Mobile Regio Verbundbericht 2009

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1 Mobile Regio Verbundbericht 2009

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3 Editorial 03 Vorwort Electronic Ticketing Tarif und Vertrieb Marketing Fahrplaninformation/-koordination Geschäftsjahr Ausblick auf das Geschäftsjahr Impressum Herausgeber: Regio-Verkehrsverbund Freiburg GmbH (RVF), Freiburg Konzept, Text, Gestaltung: Münchrath. Die Werbeschmiede, Freiburg Fotografie: Rainer Muranyi, Freiburg Druck und Verarbeitung: Hofmann Druck, Emmendingen 2010 Regio-Verkehrsverbund Freiburg GmbH (RVF), Freiburg

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5 Die Zukunft des Ticketerwerbs Sie sind unterwegs und müssen dringend Ihre s checken? Sie möchten schnell nach Hause, wissen aber nicht wo die nächste Bushaltestelle ist? Sie möchten wissen, wie das Lied heißt, das gerade im Radio läuft? Kein Problem, Ihr Handy kennt die Antwort. Ob einkaufen, Fotos machen oder im Internet surfen mobile Kommunikation macht`s möglich, immer und überall. Statistisch gesehen gibt es in der Bundesrepublik Deutschland mehr Mobiltelefone als Einwohner. Tatsächlich besitzen wohl 80 % der Bevölkerung ein Handy. Das Potential, das in diesem Medium steckt, hat der RVF schon frühzeitig erkannt und nimmt deshalb seit Anfang 2009 an dem VDV-HandyTicket-Pilotprojekt teil. Was das für Sie bedeutet? Für einen Einzelfahrschein oder eine REGIO24 im RVF gibt es keine Wartezeiten, keine Kleingeldnöte und keinen Zeitdruck mehr. Sie müssen nur ein paar Tasten drücken und schon haben Sie die Fahrkarte auf Ihrem Handy. Und das nicht nur im RVF. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie in unserem diesjährigen Leitthema Electronic Ticketing. Folgen Sie dem RVF in die Zukunft. Unser Ziel ist die Mobile Regio : dank mobiler Kommunikation noch mehr Mobilität im RVF unkompliziert, flexibel und schnell. Ein gutes Jahr ist nun vergangen seit der Einführung dieses neuen Vertriebskanals. Schon jetzt werden monatlich mehr als 300 HandyTickets verkauft. Auch diesmal informieren wir Sie wieder ausführlich darüber, was sich in den RVF-Geschäftsbereichen getan hat. So erfahren Sie, was im RVF Tag für Tag in den Bereichen Tarif/Vertrieb, Marketing und Fahrplan erarbeitet wurde. Nicht fehlen dürfen natürlich alle wesentlichen Zahlen, Daten und Fakten zum Geschäftsjahr Editorial 03

6 Ein gutes Jahr In viele Geschäftsberichte wird das Jahr 2009 wegen der Wirtschaftskrise als ein schwieriges Jahr eingehen. Der Regio-Verkehrsverbund Freiburg GmbH kann mit einem guten Jahr mit positiven Geschäftszahlen und Entwicklungen aufwarten konnten die Einnahmen aus dem Verbundtarif um +3,1 % gesteigert werden. Inklusive der Tarifzuschüsse der Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen, der Stadt Freiburg sowie des Landes Baden-Württemberg erreichten sie rund 77,1 Mio. EUR. Mit ermittelten 112,5 Mio. Fahrten nutzten mehr Fahrgäste als je zuvor den regionalen ÖPNV. Der 1. August 2009 markiert dabei ein Datum gut vorbereiteter Weichenstellungen für weiteres Wachstum: die Einführung der RegioKarte Basis als Einsteigerangebot. Dazu Vertriebs- und Marketingmaßnahmen sowie Angebotsoptimierungen, die Hand in Hand gehen und den Kunden sowohl im Verbundverkehr wie auch im verbundübergreifenden Nahverkehr weitere Optionen eröffnen. Eine notwendige Tarifanpassung, die in der Höhe weitaus moderater ausfällt als erwartbar im Voraus gesteuert durch eine Tarifpolitik mit Augenmaß. Angewachsen ist die Zahl der Verkehrsunternehmen auf nunmehr 19, die unter dem tariflichen Dach des RVF ÖPNV betreiben: Im Dezember 2009 konnte die Stadtwerke Emmendingen GmbH als assoziiertes Verkehrsunternehmen begrüßt werden. Wachsende Anforderungen kommen mit zunehmender Marktöffnung auf Unternehmen und politisch Verantwortliche zu. Zum 3. Dezember 2009 trat die EU-Verordnung 1370/2007 in Kraft. Im Vorfeld waren hierzu verschiedene Verträge zur Zusammenarbeit und Finanzierung anzupassen. Gemeinsam mit dem Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) ist die fristgerechte Umsetzung gelungen unter Erhalt der verkehrspolitischen Ziele und der Verbundfinanzierung. Die Verträge mit einer Laufzeit fast bis zum Ende des Jahrzehnts sind eine solide Grundlage für die Neuausrichtung und geben Planungssicherheit. Marktkenntnisse sind zur besseren Anpassung des Angebotes an die Nachfrage unerlässlich präsentierten ZRF und RVF die beeindruckenden Ergebnisse der Verkehrserhebung 2008, bei der an die Fahrgäste zu Fahrtzielen, Fahrtzwecken und Fahrscheinen befragt wurden: In den letzten zehn Jahren hat die Zahl der beförderten Fahrgäste deutlich zugenommen, nämlich um +51 %. Dieser Zuwachs ist ein deutliches Zeichen, dass sich das integrierte regionale Nahverkehrskonzept, d.h. die Vernetzung und Verknüpfung der Linien und Verkehrsmittel, positiv bei den Fahrgastzahlen niederschlägt und das Gesamtsystem 04 Vorwort

