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1 Richtig finanzieren für kleine und mittlere Unternehmen.

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3 1. Liquiditäts- und Einmalfinanzierung 07 Kapitalbedarfsplanung Liquiditätssicherung Kapitalaufbringung Innenfinanzierung 09 Instrumente der Unternehmensfinanzierung 09 Außenfinanzierung 10 Eigenkapital 10 Fremdkapital 11 Mezzaninkapital 14 Förderungen Neue Spielregeln Baseler Anforderungen Das Gespräch mit der Bank Kreditentscheidungsprozess 21 Fragen zum Unternehmen 22 Relevante Kundenunterlagen 22 Sicherheiten 23 Kreditkonditionen 23 Das Ratingsystem für Kommerzkunden der Erste Bank und Sparkassen 26 Tipps zur Ratingverbesserung Anhang 30

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5 Vorwort Zahlreiche Umfragen zeigen immer wieder, dass der Zugang zu den notwendigen Finanzmitteln eines der wesentlichen Hindernisse für eine erfolgreiche Gründung und Entwicklung von Unternehmen in Österreich darstellt. Mit den neuen Vorschriften durch Basel III steigen die Anforderungen an Banken und Unternehmen weiter. Eine offene Kommunikation und Professionalität in der Aufbereitung der Geschäfts- und Kreditunterlagen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Der Erste Bank und den Sparkassen ist es in diesem Zusammenhang besonders wichtig, unsere Kommerzkunden über die geänderten Rahmenbedingungen zu informieren und sie bei der Umsetzung der erforderlichen Schritte zu unterstützen Die vorliegende Broschüre soll vor allem österreichischen Klein- und Mittelbetrieben einen Überblick über die Grundzüge des Finanzierungsgeschäftes liefern, alternative Finanzierungsformen zum klassischen Bankkredit aufzeigen und die Vorbereitung auf ein Bankgespräch erleichtern. Der Erste Bank und den Sparkassen ist es ein großes Anliegen, Sie als verlässlicher Partner bei der Erreichung Ihrer unternehmerischen Ziele begleiten zu dürfen und Ihnen die dafür notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.

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7 1. Liquiditäts- und Kapitalbedarfsplanung Der erste Schritt zur Umsetzung im Finanzierungsprozess ist die Ermittlung des benötigten Kapitals. Hier ist zwischen einem einmaligen Kapitalbedarf im Zuge einer geplanten Investition und Finanzmitteln zur Sicher stellung der laufenden Geschäftstätigkeiten zu unterscheiden. In beiden Fällen gilt es, den Kapitalbedarf möglichst exakt zu berechnen. Nicht aus finanzierte Investitionsvorhaben und Liquiditätslücken beschränken Sie in Ihren Geschäftsaktivitäten und belasten die Beziehung zur Bank. Einmalfinanzierung Konkurrenzdruck, technologischer Fortschritt und Änder ungen der Konsumgewohnheiten erfordern laufend Investitionen in Ihr Unternehmen. Den Kapitalbedarf für Investitionsgüter errechnen Sie ganz einfach mit folgender Formel: Investitionskosten (z. B. Kaufpreis) + Nebenkosten (z. B. Kreditbearbeitungsgebühr usw.) vorhandene Eigenmittel = Kapitalbedarf Liquiditätssicherung Um eine Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden, die den Konkurs und damit das Ende des Unternehmens bedeutet, muss das Unternehmen zu jedem Zeitpunkt über ausreichende Liquidität verfügen. Die Liquiditätsplanung versucht dies sicherzustellen, indem sämtliche Einnahmen den Ausgaben gegenübergestellt werden. Wichtig ist hier der tatsächliche Zahlungszeitpunkt, erst dann entstehen Zahlungsströme. Der Liquiditätsplan beinhaltet folglich nur Vorgänge, die direkt zu einer Änderung des Barmittelbestands führen. Abschreibungen, Rückstellungen und aktivierte Eigenleistungen gehören nicht in den Liquiditätsplan. Erfasst werden müssen nun die Höhe und der Zeitpunkt aller Einnahmen und Ausgaben. Die Liquidität des