Wie Sie dieses Buch lesen 13. Die typischen Methoden der Betrüger und wie Sie sich ihnen widersetzen 15

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2 Inhalt Vorwort 11 Wie Sie dieses Buch lesen 13 Die typischen Methoden der Betrüger und wie Sie sich ihnen widersetzen 15 Ablenkungsmanöver 15 Appell an Ihr Mitgefühl/Fremde schütten Ihnen das Herz aus 16 Dringlichkeit vortäuschen 17 Lockangebote 17 Manipulation 18 Nicht bestellt, aber trotzdem geliefert 19 Nichts ist umsonst 20 Auftritt in offiziellem Gewand 20 Rhetorische Tricks 21 Sonderrufnummern 21 Vom Vertrauten zum Vertragspartner 22 Womit habe ich das verdient? 22 Vermeintliche Schnäppchen 23 Wenn der Nepp passiert ist: raus aus der Drohkulisse 24 So wehren Sie sich gegen Nepp 25 Ihre wichtigsten Rechte als Verbraucher im Überblick 27 Gesetzlich geregelt: Gewährleistung 27 Eine freiwillige Leistung: Garantie 27 Bei Nichtgefallen oder Mängel: Umtausch 28 Regelungen zum Widerruf 30 Sittenwidrige Verträge sind nichtig 30

3 6 Inhalt Das gilt für Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGBs) 31 Sind Verträge mit Minderjährigen bindend? 31 Was tun bei arglistiger Täuschung? 32 Nepp per Festnetz- und Mobiltelefon 33 Sonderrufnummern und ihre Preise 33 Informationen per Faxabruf (Faxpolling) 36 Jemand ist verliebt in dich! 36 Teure Dienste: Premium-SMS und -MMS 37 Herzlichen Glückwunsch! Sie haben gewonnen! 41 Verwählt: Tricks mit Mobiltelefonen 44 Nepp schon beim Abschluss: Preselection-Verträge 44 Manipulation pur: Handy-Dialer und Handy-Viren 46 Sie müssen sich Kaltakquise nicht gefallen lassen 47 Die schwarzen Schafe unter den Callcentern 48 Nepp über den Postweg und in Zeitungen 51 So wird in Gewinnbenachrichtigungen getrickst 51 Vertragspartner wider Willen? 55 Wenn Sie gar nichts bestellt oder gekauft haben, aber trotzdem bezahlen sollen 56 Vertragsabschluss bei Zustellung: Post-Ident-Verfahren 57 Die Robinsonliste gegen unerwünschte Werbung 58 Um Rückruf wird gebeten 59 Spiel mit den Sehnsüchten: Nepp bei der Partnersuche 59 Haustürgeschäfte: Wie Sie sich vor Betrügern schützen 63 Mit welchen Methoden auf Kaffeefahrten geneppt wird 66 Drückerkolonnen: die typischen rhetorischen Tricks und die Mitleidstour 69 Eine kleine Spende, bitte 72

4 Inhalt 7 Das vermeintlich gute Angebot: günstige Handwerkerleistungen 74 Wie Trickbetrüger arbeiten 75 So wird in TV-Sendungen und im Videotext abgezockt 81 Fürs Mitmachen teuer bezahlen 81 Auch beim Fernsehen: Premium-SMS und -MMS 81 Einkauf übers TV: Teleshopping/Shoppingkanäle 82 Rätselhafte Faszination: Gewinnspielkanäle 87 Zielgruppe Jugend: Handyklingelton-Werbung 89 Abzocke per und im Internet 91 Kleines ABC der - und Internetsicherheit 91 So erkennen Sie Spam 96 Viren und Würmer 97 Vorschussbetrug oder die Nigeria-Connection 98 Klingt harmlos, ist es aber nicht: Phishing und Pharming 100 Phishinggefahr auch bei itunes 101 Zum Verwechseln ähnliche Namen 102 Links auf kostenpflichtige Seiten und teure Rückrufnummern 102 Auch im Internet möglich: Dialer-Betrug 104 Geschäfte mit Ihren Daten 107 Unseriöse Kreditvermittlung 108 Nepp mit Social Games 110 Angebote für Produkttester 111 Direktkauf und Auktionen: So unterscheiden Sie seriöse Verkäufer von unseriösen 114 Gefälschte Abmahnungen wegen Downloads 118 Urheberrechtsfallen im WWW 121 Verstöße gegen die Impressumspflicht 123 Missbräuchliche Verwendung von Markennamen 124 Abmahnungen als Einnahmequelle 124

