Auswirkungen auf die Kreditvergabe selbst und die Sicherstellung der zukünftigen Kapitalversorgung von Unternehmen stehen hier thematisch im Vordergrund. Was verbirgt sich aber konkret hinter den Konsultationspapieren? Was sind die Inhalte? Welche Ziele werden verfolgt? Was wird sich ändern? Die neuen Eigenkapitalanforderungen hingegen sollen dem jeweiligen Risikopotenzial einzelner Positionen der Bilanzaktiva speziell Rechnung tragen. Neben einer noch effizienteren Führung der unterschiedlichsten Arten von Bankgeschäften werden positive Impulse zur Verbesserung des internen Risikomanagements erwartet. Darüber hinaus wird eine umfassende Berücksichtigung aller bankgeschäftlichen Risiken angestrebt. Für das operationelle Risiko muss zukünftig neben den bereits heute zu unterlegenden Adressausfallrisiken und den Marktpreisrisiken des Handelsbuches ebenfalls Eigenkapital vorgehalten werden. Alle Maßnahmen sollen letztendlich insgesamt dazu beitragen, die Sicherheit und Solidität des durch seine hohe Dynamik und eine zunehmende Komplexität gekennzeichneten Finanzsystems zu fördern.

7 7 REFORM DIE 3 SÄULEN VON BASEL II Nur durch das Zusammenspiel von effizienter Geschäftsführung der Banken, wirksamer Aufsicht und Marktdisziplin kann die Umsetzung der angestrebten Ziele erreicht werden. Die neue Eigenkapitalvereinbarung besteht zu diesem Zweck aus drei sich gegenseitig verstärkenden Säulen, die die Banken und deren Kunden vor den Folgen unkontrollierter Risiken schützen sollen. Der Basler Ausschuss unterstreicht die Notwendigkeit, alle drei Säulen konsequent anzuwenden. Durch die beabsichtigte aktive Zusammenarbeit mit den Bankaufsichtsinstanzen der Länder soll die wirksame Umsetzung sämtlicher Aspekte der neuen Eigenkapitalvereinbarung erreicht werden. DIE 1.SÄULE: MINDESTEIGENKAPITALANFORDERUNGEN Sowohl die geltende Definition des Eigenkapitals als auch die Mindesteigenkapitalquote von 8 % im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva (0,08 x Bonitätsgewichtungsfaktor x Kreditrisikobetrag) wird von der neuen Eigenkapitalvereinbarung zwar nicht berührt, dennoch haben die Vorschläge zu den Mindesteigenkapitalanforderungen für Banken die größte Relevanz. Die Neuerungen von Basel II betreffen die Messverfahren für Risiken aus Bankgeschäften, speziell für die Ausfallrisiken im Kreditgeschäft und erstmals für operationale Risiken. Dies ist letztendlich nicht verwunderlich, da Banken insgesamt zu einer Verbesserung der Beurteilung und Quantifizierung aller eingegangenen Risiken veranlasst werden sollen. Zur Erinnerung: Kredite an Unternehmen sind zurzeit einheitlich mit einem Risikogewicht von 100 % zu veranschlagen. Es erfolgt somit keine Differenzierung der Unterlegungspflicht entsprechend dem individuellen Kreditausfallrisiko, gemessen an der Bonität des Unternehmens! Ergebnis dieser Pauschalierung: Die Risikoprämie als wesentlicher Bestandteil der Kreditkondition ist in allen Fällen identisch und bewirkt eine Quersubvention von Kreditkunden mit überdurchschnittlicher Bonität, die bisher von eher einheitlichen Kreditkonditionen benachteiligt wurden, an Kunden mit unterdurchschnittlicher Bonität. Unter diesen Rahmenbedingungen ist eine auch betriebswirtschaftlich gebotene sinnvolle Steuerung und Überwachung von Risiken für die Institute nicht bzw. nur sehr eingeschränkt möglich. Die Bestimmung individueller Risikogewichte wird daher künftig über weitaus ausgefeiltere Messmethoden vorgenommen werden. Dies kann einerseits über einen Standardansatz

