Die verschiedenen Schlüsse des "Iwein" - Präzedenzfall für den unfesten Text des Mittelalters

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1 Germanistik H. Filla Die verschiedenen Schlüsse des "Iwein" - Präzedenzfall für den unfesten Text des Mittelalters Eine exemplarische Untersuchung poetischer Konzepte anhand der Handschriften A, B und f Studienarbeit

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3 Humboldt-Universität zu Berlin Institut für deutsche Literatur Wintersemester 2010 Die verschiedenen Schlüsse des Iwein - Präzedenzfall für den unfesten Text des Mittelalters. Eine exemplarische Untersuchung poetischer Konzepte anhand der Handschriften A, B und f. 1

4 Inhaltsverzeichnis I. Einleitung... 3 II. Hauptteil ) Der konventionelle Schluss im Artusroman ) Die verschiedenen Schlüsse der Iwein- Handschriften ) Der Schluss in A - Muster für die Mehrheit aller überlieferten Iwein- Handschriften ) Der Schluss in B Verweis auf einen anderen Mäzen ) Reminiszenz ) Der Schluss in f intertextuelle Bezüge III. Schluss Anhang Literaturverzeichnis

5 I. Einleitung Im ausgehenden 12. Jahrhundert treten zum ersten Mal neben die lateinische und volkssprachliche Literatur der Kleriker mittelhochdeutsche, höfische Dichtungen. Werke wie der Eneit, Parzival oder Tristan lassen zwischen 1170 und 1250 die Hofkultur aufblühen und ihren Höhepunkt erleben. Gemeinsam mit Heinrich von Veldeke und Wolfram von Eschenbach formt Hartmann von Aue, der seinerzeit einen der erfolgreichsten und schöpferischsten Dichter darstellte, nicht nur einen neuen literarischen Stil, sondern entwirft viel mehr noch Vorstellungen vom Rittertum und der gesamten Hofkultur mit mustergültigem Charakter. 1 Dabei greift er wiederholt auf französische Vorlagen zurück, respektive auf die Artusromane Chrétiens de Troyes, und bearbeitet diese. Es kommt jedoch nicht auf die Erfindung von etwas Neuem an, denn der Respekt vor der literarischen Tradition [...] ist so groß, da[ss] die Wahrheit des neu Erzählten geradezu der Legitimation und Beglaubigung durch Berufung auf vorgegebene Quellen bedarf. 2 Unzählige Rezeptionszeugnisse seiner Werke und die von zeitgenössischen Dichtern dargebrachte Wertschätzung zeugen von Hartmanns großem Erfolg. 3 Viele der weitgehend erhaltenen Textzeugnisse aus dem Mittelalter leiden an einer schlechten bis sehr schlechten Überlieferung. Anders ist dies bei Hartmanns Iwein. Die Überlieferung des Werkes ist, gemessen an anderen mittelalterlichen Werken, sehr gut; es gibt 16 einigermaßen vollständig erhaltene Handschriften und 17 Fragmente. Die vorliegende Hausarbeit soll sich aber nicht mit der gesamten Überlieferungssituation des Werkes auseinandersetzen, sondern vielmehr die jeweiligen Schlüsse der Handschriften in den Fokus setzen. Denn so wie sich die Iwein-Handschriften aus den verschiedensten Jahrhunderten in ihrer Form und ihrem Sinn unterscheiden, so liefern auch die jeweiligen Schlüsse Einblicke in zeitgeschichtliche Einflüsse, in den gesellschaftlichen Geschmack und verfolgte didaktische Prinzipien. Den festen und gesetzten Text, so wie wir ihn aus dem 21. Jahrhundert her kennen, gibt es zu dieser Zeit nicht. Gerade deswegen ist eine Analyse divergierender Handschriften so interessant. Heutzutage können wir uns 1 [E]rstmals tritt eine Schicht vornehmer Laien als Literatur-, ja Kulturträger auf, wobei sie eine autonome Ideologie entwickelt und in einer neuen dichterischen Bilder- und Gedankensprache zu ihrer eigenen Weltlichkeit steht, ja sich selber in festlichem Hochgefühl feiert. Wehrli, M.: Geschichte der deutschen Literatur im Mittelalter. Von den Anfängen bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Stuttgart 1980, S Weddige, H.: Einführung in die germanistische Mediävistik. München 2006, S Im Parzival lässt Wolfram von Eschenbach keinen Zweifel daran aufkommen, dass Hartmann von Aue der Begründer der deutschen Artusepik sei. Gottfried von Straßburg lobt Aue in seinem Dichterkatalog vor allem wegen seines gewandten Stils, der kristallklaren Sprache und der vollkommenen Formvollendung. 3

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