Unternehmens ist dann gesichert, wenn in jeder Periode die Summe der Einnahmen größer ist als die Summe der Ausgaben. Für Zeiträume, in denen dies laut Planung nicht zutrifft, besteht zusätzlicher Kapitalbedarf. Zur Durchführung dieser Aufgabe bedarf es in der Regel keines Steuerberaters. Hierfür reicht schon eine Excel-Tabelle, in die vorhandene liquide Mittel sowie geplante Einnahmen und Ausgaben eingetragen und dadurch eventuelle Engpässe visualisiert werden. In diesem Zusammenhang bietet sich auch die Abbildung eines Worst-Case-Szenarios an. Tipps zur Liquiditätssicherung: Kontrollieren Sie laufend Ihre Kontostände und aktualisieren Sie den Liquiditätsplan. Nur was einem bekannt ist, kann man auch ändern! Optimieren Sie Ihre Zahlungsströme. So vermindern Sie den Zinsaufwand bzw. erhöhen den Zinsertrag Erziehen Sie Ihre Kunden! Zahlungserinnerungen sofort nach Überschreiten des Zahlungsziels, um hohe Außenstände und Liquiditätsengpässe zu vermeiden Vorsichtiger Umgang mit Folgeaufträgen bei offenen Rechnungen mit Zahlungsrückständen Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrer Bank! Eine bereits bestehende Illiquidität schränkt den Handlungsspielraum der Bank stark ein Die Summe der einzelnen Beträge ergibt den gesamten Kapitalbedarf über den Planungszeitraum. Aus der Liquiditätsplanung errechnet sich somit, wie viel Kapital zu welchem Zeitpunkt benötigt wird. Offen bleibt jedoch, wie dieser Kapitalbedarf gedeckt werden soll. Die Planung der Finanzierung ermöglicht nun, entsprechende Kapitalgeber für den jeweiligen Kapitalbedarf zu definieren (Fremd- oder Eigenkapital). Das Muster eines Liquiditätsplans finden Sie am Ende der Broschüre! 06 07

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9 2. Kapitalaufbringung Nach der Ermittlung des Kapitalbedarfs ist die Frage zu beantworten, wie und in welcher Form das benötigte Kapital aufgebracht werden soll. Hier steht dem Unternehmer eine breite Palette an Finanzierungsinstrumenten zur Verfügung, die sich je nach Bedürfnis und Lebensphase individuell einsetzen lassen. Vorteile: kostengünstige Mittelbeschaffung und -verwendung keine Rückzahlungsverpflichtung keine Sicherheiten erforderlich Unabhängigkeit Innenfinanzierung Bei der Innenfinanzierung erfolgt keine Zuführung des benötigten Kapitals von außen, sondern bereits im Unternehmen vorhandenes Kapital wird in frei verfügbare liquide Mittel umgewandelt. Hierbei werden zwei Formen unterschieden: Innenfinanzierung aus dem Umsatzprozess (einbehaltene Gewinne = Selbstfinanzierung) Innenfinanzierung aus Vermögensumschichtung (Veräußerung nicht betriebsnotwendiger Vermögensgegenstände, Kapazitätsfreisetzung durch Rationalisierung bzw. Verkauf der dann nicht mehr benötigten Vermögensgegenstände, sale & lease back) Unabhängig von Branche und Finanzierungszweck wird die Innenfinanzierung in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Die historisch schwache Eigenkapitalausstattung vieler österreichischer Klein- und Mittelunternehmen ist zum Teil in der schwierigen Marktsituation begründet und zum Teil eine bewusste Form der Bilanzgestaltung. Wie bereits dargelegt, hat Basel II eine Neuausrichtung bei der Unternehmensfinanzierung erforderlich gemacht. Umso besser die Eigenkapitalausstattung und umso stärker die Selbstfinanzierungskraft eines Unternehmens ist, desto eher werden externe Kapitalgeber Eigen- oder Fremdkapital zur Verfügung stellen Instrumente der Unternehmensfinanzierung für KMU Instrumente der Unternehmensfinanzierung für KMU Eigenkapitalzufuhr Mezzaninkapital * Fremdkapital * Der Zugang zu diesen Finanzierungsinstrumenten ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft siehe Produktbeschreibungen auf den folgenden Seiten.