8 REFORM 8 auf der Grundlage externer Ratings erfolgen, andererseits auf Basis interner Ratings (IRB-Ansatz) der Banken. Der Standardansatz entspricht vom Konzept her der aktuell geltenden Eigenkapitalvereinbarung aus 1988, weist jedoch bereits eine merklich risikogerechtere Ausrichtung auf. Vor dem Hintergrund der in Deutschland sehr gering ausgeprägten Ratingkultur ist die insbesondere auf Druck der nationalen Aufsichtsbehörden zu Stande gekommene Zulassung von internen Ratings als großer Erfolg zu werten. Banken, die mit dem IRB-Ansatz arbeiten, wird es gestattet, ihre internen Einschätzungen der Bonität von Schuldnern für die Beurteilung des Kreditrisikos in ihren Portfolios zu verwenden. Dies allerdings nur unter Beachtung der strengen Auflagen in Bezug auf Methodik und Offenlegung. Im Basisansatz des IRB schätzt die Bank die Ausfallwahrscheinlichkeit und greift bei den übrigen Komponenten auf standardisierte Vorgaben der Aufsichtsinstanz zurück. Beim fortgeschrittenen Ansatz hingegen kann die Bank sämtliche Risikokomponenten an internen Schätzungen selbst ausrichten. Sowohl im Basis- als auch im fortgeschrittenen Ansatz ergeben sich weitaus differenziertere Risikogewichte als bei der Standardmethode, die nur eine Bandbreite von 20 % bis 150 % aufweist. Unabhängig von der Anwendung ergeben sich hieraus jedoch genau die auch vom Basler Ausschuss gewünschten Effekte: Zum einen basiert die Höhe der Eigenkapitalunterlegung zukünftig auf individuell ermittelten, den jeweiligen Besonderheiten des Schuldners Rechnung tragenden, objektiven Kriterien. Zum anderen wird vor dem Hintergrund des möglichen Einsparungspotenzials für Banken der Anreiz erhöht, die eigenen internen Ratingverfahren einer ständigen Qualitätskontrolle zu unterziehen und diese weiter zu optimieren. Die Gestaltung der Kreditkonditionen wird sich zukünftig folglich an genau zu überprüfenden Ausfallwahrscheinlichkeiten orientieren. Dies wird unweigerlich zu einer Spreizung der Kreditzinsen führen, ist aber zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit eines jeden Institutes unverzichtbar.

9 9 REFORM DIE 2.SÄULE: AUFSICHTLICHES ÜBERPRÜFUNGS- VERFAHREN Neben Regelungen zu dem in Säule 1 nicht berücksichtigten Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch sowie speziellen operationellen Risiken beinhaltet diese Säule die zentralen Grundsätze zur Überprüfung durch die Aufsicht. Von besonderer Bedeutung ist die Anforderung an Banken, über solide Verfahren zur Beurteilung ihrer angemessenen Eigenkapitalausstattung und eine Strategie für den Erhalt des erforderlichen Niveaus zu verfügen. Zur effektiven Beurteilung der Angemessenheit der Kapitalsituation ist ein solides Risikomanagement unverzichtbar. Die von den Aufsichtsbehörden vorzunehmende Überprüfung und Bewertung der Systeme soll die Banken einerseits zu einer permanenten Optimierung dieser Prozesse animieren, wodurch andererseits die Anreize durch die sich ergebenden Möglichkeiten in Bezug auf eine geringere Eigenkapitalbindung noch verstärkt werden. Das professionelle Management von Risiken wird künftig stärker als bisher ein Schlüsselfaktor im Wettbewerb der Banken untereinander werden. Weniger positiv aufgenommen wurde ein weiterer Vorschlag des Ausschusses: das den Aufsichtsinstanzen einzuräumende Recht der Festsetzung einer höheren Eigenkapitalausstattung als der aufsichtsrechtlich geforderten Mindestdeckung. Unter Berücksichtigung der bereits weitgehenden Vorschriften und Regelungen aus Säule 1 ist diese Anforderung auf große Ablehnung in der Kreditwirtschaft gestoßen. Festzuhalten bleibt jedoch, dass sich die durch Basel II neu definierte Überprüfung durch die Aufsicht von der quantitativen Ausrichtung weg hin zu einer qualitativen bewegen wird und den Dialog zwischen den Instituten auf der einen, den Aufsehern auf der anderen Seite intensivieren wird. DIE 3.SÄULE: FÖRDERUNG DER MARKTDISZIPLIN Unter Marktdisziplin subsummiert der Basler Ausschuss Maßnahmen, die zu einer merklichen Erhöhung der Transparenz für die Marktteilnehmer beitragen. Dieses Ziel soll durch die verstärkte Offenlegung von Informationen zum Risikoprofil und zur Angemessenheit der Eigenkapitalausstattung im Rahmen der externen Rechnungslegung durch die Banken erreicht werden.

