Aktien: Bilde dir selbst eine Meinung und vermeide den Herdentrieb! Artikelserie: Zeit für Aktien (4) Die 10 wichtigsten Regeln für den Börsenerfolg

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1 Aktien: Bilde dir selbst eine Meinung und vermeide den Herdentrieb! Artikelserie: Zeit für Aktien (4) Die 10 wichtigsten Regeln für den Börsenerfolg Frankfurt am Main, Als Herdentrieb bezeichnet die Psychologie die Neigung vieler Menschen, in der Masse mit zu trotten oder die Verhaltensweisen nachzuahmen, die die Mehrheit angenommen hat. Bei Aktieninvestments aber ist das selten sinnvoll. Denn dort bringt der Herdentrieb oft nur niedrige Erträge oder führt sogar zu Verlusten. Aktien zu kaufen, sobald andere diese verkaufen, und zu verkaufen, wenn andere diese kaufen das verlangt großen Mut. Dieses Zitat stammt von Sir John Templeton, der im Jahr 1940 eine der heute weltweit größten und bekanntesten Investmentfonds-Gesellschaften gründete. Er, der im vorigen November 100 Jahre alt geworden wäre, hatte bereits seinerzeit erkannt, dass dem Herdentrieb zu folgen eine oft denkbar schlechte Anlagestrategie ist. Die eigene Meinung ist (viel) Geld wert Statistiken zeigen: Die meiste Rendite kostet es, wenn Anleger Aktien oder Anteile an Aktienfonds zum falschen Zeitpunkt verkaufen. Denn dann besteht die große Gefahr, dass Investoren die besten Tage an den Aktienmärkten verpassen, erklärt Peter Stowasser, Vertriebschef bei Franklin Templeton Investments in Deutschland. Was es im Hinblick auf die langfristige Rendite bedeutet, zum richtigen Zeitpunkt leider nicht in Aktien oder Aktienfonds investiert zu sein, zeigt folgender Vergleich: Der USamerikanische Aktienindex Standard & Poor s 500 erreichte vom 31. Dezember 1991 bis 31. Dezember 2011 eine Rendite von 7,8 Prozent im Jahresschnitt. Der durchschnittliche Jahresertrag von US-Aktieninvestoren in dieser Zeit betrug jedoch nur 3,5 Prozent. So das amerikanische Analysehaus Dalbar Inc. in seiner Studie unter dem Titel Quantitavie Analysis of Investor Behavior vom März Auch Aktienanleger in Deutschland unterliegen oft dem Herdentrieb und lassen sich von der Mehrheitsmeinung in ihren Anlageentscheidungen beeinflussen. Ein Indiz ist der Vergleich zwischen der Wertentwicklung des deutschen Dax und den Kapitalflüssen bei Aktienfonds seit dem Jahr Sobald sich das deutsche Börsenbarometer gut entwickelte und die Medien positiv über die Aktienmärkte berichteten, floss Geld in Aktienfonds. Gab der Markt nach, zogen Anleger wieder Geld aus Aktien ab. Aktienfonds-Investoren folgten somit weitgehend dem Herdentrieb, sagt Stowasser. Aber als sich der Markt nach dem Platzen der Technologieblase und nach den dramatischen Kursverlusten zur Jahresmitte 2002 allmählich wieder erholte, verpassten die meisten 1

2 Anleger den Einstieg in Aktienfonds und deshalb sehr hohe Erträge. Verantwortlich war auch diesmal der Herdentrieb. Denn damals war die Mehrheitsmeinung gegen Aktien eingestellt. Aber wer ihm folgte, hat in den Jahren danach außerordentlich hohe Renditen verpasst. Von 2003 bis 2007 gewann der Dax insgesamt knapp 180 Prozent an Wert. Ähnlich gut schnitten in dieser Zeit Börsen-Indizes wie der europäische EuroStoxx sowie die beiden US-Barometer Dow Jones Industrial und Standard & Poor s 500 ab. Eine Lehre aus der Börsengeschichte lautet deshalb: Ob und wann der richtige Zeitpunkt für den Einstieg in und den Ausstieg aus Aktien ist, sollten Anleger nicht von der Mehrheitsmeinung abhängig machen, die eigene Meinung oder die Expertise eines erfahrenen Fondsmanagers ist mehr wert. Der Anleger-Tipp in der nächsten Woche: Aktien: Falsche Entscheidungen aus Angst vor Verlusten 2

