Kapitel 2 Der Gütermarkt. Lekt. Dr. Irina-Marilena Ban. Pearson Studium 2014 Olivier Olivier Blanchard/Gerhard Illing: Illing: Makroökonomie

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1 Kapitel 2 Der Gütermarkt Lekt. Dr. Irina-Marilena Ban 1 Pearson Studium

2 Literaturhinweise Blanchard, Olivier, Illing, Gerhard, Makroökonomie, 5. Aufl., Pearson 2009, Kap. 3. 2

3 Vorlesungsübersicht 3.1 Die Zusammensetzung des BIP 3.2 Die Güternachfrage 3.3 Die Bestimmung der Produktion im Gleichgewicht 3.4 Investition ist gleich der Ersparnis 3

4 3.1 Die Zusammensetzung des BIP Die Zusammensetzung des BIP, Rumänien, 2013 Mrd. EUR (reale Werte) in Prozent des BIPs 1. Konsumausgaben priv. Haushalt. 84,731 62,2% 2. + Bruttoinvestitionen 32,302 23,7% 3. + Staatlicher Konsum 19,610 14,4% 4. + Außenbeitrag (Exporte - Importe) -0,427-0,5% = Bruttoinlandsprodukt 136, % 4

5 Die Zusammensetzung des BIP Konsumausgaben der privaten Haushalte (C): Waren und Dienstleistungen, die von Verbrauchern gekauft werden. Konsumausgaben des Staates (G): Käufe von Waren und Dienstleistungen durch den staatlichen Sektor (Bund, Länder und Gemeinden). Beachte: G enthält nicht die staatlichen Transferzahlungen Warum nicht? 5

6 Die Zusammensetzung des BIP Investitionen (I): Umfassen sowohl die Anlageinvestitionen als auch die Lagerinvestitionen. o Die Anlageinvestitionen setzen sich zusammen aus den gewerblichen Investitionen und den Wohnungsbauinvestitonen. o Die Lagerinvestitionen: Differenz zwischen den über ein Jahr produzierten und in diesem Jahr verkauften Waren, in Realität meist gering. 6

7 Die Zusammensetzung des BIP Importe (IM): Kauf ausländischer Waren und Dienstleistungen durch einheimische Konsumenten, Unternehmen bzw. staatliche Institutionen. Exporte (X): Kauf einheimischer Waren und Dienstleistungen durch Ausländer. Außenbeitrag (X IM): Differenz zwischen Exporten und Importen, auch als Nettoexporte bezeichnet. o Exporte > Importe: positiver Außenbeitrag (Überschuss in Handels- und Dienstleistungsbilanz) o Exporte < Importe: negativer Außenbeitrag (Defizit in Handelsund Dienstleistungsbilanz) 7

8 3.2 Die Güternachfrage Die gesamte Güternachfrage Z lässt sich wie folgt darstellen: Z C I G X IM o Das Symbol bedeutet, dass es sich bei dieser Gleichung um eine Identität handelt. o In einer geschlossenen Volkswirtschaft mit X = IM = 0, gilt: Z C I G 8

9 Der Konsum (C) ( ) Die Funktion C(Y D ) wird Konsumfunktion genannt, Y D bezeichnet das verfügbare Einkommen. Der Konsum nimmt zu, wenn das verfügbare Einkommen zunimmt. Das verfügbare Einkommen (Y D ) (Disposable income (engl.) / Venit disponibil (rom.)) bezeichnet das Einkommen, das dem Verbraucher nach Abzug der Nettosteuern (Steuern minus Transfers) zur Verfügung steht. C C Y D Y Y T D 9

10 Der Konsum (C) Wir spezifizieren die Konsumfunktion als eine lineare Beziehung: C c0 c1yd Diese Funktion hat zwei Parameter, c 0 und c 1 : o c 0 beschreibt, wie viel konsumiert würde, wenn das verfügbare Einkommen Null wäre. Dieser Parameter wird auch als autonomer Konsum bezeichnet. o c 1 bezeichnet die marginale Konsumneigung, also den Effekt den ein zusätzlicher verfügbares Einkommen auf den Konsum hat (0 < c 1 < 1). 10

