Seminar aus Informationswirtschaft. Systemtheorie als Grundlage für systemisches Wissensmanagement

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1 Seminar aus Informationswirtschaft Systemtheorie als Grundlage für systemisches Wissensmanagement Fekete Thomas ( ) Pacar Marijo ( ) Spritzendorfer Oliver ( ) SS 2003

2 Inhaltsverzeichnis 1. EINLEITUNG SYSTEM Die Problemsituation Die Wechselwirkung Das System Die Steuerung Der Prozess SYSTEMTHEORIE Historische Entwicklung der Systemtheorie Die Kybernetik von Wiener Ansätze der Allgemeinen Systemtheorie Die Allgemeine Systemtheorie von Bertalanffy Die Allgemeine Systemtheorie von Boulding Die Entwicklung zum heutigen Selbstverständnis der Systemtheorie Ansätze der neueren Systemtheorie Die Theorie der vernetzten Systeme von Vester Autopoiesistheorie von Maturana/Varela Die Verbindung von Systemtheorie und Kybernetik Der System-Dynamic-Ansatz Der system-kybernetische Ansatz Systemtheorie in der Managementlehre Angloamerikanische Ansätze Deutschsprachige Ansätze Ziele der Systemtheorie GRUNDLAGEN WISSENSMANAGEMENT Der Begriff Wissen Arten von Wissen Wissensformen Grundlagen Management Seite 2/38

3 4.5 Was ist Wissensmanagement Wissensmanagement Architektur Aufgaben und Ziele von Wissensmanagement SYSTEMISCHES WISSENSMANAGEMENT GANZHEITLICHES WISSENSMANAGEMENT ZUSAMMENFASSUNG LITERATURVERZEICHNIS ABBILDUNGSVERZEICHNIS Seite 3/38

4 1. Einleitung Früher, in der Old-Economy, war alles einfacher. Man gab Erfahrungen weiter oder behielt sie für sich und konnte sich stillschweigend auf "Best Practices-Modelle" verlassen. Seitdem der Erfolg und der Wert eines Unternehmens immer mehr von dem Know-how und den Erfahrungen der Mitarbeiter und immer weniger von den Faktoren Sachwerte und Kapital abhängt, wurden Strategien und Lösungen für das richtige Management von Wissen entwickelt. 1 Wissensmanagement beschäftigt sich mit der Lieferung, Verwaltung, Verteilung und Nutzung von Wissen bzw. Informationen in Unternehmen sowie mit der Organisation und Führung dieser Prozesse. Angesichts zunehmender Personalfluktuation und des stärker werdenden Qualitäts- und Kostendrucks kommt der Organisation und Verfügbarkeit der richtigen Informationen eine immer stärkere Bedeutung zu - Information wird zum Produktionsfaktor. Das Management von Daten und Informationen prägt das aktuelle unternehmerische Handeln. Daraus ist die Terminologie Wissensmanagement entstanden. Ist aber Wissen tatsächlich auf mitteilbare Informationen reduziert und kann man es wirklich managen? Muss der Begriff nicht eher Wissensarbeit genannt werden, weil Wissen "erarbeitet" werden muss? Und welche Rolle spielt der Faktor Mensch? 2 All diese Fragen werden wir versuchen im Rahmen dieser Seminararbeit zu beantworten. Als Grundlage für Wissensmanagement gilt die Systemtheorie, die wir in unserer Seminararbeit behandeln wollen. Um einen Zusammenhang zwischen Systemtheorie und Wissensmanagement herstellen zu können, werden wir zuerst auf die Grundlagen der Systemtheorie eingehen und Definitionen der wichtigsten Begriffe liefern. Anschließend werden wir die bedeutendsten theoretischen Ansätze der Systemtheorie vorstellen. Die Systemtheorie hat auch in der Managementlehre Einzug gehalten und wir wollen die wichtigsten angloamerikanischen und deutschsprachigen Ansätze beschreiben. Um zu einem umfassenden Bild von Ganzheitlichem Wissensmanagement zu gelangen, werden wir die Erkenntnisse der Systemtheorie anschließend mit den Grundbegriffen des Wissensmanagement assoziieren. Im Anschluss daran stellen wir das Systemische Wissensmanagement Modell von Wilke vor. Das Kapitel Ganzheitliches Wissensmanagement und unsere Zusammenfassung runden unsere Seminararbeit ab. Im siebten Kapitel werden wir eine Zusammenfassung unserer Seminararbeit liefern und im Anschluss daran auf unsere anfängliche Fragestellung Kann Systemtheorie Seite 4/38

5 als Grundlage für systemisches Wissensmanagement angesehen werden? eingehen und diese beantworten. Seite 5/38

