Standortbestimmung Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung

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1 Standortbestimmung Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung

2 Inhalt Vorwort... 3 Executive Summary... 4 Einleitung... 6 Ziele und Methodik der Studie... 7 Aufbau der Studie... 8 Was Cloud Computing bedeutet... 9 Auswertung der Online-Umfrage Charakterisierung der Teilnehmer Status Quo und Erwartungshaltung Auslagerung von IT-Dienstleistungen Datenschutz und Datensicherheit Planung weiterer Aktivitäten Thesen zur erfolgreichen Etablierung von Cloud-Lösungen in der öffentlichen Verwaltung Nationale & Internationale Rahmenbedingungen Sicherheitsrelevante Aspekte Servicebezogene Aspekte Organisatorische Aspekte Servicemodelle für die öffentliche Verwaltung Zusammenfassung Bewertung von Chancen und Risiken Handlungsempfehlungen Ein abschließender Blick durch die Wolken Kontakte... 42

3 Vorwort Die Cloud wächst. Die Cloud verändert. Die Cloud schafft neue Möglichkeiten. In den letzten zwei Jahren hat sich zu diesem Thema viel getan auch im öffentlichen Sektor. Hier wurden und werden lebhafte Diskussionen über das Für und Wider geführt. Einige Themen sind verblasst. Wer fragt sich zum Beispiel noch, ob die Cloud Vorteile bringen könnte? Andere Themen sind so aktuell wie noch nie zuvor. Der Skandal um die globalen Überwachungs- und Spionageaktivitäten von Geheimdiensten hat die Wahrnehmung zum Thema Sicherheit nachhaltig verändert aber gilt dies auch für den öffentlichen Bereich? Kurzum, Cloud Computing bietet unserer Meinung nach ein enormes Potenzial. Es muss jedoch nutzbar gemacht werden. Wir freuen uns aufgrund unserer langjährigen Nähe zur öffentlichen Hand, aber auch durch unsere umfassenden Marktkenntnisse dieses Thema näher zu untersuchen. Im Rahmen unserer Studie nehmen wir eine Standortbestimmung zu Cloud Computing aus der Perspektive der Behörden und der öffentlichen IT-Dienstleistungszentren vor und hoffen, der konstruktiven Diskussion weiteren Rückenwind geben zu können. Unser Engagement in diesem Bereich und unsere Erfahrung ermöglichen eine differenzierte Betrachtung sowie individuelle Sichten und neue Blicke auf die Cloud in der öffentlichen Verwaltung. Im Rahmen der Studie wurden Behörden und IT-Dienstleister der öffentlichen Verwaltung online befragt und Interviews mit Experten der öffentlichen Verwaltung geführt. An dieser Stelle bedanken wir uns ausdrücklich bei allen Teilnehmern dieser Studie. Besonderer Dank gilt den im Rahmen der persönlichen Interviews befragten Experten: Herrn Dr. Ruggero Costantini, Stabstelle des Vorstands, Unternehmensentwicklung Dataport, Anstalt des öffentlichen Rechts Herrn Matthias Fuchs, Leiter Service IT-Rechenzentrum, DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern GmbH Herrn Christian Langenfeld, Fachbereichsleiter Bürgerdienste und Datenbanken IT-Dienstleistungszentrum Berlin Herrn Lutz Märker, Abteilungsleiter für das Service-Center-IT DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern GmbH Herrn Hansjörg Schönherr, Präsident (seit September 2014 im Ruhestand), Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg Herrn Dr. Karlheinz Stöber, Regierungsdirektor, Referent, Referat IT 1 Grundsatzangelegenheiten der IT und des E-Governments; Netzpolitik, Geschäftsstelle IT-Planungsrat, Bundesministerium des Innern. Bei Fragen freuen wir uns über Ihren Kontakt per an Mit freundlichen Grüßen Stefan Pechardscheck Partner Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper 3

4 Executive Summary Cloud Computing stellt für die öffentliche Verwaltung eine sehr attraktive Alternative zum klassischen Outsourcing dar und bietet beim Bezug von IT-Leistungen verschiedene Vorteile. Senkung von Kosten und Zugewinn an Flexibilität Aus der Cloud bezogene Server, Infrastruktur und Anwendungen verursachen den beziehenden Einrichtungen keine Investitionskosten. Administrative Aufwände, beispielsweise für die fortlaufende Aktualisierung der Soft- und Hardware oder die Wartung und den Betrieb, werden auf den Cloud Provider übertragen. Nutzer des Cloud Computings zahlen ausschließlich für die tatsächliche Nutzung der Ressourcen. Auf diese Weise verhindert Cloud Computing die langfristige und unflexible Bindung an Ressourcen und trägt maßgeblich zur Senkung von Investitions- und Betriebskosten bei. Bessere Skalierbarkeit der behördlichen Informationstechnik und Steigerung der IT-Effizienz Ein weiterer Vorteil des Cloud Computings besteht in der automatischen Anpassung der gelieferten IT-Leistungen an den jeweiligen Bedarf der Einrichtung. Das Risiko einer Unter- oder Überversorgung wird beim Cloud Computing auf den Cloud Provider übertragen. Beim Cloud Computing laufen Prozesse, wie beispielsweise die Bereitstellung oder Abrechnung von Ressourcen automatisch und in der Regel auch mit kürzeren Reaktionszeiten als im herkömmlichen Betrieb. Cloud Computing trägt hier maßgeblich zur Steigerung der IT-Wertschöpfung und -Effizienz bei. Die Ergebnisse unserer Marktstudie belegen, dass die Vorteile des Cloud Computings den Teilnehmern der Umfrage sowohl auf der Seite der Behörden, als auch auf der Seite der öffentlichen IT-Dienstleister bereits bekannt sind und mittelfristig stärker fokussiert werden sollen, auf der anderen Seite das Thema jedoch aktuell noch nicht ausreichend unterstützt wird. Die Studienteilnehmer sehen bezüglich IT-Serviceleistungen der eigenen Organisation Verbesserungspotenziale, insbesondere bei den Themen Standardisierung, Automatisierung und IT-Effizienz. Die Studienteilnehmer wünschen sich ressortübergreifende Systeme oder auch Plattformen zur Zusammenarbeit und zum Datenaustausch. Rund die Hälfte der Studienteilnehmer gibt an, dass im oberen, mittleren und unterem Management gar keine bis kaum Unterstützung hinsichtlich des Themas Cloud Computing besteht. 78 Prozent der Studienteilnehmer sagten aus, dass sie IT-Dienstleistungen fremdbeziehen oder schon einmal fremdbezogen haben. Der Bezug von Cloud-basierten IT-Dienstleistungen spielt mit einem Anteil von 7,4 Prozent bis dato aber nur eine sehr geringe Rolle. 56 Prozent aller befragten Behörden und Kommunen wären eher bereit, Cloud-basierte Services von einem IT-Dienstleister zu beziehen, wenn dieser zertifiziert wäre. 67 Prozent aller öffentlichen IT-Dienstleister planen in den kommenden sechs bis 18 Monaten IT-Leistungen aus der Cloud anzubieten. 4 Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper

