Die Katastrophe in Japan und der Yen

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1 Woche 12/2011 Freie Ausgabe (leicht gekürzt) Die Katastrophe in Japan und der Yen Wenn man darüber nachdenkt, wie sich der Yen auf Grund der Katastrophe in Japan nun entwickeln wird, lohnt ein Blick 16 Jahre zurück. Anfang 1995, nach dem Erdbeben im japanischen Kobe, wertete der Yen stark auf. USD/JPY sank innerhalb von nur vier Monaten von Kursen bei knapp unter 100 um ca. 20 Prozent bis zu einem historischen Tief bei 79,75. Doch warum wertet der Yen in einer Situation auf, in welcher die japanische Wirtschaft doch eigentlich vor massive Probleme gestellt wird? Die Erklärung ist einfach. Auf Grund der enormen Kosten für den Wiederaufbau ziehen japanische Versicherer, Firmen und auch Privatpersonen im Ausland angelegtes Geld zurück. Und somit ist der Yen stärker gefragt, was dessen Wert steigen lässt. Bereits letzte Woche war diese Entwicklung USD/JPY-Chart 1995: zu sehen. USD/JPY wertete kontinuierlich ab. In der Nacht zu Donnerstag brachen dann alle Dämme und der Kurs durchbrach das 1995-Tief und fiel innerhalb von Minuten bis zu einem neuen Allzeit-Tief bei 76,43. Ob diese Bewegung allerdings tatsächlich bereits auf Rückflüsse japanischer Gelder zurück zu führen ist, darf bezweifelt werden. Vielmehr scheint ausschließlich die Spekulation auf einen auf Grund des Erdbebens steigenden Yen dafür verantwortlich zu sein. Das sieht auch die japanische Regierung so. Wirtschaftsminister Kaoru Yosano verneint sogar eine Gefahr, dass die befürchteten Rückflüsse tatsächlich stattfinden werden. Die Ansicht, dass die japanischen Versicherer große Summen Gelder aus dem Ausland zurückführen müssen sei falsch. Er erklärte, dass sie über reichlich Bargeld, Einlagen und andere Mittel verfügten. Und die japanische Finanzaufsicht habe ihm bestätigt, dass die Versicherungen keineswegs ihre Dollarreserven verkaufen würden. Ob der Wirtschaftsminister mit seiner Einschätzung Recht behält, könnte sich schon kommende Woche zeigen. Am Donnerstag veröffentlicht das Finanzministerium eine erste Schätzung für die Kapitalflüsse aus vergangener Woche. Sollten tatsächlich keine größeren Summen zurückgeführt worden sein, würde den Spekulationen ein erheblicher Dämpfer erteilt werden. 1

2 Der Yen war schon vor dem Erdbeben stark und ein Problem für Japan. Ein starker Yen macht es den Firmen schwerer ihre Produkte zu exportieren bzw. verringert deren Gewinnspannen. Jetzt nach der Katastrophe könnten sich diese Probleme nun noch verschärfen und die ohnehin belastete Wirtschaft zusätzlich schwächen. G7-Länder intervenieren Unter dem Eindruck des Erdbebens und eines Yens auf Rekord-Hoch einigten sich die G7- Länder in der Nacht zu Freitag zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 darauf in gemeinschaftlichen Aktionen den Yen zu schwächen. Japan begann auch sofort und verkaufte schätzungsweise 1 Billion Yen. Auch hier ließ die Reaktion der Märkte nicht lange auf sich warten. Genauso schnell, wie es noch einen Tag zuvor nach unten ging, bewegte sich USD/JPY nun nach oben und stieg in der Spitze bis fast 82. Gegenüber dem Euro war diese Bewegung sogar noch stärker. Nachdem EUR/JPY am Donnerstag noch bis 106,49 gefallen war, konnte am Freitag ein Hoch bei 115,56 erreicht werden. Am Freitagnachmittag verloren allerdings beide Paare wieder leicht. Wie sich die Situation weiter entwickeln wird, muss abgewartet werden. Erfolgreiche Interventionen auf dem Devisenmarkt sind auf Grund des hohen Handelsvolumens sehr schwierig. Japan hatte im vergangenen Jahr bereits mit Alleingängen im Markt interveniert und war wenig erfolgreich. Diesmal sieht die Lage durch die Unterstützung der G7-Länder natürlich anders aus. Aber nur ein sehr entschlossenes Vorgehen aller Beteiligten wird wirklich dauerhaft Erfolg zeigen. Japans Staatsverschuldung wird noch mehr ansteigen Japan hat bereits heute mit einer Verschuldung von 200 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung zu kämpfen. Das ist noch deutlich höher als in den europäischen Krisenstaaten Griechenland, Portugal oder Irland. Eigentlich war für dieses Jahr ein drastischer Sparplan angekündigt worden. Dieser wird nun sicherlich verschoben werden müssen. Ganz im Gegenteil dürfte das Land auf noch mehr frische Gelder angewiesen sein und die Verschuldung entsprechend weiter steigen. Sorgen, dass Japan zahlungsunfähig werden könnte, muss man sich dennoch nicht machen. Anders als Europa oder Amerika kann Japan seine Staatsanleihen zu 95 Prozent im eigenen Land platzieren und ist somit nicht auf das Vertrauen ausländischer Investoren angewiesen. Die charttechnische Betrachtung auf USD/JPY finden Sie auf der folgenden Seite. 2