6 2. System Im systemorientierten Denken ist der Begriff System von zentraler Bedeutung. Im Zusammenhang mit System sind auch die Vorstellungen über die Problemsituation, über die wirksamen Wechselwirkungen, über die Möglichkeiten der Steuerung sowie über den Prozess von grundlegender Bedeutung. Abb. 1: grundlegende Begriffe im systemorientierten Denken 2.1 Die Problemsituation Eine Situation, in der ein Beobachter einen Unterschied zwischen einem erwünschten Soll und einem gegebenen Ist beobachtet, ist ein Problem. Hier sind dem Beobachter die Möglichkeiten der bewussten quantitativen und/oder qualitativen Minimierung dieses Unterschiedes zunächst unbekannt. Eine Problemsituation ist eine von einem Beobachter als bedeutsam definierte Ganzheit aus sich wechselseitig beeinflussenden Einflussgrößen, in der ein Unterschied zwischen einem Soll und einem Ist beobachtbar ist Die Wechselwirkung Eine Wechselwirkung ist eine Ursache-Wirkungs-Kette, in der sich die Wirkungen beidseitig ausbreiten und deren Ende auf ihren Anfang zurückwirkt. Die Wechselwirkungen können sich im Zeitablauf verändern (Prozess). 4 3 Wilms 2001, S Wilms 2001, S. 61 Seite 6/38

7 2.3 Das System Bei Wilms wird das System folgendermaßen beschrieben: 5 Ein vom Beobachter definierter Gesamtzusammenhang aus Faktoren (Problemsituation) und ihren Wechselwirkungen hat eine völlig andere Qualität als die Summe der beteiligten Faktoren. Aus funktionaler Sicht entnimmt ein System Inputs aus externen Quellen und transformiert sie in bestimmte Outputs, die dann an externe Senken abgegeben werden. Aus strukturaler Sicht besteht ein System aus einer geordneten Gesamtheit von sich wechselseitig beeinflussenden Elementen. Die Wechselwirkungen und die Elemente können sich im Zeitablauf verändern, die ausschließlich durch die wirksame Eigengesetzlichkeit des Systems begrenzt wird. Die hierarchische Sicht berücksichtigt besonders die verschiedenen Abstraktionsebenen des Systems. Das System, seine umgebende Umwelt und die Interaktion zwischen ihnen sind aus übergeordneter Sicht Faktoren eines umfassenderen Gesamtsystems. Die Grenze des Systems ist nicht zwingend als geografische Begrenzung zu verstehen, die das System mit seiner Umwelt verbindet und dort ihre Wirksamkeit entfaltet, wo eine deutliche Abnahme an Wechselwirkungen zu beobachten ist. Systeme sind grundsätzlich bezüglich Materie und Energie offen, gleichzeitig sind sie aber informationsdicht. Als Wirklichkeit ist für ein System nur das erkennbar, was durch die wirksamen Wechselwirkungen der eigenen Bestandteile definiert wird. Ein System ist eine Gesamtheit von sich wechselseitig beeinflussenden Komponenten, die eine Innen/Außen-Differenz zwischen sich und dem Umfeld aufweist. 2.4 Die Steuerung Die Tätigkeiten zur Sicherung der gegenwarts- und zukunftsorientierten Zielerreichung werden mit dem Begriff der Steuerung zusammengefasst. Die eher vergangenheitsbezogene Überwachung wird Kontrolle genannt und ist ein Nebenprodukt der Steuerung. Eine Steuerung ist eine auf die Zielerreichung abgestellte, bewusst geplante, zirkulär organisierte Reaktion auf beobachtete Zielabweichungen. 6 5 Wilms 2001, S. 62f 6 Wilms 2001, S. 64f Seite 7/38

8 2.5 Der Prozess Die Wechselwirkungen bewirken ein beobachtbares Verhalten der gesamten Problemsituation in räumlich-zeitlicher Hinsicht. Die Übergänge von einem Zustand in einen anderen im Zeitablauf folgenden Zustand heißen Prozesse. Ein Prozess ist eine permanente Zustandsänderung. Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Zustandsänderungen. Sind quantitative Zustandsänderungen zu beobachten, so spricht man von einem Wachstum, werden qualitative Zustandsänderungen beobachtet, so handelt es sich um eine Entwicklung. Dient der Output einer Transformation zum folgenden Zeitpunkt als Input der gleichen Transformation, so handelt es sich um einen rekursiven Prozess. Beispiele hierfür sind die Bestimmung einer Population in einem begrenzten Gebiet und die Mandelbrotmenge. Ein Prozess ist eine Abfolge von qualitativen oder quantitativen Änderungen in einer Konstellation von sich wechselseitig beeinflussenden Faktoren. 7 7 Wilms 2001, S. 66f Seite 8/38