7 ÖPNV profitiert. Die Erhebung bestätigt, dass fast 90 % der Fahrten mit einer RegioKarte unternommen werden. Das Tarifsystem RegioKarte mit netzweiter Gültigkeit und attraktiver Preisgestaltung bewährt sich weiterhin. Die Daten geben wichtige Impulse für die zukünftige Angebots- und Tarifplanung. Aus diesem Blickwinkel schauen alle beteiligten Akteure Politik, Verkehrsunternehmen und Verbund auf ein richtig gutes Jahr zurück, in dem zugleich das erforderliche Rüstzeug für das kommende Jahrzehnt erarbeitet wurde. Apropos Rüstzeug für die Zukunft: Aus dem Alltag ist das Handy für weite Kreise der Bevölkerung nicht mehr wegzudenken. In den ÖPNV findet die mobile Kommunikation in Form des elektronischen Fahrgeldmanagements Eingang und wird mit dem HandyTicket bereits erfolgreich angewendet. Der RVF nimmt den technologischen Fortschritt als Chance an. Davon werden Kunden und Verkehrsunternehmen gleichermaßen profitieren können: Der Zugang zum ÖPNV wird einfacher, infolgedessen seine Attraktivität gesteigert. Neue Kundengruppen werden erschlossen, gerade im Bereich der Selten- und Gelegenheitsnutzer. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und allzeit gute Fahrt in der Mobilen Regio. Dorothee Koch Geschäftsführerin Dr. Michael Vulpius Geschäftsführer Vorwort 05

8 Big Business, die Heimfahrt im Handy Wenn Mobilität schon vor der Fahrt beginnt. Angenommen, Sie haben sich was vorgenommen. Nach der Konferenz, Stadt, Theater, After-Work- Party. Dann bringt Sie eines bestimmt nicht aus dem Konzept: das Ticket nach Hause. Denn das können Sie jetzt einfach unterwegs kaufen. Mit dem RVF-HandyTicket. Wie's dazu kam? Jetzt kommt's.» Vertriebsweg der Zukunft, automatisierte Fahrpreisfindung, mobiler Fahrkartenautomat 06 Electronic Ticketing Electronic Ticketing 07

9 1. Electronic Ticketing 1.1. Was versteht man darunter? Der Begriff Electronic Ticketing wird in der Fachliteratur oftmals mit dem Begriff elektronisches Fahrgeldmanagement gleichgesetzt. Dieser trifft den im Folgenden dargelegten Sachverhalt genauer, da die Gesamtheit aller Aufgaben wesentlich umfassender ist als der eigentliche Umgang mit einem elektronischen Fahrschein. Elektronisches Fahrgeldmanagement bezeichnet demnach alle Geschäftsprozesse und Systeme, die den Betrieb und die Benutzung von Tarifprodukten im öffentlichen Personenverkehr unter Einsatz elektronischer Medien abwickeln. Das Nutzermedium, eine Chipkarte oder ein Handy, kann entweder ein Mittel zur Speicherung elektronischer Fahrkarten sein, zum Erwerb von Papierfahrscheinen dienen, oder die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln aufzeichnen. Grundlegende Basis ist die bargeldlose Bezahlung von Fahrberechtigungen durch elektronische Bezahlvarianten Die Ausbaustufen des (((eticket-deutschland Das elektronische Fahrgeldmanagement konzentrierte sich zuerst auf die kontaktbehaftete Chipkarte. Als Nutzermedium kamen die GeldKarte, später auch EC-Karten zum Einsatz. Diese bargeldlosen Bezahlverfahren boten für viele Verkehrsunternehmen die Grundlage für den Vertrieb von teureren Zeitfahrausweisen an den Automaten, die bis dahin oft nur Münzgeld annahmen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat das breite Spektrum des elektronischen Fahrgeldmanagements unter dem Namen (((eticket- Deutschland vereinheitlicht. Anhand dieses offenen Standards können die Systeme eingerichtet und untereinander kompatibel gestaltet werden. Er ist in drei Ausbaustufen untergliedert und weist dem bargeldlosen Bezahlen über ein Nutzermedium die Stufe 1 zu. Der Fahrgast erhält einen Fahrausweis in Papierform. Stufe 1: (((ebezahlen (elektronisches Bezahlen) Stufe 2: (((eticket (elektronisches Ticket und erweitert elektronische Einstiegskontrollen) Stufe 3: automatische Ticketerfassung (Check-In/Check-Out und Be-In/Be-Out) Logo-Abbildung: VDV-Kernapplikations GmbH & Co. KG Die 2. Stufe des elektronischen Fahrgeldmanagements bezeichnet den Kauf eines elektronischen Tickets: Die Ausgabe der Fahrberechtigung erfolgt hierbei nicht mehr in Papierform, sondern digitalisiert auf dem Nutzermedium, sei es eine Chipkarte oder ein Mobiltelefon. Die Bezahlung erfolgt wie in Stufe 1 bargeldlos. Bei der 3. Stufe handelt es sich um die komfortabelste Alternative für den Fahrgast, gleichzeitig um die technisch anspruchsvollste: Der Ticketerwerb erfolgt papierlos und es sind für den Kunden keine detaillierten örtlichen bzw. tariflichen Kenntnisse mehr notwendig. Der Fahrpreis wird nach Registrierung automatisch anhand der gefahrenen Strecke ermittelt. 08 Electronic Ticketing

