INFOPORT. Neue Regeln für die Banken (Basel III, Bankenabgabe etc.)

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1 INFOPORT Ausgabe 2/2011, 14. April 2011 Finanzmarktregulierung Welche Verschärfungen zeichnen sich ab? Internationale Vernetzung der Bankenwelt Von Basel II zu Basel III Konsequenzen für die Banken Absehbare Auswirkungen auf die Mittelstandsfinanzierung Neue Regeln für die Banken (Basel III, Bankenabgabe etc.) Welche Auswirkungen sind für die Mittelstandsfinanzierung in Ostdeutschland zu erwarten? Was tun? Was tun? Finanzkommunikation Schlüssel zur Sicherung der Finanzierungsbasis Gesamtfinanzierungskonzept strategisch immer wichtiger Fazit Die Verbandssicht kurz und bündig: Aktueller Schwerpunkt der politischen Diskussionen zu den Lehren aus der globalen Finanzmarktkrise: Neuregulierungen zur Überwachung der Finanzmärkte. Hierzu diskutierte Einzelthemen: vielfältig und komplex, wobei Basel III den wichtigsten Bestandteil der Neuregulierungen bildet (danach soll allein das sog. harte Kernkapital von Banken nur Grundkapital zuzüglich Rücklagen ab 2013 schrittweise von jetzt 2% bis 2019 auf 7 bis 9,5% gesteigert werden); Banken werden also stark gefordert, was Folgen für das Bankgeschäft in seiner Gesamtheit haben wird. Absehbare Auswirkungen auf die Mittelstandsfinanzierung: Intensivierung des Wettbewerbs um die Kunden mit besseren Bonitäten (vor allem das Eigenkapital der Kreditnehmer rückt noch stärker in den Ratingfokus). Gesamtfinanzierungskonzept: Nutzung ergänzender Finanzierungsinstrumente (z.b. stille Beteiligungen oder Bürgschaften der Bürgschaftsbanken) muss frühzeitig geprüft werden. Stetige Finanzkommunikation über Anpassungen der Gesamtfinanzierung strategisch wichtig!

2 Viele Veränderungen in der Bankenwelt Auswirkungen auf den ostdeutschen Mittelstand? Der Verlauf der globalen Finanzmarktkrise (s. zu deren Ursachen und Auswirkungen in Ostdeutschland INFOPORT 1, 3 und 4/2009 sowie 1/2010) hat die Frage aufgeworfen: Wie müssen die Finanzmärkte reguliert und überwacht werden? Die einzelnen Themen, die hierzu national wie international diskutiert werden, sind vielfältig und komplex. So zeichnen sich unter dem Schlagwort Basel III quantitative und qualitative Veränderungen der Regeln zum mindestens notwendigen Eigenkapital von Banken ab. Hinzu kommen weitere neue Regeln z.b. zu einer rein betragsmäßigen Begrenzung des Geschäftsvolumens einer Bank, zu deren Liquidität und zur sog. Bankenabgabe. Auf die Bankenwelt kommen also viele Veränderungen zu. Wie wird sich dies auf die Mittelstandsfinanzierung in Ostdeutschland auswirken? Inwieweit besteht deshalb bereits heute Anlass, sich mit seiner Bank über die weiteren Finanzierungsperspektiven auszutauschen, obwohl die Umsetzung der Basel III Regeln erst ab 2013 vorgesehen ist? Finanzmarktregulierung Welche Verschärfungen zeichnen sich ab? Finanzmarktregulierung, also die Festlegung von Leitplanken für Bankgeschäfte und die staatliche Aufsicht über die Einhaltung dieser Regeln, erfolgt schon seit vielen Jahren nicht mehr rein national, sondern international, und zwar über die EU Grenzen hinaus. Wieso? 