3 Aktien: Falsche Entscheidungen wegen Angst vor Verlusten Artikelserie: Zeit für Aktien (5) Die 10 wichtigsten Regeln für den Börsenerfolg Frankfurt am Main, Angst ist ein schlechter Ratgeber. Insbesondere bei der Geldanlage. Denn die weit verbreitete Furcht vor Verlusten lässt vor allem Privatanleger falsche Entscheidungen treffen. Diese bescheren oft schmerzliche Verluste oder weit weniger Gewinn, als bei klarem Kopf möglich gewesen wäre. Aktuell zeigen dies die zurückliegenden knapp fünf Jahre seit Ausbruch der Finanzkrise im Herbst Es klingt paradox, ist aber viele Male wissenschaftlich nachgewiesen: Der Schmerz bei finanziellen Verlusten ist deutlich größer als die Freude an einem Gewinn, sagt Reinhard Berben, Geschäftsführer der US-Fondsgesellschaft Franklin Templeton Investments in Deutschland. Wissenschaftlich erwiesen wurde dies spätestens Mitte der 90er Jahre durch eine Studie der beiden Verhaltenspsychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky (veröffentlicht im Jahr 1999 im Journal of Behavioral Decision Making, 12 unter dem Titel Mental Acounting Matters ). Seit 2008 ausgeprägte Verlustangst der Anleger Kahneman und Tversky stellten den Studienteilnehmern den Gewinn eines Bargeldpreises in Aussicht. Folgende Optionen standen zur Auswahl: der sichere Gewinn von US-Dollar, eine 80-prozentige Chance auf einen Gewinn von US-Dollar sowie das 20-prozentige Risiko, keinen Cent zu gewinnen. 90 Prozent der Probanden entschieden sich für die sicheren US-Dollar. In einem zweiten Versuch hatten die Teilnehmer der Studie ebenfalls die Wahlmöglichkeit: dem sicheren Verlust des Startkapitals in Höhe von US-Dollar; die 80-prozentige Chance aus dem Startkapital Dollar zu machen oder die 20-prozentige Chance, keinen Cent zu verlieren. Fast 90 Prozent der Personen entschieden sich dafür, nichts zu verlieren. Obwohl diese Option statistisch gesehen diejenige mit dem größten Risiko war. Als im Jahr 2008 mit dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers die weltweite Finanzmarktkrise eskalierte, waren Verlustängste verständlich. In jenem Jahr verlor der Deutsche Aktienindex Dax um rund 40 Prozent. Aber Anleger, die sich in den beiden darauf folgenden Jahren von ihren Ängsten beherrschen ließen und deshalb weiter Bankguthaben statt Aktien und Aktienfonds bevorzugten, verpassten an den Börsen teils hohe Gewinne, sagt Franklin Templeton Geschäftsführer Berben. So sprang der Dax im Jahr 2009 um knapp 23 und in 2010 um fast 16 Prozent nach oben. Ähnlich gut oder sogar noch besser war die Wertentwicklung an vielen anderen Aktienmärkten rund um den Globus. 1

4 Deutlich höher waren die Gewinne im Jahr 2012, als allein das deutsche Elite-Barometer um nahezu 30 Prozent nach oben sprang. Doch dieser Wertgewinn von knapp einem Drittel bei den 30 Top-Firmen in Deutschland kam bei den meisten Privatanlegern kaum an. Denn nach Angaben der Deutschen Bundesbank hielten die privaten Haushalte zwischen Pinneberg und Passau zur Jahresmitte 2012 fast zwei Billionen Euro liquide Mittel als Bankguthaben. Allein im Jahr 2011 wuchsen die Bankeinlagen und das Bargeld im Vergleich zum davor liegenden Jahr um rund 67 Milliarden Euro. Inflationsbereinigte Wertentwicklung betrachten Bei genauem Hinsehen bieten Bankeinlagen eine nur vermeintliche Sicherheit. So sollten insbesondere Privatanleger sorgfältig unterscheiden zwischen der nominellen und der realen, also der inflationsbereinigten Wertentwicklung ihres Vermögens. So betrug die Wertentwicklung des EONIA (Eurotagesgeldzins) vom bis nominal 21,6 Prozent, inflationsbereinigt jedoch nur einen Bruchteil davon, nämlich 2,6 Prozent. Seit Zuspitzung der Finanzkrise haben die großen Notenbanken ihre Leitzinsen auf ein historisch niedriges Niveau gesenkt. Deshalb ist zu befürchten, dass die Schere zwischen dem nominellen und realen Ertrag von Bankeinlagen künftig weiter auseinandergeht. Insbesondere die Kombination aus auch künftig sehr niedrig verzinsten Bankeinlagen und möglicherweise höheren Inflationsraten, die spürbar über dem EZB-Ziel von jährlich nahezu zwei Prozent liegen, sind ein erhebliches Risiko für die langfristige Geldanlage. Mehr noch: Festgeld- und sonstige Bankkonten dienen bei anhaltend hoher Inflation nicht dem Vermögensaufbau, sondern sie erweisen sich als Vermögensvernichter. Ein Beispiel: Euro haben in zehn Jahren bei einer Inflationsrate von 3,0 Prozent im Schnitt nur noch eine Kaufkraft von knapp 750 Euro. Tipp für Geldanleger: Sachwerte wie Aktien und Aktienfonds schützen vor Kaufkraftverlusten durch Inflation. Und: Anleger sollten sich keinesfalls bei ihren Anlageentscheidungen von der Angst vor Verlusten leiten lassen. Denn erfahrungsgemäß verläuft die Entwicklung an den weltweiten Aktienmärkten wellenförmig. So folgen nach eher schlechten Jahren gute bis sehr gute, in denen die Verluste teils sogar überkompensiert werden, sagt Berben. Der Anleger-Tipp in der nächsten Woche: Aktien: Warum viel handeln nicht viel nutzt 2

