Wie man wird, was man ist

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1 Friedich Nietzsche Wie man wird, was man ist Ermutigng zum kritischen Denken Herausgegeben von Ursula Michels-Wenz Friedrich Wilhelm Nietzsche wurde am in Rökken bei Lützen geboren. Er stammt väterlicher- und mütterlicherseits von Pastoren ab. Er studierte von klassische Philologie in Bonn und Leipzig. Mit 25 Jahren wurde er außerordentlicher Professor der klassischen Philologie in Basel. Nietzsche kam 1876 wegen eines Nerven- und Augenleidens vorübergehend und 1879 endgültig in den Ruhestand brach seine Geisteskrankheit vollends aus, er kam in die Irrenanstalt in Basel. Er lebte seit 1897 in Weimar (in geistiger Umnachtung). Kaum ein zweiter deutscher Philosoph ist ähnlich fatal mißverstanden und häufiger mißbraucht worden als Friedrich Nietzsche ( ), der in letzter Zeit wieder kontrovers, aber auch zunehmend exakter unter die Lupe genommen wird. Der überraschenden Resonanz im Ausland steht bei den philosophisch interessierten Deutschen jedoch noch immer eine historisch belastete Scheu vor der objektiven Auseinandersetzung mit diesem extremen Denker gegenüber. Nietzsche selber sah sich als ein»verhängnis«, einen Umwerter aller Werte, der in seiner Unerbittlichkeit keiner moralischen Vorschrift folgen kann und erst in ferner Zukunft von einigen wenigen verstanden wird. Diese wenigen waren vor allem die Schriftsteller unseres Jahrhunderts wie Bernard Shaw, Thomas Mann, Hermann Hesse, Andre Gide u. a. mehr. Das Brevier unter dem programmatischen Titel»Wie man wird, was man ist«eröffnet Möglichkeiten, Nietzsche unvoreingenommen kennenzulernen. Es zeigt den»überwinder des Nihilismus«wie den glänzenden Psychologen, den Künstler, Stilisten und Kritiker in seinen Ansprüchen und Diagnosen ebenso wie den einsamen, prophetischen Zeitbeobachter und gnadenlosen Antichristen aus protestantischem Pfarrhaus. Aufgeteilt in eine breite Skala thematischer Schwerpunkte, die sich aus dem Werk ergeben, beleuchtet es Positionen, die auch und gerade zum Widerspruch reizen, ohne jedoch die Schlüsse des Nietzsche schen Weltbildes zu isolieren. Es versteht sich als eine erste Orientierung und Begleitlektüre zu den im Rahmen des Insel- Taschenbuchs nahezu vollständig erschienenen Hauptwerken mit Betonung der aphoristisch prägnantesten Schaffenszeit. Behandelt werden Gebiete wie Politik, Moral, Religion, Kunst, Liebe, Freundschaft, Kinder und Eltern, Lust und Unlust, Leid und Tod etc., unter Verzicht auf die allzu gängigen, populär verzerrten Schlagworte, die nur im Kontext der Werke erarbeitet werden können. 1

2 Inhaltsverzeichnis Zur Einführung:»Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit«Friedich Nietzsche über sich selbst und sein Werk... 3 Von der Natur, dem Leben und dem Sinn des Lebens... 7 Von Völkern, Staaten und Kulturen Von den Deutschen Vom Wesen des Christentums, der Religionen und Kirchen Von Wahrheit und Glaube, Idealen und Illusionen Vom historischen Bewußtsein Von Bildung und Erziehung Vom Herdenmenschen und der vornehmen Seele Vom Umgang mit sich selber und anderen, Freund und Feind Von Männern und Frauen, Liebe und Ehe Von Kindern und Eltern, Jugend und Alter Von Moral und Tugend, Eitelkeit und Affekten Von Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Strafe Von Gesundheit und Krankheit, Leid und Tod Von Lust und Unlust, Glück und Schmerz Vom Denken, Fühlen und Handeln Von Gehorsam, Freiheit und Einsamkeit Von Wissen und Weisheit, Erkennen und Vergessen Von Kunst, Künstlern und Kritikern Von Büchern, Autoren und Lesern Von der Größe Vom Genie Vom Gewissen und den eigenen Wegen und Zielen Zum Schlusse Editorische Notiz

