Centrum für Informations- und Sprachverarbeitung Uni München Repetitorium ZP Sommersemester 09. Morphologie. Alla Shashkina

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1 Morphologie Alla Shashkina

2 Morphologie (= Formenlehre) untersucht systematische Beziehungen zwischen Wörtern und Wortformen Regeln, nach denen Wörter/Wortformen gebildet werden 2

3 Ziel in der Computerlinguistik formale Umsetzung der Regeln Erstellung und Ergänzung von Vollformenlexika flektiere(stammform,vollform) :- lex(stammform,wortart,_,flexionsklasse), form(wortart,formmerkmale), beuge(wortart,flexionsklasse,stammform, Formmerkmale,Vollform). 3

4 Was ist ein Wort?,Wort ist zu ungenau und mehrdeutig. Er bezeichnet: eine Folge von Lauten oder Buchstaben (=Token) Als,Wortform bezeichnet er dagegen das Wort als zweiseitige Einheit des Textes mit einer Ausdrucks- und einer Inhaltsseite Das Wort als Einheit des Lexikons wird,lexem genannt 4

5 Wortformen verschiedene Formen eines Lexems verschiedene Wortformen können phonologisch oder orthographisch zusammenfallen (= Synkretismus) Menge der Wortformen eines Lexems oder Lemmas ist das,paradigma Die Wortformen eines Lemmas werden auch,vollformen genannt (Grundform <-> Vollform) 5

6 Flexion vs. Wortbildung Wörter GARTEN GARTEN-ZWERG ZWERG ZWERGLEIN Morphologie Komposition Flexion Derivation Flexion Wortformen Zwergs Zwerg Zwerge Zwerglein Zwergleins 6

7 Flexion Deklination Konjugation Komparation 7

8 Deklination Flexion von Substantiven, Adjektiven, Pronomina, Numeralen und Artikeln; d.h. Realisierung eines Lexems mit Kodierung von morpho-syntaktischen Eigenschaften in einigen der folgenden Kategorien: Genus, Numerus, Kasus 8

9 Flexion von Verben Konjugation Realisierung eines Wortes mit Kodierung von morphosyntaktischen Kategorien: Person Numerus Tempus Modus Genus Verbi (bzw. Diathese) Aspekt (falls in der Sprache vorhanden) 9

10 Komparation Flexion von Adjektiven und manchen Adverbien in der morphosyntaktischen Kategorie Grad. Manche Sprachen weisen morphosyntaktische Formen für den absoluten Superlativ oder Elativ auf. Elativ = sehr hohes Maß (ohne Vergleichsinstanzen) 10

11 Flexionsklasse Klasse von Lexemen einer Kategorie mit ähnlicher Flexion. Beispiel: singen und binden gehören in dieselbe Flexionsklasse: binde band gebunden singe sang gesungen 11

12 Finite vs. Infinite Verbform Verbform heißt finit, wenn sie hinsichtlich der Kategorien Tempus, Modus, Genus Verbi, Person und Numerus morphologisch gekennzeichnet ist, sonst infinit 12

13 Wortbildung Komposition: Bildung von neuen Wörtern auf der Basis MEHRERER Ausgangswörter (Gartenzwerg) Derivation: Bildung von Wörtern auf der Basis EINZELNER Ausgangswörter (zwergenhaft) 13

14 Kompositatypen,endozentrisch : die Kategorie des Kompositums stimmt mit der eines Konstituenten überein. Dieser ist der Kopf des Kompositums: Bierfass Determinativkompositum: Erstglied bestimmt Kopf (Zweitglied) genauer: Hausarbeit Kopulativkompositum: gegeseitiges Spezifikationsverhältnis: Fürstenbischof, blaugrau Possesivkompositum: bezeichnet prominente Eigenschaft des Bezeichneten: Achtzylinder 14

15 Kompositazerlegung Ziel: syntaktische Eigenschaften des Kompositum und semantische Analyse Ambiguitäten / Fehlanalysen 15

16 Morph und Morphem Morph: elementares segmentales Zeichen Morphem: minimale Phonem / Graphemkette mit einer festgelegten Bedeutung 16

17 freie vs. gebundene Morpheme Freie Morpheme können auch ohne den Kontext anderer Morpheme geäußert werden (Gartenzwerg) gebundene haben diese Eigenschaft nicht ('s' in des Zwergs) 17

18 Grund- und periphere Morpheme Grundmorpheme stellen Ausgangspunkt für Derivation und Flexion dar (Zwerg), auch Wurzel genannt Periphere gebundene Morpheme heißen Affixe, vor der Wurzel Präfix, nach der Wurzel Suffix 18

