Dr.-Ing. Willi Fuchs Direktor des VDI Verein Deutscher Ingenieure e.v. Vortrag von Dr. Fuchs vor dem EU-Parlament, Brüssel 26.

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1 Dr.-Ing. Willi Fuchs Direktor des VDI Verein Deutscher Ingenieure e.v. Vortrag von Dr. Fuchs vor dem EU-Parlament, Brüssel 26. Oktober 2010 Improving Recognition of Professional Qualifications 1

2 Sehr geehrte Damen und Herren, der IMCO-Vorsitzende, Herr Harbour, hat mich gebeten, Ihnen über die deutschen Erfahrungen zur grenzüberschreitenden Anerkennung beruflicher Qualifikationen aus der Perspektive der Ingenieure zu berichten. Dieser Bitte komme ich gerne nach, da ich nicht nur über die deutsche Sicht berichten kann, sondern auch über die der europäischen Ingenieure. Somit reflektieren meine Ausführungen sowohl die Position des Vereins Deutscher Ingenieure, VDI, dem ich als Direktor vorstehe, als auch die Position des Dachverbandes der europäischen Ingenieurvereine FEANI (European Federation of National Engineering Associations). Zunächst möchte ich Ihnen sowohl den VDI als auch die FEANI kurz vorstellen: Der VDI ist eine gemeinnützige Organisation und mit persönlichen Mitgliedern, einer der größten technischwissenschaftlichen Vereine Europas. 130 hauptamtliche Mitarbeiter koordinieren die Arbeit von ehrenamtlichen Experten, die sich mit Ihrem Know-how für den VDI engagieren. Mit einer Vielzahl wissenschaftlicher Tagungen, Richtlinien, Studien und Stellungnahmen fördert der VDI den fachlichen Austausch und die gesellschaftliche Diskussion zu Technikthemen. FEANI ist der europäische Dachverband der nationalen Ingenieurverbände. Er vertritt die Interessen der Ingenieurvereine aus allen EU-Mitgliedstaaten sowie weitere vier europäische Länder. Insgesamt repräsentiert FEANI über seine nationalen Mitgliedsorganisationen mehr als 4 Millionen Ingenieure. 2

3 Meine Damen und Herren, damit komme ich zum heutigen Thema. Unternehmen, aber auch Ingenieurdienstleister und Ingenieurbüros engagieren sich zunehmend im europäischen Ausland. Mit der fortschreitenden wirtschaftlichen Integration in Europa nimmt damit auch für Ingenieure die Bedeutung grenzüberschreitender Mobilität stetig zu. Der Bedarf an international mobilen Ingenieuren in Europa wird zudem aufgrund der unterschiedlichen Verfügbarkeit von Ingenieuren in den einzelnen Ländern wachsen. Deutschland beispielsweise kann bereits seit Jahren seinen Bedarf an qualifizierten Ingenieuren nicht decken und deutsche Unternehmen versuchen verstärkt, qualifizierte Kräfte auch aus dem europäischen Ausland zu rekrutieren. Ein klares Mobilitätshinderniss liegt jedoch in den aufwändigen Verfahren der grenzüberschreitenden Anerkennung von Bildungs-, Berufs- und Weiterbildungsqualifikationen in der Europäischen Union. In Deutschland liegt die Zuständigkeit für die Anerkennung je nach Bundesland bei den Regierungspräsidien oder bei den Ingenieurkammern. In jedem Fall werden eine Reihe von Dokumenten benötigt, die jeweils amtlich beglaubigt und übersetzt werden müssen. Nicht selten dauern die Verfahren bis zu sechs Monate und kosten mehrere hundert Euro. In anderen EU- Mitgliedstaaten dauern sie zum Teil noch länger. Meine Damen und Herren, nach Ansicht des VDI, der FEANI und seiner nationalen Mitgliedsorganisationen kann ein Berufsausweis für Ingenieure einen erheblichen Beitrag zur Vereinfachung und Beschleunigung von Anerkennungsverfahren leisten. 3

