Perspektiven muslimischer Eltern auf Bildung und Schule wahrnehmen Elternbeteiligung stärken

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1 Perspektiven muslimischer Eltern auf Bildung und Schule wahrnehmen Elternbeteiligung stärken Meryem Uçan und Dr. Susanne Schwalgin Fachtagung des Sozialpädagogischen Fortbildungsinstituts Berlin-Brandenburg Elternpartizipation erfolgreich gestalten , FEZ Wuhlheide

2 Ziele des Workshops Was ist charakteristisch für die Perspektiven muslimischer Eltern auf schulische Bildung, das staatliche Schulsystem und die Institution Schule? Wie können pädagogische Fachkräfte konstruktiv an die Wahrnehmungen dieser Eltern anknüpfen, um sie stärker am schulischen Geschehen zu beteiligen?

3 Übergeordnete zentrale Fragen Sind muslimische Eltern eine spezifische Zielgruppe? Und wenn ja, brauchen pädagogische Fachkräfte zielgruppenspezifische Herangehensweisen, um deren Beteiligung zu stärken? Oder reichen die Haltungen, Zugänge und Techniken der Elternbeteiligung, wie sie in zahlreichen Fachbüchern und Projekten propagiert werden, aus?

4 Das Projekt Brücken im Kiez Informiert und aktiviert muslimische Eltern im Hinblick auf die schulische Bildung ihrer Kinder Schafft einen Raum für Austausch auf Augenhöhe zwischen muslimischen Familien, religiösen Migrantenorganisationen, Schulen und Bildungsträgern Vernetzt religiöse Migrantenorganisationen auf lokaler Ebene mit schulischen und außerschulischen Bildungspartnern Trägt aktiv zum Abbau von Stereotypen und Vorurteilen bei

5 Begriffsklärung I Wen meinen wir mit muslimische Eltern? Definition einer sozialen Gruppe durch singuläre Dimension von Identität birgt die Gefahr der Stereotypisierung Muslime in Deutschland als heterogene Gruppe (ethnische Herkunft, Zuwanderungsgeschichte, Erfahrungen und religiöse Überzeugungen und Praktiken) In unserem Fall: Eltern mit Migrationshintergrund, die aufgrund sichtbarer Zeichen ihrer Religiosität, als Muslime erkennbar sind

6 Begriffsklärung II Unser Verständnis von Elternpartizipation Elternpartizipation als Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Schulen Anerkennung der geteilten Verantwortung für das Kind Gleichberechtigter Dialog auf Augenhöhe als Grundlage Eltern werden so genommen, wie sie sind Pädagogische Fachkräfte haben als Professionelle die Verantwortung für die Gestaltung der Beziehung

7 Perspektiven muslimischer Eltern auf Bildung und Schule I entstehen durch Wechselspiel von Selbst- und Fremdwahrnehmungen individuellen und kollektiven Erfahrungen

8 Fremdwahrnehmung Gesellschaftspolitischer Diskurs über Integration und Muslime: nach der Anatolisierung die Islamisierung der Integrationsdebatte Problematisierung und Skandalisierung migrantischer Eltern und Schulen mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund

9 Selbstwahrnehmung Doppelte Diskriminierung als Migranten und als Muslime Gefühl von Nicht-Zugehörigkeit bei gleichzeitig sich entwickelndem Bewußtsein für Rechte als religiöse Minderheit

10 Perspektiven muslimischer Eltern auf Bildung und Schule II Große Gemeinsamkeiten mit herkunftsdeutschen Eltern bezüglich Bedeutung von Bildung für die Zukunft der Kinder: Wird mein Kind durch die Schule bestmöglich gefördert und gerecht bewertet? Komplexität und Transparenz der Institution Schule: Was macht Schule, wie macht sie es, warum macht sie es? der eigenen Rolle: Wie kann ich mein Kind in der Schule unterstützen?

11 Perspektiven muslimischer Eltern auf Bildung und Schule III Besonderheiten der Zielgruppe ergeben sich durch individuelles und kollektives Erleben als doppelt diskriminierte Minderheit Lebensweltliche Distanz zu schulischen Fachkräften zum Teil sprachliche Hürden und soziokulturelle Unterschiede

12 Perspektiven muslimischer Eltern auf Bildung und Schule III Führt zu größerem Mißtrauen und Vorsicht der Institution Schule und dem pädagogischen Personal gegenüber größerer Unsicherheit und Befangenheit im Kontakt zur Schule Tendenziell zu verengtem Interpretationsrahmen (Erleben von Diskriminierung) bei Konflikten und Unsicherheiten mit Pädagogen Stellt eine Herausforderung für die Eltern-Pädagogen- Beziehung dar, die von Pädagogen professionell angenommen werden muss

13 Perspektiven muslimischer Eltern auf Bildung und Schule V Dominante Wahrnehmungsmuster Eltern denken, dass sie vom deutschen Personal als rückständig, fundamentalistisch eingestuft werden, wenn ihre Religiosität offensichtlich ist vorherrschend abwertender Diskurs über muslimische Eltern macht sie befangen, die Befangenheit nehmen Lehrer als Irritation wahr Eltern erleben, vermittelt über die Erfahrungen der Kinder, dass Religiosität und Andersartigkeit negativ hervorgehoben wird Eltern vermuten vielfach, dass aufgrund divergierender Wertevorstellungen zwischen ihnen und dem System Schule Nachteile für ihre Kinder entstehen Eltern ermahnen ihre Kinder deshalb zur Vorsicht, dass sie sich nicht auf Problemdiskussionen mit Lehrern bezüglich ihrer religiösen Einstellung einlassen sollen Eltern bedauern es, dass ihre Kinder es schwerer haben, Vertrauen zu Pädagogen zu haben

14 Braucht die Schule für muslimische Eltern zielgruppenspezifische Vorgehensweise? Ja, in einem Punkt: Diskriminierungserfahrungen und Angst vor Diskriminierung aufgrund religiöser Identität muss ernst genommen werden

15 Wie kann die Schule konstruktiv an diese Perspektiven anknüpfen? Zwei Möglichkeiten auf der Ebene des Systems Schule auf der Ebene der individuellen Haltung des pädagogischen Personals

16 Zentral für beide Ebenen ist Perspektiven muslimischer Eltern müssen ernst genommen werden

17 Was können pädagogische Fachkräfte tun? Haltungen und Prinzipien eines konstruktiven Umgangs mit Eltern aktiv anwenden Interkulturelle Kompetenz erwerben und anwenden

18 Das heißt: Wertschätzung der Eltern und nachfragende Haltung des Nicht-Wissens Ressourcen der Eltern erkennen und einbeziehen und einfordern (Börek machen reicht nicht!) eigene Haltung muslimischen Eltern gegenüber distanziert und selbstkritisch überprüfen sich in die Perspektive der Eltern einfühlen und die eigene Perspektive transparent kommunizieren und erklären sprachliche Barrieren aktiv abbauen

19 Was kann die Schule als Gesamtsystem tun? Demokratische Schulentwicklung ernst nehmen! Transparente Politik zu Diskriminierung erarbeiten und alle am Schulleben Beteiligten einbeziehen In Aushandlungsrunden herausarbeiten, was dies auf der Handlungsebene aller am Schulleben beteiligter konkret heißt Ergebnisse klar und verständlich kommunizieren

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