10 Alle drei Stufen beinhalten die sog. VDV-Kernapplikation, einen offenen und einheitlichen Daten- und Schnittstellenstandard. Da eine migrative, d.h. sowohl räumlich wie zeitlich an die örtlichen Verhältnisse angepasste Einführung von Varianten des elektronischen Fahrgeldmanagements absehbar war, ist eine im Vorfeld definierte technische Basis unabdingar. Die Kernapplikation interpretiert die verwendeten Daten in allen Systemen gleichartig und stellt so die Interoperabilität sicher. Gleichzeitig werden damit weder die Tarifhoheit noch die Vertriebsentscheidungen vor Ort eingeschränkt und verschiedene Ausbaustufen können nebeneinander bestehen Welche Systeme sind am Markt? In mehreren Verbünden im Bundesgebiet wird derzeit das (((eticket-deutschland eingeführt. Das dafür am häufigsten genutzte Trägermedium ist die kontaktlose Chipkarte. Diese kann Träger von Zeitkarten sein, wie dies heute u.a. in drei nordrhein-westfälischen Verbünden der Fall ist, aber auch von Barverkehrsfahrscheinen. Kontaktlose Chipkarten können aber auch bis hin zur automatisierten Fahrpreisfindung mit Check-In/ Check-Out-Funktionalität zum Einsatz kommen: In dieser Variante hält der Fahrgast aktiv seine Chipkarte beim Einstieg (Check-In) und auch beim Ausstieg (Check-Out) vor ein Erfassungsgerät und definiert auf diesem Weg die Fahrleistung, die er in Anspruch nimmt. Per Standortbestimmung wird dafür der Fahrpreis automatisch ermittelt. So ein Verfahren wird beispielsweise in Schwäbisch Hall angewendet. Noch weiter geht die automatische Ticketerfassung (Raumerfassung) mittels Be-In/Be-Out-Systemen: Die Anwesenheit des Kunden wird passiv durch entsprechende Prüfeinrichtungen erfasst, für die elektronische Tarifberechnung muss die Chipkarte nicht mehr aus der Tasche genommen werden. Ein solches Raumsystem wurde bereits seit 2005 in Dresden getestet. Auch Hybridvarianten, z. B. Check-In kombiniert mit Be-Out sind in der Erprobung. In der jüngeren Vergangenheit gewinnt das Mobiltelefon als vielseitiges Nutzermedium immer mehr an Bedeutung. Auch als Vertriebsmedium für elektronisches Fahrgeldmanagement rückt das Handy immer mehr in den Fokus der Branche. Neben dem bundesweit in einzelnen Regionen eingeführten VDV-HandyTicket, welches nach einem erfolgreichen dreijährigen Pilotversuch 2010 unter dem Label HandyTicket Deutschland in den regulären Betrieb überführt wird, wurden weitere singuläre HandyTicket-Systeme gestartet, zum Beispiel in den Verbünden rund um Karlsruhe und Mannheim oder jüngst in Leipzig. Unter Federführung der Deutschen Bahn wurde 2008 das Pilotprojekt Touch&Travel ins Leben gerufen. Auf Basis der NFC-Technologie (NFC Near Field Communication) handelt es sich hierbei um ein Check-In/Check-Out-System. Mittels eines NFC-fähigen Mobiltelefons, welches der Fahrgast vor Fahrtantritt am so genannten Touchpoint über eine kontaktlose, verschlüsselte Datenübertragung aktiviert und am Zielort wieder abmeldet, werden auch hier in Anspruch genommene Leistung und Fahrpreis automatisch ermittelt. In weiteren Pilotstufen wurde u.a. die Integration von Nah- wie Fernverkehrsverbindungen auch innerhalb einer Reisekette über Touch&Travel getestet. Electronic Ticketing 09