10 REFORM 10 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK Die neuen Vorschriften zur Ausstattung der Banken mit haftendem Eigenkapital und zur Bankenaufsicht, die die alte Richtlinie von 1988 ersetzen werden, sind nicht das Ergebnis eines zentralen Erlasses, sondern entstehen in enger Abstimmung mit den Interessenvertretungen der Teilnehmerländer. Dieser intensive Dialog und die Vielzahl der Eingaben führten im Ergebnis zu der nunmehr anstehenden weiteren Abstimmungsrunde mit Beginn des Jahres Wie auch immer der Ausgang sein wird: Basel II wird das aufsichtsrechtliche Umfeld der Banken ganz wesentlich verändern und deutlich erweiterte Anforderungen an das Kreditgeschäft der Zukunft stellen. Die Reform der Eigenkapitalvorschriften für Banken wird aber auch einschneidende Veränderungen für die Unternehmen selbst mit sich bringen. Diese dritte Konsultationsrunde bietet der deutschen Kreditwirtschaft unter anderem zumindest die Chance, ihr besonderes Anliegen, dass langfristige Kredite nicht durch Zuschläge beim Rating deutlich schlechter gestellt werden als solche mit kurzer Laufzeit, im Text des Akkords zu verankern. Eine Koppelung von höherer Risikogewichtung und Laufzeit des Kredites würde die nationalen Banken im durch die Globalisierung weiter zunehmenden Wettbewerb stark benachteiligen. Darüber hinaus gilt es aber auch, endgültige Regelungen in Bezug auf die Gewichtungssätze im internen Ratingansatz zu finden und die Besonderheiten des deutschen Mittelstandes deutlicher zu berücksichtigen. Ob die Bemühungen der deutschen Verhandlungsdelegation jedoch zum Erfolg führen werden, ist noch vollkommen offen.

11 11 KREDITKOSTEN Was kostet ein Kredit? Manfred Schnor, WGZ-Bank Die Diskussion um die Neuregelung der Eigenkapitalunterlegung im Kreditgeschäft (Basel II) hat viele Fragen aufgeworfen. Aus der Sicht der Kreditkunden ist die entscheidende Frage natürlich die nach den Kreditkonditionen. Wie kommt aber ein fairer Preis für einen Kredit zustande? Ein Kredit ist ein finanzwirtschaftliches Produkt, dessen Erzeugung und Vertrieb Kosten verursacht. Es ist eine betriebswirtschaftliche Selbstverständlichkeit, dass ein fairer Preis für dieses Produkt nicht unter seinen Herstellungskosten liegen kann. Diese sollen im Folgenden kurz genannt und erläutert werden. Die Kostenblöcke bei der Erzeugung eines Kredits sind STÜCKKOSTEN REFINANZIERUNGSKOSTEN RISIKOKOSTEN EIGENKAPITALKOSTEN STÜCKKOSTEN: DIE PRODUKTIONS- KOSTEN EINES KREDITES Dass ein Kreditgeschäft bankseitig Stückkosten erzeugt, ist offensichtlich. Auf allen Ebenen des Kreditprozesses, vom Vertrieb bis zu der evtl. erforderlichen Abwicklung eines notleidenden Engagements, werden Mitarbeiter und Sachmittel eingesetzt. Der scharfe Wettbewerb zwingt die Banken, die Stückkosten durch effizientere Prozesse zu senken. Darüber hinaus wird versucht, Bearbeitungskosten produktindividuell zu erfassen. Ein Beispiel: Sehr große und evtl. für die Bank riskantere Kredite erfordern bei der Kreditentscheidung und -betreung u.a. die zusätzliche Beteiligung von höher qualifizierten Fachkräften. Die absoluten Stückkosten sind daher höher. Allerdings fällt bei großvolumigen Krediten ein Zinsaufschlag für die Abdeckung der Stückkosten eher kleiner aus als für kleine Kredite, bei denen die Stückkosten im Vergleich zur Kreditsumme viel höher sind. Die beiden ersten Kostenblöcke sind einfach nachzuvollziehende kaufmännische Posten. Die so genannten Risikokosten und Eigenkapitalkosten werden durch das Kreditrisiko verursacht, also die nicht zu vernachlässigende Gefahr, dass ein Kreditnehmer seinen Rückzahlungsverpflichtungen nicht vollständig nachkommt. Dies verdeutlicht das folgende Beispiel: Kredit 1 Kredit 2 Volumen Stückkosten Stückkosten / 0,5 % 0,2 % Kreditsumme Gemäß dem allgemein akzeptierten Verursacherprinzip werden im Regelfall die produktindivi-