9 3. Systemtheorie 3.1 Historische Entwicklung der Systemtheorie Die Erforschung von Problemen mit wirksamen internen Wechselwirkungen begann offiziell Ausgehend von der Erkenntnis Aristoteles das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile wurde mit der Systemtheorie versucht, den bisherigen analytischen Methoden eine synthetisch-ganzheitliche Methodik zur Seite zu stellen. 8 Ab den 1960er Jahren wurde eine interdisziplinäre Grundlagen- und Projektforschung immer notwendiger und durch die steigende Informationsflut stieg zugleich der Bedarf am integrativen Wissen. Es wurde versucht Strukturen und Wirkungszusammenhänge aufzudecken, um somit Probleme theoretisch sowie praktisch handhaben zu können. Die Idee des Denkens in Systemen im 20. Jahrhundert stützt sich auf 3 verschiedene Säulen. Einerseits hatte die militärisch-ökonomische Forschung in den USA nach dem zweiten Weltkrieg die beiden Bereiche Operations-Research und Kosten/Nutzen-Analyse zu Projekten zusammengefasst, bei deren Anwendung die Systemanalyse generiert worden ist. 9 Als zweite Säule begründete der Biologe Ludwig von Bertalanffy eine Allgemeine Systemtheorie zur Beschreibung organischer Gebilde. Zur Beschreibung ihrer Strukturen und Verhaltensweisen ersetzte er den vagen Begriff Ganzheit durch den Begriff System. Die dritte Säule des Systemdenkens besteht in der von Wiener begründeten Kybernetik. Dieser Wissenschaftszweig beschäftigt sich mit der Steuerungs-, Regelungs- und Nachrichtentheorie und ihrer Bedeutung für Lebewesen und Maschinen. Bis heute gibt es weder eine allgemein gültige Systemtheorie es existieren verschiedene Systemansätze mit signifikanten Unterschieden in der Arbeitsweise noch eine allgemein anerkannte Klassifikation der Systemansätze Die Kybernetik von Wiener Die Systemtheorie versteht sich als Versuch, die Segmentierung der Wissenschaft und Praxis in einzelne Untersuchungsbereiche aufzufangen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Ursprung der Allgemeinen Systemtheorie, die Kybernetik, selbst als Theorie aus interdisziplinären Gesprächen einer Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern unterschiedlichster Fachrichtungen hervorging Wilms 2001, S Wilms 2001, S Wilms 2001, S Güldenberg 2001, S. 31 vgl. Orginalliteratur Wiener 1968 Seite 9/38

10 Der Begriff Kybernetik ist ein Kunstwort von Wiener, das sich an das antike kybernetes (=Steuermann) anlehnt. In den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte Shannon die These, dass elektrische Schaltkreise grundlegende Denkoperationen verkörpern können und erarbeitete später mit Weaver das Grundmodell der mathematischen Nachrichtenübermittlung. 12 Zur selben Zeit konnten McCulloch und Pitts zeigen, dass Operationen der menschlichen Nervenzelle mit ihren Verbindungen zu anderen Nervenzellen mit der Begrifflichkeit der Logik abbildbar waren. 13 Durch diese Analogien gewann Wiener die Überzeugung, dass technische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse zusammengeführt werden könnten. Er war der Meinung, dass erstens Regeltechnik und Nachrichtentechnik untrennbar sind und zweitens, dass nicht die Elektronik, sondern die Nachricht im Mittelpunkt der Betrachtung zu stehen hat, egal ob diese mittels Elektrotechnik, Mechanik oder Nervenbahnen übertragen wird. Kybernetik ist also nicht allein Regelungstheorie, sondern ihr grundlegendes Untersuchungsobjekt ist der frei in der natürlichen Umgebung lebende Organismus mit seiner Fähigkeit, sich selbstständig den permanent wandelnden Umständen anzupassen und dadurch langfristig zu überleben. 14 Ähnlich der Systemtheorie hat sich auch in der Kybernetik keine einheitliche Definition ergeben. Während in der ersten Phase die Wissenschaftler der klassischen Kybernetik (Kybernetik I) auf die Gewinnung spezieller Erkenntnisse im technischen Bereich (Regelungskreise, Ultra- und Multistabilität, Servomechanismen usw.) konzentrierten, traten in einer zweiten Phase Wissenschaftler hinzu, die den in der Kybernetik immanenten Systemansatz aufgriffen und zu einer Allgemeinen Systemtheorie (Kybernetik II) weiterentwickelten, deren Inhalte sich mit Evolution, Wandel, Instabilität, Flexibilität, Lernen, Autonomie und Selbstreferenz auseinandersetzten Ansätze der Allgemeinen Systemtheorie Die Allgemeine Systemtheorie von Bertalanffy Als erster bedeutender Vertreter der Allgemeinen Systemtheorie wird heute der Biologe Ludwig v. Bertalanffy angesehen, der bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Theorie der Selbstregulierungsfähigkeit offener biologischer Systeme entwarf. 16 In späterer Zeit strebte er durch Verallgemeinerung seiner damals gewonnenen Erkenntnisse eine Allgemeine Systemtheorie an, die als eine Art Meta-Theorie 12 Wilms 2001, S Wilms 2001, S Wilms 2001, S Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S. 34 vgl. Orginalliteratur Bertalanffy 1984 Seite 10/38

