Teil 1: - Überblick und Einleitung - Kreditklemme? Aufsichtsrechtlicher Rahmen für die Kreditvergabe

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1 Wintersemester 2009/2010 Sanierung von Unternehmen in der Krise Teil 1: - Überblick und Einleitung - Kreditklemme? Aufsichtsrechtlicher Rahmen für die Kreditvergabe Banksyndikus Arne Wittig, 5. November 2009 Frankfurt am Main Literatur: Die GmbH in Krise, Sanierung und Insolvenz K. Schmidt/Uhlenbruck 4. Auflage 2009 Verlag Dr. Otto Schmidt, Köln Seite 2

2 Vom 25. September 2009 Seite 3 Die Situation des Unternehmens Kreditklausel gebrochen und dann? Vom 25. September 2009 Ernst B. ist... Chef eines... mittelständischen Familienbetriebs... In den vergangenen Jahren hat er sein Unternehmen erfolgreich ausgebaut, den Umsatz... erhöht... Mit der Finanzierung..., sagt er, gab es nie Probleme. Solange sein Laden lief, wurde die... Kreditlinie von 45 Millionen Euro... ohne viel Aufhebens zur Verfügung gestellt. Und ohne Sicherheiten. Steigende ErIöse und Gewinne,... eine Eigenkapitalquote... größer als 30 Prozent, das genügte den Kreditinstituten. [I]nzwischen ist seine heile Welt ziemlich aus den Fugen geraten. Die großen Kunden... haben ihre Bestellungen beinahe über Nacht gestoppt, die Umsätze rutschten mit deutlich zweistelligen Raten nach unten, und Ernst B, musste Notmaßnahmen ergreifen.... Um Geld in die Kasse zu bekommen, haben wir auf Teufel komm raus das Lager abverkauft", sagt er. Doch schließlich rutschte die Eigenkapitalquote des Unternehmens unter die 30-Prozent-Marke, und das bedeutete einen Bruch der Kreditklauseln.. Seite 4

3 Die Reaktion der Banken Kreditklausel gebrochen und dann? Vom 25. September 2009 Die Banken sagen immer, sie seien unsere Partner. Aber wir werden regelrecht abgezockt. Sämtliche Vermögenswerte des Unternehmens müssen ohnehin als Sicherheit bei den Banken eingereicht werden. Sein persönliches Vermögen sei bislang in den Verhandlungen außen vor geblieben. Aber im Kopf haben die Banken das auch, ist er sich sicher. Hinzu kommen externe Prüfungsgutachten zur Unternehmenslage, die nun erstellt werden müssen. 30 Seiten, Euro, sagt Ernst B. trocken. Das Problem ist die Poolstruktur des Kredits. An einem bestimmten Punkt werden wir aus dem Raum geschickt, und dann machen die sich gegenseitig scharf, erzählt er. Seite 5 Die allgemeine Lage Kreditklausel gebrochen und dann? Vom 25. September 2009 Noch seien die Banken überwiegend bereit,... Kredite zu geben, sagt [der] Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VDMA. Doch die Zahl der Problemfälle nehme zu, zunächst... weil die Ausleihungen nur noch kurzfristig verlängert werden. Die Gefahr einer echten Kreditklemme wachse aber, weil strenge Eigenkapitalregeln und sinkende Unternehmensratings den Banken zusätzliche Fesseln anlegen würden, warnt [er]. Die Banken sagen, sie stehen zu uns, aber sie sind keine Partner mehr. Dennoch brauchen wir sie auch weiterhin", sagt Ernst B. Seite 6

4 Die allgemeine Lage Kreditklausel gebrochen und dann? Vom 25. September 2009 Noch seien die Banken überwiegend bereit,... Kredite zu geben, sagt [der] Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VDMA. Doch die Zahl der Problemfälle nehme zu, zunächst... weil die Ausleihungen nur noch kurzfristig verlängert werden. Die Gefahr einer echten Kreditklemme wachse aber, weil strenge Eigenkapitalregeln und sinkende Unternehmensratings den Banken zusätzliche Fesseln anlegen würden, warnt [er]. Die Banken sagen, sie stehen zu uns, aber sie sind keine Partner mehr. Dennoch brauchen wir sie auch weiterhin", sagt Ernst B. Seite 7 Basel II: Wer steckt dahinter? 13 Zentralbanken/ Bankaufsichtsbehörden BANK FÜR INTERNATIONALEN ZAHLUNGSAUSGLEICH Mitglieder Räume/Sekretariat Basler Ausschuss für Bankenaufsicht Beschluss Nationales Bankaufsichtsrecht KWG/SolvV Nationaler Gesetzgeber setz- Um- EU- Richtlinien 2006/48/EG 2006/49/EG ung Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung 26. Juni 2004 Seite 8