11 Konsum, C Der Konsum (C) Der Konsum steigt mit dem verfügbaren Einkommen, aber die Steigung der Konsumfunktion ist kleiner als eins. Konsumfunktion C = c 0 + c 1Y D C C Y D Y Y T D C c0 c1 ( Y T ) c 0 45º Steigung: c 1 Verfügbares Einkommen, Y D 11

12 Die Investitionen (I) Variablen, die von anderen Variablen im Modell abhängen, bezeichnet man als endogen. Variablen, die nicht im Modell erklärt werden, bezeichnet man als exogen. Investitionen werden hier als gegeben betrachtet, d.h. sie werden als exogene Variable angenommen: I I 12

13 Die Staatsausgaben (G) Entscheidungen über die Staatsausgaben, G, und über die Höhe der Steuern, T, bezeichnet man als Fiskalpolitik. Auch G und T werden als exogen angenommen. Beachte: T steht für Steuern abzüglich Transfers. 13

14 3.3 Die Bestimmung der Produktion im Gleichgewicht Ein Gleichgewicht auf dem Gütermarkt stellt sich nur dann ein, wenn die Güterproduktion, Y, der Güternachfrage, Z, entspricht: Dies bezeichnet man als Gleichgewichtsbedingung. Dann gilt (für X=IM=0): Y Z Y c0 c1 ( Y T ) I G 14

15 Gleichgewichtsbedingung Y c c ( Y T ) I G 0 1 Im Gleichgewicht entspricht die Produktion Y (linke Seite der Gleichung) der Nachfrage (rechte Seite der Gleichung). Die Nachfrage hängt ihrerseits vom Einkommen Y ab; das Einkommen wiederum ist gleich der Produktion. Somit wird dasselbe Symbol Y sowohl für die Produktion als auch für das Einkommen verwendet. 15

16 Die Formale Analyse Wir formulieren die Gleichgewichtsbedingung um und führen dabei zwei Begriffe ein: Autonome Ausgaben und der Multiplikator: Y c0 c1 ( Y T ) I G 1 c1 Y c0 I G c1t 1 Y c0 I G c1t 1 c Multiplikator 1 Autonome Ausgaben (unabhängig vom Produktionsniveau) 16

17 Nachfrage (Z), Produktion (Y) Die grafische Analyse 17 Gleichgewicht auf dem Gütermarkt Produktion (und Einkommen) sind im Gleichgewicht bestimmt durch die Bedingung, dass die Nachfrage gleich der Produktion ist. Autonome Ausgaben Produktion A Gleichgewicht: Y = Z 45 o Linie Steigung = 1 ZZ Steigung = c 1 Nachfrage c I G c T c Y Z Einkommen Y

18 Nachfrage (Z), Produktion (Y) Der Multiplikatoreffekt 45 o Linie A Y 1 D B C Y A ZZ ZZ Ein Anstieg der autonomen Ausgaben um 1 Mio. steigert die Produktion um ein Vielfaches um 1/(1-c 1 ) Mio.. Y Y 1 Einkommen Y 18

19 Der Multiplikatoreffekt Der Multiplikator ist die Summe sukzessiver Anstiege der Produktion, die aus einem Anstieg der Nachfrage resultieren. Steigt die Nachfrage um 1 Mio., dann ergibt sich nach n Runden eine Erhöhung der Produktion um 1 Mio., multipliziert mit der folgenden Summe: 1 c c... c 2 n Diese Summe bezeichnet man als geometrische Reihe. 19

20 Der Multiplikatoreffekt Anstieg der Staatsausgaben um Δ: t=0 t=1 t=2 t=3... t Zusätzliche Nachfrage Δ c 1 Δ (c 1 ) 2 Δ (c 1 ) 3 Δ c 1 c c c (1 c1 c1 c1...) 1 c 1 20 Gesamteffekt: 1 1 c 1

