Brexit die konjunkturellen Folgen

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1 Brexit die konjunkturellen Folgen Bislang kaum negative Folgen in UK, aber Rückgang der bayerischen Exporte Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU wird vor allem die britische Wirtschaft mittelfristig erheblich schwächen. Dies wird auch für die Konjunktur in Deutschland und Bayern nicht ohne Folgen bleiben. UK ist bundesweit der drittgrößte, für die bayerische Wirtschaft sogar der zweitgrößte Exportmarkt. Auswirkungen auf UK Das Ergebnis des Referendums hatte zunächst zu einer großen Verunsicherung und kurzfristig zu einer teils massiven Stimmungseintrübung im Vereinigten Königreich geführt. Dieser Schock wurde aber schnell überwunden. Abbildung 1 Unternehmensstimmung, UK Geschäftsklima, Saldo aus positiven und negativen Meldungen in Prozentpunkten, linke Skala Einkaufsmanagerindex, Wachstumsschwelle = 50, rechte Skala Geschäftsklima Einkaufsmanagerindex Quellen: FERI, Markit. Der Einkaufsmanagerindex für die britische Industrie fiel im Juli unmittelbar nach dem Referendum deutlich auf 48,2 Punkte und damit unter die Wachstumsschwelle. Danach stieg er aber wieder kräftig an und erreichte im Dezember mit 56,1 Punkten den Seite

2 höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Im Januar 17 gab er nur leicht um 0,2 Punkte nach. Das Geschäftsklima ging im Juli ebenfalls merklich zurück auf einen Saldo von -2,6 Prozentpunkten. Doch auch dieser Index erholte sich relativ schnell und stieg bis Januar 17 auf +7,7 Punkte, dem höchsten Niveau seit Februar 15. Abbildung 2 Verbraucherstimmung, UK Konsumklima, Saldo aus positiven und negativen Meldungen in Prozentpunkten Quelle: FERI Regelrecht eingebrochen war nach dem Referendums-Ergebnis die Verbraucherstimmung. Der entsprechende Index war bereits seit Jahresanfang abwärts gerichtet. Im Juli fiel der Saldo aus positiven und negativen Stimmen um 8,0 auf -9,2 Prozentpunkte. Im August und September erholte sich die Stimmung wieder. In den Folgemonaten setzte sich der bereits zum Jahresanfang 16 also vor dem Referendum begonnene Trend nach unten fort. Auch an den harten Daten ist bislang kein negativer Effekt des Brexit-Votums erkennbar. Im Gegenteil: Die Industrieproduktion stieg zum Jahresende spürbar an. Der Output nahm im Schlussquartal 16 um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu (Abbildung siehe nächste Seite). Hier mag das schwache Britische Pfund eine Rolle gespielt haben, das die preisliche Wettbewerbsfähigkeit britischer Produkte erhöht hat. So stiegen die Exporte des Vereinigten Königreichs im vierten Quartal um 4,1 Prozent. Seite

3 Abbildung 3 Industrieproduktion, UK Manufacturing, saisonbereinigt Quelle: FERI Abbildung 4 Wirtschaftswachstum, UK preis- und saisonbereinigtes Bruttoinlandsprodukt, Veränderung gg. Vorquartal 1,5% 0,8% 0,9% 0,8% 0,8% 0,6% 0,6% 0,3% 0,3% 0,2% 0,0% Quelle: FERI Seite

