N «DAS SMARTPHONE IST EIN PORNOAPPARAT» Der Philosoph Byung-Chul Han ist der treffendste Kritiker unserer Art zu leben

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1 N «DAS SMARTPHONE IST EIN PORNOAPPARAT» Der Philosoph Byung-Chul Han ist der treffendste Kritiker unserer Art zu leben

2 Mein kleines Geheimnis: in meiner Nespresso Boutique leicht bekleidet einzukaufen. WEB/MOBILE WO UND WANN SIE MÖCHTEN BESTELLEN SIE IHRE LIEBSTEN GRANDS CRUS VOR 16 UHR, UM SIE AM NÄCHSTEN TAG ZU ERHALTEN.* *Tarife und Preisbedingungen unter

3 Gedanken für unsere Zeit Philosophen unterscheidet von anderen Menschen, dass sie über bestimmte Dinge nicht hinwegsehen können, schrieb Henning Ritter in seine «Notizhefte». Die Philosophie entspringe entweder einer weitreichenden Erwartung an die Dinge oder einer Enttäuschung über sie. Beide Sätze treffen auf Byung-Chul Han zu, dem derzeit wohl meistdiskutierten Philosophen. Han zu lesen heisst, immer wieder mit einem Peitschenschlag geweckt zu werden. Wir alle mit unserem lächerlichen Kult des Individualismus sind nur eingespannt in ein kapitalistisches Selbstausbeutungssystem. Die Konsumgesellschaft stellt uns ständig vor die Wahl, und wir Narren halten das für Freiheit. Hans Gesellschaftskritik kennt zwar kein Erbarmen, gleichwohl umarmt er seine Zeit leidenschaftlich. Dieses Heft ist eine Einladung, sich mit seinem Denken auseinanderzusetzen (ab Seite 8). In eigener Sache: In Daniel Binswangers Kolumne zur Einheitskrankenkasse im letzten Heft hat sich ein Fehler eingeschlichen. Der erwähnte Gini-Koeffizient liegt bei 0.3 nicht 3.0, ein höherer Wert als 1 ist aus rechnerischen Gründen gar nicht möglich. Wir bedauern den Fehler und bitten um Entschuldigung. FINN CANONICA Fatih Akin ist mit seinem neuen Film gegen die Wand gefahren, sagen viele Kritiker. Und irren sich. BILDER COVER: SAMUEL NYHOLM; INHALT: BOMBERO INTERNATIONAL / PATHÉ FILM Gespräch THOMAS ZAUGG Illustrationen SAMUEL NYHOLM 8 PHILOSOPH DER STUNDE Byung-Chul Han kann mit wenigen Sätzen ganze Lebensweisen zum Einsturz bringen. Deshalb sollte man ihn lesen. Text JOEL BEDETTI Bilder SIMON TANNER 18 EINFACH OPFIKON Die Zürcher Gemeinde Opfikon wird kaum den Wakkerpreis gewinnen. Das macht die Problemstadt aber interessant. Mehr vom «Magazin» auf blog.dasmagazin.ch Leserbriefe veröffentlichen wir auf leserbriefe.dasmagazin.ch Text LUKAS BÄRFUSS 28 MYTHEN DES ALLTAGS Lukas Bärfuss entlarvt die Kritiker des «Kleinen Prinzen». Text BIRGIT SCHMID 32 EIN SCHNITT INS GEWISSEN Viele halten den neuen Film von Fatih Akin für gescheitert. Sicher ist: Er ist, mit Blick auf das Wüten der Terrormilizen des IS, von grosser Aktualität. DAS MAGAZIN 39/2014 3

4 DANIEL BINSWANGER DIE KRISE DES LIBERALISMUS Im medialen Windschatten des Schottland-Referendums hat sich mit den Ergebnissen der deutschen Landtagswahlen eine potenzielle Trendumkehr gezeigt, die zwar von weniger Getöse begleitet war, für die Zukunft des europäischen Kontinents aber weit bedeutsamer sein könnte als die Zitterpartie um die Einheit Grossbritanniens. Die Erfolge der «Alternative für Deutschland» in Thüringen und Brandenburg könnten die Vorboten einer Zeitenwende sein. Deutschland ist nicht nur das wichtigste und wirtschaftlich zugkräftigste Land der Eurozone und der EU, sondern es ist bis anhin in der Brandung des neuen europäischen Populismus ein mächtiger Fels der parteipolitischen Stabilität, des Verfassungspatriotismus und der proeuropäischen Gesinnung. Die «Verwirklichung eines vereinten Europas» gehört nach Paragraf 23 des Grundgesetzes zu den Leitprinzipien deutscher Politik. Häufig zitiert wird dieser Paragraf in letzter Zeit allerdings nicht. Panik ist nicht angezeigt, aber die Dinge geraten ins Rutschen. Nicht nur scheint eine nationalistische, antieuropäische Rechtspartei Fuss zu fassen in der deutschen Politik, es ist auch im notorisch langweiligen, «eingemitteten» Parteiensystem der Bundesrepublik ein neuer Raum aufgegangen für eine dezidiert populistische Bewegung, die Anti- «Classe politique»-affekte bedient. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, dürfte auch in Deutschland längerfristig eine Situation entstehen, die in kleineren EU- Staaten wie Schweden, Finnland, den Niederlanden oder Österreich schon heute erreicht ist: Weder die linke noch die rechte «Systempartei» sind allein regierungsfähig und werden in eine permanente Koalition gezwungen, die linke und vor allem rechte Polparteien vor sich hertreiben. Auch zur Lage der Schweiz, die in gewissem Masse von einer grossen Anti-SVP-Koalition regiert wird, bestehen sichtlich Parallelen. Noch unter einem weiteren Aspekt erscheint der Durchmarsch der AfD als symptomatisch: Der Erfolg der neuen Rechtspartei geht einher mit dem Niedergang der deutschen FDP. Die deutschen Liberalen verlieren die Stammwähler an eine europafeindliche Antiestablishment-Bewegung, die einen neuen Politikstil salonfähig macht. Auch hier haben wir Schweizer ein unzweideutiges Déjà-vu-Erlebnis. Sicherlich: Es ist nicht überraschend, dass der deutsche Bürger wenig Neigung verspürt, in Solidarhaftung mit den Krisenländern genommen zu werden und in irgendeiner Form die Vergemeinschaftung der in Euro denominierten Schulden mitzutragen. Dennoch verblüfft, dass ausgerechnet in Deutschland die Feindseligkeit gegenüber dem Euro so stark wird: Die Währungsunion hat eine Abwertung der deutschen Produktpreise um rund zwanzig Prozent ermöglicht und war unabdingbare Voraussetzung des «Exportwunders» der Nullerjahre. Ein Zusammenbruch des Euro würde das exportgetriebene Wachstumsmodell der Bundesrepublik schwer schädigen, weil eine Neo-D-Mark oder ein Nord-Euro deutsche Produkte wieder massiv verteuern würde. Dass ein wachsender Teil der deutschen Öffentlichkeit diese Zusammenhänge nicht zur Kenntnis nimmt und zum Generalangriff auf das eigene Wirtschaftsmodell ansetzt, ist beängstigend. Nationalistische Affekte triumphieren über ökonomische Vernunft. Die Probleme der deutschen FDP gehen jedoch weit über die europapolitische Positionierung hinaus. In einer brillanten Analyse hat Wolfgang Münchau die politische DNA der Liberalen auf eine knappe Formel gebracht: Sie wurde bestimmt vom Pakt zwischen wirtschaftsliberalem Konservativismus und gesellschaftspolitischer Fortschrittlichkeit. Die FDP war die Partei von Otto Graf Lambsdorff UND Hildegard Hamm-Brücher. Sie stand für wirtschaftliche Ordnungspolitik und gesellschaftliche Progressivität. Dieser Pakt war immer konfliktreich, aber er war tragfähig. Die heutige FDP jedoch ist unfähig, ihn aufrechtzuerhalten: Die Wirtschaftsliberalen werden konservativ bis hin zu einem ökonomisch schädlichen Nationalismus. Die Progressiven wandern ab. Der deutsche Liberalismus hat seine sozialethische Substanz verloren. Nur für Steuersenkungen und Deregulierung zu lobbyieren ist nicht ausreichend, schon gar nicht im Jahr sechs nach der Finanzkrise. Eine FDP, die zur Weiterentwicklung ihrer gesellschaftlichen Grundwerte nicht imstande ist, wird auf konservative, rechtsnationale Positionen zurückgeworfen und