12 KREDITKOSTEN 12 duell ermittelten Stückkosten an den Kunden weitergegeben. REFINANZIERUNGSKOSTEN: DIE BESCHAFFUNGSKOSTEN EINES KREDITES Die Bank muss das herausgelegte Geld refinanzieren, z.b. aus Spareinlagen oder durch Transaktionen am Kapitalmarkt. Für die Kalkulation der dadurch entstehenden Kosten wird in der Regel von einer fristenkongruenten Refinanzierung ausgegangen, die bezüglich der Fristigkeiten und Volumina auf die Zahlungsvereinbarungen des Kredits abgestimmt ist. Aus diesem Grund entsteht der Bank bei vorzeitiger Tilgung des Kredits manchmal auch ein sogenannter Vorfälligkeitsschaden. Dies geschieht dann, wenn bei fristenkongruenter Refinanzierung gegenüber dem Eindeckungstermin die Zinsen gesunken sind. Wenn die Zinsen seitdem gestiegen sind, fällt kein Zinsschaden an, doch liegt es dann auch nicht im Interesse des Kunden, den Kredit zu kündigen. Im Regelfall verhält es sich so, dass weder der Kunde noch die Bank bei fristenkongruenter Refinanzierung ein Zinsänderungsrisiko tragen. Selbstverständlich ist jede beliebige Chancen-Risiko- Gestaltung in den Verträgen möglich. Hier soll nun der Einfachheit halber unterstellt werden, dass die Bank sich fristenkongruent refinanziert. Die Refinanzierungskosten können von Bank zu Bank variieren. Z.B. haben nicht alle Banken Zugang zu der eher günstigen Refinanzierung über Spareinlagen. Andererseits hängen die Konditionen für die Refinanzierung an den Kapitalmärkten vom Rating der Bank selbst ab. Selbstverständlich müssen die Refinanzierungskosten komplett an den Kunden weitergegeben werden. An dieser Stelle wird auch deutlich, dass der direkte Zugang zum Kapitalmarkt vor allem größeren Unternehmen vorbehalten ist. Die Kapitalanleger verzichten dann auf den Intermediär Bank und verschaffen sich selber ein Bild von der Bonität des emittierenden Unternehmens. Dies erfolgt in gleicher Weise, wie sich der Markt sonst eine Bonitätsmeinung zu der sich refinanzierenden Bank bildet. Kleineren und mittleren Unternehmen ist der direkte Zugang zum Kapitalmarkt gegenwärtig aus Kostengründen noch verwehrt. Diese Unternehmen profitieren von der besseren Bonität ihrer Hausbank und dem für sie dadurch günstigeren Zugang zum Kapitalmarkt. RISIKOKOSTEN: VERSICHERUNGSPRÄMIE GEGEN AUSFÄLLE DER ABNEHMER Die Bank muss bei der Konditionsgestaltung ihrer Kreditprodukte dem Umstand Rechnung tragen, dass ihr durch ausbleibende Kreditrückzahlungen regelmäßig Verluste entstehen. Diese Vorgehensweise kennt man auch von den Versicherungen.

13 13 KREDITKOSTEN Dort zahlt z.b. ein Autofahrer seine KFZ-Versicherung ein Leben lang, auch wenn er nie einen Unfall verursacht. Im Mittel ist die individuelle Versicherungsprämie jedes einzelnen jedoch so ausgelegt, dass die Verluste der Unfallverursacher daraus gedeckt werden können. Hier ist es die Bank, die eine Versicherungsprämie gegen Kreditausfälle leisten muss. Diese wird in der Regel in einen bankeigenen Versicherungstopf eingezahlt. Das sind Kosten, die an den Kunden weitergegeben werden müssen. Im Vorfeld ist nicht bekannt, ob ein Kunde einen Autounfall verursachen oder ein Kreditnehmer zahlungsunfähig werden wird. Ein weiterer Effekt, der aus dem Versicherungsmarkt bekannt ist, lässt sich auf das Bankgewerbe übertragen: Je mehr Unfälle (bzw. Kreditausfälle) produziert werden, desto eher steigen die Versicherungsprämien, um die Verluste im Mittel wieder aufzufangen. Würden die oben beschriebenen Verluste nicht wenigstens im langfristigen Mittel ausgeglichen, könnte das Kreditgeschäft nicht wirtschaftlich betrieben werden. Im Sinne einer verursachergerechten Weitergabe dieser Verluste muss jeder Kreditkunde einen Zinsaufschlag zahlen, der die mit seinem Kreditvertrag zusammenhängenden erwarteten Verluste kompensiert. Die so kompensierten Kosten nennen wir Risikokosten. Welcher Kunde mit welcher Prämie belegt wird, hängt bei der Versicherung u.a. von dem zu versichernden Fahrzeug ab, in der Bank von der Bonität des Kunden, also der Fähigkeit, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die Analyse und Einordnung des Kunden in eine Schadensklasse umschreibt das Ratingverfahren einer Bank.