4 Bereits 2005 hat die FEANI eine Untersuchung über die in den jeweiligen EU-Ländern existierenden Regelungen zur Berufsausübung der Ingenieure veröffentlicht. Ausgehend von dieser Untersuchung hat die Generalsversammlung der FEANI im September 2005 darüber Beschluss gefasst, einen solchen Berufsausweis zu entwickeln und als Pilotprojekt in Deutschland einzuführen. Im April 2010 hat der VDI darauf hin gemeinsam mit dem Zentralverband der Ingenieurvereine (ZBI) und dem Deutschen Verband Technisch-Wissenschaftlicher Vereine (DVT), in dem alle deutschen Ingenieurvereine und Verbände Mitglied sind, den Berufsausweis für Ingenieure, die engineering card, in Deutschland erfolgreich eingeführt. Die Erarbeitung des endgültigen Konzeptes erfolgte in enger Abstimmung mit den FEANI-Mitgliedern. Im Rahmen der intensiven Diskussionen hat sich herausgestellt, dass fünf Kriterien für die Akzeptanz und den Erfolg eines Berufsausweises von entscheidender Bedeutung sind. Der Ausweis muss 1. umfassend, 2. standardisiert, 3. verlässlich, 4. dezentral und 5. freiwillig sein. Was dies im Einzelnen bedeutet, möchte ich nachfolgend erläutern: 1.) Die auf der Karte abgebildeten Informationen sind umfassend, d.h. sie geben einen detaillierten Überblick über die akademische Ausbildung, Berufsqualifikationen und Weiterbildungen. 4

5 2.) Die Informationen sind standardisiert. Denn die Karte bildet die Informationen zu akademischer Ausbildung, Berufserfahrung und Weiterbildung entsprechend der europäischen Standards ab, die im Rahmen des European Qualifications Framework (EQF) definiert sind. Für die akademische Ausbildung gelten beispielsweise die so genannten EUR-ACE-Kriterien. 3.) Die Angaben auf dem Berufsausweis sind verlässlich. Die Qualifikationen werden im Herkunftsland durch eine unabhängige Registerkommission geprüft und anerkannt. Die Registerkommission setzt sich zusammen aus Experten der Hochschulen, Verbände und der Wirtschaft. Damit ist die breite Anerkennung der engineering card gewährleistet. 4.) Die Einführung und Administration des Berufsausweises erfolgt dezentral in den jeweiligen EU-Mitgliedstaaten. Das bedeutet, dass die erworbenen Qualifikationen im Herkunftsland dokumentiert werden. Über die standardisierten Einträge hinaus sind noch zu einem geringen Teil länderspezifische Ergänzungen möglich. Diese Flexibilität zur Ergänzung ist unterschiedlichen länderspezifischen Regelungen geschuldet und fördert die Akzeptanz der einzelnen FEANI-Mitglieder. 5. Der Besitz der engineering card ist freiwillig, d.h. es gibt keinen Zwang für Ingenieure, die Karte zu besitzen. Sie stellt eine Dienstleistung für jene Ingenieure dar, die international mobil sein wollen. Dadurch wird sichergestellt, dass die engineering card eine bedarfsgerechte Lösung darstellt und somit keine unnötigen Kosten sowie Bürokratie entstehen. Der VDI ist der festen Überzeugung, dass die engineering card einen entscheidenden Beitrag zur Vereinfachung der Anerkennungsverfahren leisten kann. 5

6 Die FEANI-Mitglieder sehen dies genauso und haben daher in der Generalversammlung am 1. Oktober 2010 in Sofia einstimmig beschlossen, das Konzept der vom VDI entwickelten engineering card als FEANI-Konzept zu übernehmen. Ingenieurvereine aus sieben Mitgliedstaaten haben bereits zugesagt, die engineering card 2011 einzuführen. Weitere FEANI-Mitglieder stehen in den Startlöchern, warten aber noch auf Unterstützung durch die Politik. Eine solche Unterstützung wäre die ausdrückliche Anerkennung der engineering card im Rahmen der anstehenden Überarbeitung der EU-Richtlinie 2005/36/EG als das Instrument zur Erleichterung der grenzüberschreitenden Mobilität für Ingenieure. Hiervon würden die Ingenieure in Europa genauso profitieren wie die Unternehmen und die Regierungen. Eine entsprechende Unterstützung des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz für die engineering card würden die FEANI sowie der VDI sehr begrüßen. Meine Damen und Herren, damit möchte ich meine einführenden Bemerkungen abschließen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf die anschließende Diskussion. 6

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