10 Außenfinanzierung Bei der Außenfinanzierung stammt das Kapital nicht aus dem Leistungserstellungsprozess des Unternehmens selbst, sondern wird von außen zugeführt. Dabei kann zwischen den Kapitalarten Eigen-, Fremdund Mezzaninkapital unterschieden werden. A. Eigenkapital In Österreich ruht die Finanzierung von KMU seit jeher auf dem klassischen Bankkredit. Dementsprechend schlecht ist es um die Eigenkapitalausstattung bestellt. Die Ursachen hierfür sind in der steuerrechtlichen Bevorzugung von Fremdkapital und vor allem der Abneigung vieler Familienunternehmen gegen zusätzliche Miteigentümer zu finden. Die geänderten Spielregeln erfordern nunmehr aber einen neuen Zugang zu dem Thema. Eigenkapital stellt im Kapitalbeschaffungsprozess nämlich nicht nur eine Finanzierungsfunktion dar, sondern übernimmt vor allem für Fremdkapitalgeber eine bedeutende Haftungs- und Verlustübernahmefunktion. Neben der Eigenfinanzierung kann die Eigenkapitalquote auch durch Venture Capital und Beteiligungskapital verbessert werden. Welche Art zum Einsatz kommt, hängt im Wesentlichen von der Entwicklungsphase des Unternehmens und dem Finanzierungszweck ab. A.1. Venture Capital Venture Capital zielt nicht nur auf die Stärkung der Eigenkapitalausstattung in Form von Beteiligungskapital ab, sondern soll auch Gründern die Aufnahme der Unternehmenstätigkeit ermöglichen und sie in der Start-up- oder Expansionsphase unterstützen. Vor allem in der Frühphase ist häufig ein hoher Kapitalbedarf gegeben, um innovative Ideen und Wachstumsziele realisieren zu können. Die Innenfinanzierung reicht in dieser Phase für gewöhnlich nicht aus. Auf der anderen Seite fehlen potenziellen Fremdkapitalgebern für eine positive Kreditzusage die erforderlichen Sicherheiten und nachweisbare Erfolge in der Vergangenheit. Hier helfen eigene Venture-Capital-Gesellschaften, die Eigenkapital und Beratungsleistungen aufgrund der zu erwartenden Ertrags- und Erfolgschancen zur Verfügung stellen. Zielsetzung des Venture- Capital-Partners ist die Wertsteigerung einer Beteiligung durch gemeinsame Entwicklung des Unternehmens und ein gewinnbringender Ausstieg nach Ablauf der vereinbarten Investitionsperiode. Dies kann entweder durch Veräußerung der Kapitalanteile an einen Dritten (Trade Sale), durch den Exit über die Börse (Initial Public Offering) oder durch Rückkauf der Kapitalanteile durch den Unternehmer (Buy Back) erfolgen. A.2. Private Equity Sie benötigen für die Realisierung eines prognostizierbaren Wachstumspotenzials zusätzliches Kapital und stehen der Hereinnahme eines Beteiligungspartners positiv gegenüber? Privates Beteiligungskapital (Private Equity) ermöglicht Ihnen die Erschließung neuer Absatzmärkte und die Realisierung von Erfolg versprechenden Produktentwicklungen. Diese Form der Eigenkapitalfinanzierung eignet sich vor allem für wachstumsstarke, innovative Unternehmen, die der Start-up-Phase bereits entwachsen sind. Dabei wird vom Beteiligungskapitalgeber privates Beteiligungskapital gegen Übertragung von Gesellschaftsanteilen ins Unternehmen eingebracht. Dem Kapitalgeber kommt der Status eines Finanzinvestors zu, der zwar Kontroll-, Informations- und Mitspracherechte wahrnimmt, aber auf operative Entscheidungen des Managements keinen Einfluss nimmt. Nach rund fünf Jahren erfolgt in der Regel der Exit über einen Börsegang (IPO) oder Trade Sale. Voraussetzungen: etabliertes Unternehmen mit hohem Wachstumsund Wertsteigerungspotenzial leistungsfähiges, unternehmerisches und überzeugendes Management fundiertes Unternehmenskonzept Mindestumsatzvolumen von 5 Mio. Euro Exitmöglichkeit nach rund 5 Jahren Eigenkapitalbedarf in Höhe von ca. 2 Mio. Euro

11 B. Fremdkapital B.1. Bankkredit Der Bankkredit ist das klassische Finanzierungsinstrument der österreichischen Wirtschaft. Dabei wird zwischen einem Kreditgeber und einem Kreditnehmer die leihweise Überlassung eines bestimmten Geldbetrags oder Höchstbetrags für eine bestimmte Periode und zu definierten Konditionen vertraglich vereinbart. Grundsätzlich kann beim Bankkredit zwischen einem einmal ausnutzbaren Kredit (Investitionskredit) und einem wiederholt ausnutzbaren Kredit (Betriebsmittelkredit) unterschieden werden. Tipp: Erkundigen Sie sich bei Ihrem Kundenbetreuer nach Fördermöglichkeiten! B.1.1. Investitionskredit Investitionskredite dienen der Finanzierung des Anlagevermögens (z. B. Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Büromöbel). Kredithöhe: unbeschränkt Laufzeit: Monate, bei baulichen Investitionen bis 240 Monate (die Laufzeit sollte grundsätzlich auf die Lebensdauer des Investitionsgutes abgestimmt sein) Rückzahlung: Kapitalraten Pauschalraten Verzinsung: variabel fix (für einen Teil oder für die gesamte Laufzeit) indikatorgebunden