3 USD/JPY USD/JPY befindet sich schon seit Anfang 2007 in einem stabilen Abwärtstrend und der Ausbruch unter das 1995-Tief ist nur eine weitere bearishe Bestätigung. Daran ändert auch die Erholung von Freitag nichts. Sobald der Kurs unter 78,20 fällt dürfte auch das Tief der vergangenen Woche wieder erreicht werden und anschließend der Kurs weiter fallen. Das nächste Ziel liegt in diesem Fall bei 75. Man sollte aber beachten, dass sich die Kurse bereits auf sehr extremen Werten befinden. Zudem muss abgewartet werden, ob die Interventionen der G7-Staaten erfolgreich sein werden. Trotz der charttechnischen Situation halten wir eine Trendwende in den kommenden Wochen für möglich. Ein Anstieg über 82 würde zumindest für eine weitere Erholung sprechen. Ein Anstieg über 83,50 würde die Situation dann sogar aufhellen. Tageschart USD/JPY: 3

4 GBP/USD GBP/USD konnte vergangene Woche zulegen und in der Spitze bis 1,6257 steigen. Charttechnisch sind allerdings keine entscheidenden Marken überschritten worden und unserer Einschätzung der vergangenen Woche kann unverändert übernommen werden. Insgesamt überwiegt eine bullishe Tendenz. Nach einem Anstieg über das Hoch von Anfang März bei 1,6343 dürfte es weiter nach oben gehen bis 1,6458 und dann in Richtung der 1,70. Allerdings zeigt das Paar schon seit einigen Wochen relativ wenig Bewegung, was zur Vorsicht mahnt. Sollte der Kurs unter 1,5948 fallen, wäre die bullishe Tendenz nicht mehr gegeben. Dann dürfte der Kurs weiter bis zur Unterstützung bei 1,575 und der noch etwas darunter verlaufenden 200-Tageslinie fallen. Unbedingt beachtet werden sollte das Sitzungsprotokoll der englischen Notenbank am kommenden Mittwoch. Hieraus kann das Abstimmungsverhalten und die einzelnen Ansichten der MPC-Mitglieder ersehen werden. Dadurch können Spekulationen um die weitere Geldpolitik, insbesondere in Hinblick auf den Zeitpunkt einer Zinserhöhung, weiteren Antrieb erhalten. Somit sind größere Bewegungen im Sterling möglich. Tageschart GBP/USD: 4

5 EUR/USD Deutlich nach oben ging es vergangene Woche für EUR/USD. Besonders am Freitag konnte das Paar um fast 2 Cent zulegen. Die Aussichten sind weiter bullish. Das nächste wichtige Ziel liegt bei 1,428 und dann bei 1,458. Eintrüben würde sich die Situation erst wieder bei einem Fall unter 1,385. Nur in diesem Fall würden die Unterstützungen bei 1,37 und 1,3426 wieder in Reichweite kommen. Ende kommender Woche findet der EU-Frühjahrsgipfel statt. Dort werden wichtige Beschlüsse zur europäischen Schuldenkrise erwartet. Sofern am Donnerstag und Freitag bereits Ergebnisse bekannt werden, kann dies den Kurs sehr stark beeinflussen. Beruhigende Ergebnisse könnten vielleicht der entscheidende Impuls für einen Anstieg über 1,428 sein. Enttäuschungen dagegen könnten den Euro stark fallen lassen. Tageschart EUR/USD: 5

