6522 Kapitalmarkt und Risikomanagement, SS Übung 2

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1 6522 Kapitalmarkt und Risikomanagement, SS 2004 Übung 2 Assistenz: Aufgabe 1: 20 Multiple Choice Fragen. Je eine Antwort ist richtig 1.) Eine Konzern bestehe aus einer Muttergesellschaft und einer Tochtergesellschaft. Die Ausfallwahrscheinlichkeiten innerhalb eines Jahres betragen 0.5% für die Muttergesellschaft und 0.9% für die Tochtergesellschaft. Nehmen Sie an, dass die Tochtergesellschaft immer ausfällt, wenn die Muttergesellschaft ausfällt, dass umgekehrt die Muttergesellschaft aber nicht unbedingt ausfällt, wenn die Tochtergesellschaft ausfällt. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl die Muttergesellschaft als auch die Tochtergesellschaft innerhalb eines Jahres ausfallen? a) 0.45% b) 0.5% c) 0.545% d) 0.55% 2.) Eine Portfoliomanagerin hat das Ausfallrisiko von zwei Anlagen A und B übernommen. Sie muss eine grosse Zahlung tätigen, wenn und nur wenn beide Positionen A und B ausfallen. Für dieses Risiko erhält sie eine Prämie. Was kann über diese Prämie ausgesagt werden? a) Die Prämie ist höher, wenn die Ausfälle von A und B hoch korreliert sind. b) Die Prämie ist tiefer, wenn die Ausfälle von A und B hoch korreliert sind. c) Die Prämie ist unabhängig von der Ausfallkorrelation. d) Keine von a), b) oder 3.) Eine deutsche Bank gibt einer russischen Bank für ein Jahr einen Kredit von 100Mio. EUR und erhält dafür als Kreditsicherheit russische Staatsanleihen im Gegenwert von 120Mio. EUR. Der 99% Value-at-Risk der russischen Staatsanleihen ist 20Mio. EUR auf ein Jahr und die Ausfallwahrscheinlichkeit der russischen Bank beträgt 5% auf ein Jahr. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Bank bei diesem Deal auf ein Jahr Geld verliert? 1

2 a) Weniger als 0.05% b) Etwa 0.05% c) Zwischen 0.05% und 5% d) Mehr als 5% 4.) Eine Bank gibt zwei Gegenparteien von gleicher Bonität Kredit. Die Ausfallwahrscheinlichkeit der Gegenparteien betrage je 10% auf ein Jahr. Die beiden Positionen fallen unabhängig voneinander aus. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass beide Positionen innerhalb eines Jahres ausfallen? a) 1% b) 2% c) 10% d) 20% 5.) Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass von einem Portfolio von 10 B-gerateten Positionen innerhalb eines Jahres keine ausfällt? Nehmen Sie an, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit für ein Jahr je 5% betrage und die Positionen unabhängig sind. a) 5% b) 50% c) 60% d) 95% 6.) Welches der folgenden ist kein Credit Event? a) Konkurs b) Vorzeitiger Rückkauf einer emittierten Obligation (Call) c) Downgrading d) Verzug auf den laufenden Zinszahlungen 7.) Welche der folgenden Verluste resultieren aus einem Event Risk (Credit oder allgemeines Event)? a) Die Verluste auf einem diversifizierten Aktienportfolio während der Marktkorrektur und der Hedge Fund Krise im Herbst b) Ein CH Investor kaufte einen Bond, dessen Coupons in japanischen Yen denominiert sind. Er erlitt einen Verlust als der Yen sich relativ zum CHF abwertete. c) Eine Position in RJR Nabisco Bonds erlitt in 1988 Verluste als RJR Nabisco für 25 Mrd. USD in einem Leveraged Buyout übernommen wurde und in dessen Folge das Rating von RJR Nabisco Bonds auf Non-Investement-Grade zurückgestuft wurde. d) Ein Portfolio von Gemeindeanleihen verliert an Wert, weil Gemeindeanleihen von der Steuerbehörde in Änderung der bisherigen Praxis als nicht mehr steuerbefreit erklärt werden, ohne dass die Investoren dafür entschädigt werden. 8.) Welches der folgenden ist das tiefste Rating nach Moody s? a) Aaa2 b) Baa1 c) Baa3 d) Ba2 9.) Die Ausfallwahrscheinlichkeit einer AA-gerateten Position beträgt 0.06% auf ein Jahr. Wie gross ist die Ausfallwahrscheinlichkeit auf die nächsten 3 Monate? a) Unter 0.015% b) Exakt 0.015% c) Zwischen 0.015% und 0.03% d) Über