5 8 Inhalt Gewinnankündigungen 125 Die betrügerischen Maschen mancher Erotikdienste 126 So wehren Sie sich gegen Abzocke im Internet 127 Nepp bei Beratungsleistungen 129 Wie Sie erkennen, ob Ihr Berater seriös ist 129 Vorsicht bei Nettopolicen 137 Informieren Sie sich: die ersten Schritte 138 Wie Sie einen Versicherungsvertrag widerrufen 142 Unseriöse Beratung im Gesundheitswesen 143 Gefahren bei der Geldanlage 147 Die Tricks unseriöser Dienstleister 151 Wie Stromanbieter tricksen 151 Die Tricks der Telefonanbieter 152 Wenn Notdienste abzocken 155 Umzugshilfe zum niedrigen Preis? 158 Abzocke unseriöser Reiseveranstalter 159 Nepp bei Modelverträgen 166 Das Auto als Litfaßsäule 168 Verlage, die Druckkostenzuschüsse verlangen 169 Schutz vor betrügerischen Dienstleistern 171 Nepp bei Einkäufen 173 Einkaufspsychologie im Supermarkt 173 Lebensmittel Verpackung und Inhalt 178 Nutzen und Nachteil von Kundenkarten für den Verbraucher Prozent-Finanzierung: meist ein teurer Spaß 186 Markenware: Original oder Fälschung? 189 Autokauf und -verkauf von privat: Das sind die Tricks 192

6 Inhalt 9 Abzockmethoden bei Kindern und Jugendlichen 199 Verträge mit Minderjährigen 199 Abzocke mit Klingeltönen 200 Hausaufgabenhilfe und Basteltipps 202 Wie Casting- und Modelagenturen Träume ausnutzen 205 Mobil telefonieren und nichts bezahlen? 206 Kinder sicher im Netz 207 Abzocke mit Senioren 209 Der Enkeltrick 209 Unangekündigte Besuche mit betrügerischer Absicht 213 Nach Anruf Nepp: angekündigte Besuche 215 Stichwortverzeichnis 217 Anhang 221 Internetadressen 221 Quellen 223 Die Gesetze 224

7 So wehren Sie sich gegen Nepp 25 So wehren Sie sich gegen Nepp Im Folgenden finden Sie noch einmal in Kürze zusammengefasst, welche Maschen die Betrüger anwenden und wie Sie sich dagegen wehren können. Ablenkungsmanöver: Wenn Sie feststellen, dass man nicht zulässt, dass Sie die geforderte Tätigkeit in Ruhe ausführen können, sollten bei Ihnen die Alarmglocken schrillen. Appell an Ihr Mitgefühl: Seien Sie misstrauisch. Schließen Sie auf keinen Fall einen Vertrag aus Mitgefühl ab. Ein solches Gefühl gehört nicht in eine Geschäftsbeziehung. Dringlichkeit vortäuschen: Wichtige Entscheidungen sollten Sie nur im äußersten Notfall unverzüglich treffen. Nehmen Sie sich möglichst immer Zeit, auch wenn Ihr Gegenüber das verhindern will. Lockangebote I: Hinter Preisen, die weit über oder unter dem üblichen Marktpreis liegen, ist immer Nepp zu vermuten. Lockangebote II: Sie werden mit Prämien oder Ähnlichem gelockt? Prüfen Sie, ob Sie wirklich das Bedürfnis haben, einen Vertrag abzuschließen oder ob es erst durch das Lockangebot geweckt wurde. Manipulation I: Seien Sie misstrauisch, wenn eine Person, die Sie beraten soll, sich dafür keine Zeit nimmt, sondern Sie zu einem schnellen Kauf oder Vertragsabschluss drängt. Manipulation II: Seien Sie misstrauisch, wenn der Verkäufer oder Berater auf Ihre mehrmals gestellte Frage wiederholt eine ausweichende Antwort gibt. Manipulation III: Seien Sie misstrauisch, wenn Ihr Gegenüber Ihnen ein bestimmtes negatives Verhalten unterstellt. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie Ihr Recht in Anspruch nehmen, zum Beispiel, wenn Sie einen Vertrag in aller Ruhe lesen wollen. Nicht bestellt, aber trotzdem geliefert: Sie müssen nichts kaufen, was Sie nicht bestellt haben. Bei einem offensichtlichen Betrugsversuch