12 B.1.2. Betriebsmittelkredit Der Betriebsmittelkredit ist das passende Finanzierungsinstrument zum Ankauf von Waren, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, zur Vorfinanzierung von Kundenzahlungszielen und für die Ausnützung von Lieferantenskonti. Dabei wird auf Ihrem Geschäftskonto ein Kreditrahmen aufgegeben, über den sie während der vereinbarten Laufzeit unbürokratisch verfügen können. Der Betriebsmittelkredit ist wiederholt ausnützbar, die Zinsen werden nur vom tatsächlich in Anspruch genommenen Betrag berechnet. Tipp: Stimmen Sie die Höhe des Betriebsmittelkredits auf Ihren aktuellen Liquiditätsplan ab, um Überoder Unterfinanzierungen zu vermeiden. Er sollte so gewählt werden, dass Sie am Markt flexibel agieren können, jedoch unnötige Kosten für nicht benötigte Finanzmittel vermeiden. Der Bankkredit wird auch weiterhin der zentrale Bestandteil der Unternehmensfinanzierung sein. Die Konditionsgestaltung orientiert sich dabei verstärkt an der Risikoeinschätzung. Je höher das Risiko, desto höher ist auch der Zinssatz, der für den Kredit verlangt wird. Innerhalb eines gewissen Rahmens kann dieser Tatsache durch die Besicherung des beantragten Kreditbetrages mit bankmäßig anerkannten Sicherheiten entgegengewirkt werden. Eine wesentliche Aufgabe der Banken liegt nun darin, ihre Kunden über die Risikobeurteilungskriterien zu informieren und hinsichtlich der Ratingverbesserung zu beraten. Tipps zur Vorbereitung auf ein Bankgespräch finden Sie im Kapitel Das Gespräch mit der Bank. Tipp: Beurteilen Sie die Kosten eines Kredits nicht ausschließlich aufgrund der Höhe der Zinsen, sondern berücksichtigen Sie auch die anfallenden Nebenkosten. B.2. Alternative Finanzierungsinstrumente B.2.1. Leasing Leasing gehört zu den beliebtesten Finanzierungsalternativen in Österreich. Dabei werden nach Abschluss eines Leasingvertrags Kfz, Immobilien oder Mobilien (EDV-Anlagen, Telefonanlagen, Büroeinrichtung, Maschinen etc.) von einer Leasinggesellschaft dem Leasingnehmer gegen Zahlung von Leasingraten zur Verfügung gestellt. Nach Ablauf des Leasingvertrags kann der Leasingnehmer das Objekt zum Restwert kaufen, dem Leasinggeber zurückgeben oder den Leasingvertrag verlängern. Während der Laufzeit bleibt das Leasingobjekt im Eigentum der Leasinggesellschaft und scheint daher auch nicht in der Bilanz des Leasingnehmers auf. Dieser Umstand hat positive Auswirkungen auf die Bilanzkennzahlen. Leasing ist somit ein wesentlicher Baustein im Finanzierungsmix eines Unternehmens. Tipp: Prüfen Sie Leasing als Finanzierungsalternative bei all Ihren Investitionsvorhaben, ziehen Sie einen Leasingexperten zurate und vergleichen Sie das Leasingoffert mit einem herkömmlichen Kreditoffert. Betriebsmittelbedarf Beträge + durchschnittlicher Forderungsstand + durchschnittlicher Lagerstand + saisonale Spitzen und Schwankungen durchschnittliche Lieferantenverbindlichkeiten Summe (= Richtwert)

13 Kredit oder Leasing? Eine Antwort auf diese Frage ist nur im Einzelfall unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten zu finden. Sprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater. Vorteile von Leasing: Steuervorteile: Die Leasingrate kann zur Gänze als Betriebsausgabe geltend gemacht werden und mindert daher den steuerpflichtigen Gewinn. Liquidität: Der Investitionsbetrag muss nicht auf einmal aufgebracht werden Ihr Kapital steht für andere Investitionen zur Verfügung. Bilanzverkürzung: Da das Leasingobjekt in der Regel Eigentum der Leasinggesellschaft bleibt, geht es nicht in die Bilanz des Leasingnehmers ein. Zu beachten: Eine vorzeitige Auflösung des Leasingvertrags oder eine nicht rechtzeitige Zahlung der Raten kann