Kompass. Dezember Verantwortung für Ihr Vermögen.

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1 Kompass Dezember 2014 Die jüngste Entwicklung von Finanzund US Arbeitsmarkt Flash Crash am Bondmarkt Steigende Kurse am Aktienmarkt - Wann das Ende naht Die Gebote der Geldanlage - Teil I Verantwortung für Ihr Vermögen.

2 Steigende Kurse am Aktienmarkt, und wann das Ende naht. Seit Jahresbeginn steigen die Kurse nahezu aller Anlageklassen. Die jüngste Entwicklung auf dem Bondmarkt zeigt allerdings, dass die Märkte überaus nervös sind. Am 15. Oktober ereignete sich auf dem US Rentenmarkt ein sogenannter Flash Crash. Binnen einer Stunde fiel die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen um 28 Basispunkte. Infolge der Nervosität an den Finanzmärkten und dem jahrelangen Anstieg der Aktienmärkte erscheint die Frage legitim, welche Veränderungen ein Ende der Hausse am Aktienmarkt frühzeitig signalisieren. Aus unserer Sicht sind dies drei Indikatoren: die Lohnquote, die Gewinnmarge der Unternehmen und das strukturelle Defizit des Staates. In jüngerer Zeit entwickelten sich alle drei Indikatoren erfreulich - ihre weitere Bewegung gilt es jedoch zu beobachten. Im dritten Teil des Kompass beschreiten wir einen neuen Weg. In einer Serie stellen wir Gebote vor, welche bei der Geldanlage beachtet werden sollten. Im ersten Teil von Wissen und Erfahrung präsentieren wir die Erwartungsbildung, das Setzen von Verlustgrenzen und das Prinzip der Diversifikation. Sektorrotation der Aktien infolge des Momentums Derzeit gibt es keine Anzeichen, welche für ein Ende der Aktienmarkthausse sprechen (s. Aktualität). Angesichts des hohen Kursniveaus globaler Aktien belassen wir ihre Allokation jedoch vorerst auf neutral. In einem Marktumfeld, in dem die Leitzinsen auf historischen Tiefs verweilen, halten wir an einer Untergewichtung von Anleihen fest, zugunsten Schweizer Immobilien. Für die Referenzwährungen EUR und USD bleibt die Allokation aller Anlageklassen auf neutral. Innerhalb der Aktien rotieren wir die Sektoren aufgrund des aktuellen Momentums. Wir reduzieren die Gewichtung des Energiesektors auf neutral und erhöhen im Gegenzug das Gewicht des Sektors der Basiskonsumgüter. Im Bereich der Obligationen bevorzugen wir nach wie vor Unternehmens- gegenüber Regierungsanleihen. Bei Anleihen aus Schwellenländern und hochverzinslichen Anleihen belassen wir die jeweils leichte Untergewichtung. Asset Allocation Empfehlung per für einen Anleger mit Basiswährung CHF. Anlageklassen Aktien Anleihen Gold Cash Immobilien CH Aktiensektoren Nicht-Basiskonsumgüter Basiskonsumgüter Versorger Finanz Gesundheit Industrie Telekom Rohstoffe Informationstechnologie Energie Anleihen Regierungsanleihen Unternehmensanleihen Schwellenländer Hochverzinsliche Anleihen In einem Umfeld, in dem verschiedene Zentralbanken eine Politik des billigen Geldes praktizieren, ist eine Aussage hinsichtlich der Währungen schwierig. Aus diesem Grund beziehen wir bei allen Fremdwährungen eine neutrale Position. Währungen US-Dollar Euro Pfund Schweizer Franken mittel neutral mittel Untergewichtet Übergewichtet Dreyfus Banquiers Dezember 2014 Seite 2