3 Zur Einführung»Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit«Friedich Nietzsche über sich selbst und sein Werk Der Leser, von dem ich etwas erwarte, muß drei Eigenschaften haben. Er muß ruhig sein und ohne Hast lesen. Er muß nicht immer sich selbst und seine»bildung«dazwischen bringen. Er darf endlich nicht, am Schlusse, etwa als Resultat, neue Tabellen erwarten. Ein solcher Mensch hat noch nicht verlernt zu denken, während er liest, er versteht noch das Geheimnis, zwischen den Zeilen zu lesen, ja er ist so verschwenderisch geartet, daß er gar noch über das Gelesene nachdenkt vielleicht lange nachdem er das Buch aus den Händen gelegt hat. Und zwar nicht, um eine Rezension oder wieder ein Buch zu schreiben, sondern nur so, um nachzudenken! Leichtsinniger Verschwender! Du bist mein Leser. [1] Ein Buch wie dieses ist nicht zum Durchlesen und Vorlesen, sondern zum Aufschlagen, namentlich im Spazierengehen und auf Reisen; man muß den Kopf hinein- und immer wieder hinausstecken können und nichts Gewohntes um sich finden. [2] Es gehört nicht nur zu meinen Gewohnheiten, sondern auch zu meinem Geschmacke einem boshaften Geschmacke vielleicht?, nichts mehr zu schreiben, womit nicht jede Art Mensch, die»eile hat«, zur Verzweiflung gebracht wird. [3] Ein Aphorismus, rechtschaffen geprägt und ausgegossen, ist damit, daß er abgelesen ist, noch nicht»entziffert«; vielmehr hat nun erst dessen Auslegung zu beginnen, zu der es einer Kunst der Auslegung bedarf Freilich tut, um dergestalt das Lesen als Kunst zu üben, eins vor allem not, was heutzutage gerade am besten verlernt worden ist zu dem man beinahe Kuh und jedenfalls nicht»moderner Mensch«sein muß: das Wiederkäuen... [4] Ich kenne mein Los. Es wird sich einmal an meinen Namen die Erinnerung an etwas Ungeheures anknüpfen, an eine Krisis, wie es keine auf Erden gab, an die tiefste Gewissens-Kollision, an eine Entscheidung, heraufbeschworen gegen alles, was bis dahin geglaubt, gefordert, geheiligt worden war. Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit. Ich widerspreche, wie nie widersprochen worden ist, und bin trotzdem der Gegensatz eines neinsagenden Geistes. Mit alledem bin ich notwendig auch der Mensch des Verhängnisses. [5] Es ist mir oft genug und immer mit großem Befremden ausgedrückt worden, daß es etwas Gemeinsames und Auszeichnendes an allen meinen Schriften gäbe sie enthielten allesamt Schlingen und Netze für unvorsichtige Vögel und beinahe eine beständige unvermerkte Aufforderung zur Umkehrung gewohnter Wertschätzungen und geschätzter Gewohnheiten. Wie? Alles nur menschlich allzumenschlich? Mit diesem Seufzer komme man aus meinen Schriften heraus. Man hat meine Schriften eine Schule des Verdachts genannt, noch mehr der Verachtung, glücklicherweise auch des Mutes, ja der Verwegenheit. In der Tat, ich selbst glaube nicht, daß jemals jemand mit einem gleich tiefen Verdachte in die Welt gesehen hat und wer etwas von den Folgen errät, die in jedem tiefen Verdachte liegen, etwas von den Frösten und Ängsten der Vereinsamung, zu denen jede unbedingte Verschiedenheit des Blicks den mit ihr Behafteten verurteilt, wird auch verstehen, wie oft ich zur Erholung von mir, gleichsam zum zeitweiligen Selbstvergessen, irgendwo unterzutreten suchte in irgend einer Verehrung oder Feindschaft oder Wissenschaftlichkeit oder Leichtfertigkeit oder Dummheit. [6] Einem feineren Auge und Mitgefühl wird es nicht entgehn, was vielleicht den Reiz dieser Schriften ausmacht, daß hier ein Leidender und Entbehrender redet, wie als ob er 3

4 nicht ein Leidender und Entbehrender sei. Hier soll das Gleichgewicht, die Gelassenheit, sogar die Dankbarkeit gegen das Leben aufrechterhalten werden. Ein Leidender hat auf Pessimismus noch kein Recht! [7] Vielleicht weiß ich am besten, warum der Mensch allein lacht: er allein leidet so tief, daß er das Lachen erfinden mußte. [8] Philosophie, wie ich sie verstanden und gelebt habe, ist das freiwillige Aufsuchen auch der verwünschten und verruchten Seiten des Daseins. Aus der langen Erfahrung, welche mir eine solche Wanderung durch Eis und Wüste gab, lernte ich alles, was bisher philosophiert hat, anders ansehn: die verborgene Geschichte der Philosophie, die Psychologie ihrer großen Namen kam für mich ans Licht.»Wie viel Wahrheit erträgt, wie viel Wahrheit wagt ein Geist?