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2 48- Wenn ich jetzt irgendetwas mit Freunden klären muss, zum Beispiel wenn wir Streit oder so haben, dann heul ich mich sozusagen bei meiner Mutter aus. Und wie hilft die dir? Die spricht mit mir darüber und wir versuchen dann ne Lösung zu finden. Meistens rufen wir dann meine Freunde zum Beispiel an und sprechen dann mit denen. Der 11-jährige Christopher hat im Laufe seiner Kindheit gelernt, auch eher unangenehme Gefühle bei sich zu erkennen, sie auszudrücken und sich auch Unterstützung zu suchen. Ein vorbildliches Verhalten für ein gutes Gefühlsmanagement und ein Zeichen für eine vertrauensvolle sichere Verbindung zu der Mutter. Und gerade die ist sehr entscheidend für eine positive emotionale Entwicklung bei Kindern, so der Dortmunder Entwicklungspsychologe Prof. Peter Zimmermann. O-Ton 237- ((( ))) //////Wer ne sichere Bindung hat, dass heißt wenn ich in der Eltern-Kind- Beziehung lerne, meine eigenen Gefühle dann, wenn sie mich belasten auszudrücken und darüber zu reden und dies als Regulation zu nutzen. Das heißt, man kann sich beruhigen darüber, dass man nicht nur körperlich Trost bekommt, sondern auch im Gespräch lernen, warum das jetzt gerade nicht geht. Warum etwas, was man dringend möchte, nicht funktioniert hat. Oder warum man sich mit dem Freund gestritten hat. ///Darüber lernt man nicht nur die Gefühle auszudrücken, sondern auch das Verständnis für die Gefühle anderer besser zu erlernen. /// Der Ausdruck der Gefühle beginnt bei den Kleinen, sobald sie auf die Welt kommen. Sie strahlen über das ganze Gesicht, wenn sie sich freuen und schreien, wenn sie hungrig sind, Schmerzen haben oder sich allein fühlen. Erkennen die Eltern in diesen Situationen nicht genau, warum ihr Nachwuchs nach ihnen ruft, so wird das Baby darüber verunsichert. O-TON 368- Eine der ersten Untersuchungen in diesem Bereich zeigte folgendes Ergebnis, dass die Intensität und die Schreirate des Weinens von Säuglingen sich reduzierte, wenn die Eltern tatsächlich prompt und angemessen reagierten und weiterhin relativ hoch blieb, wenn die Eltern nicht reagierten oder inkonsequent reagierten. 2

3 Die Folge für die Kleinen: Sie halten die eher unangenehmen Gefühle zurück, zeigen sie gar nicht mehr oder reagieren in bestimmten Situationen unverhältnismäßig stark, also hören beispielsweise gar nicht mehr auf zu weinen oder ziehen sich völlig zurück Bei uns in nem Spielzimmer an der Universität im Labor, da vermeiden die wirklich den Ausdruck negativer Gefühle, sind aber trotzdem gestresst, was sich über physiologische Parameter sehr deutlich zeigt. Im Kontext zu Hause heißt das nicht, dass sie ihre Gefühle ständig im Zaum halten, da sind sie ja unter Umständen sicher und sind viel eher quengeliger und nerviger, weil sie ja nicht lernen im Kontext mit ihren Eltern die Gefühle zu regulieren. Die Eltern sind dann irgendwann auch genervt, sind dann wieder zurückweisend, sodass das Kind wieder kurzfristig aufhört seine negativen Gefühle zu zeigen, aber es passiert nie eine effektive Regulation in dem Eltern Kind Paar. Den Kindern aus einer solchen eher unsicheren Eltern-Kindbindung fällt es oft schwerer ungehemmt ihre Umwelt zu erobern als bei Kindern, deren Eltern ihnen mehr Sicherheit in der täglichen Auseinandersetzung geben Es gibt ja auch die sogenannten anhänglichen Kinder und hier ist eben so, dass man sieht, dass die Feinabstimmung nicht funktioniert. Das heißt bei den anhänglichen Kindern ist es so, dass die Eltern eben nicht zum rechtzeitigem Zeitpunkt auf das Schreien der Kinder reagieren, sondern oftmals verzögert oder inkonsistent, so dass man als Kind nie weiss, kommt jetzt jemand oder kommt niemand. und das intensiviert eher die negative Situation beim Kind es wird viel leichter ausgelöst und es sind dann eher die Kinder viel leichter weinen und die viel schechter reguliert sind und viel eher am Rockzipfel hängen. Kinder nehmen aber nicht nur ihre eigenen Gefühle wahr, sondern auch die ihres Gegenübers: Wenn man beispielsweise 4-5 Monate alten Säuglingen im Labor Gesichter zeigt und Stimmen hören läßt, so sind sie gut in der Lage beispielsweise das Lachen der Mutter zuzuordnen und ihr zurückzulächeln. Freude ist bei den Kleinen am schnellsten und deutlichsten zu erkennen. Traurigkeit und Ärger können sie bis zum Grundschulalter noch nicht klar unterscheiden. Grundsätzlich beginnt eine ge- 3

