Kooperative Arrangements in der Weiterbildung. Welche Chancen eröffnen sie zur Teilnahme am lebenslangen Lernen?

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1 Kooperative Arrangements in der Weiterbildung. Welche Chancen eröffnen sie zur Teilnahme am lebenslangen Lernen? Vortrag im Rahmen der 3. Essener Bildungskonferenz am 2. Oktober 2012 in Essen, PACT Zollverein Prof. Dr. Karin Dollhausen Deutsches Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für lebenslangen Lernen e.v.

2 Gliederung I Situation Ruhrgebiet und Essen II Differenzierungen und Entdifferenzierungen im gegenwärtigen Weiterbildungssystem III Anforderungen an die Entwicklung von Lern- und Bildungsmöglichkeiten für Erwachsene IV Zur Bedeutung kooperativer Arrangements in der Weiterbildung V Chancen und Grenzen

3 Verwendete Daten- und Informationsquellen Regionalverband Ruhr (Hrsg.): Bildungsbericht Ruhr. Münster u.a Stadt Essen Der Oberbürgermeister (Hrsg.): Der Bildungsbericht Essen 2011 Bernhard von Rosenbladt/Frauke Bilger (Hrsg.): Weiterbildungsbeteiligung Trends und Analysen auf der Basis des deutschen AES. Bielefeld 2011 Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (Hrsg.) Trends der Weiterbildung. DIE-Trendanalyse Bielefeld 2010

4 I Situation im Ruhrgebiet und Essen Wirtschaftsleistung und Beschäftigung Bevölkerungsentwicklung Soziale Ungleichheit

5 Wirtschaftsleistung Das Bruttoinlandsprodukt des Ruhrgebietes übertrifft das der Bundesrepublik Bruttoinlandsprodukt 2008 in Euro je Erwerbstätigen Metropole Ruhr: NRW ohne MR: Bundesrepublik: Deutlich positiver Trend in Essen Bruttoinlandsprodukt in Essen in Euro je Erwerbstätigen Ende Juni 2006: Ende Juni 2009: Quelle: Bildungsbericht Ruhr 2012, BMWI Statistik, BKR Essen

6 Beschäftigung Anteil der Beschäftigtenzahlen im Dienstleistungssektor steigt Rückgänge bei den Jüngeren unter 25 Jahre, deutliche Zuwächse bei den Älteren von 55 bis 65 Jahre Metropole Ruhr Anteil der Beschäftigten in Dienstleistungsberufen 48,2 % 60,9 % 66,3 % Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung bis 25 Jahre Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung, 55 bis 65 Jahre 68,2 % 46,9 % 38,3 % 25,6 % 21,7 % 33,8 % Quelle: Bildungsbericht Ruhr 2012

7 Rückgang und Alterung der Bevölkerung 2001 bis 2010: hoher Bevölkerungsrückgang im Ruhrgebiet im Vergleich zum restlichen NRW Rückgang NRW ohne Ruhrgebiet : - 0,1 % Rückgang Metropole Ruhr: - 3,6 % 2010 bis 2030: ansteigender Bevölkerungsverlust im Ruhrgebiet Rückgang Metropole Ruhr: - 7,6 % Rückgang in Essen: - 4,2 % Zurückgehender Anteil der 18- bis 29 Jährigen im Ruhrgebiet um 5,1 % Anteilssteigerung bei der Gruppe 65 Jahre und älter um 6,7 % Quelle: Bildungsbericht Ruhr 2012

8 Soziale Ungleichheit zentrale Probleme Zunehmende Ausdifferenzierung klassischer Milieus (arm/reich) Wachsende soziale Destabilisierung (hohe Anzahl an Sozialhilfeempfängern) Hohe Migrantenanteile in der jugendlichen Bevölkerung Verschärfung der Trennlinien zwischen benachteiligten und gut situierten Stadtteilen Quelle: Bildungsbericht Ruhr 2012

9 Einflussfaktoren auf die Lebenssituation und Chancen zur gesellschaftlichen Teilhabe Wohnquartier Alter Migrationsstatus Einkommen Empfang von Hilfeleistungen Erwerbsstatus Bildungsabschluss

10 Zusammenfassung Das Ruhrgebiet ist eine wirtschaftlich starke Region, insbesondere in Essen ist ein beeindruckender Anstieg der Wirtschaftsleistung zu verzeichnen. Steigende Beschäftigungszahlen im Dienstleistungssektor weisen auf den sich faktisch vollziehenden Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft hin. Die Anzeichen für eine soziale Spaltung und erweiterte Exklusionsrisiken Benachteiligter sind evident.