«dies wurde für mich der eigentliche Wertmesser. Der Irrtum ist eine Feigheit... jede Errungenschaft der Erkenntnis folgt aus dem Mut, aus der Härte gegen sich, aus der Sauberkeit gegen sich... Eine solche Experimental- Philosophie, wie ich sie lebe, nimmt versuchsweise selbst die Möglichkeiten des grundsätzlichen Nihilismus [völlige Verneinung aller Werte] vorweg: ohne daß damit gesagt wäre, daß sie bei einem Nein, bei einer Negation, bei einem Willen zum Nein stehen bliebe. Sie will vielmehr bis zum Ungekehrten hindurch bis zu einem dionysischen Jasagen zur Welt, wie sie ist, ohne Abzug, Ausnahme und Auswahl sie will den ewigen Kreislauf, dieselben Dinge, dieselbe Logik und Unlogik der Knoten. Höchster Zustand, den ein Philosoph erreichen kann: dionysisch zum Dasein stehn : meine Formel dafür ist amor fati... [9] Ich bin ein Geländer am Strome: fasse mich, wer mich fassen kann! Eure Krücke aber bin ich nicht. [10] Wenn meine Philosophie eine Hölle ist, so will ich wenigstens den Weg zu ihr mit guten Sentenzen pflastern. [11] Eine gute Sentenz ist zu hart für den Zahn der Zeit und wird von allen Jahrtausenden nicht aufgezehrt, obwohl sie jeder Zeit zur Nahrung dient. [12] Mein Ehrgeiz ist, in zehn Sätzen zu sagen, was jeder andre in einem Buche sagt, was jeder andre in einem Buche nicht sagt... [13] Daß aus meinen Schriften ein Psychologe redet, der nicht seinesgleichen hat, das ist vielleicht die erste Einsicht, zu der ein guter Leser gelangt ein Leser, wie ich ihn verdiene, der mich liest, wie gute alte Philologen ihren Horaz lesen. [14] Der hier das Wort nimmt, hat nichts bisher getan, als sich zu besinnen: als ein Philosoph und Einsiedler aus Instinkt, der seinen Vorteil im Abseits, im Außerhalb, in der Geduld, in der Verzögerung, in der Zurückgebliebenheit fand als der erste vollkommene Nihilist Europas, der aber den Nihilismus selbst schon in sich zu Ende gelebt hat der ihn hinter sich, unter sich, außer sich hat... [15] Eine extreme Lauterkeit gegen mich ist meine Daseins-Voraussetzung, ich komme um unter unreinen Bedingungen. Das macht mir aus dem Verkehr mit Menschen keine kleine Gedulds-Probe; meine Humanität besteht nicht darin, mitzufühlen, wie der Mensch ist, sondern es auszuhalten, daß ich ihn mitfühle... Meine Humanität ist eine beständige Selbstüberwindung. [16] Wer die Luft meiner Schriften zu atmen weiß, weiß, daß es eine Luft der Höhe ist, eine starke Luft. Man muß für sie geschaffen sein, sonst ist die Gefahr keine kleine, sich in ihr zu erkälten. [17] Meine tiefe Gleichgültigkeit gegen mich: ich will keinen Vorteil aus meinen Erkenntnissen und weiche auch den Nachteilen nicht aus, die sie mit sich bringen. Ich handhabe meinen Charakter, aber denke weder daran, ihn zu verstehen, noch ihn zu verän- 4

5 dern der persönliche Kalkul der Tugend ist mir nicht einen Augenblick in den Kopf gekommen. Es scheint mir, daß man sich die Tore der Erkenntnis zumacht, sobald man sich für seinen persönlichen Fall interessiert oder gar für das»heil seiner Seele«!... Man muß seine Moralität nicht zu wichtig nehmen und sich ein bescheidenes Anrecht auf deren Gegenteil nicht nehmen lassen... Eine Art Erbreichtum an Moralität wird hier vielleicht vorausgesetzt: man wittert, daß man viel davon verschwenden und zum Fenster hinauswerfen kann, ohne dadurch sonderlich zu verarmen. [18] Nichts liegt mir entfernter, als Proselyten zu machen: Niemand hat so wie ich vor dem Gefährlichen des Freien Geistes gewarnt und zurückgeschreckt. Anhänger will ich nicht. Möge Jeder (und Jede) nur sein eigener wirklicher Anhänger sein! [19] Ich mißtraue allen Systematikern und gehe ihnen aus dem Wege. Der Wille zum System ist, für einen Denker wenigstens, etwas, das