1 Internationale Vernetzung der Bankenwelt Banken haben weltweit die gesamtwirtschaftlich unverzichtbare Mittlerfunktion zwischen Anbietern und Nachfragern von Geld (s. Grafik 1). So entsteht durch das Einsammeln einer Vielzahl unterschiedlich hoher Kundeneinlagen ein Einlagenpool, aus dem Kredite in der je weils von den einzelnen Kreditnehmern benötigten Höhe gewährt werden können (sog. Losgrößentransformation durch die Banken). Dabei erfolgt zugleich eine Fristentransformation, indem durch den stetigen Zufluss neuer Einlagen mit unterschiedlicher Laufzeit z.b. auch längerfristige Kredite vergeben werden können. Schließlich erfolgt eine Risikotransformation. Denn jeder Kredit hat ein Ausfallrisiko. Deshalb muss eine Bank durch Risikomischung im Kreditportfolio und laufende Überwachung der Kredite das Gesamtrisiko aus allen vergebenen Krediten bestmöglich begrenzen. Dieses Bankgeschäft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark internationalisiert. Durch den Einsatz der modernen Kommunikationstechnologien hat sich auch das Verhalten der Bankkunden grundlegend gewandelt. Häufig steht nicht mehr die Bindung an Anbieter im eigenen Heimatland im Vordergrund. Vielfach wird stattdessen bei jedem Geschäft eine auf das einzelne Produkt bezogene Optimierung angestrebt, also z.b. bei der Geldanlage die Erzielung des höchsten aktuellen Zinssatzes bzw. 2 Ostdeutscher Bankenverband e.v. INFOPORT 2/2011

3 bei der Kreditnachfrage das Finden einer guten Kombination aus günstigem Zinsangebot und Sicherheitenhingabe. Dies gilt nicht nur für die institutionellen Finanzmarktakteure wie Versicherungen, Fonds etc., sondern in den letzten Jahren zunehmend auch für mittelständische und private Kunden der Banken. Das im Verlauf der Finanzmarktkrise auch in der breiten Bevölkerung wahrgenommene Beispiel deutscher Anleger bei der isländischen Kaupthing Bank belegt anschaulich, dass heute ein intensiver internationaler Wettbewerb um jeden Kunden besteht. Deshalb gilt heute bei der in Grafik 1 abgebildeten idealtypischen abstrakten Betrachtung des Marktgeschehens im globalen Geldkreislauf: Die Marktakteure suchen sich in der Regel den schnellsten Weg zu der von ihnen höchsten erwarteten Rendite. Die Geschäftsbasis bildet dabei selbstverständlich das Vertrauen, das Geld bei Fälligkeit wieder zurück zu erhalten. Da sich auch die Banken untereinander Geld leihen (sog. Interbankengeschäft), kam es im Zuge der globalen Finanzmarktkrise wegen des damit verbundenen dramatischen Vertrauensverlustes zu den bekannten massiven Störungen am Interbankenmarkt. Wenn aber die Situation eintritt, dass auch private Geldanleger in einer Krisensituation das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit von Banken verlieren und Angst um ihre Ersparnisse bekommen, kann es zu einem Run auf die Bankeinlagen kommen. Dem Bankensystem würde dann massiv Liquidität entzogen. Da langfristig ausgereichte Kredite auch in einer solchen Situation von den Banken nicht sofort zurückgefordert werden könnten, würden sie illiquide. Einzelne Bankenzusammenbrüche würden dann einen Dominoeffekt auslösen, also automatisch weitere nach sich ziehen (sog. systemische Bankenkrise). Einer solchen Entwicklung zu begegnen, ist seit jeher das Ziel der staatlichen Bankenaufsicht. Banken weltweit unverzichtbare Mittlerfunktion zwischen Anbietern und Nachfragern von Geld Bankenaufsicht Kernziel ist die Verhinderung einer systemischen Bankenkrise Von Basel II zu Basel III Angesichts der im Zuge der Globalisierung stetig gewachsenen Internationalisierung und der auch im Übrigen gestiegenen Komplexität von Bankgeschäften erfolgt die Regulierung der Finanzmärkte schon seit langem auf internationaler Ebene: Insoweit werden die Aufsichtsstandards bereits seit 1974 in dem bei der in Basel ansässigen Bank für internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) von den Zentralbanken und den Bankaufsichtsbehörden der G10 Staaten gegründeten