Wissensmanagement im Handwerk

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1 Wissensmanagement im Handwerk Aufgrund der kontinuierlich steigenden Informations- und Wissensdichte, des hohen Entwicklungsgrads der Kommunikations- und Fertigungstechnologien und damit einhergehend immer kürzer werdenden Halbwertzeit des Wissens, wird der systematische Transfer und gezielte Umgang damit in Unternehmen umso wichtiger. `Wissen ist ein kostbarer Rohstoff und ein sehr produktives `Werkzeug zugleich. Somit kommt der Forcierung der wissensbasierten Innovationsförderung durch die Entwicklung adäquater Beratungsdienstleistungen, Ausund Weiterbildungsformaten sowie den Aufbau nachhaltiger Netzwerkstrukturen im Handwerk einer beträchtlichen Bedeutung zu. Je besser es Unternehmen oder Organisationen gelingt, mit ihren Wissensressourcen und Wissensträgern sorgsam umzugehen und ihre Mitarbeiter im Aufbau wissensrelevanter Kompetenzen zu unterstützen, desto erfolgreicher können sie auf Veränderungen reagieren und innovative Prozesse anstoßen. (Heisig 2005) Die Handwerksorganisationen können diesen Prozess vielfältig und schrittweise über verschiedene Sensibilisierungs- und Beratungsebenen einleiten und verstetigen. Die Berufsbildungs- und Technologiezentren des Handwerks können die notwendigen Kompetenzen dazu aufbauen, diese den Zielgruppen vermitteln und schließlich auch sich zu Zentren für Unternehmensentwicklungsprozesse (ZEUPRO) profilieren. Wissensmanagement hat in großen Unternehmen bereits seit Anfang der 90er Jahre Einzug gehalten. Organisatorisch in Stabstellen oder eingegliedert in Personaloder Organisationsentwicklungsabteilungen wird Wissensmanagement als interne Dienstleistung angeboten oder auch als strategisches Instrument etabliert. Seit Anfang 2000 hält das Thema auch bewusster Einzug in den deutschen Mittelstand. Seit dem wird klar herausgestellt, dass der wirtschaftliche Erfolg deutscher Mittelständler stark davon abhängt, wie gut es den Unternehmen in Zukunft gelingt, relevantes Wissen in ihrem Betrieb zu identifizieren und zu managen. (Kohl 2009) Dieser Prozess wird ausdrücklich vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im Rahmen der Initiative Fit für den Wissenswettbewerb gefördert. (www.wissenmangen.net) Resümee Für das Handwerk befasst sich das vom BMWi im Rahmen der Initiative Fit für den Wissenswettbewerb geförderte Projekt ZEUPRO mit dieser Thematik und somit mit einer Reihe von bereits entwickelten Ansätzen zum systematischen Umgang mit Wissen in Unternehmen. Die Ergebnisse sollen zielgerichtet für die Kleinbetriebe und Organisationen des Handwerks aufbereitet und über geeignete Strategien, Netzwerkstrukturen, Weiterbildungsformate sowie Informations- und Transfer- Instrumente nachhaltig verankert werden. (www.zeupro.de) In der Vergangenheit befassten sich innovative Projekte und Forschungsansätze im Handwerk fast ausschließlich mit dem Transfer und der Erprobung neuer Technologien. In zunehmendem Maße und langfristig werden sie sich auf die nichttechnischen Hindernisse konzentrieren, die dem Technologietransfer entgegenstehen. Dieser Aspekt wird sich sowohl auf nationaler Standortebene als auch im Rahmen gesamteuropäischer Innovation auf den Großteil der wissenschaftlichern Forschungsansätze auswirken und auch Projekte in