zu höheren Belastungen führen als eine Kreditfinanzierung. Unabänderbarkeit von laufenden Leasingverträgen B.2.2. Factoring Factoring ist der Ankauf von Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen. Dabei erklärt sich die Factoring-Gesellschaft bereit, 80 % des Brutto-Fakturenwerts auf das Hausbankkonto des Lieferanten zu bevorschussen. Sobald der Abnehmer die offene Rechnung, innerhalb des Zahlungsziels, an die Factoring-Gesellschaft bezahlt, werden dem Lieferanten die restlichen 20 % überwiesen. Factoring verbessert die Liquidität und ermöglicht dem Unternehmen im Gegenzug, Skonti bei seinen eigenen Lieferanten auszunützen. Daneben werden von den Factoring-Gesellschaften auch zusätzliche Dienstleistungen wie die Übernahme des Debitorenmanagements oder die Übernahme des Ausfallsrisikos durch eine Kreditversicherung angeboten. Vorteile von Factoring: umsatzdynamische Finanzierung: Finanzierungsrahmen wächst mit Umsatz Risikovermeidung durch mögliche Debitorenversicherung Verbesserung der Ertragssituation durch Skontoausnutzung: siehe Beispiel Reduktion des Arbeitsaufwandes durch Auslagerung von Debitorenbuchhaltung und Mahnwesen Verbesserung der Eigenkapitalquote Zu beachten: Die Forderungen dienen der Factoring-Gesellschaft als Sicherheit und können daher vom Kunden nicht erneut zur Besicherung herangezogen werden. Beispiel: Skontoausnützung im Wareneinkauf des Factoring-Kunden Jahresumsatz EUR , Durchschnittliche Außenstände EUR , Wareneinsatz EUR , Kosten Lieferantenkredit % EUR Skonto 10 Tage, 30 Tage netto Factoring % EUR Gebühr vom Umsatz 0, Zinsen für Bevorschussung 4, Gesamtkosten p.a Nettokostenersparnis B.2.3. Lieferantenkredit Der Lieferantenkredit (ein vom Lieferanten an seine Kunden gewährtes Zahlungsziel) ist in der Regel der teuerste aller Kredite. Der Kunde hat dadurch die Ware nicht sofort nach Erhalt zu bezahlen, sondern erst innerhalb einer gewissen Frist (meist gilt ein Zahlungsziel von 30 Tagen). Häufig wird vom Lieferanten ein Skonto bei vorzeitiger Begleichung der Rechnung eingeräumt (z. B. 2 % Skonto innerhalb von zehn 12 13

14 Tagen). Da die Opportunitätskosten der Nichtausnützung des Skontos sehr hoch sind, rechtfertigt sich in der Regel die Aufnahme eines Betriebsmittelkredits. Mit folgender Formel können Sie den Jahreszinssatz des Lieferantenkredits leicht errechnen: Kosten des Lieferantenkredits in % p.a. 360 Zahlungsziel zulässige Skontotage x Skontosatz = Finanziert werden Wachstums-, Internationalisierungsund Akquisitionsvorhaben sowie Betriebsübergaben. Produktentwicklungsrisiken werden in der Regel nicht durch Mezzaninkapital getragen. Bei erfolgreicher Entwicklung des Unternehmens ist Mezzaninkapital wie Fremdkapital laufend zu bedienen. Die Tilgungszahlungen orientieren sich dabei an den verfügbaren Cashflows und Gewinnen und können bei fehlendem Cashflow in zukünftige Perioden verschoben werden. Wesentliche Merkmale von Mezzaninkapital: Stellen Sie nun den errechneten Zinssatz der Verzinsung für den Betriebsmittelkredit gegenüber. Liegt der Jahreszinssatz des Lieferantenkredits über dem Zinssatz für den Betriebsmittelkredit, so zahlt sich die Skontoausnützung aus. Tipp: Nützen Sie den Betriebsmittelkredit zur Skontoausnützung! C. Mezzaninkapital Konzentration auf spätere Entwicklungsphasen der Expansion bzw. Internationalisierung Nachrangigkeit bei Tilgungen und laufender Verzinsung hohe Flexibilität bei liquiditätsbedingter Adaption von Tilgungsverpflichtungen Unkündbarkeit während der Laufzeit unbesichertes Risikokapital mit entsprechend hoher Verzinsung erfolgsabhängige und erfolgsunabhängige Verzinsungselemente Unterstützung des bestehenden Managements bei strategischen Unternehmensfragen Mezzaninkapital ist ein interessanter Baustein im Finanzierungsmix mit relativ geringem Bekanntheitsgrad. Mit seiner besonderen Flexibilität ist es zwischen klassischem Fremdkapital und den besonderen Eigenkapitalformen wie Private Equity und Venture Capital angesiedelt. Mezzaninkapital ist vor allem für wachstumsstarke Unternehmen mit starker Technologie- und Innovationskomponente interessant, welche die Startup-Phase bereits erfolgreich abgeschlossen haben und noch nicht an der Börse notieren.