14 KREDITKOSTEN 14 EIGENKAPITALKOSTEN: PUFFER GEGEN UNVORHERGESEHENE RISIKEN Dies reicht aber noch nicht aus: Da die tatsächlichen Verluste, die die Bank erleidet, mit den erwarteten (prognostizierten) Verlusten im Allgemeinen nicht übereinstimmen, braucht die Bank einen Puffer, mit dem sie die resultierenden Schwankungen auffangen kann, ohne evtl. selber in Liquiditätsprobleme zu gelangen. Dieser Puffer besteht aus haftendem Eigenkapital. Das Eigenkapital der Bank erfüllt damit die gleiche Pufferfunktion wie das Eigenkapital bei mittelständischen Unternehmen. Für die Bereitstellung des Eigenkapitals verlangen die Kapitalgeber der Bank eine angemessene Rendite. Aus Sicht der Bank sind die Dividendenzahlungen Eigenkapitalkosten. Die Eigenkapitalkosten muss die Bank verdienen und sind nach dem Verursacherprinzip an die Kreditkunden weiterzugeben. Das nachfolgende Bild zeigt schematisch den beschriebenen Versicherungstopf. Volumenvergrößerung durch Beiträge zu Eigenkapitalkosten Beiträge zu Risikokosten Kunde 1 Kunde 2 Kunde 3 Kunde 4 Versicherungstopf aus haftendem Eigenkapital bereitgestellt durch Kapitalgeber, die Füllhöhe kann stark schwanken Volumenverminderung durch Dividendenzahlungen, Wachstum, Kreditverluste, etc. Dividende, Wachstum, etc. Kreditverluste In den Topf zahlen alle Kreditkunden ihre Beiträge zu den Risiko- und Eigenkapitalkosten ein. Durch Kreditverluste einerseits und Dividendenzahlungen bzw. Wachstumsansprüche der Bank andererseits verliert der Topf Substanz. Die Füllhöhe kann deutlich schwanken. Die langfristig gemittelte absolute Füllhöhe des Topfes hängt davon ab, wie gut sich die Bank gegen eine eigene Insolvenz schützen möchte.

15 15 KREDITKOSTEN Wie werden nun die erforderlichen Zuflüsse in den Versicherungstopf ermittelt? Etwas vereinfacht gilt folgendes: RISIKOKOSTEN = AUSFALLWAHRSCHEINLICHKEIT X VERLUST BEI AUSFALL Die Analyse und Einordnung des Kunden in eine Schadensklasse haben wir als Ratingprozess definiert. Die Schadensklasse steht für eine mathematisch-statistisch ermittelte Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kunde potenziell in Zahlungsverzug gerät die so genannte Ausfallwahrscheinlichkeit. Zur Bedeutung ein Beispiel: In einer sehr großen Gruppe von Kreditkunden, die alle eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 1 % haben, wird einer von hundert Krediten notleidend. Ausfallwahrscheinlichkeiten werden im Rahmen eines strukturierten Ratingprozesses geschätzt. In die Ratingbeurteilung fließen sowohl Jahresabschlussinformationen als auch weitere nichtfinanzielle Fakten ein. Der Verlust bei Ausfall ergibt sich aus dem Kreditsaldo zum Zeitpunkt des Kreditausfalls, vermindert um die Erlöse, die die Bank durch Verwertung von Sicherheiten und aus der Konkursmasse erzielt. Dazu ein Beispiel: Ein 1-jähriger endfälliger Kredit von 1 Mio sei über einen sicherungsübereigneten Maschinenpark zu 50 % abgesichert. Darüber hinaus wollen wir für dieses Beispiel davon ausgehen, dass die Bank vom verbleibenden Blankoanteil (hier ) ein Fünftel aus der Konkursmasse wiedererhält (hier also ). Der Verlust bei Ausfall beträgt also Die Ausfallwahrscheinlichkeit betrage 2%. Die Risikokosten betragen damit (0,02 x ) und führen zu einem Zinsaufschlag von 8.000/ = 0,8 %. Ohne die Besicherung wäre der Verlust bei Ausfall gewesen, also doppelt so hoch. Der Zinsaufschlag hätte dann 1,6 % betragen. Das Beispiel zeigt, wie groß der Einfluss der Besicherung eines Kredits auf die Konditionen sein kann. Natürlich wird die Berechnung der Risikokosten bei längerfristigen Krediten mit komplizierteren Zahlungsvereinbarungen schwieriger. Das Grundprinzip bleibt jedoch unverändert.