macht sich selber überflüssig. Auch die nächstjährigen Schweizer Parlamentswahlen dürften eine Richtungswahl werden. Der Schweizer Freisinn hat einen breiteren Wählersockel als die deutsche FDP. Er kämpft jedoch mit denselben Schwierigkeiten und könnte dasselbe Schicksal erleiden. Mehr von Daniel Binswanger auf blog.dasmagazin.ch Meister Werk Villa Antinori rosso 2011 Toscana igt, Antinori Toscana Der wohl bekannteste Wein von Antinori. Abbild einer 600-jährigen Familientradition. Geboren Sein Erfolg ist bis heute ungebrochen. CHF14.80netto statt 18.50, 75 cl gültig bis jetzt bestellen auf bindella.ch Meisterwerk saftig, geschmeidig, finessenreich 20% 4 DAS MAGAZIN 39/2014

5 MAX KÜNG VON EINEM WUNDER Vorsorgen mit der NZZ Nicht sehr schnell fährt man auf dem Fahrrad einen Waldweg hinunter, der immer steiler wird. Irgendwann stellt man fest, dass man wohl nicht mehr anhalten kann, ohne zu fallen. Man bremst trotzdem, der Untergrund wird loser, steiniger, man wird schneller, bremst noch etwas mehr, vorn rutscht das Rad weg, man verliert zusehends die Kontrolle, und dann überschlägt man sich. Alles passiert sehr schnell dann geschieht alles plötzlich sehr langsam. Wenn man weiss, dass man fallen wird, dann schaltet die Wahrnehmung auf Superslowmotion, tausend Bilder pro Sekunde, zack, zack, zack. Dann fällt man tatsächlich und schlägt auf dem Boden auf. Das Gefühl: eine leichte Übelkeit und eine leise Enttäuschung. Die Übelkeit wohl eine Vorahnung der zu erwartenden Schmerzen, die Enttäuschung ein baffes Gefühl, Ernüchterung über einen selbst, sein Unvermögen, dass man den Sturz nicht hatte vermeiden können. Der Körper reagiert schlagartig mit erhöhtem Blutdruck, beschleunigtem Puls, die Bronchien weiten sich, der Blutzuckerspiegel hebt sich. Dann schlägt man auf. Ein Geräusch, das nicht an diesen Ort passt, dann: Stille. Man liegt am Boden, und dann kommt der Schmerz über einen, die Nerven geben ihr Feedback an die Zentrale unter dem Helm, und dann sieht man das Blut. Man steht auf. Dehnt den Rücken. Das Blut sickert aus den Wunden am Knie, dem Oberschenkel und der Hüfte, als wäre man über eine riesige Käsereibe geschlittert. Fluchend sammelt man die Dinge ein, die beim Sturz auf dem Erdboden verteilt wurden, das iphone mit dem zersplitterten Glas, das Flickzeugs, das Plastiksäcklein mit dem Zehnernötli, mit dem man ein eiskaltes Rivella Rot kaufen und trinken wollte, in einer Ausflugsbeiz auf einem Berg, an einem Holztisch hockend, im Halbschatten. Man beschaut die Schäden am Gefährt, richtet die krummen Bremshebel, und dann spürt man das zunehmende Brennen an den Handinnenflächen, insbesondere in der Gegend der Handwurzelknochen; und dort, wo gerade noch verschwitzte bleiche Haut war, da blickt man hin und denkt: «Ui!», denn da ist nun eine rot glänzende Fläche. Man denkt: «Sieht aus wie etwas, das man gleich auf den Grill legt.» Kleine Steine haben sich unter die Haut geschoben. Warum hat man eigentlich keine Handschuhe angezogen? Noch ein Dutzend Flüche verschluckt der Wald, der edel und stoisch die Ruhe behält. Der Puls geht langsam wieder runter. Die Atmung wird flacher. Das Blut fängt an manchen Stellen schon zu trocknen an, andere Wunden sickern, das Blut rinnt weiter, Tropfen fallen auf den gelblichen Grien, der Staub saugt sie auf. Nochmals betrachtet man ungläubig die eigenen Handflächen, sieht, dass die Haut aus verschiedenen Schichten besteht. «Wie soll das jemals wieder gut werden?» Aber dann heilt die Haut, ganz von allein. Tag für Tag wächst die Wunde