Gottesdienst 9. Februar 2014 Richterswil, Ronald Herbig Weil.Fromme Märchen für die Seele? Ps 43 / 2. Petr 1,16-19

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1 Gottesdienst 9. Februar 2014 Richterswil, Ronald Herbig Weil.Fromme Märchen für die Seele? Ps 43 / 2. Petr 1, Schaffe mir Recht, Gott, und führe meine Sache gegen treuloses Volk, errette mich vor falschen und bösen Menschen. 2Du bist der Gott meiner Zuflucht. Warum hast du mich verstossen? Warum muss ich trauernd umhergehen, bedrängt vom Feind? 3Sende dein Licht und deine Wahrheit, sie sollen mich leiten, mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. 4So will ich hineingehen zum Altar Gottes, zum Gott meiner Freude. Jauchzend will ich dich mit der Leier preisen, Gott, mein Gott. 5Was bist du so gebeugt, meine Seele, und so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihn wieder preisen, ihn, meine Hilfe und meinen Gott. 16Denn nicht weil wir klug ausgedachten Mythen gefolgt sind, haben wir euch die Macht und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus kundgetan, sondern weil wir Augenzeugen seines majestätischen Wesens geworden sind. 17Denn empfangen hat er von Gott, dem Vater, Ehre und Anerkennung, als eine Stimme von der erhabenen Herrlichkeit her erklang, die zu ihm sprach: Das ist mein Sohn, mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Wohlgefallen. 18Und diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm zusammen auf dem heiligen Berg waren. 19Eine umso festere Grundlage haben wir darum im prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten, wie auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Liebe Gemeinde, derzeit messen sich wieder die Sportler aller Welt bei den Olympischen Winterspielen. Da geht es um vollen Einsatz, vor allem körperlich. Vollen Einsatz, aber für die Seele, zeigt auch unser Verfasser des 2. Petrusbriefes. Seine Sache ist ihm so wichtig, dass er unter dem Namen des Petrus schreibt damals gab es so etwas wie copyright, Urheberrechte noch nicht Sozusagen vom Rande des Neuen Testaments, in der jüngsten Schrift desselben, erinnert er an die Überlieferung der Apostel. Da das unmittelbare, wörtlich verstandene Wiederkommen des 1

2 Christus ausblieb, machten sich auf dem religiösen Markt der Möglichkeiten allerhand zum Teil esoterische Vorstellungen und Fantasien breit. Klug ausgedachte Mythen nennt es der Briefschreiber, fromme Märchen könnte man etwas salopper sagen. Eine Situation ganz ähnlich wie heute, wo zwar allerorts von neuer Religiosität oder der Wiederkehr der Religion die Rede ist was aber nicht immer in unseren Kirchen ankommt Demgegenüber will unser Verfasser erinnern, worum es wirklich geht. Vielleicht sind wir versucht zu fragen: Was geht uns das an? Nun: Wenn es um Licht und Trost für die Seele geht, dann geht es ums Ganze. Halbbatziges hat da keinen Platz. Damit sind sicher alle einverstanden. Egal, wie wir uns nun die Seele und vor allem unsere eigene vorstellen. Wir sind da sehr nahe dran an der 1. Frage des Heidelberger Katechismus: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Und dazu haben wir etwas zu sagen. Und müssen das auch tun. Sonst werden wir leicht verwechselbar und beliebig und damit vernachlässigbar in eben jenem Markt der Möglichkeiten. Die Entwicklung in der gesamthelvetischen Bildungslandschaft leistet leider dieser Entwicklung Vorschub. Sicher ist es gut und wichtig, über sämtliche Religionen und Formen des Glaubens 2

3 und Unglaubens informiert zu sein bereichernd wird das erst, wenn ich selber weiss, wo ich stehe und was mir Halt gibt. Verdichtet in der eben genannten Frage: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Etwas fällt auf, wenn wir mit dieser Frage weit zurückgreifen im Schatz unseres Glaubens: Im heutigen Psalm (Ps 43) verweist der Beter, nach der Klage über seine Bedrängnis, seine Seele wie etwas Aussenstehendes, wie eine zweite Person, auf ihre Hilfe: Was bist du so gebeugt, meine Seele, und so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihn wieder preisen, ihn, meine Hilfe und meinen Gott. Dass wir so etwas wie eine Seele haben, die getröstet werden will, wird fraglos vorausgesetzt. Auch hier das Erinnern: Der Beter fordert seine Seele auf, auf Gott zu vertrauen, den er wieder preisen wird, wie er es früher schon getan hat. In der Situation des Verrates und der Bedrängnis, die für jeden von uns immer eine ganz eigene sein kann, bittet er um Licht und Wahrheit. Im Hebräischen übrigens dasselbe Wort wie Treue! Er erinnert uns an die Sehnsucht nach dem heiligen Berg damit ist nicht ein Berg gemeint, von dem man mit einem oder zwei Brettern unter den Füssen hinabflitzen kann, was ja grade 3

4 wieder sehr aktuell ist. Der heilige Berg das ist ein Bild für das, wovon aus man den Überblick hat. Sieht, was wichtig ist und was nicht was oft genug schwierig genug zu unterscheiden ist Der heilige Berg da findet Wesentliches statt, das ist ein Bild sozusagen für den Blickwinkel Gottes. Darauf greift in seiner Erinnerung an das Wesentliche auch unser Petrusbrief zurück: Er erinnert uns an die Sohnschaft des Christus, die nicht biologisch, sondern geistlich zu verstehen ist. So wie auch wir als Christen voneinander als Brüdern und Schwestern reden, ohne direkt miteinander biologisch verwandt zu sein. Unser Petrusbrief stellt uns noch einmal vor Augen, dass sich Jesus Christus in seinem Leben, Reden und Handeln zu Gott wie ein Sohn zu seinem Vater verhält. Ganz der Vater, sagen ja auch wir ab und zu Das ist wichtig, wenn es um die Frage geht, was unser einziger Trost im Leben und im Sterben ist. Klug ausgedachte Mythen, fromme Märchen helfen da nicht weiter, wenn sie zumeist Menschenwerk sind. Aber dass sich Gott mit unserem menschlichen Dasein in Christus in einem konkreten Menschenleben, im Laufe der Weltgeschichte, ganz und gar verbunden hat, das schon. Oder wie es der eingangs genannte Heidelberger Katechismus auf die 4

5 Frage nach dem einzigen Trost in seiner eigentümlichen Sprache sagt: Dass ich meines getreuen Heilands Jesus Christus eigen bin. Da haben wir sie wieder, die Treue. Gottes Treue in den Höhen und Tiefen des Lebens. Und dass wir ganz ihm zu eigen sind, Ihm gehören, weil wir zu Christus gehören, seine Angehörigen sind. Sonst würden wir uns ja nicht Christen nennen. Zu Christus gehören, der uns heil machen möchte, ganz, wo wir verletzt sind, uns verraten und verloren fühlen. Das ist etwas anderes als fromme Märchen, klug ausgedachte Mythen, die unsere Neugier kitzeln, uns zu begeistern vermögen. Das reicht. So einfach und doch so grossartig. Seine Seele daran immer wieder zu erinnern, gibt Halt. Das ist Wegzehrung, Seelennahrung. Darum legt uns unser Petrusbrief auch ans Herz: Ihr tut gut daran, darauf zu achten, wie auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. So poetisch kann der Trost für die Seele sein. So schön kann die Antwort auf die Bitte unsres Psalms, und auf unsere Bitte sein, die wir immer wieder rufen dürfen: Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten, und ich dir danke, dass du mir hilfst. Amen 5

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