kompromittiert, eine Form der Unmoralität... Vielleicht errät man bei einem Blick unter und hinter dies Buch, welchem Systematiker es selbst mit Mühe ausgewichen ist mir selber... [20] Ich muß weg über hundert Stufen, Und niemand möchte Stufe sein. [21] Mir ist nie der Gedanke gekommen, daß etwas von mir Geschriebenes nach ein paar Jahren einfach tot sei und somit einen Erfolg in der Bälde haben müsse, wenn es einen Erfolg haben wolle. Ohne je den Gedanken der gloria gehabt zu haben, ist mir nie der Zweifel aufgestiegen, daß diese Schriften länger leben als ich. Dachte ich je an Leser, so immer nur an verstreute, über Jahrhunderte hin ausgesäete Einzelne. [22] Was verlangt ein Philosoph am ersten und letzten von sich? Seine Zeit in sich zu überwinden,»zeitlos«zu werden. Womit also hat er seinen härtesten Strauß zu bestehn? Mit dem, worin gerade er das Kind seiner Zeit ist. Wohlan! Ich bin.., ein décadent: nur daß ich das begriff, nur daß ich mich dagegen wehrte. Der Philosoph in mir wehrte sich dagegen. [23] Eigentlich sollte ich einen Kreis von tiefen und zarten Menschen um mich haben, welche mich etwas vor mir selber schützen und mich auch zu erheitern wüßten: denn für einen, der solche Dinge denkt, wie ich sie denken muß, ist die Gefahr immer ganz in der Nähe, daß er sich selber zerstört. [24] Ich will immer mehr lernen, das Notwendige an den Dingen als das Schöne sehen: so werde ich einer von denen sein, welche die Dinge schön machen. Ich will keinen Krieg gegen das Häßliche führen. Ich will nicht anklagen, ich will nicht einmal die Ankläger anklagen ich will irgendwann einmal nur noch ein Jasagender sein! [25] Man verträgt sich auf s beste mit mir, wenn man mir von Zeit zu Zeit eine Gelegenheit gibt, Unrecht zu haben. [26] Wer, gleich mir, mit irgendeiner rätselhaften Begierde sich lange darum bemüht hat, den Pessimismus in die Tiefe zu denken und aus der halb christlichen, halb deutschen Enge und Einfalt zu erlösen wer wirklich einmal mit einem asiatischen und überasiatischen Auge in die weltverneinendste aller möglichen Denkweisen hinein und hinunter geblickt hat, der hat vielleicht ebendamit, ohne daß er es eigentlich wollte, sich die Augen für das umgekehrte Ideal aufgemacht: für das Ideal des übermütigsten, lebendigsten und weltbejahendsten Menschen, der sich nicht nur mit dem, was war und ist, abgefunden und vertragen gelernt hat, sondern es, so wie es war und ist, wieder haben will, in alle Ewigkeit hinaus, unersättlich da capo rufend... [27] 5

6 Ecce homo Ja! Ich weiß, woher ich stamme! Ungesättigt gleich der Flamme Glühe und verzehr ich mich, Licht wird alles, was ich fasse, Kohle alles, was ich lasse: Flamme bin ich sicherlich! [28] Wählerischer Geschmack Wenn man frei mich wählen ließe, Wählt ich gern ein Plätzchen mir Mitten drin im Paradiese: Gerner noch vor seiner Tür! [29] Meinem Leser Ein gut Gebiß und einen guten Magen Dies wünsch ich dir! Und hast du erst mein Buch vertragen, Verträgst du dich gewiß mit mir! [30] 6

7 Von der Natur, dem Leben und dem Sinn des Lebens Es kommt wohl für jeden eine Stunde, wo er mit Verwunderung vor sich selbst fragt: Wie lebt man nur! Und man lebt doch! eine Stunde, wo er zu begreifen anfängt, daß er eine Empfindsamkeit besitzt von der gleichen Art, wie er sie an der Pflanze bewundert, die sich windet und klettert und endlich sich etwas Licht erzwingt und ein wenig Erdreich dazu und so ihr Teil Freude in einem unwirtlichen Boden sich selber schafft. In den Beschreibungen, die einer von seinem Leben macht, gibt es immer solchen Punkt, wo man staunt, wie hier die Pflanze noch leben kann und wie sie noch mit einer unerschütterlichen Tapferkeit daran geht. Nun gibt es Lebensläufte, wo die Schwierigkeiten ins Ungeheure gewachsen sind, die der Denker; und hier muß man, wo etwas davon erzählt wird, aufmerksam hinhören, denn hier vernimmt man etwas von Möglichkeiten des Lebens, von denen nur zu hören