Wohin steuert die Arbeitsmarktpolitik der neuen EU-Mitgliedstaaten?

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1 Akademie für Politische Bildung Tutzing, 17. Oktober 2008 Wohin steuert die Arbeitsmarktpolitik der neuen EU-Mitgliedstaaten? Michael Knogler Osteuropa-Institut Regensburg

2 Agenda Überblick Arbeitsmarktentwicklung in den EU10 Arbeitsmarktpolitik - Einkommenssicherheit - Aktive Arbeitsmarktpolitik - Beschäftigungsschutz Herausforderungen der Arbeitsmarktpolitik

3 Überblick Enttäuschende Arbeitsmarktentwicklung bis 2005 Trendwende in der Beschäftigungsentwicklung ab 2005 Weiterer Beschäftigungsaufbau durch Probleme auf der Angebotsseite erschwert - Qualifikationsdefizite - Fehlanreize Zentrale Herausforderungen der Arbeitsmarktpolitik: - Reformen der sozialen Sicherungssysteme - Reform der Bildungs-/Ausbildungssysteme

4 Arbeitsmarktentwicklung Trendwende in der Beschäftigungsentwicklung Beschäftigungswachstum, jahresdurchschnittlich in % ,0 3,0 2,9 2,7 3,3 3,3 2,0 1,0 0,0 1,2 0,0 1,6 0,9 1,6 0,5 2,0 1,7 0,2 0,2 0,8 1,9 1,4 0,5 0,3 0,4 1,7 0,8 1,3-1,0-0,4-0,2-0,7-2,0-1,2-2,0-1,6-1,3-2,0-1,5-3,0-4,0-4,2-5,0 bg cz ee lv lt hu pl ro si sk eu15 Quelle. Eurostat; eigene Berechnungen.

5 Arbeitsmarktentwicklung Wirtschaftswachstum schlägt sich auf den Arbeitsmärkten nieder 1,00 Beschäftigungselastizität des Wachstums ,50 0,00-0,50-0,26 0,25 0,47 0,01 0,24 0,28 0,30 0,22 0,12-0,03-0,31 0,36 0,25 0,06 0,050,06-0,35-0,14-0,44 0,61 0,14 0,26 0,23 0,14 0,06 0,09 0,54 0,51 0,55-0,61-1,00-1,50-1,48-2,00 bg cz ee lv lt hu pl ro si sk eu15 Quelle. Eurostat; eigene Berechnungen.

6 Arbeitsmarktentwicklung Beschäftigungswachstum führt zu deutlichem Rückgang der Arbeitslosigkeit Arbeitslosenquoten: Veränderung bg cz ee lv lt hu pl ro si sk eu15 Quelle. Eurostat.

7 Arbeitsmarktentwicklung Beschäftigungsquoten jedoch noch weit von Lissabon-Ziel entfernt Beschäftigungsquoten: Veränderung Lissabon-Ziel bg cz ee lv lt hu pl ro si sk eu15 Quelle. Eurostat.

8 Arbeitsmarktentwicklung Grund: Niedrige Beschäftigungs- und Erwerbsquoten Jüngerer und Älterer EU-10: Arbeitsmarktindikatoren 2007 Beschäftigungsquote Erwerbsquote bg 61,7 24,5 79,4 42,6 66,3 28,9 84,5 45,7 cz 66,1 28,5 83,5 46,0 69,9 31,9 87,8 48,2 ee 69,4 34,5 84,8 60,0 72,9 38,3 88,5 62,2 lv 68,3 38,4 82,3 57,7 72,8 43,0 87,2 60,3 lt 64,9 25,2 82,5 53,4 67,9 27, ,6 hu 57,3 21,0 74,6 33,1 61,9 25,6 80,0 34,5 pl 57,0 25,8 74,9 29,7 63,2 33,0 81,7 31,8 ro 58,8 24,4 74,6 41,4 63,0 30,5 79,0 42,4 si 67,8 37,6 85,3 33,5 71,3 41,8 89,3 34,6 sk 60,7 27,6 78,0 35,6 68,3 34,6 86,9 38,8 eu10 63,2 28,8 80,0 43,3 67,8 33,5 85,1 45,4 eu15 66,9 40,8 79,7 46,6 72,0 47,9 84,9 49,3 Quelle. Eurostat.