4 Die expandierenden Exporte waren mitverantwortlich für das robuste Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 16. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm um 0,7 Prozent zu und damit noch etwas stärker als in den beiden Vorquartalen. Neben dem Außenhandel trug auch der private Konsum zum Wachstum bei, der um 0,7 Prozent stieg. Die Investitionen hingegen gingen minimal zurück. Im Jahresdurchschnitt stieg das britische BIP um 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Unmittelbar nach dem Referendum wertete das Britische Pfund gegenüber dem Euro um fast zehn Prozent ab, im September und Oktober folgte eine weitere Abwertung. Mitte Oktober lag der Pfund-Kurs um fast 16 Prozent niedriger als vor dem Referendum. In den folgenden Wochen wertete das Pfund im Trend wieder auf. Ende Februar lag der Pfund-Kurs um rund elf Prozent unter dem Vor-Referendums-Stand. Abbildung 5 Wechselkurs Euro Britisches Pfund Referenzkurs der EZB, 1 GBP =... EUR 1,50 1,45 1,40 1,35 1,30 1,25 1, 1,15 1,10 1,05 1,00 Quelle: Bundesbank Die Wachstumsprognosen für das Vereinigte Königreich wurden nach dem Brexit-Votum durchwegs gesenkt, vor allem für 17. Mittlerweile nahmen einige Institute aber bereits wieder eine Prognose-Korrektur nach oben vor. Einige sind sich aber alle, dass das Wachstum schwächer ausfallen wird als ohne die Brexit-Entscheidung. Es ist eine deutliche Investitionszurückhaltung zu erwarten, vor allem von Seiten ausländischer Investoren. Auch beim privaten Konsum ist eine Schwächung zu befürchten. Für Entlastung wird das schwache Pfund sorgen, das die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporte erhöht. Umgekehrt verteuern sich jedoch die Importe. Die Bandbreite der Progno- Seite

5 sen ist groß. Die BayernLB rechnet für das laufende Jahr mit einer schwachen Rezession in UK, die Commerzbank erwartet ein Plus von 1,6 Prozent. Die meisten Prognosen liegen bei gut +1 Prozent. Abbildung 6 Wachstumsprognosen, UK Veränderung des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts gg. Vorjahr 2,5% 1,5% 1,9% 1,6% 2,1% 2,1% 1,1% 2,2% 1,1% 1,1% 2,1% 0,9% 0,0% ,5% -0,2% -0,3% vor Referendum nach Referendum aktuell ,5% Quellen: o.g. Institute Auswirkungen auf Deutschland und Bayern Ein Abschwung oder gar eine Rezession im Vereinigten Königreich wird sich auch auf die Konjunktur in Deutschland und Bayern auswirken. Ein Nachfragerückgang aus einem unserer wichtigsten Absatzmärkte belastet unsere Exporte. Zudem sinkt infolge der Abwertung des Britischen Pfunds die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der von deutschen und bayerischen Unternehmen hergestellten Produkte. Hinzu kommt, dass eine Konjunkturschwäche in UK über die Außenhandelsverflechtungen auch die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone bremst, was dann in einem Zweitrunden-Effekt ebenfalls die deutschen und bayerischen Exporte belastet. Seite

6 Bislang halten sich die Befürchtungen der Unternehmen allerdings in Grenzen. Der Einkaufsmanagerindex für Deutschland sank zwar von Juni bis August 16 um insgesamt 0,9 auf 53,6 Punkte, danach stieg er wieder an und erreichte im Januar 17 mit 56,4 Punkten den höchsten Stand seit drei Jahren. Ähnlich ist die Entwicklung beim Index für die Eurozone. Dieser ging im Juli und August um 1,1 auf 51,7 Punkte zurück, bevor er bis Januar auf 55,2 Punkte anstieg. Abbildung 7 Einkaufsmanagerindex für die Industrie Einkaufsmanagerindex, Wachstumsschwelle = Eurozone Deutschland Quelle: Markit Bei unseren Exporten zeigen sich jedoch bereits negative Auswirkungen, die im Wesentlichen am Wechselkurs liegen dürften. Bis Sommer 16 war die Entwicklung recht volatil, spätestens seit Oktober jedoch gehen sowohl die deutschen als auch die bayerischen Ausfuhren nach UK merklich zurück. Im vierten Quartal lagen die Exporte Bayerns ins Vereinigte Königreich um 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau, die deutschen Ausfuhren sanken um 9,4 Prozent. Im Gesamtjahr 16 ergeben sich Raten von -3,1 bzw. -3,3 Prozent (Abbildung siehe nächste Seite). Seite

7 Abbildung 8 Exporte in das Vereinigte Königreich nominale Werte, auf Euro-Basis; Veränderung gg. Vorjahresmonat 15,0% Deutschland Bayern 10,0% 5,0% 0,0% -5,0% -10,0% -15,0% -,0% Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Quelle: Destatis Ansprechpartner Volker Leinweber Leiter Volkswirtschaft Telefon Telefax Seite

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