Glück und Kraft bringt. [31] Wozu die»welt«da ist, wozu die»menschheit«da ist, soll uns einstweilen gar nicht kümmern aber wozu du Einzelner da bist, das frage dich, und wenn es dir sonst keiner sagen kann, so versuche es nur einmal, den Sinn deines Daseins gleichsam a posteriori zu rechtfertigen, dadurch, daß du dir selber einen Zweck, ein Ziel, ein»dazu«vorsetzest, ein hohes und edles»dazu«. [32] Lies nur dein Leben und verstehe daraus die Hieroglyiephen des allgemeinen Lebens. [33] Unbescheidenheit des Menschen : wo er den Sinn nicht sieht, ihn zu leugnen! [34] Der Unnatur, wenn sie einmal zum Bewußtsein über sich gekommen ist, bleibt nur die Sehnsucht ins Nichts übrig, die Natur dagegen begehrt nach Verwandlung durch Liebe: jene will nicht sein, diese will anders sein. [35] Zur Natur kommt der Mensch nach langem Kampfe er kehrt nie»zurück«. [36] Wenn irgend etwas unsre Vermenschlichung, einen wahren tatsächlichen Fortschritt bedeutet, so ist es, daß wir keine exzessiven Gegensätze, überhaupt keine Gegensätze mehr brauchen... wir dürfen die Sinne lieben, wir haben sie in jedem Grade vergeistigt und artistisch gemacht. [37] Der»Instinkt«ist unter allen Arten von Intelligenz, welche bisher entdeckt wurden, die intelligenteste. [38] Unsere Sinne haben ein bestimmtes Quantum als Mitte, innerhalb deren sie funktionieren, d. h. wir empfinden groß und klein im Verhältnis zu den Bedingungen unsrer Existenz. Wenn wir unsre Sinne um das Zehnfache verschärften oder verstumpften, würden wir zugrunde gehn; d. h. wir empfinden auch Größenverhältnisse in bezug auf unsre Existenz als Qualitäten. Sollten nicht alle Quantitäten Anzeichen von Qualitäten sein? [39] Das Überflüssige ist der Feind des Notwendigen. [40] Es ist nicht wahr, daß das unbewußte Ziel in der Entwicklung jedes bewußten Wesens (Tier, Mensch, Menschheit usw.) sein»höchstes Glück«sei: vielmehr gibt es auf allen Stufen der Entwicklung ein besonderes und unvergleichbares, weder höheres noch niederes, sondern eben eigentümliches Glück zu erlangen. Entwicklung will nicht Glück, sondern Entwicklung und weiter nichts. [41] Die Menschheit ist viel eher noch ein Mittel als ein Ziel. [42] Wer sind die, welche uns heben? Das sind jene wahrhaften Menschen, jene Nicht-mehr- Tiere, die Philosophen, Künstler und Heiligen; bei ihrem Erscheinen macht die Natur, die nie springt, ihren einzigen Sprung, und zwar einen Freudensprung. [43] 7

8 Wie die Städte bei einem Erdbeben einstürzen und veröden, und der Mensch nur zitternd und flüchtig sein Haus auf vulkanischem Grunde aufführt, so bricht das Leben selbst in sich zusammen und wird schwächer und mutlos, wenn das Begriffsbeben, das die Wissenschaft erregt, dem Menschen das Fundament aller seiner Sicherheit und Ruhe, den Glauben an das Beharrliche und Ewige, nimmt. Soll nun das Leben über das Erkennen, über die Wissenschaft, soll das Erkennen über das Leben herrschen? Welche von beiden Gewalten ist die höhere und entscheidende? Niemand wird zweifeln: das Leben ist die höhere, die herrschende Gewalt, denn ein Erkennen, welches das Leben vernichtete, würde sich selbst mit vernichtet haben. [44] Geist ist das Leben, das selber ins Leben schneidet. [45] Alles Abweisen und Negieren zeigt einen Mangel an Fruchtbarkeit an: im Grunde, wenn wir nur gutes Ackerland wären, dürften wir nichts unbenutzt umkommen lassen und in jedem Dinge, Ereignisse und Menschen willkommenen Dünger, Regen oder Sonnenschein sehen. [46] Man muß die großen Probleme mit Leib und Seele erleben wollen. [47] Leben überhaupt heißt in Gefahr sein. [48] Wenn man von Humanität redet, so liegt die Vorstellung zugrunde, es möge das sein, was den Menschen von der Natur abscheidet und auszeichnet. Aber eine solche Abscheidung gibt es in Wirklichkeit nicht: die»natürlichen«eigenschaften und die eigentlich»menschlich«genannten sind untrennbar verwachsen. [49] Zu den Dingen, welche einen Denker in