8 26 Die typischen Methoden der Betrüger und wie Sie sich ihnen widersetzen müssen Sie die Ware nicht nur nicht bezahlen Sie müssen sie auch nicht zurückschicken. Nichts ist umsonst: Lesen Sie die AGBs und das Kleingedruckte genau, löchern Sie Ihren Verkäufer oder Berater mit Fragen. Auftritt im offiziellen Gewand: Wählen Sie die Ihnen bekannte Rufnummer der betreffenden Bank oder anderen Institution oder recherchieren Sie selbst die entsprechende Rufnummer. Fragen Sie direkt nach, ob der Besuch, der Anruf oder das Schreiben bekannt und beabsichtigt ist. Verwenden Sie keine Rufnummer, die der vermeintliche Trickbetrüger Ihnen nennt, um sich die Angaben bestätigen zu lassen. Rhetorische Tricks: Wenn Ihnen auffällt, dass Sie keine Informationen bekommen oder nicht die, die Sie von Ihrem Gegenüber erwarten, dann nehmen Sie Abstand von dem betreffenden Geschäft. Verlassen Sie sich nicht auf Personen, die Tricks anwenden, um an ihr Ziel zu kommen. Sonderrufnummern: Gehen Sie auf keine Angebote ein, für die Sie eine der teuren Vorwahlen wählen sollen. Vom Vertrauten zum Vertragspartner: Wenn Sie bemerken, dass Sie Ihr Gegenüber wie ein Kumpel behandelt oder Ihnen schmeichelt, lassen Sie sich nicht von ihm einwickeln. Verpflichtet sind Sie ganz allein sich selbst. Viel Verdienst für wenig Arbeit: Hier ist höchstes Misstrauen geboten. Seriöse Arbeitgeber verlangen von ihren Mitarbeitern nicht, dass sie finanziell in Vorleistung gehen. Vermeintliche Schnäppchen: Seien Sie grundsätzlich dann vorsichtig, wenn Ihnen ein hochwertiges, eigentlich teures Produkt oder eine ebensolche Dienstleistung für wenig Geld angeboten wird. Forschen Sie sehr genau nach, ob noch andere Kosten auf Sie zukommen, wenn Sie das eigentlich Gewünschte kaufen wollen. Drohkulisse: Als Regel gilt: Lassen Sie sich von ungerechtfertigten Drohungen mit ungerechtfertigten Folgen nicht beeindrucken. Reagieren Sie aber auf Post vom Staat.

9 Ihre wichtigsten Rechte als Verbraucher im Überblick Die landläufigen Meinungen darüber, welche Rechte Verbraucher haben, entsprechen nicht immer der Realität. Außerdem lügen Nepper gerne, wenn es um diesen Aspekt geht. Wollen Sie beispielsweise ein Haustürgeschäft innerhalb der hierfür vorgesehenen Zweiwochenfrist kündigen, so könnte ein Nepper behaupten, diese gesetzliche Regelung sei abgeschafft worden. Das stimmt natürlich nicht. Aber wer ist schon immer über die Gesetzeslage auf dem Laufenden? In diesem Kapitel erfahren Sie, welche Rechte Sie als Verbraucher haben. Gesetzlich geregelt: Gewährleistung Die sogenannte Gewährleistung ist in einem Gesetz geregelt. Sie greift, wenn die Ware schon beim Kauf Mängel aufgewiesen hat. Dabei ist es unerheblich, ob die Mängel bereits zu diesem Zeitpunkt ersichtlich sind oder erst später. Eine freiwillige Leistung: Garantie Eine Garantie ist eine freiwillige Leistung. Das bedeutet, dass der Hersteller oder Händler selbst entscheidet, ob er den Käufern eine Garantie gewährt. Viele Hersteller tun dies und unterstreichen damit ihr Vertrauen in die Qualität des eigenen Produkts sowie ihre Kulanz gegenüber den Kunden. Eine Garantie kann zum Beispiel umfassen: Reparaturen, Austausch von Einzelteilen oder das Bereitstellen eines neuen Produkts. Sie gilt in der Regel für einen bestimmten Zeitraum. Während dieser Zeit kann der Käufer sie auch in Anspruch nehmen, wenn die Ware beim Kauf in Ordnung war. Die Garantie ist als zusätzliche, freiwillige Leistung zur Gewährleistung zu verstehen, sie ersetzt sie aber nicht.