5 Der geringe Anteil an aktuell bezogenen Cloud-basierten Leistungen war der Anlass dafür, Experten der öffentlichen Verwaltung zu konkreten Aktivitäten und Initiativen zu befragen. Im Rahmen der Studie konnten wir fünf Bausteine identifizieren, die für eine erfolgreiche Etablierung von Cloud-Lösungen von großer Bedeutung sind. Abgestimmte rechtliche Rahmenbedingungen auf nationaler und internationaler Ebene sind die Basis für Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung und würden die notwendige Grundlage für die Entwicklung von Cloud-Strukturen schaffen, um erforderliche Effizienzpotenziale auch in der öffentlichen Verwaltung ausschöpfen zu können. Gesetzliche Rahmenbedingungen und Konzepte hinsichtlich Informationssicherheit bilden die für Cloud Computing notwendige Vertrauensbasis. Die Erfüllung der drei Schutzziele Integrität, Verfügbarkeit und Vertraulichkeit sind zentrale Bestandteile des Cloud Computings. Erst die Erfüllung aller drei Schutzziele erhöht die Akzeptanz der Leistung und ist damit ein fundamentaler Erfolgsfaktor bei der erfolgreichen Cloud-Einführung. Die Betrachtung von servicebezogenen Aspekten wie Interoperabilität sowie Portabilität sind vor der Wahl einer Cloud-Lösung empfehlenswert, um Migrationsfähigkeit und Austauschbarkeit von Cloud-Lösungen sicherzustellen und auch den sogenannten Vendor lock in-effekt, also die Abhängigkeit von einem Anbieter, zu verhindern. Entscheider sollten sich einen intensiven Marktüberblick verschaffen und nur auf Angebote setzen, bei denen mithilfe von Standards und offenen Schnittstellen ein Höchstmaß an Interoperabilität und Portabilität gewährleistet wird. Da eine Transformation in die Cloud vor allem enge Kooperationsbeziehungen zwischen allen involvierten Akteuren einer Organisation bedingt, sind gerade organisatorische Aspekte in Bezug auf die Kommunikation und Zusammenarbeit zu berücksichtigen. Besonders die Entwicklung von Cloud-Lösungen aus Anbietersicht verlangt eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Akteure. Bereits durchgeführte Cloud-Projekte zeigen deutliche Potenziale des Cloud Computing auch im öffentlichen Bereich. Im Bereich der Servicemodelle Iaas und PaaS werden nach aktueller Umfrage die größten Einsparpotenziale gesehen. Cloud Computing und andere Top-Trends Fazit Haben öffentliche Einrichtungen bereits die Make or Buy -Entscheidung getroffen und sich generell für den Fremdbezug von IT-Leistungen entschieden, so stellt Cloud Computing eine sehr attraktive Sourcing-Option dar. Unsere Ausführungen bezüglich der oben genannten fünf Bausteine für eine erfolgreiche Etablierung von Cloud-Lösungen zeigen, dass intensive Arbeiten zur Nutzung der Cloud Computing- Vorteile auch in der öffentlichen Verwaltung bereits stattfinden. Politik und Rechtsprechung, die öffentliche Verwaltung sowie deren IT-Dienstleister bilden einen Motor zur Erarbeitung von Lösungen, in denen eine durchgängige Digitalisierung auf Basis effizienter IT-Umgebungen möglich wird. Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper 5

6 Einleitung Cloud Computing in der digitalen Verwaltung Das Leitthema des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgerichteten Wissenschaftsjahres 2014 war die digitale Gesellschaft ein Thema, das nicht zufällig gewählt wurde, denn infolge der Digitalisierung analoger Daten und Informationen bieten sich der öffentlichen Verwaltung neue Chancen. So machten Experten auf dem 19. Ministerialkongress deutlich, dass die Digitalisierung verschiedene Modernisierungspotenziale wie beispielsweise die Verbesserung und Koordination von Verwaltungsabläufen in Deutschland offenbart. Um jedoch nachhaltig und zukunftsorientiert zu agieren, reichen in unserer vernetzten Welt und einem zusammenwachsenden Europa nationale Blickwinkel nicht mehr aus. Die Kongressteilnehmer haben deswegen auch auf die Anforderung einer umfassenden Integration der deutschen in eine europäische Verwaltung hingewiesen, was die Notwendigkeit einer durchgängigen Digitalisierung der Verwaltung unterstreicht. Dabei werden digitalisierte Daten und Informationen das zentrale Bindeglied zwischen den deutschen und den europäischen öffentlichen Institutionen sowie den EU-Bürgern sein. In diesem Zusammenhang waren sich die Teilnehmer einig, dass hierbei die moderne Verwaltung mit ihren digitalisierten Prozessen und leistungsfähigen Strukturen klar im Fokus steht. Digitale Prozesse in der Verwaltung sind kein Selbstzweck, sondern aus mehreren Gründen von entscheidender Bedeutung. Erstens sind vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Überalterung der Gesellschaft leistungsfähige und hocheffiziente Verwaltungsprozesse notwendig geworden. So steigt gemäß Statistischem Bundesamt Wiesbaden die Zahl der Pensionäre kontinuierlich an: seit 2012 um 4,1 Prozent. Dieser Trend wird sich künftig fortsetzen, was bedeutet, dass in den nächsten Jahren noch weniger Personal für die Verwaltung zur Verfügung steht. Die Qualität der einzelnen Abläufe kann daher nur bei einer gleichzeitigen Effizienzsteigerung gehalten und verbessert werden. Kosteneffiziente Verwaltungsprozesse sind aber wiederum nur durch Skaleneffekte auf der Basis von Massenverarbeitung möglich. Moderne Lösungen für die IT-Architektur und Infrastruktur sowie zukunftsorientierte Web-Technologien optimieren zwar die IT-Effizienz, lassen sich jedoch aus ökonomischer Sicht nur ab einer entsprechenden Organisationsgröße beschaffen und wirtschaftlich betreiben. Das verdeutlicht den zweiten Grund: Die Veränderung gesellschaftlicher Strukturen wirkt sich nicht gleichmäßig auf die Verwaltungsebenen aus. So stehen beispielsweise Kommunen vor dem Problem, dass sie nicht in der notwendigen Geschwindigkeit und Anzahl qualifiziertes Fachpersonal gewinnen und einsetzen können, wie es der Wandel in eine digitale Gesellschaft eigentlich bedürfe. Effiziente, digitalisierte Verwaltungsabläufe können den drohenden Fachkräftemangel abfedern. Drittens ist eine digitale Verwaltung notwendig, da sich die Anforderungen der Bürger an den Staat verändert haben. Die Nutzung des Internets und mobiler Endgeräte wandelt unsere Lebenswelt nachhaltig. Vor allem die Möglichkeit, auf Informationen unmittelbar und flexibel zugreifen zu können, verändert das berufliche und private Nutzungsverhalten von digitalen Medien und führt letztlich zu einer veränderten Erwartungshaltung gegenüber der Verwaltung. Hier müssen entsprechend modernisierte und digitalisierte Abläufe geschaffen werden, die die Lebensszenarien der Bürger abbilden. Im Zuge dessen arbeiten sowohl die öffentliche Verwaltung als auch deren IT-Dienstleister an verschiedenen Initiativen und Projekten zur Verwaltungsmodernisierung. Im Zentrum der Vorhaben stehen Themen wie egovernment, Cloud Computing und Open Data. Vor allem Cloud Computing wird von Staat, Wissenschaft und Wirtschaft als mögliche Lösung für die genannten Probleme bezüglich geringer 6 Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper

7 IT-Effizienz, zunehmenden Fachkräftemangels sowie der Unfähigkeit der IT auf sich verändernde Anforderungen in Echtzeit reagieren zu können diskutiert. Die Wichtigkeit von Cloud Computing für den öffentlichen Sektor verdeutlicht auch das Technologieprogramm Trusted Cloud 1, das mit einem Gesamtvolumen von 100 Millionen Euro eine der größten Förderaktivitäten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) darstellt. Hier werden verschieden Projekte und Initiativen gefördert, die eine sinnvolle und rechtskonforme Einbindung von Cloud-Lösungen auch in die Verwaltung prüfen. Ziele und Methodik der Studie Wie in der Ausgangssituation beschrieben, besteht durch Cloud Computing das Potenzial, die Verwaltung zu modernisieren und effiziente Prozesse zu implementieren. Eine Frage in diesem Zusammenhang ist, inwieweit sich dieser Ansatz bereits in der öffentlichen Verwaltung etablieren konnte. Die vorliegende Studie fängt daher mit einer aktuellen Standortbestimmung an und ist wie folgt aufgebaut: Erhebung des Status Quo zum Thema Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Aufstellung von Thesen auf Basis der Datenerhebung Ableitung von Handlungsempfehlungen für die ersten Schritte in die Cloud. Die nachfolgende Grafik verdeutlicht unsere Vorgehensweise: Einsatzmöglichkeiten von Cloud Computing in der Energiewirtschaft Abbildung 1: Vorgehensweise der Studie Umfrage-Antworten (1) Umfrage-Antworten (2) Fi Umfrage-Antworten TELCO (n) Quantitative Erhebung Interview 1 Interview 2 Interview n Analyse der Quantitativen Erhebungen Qualitative Erhebung Aufstellung der Thesen Ableitung der Handlungsempfehlungen Theoretische Grundlagen Um eine substanzielle und differenzierte Diskussion des Themas führen sowie valide Aussagen und Handlungsempfehlungen für die Verwaltung ableiten zu können, erfolgte eine quantitative und qualitative Datenerhebung: Im Rahmen der quantitativen Erhebung wurde eine Online-Umfrage durchgeführt. Der Online- Fragebogen erfasst quantifizierbar den Ist- und Soll-Zustand hinsichtlich verschiedener Cloud Computing-Themen. Zudem wurde bei der Befragung zwischen den beiden Teilnehmergruppen IT-Dienstleister und Behörden (auf den Ebenen Bund, Länder und Kommunen) unterschieden. Für beide Gruppen wurden spezifische Fragen entworfen. Im Zuge der qualitativen Erhebung wurden Interviews mit Experten aus der öffentlichen Verwaltung geführt. Befragt wurden Entscheidungsträger aus den oberen Führungsebenen. Jedes Gespräch wurde auf die Situation des einzelnen Interview-partners zugeschnitten, um eine differenzierte Diskussion zum Thema Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung zu ermöglichen. Nach eingehender Analyse aus der zweistufigen Erhebung werden in den nachfolgenden Kapiteln die Ergebnisse ausführlich dargestellt. 1 Vgl. Zuletzt aufgerufen am Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper 7

8 Die Studie behandelt aktuelle Themen wie Sicherheit, Interoperabilität und Anwendungsszenarien von Cloud-Lösungen und beantwortet darüber hinaus die folgenden Fragen: Wie wird das Thema Cloud Computing bei den Behörden derzeit wahrgenommen? Welche Initiativen und Projekte haben sich mit dem Thema Cloud Computing beschäftigt, was sind die Ergebnisse? Welche Erfahrungen wurden bei der Einführung von Cloud-basierten IT-Dienstleistungen gemacht? Welche Aktivitäten im Bereich Cloud Computing bringen derzeit neue Betrachtungsperspektiven auf dieses Thema? Welche Bedeutung haben aktuelle Entwicklungen für zukünftige Projekte? Aufbau der Studie Zur Beantwortung der oben genannten Fragen wurde die vorliegende Marktstudie Standortbestimmung Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung in folgende Kapitel strukturiert: Kapitel 4 Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den Basisbegriffen und -themen wie der Definition von Cloud Computing, seinen Dimensionen und Modellen und schafft somit eine theoretische Grundlage für die gesamte Studie. Kapitel 5 und Kapitel 6 In diesen Kapiteln werden zunächst die Ergebnisse der quantitativen Erhebung anhand von Abbildungen dargestellt und im weiteren Verlauf um die qualitative Betrachtung auf Basis der geführten Experteninterviews ergänzt. Die gewonnenen Erkenntnisse aus der qualitativen und quantitativen Betrachtung werden anschließend in Form von Thesen diskutiert. Kapitel 7 Im abschließenden Kapitel werden die Vorteile und Chancen von Cloud Computing-Lösungen für die öffentliche Verwaltung zusammengefasst sowie Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Diese geben Aufschluss darüber, welche Aktivitäten für den Erfolg von Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung notwendig sind. Kurzvideo erklärt in zwei Minuten die Cloud 8 Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper

9 Cloud Computing ist ein Modell, das es erlaubt, bei Bedarf jederzeit und überall bequem über ein Netz auf einen geteilten Pool von konfigurierbaren Rechnerressourcen (zum Beispiel Netze, Server, Speichersysteme, Anwendungen und Dienste) zuzugreifen, die schnell und mit minimalem Managementaufwand oder geringer Serviceprovider-Interaktion zur Verfügung gestellt werden können. US-AMERIKANISCHE STANDARDISIERUNGSSTELLE NATIONAL INSTITUTE OF STANDARDS AND TECHNOLOGY (NIST) Was Cloud Computing bedeutet Im letzten Jahrzehnt hat sich die Informationstechnik stark weiterentwickelt. Es kam unter anderem zu wesentlichen Fortschritten in der Virtualisierung, Standardisierung und Automatisierung von Hard- und Softwarekomponenten. Während solche Innovationen vor allem neue Funktionen, Aufgaben und Rollen in der IT-Abteilung mit sich gebracht haben, entstand durch Cloud Computing ein grundlegend neues Verständnis der IT-Leistungsbereitstellung innerhalb einer Organisation. Damit wurde ein Wechsel von einem intensiven Systemmanagement lokaler Lösungen hin zu einem zentralen Management von verschiedenen standardisierten Dienstleistungen angestoßen. Diesen Paradigmenwechsel verdeutlicht auch die vielzitierte und heutzutage weitgehend anerkannte Begriffsdefinition von Cloud Computing der US-amerikanischen Standardisierungsstelle National Institute of Standards and Technology (NIST): Cloud Computing ist ein Modell, das es erlaubt, bei Bedarf jederzeit und überall bequem über ein Netz auf einen geteilten Pool von konfigurierbaren Rechnerressourcen (zum Beispiel Netze, Server, Speichersysteme, Anwendungen und Dienste) zuzugreifen, die schnell und mit minimalem Managementaufwand oder geringer Serviceprovider-Interaktion zur Verfügung gestellt werden können. 2 Die NIST-Definition bildet einen allgemeingültigen Anfangspunkt, der in diesem Detailierungsgrad nicht von allen Marktteilnehmern gleichermaßen angewendet wird. An dieser Stelle wird aber davon abgesehen, weitere Interpretationen und Definitionen zu nennen. Für einen gemeinsamen Sprachgebrauch ist allerdings wichtig, dass es sich bei Cloud Computing um konsolidierte Rechnerressourcen handelt, die über ein Netzwerk bedarfsgerecht, schnell und flexibel bezogen werden können. Die Definition und deren Anwendung haben im Kontext der öffentlichen Verwaltung die gleiche Gültigkeit wie in der Privatwirtschaft. Die fünf Merkmale einer Cloud 1. On-Demand-Self-Service 2. Breitband-Internetzugriff 3. Bündelung von Ressourcen 4. Höhere Elastizität 5. Messbare Serviceleistungen Laut der Definition von NIST wird eine Cloud-Serviceleistung durch fünf Merkmale charakterisiert. Erst durch ihre Gesamtheit sind die Voraussetzungen für einen Cloud Service erfüllt: On-Demand-Self-Service: Die Bereitstellung von IT-Ressourcen für Cloud Services, wie zum Beispiel Rechenleistung oder Speicher, erfolgt automatisch ohne Interaktion mit dem Cloud Service- Anbieter. Breitband-Internetzugriff: Die Verfügbarkeit der Cloud Services ist durch Standardmechanismen über das Netz sichergestellt und nicht an einen Client gebunden. Bündelung von Ressourcen: Anbieter stellen Cloud Services für alle Anwender in einem Pool bereit (Multi-Tenant-Modell). Dabei ist die Lage des Pools und der zugehörigen IT-Ressourcen dem Anwender nicht bekannt. Über einen Cloud Service-Nutzungsvertrag kann aber der Speicherort, zum Beispiel Land oder Rechenzentrum, definiert sein. Höhere Elastizität: Eine schnelle und elastische Anpassung von benötigten IT-Kapazitäten unabhängig von Zeit und Ort. Messbare Serviceleistungen: Die Nutzung von Ressourcen kann gemessen und entsprechend der Bemessungen zur Verfügung gestellt werden. Dies beinhaltet die Möglichkeit, Ressourcen an den jeweiligen Bedarf anzupassen. 2 https://www.bsi.bund.de/de/themen/cloudcomputing/grundlagen/grundlagen_node.html; Zuletzt aufgerufen am Für den Original-Wortlaut siehe Mell, Peter und Timothy Grance: The NIST Definition of Cloud Computing. Recommendations of the National Institute of Standards and Technology. NIST Special Publication , September 2011, S. 2. Abrufbar unter csrc.nist.gov/publications/nistpubs/ /sp pdf Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper 9

10 Basierend auf der Begriffsdefinition lassen sich drei Entscheidungsdimensionen für Cloud-Dienstleistungen ableiten. Abbildung 2: Die drei Entscheidungsdimensionen für Cloud Services Interaktiv Servicemodelle Public Cloud Hybrid Cloud Private Cloud Community Cloud Business Business Process Process as as a a Service Service Software as a Service Leistungsbereitstellung Platform as a Service Infrastructure as a Service Organization & Processing Technology & Architecture Data & IT Security Strategy & Governance Funktionsbereiche 10 Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper

11 Auswertung der Online-Umfrage Die Umfrage zu unserer Studie wurde im Juli 2014 als Online-Befragung an insgesamt 270 potenzielle Teilnehmer versendet. Kontaktiert wurden im Wesentlichen Führungskräfte und Entscheidungsträger öffentlicher Einrichtungen auf der unteren, mittleren und oberen Führungsebene. Es wurden IT-Leiter, IT-Abteilungsleiter und CIOs auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene zu unserer Umfrage eingeladen. Für die Studie wurden alle eingegangenen Antworten analysiert, empirisch ausgewertet und in fünf Themenblöcken zusammengefasst. Die durchgeführten Experteninterviews, der qualitative Teil der Befragung, werden im Kapitel 4 erläutert. Charakterisierung der Teilnehmer Zusammensetzung der Teilnehmerbasis Im Rahmen der Online-Befragung wurden 270 Behörden und öffentliche IT-Dienstleister aller Verwaltungsebenen kontaktiert. Wie in Abbildung 3 dargestellt, beteiligten sich dabei am stärksten Bundesund Landesbehörden. Auf der kommunalen Ebene nahmen dagegen nur wenige Institutionen teil. Abbildung 3: Zusammensetzung der Teilnehmerbasis hinsichtlich der Verwaltungsebene, Organisationsgröße, Institution und Position 13 % Bund Öffentliche IT-Dienstleister Land 16% Andere Organisationen 79% 79% Kommune 30 % 37 % 70 % 50 % Verwaltungsebene Institution % Hausleitung 17 % Abteilungsleitung 17 % 15 % 20 % % 17 % 13% Referatsleitung IT 22 % 79% 30 % % Referatsleitung andere Andere >5.001 Organisationsgröße Position Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper 11