Basler Ausschuss für Bankenaufsicht festgelegt legte dieser Ausschuss für international tätige Banken Mindestanforderungen an die Eigenkapitalausstattung fest (Basel I). Seither existieren international einheitliche Regeln dazu, wie Banken die von ihnen eingegangenen Geschäftsrisiken mit Eigenkapital zu unterlegen haben. Diese Eigenkapitalbindung wirkt sowohl als Begrenzung des gesamten Geschäftsvolumens einer Bank als auch als Sicherung dafür, dass eine Bank über ausreichende eigene Mittel verfügt, aus denen etwaige Verluste getragen werden können. Mit Basel II (s. Grafik 2) wurden 2007 diese Regelungen deutlich verfeinert und eine 3 Säulen Aufsicht eingeführt. Die Säule 1 bilden die im Vergleich zu Basel I wesentlich detaillierteren Regelungen zu den Mindestkapitalanfor 2 DREI SÄULEN AUFSICHT SEIT BASEL II (2007) Ostdeutscher Bankenverband e.v. (Quelle: Paul in Hofmann, Auf dem Weg zu Basel II, Frankfurt a.m. 2001, S. 9; Wolf in Becker/Gaulke/Wolf, Praktiker Handbuch Basel II, Köln 2005, S. 10 ff.) Ansätze der Baseler Bankenaufsicht mit Basel II: international und bereits sehr engmaschig INFOPORT 2/2011 Ostdeutscher Bankenverband e.v. 3

4 Basel III = deutliche Verschärfung der Mindestkapitalanforderungen,... derungen. Die Säule 2 stellen die Regeln zur Überprüfung der Eigenkapitalausstattung durch die Aufsichtsbehörden dar und die Säule 3 enthält Vorschriften zu den Offenlegungspflichten der Kreditinstitute (Stichwort: Transparenz der Risikosituation). 3 NEUE MINDESTKAPITALANFORDERUNGEN 4% 2% 0% 2,5% 2% 1,5% 2,5% 0% zugleich wesentlich strengere Regeln für die Liquidität und die Fristentransformation;... An dieser 3 Säulen Struktur der Bankenaufsicht wird Basel III festhalten, jedoch werden als Lehre aus der Finanzmarktkrise die Einzelregelungen zum Teil tiefgreifend modifiziert: In Säule 1 werden die Mindestkapitalanforderungen nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ stark verändert (s. Grafik 3). So muss das sog. harte Kernkapital (Grundkapital und Rücklagen) künftig mit 4,5% mehr als das Doppelte des bisherigen Anteils betragen. Weiches Kernkapital und Ergänzungskapital wie Genussrechtskapital bzw. nachrangige Verbindlichkeiten finden nur noch in geringerem Maße als bisher zur Erfüllung der Mindestkapitalanforderungen Anerkennung. Die bislang zudem berücksichtigten Drittrangmittel wie kurzfristige nachrangige Verbindlichkeiten werden nicht mehr anerkannt. Durch Zusatzpuffer sollen Banken in guten Zeiten eine weitere Vorsorge treffen, um daraus in schlechten Zeiten etwaige Verluste ausgleichen zu können. So muss in Form harten Kernkapitals ein Kapitalerhaltungspuffer i.h.v. 2,5% gebildet werden. Wird dieser Wert unterschritten, werden Dividendenausschüttungen begrenzt. Mit dem ebenfalls aus hartem Kernkapital zu bildenden sog. antizyklischen Kapitalpuffer sollen Kreditrisiken abgedeckt werden, die aus extremem Kreditwachstum entstehen können. Ostdeutscher Bankenverband e.v. (Quelle: european center for financial services Prof. Rolfes, Die neue Aufsichts und Sicherungsarchitektur, Deutsche Bundesbank Düsseldorf, 9. März 2011, S. 7) Quantitative und qualitative Verschärfung der Regeln Insgesamt soll sich so ab dem Inkrafttreten von Basel III ab 2013 bis 2019 das harte Kernkapital schrittweise von heute 2% auf 7 bis 9,5% erhöhen eine enorme Herausforderung. Hinzu treten sollen aber noch weitere Veränderungen: So soll ergänzend zu diesen neuen Regeln in der Säule 1 eine sog. Leverage Ratio gelten, also eine Begrenzung des Geschäftsvolumens einer Bank auf ein