3 10.)Das Verhältnis der Ausfallwahrscheinlichkeit einer AA Position zu derjenigen einer B Position: a) vergrössert sich im allgemeinen mit längerem Zeithorizont. b) verkleinert sich im allgemeinen mit längerem Zeithorizont. c) ist ungefähr konstant für jeden Zeithorizont. d) hängt vom Industriesektor ab. 11.)Welches der folgenden Credit Events findet normalerweise zuerst statt? a) Das Bondrating wird von der Ratingagentur zurückgestuft. b) Der Credit Spread des Bonds weitet sich aus. c) Formelles Konkursverfahren. d) Aussetzen der Couponzahlungen für den Bond. 12.)Was ist der grösste Unterschied zwischen der Bonitätseinschätzung einer Unternehmung und eines Landes? a) Beim Land muss der Zahlungswille und die Zahlungsfähigkeit beurteilt werden. b) Finanzkennzahlen für Länder sind normalerweise nur mit grosser Verzögerung erhältlich. c) Die Due Dilligence für ein Land ist teurer als für eine Unternehmung. d) Ein Land veröffentlicht sensitive Finanzinformationen meistens nicht freiwillig. 13.)Mehr Eigenkapital erhöht die Bonität einer Unternehmung. Welche der folgenden Aussagen treffen zu? 1. Eigenkapital benötigt keine Zahlungen, die zu einem Ausfall führen können. 2. Eigenkapital hat keine Fälligkeit und ist so eine permanente Kapitalbasis. 3. Eigenkapital stellt für Fremdkapitalgeber ein Sicherheitspolster dar im Konkursfall. 4. Eigenkapital ist billiger als Fremdkapital a) 1., 2. und 3. b) alle c) 1., 2. und 4. d) nur 3 14.)Durch das Schreiben einer Call-Option auf den SMI-Index, die mit Cash Settlement verfällt, geht eine Bank die folgenden Risiken ein: a) Marktrisiko, aber kein Kreditrisiko. b) Kreditrisiko, aber kein Marktrisiko. c) Sowohl Marktrisiko als auch Kreditrisiko. d) weder Marktrisiko noch Kreditrisiko 15.)Ein Händler kauft eine OTC at-the-money Put-Option auf den DAX mit einem Jahr Laufzeit für 10,000 EUR. Wie gross ist das maximale potentielle Credit Exposure gegenüber einem Ausfall der Gegenpartei: a) 0 b) weniger 10,000 EUR c) 10,000 EUR d) mehr als 10,000 EUR 3

4 16.)Was ist der Unterschied in bezug auf das Kreditrisiko von Krediten gegenüber von Zinsswaps? a) Das Nominal eines Swaps unterliegt nicht dem Kreditrisiko. b) Die Cash Flows eines Kredits werden durch die Höhe der Zinsen bestimmt, nicht durch Zinsdifferenzen. c) Ein Ausfall auf dem Kredit erfolgt, wenn die Gegenpartei in finanzielle Schwierigkeiten gerät; für einen Ausfall beim Swap muss die Position zusätzlich noch einen positiven Wert aufweisen. d) alle der oben genannten. 17.)Nehmen Sie an, die Swapsätze seien identisch für alle Laufzeiten. Ein Swaphändler hat vor einem Jahr einen Zinsswap als Receiver eröffnet, als der Swapsatz bei 7% lag. Heute wird der Händler ein Exposure gegenüber Kreditrisiko haben, falls der Wert des Swaps für den Händler: a) negativ ist, was bei einem heutigen Swapsatz von 6% eintritt. b) negativ ist, was bei einem heutigen Swapsatz von 8% eintritt. c) positiv ist, was bei einem heutigen Swapsatz von 6% eintritt. d) positiv ist, was bei einem heutigen Swapsatz von 8% eintritt. 18.)Welche der folgenden Aussagen ist IMMER richtig? a) Die Zahlung bei einem Credit Default Swap ist bedingt auf ein zukünftiges Credit Event. b) Die Zahlung bei einem Total Return Swap ist nicht bedingt auf ein zukünftiges Credit Event. c) Beide a und b. d) keine der beiden. 19.)Ein Portfoliomanager hält einen Credit Default Swap, um eine AA Bondposition abzusichern. Wenn die Gegenpartei des Swaps von der Unternehmung, die den Bond emittiert hat, übernommen wird, dann wird der Credit Default Swap: a) im Wert zunehmen. b) im Wert abnehmen. c) im Wert nur abnehmen, falls das Bondrating zurückgestuft wird. d) keine Wertveränderung erfahren. 20.)Ein bestimmtes operationelles Risikoereignis tritt geschätzt ein Mal in 200 Jahren ein. Der Verlust für dieses Ereignis wird mit einer stetigen Gleichverteilung zwischen 25 Mio. CHF und 100 Mio. CHF angenommen. Wie hoch ist die faire Prämie für eine Versicherung, die für genau dieses Risikoereignis den Schaden über 80 Mio. CHF deckt (die faire Prämie entspricht der erwarteten Zahlung der Versicherung)? a) 133,333 CHF b) 90,000 CHF c) 120,000 CHF d) 106,667 CHF 4