12 In der Abbildung werden ebenfalls die Organisationsgröße der teilnehmenden Institutionen und die Position der Befragten aufgeschlüsselt. Die Mehrzahl der Teilnehmer arbeitet für Organisationen mit 251 bis 500 Mitarbeitern (30 Prozent) und übernimmt als IT-Referatsleiter Verantwortung auf der mittleren Managementebene (41 Prozent aller befragten Studienteilnehmer). Die geringste Beteiligung ist hingegen auf der hohen Managementebene zu verzeichnen. Insgesamt ergibt sich eine differenzierte Verteilung der Teilnehmerbasis, weshalb die Umfrageergebnisse für alle Bundes- und Landesbehörden durchaus als aussagekräftig angesehen werden können. Die Frage nach der Vertrautheit Cloud Computing ist ein aktuelles und häufig diskutiertes Thema in der öffentlichen Verwaltung. Knapp 72 Prozent der Befragten geben an, mit dem Begriff Cloud Computing außerordentlich oder ziemlich vertraut zu sein (vergleiche Abbildung 4). Dieser Umstand ist ein positives Signal und bekräftigt die Validität der nachfolgenden Aussagen und Einschätzungen der Studienteilnehmer. Bei weiteren 25 Prozent kann davon ausgegangen werden, dass der Begriff sowie seine Bedeutung nur zum Teil bekannt sind. Hier geben 23 Prozent aller Teilnehmer an, dass sie sich nur mittelmäßig auskennen, und zwei Prozent sind kaum mit der Begrifflichkeit vertraut. Abbildung 4: Darstellung der Vertrautheit mit dem Begriff Cloud Computing 2 %2 % Kernaussagen Die Auswertungsbasis für die Studie weist insgesamt eine angemessene und aussagekräftige Heterogenität der Teilnehmer auf, um verwertbare und valide Aussagen treffen zu können. 24 % Vertrautheit 45 % 27 % 72 % Außerordentlich vertraut Ziemlich vertraut Mittelmäßig vertraut Kaum vertraut Gar nicht vertraut Zudem sind die befragten Teilnehmer der Studie mit dem Begriff Cloud Computing im Mittel ziemlich vertraut, was die Einschätzungen und Aussagen der Teilnehmer belastbar macht. Einsatz von Cloud-Technologien bei den IT-Dienstleistern Den höchsten Grad an Virtualisierung weisen die Server in den Rechenzentren der IT-Dienstleister auf. Hier ist im Mittel ein Grad von 51 bis 75 Prozent erreicht 3. Danach folgen Speicher- und Datenbankensysteme. Am geringsten sind bei den IT-Dienstleistern dagegen die Netzwerke virtualisiert. Für das Management der virtualisierten IT-Ressourcen gibt die Mehrzahl der Teilnehmer an, als Automatisierungs- und Provisionierungsverfahren die Software VMware einzusetzen. Vereinzelt werden NetApp, MS SCCM oder auch Fluidops (Managementsoftware für Cloud-Umgebungen) genannt. Die Hälfte aller IT-Dienstleister bestätigt zwar, eine Cloud-basierte Umgebung zu betreiben, aber das Ergebnis ist vielmehr als ein Indikator zu interpretieren, der verdeutlicht, dass die Basistechnologie Cloud Computing bei den IT-Dienstleistern bereits verstärkt in den Rechenzentren Anwendung findet. 3 Der Mittelwertvergleich aller fünf Antwortausprägungen ergab einen Mittelwert (MW) von 4,14. Kodierung der Antwortausprägungen: 0 % = 1, 1-25 % = 2, % = 3, % = 4 und % = 5 12 Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper

13 Status Quo und Erwartungshaltung Das Nutzen -Interesse Das Interesse, Cloud-Dienstleistungen in der eigenen Organisation zu nutzen, ist bei den Teilnehmern im Gesamtbild ausgeglichen. So geben rund ein Drittel der Befragten an, ein ziemliches oder außerordentliches Interesse an Cloud-Lösungen zu haben. Diese Gruppe kann als die Befürworter bezeichnet werden. Die Gruppe der Unentschlossenen, deren Interesse mittelmäßig ausgeprägt ist, ist ebenso groß (33 Prozent). Sie bewerteten noch nicht abschließend, ob Cloud-Lösungen für die eigene IT von Nutzen sind oder nicht. Ebenfalls bekundet ein Drittel der Befragten, die Gruppe der Gegensprecher, kaum oder gar nicht an Cloud-Lösungen interessiert zu sein. Im Mittel wird das Interesse an dem Thema Cloud Computing als mittelmäßig ausgeprägt bewertet 4. Abbildung 5: Darstellung des Nutzen -Interesses der Befragten 34 % 26 % 33 % 19 % 14 % 7 % Außerordentlich ausgeprägt Ziemlich ausgeprägt Mittelmäßig ausgeprägt Kaum ausgeprägt Gar nicht ausgeprägt Zusätzlich wurden die Teilnehmer gebeten, ihre Antwort kurz durch Nennung konkreter Anwendungsszenarien zu begründen. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Tendenz, dass ein allgemeines Interesse am Thema besteht, jedoch auf Grund von politischen Vorgaben und gesetzlichen Rahmenbedingungen keine validen Nutzungsszenarien möglich sind. Lediglich die Umsetzung einer internen privaten IaaS zur effizienteren Rechenzentrumsnutzung ist bei den Behörden derzeit denkbar, da die Vorbehalte gegen eine Public Cloud überwiegen. Als Grund sind hier in erster Linie die hohen Sicherheitsanforderungen an eine mehrmandantenfähige IT-Umgebung zu nennen. Zudem geben die Teilnehmer zu bedenken, dass das Thema aktuell noch nicht vollständig greifbar sei. Es fehlten teils konkrete Anwendungsszenarien. Zudem seien die Integrationsmöglichkeiten von Cloud-Lösungen noch weitestgehend offen. Demgegenüber wurde der Wunsch nach Lösungen zur Datenspeicherung oder nach ressortübergreifenden Systemen geäußert, etwa Dokumentenmanagementsysteme (DMS), mobile Dienste oder auch Plattformen zur Zusammenarbeit und zum Datenaustausch. Bei den genannten Lösungen wird die Bedeutung der Interoperabilität von Cloud Services und Daten deutlich. Insgesamt zeichnet sich bei den Antworten ein vielseitiges Bild ab, das den aktuellen Meinungspegel in Abbildung 5 widerspiegelt. Betrachtet man die Effizienz und die Kosten von IT-Infrastrukturen, so sind Cloud-Infrastrukturen eine attraktive Option im Vergleich zu klassischen Bereitstellungsmodellen. Auf der anderen Seite kann derzeit nur eine Private Cloud die hohen Anforderungen an die IT-Sicherheit gewährleisten. Dieses Paradigma steht jedoch dem Wunsch nach Interoperabilität und hoher IT-Effizienz gegenüber. Aus Sicht von BearingPoint ist an dieser Stelle zunächst die Politik gefragt. Sie muss die passenden Rahmenbedingungen schaffen und Initiativen fördern, um Behörden und IT-Dienstleistern einen klaren Weg in Community- und Public Cloud-Umgebungen zu ermöglichen. 4 Der Mittelwertvergleich der fünf Antwortausprägungen ergab einen MW von 3,12. Kodierung der Antwortausprägungen: Gar nicht ausgeprägt = 1, Kaum ausgeprägt = 2, Mittelmäßig ausgeprägt = 3, Ziemlich ausgeprägt = 4 und Außerordentlich Ausgeprägt = 5 Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper 13