11 Bei den oben genannten Systemen handelt es sich um elektronische Tickets (Stufe 2) und um Systeme zur automatisierten Fahrpreisfindung (Stufe 3), die mindestens teilweise auf den (((eticket-deutschland-standard zurückgreifen bzw. Teile von dessen Sicherheitsmanagement verwenden Unsere Entscheidungskriterien Allein die Vielzahl der Systeme zeigt einerseits den noch experimentellen Charakter, andererseits das innewohnende Potential: Durch das elektronische Fahrgeldmanagement können Zugangshemmnisse zum ÖPNV abgebaut, dessen Attraktivität gesteigert sowie Rationalisierungseffekte realisiert werden. Für den RVF stand deshalb eine aktive Beteiligung an dieser Entwicklung außer Frage, zumal damit der politischen Erwartung, Vertriebssysteme in Richtung elektronischer Tickets weiterzuentwickeln entsprochen wurde. Eigene Erfahrungen sind in einem innovativen, wenn auch dadurch riskanten Umfeld unersetzlich, insofern wurde bereits 2008 der Anbietermarkt für elektronische Tickets sondiert. Den Kunden, so der Grundsatz, sollte keine verbundspezifische Insellösung offeriert, sondern die Möglichkeit gegeben werden, elektronische Fahrausweise raumunabhängig interoperabel und ohne tarifliche Kenntnisse nach einem möglichst einheitlichen Verfahren zu beziehen. Unter Berücksichtigung eines überschaubaren technischen und finanziellen Aufwandes, z.b. durch die Minimierung von absatzabhängigen Provisionen, wurden auch Erweiterungsmöglichkeiten wie eine räumlich gestaffelte Umsetzbarkeit in Betracht gezogen. Anhand fünf wesentlicher Kriterien verschaffte sich der RVF einen Überblick über elektronische Vertriebssysteme, die sich wie geschildert auf vertraute Kundenmedien Chipkarten-Systeme oder das Mobiltelefon stützen: 1. Zielgruppe Können Gelegenheitskunden und langfristig auch Dauernutzer angesprochen werden? 2. Kundenmedium Kann der Vertriebskanal auf kundenvertraute Medien aufbauen? 3. Reversibilität Könnten wir ein solches Verfahren ohne größere Aufwendungen wieder beenden (z.b. Rückbau von Erfassungsinfrastrukturen)? 4. Interoperabilität, tariflich/räumlich gestaffelte Umsetzbarkeit Ist der Einsatz des Vertriebskanals zwangsläufig auf den Verbundraum beschränkt? 5. Investbindung Wie hoch sind einmalige und laufende Kosten im Vergleich zu anderen elektronischen Vertriebssystemen? 10 Electronic Ticketing

12 1.5. Das VDV-HandyTicket: Wir sind dabei Der RVF schloss sich am 30. Januar 2009 dem VDV-HandyTicket-Pilotprojekt an: Neben der Marktreife, den vergleichsweise überschaubaren variablen und fixen Kosten und der Stabilität des Betriebes war die räumliche und inhaltliche Ausbaufähigkeit ausschlaggebend. Ohne weitergehende Infrastrukturinvestitionen sind weitere Gebiete und zugleich auch weitere Fahrscheinsegmente integrierbar. Denn letztlich und das ist der Clou daran hält der Kunde mit seinem Handy einen mobilen, raumungebundenen Fahrausweisautomaten in der Hand. Das bundesweite Pilotprojekt HandyTicket wird koordiniert durch den VDV und betrieben durch den Industriepartner HanseCom (Systembetrieb). Die DVB LogPay ist für die Zahlungsabwicklung zuständig. Ziel dieses seit 2007 betriebenenen Markttestes auf Basis der Java-Technologie ist es, den Fahrscheinkauf raumübergreifend interoperabel über das kundeneigene Handy zu ermöglichen: Wer sich in Freiburg beim HandyTicket anmeldet, kann auch in Hamburg, Dresden, Köln, Ulm und anderen Regionen Fahrausweise über das Handy kaufen. Bundesweit bisher einzigartig ist, dass auf Seiten des Kunden beim Kauf von HandyTickets im RVF keinerlei örtliche Tarifkenntnisse mehr vorausgesetzt werden. Der RVF konnte die Menüführung über das Handy individuell gestalten, der Kunde muss beim Fahrscheinkauf grundsätzlich nur Start- und Zielort angeben der Tarif wird automatisch ermittelt. Kunden zahlen monatlich ihre Fahrscheine wahlweise per Lastschriftverfahren, Kreditkarte oder per aufgeladenem Guthaben (Prepaid). Der Zahlungsausgleich gegenüber den Verkehrsunternehmen erfolgt durch die DVB LogPay, die zuvor das Konto des Kunden belastet hat (vgl. Abb. 1). Der Kunde kann jederzeit über den persönlichen und geschützten Bereich im Internet-Kundenportal seine gekauften Fahrausweise einsehen. Dabei werden hohe Sicherheitsstandards für die Kundendaten eingehalten. Durch die separate Erfassung von personenbezogenen Daten und Umsatzdaten bei unterschiedlichen Betreuern ist die Nachvollziehbarkeit von Bewegungsmustern der Nutzer ausgeschlossen. belastet RVF-Kunde befördert wählt wählt Lastschrift Prepaid Guthaben Kreditkarte Verkehrsunternehmen gleicht aus Abb. 1: Abrechnungsverfahren Electronic Ticketing 11

