Universität Augsburg. Prof. Dr. Fritz Böhle

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2 1. Was ist neu? 2. Subjektivierung von Arbeit 3. Ambivalenz der Subjektivierung von Arbeit 4. Widersprüche der Subjektivierung von Arbeit 5. Neue Herausforderungen 2

3 1. Was ist neu Veränderungen in der Arbeitswelt Neue Anforderungen an Arbeitskräfte Grundlegendes Merkmal industrieller Arbeit und Gesellschaft 3

4 1. Was ist neu traditionell Wandel von Anforderungen Qualifikation Fertigkeiten, Kenntnisse, Wissen Leistung Intensität Der Mensch als Arbeitskraft 4

5 1. Was ist neu traditionell Trennung von Person und Arbeitskraft Selbstverantwortung außerhalb und Unterordnung in der Arbeit Markt und Organisation 5

6 1. Was ist neu traditionell Entsubjektivierung von Arbeit Taylorismus (Produktion) Subjektivität als Störfaktor (Taylor) Bürokratie (Verwaltung) völlige Entpersönlichung der Amtsführung in der Bürokratie (Max Weber) 6

7 1. Was ist neu traditionell Betriebliche Organisation Trennung von Planung und Ausführung (top down) Zentralistisch bürokratisch Funktionale Gliederung 7

8 1. Was ist neu traditionell Gesellschaftliche Rahmenbedingungen Massenproduktion/-konsum Beherrschung von Märkten (National-) Staatliche Regulierung Wohlfahrtsstaat und Stabilität industrieller Beziehungen 8

9 Entsubjektivierung von Arbeit 1. Was ist neu traditionell Zentralistisch bürokratische Organisation Taylorismus Expansion der Beschäftigung Stabilität der Beschäftigung ges. Rahmenbedingungen - Massenproduktion etc. 9

10 1. Was ist neu traditionell Konflikte Arbeitspolitik Reformen Gegensatz zwischen Mensch außerhalb und Arbeitskraft in der Arbeit Humanisierung der Arbeit Erweiterung der Qualifikation Selbstbestimmung Dispositions- und Handlungsspielräume 10

11 1. Was ist neu Veränderungen Allgemeine Entwicklungen ges. Rahmenbedingungen Sättigung der Märkte Kundenorientierung Globalisierung Konkurrenz IuK Technologien Steuerung und Vernetzung Ausweitung indirekt produktiver Arbeit Planung, Entwicklung Ausweitung von Dienstleistungen innerhalb und neben industrieller Produktion 11

12 Starrheit 1. Was ist neu Veränderungen Probleme zentralistisch bürokratische Organisation Grenzen tayloristischer Rationalisierung bei qualifizierter Arbeit - Entwicklung - Vertrieb u.s.w. 12

13 Organisation Dezentralisierung 1. Was ist neu Veränderungen Neue Ansätze und Konzepte Flexibilisierung Kontinuierlicher Wandel Rationalisierung von Arbeit Qualifizierte Arbeit Neue Prinzipien der Arbeitsorganisation 13

14 1. Was ist neu Veränderungen Dezentralisierung Flexibilisierung Rationalisierung qualifizierter Arbeit Subjektivierung von Arbeit 14

15 1. Was ist neu Veränderungen Subjektivierung von Arbeit Verbindung von Person und Arbeitskraft Selbstverantwortung außerhalb und in der Arbeit Markt und Organisation Jeder soll wie ein Unternehmer denken und handeln 15

16 Zeitdiagnosen: Die neue Arbeitskraft Kumulation der Neologismen (Neusprech):! Mitunternehmer (Kuhn 1997; Wunderer 1999)! Arbeitskraftunternehmer (Voß, Pongratz 1998)! Selbstangestellte, Mitarbeiter-Unternehmer (Faust u.a. 2000)! unternehmerische Angestellte! Selbst-GmbH (Fischer u.a. 1999)! Selbstunternehmen (Aubrey 2000)! Jobnomaden und Job-Söldner (Englisch 2001)! Netzwerk-Entrepreneure (Burt 2000)! Ein-Mann-Unternehmen, E-Lancer! ICH-Aktie (Davis, Meyer 1999)! ICH-Entrepreneur (Lanthaler, Zugmann 2001)! Ich-AG (Peters 2001, Strauss 2003) Lehrstuhl für Innovationsforschung und nachhaltiges Ressourcenmanagement BWL IX, TUC M. Moldaschl 16

17 1. Was ist neu Neue Anforderungen Neue Art der Anforderungen Grundlegender Wandel in der Organisation und Rationalisierung der Arbeit Weitreichende gesellschaftliche Veränderung 17

18 2. Subjektivierung von Arbeit fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten (Beruf) und Selbst- - Organisation - Verantwortung - Kontrolle - Steuerung - Rationalisierung 18

19 2. Subjektivierung von Arbeit Neue Konzepte der Organisation Dezentralisierung Verlagerung von Aufgaben des Managements an Mitarbeiter Selbst-Organisation der eigenen Arbeit Selbst-Abstimmung und Koordination mit anderen Selbst-Kontrolle Beispiel: Gruppenarbeit aber auch einfache Arbeit 19

20 2. Subjektivierung von Arbeit Neue Konzepte der Organisation Flexibilisierung Projektorganisation Selbst-Regulierung und -Abstimmung Selbst-Vermarktung im und außerhalb des Unternehmens Beispiel: Projektarbeit - Entwicklung 20