14 Die Unterstützung auf den Managementebenen Abbildung 6 zeigt die Unterstützung der Managementebenen für das Thema Cloud Computing. Es können drei Gruppen unterschieden werden: Nicht-Unterstützer, unentschlossene Unterstützer und proaktive Unterstützer. Entsprechend der Antworten der Teilnehmer bilden die Nicht-Unterstützer den größten Anteil: So geben rund die Hälfte der Befragten an, dass im oberen, mittleren und unteren Management gar keine bis kaum Unterstützung hinsichtlich des Themas Cloud Computing bestehe. Der Anteil der proaktiven Unterstützer auf den Managementebenen ist wesentlich geringer. 34 Prozent der Teilnehmer finden, dass sie durch das obere Management ziemliche bis außerordentliche Unterstützung erfahren würden. Die Unterstützung auf der mittleren Managementebene ist ähnlich ausgeprägt. Auf der untersten Ebene ist sie mit 23 Prozent am geringsten. Durch den Mittelwertvergleich wird deutlich, dass die Managementebenen das Thema derzeit nur mittelmäßig unterstützen. Das ist im direkten Vergleich mit dem Nutzen -Interesse auch nicht weiter verwunderlich, da sich hier die Waage zwischen Befürwortern, Unentschlossenen und Gegensprechern hält. Für eine erfolgreiche Etablierung von Cloud-Diensten muss die Unterstützung auf allen Führungs- und Leitungsebenen vorhanden sein. Hierzu bedarf es einer proaktiven Haltung des Managements. Um den Anteil der Unterstützer und Befürworter zu steigern, ist ein umfassender Dialog mit dem Führungsmanagement aller Gruppen notwendig, der die Gründe für ihre passive Haltung analysiert und, falls möglich, ihr entgegenwirkt. Abbildung 6: Unterstützung des Themas Cloud Computing innerhalb der Organisation 13 % 21 % 10 % 34 % 33 % 23 % 5 % 18 % 23 % 11 % 21 % 28 % Außerordentliche Unterstützung Ziemliche Unterstützung 55 % 40 % 33 % 46 % 49 % 39 % Mittelmäßig Unterstützung Kaum Unterstützung 15 % 13 % 10 % Keine Unterstützung Oberes Management Mittleres Management Unteres Management Fachliche und technische Kenntnisse Abbildung 7 veranschaulicht, wie ausgeprägt nach Einschätzung der Befragten die Kenntnisse der eigenen Organisation rund um Cloud Computing sind. Das Know-how zu Cloud-Strategie (38,5 Prozent), Cloud-Sicherheit (32,4 Prozent) und IT-Prozessen (21 Prozent) gilt als am stärksten ausgeprägt ( außerordentliche und ziemliche Kenntnisse kumuliert). Am geringsten schätzen die Teilnehmer die fachlichen und technischen Kenntnisse ihrer Organisation im Bereich Controlling (7,9 Prozent) ein. Dies kann damit begründet werden, dass sich die Behörden und IT-Dienstleister aktuell in der Evaluierungs- und Bewertungsphase von Cloud Services befinden. Folglich sind Kenntnisse in Migration und Controlling zum jetzigen Zeitpunkt weniger wichtig. 14 Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper

15 Abbildung 7: Ausprägung der aktuellen fachlichen und technischen Kenntnisse im Bereich Cloud Computing 80 % 60 % 40 % 20 % Cloud- Strategie Cloud- Sicherheit IT- Prozesse Bewertung Migration Controlling 0 % Außerordentliche Kenntnisse Ziemliche Kenntnisse Der IT-Reifegrad und mögliche Verbesserungspotenziale Die IT-Abteilungen und IT-Dienstleiter der öffentlichen Verwaltung sind den Umfrageergebnissen nach bei IT-Serviceleistungen gut aufgestellt. So sind 77 Prozent der Befragten ziemlich bis außerordentlich zufrieden mit den IT-Serviceleistungen ihrer Organisation. 23 Prozent sind nur mittelmäßig zufrieden mit der Organisations-IT. Insbesondere sehen die Studienteilnehmer Verbesserungspotenziale bei den Themen Standardisierung, Automatisierung und IT-Effizienz. Hierauf folgen Konsolidierung und Virtualisierung von IT-Ressourcen sowie Reduzierung von IT-Kosten. Das geringste Verbesserungspotenzial vermuten die Teilnehmer bei Green-IT und der Auslagerung von IT-Ressourcen. Abbildung 8: Zufriedenheit der Teilnehmer mit ihrer Organisations-IT und Darstellung möglicher Verbesserungspotenziale Standardisierung von IT-Prozessen 26 % Automatisierung von IT-Prozessen IT-Effizienz Konsolidierung von IT-Ressourcen Reduzierung von IT-Kosten 51 % Virtualisierung von IT-Ressourcen IT-Dienstleistungsangebot Detaillierung der IT-Governance 23 % IT-Dienstleistungen allgemein Auslagerung von IT-Ressourcen Umsetzung einer Green IT Außerordentlich zufrieden Mittelmäßig zufrieden Ziemlich zufrieden 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % indirekt durch Cloud Computing realisierbar direkt durch Cloud Computing realisierbar Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper 15