3 Grundtrend: Die jüngste Entwicklung von Finanz- und US Arbeitsmarkt Grundtrend 1: Indexierte Wertentwicklung in CHF Dez. 13 Feb. 14 Apr. 14 Jun. 14 Aug. 14 Okt. 14 Globale Aktien Globale Staatsanleihen Gold Emerging Markets Aktien Rohstoffe Globale Immobilienfonds Wertentwicklung verschiedener Anlageklassen seit Jahresbeginn Seit Jahresbeginn konnten nahezu alle Anlageklassen an Wert gewinnen. Vor allem globale Immobilienfonds und Staatsanleihen entwickelten sich in einem Umfeld historisch niedriger Zinsen besonders positiv. Mit 28.1% bzw. 14.6% verzeichnen beide Anlageklassen die höchsten Zugewinne. Globale Aktien und jene der Emerging Markets gaben zu Anfang diesen Jahres zunächst an Wert ab. Bis Mitte Mai konnten sie ihre Verluste jedoch vollständig kompensieren und legten bis Mitte November um 13.1% bzw. 8.6% zu. Die Preise für Rohstoffe sind infolge der Wechselkursveränderung USD/CHF seit Jahresbeginn nahezu unverändert. Demgegenüber legte Gold um 5.9% zu. Grundtrend 2: Rendite 10-jähriger US Staatsanleihen in % p. a :00 10:00 11:00 12:00 13:00 14:00 15:00 16:00 17:00 Rendite 10-jähriger US Staatsanleihen am Flash Crash am Bondmarkt - so nervös sind die Märkte Einer der grössten und liquidesten Finanzmärkte auf der Welt ist der US-Rentenmarkt. Infolge besonders vieler Transaktionen sind Kursbewegungen eher kleiner Natur. Am 15. Oktober 2014 allerdings, an einem Tag an dem die globalen Aktienmärkte zeitweise deutlich an Wert verloren, flüchteten sich viele Marktteilnehmer in US- Staatsanleihen. Durch die hohe Nachfrage fiel die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen binnen einer Stunde von 2.15% auf 1.87%. Eine derartige Bewegung wird in Finanzkreisen als Flash Crash bezeichnet. Sie zeigt, wie nervös die Marktteilnehmer sind. Bei sich andeutenden Korrekturen am Aktienmarkt schichten sie (bzw. automatische Handelssysteme) ihr Portfolio blitzschnell in sichere Anlageklassen um. Grundtrend 3: Durchschnittliche Veränderung des Federal Reserve Labor Market Conditions Index Dez. 99 Dez. 01 Dez. 03 Dez. 05 Dez. 07 Dez. 09 Dez. 11 Dez. 13 Federal Reserve Labor Market Conditions Index Einer der wichtigsten Indikatoren für die Entwicklung der US Wirtschaft Für die Prognose der Entwicklung der US Wirtschaft gibt es eine Vielzahl von Indikatoren. Einer der wichtigsten ist der von der US Notenbank berechnete Labor Market Conditions Index. Dieser Index umfasst 19 verschiedene Subindikatoren, welche die Veränderung am US Arbeitsmarkt widerspiegeln. Zu diesen Subindikatoren zählen u. a. die Arbeitslosenrate, die Lohnentwicklung oder die Anzahl von Neueinstellungen und Kündigungen. Ein statistisches Modell gewichtet die Veränderung eines jeden Indikators und aggregiert sie zu einem Indexwert. Seit einiger Zeit ist der Labor Market Conditions Index im positiven Bereich. Er signalisiert damit eine positive Entwicklung auf dem US Arbeitsmarkt, ohne Lohndruck. Dreyfus Banquiers Dezember 2014 Seite 3