13 Hamburg Bielefeld Münster Rhein-Ruhr Mittelthüringen Rhein-Sieg Nürnberg Ulm Freiburg (Breisgau) Oberlausitz / Niederschlesien Dresden Chemnitz Vogtland Mittlerweile nehmen zahlreiche Regionen (vgl. Abb. 2) am deutschlandweiten Pilotprojekt HandyTicket teil, weitere folgen. Nach der Einrichtung einer RVF-spezifischen HandyTicket- Software und der Anbindung an das bestehende, alle teilnehmenden Regionen integrierende Hintergrundsystem werden den Kunden derzeit bundesweit RVF-Einzelfahrscheine Erwachsene und die REGIO24 für eine oder fünf Personen über das Handy angeboten. Als zusätzlicher Kauf- bzw. Nutzungsimpuls ist der Einzelfahrschein rabattiert, jeder achte ist pro Nutzer und Preisstufe kostenlos. Inzwischen ist auch die landesweite Fahrplanauskunft EFA mobil an das HandyTicket angebunden. Abb. 2: Teilnehmer HandyTicket Unter dem Label HandyTicket Deutschland wird der Pilot 2010 in den Normalbetrieb überführt und auf Bundesebene fortentwickelt. Aus der europaweiten Ausschreibung ging die Fa. HanseCom als Sieger hervor. Sie wird unter anderem eine HandyTicket-Applikation für das Apple iphone und weitere mobile Endgeräte entwickeln und die Mehrsprachigkeit einführen. In drei Schritten zum HandyTicket: Ein PC mit Internetanschluss, ein javafähiges Handy und einen Mobilfunkvertrag mit Internetnutzung mehr bedarf es nicht! 3g ticket e p tanne d1648a20d vag rvf-einzelfahrschein erwachsener preisstufe 2 von freiburg nach wittental gültig ab 17:35. 3,40 EUR Tarifkürzel Nr. des Identifikationsmediums (Personalausweis, Kreditkarte) Codewort, lfd. Nummer elektronische Signatur Infotext (Fahrschein, Preisstufe, Start und Zielort, Gültigkeitsbeginn, Preis) barcode zurück 1. Schritt: HandyTicket-Programm laden Der Kunde erhält beim Anmeldevorgang im Internet unter ein kleines HandyTicket-Programm (Java-Software) auf sein Handy gesandt. Nach erfolgreicher Installation ist das Handy für den Fahrkartenkauf vorbereitet. 12 Electronic Ticketing

14 2. Schritt: Registrieren Der Kunde legt das gewünschte Bezahlverfahren fest. Danach wird ihm seine persönliche Handy- Ticket-Geheimzahl (PIN) per SMS zugesendet. Damit kann er Fahrkarten kaufen und sich im Kundenportal einloggen. 3. Schritt: Ticket kaufen Der Kunde wählt die benötigte Fahrkarte bequem über ein Handy-Menü aus, bestätigt den Kauf mit der HandyTicket-PIN und erhält das Ticket aufs Handy zugeschickt. "Fahrkartenkontrolle, Ihr Handy bitte!" Der Kunde nimmt sein Handy und zeigt das HandyTicket auf dem Display dem Kontrolleur. Im RVF werden derzeit HandyTickets per Sichtkontrolle überprüft. Der RVF versendet täglich wechselnde Codeworte an die Verkehrsunternehmen HandyTicket im RVF: Erste Praxiserfahrungen Kundenanfragen: Der RVF übernimmt selbst den sog. 1st-Level-Support. Nachdem es in den ersten Monaten nach der Einführung verständlicherweise häufiger zu Kundenanfragen kam, pendeln sich diese jetzt auf fünf pro Woche (telefonisch, per Mail) ein. Mehrheitlich handelt es sich um Fragen zum Handling (Fahrscheinkauf und -kontrolle, entsperren von Accounts nach mehrfacher Fehleingabe der PIN, Abrechnung etc.). Gelegentlich machen bestimmte Prepaid-Verträge bei der Installation des HandyTicket-Programms Schwierigkeiten. Solche Problemfälle werden zuverlässig vom bundesweiten 2nd-Level-Support gelöst. In den seltensten Fällen kommt es zu Hardware-Problemen. Kundenstruktur: Auf Basis der Kundendaten im ersten Jahr (Februar 2009 bis Januar 2010) lässt sich festhalten, dass erwartungsgemäß fast 9 von 10 Nutzern ihren Wohnsitz im gesamten RVF-Gebiet haben. Fast die Hälfte der im RVF angemeldeten Nutzer kommen aus dem Oberzentrum Freiburg, ca. 15 % aller Nutzer wohnen in den städtischen Mittelzentren im RVF (Emmendingen, Bad Krozingen, Kirchzarten oder Waldkirch). Herkunft der HandyTicket-Nutzer im RVF 38,5 % 6,1 % 5,2 % 0,5 % Stadt Freiburg anderes RVF-Gebiet Baden-Württemberg (ohne RVF) 49,7% Deutschland (ohne BW) Ausland Electronic Ticketing 13

