Rechtliche Vorgaben und Standards zur IT-Sicherheit und zum Risikomanagement

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1 datenschutz nord GmbH Mai 2007 Rechtliche Vorgaben und Standards zur IT-Sicherheit und zum Risikomanagement 1. Rechtliche Vorgaben zur IT-Sicherheit und zum Risikomanagement Das Thema IT-Sicherheit hat in den letzten Jahren in den Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Erfolgreiche Hackerattacken auf Internetportale, aber auch hohe materielle Schäden verursacht durch überlastete oder nicht mehr verfügbare Systeme haben dazu geführt, dass IT-Sicherheit verstärkt zum Bestandteil eines unternehmensinternen Risikomanagement geworden ist. Gefordert wird ein um Aspekte der IT-Sicherheit erweitertes Risikomanagement zunehmend von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften im Rahmen von Jahresabschlüssen. Rechtliche Grundlagen bilden für Unternehmen, die in den USA börsennotiert sind, der Sarbanes Qxley Act; für deutsche Aktienunternehmen sind das Gesetz zur Transparenz und Kontrolle im Unternehmensbereich (KonTraG) sowie das Abkommen Basel II einschlägig. 1.1 Sarbanes Oxley Act Als Folge nordamerikanischer Finanzskandale wurde im Juli 2002 der Sarbanes Oxley Act (SOX, SarbOx, oder auch SOA abgekürzt) durch den amerikanischen Kongress verabschiedet und durch Unterzeichnung des Präsidenten in Kraft gesetzt. Ziel des Gesetzes war es, das Vertrauen der Anleger in die Korrektheit der veröffentlichten Finanzdaten wiederherzustellen. SOX gilt folglich zunächst nur für Unternehmen, die in den USA börsennotiert sind und der US-Börsenaufsicht unterliegen; allerdings betrifft das Gesetz auch ausländische Tochtergesellschaften dieser Unternehmen und deren Kooperationspartner. Für solche europäischen Unternehmen wurde in der 8. EU- Richtlinie der so genannte Euro-SOX verabschiedet. Der Sarbanes Oxley Act stellt insbesondere in der Section 404 umfangreiche Anforderungen an ein unternehmensinternes Risikomanagementsystem (Abb.): Der Vorstand eines Unternehmens muss regelmäßig in Jahres- und Quartalsberichten die Wirksamkeit des unternehmensinternen Kontrollsystems darstellen. Dies soll nicht nur die Korrektheit der Finanzberichterstattung garantieren, sondern auch eine umfassende Transparenz über interne Managementprozesse ermöglichen. Hierzu gehört u.a., da Finanzdaten und Finanzberichte in IT- Systemen gespeichert werden, ein umfassendes Informationssicherheits-Management. SOX verweist insbesondere auf bewährte Best-Practise-Ansätze und verlangt die Umsetzung von Sicherheitszielen wie Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit sowie eine umfassende Dokumentation der IT-Infrastruktur. Unternehmen, deren Informationssicherheits-Management nach ISO bzw. nach der Vorgänger-Norm BS auditiert ist, sind folglich hinsichtlich ihres auf