zu, Stück für Stück. Nach zwei Wochen sieht man kaum noch etwas. Würde man die Heilung mit einer Zeitrafferkamera aufnehmen und die zwei Wochen wären bloss eine Minute, man käme nicht umhin festzustellen: «Ein Wunder!» Das ist die menschliche Haut: ein Wunder. Deshalb würde ich der Haut gern ein Kränzchen winden. Es gibt nicht viele Lieder über die Haut, nein, immer geht es um andere Organe, sie stehen der Haut in der Sonne. Das Herz beispielsweise. Meine Güte: Das Herz schlägt in unzähligen Song-, Buch-, Filmtiteln. Dabei ist die Haut nicht nur das vielseitigste menschliche Organ, sie ist auch das grösste und schwerste. Über zehn Kilo Haut tragen wir mit uns herum. Die Haut wärmt uns, sie schützt uns, sie repräsentiert uns und sie fühlt sich wahnsinnig gut an. Also, liebe Haut, wenn du diese Zeilen liest: tiefe Verbeugung, Knicks, Bückling! Chapeau! Respekt! Das Wunder deiner Existenz muss gefeiert werden: Ich spendier dir heute eine Magnumflasche Bodylotion. Oder hättest du lieber ein Tattoo? Mehr von Max Küng auf blog.dasmagazin.ch Wir verdoppeln Ihr Halbwissen. Verfolgen Sie unsere Vorsorge-Serie immer montags vom bis : Von der Pensionskasse und ihren Alternativen, von Steuervorteilen und Eigenheimen, von der Frühpensionierung bis zum Wechsel ins Ausland eine aktuelle, kompakte und unabhängige Auslegeordnung mit Checklisten und Expertenrunde. Und eine Möglichkeit, die persönliche Vorsorgeplanung besser einzuordnen. Geistige Vorsorge, typisch NZZ. 6 DAS MAGAZIN 39/2014

6 «Wir sind zu lebendig, um zu sterben, und zu tot, um zu leben» Der Philosoph Byung-Chul Han trifft mit seiner Kritik an unserem Leben den Nerv der Zeit. 8 DAS MAGAZIN 39/2014 9

7 Gespräch THOMAS ZAUGG Illustrationen SAMUEL NYHOLM Dieses Gespräch entstand per , ausgerechnet über eines der Hetzmedien, die Byung-Chul Han mit Proust und Kafka zum Teufel wünscht. Doch scheu ist der Philosoph. Persönliche Fragen nach seiner Herkunft hat Han gestrichen. Metallurgie habe er einst in Südkorea studiert, heisst es auf Wikipedia über den Mann, der auf Distanz bleibt. In Berlin, wo Han an der Universität der Künste lehrt, traf er sich einmal mit Journalisten. Als sie fragten, woher er gerade komme, sagte Han: «Vom Schreibtisch, wie immer.» Er gehört also nicht zu den Pop-Philosophen, die sich in verschwitzten T-Shirts scheinbar unprätentiös filmen oder frisch frisiert im Massanzug vor einem Baumstamm fotografieren lassen in Seoul geboren, ist Han ein radikaler Verdichter unserer Zeitrechnung. Sein Neuling «Psychopolitik» zieht erstmals alle Gedankenfäden zusammen. Wir lebten in einer Müdigkeitsgesellschaft absoluter Transparenz, in der keine Langeweile, keine Stille mehr möglich sei. Ohne je die Augen wirklich zu schliessen, seien wir einem Datenwahn («Dataismus») verfallen im Glauben, dass Google-Brillen oder sensitive Touchscreens alle Probleme lösen werden. Doch die heutige Freiheit hat ihren Preis und schlägt in selbstoptimierenden Zwang um. Sosehr hier manchmal Hans Studium der katholischen Theologie durchklingt, so unvergleichlich ist die Art, wie er die Misere zu Sätzen verflicht. Wer Han gelesen hat, will sich befreien. Das Magazin Herr Han, die Presse nennt Sie den «neuen Star der deutschen Philosophie». Was halten Sie von diesem Titel? Byung-Chul Han Ich glaube, dass der Titel im Moment viel Häme produziert. Er verweist vor allem auf den heutigen Zustand der deutschen Philosophie. Da mache ich mir Sorgen. Sie bezieht sich nicht mehr auf die Gesellschaft, auf die Welt, sondern nur auf sich selbst. Sie