4 Aktualität: Steigende Kurse am Aktienmarkt, und wann das Ende naht. Aktualität 1: Lohnquote 70% 66% 62% Relative Vorsteuergewinne 58% Dez. 47 Dez. 57 Dez. 67 Dez. 77 Dez. 87 Dez. 97 Dez. 07 US Lohnquote (linke Skala) US Vorsteuergewinne relativ zum Volkseinkommen (rechte Skala) 17% 13% 9% 5% Indikator 1: Die Lohnquote Seit dem Ende der Finanzkrise 2008 steigen die Aktienkurse nahezu unaufhaltsam. Insofern stellt sich die Frage, welche Veränderungen zu einem Ende dieser Kursrallye führen könnten. Betrachten wir dazu zunächst, wie sich der Kurs einer Aktie bestimmt. Aus Bewertungssicht ist der Aktienkurs eine Funktion der erwarteten Unternehmensgewinne. Wachsen diese, steigt der Aktienkurs. Ein Element des Gewinns sind die Lohnkosten. Gemeinhin werden die Lohnkosten in Relation zum Volkseinkommen gemessen. Dieses Verhältnis wird als Lohnquote bezeichnet. In den letzten Jahren ist die Lohnquote in den USA kontinuierlich gesunken, die Aktienkurse stiegen. Ein nachhaltiger Anstieg der Lohnquote würde als Indiz für ein Ende steigender Kurse am Aktienmarkt gelten. Aktualität 2: Gewinnmarge Mrz. 81 Mrz. 86 Mrz. 91 Mrz. 96 Mrz. 01 Mrz. 06 Mrz. 11 US Gewinnmarge (linke Skala) US Gewinnmargenindikator (rechte Skala) Indikatorwert Indikator 2: Die Gewinnmarge der Unternehmen Ein weiterer Faktor, welcher die aktuelle Kursentwicklung am Aktienmarkt gefährden könnte, ist die Gewinnmarge. Die Gewinnmarge ist das Verhältnis von Bruttogewinn zu Umsatzerlösen. Sie beschreibt, wieviel Gewinn erzielt wird, für eine Geldeinheit an Umsatz. Die Entwicklung der Gewinnmarge lässt sich durch einen einfachen Indikator prognostizieren. Dieser setzt den Absatzpreis zu den Lohnstückkosten ins Verhältnis. Steigt der Indikator, erhöht sich die Gewinnmarge. Eine höhere Gewinnmarge ist gleichbedeutend mit höheren Unternehmensgewinnen, und in der Folge mit steigenden Aktienkursen. Fällt der Indikator auf die in den späten 1990er Jahren erzielten Werte, mahnt dies zur Vorsicht auf dem Aktienmarkt. Aktualität 3: Relative Wertentwicklung in % IMF US Strukturdefizit/-überschuss als Prozentsatz des Bruttoinlandsproduktes Indikator 3: Das Strukturdefizit des Staates In einer Volkswirtschaft fragt neben den Privathaushalten und Unternehmen vor allem der Staat Güter und Dienstleistungen nach. Seine Nachfrage wird über ein Haushaltsbudget definiert. Dieses Budget beinhaltet eine zyklische und nicht-zyklische Komponente. Die zyklische Komponente umfasst konjunkturabhängige Ausgaben, wie z. B. für die Arbeitslosenversicherung. Die strukturelle Komponente hingegen beschreibt die steuerbaren Ausgaben, also die Sünde des Staates. Gemeinhin wird das Strukturdefizit mit dem Bruttoinlandsprodukt verglichen. Ist der relative Wert deutlich negativ, beansprucht der Staat einen beträchtlichen Anteil der verfügbaren Ressourcen bzw. Ersparnisse. Bei einer Zunahme des Strukturdefizits wächst die Gefahr steigender Zinssätze, wodurch die Aktienmarkthausse bedroht würde. Dreyfus Banquiers Dezember 2014 Seite 4