2 die IT-Infrastruktur bezogenen Risikomanagements konform zu den Anforderungen der Section 404 des Sarbances Oxlex Act. Zur Erfüllung der SOX-Anforderungen, die über die Informationssicherheit hinausgehen, kann die ISO mit CobiT kombiniert werden. 1.2 KonTraG Das KonTraG (Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich) ist ein umfangreiches Artikelgesetz, das im Jahr 1998 in Kraft trat und u.a. die Verbesserung des unternehmensinternen Risikomanagements anstrebt. Das KonTraG betrifft Aktiengesellschaften, KGaA (Kommanditgesellschaften) und GmbH, die über einen Aufsichtsrat verfügen. Es präzisiert und erweitert hauptsächlich Vorschriften des HGB (Handelgesetzbuch), des AktG (Aktiengesetz) und des GmbHG (Gesetz für Gesellschaften mit beschränkter Haftung). Mit dem KonTraG wurde die Haftung von Vorstand, Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfer im Unternehmen erweitert. Die Kernvorschrift dieses Gesetzes zwingt die Unternehmensleitung, ein frühzeitiges unternehmensinternes Risikomanagementsystem aufzubauen sowie Aussagen zu Risiken und zur Risikostruktur des Unternehmens im Lagebericht des Jahresabschlusses zu veröffentlichen. Der Aufbau eines Risikomanagements umfasst auch die IT- Sicherheit. Da vergleichbar mit dem Sarbanes Oxley Act wiederum die Vertraulichkeit, die Integrität und die Verfügbarkeit als primäre Sicherheitsziele zu gewährleisten sind, können die Anforderungen des KonTraG zur Informationssicherheit wiederum durch Maßnahmen abgedeckt werden, die konform zur ISO-Norm umgesetzt und möglichst hiernach auch auditiert wurden. 1.3 Basel II Basel II bezeichnet die Gesamtheit der Eigenkapitalvorschriften, die vom Ausschuss für Bankenaufsicht in den letzten Jahren vorgeschlagen wurden und gemäß der EU- Richtlinie 2006/49/EG seit dem 1. Januar 2007 in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union angewendet werden müssen. Während BASEL I nur Banken und Finanzinstitute im Visier hatte, sind bei BASEL II sämtliche operationellen Risiken und somit die Kreditwürdigkeit aller Unternehmen erfasst. Die Umsetzung in Deutschland wird durch das Gesetz zur Umsetzung der neu gefassten Bankenrichtlinie und der neu gefassten Kapitaladäquanzrichtlinie vom 17. November 2006 geregelt, das umfassende Anpassungen des Kreditwesengesetzes festschreibt und hauptsächlich zum 1. Januar 2007 in Kraft tritt. BASEL II bietet Schnittstellen zur IT- Sicherheit im Bereich operationeller Risiken, hinsichtlich der Sicherstellung eines funktionierenden Managements, der Verfügbarkeit funktionierender Systeme und qualifizierter Mitarbeiter. Diese Anforderungen aus dem Standard BASEL II können umfassend durch Maßnahmen abgedeckt werden, die konform zur ISO-Norm umgesetzt wurden. Seite 2

3 2. Standards zur IT-Sicherheit und zum Risikomanagement Standards für die Erstellung, Auditierung und Zertifizierung von IT- Sicherheitskonzepten haben sich seit Jahren etabliert einer davon ist das in Deutschland etablierte IT-Grundschutzkonzept des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), ein anderer ist die ISO-Norm auf der Grundlage der britischen Norm BS Darüber hinaus existiert mit ITIL bzw. der ISO-Norm ein weiterer Ansatz für ein qualitätsgesichertes IT Service Management. 2.1 ISO Ende 2005 wurde die britische Norm BS weiterentwickelt zu der Norm ISO/IEC 27001:2005 "Information technology Security techniques Information management systems requirements specification". Zusammen mit ISO 17799, die viele Best Practices-Ansätze aus dem Bereich der Informationssicherheit enthält und die in der kommenden ISO aufgehen wird, stellt die ISO Norm den internationalen Standard für die Einführung und Bewertung eines Informations- Sicherheits-Management-Systems (ISMS) dar. Die Norm ISO stellt prozessorientierte Aspekte und den Aufbau eines Informations-Sicherheits-Management-Systems in den Vordergrund. Hierbei wird das Management zur Sicherstellung von IT-Sicherheit als Prozess und PDCA (Plan, Do, Check, Act)-Zyklus wie folgt organisiert: --- Festlegen des ISMS Zunächst werden die Sicherheitspolitik, die Sicherheitsziele, -prozesse und - verfahren festgelegt und konkret geplant, die für das Sicherheitsmanagement relevant sind. Dies erfolgt Top-down unter Einbeziehung des Managements und der IT-Verantwortlichen. --- Umsetzen und Durchführen des ISMS Die festgelegten Sicherheitspolitiken, die Sicherheitsziele, -prozesse und - verfahren werden entsprechend umgesetzt und dokumentiert. --- Überprüfen des ISMS Die umgesetzten Maßnahmen werden anhand der definierten Vorgaben überprüft; die Ergebnisse werden an das Management rückgekoppelt. --- Verbessern des ISMS Basierend auf den Prüfergebnissen werden Verbesserungsmaßnahmen formuliert und diese zwecks kontinuierlicher Verbesserung des ISMS priorisiert. Seite 3