wirtschaftlicher Praxis nicht unberührt lassen. Noch deutlicher zeigt sich die Relevanz dieser Problematik in Bezug auf die folgende Fragestellung: Wie schlägt sich der tatsächliche produktive Beitrag des Wissens einzelner Mitarbeiter im Arbeitsprozess bzw. in den Resultaten betrieblicher Anwendung des Wissens nieder? Obwohl für eine Innovation immer wieder die Bedeutung der Flexibilität und Gestaltungsfähigkeit der Mitarbeiter hervorgehoben wird, besteht Unklarheit darüber, wie die Qualifikationen bzw. das Wissen der Mitarbeiter tatsächlich einen Beitrag zur Gestaltung betrieblicher Innovationsprozesse leisten und wie diese weiterentwickelt werden können. Darüber hinaus lassen `Dezentralisierung und funktionale `Differenzierung von Arbeitsprozessen nicht mehr die Frage nach dem ob zu, sondern verweisen eindeutig auf das wie, und mit welchen Inhalten, Methoden und Formen der Bedarf an Informationen und vor allem Wissen und beruflichen Kompetenzen zu decken ist. Die Fähigkeit zur `Wissensteilung in der Gruppe sowie zum interdisziplinären und vernetzten Denken sind neben der `emotionalen Bereitschaft der Mitarbeiter `Offenheit und `Flexibilität ebenfalls entscheidende Faktoren für das persönliche Wissensmanagement, leider aber auch vernachlässigte Ziele im heutigen Bildungssystem. (Gholamazad 2008)

2 ZEUPRO Seite 2 Resümee Beratungsdienstleistungen Weiterbildungsformaten im Handwerk Netzwerkstrukturen Ausgewählte Projekte der BMWi-Initiative Fit für den Wissenswettbewerb Transfer-Strategien und Instrumente Abb. 1: Projektaufbau und der synergetische Kontext zu ausgewählten Fit-Ansätzen Die Unternehmen und der Mittelstand insbesondere sollten wiederum von der Einsicht geleitet werden, dass eine Bestandsaufnahme der bestehenden materiellen Ressourcen sowie die Schaffung neuer sachlicher Infrastruktur für nachhaltiges Wirtschaften in heutigen Marktstrukturen nicht mehr ausreichen. Vielmehr geht es auch um die stärkere Berücksichtigung vom `intellektuellen Kapital als `Innovationsfaktor und dessen Beitrag zum Unternehmenserfolg. (Edvinsson 1997) Die Bereitschaft zu diesem Übergang wäre insgesamt ein Schritt in Richtung einer verbesserten Konzeption und Gestaltung des betrieblichen Ressourcen- und somit auch Wissensmanagements; es beinhaltete die konsequente Reflexion auf die Bedeutung des betrieblichen Wissens im Allgemeinen und Mitarbeiterwissens als Quelle der Wertschöpfung im Besonderen. Damit sind dann auch nicht nur die fachlichen Kompetenzen gemeint, die eine grundlegende Rolle bei der Verwirklichung der Unternehmensziele spielen. Es sind auch die fachübergreifenden Sozial- bzw. Schlüsselkompetenzen der Beschäftigten, die unmittelbar in das Verständnis für den Arbeitsprozess und die Qualität der betrieblichen Produkte bzw. Leistungen eingehen. (Gholamazad 2008) Jedes Unternehmen sollte seine knappen Ressourcen effizient einsetzen, um im Wettbewerb zu bestehen. Die Ressource `Wissen darf dabei nicht vernachlässigt werden. Der durchdachte Umgang mit diesem `Gut, d. h. die planvolle Lenkung vom Wissen `Wissensmanagement hilft, den verschiedenen strategischen und operativen Anforderungen an Unternehmensführung systematischer zu begegnen. Betriebliche Innovationen dienen der Stärkung der Konkurrenzfähigkeit von Unternehmen und der Sicherung von Arbeitsplätzen. Obwohl