11 Gemeinsamkeiten aller Systeme aufdecken und Erkenntnisse auf die unterschiedlichsten Wissensgebiete übertragbar machen sollte. 17 Als erster Systemtheoretiker unterschied Bertalanffy zwischen offenen und geschlossenen Systemen. Weiters ist es sein Verdienst, den Begriff der organisierten Komplexität dem bis dahin vorherrschenden linearen Ursache- Wirkungs-Denken gegenüber gestellt zu haben. Dadurch hob er als Erster die Bedeutung der gegenseitigen Wechselwirkungen von einzelnen Systemelementen. Bertalanffy ist weiters der Auffassung, dass die Entwicklung einer Meta-Theorie nur mit einer Erhöhung des Abstraktionsgrades der Aussagen erfolgreich sein kann Die Allgemeine Systemtheorie von Boulding Boulding, der sich zum gleichen Zeitpunkt mit der Konstruktion einer Allgemeinen Systemtheorie beschäftigte, widerspricht dem Ansatz von Bertalanffy. Im Gegensatz zu Bertalanffy hat er das Ziel, in verschiedenen Einzelwissenschaften nach gemeinsamen Merkmalen zu suchen, um dadurch das Abstraktionsniveau der Einzelwissenschaften beibehalten zu können. 19 Dabei schwebt ihm das System einer Klassifizierung der Einzelwissenschaften nach ihrem Komplexitätsniveau vor Augen, wobei er davon ausgeht, dass das Komplexitätsniveau der Theorien als ideelle Systeme abhängig sei von dem Komplexitätsniveau der realen Systeme. 20 Boulding baut die Unterscheidung von Bertalanffy zwischen offenen und geschlossenen Systemen weiter aus, indem er neun Stufen unterscheidet, beginnend bei Stufe 1: statische Strukturen über Stufe 5: Pflanzen und Stufe 8: soziale Organisationen bis hin zu Stufe 9: transzendente Systeme. Boulding sieht dabei als Erster soziale Organisationen und demzufolge auch Unternehmen als Systeme und ebnet dadurch den Weg zu einer systemorientierten Managementlehre Die Entwicklung zum heutigen Selbstverständnis der Systemtheorie Im Laufe der Zeit erkannte man, dass der eigentliche Zweck der Systemtheorie nicht in erster Linie darin bestehen kann, eine gemeinsame Sprache aller Wissenschaften zu erschaffen, sondern vielmehr darin liegt, ein besseres Abbild der Wirklichkeit zu liefern. Als Zeichen dieses Bewusstseinswandels wurde die 1954 von Bertalanffy, Boulding, Gerard und Rapoport in Berkeley gegründete Society for the Advancement of General Systems Theory 1957 in Society for General Systems Research umbenannt. 22 Damit war ein Forum für die Wissenschaftler geschaffen, die nicht primär an der Schaffung einer gemeinsamen Meta-Sprache interessiert waren, sondern die die Erkenntnisse der Systemtheorie für ihr eigenes Forschungsgebiet nutzen wollten Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S. 34f 19 Güldenberg 2001, S. 35 vgl. Orginalliteratur Boulding Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S. 36 Seite 11/38

12 Beispiele dafür sind: Kybernetische Ansätze (Neuro-)Biologische Ansätze Soziologische Ansätze Evolutionstheoretische Ansätze Lerntheoretische Ansätze Kommunikationstheoretische Ansätze Informationstheoretische Ansätze Politikwissenschaftliche Ansätze Managementorientierte Ansätze 3.4 Ansätze der neueren Systemtheorie Die Theorie der vernetzten Systeme von Vester Der Biochemiker und Systemtheoretiker Fredric Vester hat mit seiner Theorie der vernetzten Systeme die Grundlage für den heute in der Managementlehre weit verbreiteten St. Gallener-Management-Ansatz gelegt. Obwohl sein Ansatz, bedingt durch seine zahlreichen, für ein breites Publikum geschriebenen Publikationen und Fernsehauftritte, oft als populärwissenschaftlich abqualifiziert wird, hat er doch in entscheidendem Maße die heutige deutschsprachige, systemtheoretisch orientierte Managementlehre genauso wie die lernpsychologische Forschung beeinflusst. 24 Fester formulierte acht biokybernetische Grundgesetze, die den Kern seiner Arbeiten ausmachten: 25 Negative Rückkopplung dominiert über positive in verschachtelten Regelkreisen Durch diesen Zusammenhang lässt sich erklären, warum schmerzvolles Lernen (beispielsweise das Berühren einer heißen Herdplatte) einen stärkeren Wirkungsgrad hat als Lernen durch Erfolg. Funktion ist unabhängig vom Mengenwachstum Wachstum kann nur in der Geschwindigkeit ablaufen, die nicht mit der Struktur des Systems in Widerspruch steht. Damit kann man begründen, dass es zu jedem Zeitpunkt sowohl eine optimale Größe als auch eine optimale Lernintensität für Systeme gibt. Funktionsorientierung statt Produktorientierung durch Produktvielfalt und wechsel Wenn die Funktion eines Systems an die Herstellung eines bestimmten Produktes gebunden ist, könnte das System bei Erreichen der optimalen Größe das Produkt nicht mehr erzeugen. Allein schon das erste Gesetz des Regelkreisprinzips der positiven und negativen Rückkoppelung legt den Wechsel und damit die Unabhängigkeit der Funktion eines Systems vom Produkt nahe. 24 Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S. 37f Seite 12/38