4 naue Differenzierung mit der Sprachentwicklung. Noch einmal Prof. Zimmermann. O-Ton 119- Man sieht im Prinzip ab 2, 2,5 Jahren, dass Kinder anfangen emotionale Zustände zu benennen, zunächst im Spiel auch im Puppenspiel, dass die Puppe weint beispielsweise und dann wird später daraus, dass die Puppe traurig wird, das heißt zunächst wird erst der Zustand beschrieben und der Ausdruck der Emotion und später dann das dahinterliegende Gefühl und das ist der Beginn der Kommunikation über Emotionen. Das setzt allerdings voraus, dass Kinder lernen, dass sie erkennen, was jemand anders tatsächlich empfindet auch, wenn sie nicht direkt den Ausdruck sehen. Das hängt mit der sogenannten Fähigkeit zur theory of mind also zum Verständnis über mentale Zustände bei anderen Personen zusammen, über kognitive Vorstellungen, das kann ein vierjähriges relativ gut. Und darüber, was ne andere Person fühlt, was sie für Intentionen, was sie für Absichten hatte, das funktioniert im wesentlichen erst mit 5 oder 6 Jahren. Das heißt hier kann man dann wissen, was jemand anders fühlt, obwohl er es nicht zeigt. Auch in dieser frühkindlichen Phase ist der vertrauensvolle Bezug zu den Eltern und das Gespräch über Gefühle anderer ganz entscheidend dafür, dass die Kleinen lernen sich auch in andere Menschen hineinzuversetzen Was man weiss ist, dass die Fähigkeit von Eltern die Gefühle ihrer Kinder zu benennen in der Interaktion im Gespräch mit den Kindern auf mentale Zustände, also auf etwas, was jemand anders denkt, fühlt, beabsichtigt, sich wünscht, nen sehr wesentlichen Einfluß darauf hat, ob die Kinder Wissen über Emotionen, darüber, wann man Gefühle zeigt wann nicht und was jemand anders möglicherweise für Gefühle hat, auch wenn er sie nicht ausdrückt tatsächlich erwerben kann. Das heißt die Fähigkeit von Eltern ihren Kindern beizubringen, dass sie in der Eltern-Kind Interaktion ihre Gefühle zeigen dürfen, dass sie von den Eltern drauf hingewiesen werden, warum jemand sich in spezifischer Weise so fühlt, dass der sich etwas bestimmtes gewünscht hat und dann nicht bekommen hatte. Das sind Situationen, die es den Kindern erleichtern ihre Gefühle nicht nur zu kommunizieren, das wäre ja was angeborenes, sondern Wissen erwerben, wie sie Gefühle bei anderen erkennen und auch Wissen erlernen, wie sie ihre Gefühle gut regulieren können. 4

5 Unterstützend für die emotionale Entwicklung der Kinder ist natürlich auch der Kindergarten. Erzieherinnen können darauf achten, dass die Kleinen durchaus ihre Gefühle ausdrücken im Streit um ein Spielzeug, aber es sollte darüber hinaus gehen: Sie können beispielsweise ein Plan machen, wann, wer, welches Spielzeug bekommt. Nach und nach lernen die Kinder dann auch in der Grundschule mehr soziale Kompetenz zu entwickeln Man kann im wesentlichen sagen, dass der Übergang von der Grundschule zur Sekundarschule mit sich bringt, dass die Kinder ihre Strategien verändern, dass sie weniger Strategien entwickeln, die entweder mit Flucht oder mit Angriff zu tun haben. Also entweder lauf ich weg aus der Situation, wenn ich es nicht ertragen kann oder ich versuch die Situation zu verändern. Ab dem Jugendalter ab 11, 12 in der Lage sind sogenannte internale Strategien zu nutzen. Das heißt sie überlegen sich, wie können sie sich selbst beruhigen. Sie überlegen sich stärker und auch situationsangemessener kann ich denn Strategien verwenden, wo ich mich ablenke, wenn ich die Situation schon nicht verändern kann. Rund zwei Drittel aller Kinder in den westlichen Kulturen haben eine sichere Bindung zu ihren Eltern und können auch selbst später entsprechende Bindungen mit Freunden eingehen. Das übrige Drittel der Heranwachsenden hat dagegen ein weniger unterstützendes Umfeld in der Kindheit. Kinder aus unsicheren Elternbindungen sind aber keineswegs ihrem Schicksal ausgeliefert. Machen sie beispielsweise überraschend positive neue Erfahrungen mit einem Freund, dem sie sich öffnen können, so kann das auch ihr Beziehungsgefüge nachhaltig ändern. 5

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