für Innovation immer wieder die Bedeutung der Gestaltungsfähigkeit der Mitarbeiter hervorgehoben wird, besteht einerseits Unklarheit darüber, wie die Qualifikationen und Kompetenzen bzw. das explizite und implizite Wissen der Mitarbeiter einen Beitrag im Wertschöpfungsprozess des Unternehmens leisten und wie diese andererseits erfasst, entwickelt und gezielt verwertet werden können. Damit verbunden stellt sich auch die Frage nach dem Management des breiten Wissensspektrums im Unternehmen gegenüber den konkreten Unternehmenszielen. Die Möglichkeiten zum Management von Wissen, also des rationellen Einsatzes von Wissen für z. B. ökonomische Zwecke, steht und fällt mit der Fähigkeit, die Datenflut, die Überfülle an Informationen sowie das zunehmend breiter werdenden Spektrum am Wissensparameter und -angeboten zu bewältigen. Vordergründig erscheint es also in erster Linie notwendig, Selektionen vorzunehmen. (Gholamazad 2008) Das eigentliche Problem bestand lange vorher und liegt teilweise immer noch für viele darin, dass aufgrund der Kommunikationsrevolution, die durch die neuen Informationstechnologien ausgelöst wurde, Kompetenzverluste entstehen: Verluste an Fähigkeit, über diejenigen Kriterien und Maßstäbe zu verfügen, die eine rationale Durchführung solcher Selektionen erst erlauben. (Hubig 1998) Um die Kompetenz, Erfahrung und das Wissen einzelner Akteure in einem Unternehmen, insbesondere für die Gestaltung und Sicherung von Innovationsprozessen nachhaltig zu nutzen, müssen entsprechend adäquate Strukturen und Instrumente zu deren gezielten Erfassung, Bewahrung und Nutzung entwickelt werden, wie etwa der einem betrieblichen Wissens- und Ideenmanagement-Plattform. In `Innovationsnetzwerken befinden sich gewöhnlich `Wissensträger und `Ideenlieferanten, die über sehr interessante Informationen und Erfahrungen verfügen, die anderen Akteuren jedoch in der Regel nicht frei zugänglich sind. Das Wissen wird meist dezentral auf den Rechnern oder nur in den Köpfen der Beteiligten verwaltet. Der Austausch erfolgte während regelmäßiger Präsenztreffen und über die gewöhnlichen Kommunikationswege, wie Pausengespräche, Telefonate und . (Koch/Richter 2009) Abb. 2: Ausgangslage in vielen Unternehmen (Quelle: Easy Knowledge) Zur Kalkulation, zum Erarbeiten eines Geschäftsplans, zur Entwicklung neuer Dienstleistungen, zur Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen und zur Planung der Internetpräsentation für das eigene Unternehmen ist jeweils umfangreiches Wissen erforderlich. Ein großer Betrieb hat es da einfach: Für jeden Bereich gibt es Spezialisten. Im Handwerksunternehmen dagegen konzentriert sich das Wissen auf einige wenige Mitarbeiter - oder gar auf nur eine Person: den Handwerksunternehmer selbst. (Hanisch) Wissensentstehungs- und Transformationsprozess zu verbessern und die Innovationsarbeit zu unterstützen, sollen unterschiedliche praxiserprobte Ansätze zum `Wissensmanagement ihre Verwendung finden. Die geeigneten unter ihnen sollen zunächst auf ihre Tauglichkeit für die Zielgruppe `Handwerk identifiziert werden. Durch gezielte Informationsarbeit bzw. Sensibilisierung und Qualifizierung der Zielgruppen gebührt es die Einsicht in die Bedeutung solcher Entwicklungsarbeit sowie Anwendung geeigneter Lösungen und Instrumente seitens der Akteure zu erlangen.