10 28 Ihre wichtigsten Rechte als Verbraucher im Überblick WENN DIE GARANTIE ETWAS KOSTET Manche Händler bieten an, dass Sie als Kunde beim Kauf eines Produkts eine gesonderte Garantie erwerben können. Das ist besonders beliebt bei Elektronikartikeln. Prüfen Sie genau, ob das beim jeweiligen Produkt sinnvoll ist. Bedenken Sie, dass insbesondere bei Elektronikartikeln die Preise schnell fallen. Vielleicht wollen Sie in ein paar Jahren Ihr Geld auch lieber für ein neues Produkt mit mehr Funktionen ausgeben, als es heute in eine Garantie zu investieren. Bei Nichtgefallen oder Mängel: Umtausch Wenn Sie in einem Kaufhaus vor Ort eingekauft haben und die Ware umtauschen wollen, weil sie Ihnen doch nicht gefällt, dann haben Sie kein Recht darauf: Der Händler entscheidet, ob er das Produkt zurücknimmt oder nicht. Nimmt er es zurück, bleibt es ihm überlassen, ob er Ihnen den Kaufbetrag in bar, per Rücküberweisung oder per Gutschein erstattet. Andere Regeln gelten beim Einkauf in einem Internetshop. Da Sie das Produkt vor dem Kauf nicht in Wirklichkeit sehen und prüfen können, haben Sie ein Umtauschrecht. Die Frist hierfür beträgt zwei Wochen. Sie sind nicht verpflichtet, einen Grund für die Rücksendung anzugeben. Haben Sie versiegelte Ware erhalten, zum Beispiel eine DVD oder eine CD, dürfen Sie diese jedoch nicht öffnen beziehungsweise das Siegel nicht entfernen. Sonst wird der Anbieter in der Regel die Rücknahme verweigern. Übrigens: Wenn die Ware mehr als 40 Euro kostet und Sie bereits einen Teil des Kaufpreises bezahlt haben, übernimmt das Versandhaus das Porto für die Rücksendung. Manche serviceorientierten Versandhäuser kommen grundsätzlich für das Porto auf. URTEIL ZUM THEMA PORTO BEI RÜCKSENDUNG Verbraucher müssen bei Widerruf die Kosten für die Rücksendung nicht bezahlen. Das hat im April 2010 der Europäische Gerichtshof nach einer Musterklage des Verbrauscherschutzes Nordrhein-Westfalen entschieden.

11 Bei Nichtgefallen oder Mängel: Umtausch 29 EBAY: RÜCKGABERECHT NUR BEI GEWERBLICHEN VERKÄUFERN Seit Juni 2010 gilt bei ebay ein neues Widerrufs- und Rückgaberecht. Damit können gewerbliche Verkäufer ihren Kunden auch ein Rückgaberecht anbieten. Im Allgemeinen unterliegen gewerbliche Verkäufer nun denselben rechtlichen Richtlinien wie herkömmliche Onlineshops. Zu den gewerblichen Verkäufern gehören alle Powerseller wobei nicht jeder gewerbliche Verkäufer ein Powerseller sein muss. Gewerbliche Verkäufer erkennen Sie außerdem daran, dass sie Sie über die Artikelbeschreibung hinaus über Ihre Rechte und Pflichten aufklären. Zudem geben sie ihren Namen und ihre Anschrift an. Private Verkäufer sind nicht dazu verpflichtet, den Käufern ein Rückgaberecht einzuräumen. Ob Sie im Kaufhaus um die Ecke eingekauft haben oder im Internet: Ist die Ware mangelhaft, greift die Gewährleistungspflicht des Händlers. Er ist verpflichtet, die entsprechenden Produkte zurückzunehmen und zu reparieren. Im Einzelfall muss er sie sogar gegen Neuware umtauschen. Anders als bei Nichtgefallen haben Sie bei Mängeln einen Anspruch darauf, Ihr Geld zurückzubekommen. Wenn Sie den Kassenbon nicht mehr zur Hand haben, können Sie stattdessen einen anderen Nachweis erbringen. Überlegen Sie, ob eine Freundin oder eine andere Person beim Kauf dabei war und ihn bezeugen kann. Nicht immer sind sich Käufer und Verkäufer darüber einig, ob ein Mangel bereits zum Zeitpunkt des Kaufes bestanden hat. Dann gilt: In der Regel liegt die Beweislast, dass kein Mangel vorlag, in den ersten sechs Monaten nach dem Einkauf beim Verkäufer. Ab dem siebten Monat muss der Käufer nachweisen, dass der Mangel schon beim Kauf bestanden hat. Auch das sollten Sie sich merken: Bei Neukäufen können Sie innerhalb von zwei Jahren reklamieren, bei Gebrauchtwaren mindestens innerhalb eines Jahres.

