Beobachtung von Säuglingen und Kleinkindern - Ausgewählte Methoden der Kindheits- und Jugendforschung

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1 Pädagogik Aurelie Kuhn-Kapohl Beobachtung von Säuglingen und Kleinkindern - Ausgewählte Methoden der Kindheits- und Jugendforschung Studienarbeit

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3 Inhaltsverzeichnis 1. Warum Säuglingsforschung? Methoden der Säuglingsforschung Veränderungen in der Säuglingsforschung Präferenzmethode Die Habituierungsmethode Visueller Paarvergleich Überraschungsparadigma Methoden der visuellen Erwartung Suchaufgaben Verzögerte Nachahmung Einblicke in eine aktuelle Untersuchung zur Verzögerten Nachahmung Überblick über die Entwicklung der Untersuchung Voruntersuchung Das Experiment 1: Untersuchung des Einflusses des Versuchsleiterwechsels auf die Nachahmungsleistung Methode Das Frankfurter Instrumentarium Vorstellen der verwendeten Gegenstände und Handlungen Ablauf des Experiments Überblick über die Ergebnisse und Folgeuntersuchungen Kritische Auseinandersetzung zum Thema: Der Säugling als Forschungsobjekt. 18 Literaturverzeichnis

4 1. Warum Säuglingsforschung? Der Mensch ist bisher schon auf vielfältige Art und Weise erforscht worden, sei es seine Entstehung, sein Körper oder sein Geist, zu allem gibt es mehr oder weniger sichere Erkenntnisse. Aber trotzdem gibt es nach wie vor Vieles was die Forschung noch nicht schlüssig erklären kann oder versteht. Man weiß immer noch nicht genau wie das Gehirn Informationen speichert und wieder hervorholt. Es ist schwierig Dinge zu erklären, die sich nicht substantiell oder visuell nachweisen lassen. Vor ähnlichen Schwierigkeiten stehen Forscher wenn sie Säuglinge und deren Fähigkeiten z.b. in Punkto Erkennen, Gedächtnisleistung erforschen wollen. Der Mensch durchlebt am Beginn seines Lebens bis etwa zu seinem 18. Lebensmonat eine Phase in welcher er sich noch nicht sprachlich ausdrücken kann. Da die Sprache nichts anderes als kulturell gewählte Symbole für etwas ist, spricht man auch davon, dass der Mensch sich in einer präverbalen und präsymbolischen Phase seines Lebens befindet. Vor nicht all zu langer Zeit war man gemeinhin der Meinung, dass der Säugling in dieser Zeit nur ein passives, undifferenziertes Wesen ist, welches vollkommen seinen Trieben ausgeliefert ist. Bis vor wenigen Jahren herrschte beispielsweise in der Medizin in einigen europäischen Ländern, so z.b. Frankreich, die Meinung vor Neugeborene könnten noch keine Schmerzen empfinden. Aus diesem Grunde wurden medizinische Eingriffe, auch Operationen, ohne Betäubung durchgeführt. Mittlerweile gibt es Gott sei Dank weitere Erkenntnisse über das Schmerzempfinden von Neugeborenen, so dass solche Eingriffe heute nicht mehr ohne Narkose durchgeführt werden. Das Bild des Säuglings hat sich gewandelt und man betrachtet ihn nun auch als ein aktives, differenziertes und beziehungsfähiges Wesen. Diese neue Sicht drückt sich auch aus in einer neuen Bezeichnung: der kompetente Säugling. Trotzdem ist die Erforschung des Säuglings und seiner Fähigkeiten nicht einfacher geworden, aber man besitzt heute durch die enorme Verbesserung der technischen Möglichkeiten viel bessere Instrumente um den Säugling genau zu beobachten. Einige Methoden der Säuglingsforschung werde ich am Beginn meiner Arbeit vorstellen. Ich werde aber nur auf Methoden die mit der Beobachtung von Säuglingen zu tun haben eingehen. Selbstverständlich gibt es über diese hinaus noch viele weitere methodische Möglichkeiten das Wesen und die Fähigkeiten des Säuglings zu erfassen beispielsweise in Form von Entwicklungstests die mehr den körperlichen Bereich untersuchen, oder Bindungstests, welche Auskunft über die Qualität der 2

5 Beziehung zwischen Mutter und Kind geben. Sogar Intelligenztests für Säuglinge gibt es. Als zweiten Schwerpunkt meiner Arbeit werde ich ein aktuelles bzw. bereits ausgewertetes Projekt der Säuglingsforschung vom Institut für Psychologie an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt vorstellen. Ans Ende dieser Arbeit möchte ich einige kritische Gedanken zur Forschung mit Säuglingen stellen. 2. Methoden der Säuglingsforschung 2.1. Veränderungen in der Säuglingsforschung Am Anfang der Psychologie und der Entwicklung von Theorien über den Menschen betrachtete man die Entwicklungen im Säuglingsalter weniger aus einer direkt beobachtenden Perspektive als vielmehr aus einer rekonstruktiven Perspektive. Sigmund Freud analysierte seine eigenen Träume, Wünsche und Assoziationen und entdeckte so die kindlichen Sexualwünsche. Auch andere Theoretiker wie Spitz und Mahler haben durch Aussagen von erwachsenen Patienten Theorien über die Entwicklung und die Seinszustände von Säuglingen entwickelt. Natürlich beobachteten sie auch Säuglinge, aber ihr Hauptaugenmerk lag auf dem rekonstruierten Bild des Säuglingsalters durch Patienten. Diese Vorgehensweise erscheint ausreichend sofern sie nur Theorien der Entwicklung im Bereich der Psychoanalyse betrifft. Hierbei kommt es nicht so sehr auf die tatsächlichen Befindlichkeiten an, sondern darauf, dass die Patienten mittels der Rekonstruktion von Gefühlen, Träumen und Wünschen letztlich geheilt werden. Diese Sichtweise würde allerdings auch bedeuten, dass sich die Theorien der Psychoanalyse gar nicht mehr mit Theorien aus anderen Disziplinen messen lassen müssten, so lange sie in ihrer Praxis nur weiterhin Erfolge vorweisen können. Dadurch würde sich die Psychoanalyse isolieren von den anderen, was aus meiner Sicht wenig wünschenswert erscheint. Auch Dornes erklärt in seinem Buch Der kompetente Säugling, dass er eine Einbeziehung der Ergebnisse der direktbeobachtenden Säuglingsforschung in den Korpus der psychoanalytischen Theorien trotz der zum Teil unterschiedlichen Methodologien beider Disziplinen [für] möglich und wünschenswert (Dornes, 2001, S. 33) hält. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch gravierende Nachteile bei der direkten Beobachtung von Säuglingen, wie bei jeder Beobachtung. Neben all den methodologischen potentiellen Fehler- und Einflussquellen ist der wichtigste Aspekt den man bei der Beobachtung im Auge behalten sollte der Fakt, dass man das zu 3

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