15 Im RVF angemeldete HandyTicket-Kunden kauften in anderen Regionen 80 Fahrausweise, registrierte Kunden anderer Teilnehmerregionen bezogen im RVF-Gebiet im Gegenzug 1,2 % der hier verkauften HandyTickets. Die insgesamt interoperabel vertriebenen Fahrscheine machen damit knapp 4 % aller im RVF verkauften HandyTickets aus, dieser Wert liegt über dem Bundesdurchschnitt von ca. 2,2 %. Kundenkäufe: Ein Jahr nach Einführung im RVF können zum ca. 700 angemeldete Kunden beim HandyTicket verzeichnet werden. Im ersten Jahr wurde dabei ein Gesamtumsatz von ca. 10 TEUR über diesen Vertriebskanal generiert. Monatlich werden durchschnittlich gut 300 Fahrscheine über diesen noch jungen Vertriebsweg gekauft, wovon knapp 90 % Einzelfahrscheine (Erwachsene) sind HandyTicket: Marktnische oder Vertriebsweg der Zukunft? Die Entwicklung von Kundenzahlen und Umsätzen beim RVF-HandyTicket entspricht bisher dem bundesweiten Trend. Im RVF werden nahezu 90 % aller Fahrten mit einer RegioKarte vorgenommen, deshalb ist dieser Vertriebskanal noch eine Marktnische: Da das HandyTicket bislang auf einzelne Barverkehrsfahrscheine beschränkt ist, sind dem Absatz angebotsspezifische Grenzen gesetzt. Der RVF sieht sich aber anhand der vorab festgelegten Kriterien und der dadurch getroffenen Entscheidung für das VDV-HandyTicket auf dem richtigen Weg. Ob Apple iphone, Blackberry oder Smartphone: die technische Fortentwicklung des Handys in kürzester Zeit hin zu einem mobilen PC verdeutlicht, welches Potential in diesem Nutzermedium für Mobilität im Allgemeinen und für den paradox formuliert ortsunabhängigen Nahverkehr steckt. Der Automat wird enträumlicht: Der Kunde bezieht Fahrberechtigungen über ein ihm vertrautes Medium, er muss sich nicht standortabhängig an unterschiedliche Automatensoftware gewöhnen. Die klassischen Fragen Wo ist denn hier ein Automat? ; Was für einen Fahrschein benötige ich? ; Was kostet mich die Fahrt? und das dafür nötige Bargeld werden obsolet. Dazu kommt die hohe Verfügbarkeit des Handys, welches der Kunde sowieso in der Tasche hat. Auf Seiten der Verkehrsunternehmen bleiben die Investitionen in Erfassungsinfrastrukturen deshalb gering: Von Kontrolleinrichtungen abgesehen verbleibt die Intelligenz des Systems anders als bei Chipkarten-Systemen in Kundenhand zweifelsohne eine win-win-situation. Die Erfolgsgeschichte und die Zukunftsfähigkeit des HandyTickets wird anhand der Tatsache ersichtlich, dass jüngst in Köln das bundesweit Ein-Millionste HandyTicket verkauft wurde. Aktion statt Reaktion: Ungeachtet der Frage welches System sich letztlich am Markt behaupten wird, sammelt der RVF jetzt Erfahrungen mit diesem noch jungen Vertriebskanal. Die Option, zukünftig weitere Fahrscheinsegmente in eine bereits vorhandene technische Infrastruktur zu integrieren, ist gegeben. Die jetzige Schülergeneration wächst mit dem Handy auf dies sind die zukünftigen RegioKarten-Kunden. Vielleicht kann aber auch eine RegioKarte Schüler/Azubi auf dem Handy an Attraktivität gewinnen, zumal der etwas sperrige Nachweis mit der Stammkarte auf das Identifikationsmedium im HandyTicket übergehen könnte? 14 Electronic Ticketing

16 Konkret wird unter Federführung des RVF zusammen mit den Nachbarverbünden und der DB Regio Südbaden ein Modell vorbereitet, das die räumliche Erweiterung des HandyTickets ermöglicht: Interoperables VDV-HandyTicket in den fünf südbadischen Verbünden TGO, RVF, VSB, RVL und WTV Fanta5. Mit dieser vertrieblichen Innovation soll es gelingen, Barrieren beim verbundübergreifenden Fahrscheinvertrieb abzubauen und dem elektronischen Ticketing über das Vertriebsmedium Handy einen Innovationsschub zu geben. Es handelt sich um das erste verbundübergreifende Umsetzungsprojekt im Bereich HandyTicketing in Baden-Württemberg. In einer ersten Stufe sollen Fahrberechtigungen für Nahverkehrsverbindungen sowohl in allen fünf teilnehmenden Verbünden als auch verbundübergreifend über das interoperable HandyTicket-System beziehbar sein: Der Kunde wählt ausschließlich einen Fahrausweis über die Eingabe des Start- bzw. Zielortes (jeweils Tarifpunkte). Fahrpreis bzw. Preisstufe werden dann erstmalig verbundübergreifend über das Hintergrundsystem automatisch ermittelt, tarifliche Kenntnisse seitens des Kunden sind nicht erforderlich. Der verbundübergreifende Vertrieb von HandyTickets über ein Tarifmenü durch die simple Eingabe von Start- und Zielort ist nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch im Rahmen des VDV-Pilotprojektes HandyTicket deutschlandweit einzigartig. Der Vorteil eines verbundübergreifenden Tarifmenüs: Möchte ein Kunde von einem bestimmten Stadtteil in Lörrach (RVL) in einen bestimmten Stadtteil in Freiburg (RVF) fahren, benötigt er heute in der Regel drei Fahrausweise: einen für die Fahrt zum Bahnhof in Lörrach (RVL-Tarif), einen Fahrausweis nach dem DB-Tarif (Lörrach Freiburg) sowie einen Fahrausweis von Freiburg Hbf zum Zielstadtteil (RVF-Tarif). Entsprechend der Grafik rechts bezieht der Kunde nach dem Tarifsystem Zone Strecke Zone am Startort ein HandyTicket, welches die Zone 1 im RVL ( Zone ), die Verbindung Lörrach Freiburg ( Strecke ) und die Zone A im RVF ( Zone ) abbildet. Er benötigt vom Stadtteil in Lörrach bis zum Stadtteil in Freiburg einen Fahrausweis, der vor Fahrtantritt an einem beliebigen Ort bezogen werden kann. Freiburg Lörrach Für alle Beteiligten lassen sich mit diesem Modell bezüglich interoperabler und verbundübergreifender Nutzung des Vertriebsmediums Handy im ÖPNV Praxiserfahrungen gewinnen, die einer flächendeckenden Verbreitung und erfolgreichen Vermarktung bzw. Weiterentwicklung Vorschub leisten werden. Das Land Baden-Württemberg konnte von diesem Konzept bereits überzeugt werden und hat die finanzielle Unterstützung im Rahmen des Innovationsprogramms III ÖPNV der Baden-Württembergischen Landesregierung zugesagt. Electronic Ticketing 15