5 Aktien: Gelassenheit bringt höhere Renditen Artikelserie: Zeit für Aktien (6) Die 10 wichtigsten Regeln für den Börsenerfolg Frankfurt am Main, Hin und her, Taschen leer : So lautet eine alte Börsenweisheit. Ihre Bedeutung ist simpel: Das Kaufen und Verkaufen von Aktien in schneller Abfolge kostet Nerven und vor allem viel Geld, also Rendite. Die bessere Strategie: breite Streuung des Kapitals sowie Gelassenheit und Geduld bei einer möglichst langfristigen Anlagestrategie. Es liegt in seiner Natur, dass der Mensch als Anleger möglichst viel Gewinn machen möchte. Insbesondere Privatinvestoren versuchen, die Rendite ihres Aktiendepots durch häufiges Umschichten, also den schnellen Kauf und Verkauf der Werte, zu verbessern. Timing lautet der Fachbegriff für den Versuch insbesondere von Aktien- und Aktienfondsanleger, beim Kauf stets den niedrigsten und beim Verkauf immer den höchsten Kurs zu treffen. Doch das gelingt auf Dauer niemandem, weiß Reinhard Berben, Geschäftsführer Deutschland der Fondsgesellschaft Franklin Templeton Investments. Zumal bei jedem Umschichten Kosten, so genannte Transaktionsgebühren, anfallen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass vor allem Aktieninvestoren mit ihrer Strategie des häufigen Umschichtens eher das Gegenteil erreichen, sagt Prof. Martin Weber, Inhaber des Lehrstuhls für Bankbetriebslehre an der Universität Mannheim. Häufiges Handeln drückt die Nettorendite Im Jahr 2000 veröffentlichten die beiden Ökonomen Brad M. Barber und Terrance Odean eine bis heute viel beachtete Studie, in der sie die Handelshäufigkeit eines Anlegers ins Verhältnis setzten zur dabei erreichten Brutto- und Netto-Rendite. Auf der Grundlage von Daten eines großen US-amerikanischen Brokerhauses unterschieden die beiden Wissenschaftler fünf Handelshäufigkeiten. Von der Kategorie 1 mit monatlich geringem Handelsumsatz bis zur höchsten Kategorie 5 mit hohem Umsatz. Das Ergebnis: In allen fünf Kategorien war die Bruttorendite, die die Aktieninvestoren aufs Jahr gerechnet erzielten, in etwa gleich hoch. Doch mit wachsender Handelshäufigkeit ermäßigte sich die Nettorendite erheblich, erklärt Prof. Martin Weber. Jene Investoren mit dem höchsten monatlichen Handelsumsatz erreichten wegen der Kosten beim häufigen Umschichten eine Nettorendite, die rund fünf Prozentpunkte unter dem Bruttoertrag lag. 1

6 Breit streuen, statt auf Kursraketen zu hoffen Wohl jeder Anleger träumt davon, dass er in seinem Depot eine zweite Google-Aktie hat. Das ist zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich. Bei längerfristig angelegten Aktieninvestments gibt es zu einer breiten Streuung über unterschiedliche Branchen und Regionen, in Standardwerte, die so genannten Blue Chips und geringer kapitalisierte Unternehmen keine ernst zu nehmende Alternative. Die Erfahrung zeigt, dass durch eine solche Diversifizierung das Risiko von Aktienanlagen erheblich verringert werden kann. Doch dieser Risikopuffer ist den meisten Privatanlegern, die Aktien bevorzugen, nicht zugänglich, weil ihnen für die breite Abdeckung das erforderliche Kapital fehlt. Deshalb versuchen sie, diesen Mangel durch häufige Depotumschichtungen wettzumachen. Was aufgrund der dabei anfallenden Kosten zwangsläufig zu einer spürbaren Verringerung der Nettorendite führt, sagt Reinhard Berben von Franklin Templeton. Für ihn sind erstklassige Aktienfonds unter dem Gesichtspunkt von Risiko, Renditechance und auch Kosten die sinnvollste Anlageform. Fazit: Gelassenheit und Geduld machen sich bei der Aktienanlage auf Dauer durch höhere Renditen bezahlt. Aktienfonds sind in dieser Hinsicht pflegeleicht. Vor dem Kauf von Anteilen sollten Anleger ihre eigene Risikobereitschaft überprüfen und den zeitlichen Horizont definieren. Und sich überdies entscheiden, wie viel Kapital sie für ihr Aktienfonds-Investment einsetzen möchten. Daraus ergibt sich in der Regel eine gute Mischung einiger unterschiedlicher Aktienfonds, die zu den persönlichen Vorgaben des Anlegers passen. Der Anleger-Tipp in der nächsten Woche: Nach vorn schauen - nicht zurück 2

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