12 30 Ihre wichtigsten Rechte als Verbraucher im Überblick Regelungen zum Widerruf Bei bestimmten Verträgen haben Verbraucher das Recht, innerhalb von zwei Wochen zurückzutreten, den abgeschlossenen Vertrag also zu widerrufen. Am bekanntesten ist das Widerrufsrecht für sogenannte Haustürgeschäfte. Wie der Name schon sagt, werden Verträge an der Haustür abgeschlossen, zum Beispiel bei einem Vertreterbesuch. Auch wenn Sie jemand auf der Straße anspricht oder Sie anruft und dabei ein Vertrag zustande kommt, können Sie innerhalb von zwei Wochen zurücktreten. Das Recht schützt Sie als Verbraucher davor, überrumpelt zu werden. Hätten Sie genügend Zeit und Ruhe gehabt, um Ihre Entscheidung zu überdenken, wäre sie vielleicht anders ausgefallen. DIE MÖGLICHKEIT ZUM WIDERRUF IST EINE AUSNAHME Sie können nicht von jedem abgeschlossenen Vertrag zurücktreten. Der Widerruf ist eine Ausnahme. Die Regel lautet: Abgeschlossene Verträge sind bindend. Der Widerruf ist im jeweiligen Gesetz ausdrücklich geregelt. Beachten Sie im Einzelfall auch die Fristen, die Sie einhalten müssen. Sittenwidrige Verträge sind nichtig Wer andere betrügt, verstößt wissentlich und willentlich gegen geltendes Recht oder gegen Regeln des Anstands. Wer Rechtsverstöße als Geschäftspraktiken einsetzt, der wird nicht davor zurückschrecken, sittenwidrige Verträge aufzusetzen. Diese verstoßen, wie ihre Bezeichnung schon sagt, gegen die guten Sitten. Was darunter zu verstehen ist, bestimmt die Rechtsprechung. Der Begriff unterliegt einem kontinuierlichen Wandel. Denn was unter guten Sitten zu verstehen ist, wird von der Gesellschaft festgelegt und verändert sich im Lauf der Zeit mit ihr. Wichtig für Sie zu wissen ist, dass sittenwidrige Verträge nichtig sind. Haben Sie also einen solchen Vertrag abgeschlossen, sind Sie nicht an ihn gebunden.

13 Sind Verträge mit Minderjährigen bindend? 31 Das gilt für Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGBs) Ganz ähnlich kann es sich mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, kurz AGBs, verhalten. Wenn Sie einen Vertrag mit einem Dienstleister oder einem Händler abschließen, müssen Sie oft den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zustimmen. Dies sind Regeln, die der Dienstleister oder Händler festgelegt hat. In einem Geschäft kann zum Beispiel Teil der AGBs sein, dass ein Umtausch nur gegen Gutschein erfolgt und die Rückerstattung von Bargeld ausgeschlossen ist. Die AGBs gelten dann, wenn Sie bei Vertragsabschluss darauf hingewiesen wurden, dass Sie in sie einwilligen müssen, die Möglichkeit hatten, die AGBs durchzulesen, und dass Sie ihnen zugestimmt haben. Vor allem bei Verträgen, die über das Internet geschlossen werden, klicken Verbraucher bei der Frage, ob sie die AGBs gelesen und mit ihnen einverstanden sind, oft OK an, ohne sich die Regeln durchgelesen zu haben. Jeder Unternehmer legt selbst fest, was er in seine AGBs aufnimmt. Sie als Verbraucher sind aber geschützt vor einem völlig wahllosen Walten: So sind Regeln ungültig, die derart ungewöhnlich sind, dass der Verbraucher nicht mit ihnen rechnen konnte. Unwirksam sind auch solche Regeln, die undurchsichtig sind oder den Verbraucher unangemessen benachteiligen. Sind Verträge mit Minderjährigen bindend? Das Internet macht vieles möglich. Ihre Kinder können Verträge im stillen Kämmerlein abschließen, ohne dass Sie davon etwas mitbekommen bis die Rechnung mit der Post kommt. Teilweise ist den Kindern nicht bewusst, dass sie mit diesem einen Mausklick und ein paar privaten Angaben eine rechtliche Bindung eingegangen sind.

14 32 Ihre wichtigsten Rechte als Verbraucher im Überblick Das Gesetz schützt Minderjährige: Vor Vollendung des siebten Lebensjahres sind Kinder nicht geschäftsfähig. Mit ihnen geschlossene Verträge sind zu keinem Zeitpunkt gültig. Ab dem siebten Lebensjahr und bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sind Minderjährige nur beschränkt geschäftsfähig. Damit sie einen Vertrag wirksam abschließen können, muss die Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters vorliegen oder nachgereicht werden. Anders verhält es sich hingegen mit dem Taschengeld: Das dürfen Kinder ab Vollendung ihres siebten Lebensjahres in den meisten Fällen einsetzen, wie sie möchten. Der gesetzliche Vertreter muss nicht vorher zustimmen. Die Tatsache, dass ihnen das Geld zu diesem Zweck oder zur freien Verfügung überlassen wurde, ersetzt die Zustimmung. Was tun bei arglistiger Täuschung? Wer Ihnen falsche Tatsachen vorspiegelt, begeht eine Täuschung. Wer dies willentlich beziehungsweise wissend tut, um Ihr Handeln entsprechend zu steuern, verhält sich arglistig. Wenn Sie Grund zu der Annahme haben, dass Ihr Vertragspartner Sie arglistig getäuscht hat, sollten Sie versuchen, dagegen vorzugehen, und den Vertrag anfechten. Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie dann beweisen müssen, dass eine arglistige Täuschung vorliegt. Überlegen Sie, wie Sie den Beweis erbringen können: Gibt es Zeugen? Besitzen Sie Dokumente, die als Beweismittel geeignet sind? Kennen Sie andere Geschädigte, denen es ebenso ergangen ist wie Ihnen?