3 ZEUPRO Seite 3 Resümee Unsere Vorgehensweise sieht auf Basis der Analyse etwaiger Abschlussberichte bzw. Leitfäden ein Gespräch mit den externen Fachexperten der o. g. Initiativen vor. Darauf aufbauend planen wir ggf. Workshops, in welchen wir ihre Projektergebnisse und -Erfahrungen mit einem Team aus erfahrenen Innovationsberatern und Weiterbildungsexperten des Handwerks, die im Rahmen der Projektpartnerschaft über die gesamte Laufzeit in diesem Vorhaben mitwirken, diskutieren. Auf dieser Grundlage werden wir Vorgehensmodelle und Angebote für verschiedene Branchen und Betriebsgrößen erarbeiten. Zu der Reihe ausgewählter Projekte der Fit-Initiative gehören demzufolge: Wissensbilanz, Metora, Ewikoh, ProWis, Roadshow WM, Easy Knowledge, Wipro, DiWis, IPS-AI. (www.wissenmangen.net) Abb. 5: Auswahl von geeigneten Instrumenten für ZEUPRO Abb. 3: Experten-Workshops und Netzwerkbildung innerhalb der BMWi-Initiative Fit für den Wissenswettbewerb Die Umsetzung des Analyseverfahrens erfolgte zunächst über zwei Phasen: Bereits im Vorfeld der Projektvorbereitung und Antragstellung wurden die Projektergebnisse der vorangegangenen Förderphase der BMWi- Wissensinitiativen Wissensmedia und Fit für den Wissenswettbewerb hinsichtlich deren Handwerksrelevanz untersucht. Eine erste handwerksorientierte Einschätzung der Projektergebnisse wurde mit Bezug auf drei Merkmale: direkten Handwerksbezug, indirekten Handwerksbezug und kein Handwerksbezug durchgeführt. Die handwerkliche Innovationsberatung beschäftigt sich seit den siebziger Jahren im Rahmen von Unternehmensberatungen mit Innovationsprozessen. In diesem Zusammenhang wurden immer wieder diverse Werkzeuge wie z.b. Checklisten im Rahmen von Weiterbildungsveranstaltungen vorgestellt. Aufgrund der heterogenen Fördererstruktur konnte bislang kein von allen Innovationsberatern abgestimmtes Instrument für Beratungsanfragen aus den Themenbereichen Wissens- und Innovationsmanagement entwickelt und eingesetzt werden. Die ca kleinen und mittleren Unternehmen des Handwerks wiederum haben i.d.r. keine Systematik, den Umgang mit Wissen im Unternehmen zu steuern und zu organisieren. (Fülbier/Pirk 2006) Abb. 4: Fragebogen Analysekriterien für Wissensmanagementansätze zur Charakterisierung der Handwerksrelevanz angewandter Ansätze Fit für den Wissenswettbewerb Im Anschluss an diesem ersten Eruierungsverfahren wurde eine qualifizierte Auswahl getroffen. Die Übersetzung in erforderliche `Transferformate wird in sogenannten Experten-Workshops erfolgen, die in Rücksprache mit den jeweils an Mitwirkung interessierten Projektverantwortlichen für einen näheren Untersuchungsprozess in der ersten Projektumsetzungsphase vorgesehen wurden. Abb. 6: Inhaltliche & arbeitsteilige Planung erforderlicher Arbeitspakete im Projekt ZEUPRO Die Ausrichtung von ZEUPRO wird neben dem marktoffensiven Bereich (z.b. Wissensbilanz, Wissensaustausch, FuE) auch den unternehmenskonsolidierenden Bereich berücksichtigen, u. a. Aktivitäten zur Demographie, Übergaberegelungen. Die Überschneidungen sollen genutzt werden, um die innovativen Aspekte von ZEUPRO auch Akteuren außerhalb der Innovationsnetzwerke zugänglich zu machen. Für ein optimales Ergebnis der Unternehmensberatung ist deshalb vorgesehen, insbesondere die betriebswirtschaftliche Beratung informativ für den Bereich der Konsolidierung mit einzubinden. Im Einklang mit dieser Perspektiventwicklung und den aus dem Analyseprozess abgeleiteten inhaltlichen sowie arbeitsteiligen Ergebnissen ließen sich auch die Arbeitsschwerpunkte/-pakete des Projektes näher definieren und die erforderlichen planerischen Etappen definieren.