4 Abb. 1.: PDCA- Modell 2.2 IT-Grundschutz (konform zu ISO 27001) Im Dezember 2005 wurde das bisherige IT-Grundschutzhandbuch des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dahingehend weiterentwickelt, dass es konform zur neuen ISO Norm ist. In diesem Zusammenhang wurden die BSI- Standards --- BSI 100-1: Managementsysteme für Informations-Sicherheit (ISMS), --- BSI 100-2: IT-Grundschutz-Vorgehensweise, --- BSI 100-3: Risikoanalyse auf der Basis von IT-Grundschutz herausgegeben, die zusammen mit den Gefährdungs- und Maßnahmen-Katalogen des IT-Grundschutzhandbuchs umfangreiche Informationen zur IT-Sicherheit enthalten. IT-Grundschutz zeichnet sich durch folgende Vorgehensweise aus: --- IT-Strukturanalyse Für die Erstellung eines IT-Sicherheitskonzepts und insbesondere für die Anwendung des IT-Grundschutzhandbuchs ist es zunächst erforderlich, die Struktur der vorliegenden Informationstechnik zu analysieren und zu dokumentieren. Hierzu gehören die Netzinfrastruktur ebenso wie die räumliche Infrastruktur, sämtliche betrachteten IT-Systeme, Anwendungen sowie organisatorische und personelle Rahmenbedingungen. Insgesamt bietet sich ein vereinfachter Netzplan als Ausgangsbasis für die IT- Strukturanalyse an. Seite 4

5 --- Schutzbedarfsfeststellung Im Rahmen der Schutzbedarfsfeststellung wird ausgehend von den Anwendungen für die Netzinfrastruktur, die IT-Systeme sowie die räumliche Infrastruktur der Schutzbedarf ermittelt (normal, hoch oder sehr hoch). Der Schutzbedarf wird hierbei für die Sicherheitsziele Vertraulichkeit, Integrität oder Verfügbarkeit getrennt identifiziert. --- Modellierung Ausgehend von der IT-Strukturanalyse wird der dort ermittelte IT-Verbund modelliert, d.h. die Bausteine des IT-Grundschutzhandbuchs werden in einem Modellierungsschritt auf die Komponenten des vorliegenden IT- Verbunds abgebildet. --- Basis-Sicherheitscheck Anschließend wird mit Hilfe des IT-Grundschutzhandbuchs ein Basis- Sicherheitscheck über das vorhandene IT-Sicherheitsniveau durchgeführt. Durch einen Soll-/Ist-Abgleich werden nicht nur Schachstellen identifiziert, sondern gleichzeitig auch Verbesserungsmöglichkeiten für die Sicherheit der betrachteten Informationstechnik aufgezeigt. --- Ergänzende Risikoanalyse Da durch den Basis-Sicherheitscheck nur Grundschutz-Maßnahmen für normalen Schutzbedarf abgebildet werden, ist für höheren und sehr hohen Schutzbedarf eine ergänzende Risikoanalyse erforderlich. Abb. 2: Vorgehensweise bei IT- Grundschutz Seite 5