16 KREDITKOSTEN 16 BEDEUTUNG VON BASEL II FÜR DIE ERMITTLUNG DER EIGENKAPITALKOSTEN Die Ermittlung der Eigenkapitalkosten ist diffiziler. Nach dem im Moment noch gültigen Regelwerk Grundsatz I ( Basel I ) müssen die Banken im Standardfall mindestens 8 % des Kreditvolumens als Eigenkapitalpuffer vorhalten. Für das obige Beispiel wären dies Euro. Da die Bank das Eigenkapital risikolos anlegen kann, wird lediglich die Differenz zwischen dem Verzinsungsanspruch der Kapitalgeber und dem risikolosen Zinssatz in Anschlag gebracht. Dieser betrage beispielhaft 4 %. Die Eigenkapitalkosten wären dann Euro* 4 % = Euro. Der entsprechende Konditionenaufschlag zur Abdeckung dieser Kosten wäre damit 0,32 % für den Kredit von 1 Mio. Euro. Eine Eigenkapitalunterlegung mit pauschal 8% berücksichtigt nicht das tatsächliche Risiko eines einzelnen Kreditgeschäfts und kann daher nicht dem angestrebtem Verursacherprinzip genügen. Nach dem vorliegenden Entwurf für Basel II wird die Mindestkapitalunterlegung in der Zukunft sowohl von der Bonität des Kunden als auch differenzierter von der Besicherung des Kredits abhängen. Darüber hinaus wird es wahrscheinlich auch eine Abhängigkeit von der Laufzeit des Kredits geben. Damit wird auch der Eigenkapitalaufschlag auf die Kreditkonditionen von Rating, Besicherung und Laufzeit abhängen. Die konkrete Ausgestaltung dieser Abhängigkeiten ist vom Baseler Ausschuss noch nicht endgültig festgelegt worden und wird zur Zeit intensiv diskutiert. Deutlich wird jedoch: Basel II fördert mit den Vorschlägen zur bonitätsdifferenzierteren Eigenkapitalunerlegung grundsätzlich das bankwirtschaftlich Vernünftige. ZUSAMMENFASSUNG: WAS KOSTET EIN KREDIT? Abschließend sei für unser Beispiel noch einmal zusammengestellt, wie der endgültige Kreditpreis zustande kommt. Wir nehmen an, dass die Stückkosten 0,25 % betragen. Die Refinanzierungskosten für die Bank seien 4,5 %. Stückkosten 0,25 % Refinanzierungskosten 4,50 % Risikokosten 0,80 % Eigenkapitalkosten (nach Basel I) 0,32 % Kundenkondition 5,87 % Trotz der vereinfachten Darstellung machen die Ausführungen deutlich, dass der Kreditpreis von vier Kostenblöcken herrührt. Dabei sind die Risikosten und in naher Zukunft auch die Eigenkapitalkosten sehr deutlich abhängig von der Bonität des Kreditnehmers und von der Besicherung des in Frage stehenden Kredits.

17 17 CHANCEN Welche Chancen birgt Basel II für den Mittelstand? Werner Böhnke, WGZ-Bank Wo so viel von Risiko die Rede ist, wie in dem Konsultationspapier des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, da muss es doch auch Chancen geben. Diese Binsenweisheit lässt sich auch auf die angespannte Gemengelage um Basel II und den deutschen Mittelstand übertragen. angewiesen sind. Der Kehrwert der Eigenkapitalquote, der Verschuldungsgrad, impliziert darüber hinaus, dass das Ausfallrisiko für Fremdkapitalgeber in Deutschland größer ist als in Großbritannien und den USA im Durchschnitt wohlgemerkt. DAS KREDITGESCHÄFT MIT DEM MITTELSTAND Von welchen Unternehmensgrößen sprechen wir eigentlich, wenn vom Mittelstand die Rede ist? Die Studie mind finance 2000 gibt erste Aufschlüsse: 83,3 % aller mittelständischer Unternehmen hatten in 1999 einen Jahresumsatz, der unter 5 Mio. DM lag, 90,6 % lagen unter 10 Mio. DM. 89,7 % der Unternehmen haben dabei weniger als 50 Mitarbeiter. Das Gros der Firmenkunden in Deutschland, das unter dem Sammelbegriff Mittelstand zusammengefasst wird, besteht somit aus vergleichsweise kleinen Unternehmen. In Bezug auf die Finanzierung dieser Kundengruppe muss allerdings auch ein besonders wichtiger Aspekt Berücksichtigung finden: Im Vergleich zu angelsächsischen Unternehmen hat der deutsche Mittelstand eine deutlich niedrigere Eigenkapitalquote von durchschnittlich 20 % gegenüber 40 %. Daran ist zu erkennen, dass mittelständische Unternehmen in unserem Lande in hohem Maße auf Fremdfinanzierung Die Unterschiede zwischen den Unternehmen sind jedoch groß. Es muss ohnehin davor gewarnt werden, im Zusammenhang von Basel II von dem deutschen Mittelstand zu sprechen; dafür ist diese Gruppe zu heterogen. Rund ein Drittel der mittelständischen Unternehmen bezieht mehr als die Hälfte des Fremdkapitals von Banken. Andererseits sind immerhin 30,7 % der Unternehmen überhaupt nicht auf Fremdkapital angewiesen. Auch andere Untersuchungen haben gezeigt, dass der klassische Firmenkredit die Finanzierung mittelständischer Unternehmen dominiert; von der Anzahl her, nicht vom Volumen, nur noch übertroffen wenig verwunderlich vom Gesellschafterdarlehen. Viele der kreditnehmenden Unternehmen bauen im Übrigen auf gewachsene, langjährige Beziehungen zu ihren Banken; Bankloyalität spielt immer noch eine Rolle, Tendenz jedoch abnehmend. Insgesamt unterhalten die meisten Unternehmen zu ihrer Hausbank ein gutes bis sehr gutes Verhältnis angesichts des häufig angeführten, angeblich schlechten Images von Banken,