4 ZEUPRO Seite 4 Resümee Wissensintensive Geschäftsprozesse können mit Hilfe von Wissensmanagement-Instrumenten näher ins Visier genommen und transparent werden: Wie lassen sich wissensintensive Geschäftsprozesse verbessern? Gibt es Möglichkeiten, einmal gemachte Erfahrungen schneller und gezielter wieder zu verwenden? Wie können wertvolle Erfahrungen einzelner Mitarbeiter effektiver mit anderen geteilt werden? Wie kann ich das Wissen ausscheidender Mitarbeiter sichern? Wie bewege ich meine Mitarbeiter zur Wissensdokumentation? Welches Wissen wird benötigt, um die Unternehmensziele schneller zu erreichen? etc. Deshalb stellt sich stärker denn je die Einsicht ein, dass das Intellektuelle Kapital die Wertschöpfungsbasis für zukünftig erfolgreiche Organisationen bildet. Doch wie können diese nicht greifbaren Werte und ihre Bedeutung für die Organisation transparent gemacht werden? Wie können Stärken und Schwächen des Intellektuellen Kapitals ermittelt und gemessen werden? Wie kann das erfolgsentscheidende Intellektuelle Kapital gegenüber Stakeholdern dargestellt werden? (GPO-WM) Die Wissensbilanz Methodik ist eine wichtige Grundlage hierzu, welche von den Experten vom Arbeitskreis Wissensbilanz [AK-WB] unter dem Titel `Wissensbilanz Made in Germany im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums entwickelt wurde. Mit der `Wissensbilanz kann eine umfassende Bestandsaufnahme und Bewertung immaterieller Werte erreicht werden. (AK-WB) Die `Wissensbilanz ist ein strategisches Managementinstrument, das das intellektuelle Kapital einer Firma erfasst, bewertet und in strukturierter Form ausweist. Dieses Instrument soll hinsichtlich seiner Bedeutung und Wirkung im Rahmen unserer Konzeption und Verbreitungsstrategie eher für innerbetriebliche Erkenntnis- und Entfaltungsprozesse eingesetzt werden. Durch die Anwendung der `Wissensbilanz konzentrieren wir uns bewusst auf eine Auseinandersetzung mit den immateriellen Vermögenswerten und deren Steuerbarkeit in einem Unternehmen und möchten deren Wahrnehmung und Transparenz nach Innen unterstützen. Sie soll helfen Zusammenhänge und Einflussfaktoren zu analysieren und zu bewerten, die letztendlich über den Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens entscheiden. 1 Dabei sollen insbesondere zur Einführung und Schaffung erster Wahrnehmungsprozesse in den Klein(st)betrieben u. a. Instrumente wie Der Wissensbilanz-Schnelltest bzw. "Zukunftscheck Mittelstand" herangezogen werden: "Klassische, rein finanzorientierte Instrumente helfen hier nicht weiter. In diese Lücke stößt der 'Zukunftscheck Mittelstand', den das Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik für das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie entwickelt hat." (Schauerte MdB 2008) Das prozessorientierte Wissensmanagement zur Verbesserung von operativen Geschäftsprozessen in Bezug auf den Umgang mit Informationen und Wissen ist ein Bestandteil dieses anvisierten Entfaltungsprozesses im Handwerk. Die Einführung von Wissensmanagement zur 1 Eine Außendarstellung der Ergebnisse in Richtung Banken und Investoren (Rating) ist in dem uns bevorstehenden Implementierungskontext sekundär; ein Beitrag der jedoch von Unternehmen in einem späteren Schritt und Konsultierungsprozess geleistet werden kann. Optimierung von Geschäftsprozessen in den KMU kann durch eine Auswahl