6 2.3 ITIL bzw. ISO 2o000 ITIL (IT Infrastructure Library ) ist ein Best-Practise-Ansatz zum qualitäsgesicherten IT Service Management, der aus mehreren Teilbereichen besteht: Service Support, Service Delivery, IT Security Management, Infrastructure Management, Application Management, Software Asset Management. Als Best-Practise-Ansatz ist ITIL normiert in der ISO bzw. in der Vorgängernorm BS ITIL unterstützt die Integration der Informationssicherheit in die Geschäftsprozesse, indem die Zusammenhänge von Service Management und IT- Sicherheitsmanagement beschrieben werden. Der ITIL-Band zum IT Security Management verweist dabei konkret auf die Controls der Norm BS als Vorgängernorm von ISO Sofern das Security Management eines Unternehmens nach der ISO-Norm zertifiziert ist, ist dieses somit auch konform zu ITIL und ISO ISO Die ISO/EC TR (Management of information and communications technology security - MICTS) (früher: Guidelines for the Management of information technology security - GMITS) ist eine umfassende Sammlung von 5 Normdokumenten zum Management von Informationssicherheit: --- ISO/EC TR beinhaltet Vorgehensweisen auf Ebene des IT- Sicherheitsmanagements, etwa die Definition von Sicherheitszielen und Hilfsmittel zur Auswahl einer geeigneten Strategie zur IT-Sicherheit. --- ISO/EC TR beinhaltet Vorgehensweisen zur Ermittlung geeigneter IT-Sicherheitsmaßnahmen gemäß der zuvor gewählten Vorgehensstrategie. --- ISO/EC TR beinhaltet detaillierte Hilfsmittel zur Auswahl von Sicherheitsmaßnahmen, abhängig von der zuvor gewählten Strategie zur IT-Sicherheit. --- ISO/EC TR beinhaltet Vorgehensweisen zum Schutz vernetzter IT- Systeme. In der überarbeiteten Version besteht die ISO/ EC TR aus zwei Teilen: Im Vordergrund steht die Erstellung einer IT- Sicherheitslinie und eines Sicherheitskonzeptes. Im Vergleich zur ISO bzw. zum ÍT-Grundschutzkonzept behandelt die ISO/EC TR die Kernprozesse der IT- Sicherheit ausführlicher; der Weg zur Einführung eines IT-Sicherheitsmanagements ist jedoch weniger konkret vorgegeben. Das im Grundschutzhandbuch beschriebene Vorgehen kann vielmehr als konkrete Ausprägung des ISO/EC TR aufgefasst werden. Seite 6

7 2.5 SAS 70 Abb. 3: Überblick und Außeneinflüsse der (Quasi)- Standards für IT- Sicherheit SAS 70 ist ein Auditing-Standard, der vom American Institute of Certified Public Accountants (AICPA) verabschiedet wurde und von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften angewandt wird. Der Standard bezieht sich auf das interne Kontrollsystem eines Unternehmens und auf den ordnungsgemäßen Betrieb von ausgelagerten Service Prozessen, beispielsweise Rechenzentrums-Dienstleistungen. Im SAS 70 Typ I wird das interne Kontrollsystem des Service Anbieters beurteilt, im SAS 70 Typ II dessen Effektivität getestet. Zwar kennt SAS 70 keine Maßnahmenund Prüfungskataloge; SAS 70-Prüfberichte werden jedoch vom Sarbanes Oxley Act als Bestätigung der Section 404 anerkannt. 2.6 Cobit Cobit (Control Objectives for Information and Related Technology) ist das international anerkannte Framework zur Unternehmungsstruktur und gliedert die Aufgaben der Informationstechnik in 34 übergeordnete Prozesse und über 300 so genannte Control Objectives. Ziel ist es, dass die Geschäftsziele und -prozesse optimal durch die fünf IT-Ressourcen Daten, Applikationen, Technologien, Anlagen und Personal unterstützt werden. Insgesamt besteht Cobit aus 41 Standards der Bereiche Kontrolle, IT-Sicherheit und Qualitätssicherung und bietet für das Management entsprechende Benchmarks an, um Risiken besser abschätzen zu können und die Kontrolle über Investitionen und IT- Dienste zu gewährleisten. Cobit entstand mit dem Ziel, die Lücke zwischen allgemeinen Business Control Models und konkreteren Control Models, die sich auf einen bestimmten Bereich im Umfeld der IT konzentrieren (wie z.b. ISO 27001), zu schließen. Cobit ist damit ein Ansatz, der die Kriterien des Sarbanes Oxley Act erfüllt. Seite 7

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