9 Arbeitsmarktentwicklung Grund: Niedrige Beschäftigungs- und Erwerbsquoten Jüngerer und Älterer EU-10: Arbeitsmarktindikatoren 2007 Beschäftigungsquote Erwerbsquote bg 61,7 24,5 79,4 42,6 66,3 28,9 84,5 45,7 cz 66,1 28,5 83,5 46,0 69,9 31,9 87,8 48,2 ee 69,4 34,5 84,8 60,0 72,9 38,3 88,5 62,2 lv 68,3 38,4 82,3 57,7 72,8 43,0 87,2 60,3 lt 64,9 25,2 82,5 53,4 67,9 27, ,6 hu 57,3 21,0 74,6 33,1 61,9 25,6 80,0 34,5 pl 57,0 25,8 74,9 29,7 63,2 33,0 81,7 31,8 ro 58,8 24,4 74,6 41,4 63,0 30,5 79,0 42,4 si 67,8 37,6 85,3 33,5 71,3 41,8 89,3 34,6 sk 60,7 27,6 78,0 35,6 68,3 34,6 86,9 38,8 eu10 63,2 28,8 80,0 43,3 67,8 33,5 85,1 45,4 eu15 66,9 40,8 79,7 46,6 72,0 47,9 84,9 49,3 Quelle. Eurostat.

10 Arbeitsmarktentwicklung Grund: Niedrige Beschäftigungs- und Erwerbsquoten Jüngerer und Älterer EU-10: Arbeitsmarktindikatoren 2007 Beschäftigungsquote Erwerbsquote bg 61,7 24,5 79,4 42,6 66,3 28,9 84,5 45,7 cz 66,1 28,5 83,5 46,0 69,9 31,9 87,8 48,2 ee 69,4 34,5 84,8 60,0 72,9 38,3 88,5 62,2 lv 68,3 38,4 82,3 57,7 72,8 43,0 87,2 60,3 lt 64,9 25,2 82,5 53,4 67,9 27, ,6 hu 57,3 21,0 74,6 33,1 61,9 25,6 80,0 34,5 pl 57,0 25,8 74,9 29,7 63,2 33,0 81,7 31,8 ro 58,8 24,4 74,6 41,4 63,0 30,5 79,0 42,4 si 67,8 37,6 85,3 33,5 71,3 41,8 89,3 34,6 sk 60,7 27,6 78,0 35,6 68,3 34,6 86,9 38,8 eu10 63,2 28,8 80,0 43,3 67,8 33,5 85,1 45,4 eu15 66,9 40,8 79,7 46,6 72,0 47,9 84,9 49,3 Quelle. Eurostat.

11 Arbeitsmarktentwicklung Indiz für Probleme beim Arbeitsangebot: hohe Langzeitarbeitslosigkeit Langzeitarbeitslosigkeit 2007, Anteil an Gesamtarbeitslosigkeit in % EU se dk cy es fi uk lv at lu ie lt nl fr mt si hu pt it ee gr ro be pl cz de bg sk Quelle. Eurostat.

12 Arbeitsmarktentwicklung Belebung am Arbeitsmarkt geht an Geringqualifizierten vorbei Arbeitslosenquoten nach Bildungsgrad 2007, % Insgesamt (ISCED 1997) Vorschule, Primärbereich und Sekundarstufe I - Stufen 0-2 (ISCED 1997) Sekundarstufe II und Post-Sekundarbereich - Stufen 3-4 (ISCED 1997) Tertiärbereich - Stufen 5-6 (ISCED 1997) bg cz ee lv lt hu pl ro si sk eu15 Quelle. Eurostat.

13 Arbeitsmarktentwicklung Qualifikationsdefizite des Arbeitsangebots Arbeitsmarkt: "Überschussangebot" nach Bildungsstand, 2007 Vorschule, Primärbereich und Sekundarstufe I - Stufen 0-2 (ISCED 1997) Sekundarstufe II und Post-Sekundarbereich - Stufen 3-4 (ISCED 1997) 30 Tertiärbereich - Stufen 5-6 (ISCED 1997) bg cz ee lv lt hu pl ro si sk eu15 Überschussangebot gemessen als Differenz zwischen Anteil der Arbeitskräfte mit bestimmter Qualifikation an der Arbeitslosigkeit und der Beschäftigung. Quelle. Eurostat; eigene Berechnungen.