und Implementierung von in der Praxis erprobten und den Bedürfnisse des Handwerks angepasste Lösungen und Hilfsmittel unterstützt werden. (ProWis) Eine Wissenswerkstatt ist ein bewährtes Vorgehen für KMU, die ihre Geschäftsprozesse durch einen neuen Umgang mit dem vorhandenen Wissen in ihrem Unternehmen verbessern wollen. In einer `Wissenswerkstatt werden 5 Unternehmen gemeinsam dabei begleitet, ihre jeweils unternehmensspezifische Herausforderungen im Umgang mit Wissen zu analysieren, die für sie passende Lösung auszuwählen und in ihre Geschäftsprozesse umzusetzen. Dabei werden die Unternehmen von einer erfahrenen `Dialogbegleitung unterstütz, die ihre Expertise im Wissensmanagement einbringt. (DiWis) Abb. 7: Modellhafte wissensorientierte Geschäftsprozessanalyse (ZEUPRO-Experten-Workshop DiWis) Gerade im Handwerk bietet sich der Kundenauftrag als Ausgangspunkt für Transfer-Konzepte an, die einen thematischen Aneignungsprozess (Lernen) im Kontext der Arbeit unterstützen und u. U. auch den Zugang zu erforderlichen IT- bzw. E-Learning-Bestandteilen eines Implementierungsprozesses nach Bedarf einbetten lassen. Bislang überwiegen formelle Angebote für das Handwerk; informelle Weiterbildungsangebote, welche auf gezielte Beratungsleistung zur Sensibilisierung im Vorfeld abzielen und persönliche wie betriebliche Kompetenzentwicklung verknüpfen, existieren kaum. (Hahne 2005) Im Rahmen des angestrebten Sensibilisierungs-, Beratungs- und Qualifizierungskonzeptes des ZEUPRO- Projektes werden v. a. situative bzw. auftragsstrukturierte `Beratungs- und Qualifizierungsunterstützende Maßnahmen und Module zur Entwicklung einer handwerksspezifischen `Lern- und Wissensmanagementinfrastruktur genutzt. Bildungsdienstleister und Handwerksorganisationen werden branchenspezifische auftragsstrukturierte Beratungs- und Weiterbildungsformate entwickeln und anbieten, um darüber hinaus das Lernen in Geschäftsprozessen zu unterstützen. Der Transfer der zu entwickelnden Beratungsinstrumente wird auch durch Zusammenarbeit mit der zentralen Leitstelle für Technologie- Transfer im Handwerk (TTnet) und damit einhergehend eine gezielte Qualifizierung der Innovationsberater (bundesweit) unterstützt.

5 ZEUPRO Seite 5 Resümee Darüber hinaus wird eine fallbezogene Auswahl von Beispielen die Arbeit mit den Beratungsinstrumenten verdeutlichen und damit die Unternehmensberatungspraxis unterstützen. Die geplanten Aktivitäten des HPI als Projektkoordinator, gehen einher mit der aktiven Presseund Öffentlichkeitsarbeit. Weiterhin werden die Projektergebnisse `webbasiert (www.zeupro.de) über dem zentralen Beratungs- und Informationstransferportal für Technologietransfer des Handwerks BiS-Tech (www.bistech.de) den Multiplikatoren sowie Unternehmern bzw. Fach- und Führungskräften zur Verfügung gestellt. In vier Kernprozesse sind sodann insgesamt die geplanten Projekt-Aktivitäten untergliedert: 1. Entwicklung von Beratungs- und Weiterbildungs- Modulen 2. Transfer der entwickelten Module in bestehende Fort- und Weiterbildungslehrgänge 3. Beitrag zur Verankerung des Wissensmanagement- Ansatzes in der handwerklichen Berufsausbildung 4. Reflexion der Wechselwirkung zwischen der Wissensbilanzmethodik und den kennzahlbasierten Kosten- und Leistungsanalysen / Benchmarking der Berufsbildungsstätten des Handwerks Fazit: Es ist davon auszugehen, dass