bestimmtes Vielfaches ihres Kernkapitals. Diese soll zunächst übergangsweise quasi getestet werden; bis 2018 soll eine endgültige Ausgestaltung für eine ab dann verbindliche Festlegung beschlossen werden. Außerdem werden neue Bestimmungen zur Liquidität von Banken eingeführt. So soll eine Liquidity Coverage Ratio (LCR) einzuhalten sein, die ausgehend von bestimmten Stressszenarien frei verfügbare Anlagen der Banken fordert, die auch in Krisenzeiten Liquiditätsflüsse decken sollen. Mit einer Net Stable Funding Ratio (NSFR) soll überwacht werden, dass sich Banken nicht zu sehr auf nur kurzfristige Finanzierungsquellen verlassen (Stichwort: Einschränkung der Fristentransformation). Konsequenzen für die Banken was Folgen für das Bankgeschäft in seiner Gesamtheit haben wird! Da einige der neuen Regelungen in ihrer konkreten Ausgestaltung noch gar nicht feststehen, ist es aktuell nur begrenzt möglich, die Auswirkungen des neuen Regelwerks in den Banken zu prognostizieren. Basel III wird aber Folgen für das Bankgeschäft in seiner Gesamtheit haben und nicht etwa nur bezogen auf einzelne Produkte wie z.b. Kredite. 4 Ostdeutscher Bankenverband e.v. INFOPORT 2/2011

5 Dies wird allein schon wegen der zu erwartenden Leverage Ratio so sein. Denn nachdem mit Basel II der Ansatz verfolgt wurde, dass eine Bank im Rahmen ihrer Eigenkapitalsteuerung das bei jedem Einzelgeschäft entstehende Ausfallrisiko gewichtet (Stichwort: Rating), soll die Leverage Ratio schlicht das Gesamtgeschäftsvolumen begrenzen, unabhängig vom konkreten Risiko der Einzelgeschäfte. Dies dürfte zur Folge haben, dass risikoarme Geschäfte im Falle relativ hoher Volumina aus Bankensicht an Geschäftsattraktivität einbüßen. Dies gilt z.b. für Staatsfinanzierungen oder für staatlich abgesicherte Exportfinanzierungen, was sich für Deutschland als starkem Exportland nachteilig erweisen könnte. 4 KUMULATIVE LASTEN AUS DEN REFORMVORHABEN Ostdeutscher Bankenverband e.v. (Quelle: Bundesverband deutscher Banken e.v., defacto 11/2010, S. 4) Banken mit Neuregulierungen fordern? Ja aber nicht überfordern! Die Banken werden also schon allein aus den mit Basel III einhergehenden Änderungen stark gefordert sein. Deshalb wird bei den weiteren politischen Diskussionen darauf zu achten sein, dass insgesamt keine Überforderung der Banken eintritt, zeichnen sich doch kumulativ aus den verschiedenen Regulierungen vielfältige Lasten ab (s. Grafik 4). Insgesamt gilt es, für die Zukunft einen stabileren Finanzmarkt sicherzustellen. Dieses Ziel würde schon bei Basel III verfehlt, wenn nicht gewährleistet werden kann, dass dieselben Regeln zum selben Zeitpunkt international verbindlich werden. So wurde schon Basel II international nicht einheitlich umgesetzt. Für alle Finanzmarktakteure müssen aber dieselben Wettbewerbsbedingungen gelten. Und: Genaue Kenntnisse über die gleichzeitigen Wirkungen der Zusatzbelastungen aus höheren Refinanzierungskosten, Bankenabgabe, Selbstbehalt bei Verbriefungen etc. (s. nochmals Grafik 4) liegen nicht vor. Hierfür wird es im weiteren Zeitlauf noch sorgfältiger Analysen bedürfen. Deshalb dürfen jedoch Korrekturen der Maßnahmen ebenso wenig ein Tabuthema sein wie notwendige Änderungen der Zeitpläne. Basel III, höhere Refinanzierungskosten, Bankenabgabe, Selbstbehalt bei Verbriefungen etc. belasten kumulativ! Wirkungen ungewiss deshalb dürfen Korrekturen der Maßnahmen und Zeitpläne kein Tabu sein! Absehbare Auswirkungen auf die Mittelstandsfinanzierung Mittelstandsfinanzierung erfolgt in Deutschland anders als z.b. in den USA oder Großbritannien zum größten Teil im Wege von Kreditfinanzierungen. Für Ostdeutschland weisen die Daten der Bundesbank bei den Krediten an Unternehmen (s. Grafik 5) seit Jahren einen Marktanteil der privaten Banken von über 50% und bei den Krediten an Selbstständige, also z.b. an Einzelhändler, Handwerker oder Freiberufler (s. Grafik 6) einen ebenfalls stabilen Marktanteil von mehr als 1/3 aus. Die privaten Banken sind also die Hauptkreditgeber des ostdeutschen Mittelstandes. 