13 Jiu-Jitsu-Prinzip: Steuerung und Nutzung vorhandener Kräfte Das Jiu-Jitsu-Prinzip geht davon aus, dass durch intelligente Nutzung vorhandener systemimmanenter Kräfte bei der Gestaltung lebensfähiger Systeme nur geringfügige Steuerenergien notwendig sind (im Gegensatz zum Bekämpfen der scheinbar unerwünschten Kräfte mit eigenen Gegenkräften). Mehrfachnutzung von Produkten, Verfahren und Organisationseinheiten Dieses Prinzip kann bei allen lebensfähigen Systemen in der Natur beobachtet werden. Insbesondere in diesem Grundgesetz liegt der Sinn der Vernetzung von Systemen, wie es im besonderen Maße in den vernetzten Strukturen des menschlichen Gehirns deutlich wird. Recycling unter Kombination von Einwegprozessen zu Kreisprozessen Dieses Prinzip ist eine besondere Form des Prinzips der Mehrfachnutzung. Die damit verbundenen Kreisprozesse sind ein Grund für die technologische Überlegenheit der asiatischen Wirtschaft. Symbiose unter Nutzung kleinräumiger Diversität Unter diesem Prinzip wird das enge Zusammenleben unterschiedlicher lebender Systeme zum gegenseitigen Nutzen verstanden. So sind auch im wirtschaftlichen Bereich die Grundprinzipien der Symbiose bei strategischen Allianzen und Kooperationen von großer Relevanz. Biologisches Grunddesign Vereinbarkeit technischer mit biologischen Strukturen Feedbackplanung und Entwicklung Dieses Prinzip der Vereinbarkeit aller, auch von Menschen geschaffener Strukturen mit ihrem Umfeld garantiert deren Überlebensfähigkeit Autopoiesistheorie von Maturana/Varela Die chilenischen Neurobiologen Maturana/Varela entwickelten eine der einflussreichsten Theorien im Bereich der neueren Systemtheorie. Ausgehend von einer Reihe von neurophysiologischen Experimenten wurde eine Theorie über die Arbeitsweise des (menschlichen) Nervensystems und eine daraus abgeleitete biologische Erkenntnistheorie entwickelt, die zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Theorie lebender Systeme und ihrer Selbsterzeugung (Autopoiese) weiter ausdifferenziert wurde. 26 Einerseits können anhand dieses Ansatzes neueste neurobiologische Erkenntnisse mit lerntheoretischen Konzepten verknüpft werden, andererseits wird das Konzept des Unternehmens als überlebensfähiges System um die Bedeutung der Lernfähigkeit und Selbstreferenz erweitert. Während die Theorien von Maturana/Varela insbesondere in den Sozialwissenschaften bereits breiten Eingang gefunden haben, sind in den Wirtschaftswissenschaften bisher nur vereinzelte Anwendungen dieses Konzeptes zu finden Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S. 39 Seite 13/38

14 Die Grundidee der Autopoiese-Theorie von Maturana/Varela besteht darin, die Organisation lebender Systeme zu erklären, indem jene Organisationsform beschrieben wird, die ein System als autonome Einheit konstituiert, welche im Prinzip alle für lebende Systeme charakteristischen Phänomene generieren kann, sofern die notwendigen historischen Voraussetzungen gegeben sind. 28 Das Konzept der Autopoiese dient damit zur Abgrenzung lebender oder lebensfähiger von unbelebten Systemen. Lebende Systeme sind dabei nach Ansicht von Maturana/Varela komplexe Systeme, die ganz besondere Charakteristika aufweisen (beispielsweise Autonomie und damit auch operationale Geschlossenheit). 29 Der Begriff der autopoietischen Organisation kann recht anschaulich am Beispiel einer Zelle erklärt werden. Eine Zelle produziert alle Bestandteile, aus denen sie besteht, selbst. Diese Zellenbestandteile ermöglichen gleichzeitig die Existenz einer Systemgrenze und damit die Identität des Systems. Alle Prozesse im Inneren der Zelle sind auf Selbsterzeugung ausgerichtet und damit auf Fortdauer der autopoietischen Organisation. Das Beispiel der Zelle ist nur eines der Möglichkeiten, wie autopoietische Organisationen realisiert werden können. Deshalb wird der Begriff der Struktur in dieses Konzept eingeführt. Unter der Struktur eines Systems werden die Bestandteile und Relationen, die in konkreter Weise ein bestimmtes System (als Einheit) konstituieren und seine Organisation verwirklichen verstanden. Es ist demnach für die Überlebensfähigkeit eines Systems innerhalb eines sich verändernden Umfelds entscheidend, inwieweit die vorliegende Struktur eines Systems Modifikationen erlaubt. Das Ausmaß und die Anzahl der potentiellen Veränderungsmöglichkeiten werden als strukturelle Plastizität des Systems verstanden: Eine Einheit, deren Struktur sich verändern kann, während ihre Organisation invariant bleibt, ist eine plastische Einheit, und die strukturellen Interaktionen, in deren Verlauf diese Invarianz erhalten werden kann, sind (Stör-)Einwirkungen. Da die Zustandsveränderungen eines autopoietischen Systems durch seine Struktur determiniert werden, stellen die (Stör-)Einwirkungen, aufgrund derer die autopoietische Einheit Zustandsveränderungen (Strukturveränderungen ohne Identitätsverlust) erleidet, lediglich Auslöseereignisse dar, die die Abfolge der Zustandsveränderungen der autopoietischen Einheit an die Abfolge derjenigen Zustandsveränderungen des Mediums ankoppeln, die die Störeinwirkungen darstellen. 30 Die strukturelle Plastizität des Systems ist die wesentliche Voraussetzung für die Lernfähigkeit von Systemen Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S. 40 Seite 14/38