jedes Unternehmen von der immer kürzeren Halbwertzeit des Wissens betroffen sein wird. Umso dringender werden sich die Führungskräfte sowohl um die individuelle als auch organisationale Optimierung des Mitarbeiter- und Unternehmenswissens als ineinander greifende qualitative Wirkungselemente des betrieblichen Wertschöpfungsund Innovationsprozesses aktiv kümmern müssen. Immaterielle Werte, wie Mitarbeiterkompetenzen, stabile Kundenbeziehungen oder zukunftsträchtige Innovationspotenziale sind wichtige innere Erfolgsfaktoren für kleinere und mittlere Unternehmen. Diese nicht zu unterschätzenden "inneren Werte" eines Unternehmens sind im Wandel unserer Gesellschaft von der Produktionszur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft 2 insbesondere zu beherzigen. Mit dem Projekt ZEUPRO und somit der zielgerichteten Profilierung der ausgewählten Berufsbildungs- und Technologiezentren (BTZ) der gegenwärtig im Vorhaben beteiligten Handwerkskammern Hamburg, Hannover, Koblenz und Region Stuttgart zu Zentren für Unternehmensentwicklungsprozesse zielen wir darauf ab zu dieser Entwicklung beizutragen. Hannover, Februar 2010 Dr. Ali Gholamazad Projektleiter Literaturverzeichnis: Edvinsson, Leif (1997): Intellectual capital: Realizing your company's true value by finding Its hidden brainpower. Harper Business. New York, Fülbier, M., Pirk, W. (2006): Projektbericht 2005/2006 Förderung des Technologie-Transfers für das Handwerk, Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik, Hannover, (Eigenverlag) Gholamazad, Ali (2008): Analyse und Bewertung des qualitativen Beitrages von Mitarbeiterqualifikationen zum betrieblichen Innovationsprozess: Innovationen im Arbeitsprozess, Qualifikationsanforderungen und Fachkräftekompetenzen. Weissensee-Verlag. 2008, Berlin. Hahne, Klaus (2005): Auftragsbezogenes E-Learning und Wissensmanagement für das Handwerk. In: Wissensmanagement : Das Magazin für Führungskräfte. - 7 (2005), H. 1, S ISSN: Hanisch, Gabriele: Wissensmanagement - Systembaukasten für die Meisterwerke von Morgen. Warum ist Wissensmanagement im Handwerk wichtig? (www.handwerk-international.de/wissensland) Heisig, Peter (2005): Integration von Wissensmanagement in Geschäftsprozessen. Bericht aus dem Produktionstechnischen Zentrum Berlin (PTZ). Fraunhofer IPK, IWF/Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb Technische Universität Berlin. Berlin, Hubig, C. (1998): Informationsselektion und Wissensselektion. In: Bürgel, Hans Dietmar (Hrsg.): Wissensmanagement - Schritte zum intelligenten Unternehmen. Springer-Verlag Berlin Heidelberg, Koch, M.; Richter, A. (2009): Enterprise 2.0: Planung, Einführung und erfolgreicher Einsatz von Social Software in Unternehmen, Oldenbourg Verlag, München, Seite 120 ff. bei den Verfassern. Kohl, Ina (2009): Akzeptanzförderung bei der Einführung von Wissensmanagement. Ein Methodenbaukasten für kleine und mittlere Unternehmen. Bericht aus dem Produktionstechnischen Zentrum Berlin (PTZ). Fraunhofer IPK, IWF/Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb Technische Universität Berlin. Berlin, Mandl, Thomas (2003): Neuere Entwicklungen bei der Evaluierung von Information Retrieval Systemen: Web- und Multimedia-Dokumente: In: Information - Wissenschaft und Praxis vol. 54 (4). S Reinmann-Rothmeier, G./Mandl, H. (2000): Multiple Wege zur Förderung von Wissensmanagement in Unternehmen. In: Dehnbostel, P./Dybowski, G. (Hrsg.): Lernen, Wissensmanagement und berufliche Bildung. Berichte zur beruflichen Bildung. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIB). Bertelsmann Verlag. Bielefeld, Schauerte, Hartmut (2008) Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie: Immaterielle Werte wichtig für kleine und mittlere Unternehmen Pressemitteilung vom (www.bmwi.de) Verzeichnis ausgewählter Projekte: AK-WB: Arbeitskreis Wissensbilanz. Raunhofer IPK & Eureki. (www.akwissensbilanz.org) DiWis: Dialogbegleitung in Wissenswerkstätten. Core Business Development GmbH, Berlin. (www.diwis.net) Easy Knowledge: Wissensmanagement mit Bordmitteln; ist ein Vorgehensmodell für Unternehmen zum Einstieg in die Wissensnutzung und konzentriert sich dabei auf das Finden, Aufbereiten und Bereitstellen von explizitem Wissen im Unternehmen. GOM Gesellschaft für Organisationsentwicklung und Mediengestaltung mbh, Aachen. (www.easyknowledge.net) EWIKOH: Entwicklung und Einführung einer Infrastruktur zum praxisorientierten und erfahrungsgeleiteten Wissensmanagement in kooperierenden handwerklichen Unternehmen. (www.wissensmanagement-handwerk.de) GPO-WM - Analyseleitfaden. Eureki - European Research Center for Knowledge and Innovation. Berlin, Cambridge, GPO-WM ist ein eingetragenes Markenzeichen von Dr. Peter Heisig. (www.eureki.org) IPS-AI: Aufgabenbezogener Informationsaustausch als Werkzeug für das Wissensmanagement in KMU. Technische Universität Dresden, Arbeitsgruppe Wissen Denken. (tu-dresden.de/die_tu_dresden/.../kurzbeschreibungai.pdf METORA: Netzwerk für Wissenskooperation: Maßgeschneiderter Umgang mit Wissen für den Mittelstand. (www.metora.de) ProWis: Wissen Prozesse Management. Fraunhofer IPK und IFF, Berlin. (www.prowis.net) Roadshow WM: Roadshow Wissensmanagement. Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) (www.isl.org) Wipro: Der Wissens- und Innovationsmanager. Projektspezifische Gestaltung wissensbasierter Produktinnovationsprozesse. RWTH Aachen. Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Technologie- und Innovationsmanagement. (www.wipro-forum.de) 2 Konferenz "Zukunftscheck Mittelstand". BMWI Berlin,

6 ZEUPRO Seite 6 Resümee Projektinformationen in Kürze Projektleitung und Koordinierung: Heinz-Piest-Institut für die Handwerkstechnik an der Leibniz Universität Hannover Ansprechpartner: Dr. Ali Gholamazad Projektleitung Tel.: Fax: Dipl.-Ing. Walter Pirk Zentrale Leitstelle für Technologie-Transfer-Netzwerk im Handwerk Tel.: Tel.: Projektpartner: - Handwerkskammer Hamburg (www. elbcampus.de) - Handwerkskammer Hannover (www. fbz-garbsen.de) - Handwerkskammer Stuttgart (www. hwk-stuttgart.de) - Handwerkskammer Kolblenz (www. hwk-koblenz.de) Des Weiteren wird das Projekt unterstützt durch: - Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) - Niedersächsisches Kulturministerium Projektlaufzeit: Projektinterne Kick-off-Veranstaltung am beim HPI in Hannover (v.l.n.r. ) vorne: Rolf Müller/HWK Koblenz, Benita von Steinaecker/FBZ HWK Hannover, Elke Keller/ELBCAMPUS HWK Hamburg und (v.l.n.r.) hinten: Walter Pirk/HPI, Mathias Mölle/FBZ HWK Hannover, Norbert Durst/HWK Stuttgart und Dr. Ali Gholamazad/HPI Projektleiter. Experten-Workshop ProWis-Training ( ) Fraunhofer IPK, Berlin

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