15 Nepp per Festnetz- und Mobiltelefon Seitdem der Telefonmarkt auch für andere Anbieter als die Telekom geöffnet ist, steht der Verbraucher vor einer großen Auswahl an Produkten und Dienstleistungen. Doch diese neuen Angebote bedeuten auch neue Möglichkeiten für Betrüger, wie sie neppen und an das Geld der Verbraucher kommen können. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am online, dass der Betrug per Telefon zunehme. Da die Betrüger häufig im Ausland sitzen, können die deutschen Behörden so gut wie nichts gegen sie unternehmen. Verbraucher können sich an die Bundesnetzagentur wenden. Das machen auch viele, so gingen bei ihr von Januar 2010 bis April 2010 rund Beschwerden ein 2009 waren es im selben Zeitraum Sonderrufnummern und ihre Preise Kennen Sie sich noch aus mit den vielen verschiedenen Vorwahlen, die es mittlerweile gibt, mit den ganzen oder Nummern? Wissen Sie, welche kostenlos sind und welche kostenpflichtig und welche Sie sogar richtig teuer kommen können? Nein? Dann geht es Ihnen wie den meisten Verbrauchern. Ob beim Televoting, beim Faxpolling oder bei der Nutzung von Servicehotlines Sie sollten die teuren von den günstigen und kostenfreien Vorwahlnummern unterscheiden können. Sonst kann die Telefonrechnung zu einer bösen Überraschung werden. Teuer sind die Rufnummern mit den Vorwahlen 0137, 0900 und Kostenlos hingegen telefonieren Sie, wenn Sie die 0800 vorwählen Die 0137er-Nummern kennen Sie vielleicht von verschiedenen Telefongewinnspielen im Fernsehen oder Abstimmungen in Castingshows. Diese Rufnummern sind kostenpflichtig und für die Fernsehsender eine gute

16 34 Nepp per Festnetz- und Mobiltelefon Einnahmequelle. Jeder Anruf zählt dann egal ob Sie bis zum Moderator oder einem anderen Ansprechpartner durchgestellt werden oder nicht. Sie hören auf jeden Fall eine automatische Ansage, mit der Ihnen für Ihren Anruf gedankt wird. Der Preis für Anrufe aus dem Festnetz liegt derzeit bei 14 Cent pro Minute beziehungsweise bei bis zu 100 Cent pro Anruf. Hier gilt: Die Betreiber solcher Nummern sind verpflichtet, Ihnen zu Beginn des Telefonats die Preise durchzusagen Bei dieser Vorwahl dürfen die Betreiber den Preis frei wählen. Bei Anrufen aus dem Festnetz gilt allerdings eine Preisobergrenze von drei Euro pro Minute beziehungsweise von zehn Euro pro Anruf. Auch bei dieser Vorwahl sind die Betreiber dazu verpflichtet, die Verbraucher zu Beginn des Telefonats über anfallende Gebühren zu informieren. WER HINTER EINER 0900-NUMMER STECKT Die Bundesnetzagentur (www.bundesnetzagentur.de) stellt eine verbraucherfreundliche Suchmaschine bereit. Über diese können Sie herausfinden, wer die jeweilige 0900er-Nummer anbietet beziehungsweise welcher Dienst über sie angeboten wird. Geben Sie auf der Internetseite in die allgemeine Suche zunächst 0900 ein. Es erscheint eine Ergebnisliste. Eines der Ergebnisse ist die genannte Suchmaschine. Sie gelangen auch zu ihr, wenn Sie in dieser Reihenfolge die folgenden Links anklicken: Sachgebiete, Telekommunikation, Regulierung Telekommunikation, Nummernverwaltung, 0900, Suchmaschine Im März 2010 ist das geänderte Telekommunikationsgesetz in Kraft getreten. Seitdem gilt für 0180er-Rufnummern eine Preisobergrenze für Gespräche aus dem Festnetz: Sie liegt bei 14 Cent pro Minute beziehungsweise 20 Cent pro Anruf. Auch bei Telefonaten über das Mobilfunknetz sind die Kosten begrenzt: auf 42 Cent pro Minute beziehungsweise 60 Cent pro Anruf.