15 Voraussetzungen für Mezzaninkapital: etablierte Marktstellung mit starken Wachstumsaussichten positiver operativer Cashflow keine Überschuldung des Unternehmens Mindestfinanzierungsvolumen von Euro hoher Technologiegehalt bzw. Innovationsgrad der Produkte detaillierter Finanz- und Business Plan Die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale von Eigen-, Mezzanin- und Fremdkapital Eigenkapital Mezzaninkapital Fremdkapital Haftung Erfolgsbeteiligung zumindest in Höhe der Einlage; Mitunternehmerschaft aliquot an Gewinn und Verlust nur im Ausmaß des gewandelten Anspruches (Wandeldarlehen) erfolgsabhängige Verzinsungsanteile Vermögensbeteiligung aliquot ja; Equity Kicker (Optionen auf Anteile) Geschäftsführung Zeitliche Verfügbarkeit im Regelfall dazu berechtigt (Mitsprache-, Stimm-, Kontrollrechte) unbefristet Stimm- und Kontrollrechte möglich befristetes Eigenkapital keine; Gläubigerstellung nein; fixer Zinsenanspruch; erfolgsunabhängig nein, Nominalanspruch in Höhe der Gläubigerforderung nein, ausgeschlossen in der Regel befristet (Tilgungsplan) Besicherung keine keine Kreditsicherheit Liquiditätsbelastung nicht fix; nur bei Gewinnausschüttung geringe laufende Verzinsung Fix (Zinsen- und Kapitaldienst) Steuerbelastung Gewinnbesteuerung Zinsen steuerlich absetzbar Zinsen steuerlich absetzbar Quelle: Grabherr, O.: Risikokapitalinstrumente im unternehmerischen Wachstumszyklus Förderungen Zur Verwirklichung von Investitionsvorhaben steht auf Bundes- wie auf Landesebene eine Vielzahl an Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Ziel der Förderstellen ist es, Unternehmensgründungen und Expansionsvorhaben durch Finanzmittel und fachliches Know-how zu unterstützen. Für kleine und mittlere Unternehmen der Branchen Gewerbe und Handel ist die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) die wichtigste Förderstelle. Sofern die in den jeweiligen Richtlinien enthaltenen Bedingungen bzw. Förderungsschwerpunkte erfüllt werden, kann die aws Jungunternehmern und bestehenden Unternehmen Investitionskostenzuschüsse gewähren oder für Investitionskredite und Betriebsmittelfinanzierungen öffentliche Haftungen übernehmen. Förderungswürdige Projekte der Branchen Gewerbe und Industrie werden vom ERP-Fonds mit stark zinsbegünstigten Krediten unterstützt. Neu gegründete und bestehende Unternehmen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft können bei der Tourismusbank Zuschüsse und Haftungen für Investitionsvorhaben beantragen. Im täglichen Geschäft fehlt häufig die Zeit, um sich einen Überblick über die komplexe Förderlandschaft zu verschaffen. Die Spezialisten der Erste Bank und der Sparkassen kennen den Weg durch den Förderungsdschungel und unterstützen Sie bei der Antragsstellung.