16 Kernaussagen Das Thema Cloud Computing befindet sich bei den Behörden größtenteils noch in der Evaluierungs- und Bewertungsphase. Es besteht ein allgemeines Interesse an Cloud Computing, jedoch müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen genau geprüft und bei der Nutzung von Cloud Services berücksichtigt werden. Die größten Kompetenzfelder bestehen in den Bereichen Cloud-Strategie, Cloud-Sicherheit und IT- Prozesse. Die IT-Abteilungen und IT- Dienstleiter der öffentlichen Verwaltung sehen sich bei ihren IT-Serviceleistungen gut aufgestellt. Dennoch wünschen sie Verbesserungen bei der Standardisierung und Automatisierung von Prozessen, gefolgt von einer Steigerung der IT- Effizienz, Senkung der Kosten und einer stärkeren IT-Konsolidierung und Virtualisierung. Besonders der Wunsch nach Standardisierung und Automatisierung von Prozessen ist nachvollziehbar, denn erst 23 Prozent der Behörden und IT-Dienstleister haben IT-Prozesse auf der 4. oder 5. Reifegradstufe etabliert (vergleiche Abbildung 9). Auf diesen Stufen werden Prozesse auf Basis von Good Practices gemessen, geprüft und laufend automatisiert. Die Mehrheit der Teilnehmer schätzt dagegen, dass ihre Organisationprozesse nur der 2. Stufe entsprechen 5. Das bedeutet, dass die IT-Prozesse der befragten Institutionen wiederholbar sind und einem Muster folgen. Abbildung 9: 8,6 % 1. Stufe: anfänglich Einschätzung der Befragten bezüglich des IT-Reifegrades 22,9 % 2. Stufe: wiederholbar 45,7 % 3. Stufe: definiert 17,1 % 4. Stufe: gemanagt 5,7 % 5. Stufe: optimiert Cloud Computing kann nachweislich zur erfolgreichen Steigerung des IT-Reifegrads beitragen. Denn die Einführung von Cloud-Technologien ist mit Anpassungen in den bestehenden Prozessen verbunden. Hier wird ein bestimmter Prozessreifegrad vorausgesetzt, weshalb es einer genauen Analyse und Bewertung des aktuellen Status bedarf. Wenn der notwendige Reifegrad der IT erreicht ist, kann die Einführung von Cloud-Dienstleistungen dabei unterstützen, einige der genannten Verbesserungspotenziale zu realisieren (vergleiche grün markierte Potenziale in Abbildung 8). Abbildung 10: Aufteilung des IT-Fremdbezugs 7,4 % Cloud-basiert 22,2 % kein Fremdbezug 70,4 % klassisch 5 Vgl. ITIL Service Design, 2013, S ; gemäß dem ITIL Reifegradmodell entspricht die 2. Stufe einem Prozess, der zwar erkannt wird, der aber nur eine geringe Bedeutung aufweist, das heißt, dem Prozess werden im Betrieb kaum Ressourcen zugeteilt und die mit ihm verbundenen Aktivitäten sind unkoordiniert, unregelmäßig und nicht zielgerichtet. 16 Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper

17 Auslagerung von IT-Dienstleistungen IT-Fremdbezug die Sicht der Behörden und Kommunen (Nutzersicht) Der Fremdbezug von IT-Services ist ein durch die öffentliche Verwaltung akzeptiertes Bereitstellungsmodell für Dienstleistungen. 78 Prozent der Befragten geben an, dass sie IT-Dienstleistungen fremdbeziehen oder schon einmal fremdbezogen haben (vgl. Abbildung 10). Dabei spielt der Bezug von Cloud-basierten IT-Dienstleistungen (7,4 Prozent) bis dato nur eine sehr geringe Rolle. Diese Form des Leistungsbezugs ist folglich noch nicht ausreichend akzeptiert und erst zum Teil etabliert. Mehr als 22 Prozent der teilnehmenden deutschen Behörden und Kommunen haben bisher keine IT-Leistungen fremdbezogen. Von den Behörden und Kommunen, die externe IT-Dienstleister mit der Leistungsbereitstellung beauftragen, bezieht mit 71,4 Prozent der Großteil klassische IT-Leistungen von Dienstleistungszentren der öffentlichen Verwaltung. Nur 38,1 Prozent arbeiten mit privatwirtschaftlichen Unternehmen zusammen. Eine Öffentliche-Private-Partnerschaft ist nur selten für die Übernahme von IT-Services betraut worden. Zu betonen ist, dass derzeit keine der befragten öffentlichen Einrichtungen Cloud-Serviceleistungen von einem privaten IT-Dienstleister bezieht. Diese Aufteilung zwischen klassischem Outsourcing, Cloudbasiertem Outsourcing und Insourcing deckt sich mit unseren Erfahrungen in der öffentlichen Verwaltung. Da Cloud Services innerhalb des IT-Fremdbezugs noch einen relativ geringen Anteil einnehmen, stellt sich die Frage, welchen Mehrwert Cloud-Leistungen prinzipiell bieten müssen, damit sie attraktiver für die öffentlichen Einrichtungen werden. Hier gibt der Anteil der Befragten, der im klassischen Sinne Informationstechnik auslagert (im Folgenden als Gruppe 1 bezeichnet), verschiedene Antworten: Gruppe 1 ist tendenziell eher bereit, Cloud-basierte IT-Dienstleistungen zu beziehen, wenn diese die Skalierbarkeit der IT erhöhen, IT-Kosten senken oder die IT-Effizienz steigern (vergleiche Abbildung 11). Es ist anzumerken, dass insbesondere die letzten beiden Punkte Senkung von IT-Kosten und Verbesserung der IT-Effizienz durch Cloud-Lösungen realisiert werden können. Prinzipiell gilt: Wenn durch Cloud-basierte Lösungen die genannten Mehrwerte adressiert werden, ist Cloud Computing für Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung eine Alternative zum klassischen Outsourcing. Abbildung 11: Darstellung des wahrgenommenen Mehrwerts von Cloud-Leistungen aus Nutzersicht Interaktiv 100% 80% 60% 40% 20% 70,4% klassisch 0% Stimme zu Stimme ziemlich zu Stimme mittelmäßig zu Stimme kaum zu Stimme nicht zu Weiß nicht Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper 17