17 Für meinen Fahrschein drück ich einfach okay Wenn der Fahrkartenautomat in der Tasche schlummert. Um Ihr Ziel zu erreichen, reicht jetzt ein Tastendruck. Programm laden, registrieren, Ticket kaufen. Öfter mal mit dem Skateboard nach Günterstal und mit der Straßenbahn zurück? Mit dem RVF-HandyTicket kein Problem. Einfach Zielort als Favoriten einspeichern. Dann ist alles drin. Auch der Tarif.» RegioKarte Basis, verbundweit gültige Vertriebsvereinbarung, RVF-Ergänzungskarten 16 Tarif und Vertrieb Tarif und Vertrieb 17

18 2. Tarif und Vertrieb Im Bereich Tarif und Vertrieb stand neben der Einführung der RegioKarte Basis zur Tarifanpassung im August 2009 vor allem die Erarbeitung einer verbundweit gültigen Vertriebsvereinbarung im Mittelpunkt, die gemeinsame Regularien für einen kundenorientierten Vertrieb festsetzt. RVF-Ergänzungskarten liegen nun für alle Nachbarverbünde vor und sind im Abonnement erhältlich RegioKarte Basis: Neues Einsteigerangebot Die RegioKarten-Familie hat seit dem ein neues Mitglied im Erwachsenensegment: die RegioKarte Basis. Wer eine persönliche, nicht übertragbare Monatskarte und keine Mitnahmemöglichkeit an Sonn- und Feiertagen benötigt, ist hier richtig. Die RegioKarte Basis ist an den Kalendermonat gebunden und kostet 45,00 EUR. Mit diesem tariflich gegenüber der RegioKarte Übertragbar abgesenkten Angebot reagiert der RVF einerseits auf die altersunabhängige Nachfrage nach einem Tarifprodukt ohne Zusatznutzen. Andererseits ist die Einführung eines Basisangebotes wesentlicher Bestandteil der mittelfristigen Tarifstrategie zur Steigerung der Tarifergiebigkeit und Sicherung der Fahrgastzahlen und damit der Einnahmen: Mit der RegioKarte Basis werden mehr tarifliche Stellschrauben in Bezug auf die bisher unbepreisten Zusatznutzen der RegioKarte geschaffen. Damit wird der Tariferhöhungsdruck auf die RegioKarte abgefedert, da nun nach Produkten differenzierte Preisanpassungen im Erwachsenenbereich durchführbar sind. Die Nutzenschwelle ( Break-even-Point ) für Gelegenheitskunden zum Wechsel in die Zeitkarte wird abgesenkt. Der Kannibalisierung der RegioKarte Schüler/Azubi wird entgegengewirkt: Das Basisprodukt bietet nun die identischen Eigenschaften. Die Bindungsprodukte werden stärker positioniert: Regelmäßige ÖPNV-Nutzer fahren mit der RegioKarte Jahr und Abo deutlich preiswerter als mit der Basisvariante, grundsätzlich inklusive der Zusatznutzen. Um das Tarifangebot einfach und überschaubar zu halten, wurde die wenig nachgefragte RegioKarte Junioren für Personen bis einschließlich 25 Jahre durch die RegioKarte Basis abgelöst. Mit dieser Tarifstrategie ging aber auch ein Balanceakt einher, da keinesfalls eine Umorientierung bisheriger Monatskartenkäufer auf das nur vermeintlich billigere Produkt ausgelöst werden sollte ( Schnäppchenkäufe ). Eine Zielmarge von 6 % bis 8 % Absatzanteile an den Monatskartenverkäufen wurde prognostiziert. Die Einführung der Regio- Karte Basis sollte deshalb im vertrauten Turnus der regulären Tarifanpassung zum stattfinden. Es sollte auch keine isolierte Kommunikation erfolgen, bspw. durch Plakatwerbung für das neue Angebot. Aufgabe des Marketings war, die RegioKarte Basis in der normalen Tarifinformation aufgehen zu lassen. 18 Tarif und Vertrieb