21 2. Subjektivierung von Arbeit Neue Konzepte der Organisation Flexibilisierung Variabilität des Beschäftigungsvolumens prekäre Beschäftigung (Teilzeit, Leiharbeit) Selbst-Vermarktung Selbst-Flexibilisierung (Lebensführung) Beispiel: Randbelegschaft gering qualifizierte Arbeit 21

22 2. Subjektivierung von Arbeit Neue Konzepte der Rationalisierung Kontextsteuerung Leistungsdruck Selbst-Rationalisierung Beispiel: qualifizierte Arbeit (Entwicklung u.s.w.) Projektarbeit 22

23 2. Subjektivierung von Arbeit Neue Konzepte der Rationalisierung Vermarktlichung, indirekte Steuerung Ökonomisierung Selbst-Ökonomisierung Selbst-Rationalisierung Beispiel: kundenbezogene Entwicklung und Produktion 23

24 2. Subjektivierung von Arbeit Neue Konzepte der Rationalisierung Leistungsbezogene Entlohnung Leistungsbeurteilung Entgrenzung von Leistungsanforderungen Selbst-Beurteilung Beispiel: Zielvereinbarungen 24

25 2. Subjektivierung von Arbeit Kontrolle Selbst - Kontrolle Beschäftigung Arbeitsleistung Entlohnung Selbst Selbst Selbst - Vermarktung - Organisation - Beurteilung - Flexibilisierung - Koordination - Ökonomisierung - Rationalisierung Arbeitskraftunternehmer 25

26 2. Subjektivierung von Arbeit Selbstverantwortung und Partizipation nicht mehr gegen die Organisation, sondern konstitutives Element der Organisation und Rationalisierung von Arbeit neues Organisations- und Steuerungsprinzip 26

27 3. Ambivalenzen traditionell: Taylorismus Fließband neu: Selbstorganisation und -koordination Überwiegend positive Entwicklung von Arbeit Management Literatur / BWL öffentliche Diskussion Teils als auch arbeitswiss. Diskussion 27

28 3. Ambivalenzen traditionell: Planend-dispositive qualifizierte Arbeit neu: Flexibilisierung Kontextsteuerung Vermarktlichung Abbau bürokratischer Zwänge und Kontrolle vs Selbst- Ökonomisierung und Rationalisierung Selbst- Vermarktung Überforderung - Entgrenzung von Arbeit - Unsicherheit 28

29 Lehrstuhl für Innovationsforschung und nachhaltiges Ressourcenmanagement BWL IX, TUC M. Moldaschl Belastungsfolgen bei Projektarbeitern (NAR-Verbund), aus: Gerlmaier/Latniak 29

30 3. Ambivalenzen Neue Herausforderungen Selbst-Begrenzung der Arbeitsleistung Selbst-Erhaltung der Arbeitsfähigkeit Neue Kompetenzen und Möglichkeiten / Unterstützung 30

31 4. Konflikte Widersprüche der Subjektivierung von Arbeit Dezentralisierung Flexibilisierung der Organisation Ökonomisierung und Rationalisierung von Arbeit Kontraproduktive Effekte der Ökonomisierung und Rationalisierung 31

32 4. Konflikte Widersprüche der Subjektivierung von Arbeit Selbstorganisation Selbstkoordination Fachliche Anforderung Kontextsteuerung und Vermarktlichung - knappe personale Ressource - Unberechenbarkeit des Marktes Beeinträchtigung der Qualität der Arbeit 32

33 4. Konflikte Widersprüche der Subjektivierung von Arbeit Unternehmersubjekt ökonomisches Denken und Handeln Kreativsubjekt innovatives Denken und Handeln Kontextsteuerung und Vermarktlichung - Kennzahlen - Kalkulierbarkeit - Risikominimierung Beeinträchtigung von Kreativität und Innovation 33

34 4. Konflikte Widersprüche der Subjektivierung von Arbeit Flexibilität der Beschäftigung Engagement, Verantwortung, Identifikation Kontextsteuerung und Vermarktlichung - Anpassung an Marktschwankungen - knappe personelle Besetzung Beeinträchtigung von Selbst-Verantwortung und Engagement 34

35 4. Konflikte Widersprüche der Subjektivierung von Arbeit Formalisierung Objektivierung informelles Handeln implizites Wissen Kontextsteuerung und Vermarktlichung - Kontrolle durch Objektivierung - Transparenz - Dokumentation Beeinträchtigung von Innovation, Qualität der Arbeit, Koordination 35

36 5. Neue Herausforderungen Neue Arbeits- und Organisationskonzepte neue Anforderungen an das Selbst ökonomisches Denken Anpassung an den Markt Flexibilität Formalisierung und Objektivierung Kontrolle, Steuerung Ökonomisierung und Rationalisierung Beschränkung zusätzlich personelle/zeitliche Ressourcen Berücksichtigung des Nicht-Messbaren (erweiterte Wirtschaftlichkeit) Abschirmung gegenüber Marktzwängen Sicherung der Beschäftigung (nachhaltige Personalpolitik) Anerkennung und Unterstützung des Informellen Vertrauen 36

37 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit 37

9.11. 2006 Vorlesung: Ideen, Interessen und Institutionen der deutschen Arbeitsgesellschaft 3. Vorlesung: Entwicklung von industrieller Arbeit: Vom Taylorismus zum Arbeitskraftunternehmer Zentrale Fragen

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