11 Ansatzpunkte für die weitere Entwicklung Unterstützung lebensbegleitender Lern- und Bildungsprozesse Stärkung des Zusammenlebens der verschiedenen Gruppen, Generationen und Kulturen Verbesserung individueller Entwicklungsmöglichkeiten Sichtbarmachung und Nutzung von Potenzialen auf regionaler und kommunaler Ebene Stärkung der Rolle der Erwachsenen-/Weiterbildung im Kontext der kommunalen und regionalen Weiterentwicklung

12 III Differenzierungen und Entdifferenzierungen im gegenwärtigen Weiterbildungssystem Reproduktions-/Steuerungskontexte der Weiterbildung Vielfalt und Heterogenität der Anbieter Marktteilung der Anbieter Ungleiche Beteiligungsquoten an Weiterbildung nach ausgewählten Gruppen Barrieren zur Teilnahme an Weiterbildung

13 Reproduktions-/Steuerungskontexte der Weiterbildung Quelle: Schrader, J. (2010): Reproduktionskontexte der Weiterbildung. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, H. 2, S (276)

14 Vielfalt und Heterogenität der Anbieter Beispiel: Institutionelle Differenzierungen in der mittelhessischen Weiterbildungslandschaft Quelle: Schemmann, M./Herbrechter, D. (2010): Strukturforschung in der Weiterbildung Eine empirische Annäherung an das Modell der Reproduktionskontexte. In: REPORT, H. 3, S (76)

15 Quelle: BSW/AES, zitiert von: Dollhausen, K. (2010): Einrichtungen. In: DIE (Hrsg.): Trends der Weiterbildung, S (49), AES 2010 Deutsches Institut für Erwachsenenbildung Marktteilung der Anbieter Zwischen 2000 und 2008: Anteilszuwächse an Teilnahmefällen bei Betrieben (über 15%); Rückgang bei Weiterbildungseinrichtungen (unter 10%). Nachgefragte Anbieter im Jahr 2007 (Anteilswerte an Teilnahmefällen).

16 Ungleiche Beteiligungsquoten an Weiterbildung Herkunftsbedingte Bildungsungleichheiten setzen sich auch nach Abschluss einer ersten Bildungsphase fort Nach Schulabschluss Hoch 60% 56% Niedrig 29% 27% Nach Erwerbsstatus Erwerbstätige 52% 49% Nichterwerbstätige (arbeitslos, in 27% 29% Ausbildung, sonstige) Nach Migrationsstatus Ohne Migrationshintergrund 46% 45% Mit Migrationshintergrund 33% 33% Anteilswerte an Weiterbildungsteilnahmen gemäß AES 2010 in ausgewählten Gruppen

17 Barrieren der Teilnahme an Weiterbildung nach ausgewählten Gruppen Erwerbstätige: fehlender beruflicher Bedarf, berufliche Belastungen Nichtwerwerbstätige/ Arbeitslose: fehlende Voraussetzungen, zu hohe Kosten, gesundheitliche Einschränkungen, Zweifel, die Anforderungen erfüllen zu können, Beratungsbedarf Ohne Migrationshintergrund: gesundheitliche Einschränkungen, Alter, berufliche Belastungen Ausländer/-innen, mit Migrationshintergrund: fehlende Voraussetzungen, zu hohe Kosten, familiäre Verpflichtungen, Zweifel, die Anforderungen erfüllen zu können, Beratungsbedarf Kuwan, H./Seidel, S., Befragungen im Rahmen des AES 2010 in ausgewählten Gruppen, häufigste Antworten

18 Barrieren der Teilnahme an Weiterbildung nach ausgewählten Gruppen Nach Schulabschluss Hoch (Abitur) Zweifel, die Anforderungen erfüllen zu können 2 % 21 % Skepsis gegenüber einem Lernen, das dem in der Schule ähnelt 9 % 32 % Persönlicher Beratungsbedarf 12 % 25 % Geringe Nutzenerwartung 9 % 24% Niedrig (Hauptschule) Kuwan, H./Seidel, S., Befragungen im Rahmen des AES 2010 in ausgewählten Gruppen, häufigste Antworten

