Predigt zur Konfirmation am 28. April 2013 What would Jesus do?

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1 Predigt zur Konfirmation am 28. April 2013 What would Jesus do? Henry Maxwell, der Pfarrer einer kleinen amerikanischen Gemeinde im mittleren Westen, wirkt betroffen und eindringlich zugleich, als er seine Predigt beginnt. Unten in der Gemeinde ist es ganz still. Sie sind alle tief betroffen von den Ereignissen der letzten Tagen. Jahrelang waren sie alle an dem Mann, den niemand mit Namen kannte, vorbei in die Kirche gegangen. Er hatte auf der Stufe vor der Kirche gesessen, dreckig von den vielen Nächten auf der Straße und natürlich auch nicht gut zu riechen. Jahrelang. Immer wieder. Keiner hatte ihn gegrüßt, keiner hatte ihn gefragt, wie es ihm geht, keiner ihn eingeladen mit hinein zu kommen. Am letzten Sonntag war er plötzlich in die Kirche gekommen, war langsam durch den Mittelgang gegangen bis vorne hin. Dann hatte er sich umgedreht und die Menschen in der Gemeinde, die gerade All for Jesus, Alles für Jesus oder Über allem ist die Liebe oder so etwas sangen, einfach angeschaut. Wortlos. Dann war er zusammengebrochen und wenige Tage später gestorben. Pfarrer und Gemeinde spüren jetzt alle: diese Frage muss beantwortet werden So, liebe Gemeinde, beginnt das Buch In His Steps ( In seinen Fußstapfen ). Charles Sheldon hat es 1896, also vor fast 120 Jahren, in den USA veröffentlicht. Es ist berühmt geworden, aber die Frage ist noch berühmter geworden: What would Jesus do? Vor allem junge Leute, so wie Ihr es seid, beschäftigen sich mit der Frage. In den USA gibt es viele Jugendgruppen, die so heißen: What would Jesus do? und die sich verpflichtet haben, dafür zu sorgen, dass die Welt ein bisschen gerechter, barmherziger, besser wird. Und immer dazu gehört das Armband, damit man täglich an die Frage erinnert wird: WWJD steht für What would Jesus do? Und dieses Armband bekommt Ihr Konfis jetzt erst einmal geschenkt. Macht es Euch um den Arm, dafür ist es da!

2 Maggi, Benne, Leonie, Niko und Anna sitzen im Nachtbus auf dem Weg nach Hause. Nur wenige andere Fahrgäste sitzen mit im Bus. An der nächsten Station steigen ein paar grölende junge Leute ein. Und pöbeln gleich einen anderen Fahrgast an. Eey steh auf, da wollen wir sitzen. Die Pöbler lassen nicht locker; sie sind ja auch stärker als der eine, dessen Platz sie haben wollen. Und Maggi, Benne, Leonie, Niko und Anna? Schauen aus dem Fenster, blicken peinlich berührt weg, greifen nicht ein, obwohl sie doch in der Mehrheit sind. An der nächsten Station steigt der drangsalierte Jugendliche mit Tränen in den Augen aus. Ihr erinnert Euch bestimmt: wir haben uns diese Szene auf dem Konfi-Camp im Filmclip über das Holk-Projekt angeschaut. Na, wegschauen bestimmt nicht. In der Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt er uns, was er tun würde: Er nimmt wahr, dass jemand in Not ist, er wendet sich dem Opfer zu, er sorgt für ihn, bis er in Sicherheit ist. Auf dem Konfi-Camp habt ihr die Geschichte im Bus neu geschrieben. Noch einmal geschrieben, bis sie stimmte im Sinne von Jesus. Und ihr habt sie euch gegenseitig vorgespielt. Jetzt habt ihr ein Armband, das Euch erinnert, wenn wieder mal jemand in Eurer Nähe drangsaliert, klein gemacht wird. Bevor Ihr also vorbeigeht oder aus dem Fenster schaut, als ginge Euch das alles nichts an, schaut auf das Armband: Was würde Jesus tun? What would Jesus do? Und vielleicht erinnert ihr euch dann auch an das Doppelgebot, mit dem die Geschichte vom barmherzigen Samariter anfängt: Du sollst Gott, deinen Herrn lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit aller deiner Kraft und deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Sie standen alle im Kreis, und die meisten hatten schon einen Stein in der Hand.