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17 3. Neue Spielregeln Die Wirtschaftswelt befindet sich in einem permanenten Prozess der Veränderung. Insbesondere nach der Subprime-Krise bedurfte es einer klaren, nachhaltigen und effektiven Reaktion der Finanzwelt. Warum die aktuellen Verschiebungen der Rahmenbedingungen unser Sozial- und Wirtschaftssystem jedoch derart erschüttern, liegt an der Schnelligkeit und Intensität der derzeitigen Korrektur. Vor allem für Klein- und Mittelbetriebe mit 99,6 % aller Unternehmen das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft stellen das Zusammenwachsen nationaler Märkte, der Trend zur Globalisierung und die Auswirkungen des Basel-III- Regulativs auf das Kreditgeschäft eine große Herausforderung dar. Ob und inwieweit Unternehmen diesen Entwicklungen gewachsen sind, hängt neben Produkt, Markt, Zeitpunkt, Management und Geschäftspartnern auch von der richtigen Finanzierungsstruktur ab. Tipp: Die richtige Finanzierungsstruktur kann für Ihr Unternehmen zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden! Baseler Anforderungen In Österreich steht die Finanzierung von KMU traditionell auf zwei Säulen: der Innenfinanzierung und dem klassischen Bankkredit. Da kleine und mittlere Unternehmen in Österreich überwiegend über Fremdkapital finanziert sind, wirken sich die bankaufsichtsrechtlichen Regeln dementsprechend auf diese aus. Woher rührt nun die Notwendigkeit der Konkretisierung der Rahmenbedingungen für das Bankgeschäft und welche Ziele werden damit verfolgt? Zur Stärkung der Stabilität der Finanzmärkte wurde unter dem Schlagwort Basel I festgelegt, dass Banken 8 % des vergebenen Kreditbetrags als Eigenmittel halten müssen. Diverse Entwicklungen führten jedoch dazu, dass diese Regelung nicht mehr ausreichte, um ein ökonomisch wünschenswertes Verhältnis zwischen dem Ausfallsrisiko bei Kreditvergabe und den dafür als Vorsorge zu haltenden Eigenmitteln sicherzustellen. Mit Basel II wurde diese Pauschalregelung durch eine auf die Bonität des einzelnen Kreditnehmers abgestimmte Eigenkapitalunterlegung abgelöst. Die Ziele von Basel II lassen sich wie folgt zusammenfassen: Förderung der Sicherheit und Stabilität des Finanzwesens, Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit risikogerechte Eigenmittelanforderungen Berücksichtigung aller Risken Anerkennung bankinterner Methoden zur Risikoeinschätzung Anwendung auf Banken weltweit, international einheitliches System Stärkung der Bankenaufsicht und des Marktes Die Bank hat weiterhin zur Messung des Kreditrisikos folgende Parameter zu erfassen: Ausfallswahrscheinlichkeit: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Kreditnehmer innerhalb der nächsten zwölf Monate ausfällt (Insolvenz, Zahlungsverzug über 90 Tage etc.)? Verlust bei Ausfall: Wie hoch ist voraussichtlich der Verlust, den die Bank im Fall eines Ausfalls des Kreditnehmers erleidet? Höhe der Kreditforderung bei Ausfall: Wie hoch wird voraussichtlich der Stand der Kreditausnützung bei Ausfall des Kunden sein? Die Beibehaltung bzw. Erlangung eines permanent guten Ratings sollte daher für Unternehmer ein verstärktes Anliegen darstellen. Eine professionelle Kommunikation zwischen Unternehmen und Bank ist dafür unerlässlich. Nur mit aktuellen und vollständigen Kundendaten ist die zuverlässige Einschätzung der zukünftigen Entwicklung und schlussendlich eine Bonitätsbeurteilung des Kreditnehmers möglich. Die Bonität also die Fähigkeit, aufgenommenes Kapital samt Zinsen vollständig und zeitgerecht zurückzuzahlen wird in der Erste Bank und den Sparkassen anhand sogenannter Hard und Soft Facts bestimmt. Die klassischen Hard Facts wie Ertragskraft, Zahlungsfähigkeit und Eigenkapitalausstattung, aber auch das individuelle Kontoverhalten haben sehr großen Einfluss auf das aktuelle Rating des Kunden

