Rentensysteme in Europa Lohnt sich ein Blick zu den Nachbarn?

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1 Rentensysteme in Europa Lohnt sich ein Blick zu den Nachbarn? Natalie Laub Forschungszentrum Generationenverträge Albert Ludwigs Universität Freiburg

2 Überblick Demografie im internationalen Vergleich Rentenreformen in Europa Fokus der Reformen Weitere wichtige Aspekte Anmerkungen zur Rente mit 63 Indizien für erfolgreiche Reformen Zusammenfassung

3 So groß können die Unterschiede sein 100 Deutschland Men Women

4 100 Schweden Men Women

5 100 Polen Men Women

6 Und doch gibt es Ähnlichkeiten Anzahl der Personen im Alter von 65 Jahren und älter als Prozentsatz der Anzahl der Personen zwischen 15 und 64 Jahren Prozent Österreich Dänemark Deutschland Spanien Finnland Frankreich Norwegen Polen Schweden Vereinigtes Königreich

7 Aktuelle Reformen I Reform des gesamten Rentensystems Einführung eines beitragsorientierten Systems in Norwegen, Schweden und Polen Änderung des Rentenalters a) Angleichung unterschiedlicher Regelungen für Männer und Frauen Österreich: Rentenalter für Frauen (60 Jahre) wird bis 2033 auf 65 Jahre angehoben Vereinigtes Königreich: Bis 2018 Anhebung von 60 Jahren auf 65 Jahre für Frauen Polen: Bis 2040 Anhebung von 60 auf 67 Jahre für Frauen b) Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre Dänemark: bis 2022 Spanien: bis 2027 Deutschland: bis 2029 Polen: bis 2020/2040 (Männer/Frauen) Vereinigtes Königreich: auf 68 Jahre bis 2046

8 Aktuelle Reformen II c) Einführung eines flexiblen Renteneintrittsalters Norwegen: Renteneintritt ab 62 Jahren möglich Schweden: Renteneintritt ab 61 Jahren möglich Finnland: Renteneintritt zwischen 63 und 68 Jahren möglich d) Verknüpfung des Renteneintrittsalters mit der Lebenserwartung Dänemark und Spanien Anhebung des für eine volle Rente erforderlichen Beitragszeitraums Frankreich: von 37.5 auf 40 Jahre Spanien: von 35 auf 37 Jahre Ausweitung der Basis der Rentenberechnung Norwegen: von den 20 Jahren mit dem höchsten Einkommen zur gesamten Beitragsperiode Finnland: von den 10 letzten Beitragsjahren zur gesamten Beitragsperiode Österreich: von den 15 Jahren mit dem höchsten Einkommen zur gesamten Beitragsperiode Spanien: von den 15 zu den 25 letzten Beitragsjahren

9 Aktuelle Reformen III Veränderung der Rentenindexierung Vereinigtes Königreich: Seit 2011 Indexierung der Grundrente entweder in Höhe des Lohnanstiegs, des Verbraucherpreisindex oder Anhebung um 2,5%; je nachdem, welcher dieser drei Werte der höchste ist Veränderungen auch in anderen Ländern, sodass sich folgende Übersicht ergibt: Preisindexierung Mischindexierung Lohnindexierung Finnland (Volksrente und garantierte Rente), Frankreich, Österreich, Spanien, Schweden (garantierte Rente) Polen, Finnland (einkommensbezogene Rente) Norwegen, Dänemark, Deutschland, Schweden (einkommensbezogene Rente)

10 Fokus der Reformen: Nachhaltigkeit 300 Nachhaltigkeitslücken In Prozent des BIP Ohne Reform Mit Reform Automatische Anpassung des Beitragssatzes 50 0 Schweden Norwegen Deutschland 50

11 Was nicht aus den Augen gelassen werden darf: Angemessenheit 1. Situation heute 18 Deutschland Einkommen unterhalb von 60% des Medianeinkommens In Prozent der jeweiligen Bevölkerungsgruppe Männer Frauen 0 weniger als 65 Jahre 65 Jahre und älter 75 Jahre und älter

12 2. Situation in Zukunft 80 Absinken der Ersatzquoten (2010 bis 2060) Schweden Polen Dänemark Frankreich Österreich Deutschland Vereinigtes Königreich Norwegen Spanien Finnland

13 Ein dritter Aspekt: Politische Stabilität Polen: Wegen staatlicher Budgetprobleme und wegen geringer Renditen im kapitalgedeckten Teil des Rentensystems wurde 2011 der Anteil der Rentenbeiträge, die in diesen Teil flossen, drastisch zurückgefahren Vereinigtes Königreich: In den vergangenen zehn Jahren verschiedenste Reformen; aktuell Bestreben, einkommensbezogene Rente aufzugeben und stattdessen eine für alle gleiche Rentenzahlung einzuführen, die nur von der Dauer der Beitragszahlung abhängig ist Schweden: In der Geschichte des schwedischen Rentensystems gibt es nur vier große Reformen, drei davon wurden mit großer Mehrheit im Parlament verabschiedet; die letzte große Rentenreform, die drastische Kürzungen der Ersatzquote mit sich brachte, wurde möglich, weil das alte System offensichtlich nicht nachhaltig war; die Parlamentsmehrheit wurde durch klug gewählte Übergangsregelungen erreicht

14 Auswirkungen der Reformen in Deutschland Höhere Arbeitsmarktbeteiligung älterer Menschen Angestiegenes Rentenzugangsalter Steuermehreinnahmen und stabilisierte Anzahl der Rentner Anmerkungen zur Rente mit 63 Wer nimmt die abschlagsfreie Rente mit 63 in Anspruch? Langjährig versicherte, gutverdienende Männer mit stetiger, nahezu ununterbrochener Erwerbsbiografie, die zwischen 1953 und 1963 geboren wurden Das sind aber gerade diejenigen, die im Durchschnitt höhere Einkommen und somit auch deutlich höhere Renten haben

15 Welche Auswirkungen hat das? Durch geringere Anzahl an Beitragszahlern und größere Anzahl an Rentnern geringerer Spielraum für den Anstieg des Rentenwertes und damit des Rentenniveaus Der Rentenversicherung entgehen eingezahlte Beiträge aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung Rentenausgaben steigen durch geringere Rentenabschläge, steigende Rentnerzahl und längere Rentenbezugsdauer Um Rentenreformen zu finanzieren wurde Beitragssatzsenkung ausgesetzt, was heutige und künftige Beitragszahler belastet Vorgezogener Renteneintritt der Babyboomer beschleunigt Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials Steuereinnahmen, die durch Erwerbsbeteiligung älterer Menschen entstanden wären, entfallen

16 Indizien für das Gelingen von Rentenreformen (nach N. Barr, London School of Economics) Kluge Wahl des Zeitpunkts, idealerweise nicht als Antwort auf eine Krise Möglichst breite Zustimmung, auch langfristig und parteiübergreifend Reduktion der Auslieferung an das tagespolitische Geschehen, z.b. durch automatische Anpassungen Wiederholte Reformen vermeiden

17 Zusammenfassung Trotz ihrer Unterschiedlichkeit sehen sich alle europäischen Rentensysteme großen Belastungen durch die zukünftige Bevölkerungsalterung gegenüber Bisher durchgeführte Reformen haben sich hauptsächlich auf die Nachhaltigkeit konzentriert Allerdings dürfen die Angemessenheit zukünftiger Rentenleistungen und die politische Stabilität nicht aus den Augen gelassen werden Hier liegen die Herausforderungen der Zukunft, denen jedes Land individuell begegnen muss

18 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und herzliche Einladung zur Diskussion

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