18 Der Anteil der Befragten, der bisher keine IT-Leistungen ausgelagert hat (fortan Gruppe 2), benennt unterschiedliche Rahmenbedingungen, die für einen IT-Fremdbezug aus ihrer Sicht erforderlich seien. Erst dann komme ein Fremdbezug für sie in Frage. Hierzu ergibt sich folgendes Bild: Rund 83 Prozent der Gruppe 2 erachten die folgenden Aspekte als unbedingt erforderlich, um IT-Leistungen fremdzubeziehen: Hoher Datenschutz und hohe Datensicherheit (insbesondere in einer Public Cloud-Umgebung) Hoher Schutz vor Verlust der Daten sowie eine bessere Datensicherung Gewährleistung, dass vereinbarte IT-Leistungen erbracht werden. Zwei Drittel stimmen außerdem zu, dass Dienstleistungsvereinbarungen klar und eindeutig definiert sein müssen. Der Aspekt definierte Schnittstellen zu Alt-Systemen ist den Befragten fast genauso wichtig. Die Leistungsvereinbarungen müssen zudem einfach und verständlich sein; hier stimmen die Teilnehmer der Gruppe 2 im Mittel ziemlich zu 6. Weniger wichtig ist für die Befragten die Verwendung von freien Lizenzen für Cloud-Lösungen. Im Mittel stimmen die Teilnehmer diesem Aspekt mittelmäßig zu 7. IT-Service-Bereitstellung die Sicht der IT-Dienstleister (Anbietersicht) 46 Prozent aller befragten IT-Dienstleister bieten für öffentliche Einrichtungen Cloud Services an (vergleiche Abbildung 12). Diese Dienstleister, die fortan als Gruppe 3 bezeichnet werden, glauben, dass Cloud Computing ziemliche Vorteile mit sich bringe, u. a. durch Standardisierung der eigenen IT-Prozesse (MW = 4,33), einen erhöhten Automatisierungsgrad der Serviceerbringung (MW = 4,33), durch neue Geschäftsmodelle (MW = 4,17) und eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit (MW = 4,17). Höhere Gewinnmargen werden nur als mittelmäßiger Vorteil (MW = 2,8) und damit am geringsten bewertet 8. Abbildung 12: Darstellung des wahrgenommenen Mehrwerts von Cloud-Leistungen aus Anbietersicht Interaktiv 100 % Ja 46 % 80 % 60 % 40 % 20 % 0 % Außerordentlicher Vorteil Ziemlicher Vorteil Mittelmäßiger Vorteil Kaum Vorteil Kein Vorteil Weiß nicht 6 Der Mittelwertvergleich ergab einen MW von 4,4. Kodierung der Antwortausprägungen: Stimme gar nicht zu = 1, Stimme kaum zu = 2, Stimme mittelmäßig zu = 3, Stimme ziemlich zu = 4 und Stimme zu = 5 7 Der Mittelwertvergleich ergab einen MW von 3,0. Kodierung der Antwortausprägungen: Stimme gar nicht zu = 1, Stimme kaum zu = 2, Stimme mittelmäßig zu = 3, Stimme ziemlich zu = 4 und Stimme zu = 5 8 Der Mittelwertvergleich aller Antwortausprägungen basiert auf folgender Kodierung: Kein Vorteil = 1, Kaum Vorteil = 2, Mittelmäßiger Vorteil = 3, Ziemlicher Vorteil = 4, Außerordentlicher Vorteil = 5 18 Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper

19 Knapp 54 Prozent aller befragten IT-Dienstleister bieten IT-Services im klassischen Sinne an. Dieser Anteil wird als Gruppe 4 bezeichnet. Auf die Frage, welche Vorteile Cloud Computing bieten müsste, um es einführen zu wollen, werden Agilität (vergleiche Abschnitt 6.3 Agilität und Flexibilität ), politische Vorgaben und IT-Kosten am häufigsten genannt. Wie auch Gruppe 3 wertete Gruppe 4 höhere Gewinnmargen als den geringsten Vorteil. Abbildung 13: Darstellung des erwarteten Mehrwerts von Cloud-Leistungen aus Anbietersicht Interaktiv 100 % Nein 54 % 80 % 60 % 40 % 20 % 0 % Stimme zu Stimme ziemlich zu Stimme mittelmäßig zu Stimme kaum zu Stimme nicht zu Weiß nicht Kernaussagen Der Fremdbezug von IT- Leistungen ist ein valides und akzeptiertes Sourcing- Modell in der öffentlichen Verwaltung. Der Bezug von Cloudbasierten Leistungen muss sich noch stärker etablieren, hat aber das Potenzial, den erwarteten Nutzen der Behörden und Kommunen zu realisieren (zum Beispiel Kosten senken oder IT- Effizienz steigern). Behörden und IT-Dienstleister haben eine unterschiedliche Erwartungshaltung gegenüber den Vorteilen von Cloud Computing. Während bei Behörden die größten Vorteile im Bereich der Skalierbarkeit, Kostenreduzierung und Effizienzsteigerung erwartet werden, liegt der Fokus der IT-Dienstleister auf Standardisierung, Automatisierung und neuen Geschäftsmodellen. Ein Comic erklärt die unterschiedlichen Vorurteile der Cloud Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper 19

20 Datenschutz und Datensicherheit IT-Sicherheitsrisiken bei Bezug von Cloud-Lösungen Die Verwendung von Cloud-basierten IT-Dienstleistungen in der öffentlichen Verwaltung bringt unterschiedliche IT-Sicherheitsrisiken mit sich. Aus den Antworten der Teilnehmer lassen sich vier Kategorien ableiten. Abbildung 14 listet sie mit den dazugehörigen Unterkategorien auf. Die Antworten der Teilnehmer beziehen sich dabei in erster Linie auf Angebote und Leistungen aus einer Public Cloud-Umgebung. Private Cloud-Infrastrukturen sehen die Befragten weniger kritisch. Abbildung 14: IT-Sicherheitsrisiken in Bezug auf Cloud Computing Interaktiv Datenschutz Organisation Technik Sonstiges 20 Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung Red Paper

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