Verzweiflung bringen können, gehört die Erkenntnis, daß das Unlogische für den Menschen nötig ist, und daß aus dem Unlogischen vieles Gute entsteht. Es steckt so fest in den Leidenschaften, in der Sprache, in der Kunst, in der Religion und überhaupt in allem, was dem Leben Wert verleiht, daß man es nicht herausziehen kann, ohne damit diese schönen Dinge heillos zu beschädigen. Auch der vernünftigste Mensch bedarf von Zeit zu Zeit wieder der Natur, das heißt seiner unlogischen Grundstellung zu allen Dingen. [50] Alle Ordnungen des Menschen sind darauf eingerichtet, daß das Leben in einer fortgesetzten Zerstreuung der Gedanken nicht gespürt werde. [51] Darauf allein beruht der Wert des Lebens für den gewöhnlichen, alltäglichen Menschen, daß er sich wichtiger nimmt als die Welt. Jeder Glaube an Wert und Würdigkeit des Lebens beruht auf unreinem Denken. [52] Was sind denn unsere Erlebnisse? Viel mehr das, was wir hineinlegen, als das, was darin liegt! [53] Man muß es nötig haben, stark zu sein: sonst wird man s nie. [54] Alle Gesetzmäßigkeit, die uns im Sternenlauf und im chemischen Prozeß so imponiert, fällt im Grunde mit jenen Eigenschaften zusammen, die wir selbst an die Dinge heranbringen, so daß wir uns damit selber imponieren. [55] Die allgemeine ungenaue Beobachtung sieht in der Natur überall Gegensätze (wie z. B.»warm und kalt«), wo keine Gegensätze, sondern nur Gradverschiedenheiten sind. Diese schlechte Gewohnheit hat uns verleitet, nun auch noch die innere Natur, die geistigsittliche Welt, nach solchen Gegensätzen verstehen und zerlegen zu wollen. Unsäglich viel Schmerzhaftigkeit, Anmaßung, Härte, Entfremdung, Erkältung ist so in die menschliche Empfindung hineingekommen dadurch, daß man Gegensätze an Stelle der Übergänge zu sehen meinte. [56] Es müßte geistigere Geschöpfe geben, als die Menschen sind, bloß um den Humor ganz auszukosten, der darin liegt, daß der Mensch sich für den Zweck des ganzen Weltenda- 8

9 seins ansieht. Vielleicht bildet sich die Ameise im Walde ebenso stark ein, daß sie Ziel und Absicht der Existenz des Waldes ist, wie wir dies tun, wenn wir an den Untergang der Menschheit in unserer Phantasie fast unwillkürlich den Erduntergang anknüpfen. [57] Niemals war die Welt mehr Welt, nie ärmer an Liebe und Güte. Daß die einzelnen sich so gebärden, als ob sie von diesen Besorgnissen nichts wüßten, macht uns nicht irre: ihre Unruhe zeigt es, wie gut sie davon wissen; sie denken mit einer Hast und Ausschließlichkeit an sich, wie noch nie Menschen an sich gedacht haben, sie bauen und pflanzen für ihren Tag, und die Jagd nach dem Glück wird nie größer, als wenn es zwischen heute und morgen erhascht werden muß, weil übermorgen vielleicht überhaupt alle Jagdzeit zu Ende ist. Wir leben die Periode der Atome, des atomistischen Chaos. [58] Wir sind so gern in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat. [59]»Gemäß der Natur«wollt ihr leben? O ihr edlen Stoiker, welche Betrügerei der Worte! Denkt euch ein Wesen, wie es die Natur ist, verschwenderisch ohne Maß, gleichgültig ohne Maß, ohne Absichten und Rücksichten, ohne Erbarmen und Gerechtigkeit, fruchtbar und öde und ungewiß zugleich, denkt euch die Indifferenz selbst als Macht wie könntet ihr gemäß dieser Indifferenz leben? Leben ist das nicht gerade ein Anderssein-wollen, als diese Natur ist? Ist Leben nicht Abschätzen, Vorziehn, Ungerecht-sein, Begrenzt-sein, Different-sein-wollen? Und gesetzt, euer Imperativ»gemäß der Natur«leben bedeutet im Grunde soviel als»gemäß dem Leben leben«wie könntet ihr s denn nicht? Wozu ein Prinzip aus dem machen, was ihr selbst seid und sein müßt? [60] Die Physiologen sollten sich besinnen, den Selbsterhaltungstrieb als kardinalen Trieb eines organischen Wesens anzusetzen. Vor allem will etwas Lebendiges seine Kraft auslassen Leben selbst ist Wille zur Macht: die Selbsterhaltung ist nur eine der indirekten und häufigsten Folgen