18 Soft Facts gewinnen aber zunehmend an Bedeu tung. Sie beschreiben Potenziale, Chancen und Risiken, von denen erwartet wird, dass sie sich früher oder später auch in den Bilanzen niederschlagen. Dazu zählen die Marktposition, die Branchenentwicklung und die Qualität des Rechnungswesens, welche in einem persönlichen Gespräch erhoben werden. In einem standardisierten Verfahren werden diese Informationen zu einem Bonitätsurteil/Rating verdichtet, sodass jeder Kreditnehmer einer bestimmten Ratingstufe zugeordnet wird. Das Ratingsystem dient der Erste Bank und den Sparkassen als Basis für: eine möglichst objektive Kreditentscheidung die Preisgestaltung bei Krediten abhängig von der Bonität des Kunden die Steuerung des Kreditportfolios die Eigenkapitalkalkulation der Bank abhängig vom Kreditrisiko Die Schlüsselfunktion im Kreditentscheidungs prozess bildet somit die offene Kommunikation. Eine restriktive Informationspolitik führt zu einer höheren Risikoeinschätzung, in weiterer Folge zu einer schlechteren Rating einstufung und schlussendlich zu höheren Kredit konditionen. Den Banken kommt gleichzeitig eine umfassende Informations- und Beratungsfunktion zu, die über das reine Produkt-Know-how weit hinausgeht. Das beginnt bei der Ermittlung des Kapitalbedarfs sowie der Auswahl des passenden Instrumentariums aus dem breiten Spektrum der Unternehmensfinanzierung und geht bis zur laufenden Beratung hinsichtlich das Rating verbessernder Maßnahmen. Der Begriff Basel III bezeichnet nun ein weiteres Reformpaket, das auf europäischer Ebene umgesetzt wurde. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Regelung ist der 1. Jänner Die Hauptgesichtspunkte von Basel III sind: Eigenmittelanforderungen: Die jüngsten Finanzkrisen haben gezeigt, dass das globale Bankensystem nicht ausreichend mit qualitativ hochwertigem Eigenkapital ausgestattet war. Daher wird mit Basel III die Eigenmitteldefinition verschärft und die harte Kernkapitalquote für Banken wesentlich angehoben. Liquidität: Durch eine erstmalige Harmonisierung quantitativer Liquiditätserfordernisse und die Einführung verbindlicher Kennzahlen (eine kurzund eine langfristige) soll die Stabilität einzelner Institute in Zeiten erhöhten Liquiditätsstresses gestärkt werden. Prozyklizität: Abgerundet wird das Paket durch Maßnahmen zur Eindämmung prozyklischer d. h. krisenverstärkender Effekte, insbesondere durch Kapitalpuffer (Kapitalerhaltungspuffer und antizyklischer Puffer) sowie eine Verschuldensquote (Leverage Ratio). Weitere Themen: spezielle Aufsichtsstandards für systemrelevante Institute spezifische Maßnahmen für Krisenszenarien Reduktion der Bedeutung externer Ratings Verstärkung der Corporate Governance in Finanzinstituten Vereinheitlichung des Sanktionenregimes Das Hauptziel von Basel III ist, das Finanzsystem durch die verschärften Eigenkapitalvorschriften stabiler sowie gegen Stresssituationen resistenter zu gestalten. Durch die neuen Liquiditätsanforderungen soll die Robustheit der Institute auch in Situationen der Liquiditätsknappheit erhöht werden. Weiters soll die Abhängigkeit von Banken untereinander eingedämmt sowie sollen krisenverstärkende Effekte verringert werden.

19 Die umfassenden Neuregelungen des Finanzsystems werden alle Akteure (Banken, Kunden, Investoren) am Finanzmarkt sei es direkt oder indirekt betreffen. Für Banken bedeutet dieses Paket eine erhebliche Änderung: Insbesondere die Kernkapitalanforderung (einschließlich Puffer) steigt wesentlich (von 4 % auf 8,5 % bis 11 %, für systemrelevante Banken noch höher). Durch die Neugestaltung der Liquiditätsanforderungen ist weiters ein erheblicher Anstieg des Bedarfs an hochliquiden Mitteln und an längerfristiger Refinanzierung zu erwarten. Die Kreditwirtschaft konzentriert sich derzeit auf die entsprechende Kapital- und Liquiditätsaufbringung, um den neuen Anforderungen entsprechend zu genügen. Dies kann unter anderem dazu führen, dass die Eigenkapitalrentabilität abnimmt, was die Bank und ihre Investoren direkt betrifft Für Kunden von Banken bedeutet das, dass sie branchenweit abhängig vom konkreten Produkt voraussichtlich mit einer Erhöhung der Risikomarge für Bankprodukte rechnen müssen. Dies gilt nicht nur für Österreich, sondern weltweit. Da das Kreditausfallsrisiko von Unternehmen auch weiterhin im Fokus bleiben wird und die Basel-II- Fitness unter Basel III eine noch größere Bedeutung bekommt, werden Unternehmer mit guter Bonität auch weiterhin keine großen Herausforderungen bei der Kapitalbeschaffung zu bewältigen haben. Alle Akteure Banken, Investoren und Kunden werden ihren Beitrag zu leisten haben. Der Nutzen besteht darin, dass die gesamte Finanzmarktstabilität sowie die Stabilität des einzelnen Kreditinstituts erheblich erhöht wird und damit künftige Solvabi litäts- und Liquiditätskrisen so weit als möglich zurückgedrängt werden.

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