5 Mittelstandsfinanzierung ist oft Kreditfinanzierung private Banken in Ostdeutschland Nr. 1 im Markt INFOPORT 2/2011 Ostdeutscher Bankenverband e.v. 5

6 Basel III: Wettbewerb um Kunden mit besserer Bonität wird zunehmen, daher... Da im Rahmen der Eigenkapitalsteuerung jeder einzelne EURO Eigenkapital nur einmal zur Abdeckung einer Risikoposition eingesetzt werden kann, zeichnet sich mit den dargelegten Neuregulierungen für das Kreditgeschäft mit dem Mittelstand eine weitere Intensivierung des Wettbewerbs um die Kunden mit der jeweils besten Bonität ab. Die im Rahmen des Ratingprozesses ermittelte Kreditnehmerbonität (s. zu deren Ermittlung das in Grafik 7 dargestellte beispielhafte Grundschema) erlangt also eine weiter wachsende Bedeutung. rückt Eigenkapital noch stärker in den Ratingfokus Beim sog. quantitativen Rating stehen die Zahlen der letzten Jahresabschlüsse und die künftigen Planungszahlen im Vordergrund. Innerhalb der Gruppe dieser Zahlen bildet die Entwicklung des Eigenkapitals des Kreditnehmers eine wesentliche Schlüsselgröße. Dabei gilt die Grundregel: Je solider die Eigenkapitalbasis, desto besser fällt die Einstufung der Kreditnehmerbonität auf der Ratingskala aus. Insgesamt fließen daneben noch zahlreiche andere Faktoren in die Gesamtbewertung ein. So wird u.a. betrachtet, ob im Rahmen der Bilanzpolitik die vorhandenen Gestaltungsspielräume stets im Sinne einer optimalen Darstellung der Situation genutzt werden oder ob jeweils relativ vorsichtige Ansätze erfolgen. Dies führt zu entsprechenden Ab bzw. Zuschlägen. Im Rahmen des qualitativen Ratings sind weiche Faktoren relevant wie etwa Informationen zur Unternehmensführung (z.b. die Vorbereitung auf eine bevorstehende Unternehmensnachfolge), zur Qualifikation des Fachpersonals und die weitere Personalplanung (z.b. Maßnahmen im Kontext der immer schwierigeren Gewinnung von Fachkräften), zur aktuellen Marktposition und den Geschäftsperspektiven (z.b. innovative Weiterentwicklung der Produkte bzw. Produktionsverfahren, Kooperationen mit anderen Unternehmen bzw. mit Forschungsinstitutionen oder die Umsetzung einer Auslandsstrategie). Vor dem Hintergrund dieses grundsätzlichen Ablaufs des Ratingprozesses in Banken (s. dazu detaillierter Bundesverband deutscher Banken, fokus: Unternehmen Rating, September 2010) werden im Zuge des sich durch die Neuregulierungen intensivierenden Wettbewerbs um die Kunden mit einer besseren Kreditnehmerbonität vor allem die Entwicklung des Eigenkapitals des Kreditnehmers in besonderer Weise im Was tun? Basel III ist also ein wichtiges Zukunftsthema gerade auch für den Mittelstand. Dies erfordert daher frühzeitige strategische Vorbereitungen ähnlich wie die seinerzeitige EURO Einführung bzw. schon Basel II. Zwei Punkte sollten dabei im Vordergrund stehen: 6 Ostdeutscher Bankenverband e.v. INFOPORT 2/2011