davon. [61] Unsere Bedürfnisse sind es, die die Welt auslegen; unsere Triebe und deren Für und Wider. Jeder Trieb ist eine Art Herrschsucht, jeder hat seine Perspektive, welche er als Norm allen übrigen Trieben aufzwingen möchte. [62] Die»einfachsten«Dinge sind sehr kompliziert man kann sich nicht genug darüber verwundern! [63] Ich vermute, daß wir nur sehen, was wir kennen. [64] Das innere Auge ist um vieles kühner und weniger schamhaft als das äußere. [65] Unsere Bestimmung verfügt über uns, auch wenn wir sie noch nicht kennen; es ist die Zukunft, die unserm Heute die Regel gibt. [66] Wie wenig Vernunft, wie sehr der Zufall unter den Menschen herrscht, zeigt das fast regelmäßige Mißverhältnis zwischen dem sogenannten Lebensberufe und dem ersichtlichen Nichtberufensein: die glücklichen Fälle sind Ausnahmen wie die glücklichen Ehen, und auch diese werden nicht durch Vernunft herbeigeführt. Der Mensch wählt den Beruf, wo er noch nicht fähig zum Wählen ist; er kennt die verschiedenen Berufe nicht, er kennt sich selbst nicht, er verbringt seine tätigsten Jahre dann in diesem Berufe, verwendet all sein Nachdenken darauf, wird erfahrener; erreicht er die Höhe seiner Einsicht, dann ist es gewöhnlich zu spät, um etwas Neues zu beginnen, und die Weisheit hat auf Erden fast immer etwas Altersschwaches und Mangel an Muskelkraft an sich gehabt. Es lebt sich schwer. Am Ende des Lebens ist man s aber doch gewohnt. [67] Ein Beruf macht gedankenlos; darin liegt sein größter Segen. Denn er ist eine Schutzwehr, hinter welche man sich, wenn Bedenken und Sorgen allgemeiner Art einen an- 9

10 fallen, erlaubtermaßen zurückziehen kann. Ein Beruf ist das Rückgrat des Lebens. [68] Es ist ganz und gar nicht die erste Frage, ob wir mit uns zufrieden sind, sondern ob wir überhaupt irgend womit zufrieden sind. Gesetzt, wir sagen ja zu einem einzigen Augenblick, so haben wir damit nicht nur zu uns selbst, sondern zu allem Dasein ja gesagt. Denn es steht nichts für sich, weder in uns selbst noch in den Dingen: und wenn nur ein einziges Mal unsre Seele wie eine Saite vor Glück gezittert und getönt hat, so waren alle Ewigkeiten nötig, um dies eine Geschehen zu bedingen und alle Ewigkeit war in diesem einzigen Augenblick unseres Jasagens gutgeheißen, erlöst, gerechtfertigt und bejaht. [69] Was sind siebzig Jahre! das läuft hin und ist bald zu Ende; es liegt so wenig daran, daß die Welle wisse, wie und wohin sie laufe! Ja es könnte Klugheit sein, es nicht zu wissen. [70] Der Sinn für das Tragische nimmt mit der Sinnlichkeit ab und zu. [71] Ungeheure Selbstbesinnung: nicht als Individuum, sondern als Menschheit sich bewußt werden. [72] Alle Instinkte, welche sich nicht nach außen entladen, wenden sich nach innen dies ist das, was ich die Verinnerlichung des Menschen nenne: damit wächst erst das an den Menschen heran, was man später seine»seele«nennt. [73] Jede starke Richtung ist einseitig. [74] Wir sind Experimente: wir wollen es auch sein! [75] Ein Herz voll Tapferkeit und guter Dinge braucht von Zeit zu Zeit etwas Gefahr, sonst wird ihm die Welt unausstehlich. [76] Man träumt gar nicht oder interessant. Man muß lernen, ebenso zu wachen: gar nicht oder interessant. [77] Nein! Das Leben hat mich nicht enttäuscht! VonJahr zu Jahr finde ich es vielmehr reicher, begehrenswerter und geheimnisvoller von jenem Tage an, wo der große Befreier über mich kam, jener Gedanke, daß das Leben ein Experiment des Erkennenden sein dürfe und nicht eine Pflicht, nicht ein Verhängnis, nicht eine Betrügerei! [78] Ergebung in die Notwendigkeit lehre ich nicht denn man müßte sie erst als notwendig kennen. Vielleicht gibt es vielfache Notwendigkeiten, aber so im allgemeinen ist es doch auch ein Faulbett. [79] Hat man sein warum? des Lebens, so verträgt man sich fast mit jedem wie? [80] Alles Entscheidende entsteht»trotzdem«. [81] Ich fürchte, die Tiere betrachten den Menschen als ein Wesen