19 Allomorphe Haben zwei oder mehrere Morphe gleiche Bedeutung bei verschiedener Verteilung, so gehören sie zu demselben Morphem und werden Allomorphe bezeichnet 19

20 Morphophonologie partielle Allomorphie: minimaler Unterschied (z.b. Umlaut im Stamm) 20

21 Morphologische Konditionierung Umlautung bei der Pluralbildung von Wörtern Umlaut nicht allein phonologisch, sondern morphophonologisch determiniert (Mütter) grammatisch motiviert, denn die Singularform weist keinen Umlaut auf (Mutter) 21

22 Nichtkonkatenative Morphologie Nichtkonkatenativ bedeutet, dass eine Kategorie wie Plural nicht durch ein Morphem, sondern durch andere Mittel ausgedrückt wird andere Sicht auf das Umlaut-Phänomen subtraktive Morphologie: Verkürzung von Morphemen (Universität -> Uni) Reduplikation: Wiederholung von Morphemen Ablaut bei der Flexion deutscher starker Verben 22

23 Konversion, Alternation, Suppletion Konversion: Überführung eines Wortes in eine andere Wortart ohne morphologische Kennzeichnung. Alternation: (regelmäßige) Mutation (Ablaut) Suppletion: Weitgehende oder vollständige Mutation 23

24 Grundprobleme der morphologischen Beschreibung Neutralisierung: Kontrast nicht materialisiert (transparente Nullmorpheme, Synkretismus) Nichtkonkatenativität Regularitäten und Ausnahmen etc. 24

25 Generative Linguistik Konstruktion von Modellen, die durch explizite Regeln Wörter aus einem gegebenen Input ableiten Spannungsfeld zwischen Restriktivität und Felxibilität des Modells 25

26 Generative Linguistik morphembasiert wortbasiert realisierungsbasiert KOMMEN komm 2sg st KOMMEN inf kommen KOMMEN 2sg Kombination Regeln Regeln KOMMEN 2sg kommst 26

27 Formale Restriktivität vs. Flexibilität formal restriktivster Ansatz ist der morphembasierte Regeln in realisierungsbasierten Ansätzen enthalten sehr spezifische Informationen, in vielen Fällen flexibler, unmittelbare Umsetzung von nichtkonkatenativer Morphologie sowie Defaultregeln (nützlich auch bei Neutralisierung) möglich 27

28 Morphologie mit endlichen Automaten optimale Abstimmung mit phonologischen Regeln Probleme bezüglich nicht-konkatenativer Morphologie und Neutralisierung Äquivalenz von endlichen Automaten und regulären Ausdrücken: wat (e est en et ε) 28

29 Finite State Transducers (FSTs) Erweiterung, Wörter nicht nur auf ihre Wohlgeformtheit zu überprüfen, sondern auch zu analysieren komplexer als der entsprechende Automat aufgrund von Synkretismen 29

30 Finite State Transducers (FSTs) linke Symbole abstrakte Morpheme, rechte Segmentketten 30

31 Finite State Transducers (FSTs) % fst-compiler-utf8 test.fst test.a % fst-mor test.a reading transducer... finished. analyze> houses house<n><pl> analyze> house house<n><sg> analyze> mice mouse<n><pl> analyze> feet foot<n><pl> analyze> trees tree<n><pl> analyze> generate> street<n><pl> streets generate> sowohl Analyse als auch Generierung 31

32 Zwei-Ebenen-Morphologie Zwei Ebenen: 1. Morphologische / Lexikalische Ebene (underlying form) Was ist die zugrundeliegende morphologische Struktur des Wortes / Morphes? lexikalische, morphologische Morpheme und Grenzen 2. Morphographemische Ebene (surface form) Wie erscheinen die Morphe an der Oberfläche Oberflächenzeichen, Nullgraphem (0 oder )

33 Netz aus Knoten DATR ein Knoten repräsentiert ein Lexem, eine Wortart, Flexionsklasse, o.ä. jeder Knoten besteht aus einer Menge von Pfad-Wert- Paaren jeder Pfad besteht aus einer (geordneter) Folge von Atomen jeder Wert besteht aus einem Atom oder einer Folge von Atomen Atome sind beliebige Zeichen oder Zeichenfolgen 33

34 Literaturhinweise Kursskripte von Sebastian Nagel, WiSe 06/07: K.-U. Carstensen, Ch. Ebert, C.Endriss, S.Jekat: Computerlinguistik und Sprachtechnologie. Eine Einführung. S Kursskripte von Dr. Gerhard Rolletschek, WiSe 08/09: 34

35 Folien-Download: repetitorium_morphologie.pdf Diese Folien wurden nach Syntaxfolien vom Repetitorium im WiSe 08/09 von Magda Gerritsen, M.A. überarbeitet 35

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