19 2.2. Tarifanpassung im August 2009: Moderate Anhebung Die Fahrpreise wurden zum , nach Fahrgeldanteilen gewichtet, um +3,2 % erhöht. Mit dieser im Bundesvergleich unterdurchschnittlichen Anpassung wurde inklusive der Tarifzuschüsse ein Ertragszuwachs von +2,5 % bezogen auf das Vorjahresergebnis kalkuliert. Damit wurde nur ein Teil der Zuschusskürzungen und Kostensteigerungen, insbesondere durch die Nachwirkungen der hohen Inflation im Vorjahr, an die Kunden weitergegeben. Die Anpassung wurde aus der Analyse der Verkaufsentwicklung kombiniert mit den Empfehlungen des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zu nutzerfinanzierten Tarifstrategien abgeleitet. Erstmalig seit 2005 wurde der Einzelfahrausweis in der Preisstufe 1 um 10 ct auf 2,10 EUR angehoben, entsprechend weitere Fahrausweise des Barverkehrs, die in einem fixen Preisverhältnis zum Einzelfahrausweis stehen. Der Preis für die RegioKarte Übertragbar stieg von 45,50 EUR auf 47,00 EUR (+3,3 %), die RegioKarte Basis wurde mit 50 ct Absenkung auf den Tarifstand 2008 eingeführt. Der Preis der RegioKarte Schüler/Azubi wurde nur geringfügig um +1,5 % von 33,50 EUR auf 34,00 EUR erhöht Qualitätsstandards für einen kundenorientierten Vertrieb Der RVF hat sich intensiv mit vertrieblichen und einnahmenbezogenen Standards beschäftigt, fixiert im Dezember 2009 in der Vereinbarung Vertrieb und Einnahmensicherung. Ziel ist die Festschreibung von gemeinsamen Spielregeln für einen kundenorientierten Vertrieb bei den im RVF tätigen Verkehrsunternehmen. Darunter fällt beispielsweise die größtmögliche Verfügbarkeit von Verkaufsmöglichkeiten für Fahrausweise. Die Frage: Wo müssen welche Fahrausweise angeboten werden? wird für jeden Verkehrstyp (SPNV, städtischer Nahverkehr, Regionalbus) in einem strukturierten Vertriebskonzept aufgezeigt. Gleichzeitig wird detailliert auf die einzelnen Vertriebskanäle (stationäre Verkaufsstellen, Vertrieb durch das Fahrpersonal, Fahrscheinautomaten etc.) eingegangen. Einerseits führt das zur verbundweiten Homogenisierung des Vertriebs, andererseits werden (physische) Zugangshemmnisse zum ÖPNV abgebaut wo möglich auch über die Verbundgrenzen hinweg. Die Vereinbarung umfasst auch nach innen gerichtete Vorgaben zur Einnahmensicherung zur Sicherstellung eines korrekten Vertriebes: Definiert werden u.a. Fahrscheingestaltung, -sicherheit und -kontrolle sowie auch die Zulieferung von Kontrollstatistiken der Verkehrsunternehmen an den Verbund. Die unternehmensübergreifend abgestimmten und akzeptierten Mindeststandards können bei sich ändernden Rahmenbedingungen (neue Vertriebskanäle oder Ausgabestellen wie Shop in Shop -Lösungen) angepasst werden. Insbesondere im Falle von Ausschreibungen von Verkehren gibt die Vereinbarung Vertrieb und Einnahmensicherung ein stimmiges Vertriebsleistungspaket vor, wie im Verbund ein fahrgastfreundlicher und wirtschaftlicher Nahverkehr auszusehen hat. Tarif und Vertrieb 19

20 2.4. RVF-Ergänzungskarte VSB: Tariflicher Übergang komplett Seit dem können RegioKarte Übertragbar, Basis, Abo, Jahr und Job nun für alle vier Nachbarverbünde mit entsprechenden Ergänzungskarten kombiniert werden. Zu den bereits seit einigen Jahren bestehenden Ergänzungskarten für die verbundgrenznahen Bereiche in den Nachbarverbünden RVL, TGO und WTV so genannte Übergangsbereiche gibt es nun ein solches Angebot auch für den Westen: Die RVF-Ergänzungskarte für den Verkehrsverbund Schwarzwald-Baar (VSB). Ausschnitt aus dem Tarifzonenplan Ü Der neue Übergangsbereich des RVF im Gebiet des Nachbarverbundes VSB umfasst beispielsweise Verbindungen zu den Gemeinden Hüfingen, Furtwangen, Triberg oder Schonach (s. Abb. 1). Natürlich können Pendler mit einer VSB-Zeitkarte vice versa eine Ergänzungskarte für grenznahe Bereiche des hiesigen Tarifgebietes beziehen. Abb. 1: Übergangsbereich VSB 2.5. RVF-Ergänzungskarten im Abo: Vertrieblicher Zugang erweitert Die RegioKarte wird seit 2005 sehr erfolgreich im Abonnementverfahren angeboten. Seit August 2009 ist dieser Vertriebsweg auch für RVF-Ergänzungskarten wählbar. Sowohl Neukunden wie auch Bestandskunden der RegioKarte Abo können bequem über den Abo- Antrag oder online eine RVF-Ergänzungskarte für die Nachbarverbünde hinzubuchen. Der monatliche Einziehungsbetrag für das Abo erhöht sich entsprechend dem Preis der Ergänzungskarte. Die Abschnitte der RegioKarte Abo erhalten dann den Zusatz + Ergänzungskarte (s. Abb. 2) und berechtigen zur Fahrt im RVF und dem jeweiligen Übergangsbereich eines Nachbarverbundes. Davon profitieren auch die Fahrgäste, die regelmäßig aus den Übergangsbereichen der Nachbarverbünde in den RVF einpendeln. Abb. 2: Ergänzungskarte im Abo 20 Tarif und Vertrieb

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