Der schönste Teddyname der Welt

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1 Der schönste Teddyname der Welt Anna sauste mit dem Fahrrad vom Kindergarten nach Hause. Sie hatte es eilig. Im Hof ließ sie das Rad fallen und rannte ins Haus. Mama, Mama, du musst mir helfen. Morgen feiern wir Kindertag. Wir dürfen ein Lieblingsspielzeug mitbringen. Ich kann mich nicht entscheiden. Annas Mama zog die Stirn kraus, wie immer, wenn sie nachdachte. Womit spielst du am liebsten? Ich weiß nicht. Ich habe kein Lieblingsspielzeug. Sie kaute auf der Unterlippe und schaute ihre Mama an. Du könntest Kasper oder Puppe Lilli mitnehmen. Och, darauf habe ich keine Lust. Du könntest dein Zimmer aufräumen. Vielleicht findest du etwas, dass du mitnehmen möchtest. Aufräumen, dazu hatte Anna erst recht keine Lust. Bitte Mama, noch ein Vorschlag, bettelte sie. Wie wäre es mit Teddy? Er war einmal dein bester Freund. Teddy? Mama, du bist die Beste. Den nehme ich mit. Sie rannte in ihr Zimmer. Wo war er? Im Regal saßen Kasper, Clown, und Puppe Lilli. Teddy, wo bist du? Kam da ein leises Brummen aus der Spielzeugkiste? Anna griff hinein und zog Teddy am Ohr heraus. Hallo Teddy. Du kommst morgen mit in den Kindergarten. Er war überrascht und vergaß zu brummen. Tagelang lag er in der Spielzeugkiste und nun durfte er mit in den Kindergarten? Er konnte es nicht fassen. Am anderen Morgen saß er im Fahrradkorb und freute sich über den Wind, der ihm um die Ohren sauste. Im Kindergarten herrschte buntes Treiben. Als Anna ihre Freundin sah, ließ sie

2 ihren Teddy fallen und rannte los. Lange lag er im Gras und schaute zu, wie alle spielten. Die Igel tollten herum und Affe Bimbo schlug Purzelbäume. Als er vor Teddys Füßen landete, lachten alle. Es war lustig. Doch Teddy war nicht zum Lachen zumute. Keiner spielte mit ihm. Was ist los, dachte er. Bin ich unsichtbar? Er schaute an sich herunter. Nein, bin ich nicht. Aber warum beachtet mich keiner? Ich will auch mitspielen." Er tapste zu Bimbo. Hau ab, du störst. Wir spielen Fangball. Teddy sah sich um. Doch keiner wollte ihn. Er fühlte sich allein gelassen. Anna kümmerte sich auch nicht. War er noch ihr Lieblingsteddy? Er saß da und grübelte. Warum darf ich nicht mitspielen? Ich muss es herausfinden. Er fasste sich ein Herz und rief laut: Warum spielt ihr nicht mit mir? Dabei haute er trotzig mit der Tatze ins Gras. Erstaunt drehten sich alle nach ihm um. Bimbo sagte: Mit so einem wie dir, kann man nicht spielen. Du bist strubbelig und hast keinen Namen. Wie sollen wir dich rufen? Teddy? Das ist doof. Du bist kein Lieblingsspielzeug. Du bist ein Nichts. Vielleicht hast du gar kein Zuhause und jemand hat dich einfach weggeschmissen. Weggeschmissen? Kein Lieblingsspielzeug? Das war Teddy zuviel. Natürlich habe ich ein Zuhause und zwar bei Anna, rief er verzweifelt. Das kann schon sein. Aber sie hat dich nicht lieb, sonst hättest du einen Namen. Mich nicht lieb? Warum hat Anna mich zum Kinderfest mitgenommen? Sollten nicht alle ihr Lieblingsspielzeug mitbringen? Also, war er eines oder nicht? Mm, er war sich 2