14 Arbeitsmarktentwicklung Fazit: Starke Arbeitsnachfrage führt zu deutlichem Beschäftigungsanstieg Beschäftigungspotential wird jedoch nur unzureichend genutzt Skill mismatch beschränkt Beschäftigungsaufbau

15 Arbeitsmarktpolitik Erhöhung des effektiven Arbeitsangebots Anpassungsfähigkeit von Institutionen des Arbeitsmarktes beeinflusst Dazu zählen: Einkommenssicherheit und aktive Arbeitsmarktpolitik, Beschäftigungsschutz

16 Arbeitsmarktpolitik: Einkommenssicherheit Zu Beginn der Transformation großzügige Ausgestaltung des Arbeitslosengeldes Mit zunehmender Arbeitslosigkeit und dem Zwang zur Haushaltskonsolidierung Verringerung der Lohnersatzraten, der Bezugsdauer und Verschärfung der Anspruchsvoraussetzungen

17 Arbeitsmarktpolitik: Einkommenssicherheit Geringe Einkommenssicherheit in den EU-10 Ausgaben passive Arbeitsmarktpolitik (% des BIP), bezogen auf die Arbeitslosenquote ,7 0,6 0,5 0,4 0,3 0,2 EU-15 0,1 0 ee bg lt sk cz uk ro lv gr hu pl si it se pt fr es ie de fi be at nl dk Quelle: Eurostat; eigene Berechnungen.

18 Arbeitsmarktpolitik: Einkommenssicherheit Niedrige Erwerbsquoten Älterer durch Rentensysteme beeinflusst EU-10: Offizielles und tatsächliches (Median) Renteneintrittsalter Männer 66 Median 1998 Median 2005 offiziell bg cz ee lv lt hu pl ro si sk Quelle: Eurostat; MISSOC.

19 Arbeitsmarktpolitik: Einkommenssicherheit Arbeitsunfähigkeitsrenten als Substitut für Lohnersatzleistungen Nichterwerbsquoten aufgrund von Krankheit und Arbeitsunfähigkeit (55-64), EU fr cz at gr de it mt pt be cy lv sk ro bg si lu dk ee hu nl lt es se fi pl Quelle: Eurostat; eigene Berechungen.

20 Arbeitsmarktpolitik: Einkommenssicherheit Niedrige Einkommenssicherheit und Verlagerung auf andere Sozialtransfers: Wenig zielgerichtet und nicht an aktivierende Malnahmen gebunden Arbeitslosigkeitsfallen für gering Qualifizierte, geringe Mobilität

21 Arbeitsmarktpolitik: Aktive Arbeitsmarktpolitik Schwerpunkte: Beratung und Unterstützung bei Arbeitsplatzsuche, Lohnsubventionen, Ausbildungsprogramme, öffentliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Unterstützung bei Existenzgründungen Fokussierung auf Problemgruppen Geringer Mittelumfang Quelle: Eurostat; eigene Berechungen.

22 Arbeitsmarktpolitik: Aktive Arbeitsmarktpolitik Geringer Stellenwert der aktiven Arbeitsmarktpolitik Ausgaben der aktiven Arbeitsmarktpolitik bezogen auf die Arbeitslosenquote ,4 0,35 0,3 0,25 0,2 0,15 0,1 EU15 0,05 0 gr ee uk sk ro cz lv pl hu si lt bg pt de it es fr fi ie be at se nl dk Quelle: Eurostat; eigene Berechungen.

23 Arbeitsmarktpolitik: Aktive Arbeitsmarktpolitik und des lebenslangen Lernens in den EU10 Erwachsenenbeteiligung an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, in % der Bevölkerung 25-64, ,0 30,0 25,0 20,0 15,0 EU15 10,0 5,0 0,0 bg ro gr hu sk pt pl lt cz mt it ee lu lv be fr ie de cy es at si nl fi uk dk se Quelle: Eurostat.

24 Arbeitsmarktpolitik: Beschäftigungsschutz Rigider Beschäftigungsschutz im Verlauf der Transformation liberalisiert Asymmetrische Liberalisierung

25 Arbeitsmarktpolitik: Beschäftigungsschutz Asymmetrische Liberalisierung EU10: Beschäftigungsschutz 2003 (OECD-Indikatoren) Reguläre Beschäftigungsverhältnisse Temporäre Beschäftigungsverhältnisse Massenentlassungen Gesamt bg 2,1 0,9 4,1 2,0 cz 3,3 0,5 2,1 1,9 ee 2,7 1,3 4 2,3 hu 1,9 1,1 2,9 1,7 lt 2,9 2,4 3,6 2,8 lv 2,3 2,1 4,0 2,5 pl 2,2 1,3 4,1 2,1 si 2,9 0,6 4,9 2,3 sk 3,5 0,4 2,5 2,0 ro 2,7 2,6 5,2 3,1 dk 1,5 1,4 3,9 1,8 EU10 2,7 1,2 3,5 2,2 EU14* 2,3 2,0 3,4 2,4 EU-14 o. LU; Quelle: OECD 2004; Tonin 2003; Micevska 2004; Cazes/Nesporova 2006; Earnets/Masso 2005.