5 Wissen & Erfahrung: Die Gebote der Geldanlage - Teil I Gebot 1: Wertentwicklung Dez. 99 Dez. 01 Dez. 03 Dez. 05 Dez. 07 Dez. 09 Dez. 11 Dez. 13 Beispielhafte Wertentwicklung einer Kapitalanlage Die Zukunft zählt, nicht (nur) die Vergangenheit Sehr häufig wird bei Geldanlagen einzig die vergangene Kursentwicklung betrachtet. Aus dieser wird gemeinhin das Risiko einer Kapitalanlage berechnet (gemessen durch die Quadratwurzel der Schwankungsbreite der Rendite). Oftmals ist die Vergangenheit indikativ für zukünftige Wertentwicklungen - so beispielsweise bei Trendfolgesystemen. Viel wichtiger ist jedoch die Zukunft. Bilden Sie sich eine eigene Meinung über die Entwicklung einer Anlageklasse, eines Sektors, oder eines Unternehmens. Investieren Sie dort, wo Sie ein höheres Renditepotenzial sehen als andere Marktteilnehmer. Beachten Sie dabei auch das Risiko - nicht nur der Vergangenheit, sondern auch das erwartete Risiko. Denn an der Börse wird die Zukunft gehandelt! Gebot 2: Wertentwicklung Dez. 13 Feb. 14 Apr. 14 Jun. 14 Aug. 14 Okt. 14 Beispielhafte Wertentwicklung einer Kapitalanlage Die Hoffnung stirbt zuletzt - Verlustgrenzen setzen Viele Investoren halten nach dem Kauf einer Anlage sehr lange an ihr fest. Nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten. Grundsätzlich ist dies richtig. Allerdings sollte sich ein Investor vor dem Kauf überlegen, welchen Verlust er maximal ertragen kann. Fällt der Kurs einer Anlage beispielsweise um 20% unter den Kaufpreis, sollten Emotionen ausgeschaltet werden. Handeln Sie rational. Überprüfen Sie Ihre Analyse. Fragen Sie sich objektiv, ob die Zukunftsperspektiven für die Anlage unverändert sind. Unterstützend bietet Ihnen Ihre Bank sogenannte stop loss orders. Fällt der Kurs unter einen bestimmten Wert, wird die Position automatisch verkauft. Gebot 3: Standardabweichung in % p. a Anzahl Einzeltitel Portfoliorisiko Diversifikation - Streuen Sie Ihr Geld! In der Praxis ist häufig zu beobachten, dass Anleger in nur wenige Einzeltitel investieren. Bereits 1952 zeigte der spätere Nobelpreisträger Harry M. Markowitz, dass durch Streuung des Geldes in verschiedene Einzelanlagen dieselbe Rendite erzielt werden kann, bei geringerem Risiko (gemessen durch die Schwankungsbreite der Portfoliorendite). Denn Risiken betreffen verschiedene Anlagen nicht in gleichem Masse. Durch Diversifikation, so das Zauberwort, lässt sich ein Teil des Risikos herausfiltern. Bereits bei 20 bis 30 Anlagen gilt ein Portfolio als breit diversifiziert (je nach Stärke des Zusammenhangs der gemeinsamen Risiken). Die nebenstehende Grafik illustriert, wie das Risiko eines Portfolios bei zunehmender Anzahl der Einzeltitel sinkt. Dreyfus Banquiers Dezember 2014 Seite 5

6 Bei den in unserer Analyse verwendeten Kursen handelt es sich um Schlusskurse des jeweiligen Zeitraumes. Die unseren Bewertungsmodellen zu Grunde liegen-den Zahlen sind datumsbezogene Schätzungen und somit mit Risiken behaftet. Diese können sich jederzeit ohne Ankündigung ändern. Die Verwendung von Bewertungsmodellen schliesst das Risiko nicht aus, dass faire Bewertungen über einen genannten Anlagezeitraum nicht erreicht werden. Eine unüberschauhbare Vielzahl von Faktoren hat Einfluss auf die Kursentwicklung. Unvorhersehbare Änderungen können sich zum Beispiel aus technologischen Entwicklungen, aus gesamtkonjunkturellen Aktivitäten, aus Wechselkursschwankungen oder aus Änderungen gesellschaftlicher Wertvorstellungen ergeben. Diese Erörterung von Bewertungsmethoden und Risikofaktoren erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dreyfus Söhne & Cie AG, Banquiers veröffentlicht den Kompass vier Mal pro Jahr. Die Publikation richtet sich an Kunden der Bank und Interessierte. Sie stellt auszugsweise dar, mit welchem Instrumentarium und mit welcher Methodologie die Bank das Geschehen rund um die Finanzmärkte verfolgt. Der Kompass leistet Orientierungshilfe, kann aber den individuellen Portfoliokontext nicht berücksichtigen. Dreyfus Söhne & Cie AG, Banquiers Kontakt: Dr. Uwe Heller Dreyfus Söhne & Cie AG, Banquiers Aeschenvorstadt 16 Postfach 4002 Basel Schweiz Telefon Fax Dreyfus Banquiers Dezember 2014 Seite 6

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