3 In der Mitte eine Frau, zusammengekauert. Sie war fremd gegangen, jeder wusste es im Dorf. Es war empörend. Und wie stand jetzt ihr Mann da? Ne, der musste man es doch zeigen, dass Moral und Anstand und Sitte Und jetzt war Jesus dazu getreten. Was würde er tun? Ist doch nicht wahr was macht er da? Jesus hockt sich auf den Boden und malt in den Sand. Aber die Menschen im Dorf lassen nicht locker. Jesus, jetzt musst du aber zugeben, dass die Frau Und Jesus? Er richtet sich langsam auf und sagt: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Und hockt sich wieder hin und schreibt weiter in den Sand. Und dann geht einer nach dem anderen fort, die Älteren zuerst. Und Jesus bleibt alleine mit der Frau: Hat dich niemand verurteilt? Niemand, Herr. Und Jesus sagt: Ich verurteile dich auch nicht. Geh und tue von jetzt an kein Unrecht mehr. Ihr habt jetzt Euer Armband, liebe Konfis. Bevor ihr also einen Stein nehmt, um damit jemanden zu verurteilen - und manchmal sind Worte ja auch wie Steine - schaut auf das Armband: What would Jesus do? Und dann wisst ihr: Jesus würde dich inmitten von deinem Zorn fragen: Und du? Bist du besser? Hast du noch nie etwas getan, was Unrecht war? Und er würde vergeben. Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Rieke ist 17. Vor ein paar Jahren konfirmiert in unserer Kirche. Hat Trouble zu Hause. In der Schule lala. Und jetzt hat auch noch der Freund Schluss gemacht. Wie fühlt man sich da? Hässlich, einsam, ratlos Ihr fällt die Kirche ein. Sie ist tagsüber immer offen.

4 Sie schnappt sich ihr Fahrrad, geht in die Kirche, und steht auf einmal vor dem Taufstein. Und sie erinnert sich. Bevor Jesus seine Botschaft öffentlich gemacht hat, bevor er seinen notwendigen, aber harten Weg begonnen hat, ist er zu Johannes gegangen, an den Fluss Jordan, und hat sich taufen lassen. Als Jesus aus dem Wasser auftaucht, ist der Himmel offen und Gottes Stimme ist zu hören: Du bist mein geliebter Sohn. An dir habe ich Wohlgefallen. Rieke steht am Taufstein. Sie macht sich wie damals im Konfi-Unterricht ein Kreuzzeichen auf die Stirn: Ich gehöre zu dir, Jesus Christus, sagt sie. Und dann, irgendwoher hört sie die gleiche Stimme wie Jesus: Du bist mein geliebtes Kind. An dir habe ich Wohlgefallen. What would Jesus do? Nicht aufgeben, nicht verzweifeln. Sondern uns daran erinnern, dass wir frei sind, weil wir nur einen Herrn haben, und weil der dabei bleibt: Du bist mein geliebtes Kind, was auch immer geschieht. Ihr werdet heute konfirmiert. Ihr sagt: Ja, zu diesem Jesus will ich gehören. Ihr versprecht, in seine Fußstapfen zu treten und ihm zu folgen. Überall, in der Schule, zu Hause, auf dem Fußballplatz, in Euren Gruppen. Die Leitfrage für dieses Leben mit Gott habt Ihr jetzt am Handgelenk: What would Jesus do? Ihr werdet merken, dass diese Frage eine Hilfe ist, Euer Versprechen wahr zu machen. Und nicht nur das: Die Frage am Handgelenk wird Euch erinnern, wer mit Euch geht und sich niemals, niemals von Euch trennt. Gott selbst. Und darum lade ich Euch jetzt ein, Euch noch einmal das Kreuzzeichen mit dem Taufwasser auf die Stirn zu machen und dabei zu sprechen: Ich gehöre zu dir, Jesus Christus. Und dann geht in Frieden. Amen. Eure Christel Weber, Pfarrerin.

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