5 Aufgabe 2: Risk Adjusted Return On Capital 1) RAROC (Risk Adjusted Return On [Economic] Capital) ist ein Massstab für die Kapitalrendite, der das gesamte Risiko der jeweiligen Investition berücksichtigt. Insbesondere Banken nutzen den RAROC zur Messung und zum Vergleich von Ergebnissen. Beschreiben und erklären Sie die Vorteile bzw. die Gründe für eine vermehrte Steuerung über dieses Konzept.(10 Punkte) 2) Eine Bank, die ihre Investitionen unter RAROC Gesichtspunkten tätigt, vergibt für ein Jahr an zwei Kreditnehmer aus dem Privatsektor je einen Festsatzkredite in Höhe von 1 Mio. EUR, die einen Ertrag von ,00 EUR bzw ,00 EUR liefern. Die Verwaltungskosten betragen je 1.000,00 EUR. Der unerwartete Verlust liegt bei ,00 bzw ,00 EUR auf Jahressicht bei einem Konfidenzniveau von 99%. Die Kapitalverzinsung beträgt jeweils 5,2% p.a.. Die Kreditnehmer sind mit BBB/Baa (0,2% p.a.) bzw. CCC (16,3% p.a.) geratet. Die Bank weiss, dass beide Kredite für die gesamte Laufzeit vollständig inanspruch genommen werden. Weitere Limite bestehen nicht. Der erste Kredit ist zu 70% besichert. Werden die Sicherheiten verwertet, so beträgt der daraus zu erwartende Erlös 60% ihres Nominalwertes. Hingegen ist zu erwarten, dass im Schadensfall 90% des unbesicherten Kreditanteils verloren gehen werden. Der zweite Kredit ist zu 100% besichert. Dennoch ist zu erwarten, dass die Bank im Schadensfall nur 92,7% der Forderung durch die Sicherheitenverwertung abdecken kann. a) Berechnen Sie den RAROC für beide Kredite b) Was soll die Bank aufgrund Ihrer Berechnungen unter ökonomischen Gesichtspunkten unternehmen? c) Nun wird anstelle des ökonomischen Kapitals das regulatorische Kapital im Rahmen der geltenden Eigenkapitalstandards (Basel 1) eingesetzt. Liegt das dann resultierende Ergebnis intuitiv über oder unter den von Ihnen berechneten Resultaten? d) In wenigen Jahren werden die derzeitig geltenden Eigenkapitalstandards des Basler Ausschusses durch neue ersetzt (Basel 2). Würde die regulatorische Betrachtungsweise durch den Übergang von Basel 1 auf Basel 2 Ihre obige Argumentation verändern? 5

6 Aufgabe 3: Operationelle Risiken 1) Was versteht man unter dem Begriff Operationelles Risiko? 2) Betrachten Sie den folgenden Fall von internem Betrug: In a people risk case, a Swiss employee of Bank Adamas was accused of embezzlement of cash and securities in his role as the private bank s head of accounting. The employee is alleged to have stolen CHF 11 million (USD $6,641,710). The wayward employee evidently speculated in the financial markets and stole cash out of the bank s main vault in order to cover his losses. The stolen money and securities were allegedly used to cover accumulating losses, finance further market speculative activities, support an extravagant lifestyle, and to repay a private loan. In July 2001, a client who had CHF 5 million lifted directly from his bond holdings requested a restructuring of his portfolio. The banker realized at this time that attention to the client s portfolio would uncover his illegal activities, and fled to a variety of far-flung locations, including Mauritius, Hong Kong, and New Zealand. The banker was eventually arrested in New Zealand when he tried to enter the country, and was turned over on August 31, 2001 to the Zurich police. a) Welche Teile der obigen Fallbeschreibung würden Sie als typisch für einen internen Betrugsfall dieses Musters betrachten? b) Schlagen Sie 2 Massnahmen vor, die geeignet wären, einen ähnlichen Betrugsfall in Zukunft zu verhindern. Begründen Sie Ihre Vorschläge. 3) Basel 2 sieht verschiedene Methoden zur Berechnung des Kapitalbedarfs für operationelle Risiken vor. Sie sind Unternehmensberater und von einer Bank beauftragt eine Empfehlung darüber abzugeben, ob eher ein einfaches oder ein elaboriertes Verfahren angewendet werden soll. Von welchen Parametern hängt ihre Handlungsempfehlung hauptsächlich ab? Begründen Sie ihre Aussagen und zeigen Sie auf, welche Chancen und Gefahren sich durch Ihre Vorschläge jeweils ergeben können. 4) Ein bestimmtes operationelles Risikoereignis hat die folgende Frequency Verteilung über ein Jahr: Wahrscheinlichkeit Anzahl Verluste 0,3 0 0,4 1 0,2 2 0,1 3 Die Verlusthöhe ist bei Eintreten des Ereignisses stetig gleichverteilt zwischen CHF und CHF. Anzahl und Höhe der ereignisse sind voneinander unabhängig. Berechnen Sie den Erwartungswert des Gesamtverlustes über ein Jahr. 6

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