18 CHANCEN 18 das in dieser Hinsicht nur noch von den Versicherungen übertroffen wird, ein wohltuendes Ergebnis. Ein Teil der Mittelständler weist aber darauf hin, dass sich ihr Verhältnis zu ihrer Hausbank verschlechtert habe. Dieses für sich genommene Ergebnis ist nicht unbedingt Besorgnis erregend; die Gründe für eine schlechtere Beziehung lassen jedoch aufhorchen: Neben der Verteuerung der Kredite wird den Banken ihre Strenge verübelt. Diese Kritik gewinnt angesichts des in der Basler Eigenkapitalrichtlinie geforderten Ratings eine neue Qualität. Denn die vermeintliche Strenge der Banken wird zwangsläufig zunehmen, da eine weitaus umfassendere Pflicht zur Offenlegung von Finanzund strategischen Informationen notwendig wird. MITTELSTAND UND KAPITALMARKT Eine Verteuerung der Bankkredite werde dazu führen, dass sich auch mittelständische Unternehmen verstärkt mit Emissionen von Anleihen direkt an den Kapitalmarkt begeben werden. So lautet eine vielfach geäußerte Prognose. Führt man sich jedoch vor Augen, dass mit einem Gang an den Kapitalmarkt erhebliche Pflichten zur Offenlegung von Informationen verbunden sind (und entsprechende Kosten verursachen) und dass die Begebung einer Anleihe derzeit erst ab einem Volumen von mindestens 100 Mio. Euro in Frage kommt, so zeigt sich, dass für den überwiegenden Teil des Mittelstandes der direkte Zugang zum Kapitalmarkt verschlossen ist. Die Hinwendung des deutschen Mittelstands zum Kapitalmarkt ist nicht absehbar und derzeit auch kaum vorstellbar. Eine andere Möglichkeit, den Kapitalmarkt für das Firmenkundengeschäft zu erschließen, besteht in der Möglichkeit des Handels mit Kreditrisiken durch die kreditgebenden Banken; auf diese Weise kann sich indirekt auch dem Mittelstand der Kapitalmarkt eröffnen. Banken sind in der Lage, Kreditrisiken zu bündeln und losgelöst vom eigentlichen Kreditgeschäft am Kapitalmarkt zu handeln. Sie können somit als Risikomakler in Erscheinung treten und somit auch dann noch Kredite vergeben, wenn ihre eigene Kapazität aufgrund der Eigenkapitalanforderungen bereits erschöpft ist. Unbedingte Voraussetzung für einen derartigen Handel mit Risiken am Kapitalmarkt ist, dass die Risiken nach einem validen und marktweit anerkannten Ratingverfahren ermittelt wurden, um die Vergleichbarkeit und damit Handelbarkeit herzustellen. Diese Zukunftsmusik zeigt in ersten Ansätzen bereits einige Chancen, die sich mit dem geforderten Rating sowohl für Banken als auch für Firmenkunden verbinden.