6 EUR/CHF Sehr lebhaft ging es vergangene Woche bei EUR/CHF zu. Das Paar verlor zunächst deutlich und erreichte mit einem Wochentief von 1,2415 fast wieder das Rekord-Tief bei 1,2398 von Ende Dezember. Anschließend konnte sich der Euro aber wieder deutlich erholen und nahe an 1,28 schließen. Das langfristige Chartbild bleibt bearish und spricht auch kurzfristig für eine neue Bewegung nach unten. Sobald der Kurs unter 1,24 fällt, liegen die nächsten Ziele bei 1,22 und 1,20. Aufhellen würde sich das Chartbild nur bei einem Anstieg über 1,32. Knapp darunter verläuft im Moment auch die wichtige 200-Tageslinie. Tageschart EUR/CHF: 6

7 EUR/JPY Eine regelrechte Berg- und Talfahrt zeigte EUR/JPY in der vergangenen Woche. Zunächst fiel das Paar bedingt durch die Katastrophe in Japan von Hochs bei über 114 bis zu einem Wochentief bei nur noch 106,49. Durch die Yen-Interventionen der G7-Staaten in der Nacht zu Freitag ging es aber schlagartig wieder nach oben und der Euro konnte nicht nur die vorhergehenden Verluste wieder gutmachen, sondern sogar bei 115,56 ein neues Wochenhoch bilden. Damit reizte das Paar in nur einer Woche fast die gesamte Spanne der seit fast einem Jahr andauernden Seitwärtsspanne zwischen 116 und 105,40 aus. Diese beiden Marken sind auch weiterhin entscheidend für ein Ende der Seitwärtsbewegung. Vor allem ein Anstieg über 116 könnte zu einer anschließend deutlichen Bewegung mit Ziel bei 128 führen. Obwohl wir dies in den kommenden Wochen für wahrscheinlich halten, sollte aber vor der Eröffnung einer Long-Position dieser besagte Anstieg über 116 abgewartet werden. Tageschart EUR/JPY: 7

8 Wichtige Wirtschaftstermine: Die kommende Woche ist aus terminlicher Sicht betrachtet eher ruhig. Trotzdem gibt es einige wichtige Termine. Besonders beachtet wird vor allem das Sitzungsprotokoll der englischen Notenbank am Mittwochvormittag. Aus diesem werden das Abstimmungsverhalten und die Ansichten der einzelnen Mitglieder des Monetary Policy Commitees (MPC) ersichtlich. Bei der vorangegangenen Sitzung hatten überraschend bereits drei der neun Mitglieder für eine Zinserhöhung gestimmt. Grund ist die deutlich zu hohe Inflation, welche in den kommenden Wochen bis auf 5 Prozent steigen könnte. Auf Grund dessen wird ganz besonders auf das Protokoll geachtet, da viele Experten bereits in den kommenden Monaten eine Zinserhöhung für möglich halten. Wichtig für den Euro ist der EU-Frühjahrsgipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel. Hier sollen weitreichende Beschlüsse zum EU-Stabilitätspakt fallen. Manche erhoffen sich sogar eine dauerhafte Lösung in der europäischen Schuldenkrise. Mit entsprechender Spannung schauen die Märkte auf diese Konferenz. Alle wichtigen Börsentermine finden Sie hier klicken Hinweis zum Handel auf dem Devisenmarkt Der Handel auf dem Devisenmarkt bringt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken mit sich und Sie sollten nur mit Geldern handeln, bei denen Sie es sich leisten können, sie diesem Risiko auszusetzen. Ihr Risiko wird durch den auf Ihrem Konto verfügbaren Betrag streng begrenzt. Bevor Sie sich dazu entscheiden, in Devisenhandel zu investieren, sollten Sie ihre Investitionsziele, Ihre Erfahrungen und Ihren Risikohunger sorgfältig überdenken. Zur Weiterbildung empfehle ich: Der Forex Trading Club Forex Intensiv Lehrgang Gratis Trading Kurs 8

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