7 Finanzkommunikation Schlüssel zur Sicherung der Finanzierungsbasis Die neuen Eigenkapitalerfordernisse, die von den Banken nach Basel III ab 2013 zu erfüllen sein werden, sind zusammen mit den anderen dargestellten Neuregulierungen keine Themen, die sich erst in weiter Zukunft auswirken. Vielmehr beginnen diese Neuerungen bereits jetzt auf der Basis der gefassten Beschlüsse im Bankenmarkt ihre Wirkungen zu entfalten. Aktive wechselseitige Finanzkommunikation sichert perspektivisch die Finanzierungsbasis Vor diesem Hintergrund ist eine frühzeitige aktive Finanzkommunikation (s. Grafik 8) der Schlüssel zu einer perspektivischen Sicherung der Finanzierungsbasis. Es bedarf also in naher Zukunft eines intensiven Austausches zwischen jedem Mittelständler und seiner Bank, welche Schritte sinnvoll sind, um rechtzeitig die Gesamtfinanzierung an die sich verändernden Marktbedingungen anzupassen. Gesamtfinanzierungskonzept strategisch immer wichtiger Da absehbar die Themen Eigenkapital und Kreditsicherheiten künftig eine noch größere Relevanz erlangen, gilt es konkret, frühzeitig mit seiner Bank zu erörtern, wie das Gesamtfinanzierungskonzept angepasst werden sollte und inwieweit dabei ergänzende Finanzierungsinstrumente (s. dazu Grafik 9) einzubeziehen sein werden. Denn insbesondere Instrumente wie stille Beteiligungen der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften bzw. Bürgschaften der Bürgschaftsbanken als etwa notwendiger Sicherheitenersatz dürften in diesem Kontext strategisch immer wichtiger werden. Fazit Basel III verändert die Rahmenbedingungen für die Gesamtheit des Bankgeschäfts tiefgreifend. So stellt es eine enorme Herausforderung dar, dass allein das sog. harte Kernkapital einer Bank (nur Grundkapital zuzüglich Rücklagen) von 2013 bis 2019 schrittweise von heute 2% auf 7 bis 9,5% gesteigert werden soll. Weitere Anforderungen treten hinzu wie z.b. die übrigen quantitativen und qualitativen Veränderungen der Mindestkapitalregeln, die neuen Regeln zur Liquidität und die Bankenabgabe. Zur Vermeidung einer Überforderung dürfen bei den weiteren Diskussionen über die konkrete Ausgestaltung Korrekturen der heute angestrebten Vorschriften und Zeitpläne kein Tabu sein. Für die Mittelstandsfinanzierung ist schon jetzt absehbar: Vor allem das Eigenkapital wird beim Rating noch relevanter. Insgesamt ist für die perspektivische Sicherung der Finanzierungsbasis der stetige Austausch über notwendige Anpassungen der Gesamtfinanzierung strategisch wichtig. INFOPORT 2/2011 Ostdeutscher Bankenverband e.v. 7

8 Ostdeutscher Bankenverband e.v. Der Ostdeutsche Bankenverband vertritt die privaten Banken in den ostdeutschen Flächenländern und Berlin. Zu seinen derzeit 42 Mitgliedsbanken zählen Großbanken, Regional und Spezialbanken sowie Privatbankiers. Zu deren Kreditgeschäft in Ostdeutschland (ohne Berlin) im Überblick (Kreditbestände der ostdeutschen Filialen am 31. Dezember 2010): IMPRESSUM Ostdeutscher Bankenverband e.v. Berliner Str Berlin Kredite an Unternehmen: private Banken 25,1 Mrd. (Marktführer mit 51% Marktanteil) rund 850 Mio. mehr als ein Jahr zuvor. Auch bei Sparkassen und Kreditgenossenschaften gewachsene Kreditbestände. Ergo: keine Kreditklemme! Kredite an Selbstständige (Einzelkaufleute, Handwerker, Freiberufler etc.): 36% Marktanteil, das entspricht 7,7 Mrd. (langfristige Stagnation hält in allen Bankengruppen an). Kredite an Privathaushalte: 24,1 Mrd. (mit 46% Marktanteil auch hier marktführend) auch hier im Langfristvergleich in keiner Bankengruppe eine nachhaltige Bestandsveränderung festzustellen. Tel.: 030/ Fax: 030/ Internet: Bildquelle: vario images Verantwortlich: Klaus Wagner Wieduwilt 8 INFOPORT 2/2011

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