3 nicht mehr so sicher. Es stimmte wohl, was Bimbo sagte. Er war ein strubbeliges Nichts. Er kauerte sich zusammen und dicke Tränen kullerten in sein Fell. Er fand sich auch nicht mehr schön. Als Anna ihn bekam, hatte er glänzendes Fell, das sie jeden Tag bürstete. Zwar hatte sie ihm keinen Namen gegeben aber es störte ihn nicht. Sie spielte mit ihm. Abends bekam er sogar eine Gute Nacht Geschichte. Jetzt lag er oft in der Spielzeugkiste oder in der Ecke. Einmal hatte sie ihn im Garten vergessen, wo er sich im Dunkeln fürchtete. Bei diesem Gedanken zuckte er zusammen und sah sich erschrocken um. Er hatte nicht bemerkt, dass alle fort waren. Hatte Anna ihn wieder vergessen? Er wollte weg. Aber wohin? Er kannte den Weg nach Hause nicht. Schritte kamen näher. Er hielt sich die Augen zu und jemand hob ihn auf. Verzweifelt strampelte er und brummte laut. Da bist du ja. Wir haben dich vermisst. Mich, vermisst? Hatte er sich verhört? Vorsichtig nahm er die Tatzen von den Augen. Es war Annas Mama. Wir haben dich vermisst. Anna weint. Es geht ihr nicht gut. Sie kann nicht schlafen. Sie hatte Bauchweh. Ihre Kindergärtnerin hat sie nach Hause gebracht und dich dabei vergessen. Das passt zu Anna, weil sie mich nicht lieb hat. Ach Teddy, guck nicht so. Anna weiß, dass sie dich vernachlässigt hat. Sie bereut es und möchte es wieder gutmachen. Wieder gutmachen. Die Worte schwirrten Teddy im Kopf herum. Wie will sie das machen? Anna lag in ihrem Bett und weinte. Ihre Mama setzte sich auf die Bettkante und legte ihr den Teddy aufs Kopfkissen. Hier hast du deinen 3

4 Bären. Das nächste Mal pass besser auf ihn auf. Anna wischte die Tränen fort und versprach, sich zu bessern. Mama stupste sie an der Nase und gab ihr einen Gute Nacht Kuss. Ach, sag mal, wie heißt dein kleiner Freund? Immer noch Teddy? Anna fühlte sich ertappt. Darüber hatte sie nie nachgedacht. Er war eben nur ihr Teddy. Er hatte keinen Namen. Sie schaute ihn an. Süß sah er aus mit den braunen Knopfaugen und der Stupsnase. Ziemlich strubbelig aber egal. Als Mama das Zimmer leise verließ kuschelte sie sich an ihn. Sie dachte an das Kinderfest und an Teddy. Er war ein Bär ohne Namen. Ob er deshalb so traurig geschaut hatte? Anna drückte ihn. Schlaf gut Teddy. Morgen bürste ich dein Fell, versprochen. Dann bist du der schönste Teddybär. Obwohl sie schnell eingeschlafen war, schlief sie unruhig. Im Traum sah sie ihren kleinen Freund traurig vom Sternenhimmel herunterschauen. Er winkte und rief: Bitte spielt mit mir. Doch niemand kümmerte sich um ihn. Sie riefen: Du hast keinen Namen, niemand hat dich lieb. Geh fort und komm erst wieder, wenn du einen Namen hast. Schweißgebadet wachte Anna auf. Was war das? Hatte sie geträumt oder war es Wirklichkeit? Sie zog sich die Bettdecke über den Kopf, tastete nach ihrem Teddy und drückte ihn fest an sich. Wenn ich nur einen Namen für dich hätte. Soll ich dich Brummi, Tapsi oder einfach Petzi nennen? Nein, so heißen alle. Das ist kein Name für einen Lieblingsteddy. Es muss ein besonderer Name sein. Bestimmt fällt mir morgen einer ein. 4

5 Mit diesen Worten schmiegte Anna sich an ihn und versuchte einzuschlafen. Wie schön weich und kuschelig du bist, so richtig zum Knuddeln. Das ist es, zum Knuddeln, rief sie und setzte sich auf. Teddy, ich habe einen Namen. Er wird dir gefallen. Aufgeregt legte sie ihn vor sich auf die Bettdecke und sagte feierlich: Teddy, ich taufe dich auf den Namen Knuddelduddel. Es ist der schönste Teddyname der Welt und morgen feiern wir Namenstag. Vorher bürste ich aber dein Knuddelduddelfell. Sie gab ihm einen dicken Gute-Nacht-Kuss auf seine Stupsnase, kuschelte sich an ihn und schlief zufrieden ein. Sie sah nicht mehr, wie er schmunzelte. Er war wieder Annas Lieblingsteddy, nicht irgendein strubbeliger Geselle. Sogar einen Namen hatte er jetzt. Außerdem fand er, dass Knuddelduddel ein ganz besonderer Name war, eben der schönste Teddyname der Welt. von Brigitte Wilde 5

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