19 Zusammenfassung Das Weiterbildungssystem ist differenziert. Staat und Kommunen nehmen eine wichtige Rolle zur Erhaltung und Entwicklung einer pluralen Weiterbildungslandschaft ein. Die Nachfrage an Weiterbildungsanbietern ist (noch) stabil. Deutliche Zuwächse hat die betriebliche Weiterbildung in den letzten Jahren zu verzeichnen. Die Weiterbildungsteilnahme ist gruppenspezifisch ungleich verteilt. Herkunftsbedingte Bildungsungleichheiten setzen sich auch nach Abschluss einer ersten Bildungsphase fort. Die Gründe der Nicht-Teilnahme von Nichterwerbstätigen/Arbeitslosen, Ausländer/-innen und Personen mit Migrationshintergrund ähneln sich.

20 III Anforderungen an die Entwicklung von Lern- und Bildungsmöglichkeiten für Erwachsene Eröffnung lebensnaher Zugänge zum Lernen und zur Bildung Verbesserung der milieubezogenen Ansprache potenzieller Lernender Ausbau von Supportstrukturen (Bildungsberatung, Lernberatung/-coaching) Entwicklung flexibler Lern- und Bildungsmöglichkeiten formaler, non-formaler und informeller Art

21 Entwicklungsanforderungen auf struktureller Ebene Systematische Koordination von Ansätzen und Akteuren des Weiterbildungsbereichs Ausbau bestehender Kooperationen und Netzwerke in der Weiterbildung Öffnung bestehender Kooperationen und Netzwerke für bildungsrelevante Akteure aus den Bereichen Kultur, Sport, Soziales sowie bürgerschaftliches Engagement

22 IV Ein Ansatzpunkt: Ausbau und Entwicklung kooperativer Arrangements in der Weiterbildung Kooperative Arrangements vor Ort: Zusammenwirken von Akteuren aus unterschiedlichen institutionellen Bereichen Kooperationstypen in der Weiterbildung Erschließung neuer Lernmöglichkeiten Lebensnahe Gestaltung von Bildungsräumen Lessons to Learn

23 Kooperative Arrangements vor Ort: Zusammenwirken von Akteuren aus unterschiedlichen institutionellen Bereichen Quelle: Nuissl (2010): Netzwerkbildung und Regionalentwicklung, Münster u.a., S. 47

24 Kooperationstypen in der Weiterbildung Typ Komplementär Subsidiär Supportiv Integrativ Charakteristik Partner bringen etwas ein, was dem jeweils anderen fehlt (z.b. Angebote, Teilnehmer/-innen, Räume, technische Ausstattung) Zusammenarbeit bei Querschnittaufgaben (z.b. Werbung, Personalfortbildung, Beratung ) Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Partnern zur gemeinsamen Unterstützung eines bestimmten Zwecks (z.b. gemeinsame Tagung). Gemeinsame Produktentwicklung (z.b. Angebote, Projekte, Konzepte, Lernarrangements). Quelle: Nuissl (2010): Netzwerkbildung und Regionalentwicklung. Münster u.a., S. 67, eigener Text

25 Erschließung neuer Lernmöglichkeiten durch Kombination von unterschiedlichen institutionellen Funktionen, organisatorischen Kernkompetenzen und Leistungen Ineinandergreifende Serviceleistungen insbesondere im Bereich von Information und Beratung Offene, niedrigschwellige Angebote Individuell wählbare Beratungs-/Coachingangebote

26 Lessons to Learn Kooperationen zwischen Akteuren aus unterschiedlichen institutionellen Bereichen setzen das Engagement der Verantwortlichen und kooperationsbezogene Kompetenzen der Beteiligten voraus. Auch vor Ort nutzbare Lern- und Bildungsangebote müssen den Menschen nahe gebracht werden. Offene Lernangebote, insbesondere Angebote zum (mediengestützten) Selbstlernen, bedürfen einer professionellen Begleitung. Das Motivieren und die Mobilisierung Erwachsener zum Lernen und zur Teilhabe an Bildung braucht Zeit und Aufmerksamkeit.

27 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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