15 3.5 Die Verbindung von Systemtheorie und Kybernetik Systemtheoretische wie kybernetische Ansätze eröffnen eine transdisziplinäre Perspektive und berücksichtigen den Umstand, dass Erkenntnisfortschritt nur in einem Kommunikationsprozess erreichbar wird, der ein sehr intensives Zusammenspiel zwischen den Beteiligten und dem Untersuchungsobjekt entstehen lässt. 32 Ashby hat die Ansätze von Ludwig v. Bertalanffy und Norbert Wiener zu einem einheitlichen Konzept integriert. Dieses wird seit den 1960er Jahren als umfassender Integrationsrahmen auf wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fragestellungen angewendet Der System-Dynamic-Ansatz 33 Weiters entwickelte Forrester eine Methode, die mittels nicht-linearer Differential- und Differenzengleichungen dynamische Systeme erfasst, abbildet und simuliert. Mittels dieses System-Dynamics-Ansatzes werden mit wenigen, einfachen Grundkomponenten, die sich vernetzen lassen, komplexe Sachverhalte dargestellt. Das Vorgehen des System-Dynamic-Ansatzes beginnt mit der Erfassung von Daten und Informationen über relevante Ereignisse. Es folgt die Erfassung oder die Schätzung der Verhaltenstrends der beteiligten Schlüsselfaktoren und das Aufspüren der Wechselwirkungen zwischen diesen Trends. Dann wird nach den Grundvorstellungen gefragt, die den bisherigen Handlungen der Akteure zugrunde liegen und Kausalitäten zwischen den gefundenen Schlüsselfaktoren bewirken. Abschließend wird geprüft, inwiefern die wirksamen Grundvorstellungen nützlich sind und ob sie ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Aus dem erarbeiteten Informationspool können dann Mikrowelten (=Simulationsmodelle von konkreten Problemen) erstellt werden. Sie dienen weniger der wirklichkeitsnahen Abbildung als dem vertieften Verständnis für die wirksamen Wechselwirkungen eines Sinnzusammenhanges, das durch die permanente Kommunikation der Beteiligten erzielt wird. Das Systemdenken einschließlich der grundlegenden Theoreme und Begrifflichkeiten wird hierbei als zentrale Fähigkeit des Lernens angesehen Der system-kybernetische Ansatz Mit der modernen Systemtheorie können vor allem Fragen der Regelungsfunktionen untersucht werden und mit der Kybernetik können Aspekte der multikausalen Regelung eingefangen werden. 34 Beide Ansätze gewinnen in der Betriebswirtschaftslehre zunehmend an Bedeutung und ermöglichen es, Erkenntnisse aus den Verhaltens-, den Rechts-, den Wirtschafts- und den Naturwissenschaften integrativ zu verschmelzen. 32 Wilms 2001, S Wilms 2001, S Wilms 2001, S. 52 Seite 15/38

16 Der system-kybernetische Ansatz ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Problemstellung in ein Modell transformiert wird, um sie verstehen zu lernen. Im folgenden Schritt werden alternierende Lenkungsmöglichkeiten durch ihre Anwendung am Modell gegeneinander abgewogen, bevor die gefundenen Maßnahmen in die Realität umgesetzt werden. Der system-kybernetische Ansatz besteht insgesamt aus einem durch Vor- und Rückkoppelungen gekennzeichneten Prozess der Identifikation relevanter Einflussfaktoren auf die gegebene Problematik aus der Modellierung problemkonstitutiver Vor- und Rückkoppelungsschleifen zu einem Modell, dessen Verhaltenstendenz analysiert wird Systemtheorie in der Managementlehre Angloamerikanische Ansätze Modell lebensfähiger Systeme (Viable Systems Model) von Beer Als Pionier auf dem Gebiet der systemorientierten Managementlehre wird heute der englische Kybernetiker Stafford Beer angesehen. Seine Arbeiten verbanden zum ersten Mal systemtheoretische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit der Theorie der Unternehmensführung. Insbesondere seine bekannteste Veröffentlichung Brain of the Firm, in der er eine Analogie zwischen dem menschlichen Zentralnervensystem und Unternehmen herstellte. 36 Beer erkennt als einer der ersten Systemtheoretiker, dass neben biologischen Systemen das Unternehmen ein ausgezeichnetes Beispiel für ein hochkompliziertes System darstellt. 37 Ausgangspunkt des Viable Systems Model von Beer ist das menschliche Zentralnervensystem, das aus dem menschlichen Gehirn und den Nervensträngen besteht, die vom Gehirn ausgehend den Körper durchziehen. Wenn man das Zentralnervensystem des Menschen als wissensbasiertes System ansieht, so können im Folgenden diesem Gesamtsystem fünf Subsysteme zugeordnet werden, die von Beer als System 1-5 gekennzeichnet werden: Wilms 2001, S Güldenberg 2001, S.40f 37 Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S.41 Seite 16/38