17 Sonderrufnummern und ihre Preise 35 Je nach Kennung, je nachdem also, welche Ziffer auf die 0180 folgt, gilt ein bestimmter Tarif, der nach Minute oder pro Anruf abgerechnet wird. Nicht jeder, der eine teure Vorwahl benutzt, hegt betrügerische Absichten. Leider arbeiten aber auch viele Nepper mit den kostenpflichtigen, teuren Nummern. Sie lassen sich immer neue Tricks einfallen, damit ahnungslose Verbraucher eine bestimmte Nummer wählen: durch Vorgaukeln eines Jobangebots, eines Gewinns oder einer guten Information. Am Ende gewinnen nur die Nepper. Kostenlose Rufnummer: 0800 Gibt eine Firma als Vorwahl die 0800 an, denkt sie serviceorientiert: Diese Vorwahl ist für Anrufer kostenlos. Interessant ist allerdings die Praktik so mancher Unternehmen, die für Nichtkunden eine kostenlose Rufnummer für den Vertragsabschluss zur Verfügung stellen. Wer bereits Kunde ist und eine Serviceleistung braucht, wird hingegen an eine kostenpflichtige Rufnummer verwiesen. WHOCALLSME.COM Wenn Sie eine Telefonnummer auf Ihrem Display sehen und nicht sicher sind, ob es sich um einen seriösen Anruf handelt, geben Sie die betreffende Nummer in eine Internetsuchmaschine ein. Das machen viele Verbraucher, denn das Internet hat sich inzwischen zu einem wirklich guten Recherchemedium für solche Fälle entwickelt. Sie erhalten schnell Aufschluss darüber, wer Sie angerufen hat. Auch warnen sich Verbraucher gegenseitig vor Neppern. Wer etwas dazu zu sagen hat, veröffentlicht Beiträge in ganz unterschiedlichen Foren. Deshalb sind allgemeine Suchmaschinen eine gute Anlaufstelle, um sich über die Praktiken bestimmter Nepper zu informieren. Es gibt auch Internetseiten und Foren, die speziell dafür eingerichtet wurden, die Betreiber von Rufnummern ausfindig zu machen und zu nennen. Auf der Internetseite zum Beispiel informieren sich Verbraucher gegenseitig darüber, welche Firma hinter einer Rufnummer steckt. Die Internetseite ist zwar auf Englisch, viele Einträge aber beziehen sich auf den deutschen Markt und sind auf Deutsch verfasst.

18 36 Nepp per Festnetz- und Mobiltelefon Informationen per Faxabruf (Faxpolling) Wer ein Faxgerät hat, dem wird dies bekannt sein: Sie können nicht nur Dokumente empfangen, indem ein Sender sie an Sie schickt. Der umgekehrte Weg funktioniert ebenso: Sie als Empfänger wählen eine bestimmte Rufnummer und erhalten anschließend und automatisch ein Dokument zugefaxt. Diesen Dienst nennt man Faxabruf, Faxpolling oder kurz Polling. Sie als Empfänger zahlen für diesen Dienst. Bevor Sie ihn in Anspruch nehmen, prüfen Sie erst, welche Kosten auf Sie zukommen. Weiterhin sollten Sie herausfinden, ob der jeweilige Anbieter seriös ist. Wird er Ihnen gute Informationen bereitstellen, die ihren Preis (den Sie mit der Telefonrechnung bezahlen werden) wert sind? Suchen Sie am besten im Internet nach Firmennamen und/oder Faxnummer: Wird über den Anbieter berichtet? Wenn ja, welche Erfahrungen haben andere Verbraucher gemacht? Verfügt der Anbieter über eine Internetseite? Wie ist diese aufbereitet? Macht sie einen seriösen Eindruck oder ist sie schnell und unachtsam zusammengeschustert? Das kann ein Hinweis darauf sein, dass die Inhalte des Fax ebenso mit der heißen Nadel gestrickt sind. Sehen Sie nach, welche Inhalte auf der Internetseite angeboten werden. So können Sie einschätzen, ob es sich wirklich um einen Experten auf dem Themengebiet handelt oder nicht. Oder ist es möglich, kostenlos an die Fakten heranzukommen, zum Beispiel durch eigene Recherche im Internet? Jemand ist verliebt in dich! Fast jedem und jeder ist es schon passiert: Sie erhalten eine SMS auf Ihr Mobiltelefon mit einer geheimnisvollen Botschaft, zum Beispiel: Jemand ist verliebt in dich! oder Du meldest dich gar nicht. Hast du mir die richtige Nummer gegeben?. Bevor Sie zurückrufen, um herauszufinden, wer der Absender ist, sehen Sie sich erst die Rufnummer genau an. In der Regel wird damit ein teures Vergnügen verbunden sein. Hinter der Nachricht verbirgt sich kein geheimnisvoller Unbekannter, sondern eine betrügerische Firma, die bei Ihnen abkassieren will.