19 19 CHANCEN VORGEHEN DER WGZ-BANK Die WGZ-Bank arbeitet seit dem vergangenen Jahr intensiv an einer Verfeinerung der bisherigen Ratingmethodik, die bei der Erfassung der relevanten Daten individuellen Gegebenheiten des Kreditnehmers eher gerecht werden kann als bisher. Dabei handelt es sich um ein rein statistisches System, in das Bilanzdaten und qualitative Faktoren eingehen werden. Es ist bewusst kein Expertensystem neu entwickelt worden, da von einer stärkeren Vorhersagegenauigkeit eines statistischen Systems auszugehen ist. Das Modell besteht aus je rund einem Dutzend quantitativer und qualitativer Faktoren. Dazu ein interessantes Detail: Es wurde festgestellt, dass ein Zusammenhang zwischen Branchenzugehörigkeit und Ausfallwahrscheinlichkeit nicht erkennbar ist; dies gilt in jedem Fall für die übliche Branchenklassifizierung. Die vielfach geäußerte Sorge, allein die Zugehörigkeit eines Kreditnehmers zu einer rückläufigen Branche (z.b. zum Baugewerbe) führe zu einem so genannten Branchenmalus und damit automatisch zu einem höheren Risikoaufschlag, ist daher unbegründet. Die Streuung der Bonität innerhalb der gängigen Branchen ist zu groß, als dass ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Branche und Bonität erkennbar wäre, der einen Zusatznutzen zu anderen Variablen liefern könnte. KONSEQUENZEN UND EMPFEHLUNGEN FÜR DEN MITTELSTAND Von einer allgemeinen Verteuerung der Kredite für den Mittelstand zu reden erscheint zu pauschal und damit unseriös. Hier werden zu sehr Äpfel mit Birnen verglichen, als dass man eine allgemein gültige Aussage treffen könnte. Die Konditionen werden sich jedoch erheblich stärker als bisher zwischen den einzelnen Kreditnehmern unterscheiden; diese Konsequenz dürfte mittlerweile jedem klar sein. Diese Unterscheidung hängt aber noch außer natürlich von der Risikoklassifizierung durch ein Ratingverfahren von der vom Basler Ausschuss noch nicht abschließend festzulegenden Risikogewichtung ab. Ein anerkanntes und valides Ratingsystem birgt auch große Chancen für Firmenkunden. Gerade bei mittelständischen Firmen überwiegend Eigentümerunternehmen, die oftmals von erfahrenen Persönlichkeiten geführt werden fehlt es zum Teil aber auch an systematischen Steuerungsinstrumenten. Für diese Kunden stellt ein Rating eine echte Dienstleistung dar: Zum einen ist ein gutes Ratingergebnis nicht nur Grundlage für gute

20 CHANCEN 20 Konditionen bei der Bank, sondern auch als Gütesiegel beispielsweise für Lieferantenkredite oder für die Generierung von Eigenkapital zu sehen. Zum anderen zeigt ein transparentes Ratingverfahren dem Kreditnehmer die Faktoren, an denen seine Bonität hängt; d.h. das Verfahren ist eine Grundlage für die Unternehmenssteuerung, da es dem Unternehmer Ansatzpunkte zur Verbesserung seines Standings bei den Kapitalgebern aufzeigt. Dadurch ist ein Rating auch als Ausgangspunkt für weitere Dienstleistungen zu sehen, beispielsweise in Fragen zur Nachfolge, bei Restrukturierungen oder ähnlichen beratungsintensiven Vorhaben. Gerade für den Mittelstand ist im Übrigen die Zulassung bankinterner Ratings ein nicht zu unterschätzender Vorteil, da Banken aufgrund der Verfügbarkeit umfassender Daten erheblich einfacher und damit günstiger als Ratingagenturen die notwendigen Daten erheben und auswerten können. Grundsätzlich dies wird häufig vergessen nimmt Basel II den Banken nicht die Möglichkeit der Preisgestaltung; gesetzlich verankerte Kostenpreise, die Marktpreisen im Hinblick auf die Allokationsfunktion unterlegen sind, wird es nicht geben. Cross-Selling-Potenziale z.b. sind auch weiterhin ein Grund, einem Kreditnehmer bei den Konditionen im Hinblick auf Anschlussgeschäfte entgegen zu kommen. Im derzeitigen Entwurf ist vorgesehen, dass für ein derartiges Abweichen von einem ermittelten Ratingergebnis Ausnahmeregelungen getroffen und dokumentiert sein müssen, ohne dass jedoch ein Detaillierungsgrad vorgeschrieben ist, was sicherlich auch nicht sinnvoll wäre. Einige kritische Details, die gerade den deutschen Mittelstand belasten könnten, sind allerdings noch in der Schwebe: Abgesehen von den bereits erwähnten Risikogewichten handelt es sich hier insbesondere um die bisher schlechtere Bewertung längerer Kredit-Laufzeiten. Gerade dieser Kritikpunkt der deutschen Bankenverbände soll im dritten Basler Konsultationspapier eine stärkere Berücksichtigung finden. Die wichtigste Voraussetzung für ein Rating ist Transparenz. Die kreditgebenden Banken sind in Zukunft stärker als bisher angehalten, ihre Firmenkunden unter die Lupe zu nehmen. Gerade bei über längere Zeiträume gewachsenen Kundenbeziehungen wird dies nicht ganz unproblematisch sein; man kennt sich schließlich schon seit Jahren. Die Kunden werden sich dennoch künftig in die Karten schauen lassen müssen, wenn sie an einem guten Ratingergebnis interessiert sind.

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