17 Abb. 2: Die fünf Subsysteme des menschlichen Zentralnervensystems Diese fünf Systeme überträgt Beer nun auf Unternehmen: System 1: Leitung von Basiseinheiten, die entweder funktional oder divisional organisiert sind System 2: Abstimmung und Koordination der Basiseinheiten (System 1), beispielsweise über ein Controlling-System System 3: Operatives Management und interne Abstimmung (Anstreben eines internen Gleichgewichts) System 4: Strategisches Management und externe Abstimmung (System/Umfeld Anstreben eines externen Gleichgewichts) System 5: Normatives Management (Abstimmung zwischen System 3 und System 4) 39 Die Aussagen von Beers Theorie können wie folgt zusammengefasst werden: 40 Eine Unternehmung ist dann und nur dann lebensfähig, wenn sie über ein Gefüge von Lenkungseinheiten verfügt, deren Funktionen und Zusammenwirken präzise spezifiziert sind. Mängel in diesem Gefüge, etwa ein Fehlen von Komponenten, ungenügende Kapazität von oder mangelhaftes Zusammenwirken der Komponenten, beeinträchtigen oder gefährden jeweils die Lebensfähigkeit der Organisation. Beispielsweise sind oft die Systeme 4 und 2 schwach ausgeprägt. Es gibt nicht wenige Unternehmen, die noch gutes Geld verdienen, aber strategisch gesehen schon fast tot sind. Die Lebensfähigkeit, Kohäsion und Selbstorganisation einer Unternehmung beruhen darauf, dass diese Funktionen wiederkehrend (rekursiv) über die verschiedenen Ebenen der Organisation hinweg vorhanden sind. 39 Güldenberg 2001, S Seite 17/38

18 Der Ansatz von Weick Als weiterer wichtiger Autor der angloamerikanischen Schule ist Karl Weick zu nennen. Weick definiert die Tätigkeit des Organisierens als durch Konsens gültig gemachte Grammatik für die Reduktion von Mehrdeutigkeit mittels bewusst ineinander greifender Handlungen. Organisieren heißt, fortlaufende unabhängige Handlungen zu vernünftigen Folgen zusammenzufügen, so dass vernünftige Ergebnisse erzielt werden. 41 Innerhalb der Erlebensströme in Organisationen treten immer wieder Veränderungen oder Diskontinuitäten auf, deren Bedeutung unklar ist, die aber tentative Reaktionen und Gestaltungsmaßnahmen hervorrufen, d. h. Variation. Diese Kombinationen von Wandel und Reaktion werden gedeutet, es werden kognitive Interpretationsschemata darauf angewendet, und die hilfreichen, sich bewährenden Interpretationsschemata werden ausgewählt (Selektion), gespeichert und weiterverbreitet (Retention). Organisationales Wissen entsteht durch solche Prozesse der Interpretation von Mehrdeutigkeit, Selektion und Retention des Gedeuteten nach dem Motto: "Wie kann ich wissen, was ich denke, fühle oder will (Retention), bevor ich sehe oder höre (Selektion), was ich sage oder tue (Variation)." Organisationale Gestaltung wird durch solche Sinngebungsprozesse angeleitet und Organisationen etablieren und verändern sich damit als Sinnwelten. 42 Abb. 3: Das Arrangement von Prozessen des Organisierens nach Weick Der evolutionäre Ansatz von Weick liefert als Einziger eine grundlegende Antwort auf die Frage, wie Organisationen mit der Mehrdeutigkeit der Welt umgehen, durch eine evolutionäre Fassung von Grundannahmen des Symbolischen Interaktionismus. Andererseits fehlen bei ihm jegliche Hypothesen zu Erfolg oder Misserfolg organisationaler Entscheidungen und Handlungen, und auch sonst verbinden sich mit diesem Ansatz zu wenig definitive organisationstheoretische Aussagen, ähnlich wie bei anderen interpretativen Ansätzen Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S.42f 43 orgpsy/forschung/texte/entscheidung.htm Seite 18/38