19 Teure Dienste: Premium-SMS und -MMS 37 Recht neu ist die folgende Masche: Das Opfer erhält eine SMS, die so formuliert ist, als stamme sie von einem Bekannten, der seine neue Rufnummer bekannt gibt. Wer auf diese Nachricht antwortet, dem werden dafür 79 Euro abgerechnet. Die Betrüger gehen aber noch weiter: Als Rechnungsposten dieser 79 Euro führen sie einen Erotik-Chat auf. Das Landeskriminalamt der Oberpfalz ermittelt bereits. Nepper führen gerne Erotik in Rechnungen auf und setzen damit auf das Schamgefühl der Geneppten. Viele zahlen lieber stillschweigend, als sich zu wehren und dabei in Erklärungsnöte zu kommen. Teure Dienste: Premium-SMS und -MMS Vielleicht haben Sie es schon einmal gehört: Auch für Mobiltelefone werden sogenannte Premiumdienste angeboten: Premium-SMS und -MMS. Sie erkennen die damit verbundenen Rufnummern so: Sie sind fünfstellig und können in verschiedenen Ziffernkombinationen vorkommen, von bis Am häufigsten beginnen sie mit der Ziffer 7 oder 8. Premium- SMS und -MMS funktionieren wie die Mehrwertdienste fürs Telefon, also wie die 0900er-Rufnummern. Sie als Verbraucher wählen die Premiumnummern, um bestimmte Dienste abzurufen. Gezahlt wird dafür über die Telefonrechnung. Sicherlich kennen Sie die Fernsehwerbungen, die diese Dienste anpreisen, zum Beispiel für Handyklingeltöne. Um einen solchen Ton herunterzuladen, soll der Verbraucher eine SMS mit einem bestimmten Wortlaut an die fünfstellige Premiumnummer senden. Der Anbieter rechnet über die Mobiltelefonrechnung ab. Natürlich kostet Sie eine Premium-SMS mehr als eine normale SMS. Schließlich kaufen Sie damit einen Dienst beziehungsweise eine Dienstleistung ein. Im Unterschied zu den Premium-SMS können mit Premium-MMS auch Bilder oder Filme übermittelt werden. Das Prinzip ist dasselbe, die Abrechnung erfolgt hier ebenfalls über die Telefonrechnung. Premium-SMS- und -MMS-Nummern werden meistens für die folgenden Waren und Dienstleistungen genannt:

20 38 Nepp per Festnetz- und Mobiltelefon Handyklingeltöne Handyspiele Flirts Chats Wie immer gilt: Bevor Sie einen Dienst in Anspruch nehmen, informieren Sie sich darüber, was er Sie kosten wird. Vorsicht Abofalle Premium-SMS sind vor allem in Verbindung mit dem Stichwort Abofalle in Verruf geraten. Die geneppten Verbraucher gingen davon aus, dass sie eine einmalige Leistung angefordert hatten. Stattdessen aber bezogen sie regelmäßig einen Dienst, statt einer einmaligen Abbuchung wurde entsprechend regelmäßig Geld vom Kundenkonto abgebucht. Die Nepper verschleierten dem Kunden die tatsächlich entstehenden Kosten. Als Zielgruppe der Handyklingeltonwerbungen werden vor allem Kinder und Jugendliche angesprochen, eine unerfahrene Verbrauchergruppe also. Diese Unerfahrenheit nutzen Nepper gezielt aus, das merkte der Bundesgerichtshof in seiner Urteilsbegründung (Urteil vom , I ZR 125/03) an. Wenn Handyklingeltonwerbung hierauf abziele und damit auch gezielt an Kinder und Jugendliche gerichtet sei, so hat das Gericht entschieden, ist sie wettbewerbswidrig. Weiterhin ist vorgesehen, dass die Werbung für Handyklingeltöne verboten wird, wenn der Verbraucher nicht klar erkennen kann, welche Kosten ihm entstehen. Zuschauerfrage an die Redaktion Escher - Der MDR-Ratgeber Frau Merz aus Marbach: Ich habe versehentlich ein Abonnement über mein Handy abgeschlossen und erhalte nun in regelmäßigen Abständen Klingeltöne vom Anbieter. Ich möchte das nicht mehr und daher den Vertrag kündigen. Wie gehe ich dabei am besten vor?

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