26 Arbeitsmarktpolitik: Beschäftigungsschutz Beschäftigungsschutz liberaler als Indikatoren anzeigen: Mangelnde Durchsetzung vor allem in Kleinbetrieben, hohe Schattenwirtschaft, Scheinselbständigkeit Segmentierung der Arbeitsmärkte

27 Arbeitsmarktpolitik: Ausblick EU10 und Flexicurity Erhöhung der Arbeitsmarktsicherheit Ausbau der aktiven Arbeitsmarktpolitik Reformen im Bildungssystem

28 Arbeitsmarktpolitik: Einkommenssicherheit Mindestlöhne als Beschäftigungsbarriere? Mindestlöhne Mindestlohn/Durchschnittslohn Bindung (Anteil der Vollzeitbeschäftigten mit Mindestlöhnen in %) lv ee lt hu ro pl uk cz pt es bg ie si nl sk lu mt fr Quelle: Eurostat;.

29 Arbeitsmarktpolitik: Einkommenssicherheit EU10: Charakteristika der Arbeitslosengeldsysteme Referenz- Periode Mindestversicherungszeit Höhe (in % des früheren Einkommens) Bezugsdauer (Monate) cz 3 Jahre 12 Monate 50 erste drei Monate, danach 45; 60 be i Umschulung 6-12; abhängig vom Alter ee 3 Jahre 12 Monate 50 (erste 100 Tage), danach , abhängig von Versicherungsdauer. lv 18 Monate 12 Monate 50-65, abhängig von Versicherungsdauer und Dauer der Arbeitslosigkeit lt 3 Jahre 18 Monate Feste Basis plus variabler Teil, maximal 70% des letzten Lohns. hu 4 Jahre 1 Jahr 60; Mindest- und Höchstbeiträge de s Arbeitslosengeldes bei 60% des Mindestlohns (163 ) und 120% (327 ) erste 3 Monate, danach 60% (163 ); nach 6 Monaten: 40% de s Mindestlohns (109 ) pl 18 Monate 365 Tage Pauschalleistung PLN 538 (ohne Bezug zum früheren Einkommen), gestaffelt nach Dauer der Erwerbstätigkeit, max. 50% des Mindestlohns. 4-9; abhängig von Versicherungsdauer 6-9; abhängig von Beschäftigungsdauer max. 9; 6 Arbeitssucherleistung, 3 Arbeitssucherunterstützung 6-18; abhängig von regionale r Arbeitslosenquote. si 18 Monate 365 Tage 70 erste drei Monate, danach 60; Min: 45% des Minestlohns; Max: 3-faches des Min. 3-24; abhängig von Versicherungszeit und Alter. sk Vier Jahre drei Jahre 50 6; 4 bei Zeitbeschäftigung bg 15 Monate neun Monate 60% des versicherungspflichtigen Einkommens. Mindest- und Höchstbeiträge des Arbeitslosengeldes derzeit bei BGN 100 ( 51) und BGN 200 ( 102) monatlich. ro 2 Jahre 1 Jahr 75% des Mindestlohns mit Zuschlägen in Abhängigkeit von der Versicherungsdauer 4-12; abhängig von Versicherungsdauer: 4 Monate für drei Versicherungsjahre, 12 Monate bei über 25 Versicherungsjahren 6-12; abhängig von Versicherungsdauer: 6 Monate bis zu 5 Versicherungsjahren, 12 Monate bei über 10 Versicherungsjahren Stand Quelle: MISSOC.

30 Arbeitsmarktpolitik: Steuern und Sozialabgaben Hoher Steuerkeil insbesondere im Niedriglohnbereich Steuer- und Abgabenquote von Niedriglohnempfängern* Veränderung2006/ EU cy ie mt uk lu bg pt gr sk es ee fi dk cz lt nl si it lv ro pl hu at fr se de be *Ledige ohne Kinder mit 67% des Durchschnittslohns. Quelle: Eurostat.

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