21 Der Multiplikatoreffekt Geometrische Reihe: 1 c c c... c für 0 c 1 1 c Beweis: 2 3 n (1 c c c... c ) (1 c) 2 3 n 1 c c c... c c c c... c c 2 3 n n 1 lim c n 1 0 für 0 c 1 n 21

22 Die verbale Analyse Kurzfristig wird die Produktion von der Nachfrage bestimmt. Die hängt ihrerseits vom Einkommen ab. Das Einkommen entspricht wiederum der Produktion. Ein Anstieg der Nachfrage (etwa ein Anstieg der Staatsausgaben) führt zu einem Anstieg der Produktion und zu einem entsprechenden Anstieg des Einkommens. Diese Einkommenserhöhung induziert einen weiteren Anstieg der Nachfrage. Das führt wiederum zu einer weiteren Produktionssteigerung usw. Im Endergebnis fällt der Anstieg weit größer aus als die ursprüngliche Verschiebung der Nachfrage, und zwar genau um den Faktor, der dem Multiplikator entspricht. 22

23 Wie lange dauert es, bis der Anpassungsprozess abgeschlossen ist? Nach einem Anstieg der Konsumausgaben wird natürlich nicht sofort das neue Gleichgewicht erreicht. Es findet vielmehr ein allmählicher Prozess der Anpassung statt. Die Geschwindigkeit hängt davon ab, wie schnell die Firmen auf die neue Situation mit Produktionsanpassungen reagieren. Die formale Beschreibung dieser Anpassung der Produktion über die Zeit wird als Dynamik der Anpassung bezeichnet. 23

24 3.4 Investition ist gleich der Ersparnis: Ein alternativer Ansatz für das Gleichgewicht auf dem Gütermarkt Die Private Ersparnis der Konsumenten (S) entspricht der Differenz zwischen verfügbarem Einkommen und Konsum S Y C D Y C I G S Y T C Y T C I G T S I G T I S ( T G) 24

25 Investition ist gleich der Ersparnis Die Ersparnis des Staates ist die Differenz zwischen Steuern und Staatsausgaben (T - G). o o Wenn T > G, dann erzielt die Regierung einen Budgetüberschuss die Ersparnis des Staates ist positiv. Wenn T < G, dann ergibt sich ein Budgetdefizit die Ersparnis des Staates ist negativ. Der Gütermarkt ist nur dann im Gleichgewicht, wenn Investitionen und Ersparnis (die Summe aus privater und staatlicher Ersparnis) gleich sind. Die Nachfrage der Unternehmen nach Investitionen muss also genau dem entsprechen, was private Haushalte und Staat zusammen bereit sind, zu sparen. 25 I S ( T G)

26 Investition ist gleich der Ersparnis Y Haushalte T C G Unternehmen S Staat I Budgetdefizit T-G T-G<0 Budget überschuß Finanzsektor I=S+(T-G) Ersparnis: Summe aus privater Ersparnis und Ersparnis des Staates 26

27 Investition ist gleich der Ersparnis Konsum und Sparentscheidung sind ein und dasselbe: S Y T C Y T c0 c1 Y T S c (1 c )( Y T ) 0 1 c 1 : marginale Konsumneigung; s 1 = 1c 1 : marginale Sparneigung 27 Im Gleichgewicht: 1 I c c Y T T G 0 1 Durch Auflösen nach dem Einkommen erhalten wir das gleiche Ergebnis wie zuvor: 1 1 Y c0 I G c1t 1 c

28 Das Sparparadox Wenn die Konsumenten mehr sparen, konsumieren sie weniger; dadurch sinkt die gleichgewichtige Produktion. Solange die Investitionen unverändert bleiben, kann sich (bei gegebenem T und G) die Ersparnis nicht ändern! Die Leute möchten zwar mehr sparen, aber das Einkommen (und damit die Produktion) geht gerade so stark zurück, dass die Ersparnis unverändert bleibt. Diese überraschende Ergebnis wird als Sparparadox bezeichnet. (Beispiel: Aufgabe 3, Seite 164) 28

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