Energie und Ethik Ein Plädoyer für mehr Ehrlichkeit in der Debatte um die Energiewende

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1 Energie und Ethik Ein Plädoyer für mehr Ehrlichkeit in der Debatte um die Energiewende Wissenschaftstag Metropolregion Nürnberg, 20. Juli 2012 Peter Dabrock, Fachbereich Theologie, FAU

2 Energiewende: Eine Herkulessaufgabe? 2

3 Offensichtliche Konflikte Armut Ökonomische Vorrangstellungen Energiewende Demografische Trends Klimawandel 3

4 Zielkonflikte und ungelöste Probleme I Atomausstieg Zeitdimension: Plan haltbar? Sachdimension: um welcher Kosten willen? Welche Alternativen? Sozialdimension: Wer kommt nicht mehr mit? Zwischenlagerung Endlagerung Ausbau klimafreundlicher und effizienter Energiegewinnung (in D. ohne Atomenergie) 4

5 Zielkonflikte und ungelöste Probleme II Förderung und Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien Transport und Speicherung der erzeugten Energie (Stabilität der Versorgung) Energieeffizienz und sparen bei Verbrauchsgeräten (u.a. Verkehr) Energieeffizienz und sparen bei Gebäuden (Sanierung) Dezentralisierung der Energieversorgung? Landschaftsverbrauch 5

6 Enttäuschung der Erwartung an Ethik erste Aufgabe der Ethik: Warnung vor Moral! (N. Luhmann) aufdecken von moralischen Spannungen, Dilemmata und Konflikten zwischen 1 Herausforderungen unterschiedlicher Wirklichkeitsbeschreibungen 2 zwischen Normen und Werten Zwischen verschiedenen Normen oder Werten innerhalb einer jeweiligen Leitorientierung Luhmann-Foto: 6

7 Enttäuschung der Erwartung an Ethik mehr Transparenz mehr Ehrlichkeit Entscheidungsspielräume ausloten 1 vs. Alternativlosigkeit 2 Augenmaß für reale Umstände 7

8 Formal-ethische Kriterien für die Energiewende Konflikt Konflikt Vorsichtsprinzip Transparenz Fortschrittsprinzip Partizipation Energiewende 8

9 Transparenz und Ehrlichkeit Energieverbrauch steigt und wird auch in Zukunft absehbar steigen. Es gibt Technologien, die ein hohes Maß an Opfern fordern (Autoverkehr alleine ca. 1.5 Mill.). Traditionelle Energiegewinnungsformen (außer Kernkraft) sind sehr klimaschädlich. 9

10 Inhaltlich-ethische Kriterien für die Energiewende Nachhaltigkeit Gemeinwohl Gemeinnutzen Energiewende Gerechtigkeit + Solidarität Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum Sicherheit (safety + security) der Technik 10

11 Nachhaltigkeit Ökologisch Sozial reliable, clean, affordable Zielkonflikt-Bsp. Klimaschutz Naturschutz Landschaftsschutz 11

12 Soziale Gerechtigkeit und Solidarität: Energiearmut Wenn wir nicht aufpassen, dann kann die Energiewende zu einem sozialen Problem werden. Deshalb werde ich für September Vertreter der Sozialverbände, der Verbraucherschützer und der Politik einschließlich der Kommunen zu einem runden Tisch einladen. warnen vor Energiearmut Strom wird teurer Peter Altmaier, in: BAMS vom

13 Sicherheit (security) Missbrauch Terror politische Abhängigkeit von Produktionsländern Transitländern ?ie=UTF8&n=299956&s=books 13

14 Sicherheit (safety) Klassisches risk-assessment Problem: Risikowahrnehmung Bsp. silent killers vs. katastrophische Ereignisse (sozial-)ethisch relevant: Verlust des Vertrauens in Expertenkultur 14

15 Prosperität zwischen Gemeinwohl- und Eigennutzermöglichung Welche Form von Wachstum wollen wir? Wer aber ist wir? Wir werden die Aufgabe nur schaffen, wenn wir Wachstum als mehr betrachten als nur als quantitatives Wachstum Angela Merkel bei den Petersberger Gesprächen Am

16 Ausbalancierung der Kriterien Hauptproblem: Mix der Kriterien gehaltvoller Kompromiss negatives knock-out-kriterium? (s. Ethik- Kommission Sichere Energieversorgung) Vertrauensverlust in Expertenkultur NIMBY; St. Florians-Prinzip ethische Mindestbedingungen für eine Governance- Regelung möglichst dichte Kohärenz der Kriterien vs. Hochmut, Trägheit, Lüge ( K. Barth) Transparenz, Partizipation (vgl. 6;9 UVPG; 9; 10; 20 NABEG) Teilhabe durch (informierte) Teilnahme 16

17 Fazit I: Herausforderung Atomausstieg Ethische Faustregel: Eine Technologie, bei der die Gewinnung geringe, der Schadensfall aber unkalkulierbare und irreversible Schäden beinhaltet, ist im Prinzip nicht verantwortbar Die Technologie existiert aber bereits!! Rückbau UND Verwaltung der Erblasten muss konsequent, aber angemessen erfolgen 17

18 Fazit II: Aktuelle Herausforderungen Die Energiewende ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine gesellschaftliche Herausforderung Entwicklung eines möglichst umfassenden Governance-Ansatzes Vermeidung der Fehler bei der grünen Gentechnik oder bei Stuttgart 21 Deutschland muss sich bewusst sein, dass es nicht auf einer einsamen Insel die Energiewende vollzieht Kein Hochmut Chance ergreifen Ehrlichkeit wahren 18

19 So brauchen wir also jeden, jede von Ihnen. Vor allem brauchen wir Sie alle zusammen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass solche komplexen Fragen ohne Debatte, übrigens manchmal auch ohne Streit geschehen. Sie müssen gelegentlich auch den Leuten widersprechen, die so tun als dürfe man sich in einer Demokratie nicht streiten. Am wenigsten Streit ist auf dem Friedhof. Nachhaltigkeit bedeutet nicht Beschränkung oder Bundespräsident Joachim Gauck bei der Eröffnung der Woche der Umwelt am Gauck/Reden/2012/06/ Woche-Umwelt.html# Verzicht, sondern Verantwortung und Vernunft. Die Menschheit, das menschliche Leben, jedes Leben kann sich auf dieser Erde nur im Einklang mit der Natur entfalten, nicht gegen sie. Sonst zerstört es sich selbst. Langfristig ist deshalb auch ökonomisch nur sinnvoll, was ökologisch vernünftig ist. 19

20 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Prof. Dr. Peter Dabrock Lehrstuhl für Systematische Theologie II (Ethik) Kochstraße Erlangen

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