5 Was regelt Basel II? 8% Eigenmittel Berechnung auf die risikogewichteten (Risiko-) Aktiva Seite 9 Kapitalanforderungen für Kreditinstitute 8% Eigenmittel/Berechnung nach Risikogewicht Früher: Konstantes Risikogewicht nach Basel I Pauschale Risikogewichtung Staaten 0%, Kreditinstitute 20%, Unternehmen und Private 100% Jetzt: Variables Risikogewicht nach Basel II Risikoaktiva werden lfd. nach tatsächlichem Risiko einzeln risikogewichtet Standard- ansatz Internal Rating Based Approach Risikogewicht nach externem Rating Risikogewicht nach internem Rating Seite 10

6 Kapitalanforderungen für Kreditinstitute Risikogewichtung nach Standard Ansatz aufgrund externem Rating 1) Z.B. gem. Rating von Standard & Poor s, nach: Dt. Bundesbank, Monatsbericht Sept. 2004, S. 77 Seite 11 Messung des Kreditrisiko (Risikogewichtung) Internal Rating Based Approach Risiko okomponenten Exposure Risikogewichtsfunktion at tdefault für Kredite an Forderungshöhe Unternehmen, bei Staaten, Ausfall Banken Maturity Restlaufzeit der Forderung Banken Nicht- Externes Staaten Rating 1) Option 1 Option 2 Banken AAA bis AA- 0% 20% 20% 20% A+ to A- 20% 50% 50% 50% BBB+ to BBB- 50% 100% 50% 100% BB+ to BB- 100% 100% 100% 100% B+ to B- 100% 100% 100% 150% Unter B- 150% 150% 150% 150% Nicht geratet 100% 100% 50% 100% Risikogewicht N Probability of Default Ausfallwahrscheinlichkeit Loss given Default Verlustquote Seite 12

7 Messung des Kreditrisiko (Risikogewichtung) Internal Rating Based Approach Internes Rating für Einzel-Forderungen: Ratingsysteme - Methoden, Prozesse, Kontrollen, Datenerhebungen, EDV-Systeme - Zur Bestimmung von Kreditrisiken, Zuweisung interner Ratings und Quantifizierung von Ausfall- und Verlustschätzungen Kreditnehmer-Rating - Ermittlung der Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) Einteilung in Ratingklassen Forderungs-Rating - Ermittlung von LGD - Berücksichtigt transaktions- - Einteilung in Ratingklassen spezifische Merkmale (Sicherheit, Nachrang, etc.) Seite 13 Messung des Kreditrisiko (Risikogewichtung) Internal Rating Based Approach Formal - Genehmigung durch Bankaufsicht nach Vor-Ort-Prüfung - Detaillierte, nachvollziehbare Verfahrensbeschreibung - Rating durch unabhängige Stelle - Verantwortung für Ratingsysteme bei unabhängiger Kreditrisikoüberwachungsstelle Internes Rating Hohe Anforderungen Materiell - Konsistenz (Gleiches Rating für gleiche Risiken) - Verwendung aller relevanten Daten, Informationen und Methoden - Basierend auf statistischen Erfahrungen; nicht nur subjektive Wertungen - fünfjährige Datenbasis - strikte Regelungen für Einfluß von Wertungen Führen zu Richtige Ergebnisse! Seite 14

8 Transparenz und Publizität des internen Ratings Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) Gemeinsame Aktion der deutschen Finanzwirtschaft (11 Banken, 2 Versicherungen, 4 Banken- und Versicherungsverbände), des Bundesfinanzministeriums und der Deutschen Bundesbank Kreditinstitute legen interne Ratings auf Anforderung offen Interne Ratings werden auf einer sechsstufigen IFD-Ratingskala abgebildet Seite 15 Transparenz und Publizität des internen Ratings Ratingskala Initiative Finanzstandort t Deutschland (IFD) IFD Ratingbroschüre Seite 16

9 Idealtypische Komponenten eines bankinternen Rating-Systems für mittelständische Unternehmen Seite 17 Quelle: BdB, Bankinternes Rating mittelständischer Kreditnehmer im Zuge von Basel II, 2. Aufl Rating Pro-zyklische Wirkung von Basel II IRB-Risikogewichtskurven Annahme LGD 45% Quelle: Deutsche Bundesbank, Monatsbericht September 2004, S. 97 Seite 18

10 Basel II und die (gefühlte?) Kreditklemme Kapitalverzehr in der Krise bis Dezember 2008 USD Mrd. wertberichtigt Quelle: Deutsche Bank Research, Seite 19 Konjunkturkrise hat Kreditmarkt im Griff KfW-Kredit- marktausblick September auf einen... außergewöhnlich restriktiven Kreditzugang im Sinne einer allgemeinen flächendeckenden Kreditklemme lassen die Daten weiterhin nicht schließen. Seite 20

11 Literatur: Aufsichtsrechtlicher Rahmen für Kredite Mielk Die Umsetzung von Basel II in deutsches Recht - Ein Überblick über wesentliche Aspekte des KWG-Änderungsgesetzes, g WM 2007, 621 ff. Volkenner/ Die Endfassung der Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II), Walter DStR 2004, 1399 Wittig Bankaufsichtsrechtliche Grundlagen des (internen) Ratings und seine Transformation in das in das Darlehensverhältnis mit Unternehmen, ZHR 169 (2005), 212 ff. Seite 21

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