19 3.6.2 Deutschsprachige Ansätze Die St. Gallener Schule Zu einer ersten Übertragung des systemtheoretischen Gedankenguts in die Managementlehre innerhalb des deutschen Sprachraums kam es an der Hochschule St. Gallen. 44 Die Übertragung basiert auf dem Grundlagenwerk "Die Unternehmung als produktives soziales System" von Hans Ulrich, der diese Arbeit im Jahre 1968 veröffentlichte. Auf dieser Basis entstand wenig später das St. Galler Management Modell. 45 Ulrich erkannte, dass die traditionell verstandene Betriebswirtschaftslehre mit ihrer Beschränkung auf die rein wirtschaftliche Dimension eines Unternehmens für die Lösung zahlreicher praktischer Probleme des Unternehmensalltags nur sehr eingeschränkt hilfreich sein konnte. Insbesondere die Fragen der Unternehmensführung blieben nach Ansicht Ulrichs weitgehend unberücksichtigt. Er verstand schon damals die zentrale Bedeutung der Unternehmensführung für das gesamte Unternehmen. 46 Somit betrachtete er die Lehre von der Unternehmensführung als eine umfassende, ganzheitliche Gestaltung und Lenkung des Systems Unternehmen. Insofern ist es heute berechtigt, von einer systemorientierten Unternehmensführungs- bzw. Managementlehre zu sprechen, um die Abgrenzung dieses Ansatzes von der traditionell verstandenen Betriebswirtschaftslehre hervorzuheben. 47 Das Konzept von Hans Ulrich unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von der klassischen Betriebswirtschaft: 48 Es vertritt sowohl in Fragen der Betriebswirtschaftslehre, als auch in jenen des Managements konsequent den Systemansatz, orientiert sich also an der Systemtheorie und Kybernetik. Unternehmen, Institutionen und andere Organisationen sind demzufolge ziel- und zweckgerichtete gesellschaftliche Institutionen in einem komplexen Umfeld. Management bedeutet aus dieser Optik Gestalten, Lenken und Entwickeln von Systemen. Führungskräfte haben also Lösungen für komplexe Problemsituationen zu entwickeln. Ulrich versteht Unternehmen als Ganzes als soziale Systeme, da sie Gruppierungen von Menschen darstellen und damit Gesellschaften in der Gesellschaft. Neben Menschen bilden Sachmittel (Maschinen, Rohstoffe, ) Elemente von Unternehmen. Das Zusammenwirken der Elemente ist zweck- bzw. zielorientiert. Zwischen den Elementen bestehen Beziehungen (Kommunikations- und Leitungsstruktur), d.h. die 44 Güldenberg 2001, S Güldenberg 2001, S44f 47 Güldenberg 2001, S.44f 48 Seite 19/38

20 Unternehmensstruktur ist das Ergebnis eines formellen wie informellen Gestaltungsprozesses. Des Weiteren beschreibt Ulrich das Unternehmen in seinen späteren Arbeiten als: 49 offenes System: das Unternehmen lebt in Wechselbeziehung mit einem sich laufend veränderten Umfeld und muss sich diesen Veränderungen anpassen dynamisches System: das Unternehmen verändert seine eigene Struktur durch systemimmanente Prozesse ständig und es ist damit zu permanenten Entwicklungen herausgefordert komplexes System: das Unternehmen besteht aus einer Vielzahl von Elementen, die wiederum eine Vielzahl von wechselseitigen Beziehungen zueinander unterhalten probabilistisches System: das Unternehmen verhält sich in seinen Elementen und Beziehungen nicht vorhersagbar, da menschliches Verhalten nicht determiniert ist selbsttragendes System: das Unternehmen muss zur Erhaltung seiner Existenz (Überlebensfähigkeit) und damit zur Erfüllung seiner Funktionen ertragsbringend, zumindest aber kostendeckend wirtschaften multifunktionales System: das Unternehmen erfüllt als pluralistische Wertschöpfungseinheit soziökonomische Funktionen für verschiedenste Anspruchsgruppen lebendiges und damit lernfähiges System: das Unternehmen durchläuft ständige Veränderungsprozesse seiner selbst (es lebt), die sowohl von externen als auch internen Einflüssen (Reizen) ausgelöst werden. Diese Veränderungsprozesse sind immer auch als Lernprozesse anzusehen. Die Luhmannsche Schule Der deutsche Soziologe Niklas Luhmann konzentriert sich in seiner Theorie der sozialen Systeme, zu denen auch Organisationen zählen, insbesondere auf die Problematik der Reduktion von Komplexität. Luhmann begreift in diesem Zusammenhang Systeme als Identitäten, die sich in einer komplexen und veränderlichen Umwelt durch Stabilisierung einer Innen-/Außen-Differenz erhalten. Dadurch rückt die Problematik der Grenzziehung zwischen dem Innen und dem Außen, d.h. zwischen dem System und seinem Umfeld, zum Erlangen der eigenen Identität in den Mittelpunkt der Luhmannschen Überlegungen. Viel wichtiger als das Erlangen der eigenen Identität ist dabei allerdings die Reduktion der 49 Güldenberg S.45f Seite 20/38

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