ihresgleichen, das in höchst gefährlicher Weise den gesunden Tierverstand verloren hat. [82] Der Mensch sinkt, wenn er einmal sinkt, immer unter das Tier. [83] Nicht jedes Ende ist das Ziel. Das Ende der Melodie ist nicht deren Ziel; aber trotzdem: hat die Melodie ihr Ende nicht erreicht, so hat sie auch ihr Ziel nicht erreicht. Ein Gleichnis. [84] Der Satz vom Bestehen der Energie fordert die ewige Wiederkehr. [85] Extreme Positionen werden nicht durch ermäßigte abgelöst, sondern wiederum durch extreme, aber umgekehrte. [86] Daß alles wiederkehrt, ist die extremste Annäherung einer Welt des Werdens an die des Seins: Gipfel der Betrachtung. [87] 10

11 11

12 Von Völkern, Staaten und Kulturen Wie man nur ein ganzes Volk verherrlichen und preisen kann! Die Einzelnen sind es. [88] Sie wissen, wie ich mit Abscheu jenen Irrsinn zurückweise, daß das Volk oder gar der Staat»Selbstzweck«sein solle: aber ebensosehr widerstrebt es mir, den Zweck der Menschheit in der Zukunft der Menschheit zu suchen. Weder der Staat, noch das Volk, noch die Menschheit sind ihrer selbst wegen da, sondern in ihren Spitzen, in den großen»einzelnen«, den Heiligen und Künstlern, liegt das Ziel, also weder vor noch hinter uns, sondern außerhalb der Zeit. Dieses Ziel aber weist durchaus über die Menschheit hinaus. Aus alledem wird klar, daß der Genius nicht der Menschheit wegen da ist, während er allerdings derselben Spitze und letztes Ziel ist. Es gibt keine höhere Kulturtendenz als die Vorbereitung und Erzeugung des Genius. Auch der Staat ist trotz seines barbarischen Ursprungs und seiner herrschsüchtigen Gebärden nur ein Mittel zu diesem Zweck. [89] Wir erleben die Folgen jener neuerdings von allen Dächern gepredigten Lehre, daß der Staat das höchste Ziel der Menschheit sei und daß es für einen Mann keine höheren Pflichten gebe, als dem Staat zu dienen: worin ich nicht einen Rückfall ins Heidentum, sondern in die Dummheit erkenne. Eine der Pflichten, die mir wenigstens höher gilt als der Staatsdienst, fordert auf, die Dummheit in jeder Gestalt zu zerstören, also auch diese Dummheit. [90] Der Irrsinn ist bei einzelnen etwas Seltenes, aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel. [91] Dem Staat ist es nie an der Wahrheit gelegen, sondern immer nur an der ihm nützlichen Wahrheit, noch genauer gesagt, überhaupt an allem ihm Nützlichen, sei dies nun Wahrheit, Halbwahrheit oder Irrtum. [92] Die Völker werden so sehr betrogen, weil sie immer einen Betrüger suchen: nämlich einen aufregenden Wein für ihre Sinne. Wenn sie nur den haben können, dann nehmen sie wohl mit schlechtem Brote fürlieb. Der Rausch gilt ihnen mehr als die Nahrung hier ist der Köder, an dem sie immer anbeißen werden! [93] Die verfaulten herrschenden Stände haben das Bild des Herrschenden verdorben. Der»Staat«, als Gericht übend, ist eine Feigheit, weil der große Mensch fehlt, an dem gemessen werden kann. Zuletzt wird die Unsicherheit so groß, daß die Menschen vor jeder Willenskraft, die befiehlt, in den Staub fallen. [94] Es ist immer das größte Verhängnis der Kultur gewesen, wenn Menschen angebetet wurden. [95] Die einen regieren aus Lust am Regieren; die andern, um nicht regiert zu werden: diesen ist es nur das geringere von zwei Übeln. [96] Das politische Übergewicht ohne das eigentlich menschliche Übergewicht ist die größte Schädigung. Man muß suchen, das politische Übergewicht wieder gut zu machen. Sich zu schämen seiner Macht. [97] Es zahlt sich teuer, zur Macht zu kommen: die Macht verdummt. [98] Wenn man mit Recht vom Faulen sagt, er töte die Zeit, so muß man von einer Periode, welche ihr Heil auf die öffentlichen Meinungen, das heißt auf die privaten Faulheiten setzt, ernstlich besorgen, daß eine solche Zeit wirklich einmal getötet wird: ich meine, daß sie aus der Geschichte der wahrhaften Befreiung des Lebens gestrichen wird. [99] 12

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