ist selbstreferenziell geworden. Sie ist nicht mehr welthaltig. Sie beschäftigt sich vor allem mit sich selbst, mit ihrer eigenen Geschichte. So ist sie die Schädelstätte ihrer selbst geworden. Sie hat jede Lebendigkeit verloren. Ich denke, dass meine Arbeit im Moment deshalb auf viel Aufmerksamkeit stösst, weil sie über aktuelle gesellschaftliche Ereignisse philosophisch reflektiert. Das tun leider nur sehr wenige. Wir brauchen heute mehr Philosophie, mehr Denken. Gerade Denken macht frei. Deshalb ist es gefährlich für die Herrschaft. Das Denken legt jene systemischen Prozesse und Zwänge frei, denen wir sonst fast unbewusst unterworfen sind. Wir meinen, wir sind heute freier denn je. Aber in Wirklichkeit sind wir es nicht. In vielen Ihrer Schriften trifft man auf den Begriff der Negativität, um ihn dreht sich vieles in Ihrer Gegenwartsanalyse. Was genau bedeutet «Negativität»? Ist es der Verlust eines Menschen, das Ende einer grossen Liebe, eine Distanz, die sich nicht aufheben lässt? Die Negativität ist zum Beispiel etwas, was mich verletzt. Heute versuchen wir, jede Verletzung zu meiden, auch in der Liebe. Für die Liebe braucht man eigentlich einen hohen Einsatz. Aber man meidet diesen hohen Einsatz, weil er zur Verletzung führen kann. Wir leben in einer Kultur des Gefällt-mir. Die Negativität hat tatsächlich einen zentralen Stellenwert in meinem Denken. In dem Essay «Müdigkeitsgesellschaft» habe ich behauptet, dass wir in einem postimmunologischen Zeitalter leben. Die Negativität des Anderen, des Fremden ist etwas, das eine immunologische Abwehrreaktion hervorruft. Die psychischen Erkrankungen von heute wie Depression, ADHS oder Burn-out sind Infarkte, für die das Übermass an Positivität verantwortlich ist. Die Gewalt der Positivität oder des Gleichen ist eine postimmunologische Ge walt. Wir leben in einer Hölle des Gleichen. Krank macht die Fettleibigkeit des Systems. Es gibt bekanntlich keine Immunreaktion auf das Fett. Auch die heutige Kommunikation wird von einem Übermass an Positivität beherrscht. Sie erhöht den Lärmpegel. Die Negativität des Anderen oder des Fremden wird beseitigt, weil sie die glatte Kommunikation stört und deren Beschleunigung erschwert. Auch der Wahrheit wohnt eine Negativität inne. Sie ist etwas Exklusives. Die Informationen stellen dagegen eine Positivität dar. Sie sind nicht exklusiv, sondern kumulativ. So bilden sie Haufen. Es gibt dagegen keinen Wahrheitshaufen. Die Negativität ist eine zentrale Figur der Hegel schen Philosophie. Für Hegel ist der Schmerz die Negativität. Die Negativität des Schmerzes ist wesentlich für das Leben. Das Leben, das jede Negativität abstreift, verkommt, so Hegel, zum «toten Sein». Das Positive, das Glatte, das Gesunde von heute hat etwas Lebloses, wie ein mit Botox behandeltes Gesicht. Ohne Negativität verkümmert das Leben zum Toten, ja zum Untoten. Die Negativität ist die belebende Kraft im Leben. Sie diskutieren verschiedene Lebenskonzepte als mögliche Ausgänge aus der Misere: Müdigkeit, BILD: S. FISCHER VERLAG 10 DAS MAGAZIN 39/2014

8 Liebe oder Idiotie. Welches dieser Konzepte erscheint Ihnen heute gangbar? Ja, das letzte Kapitel meines neuen Essays «Psychopolitik» heisst tatsächlich «Idiotismus». Ich verstehe den Idiotismus positiv. Der Idiot ist der Nicht-Verbundene, der Nicht-Vernetzte. Er ist ein Häretiker, ein Aussenseiter, der mit dem heutigen Konformismus radikal bricht. Meine Essays, in denen ich Probleme und Krisen aufzeige und analysiere, schliesse ich immer mit einer Öffnung. Ich würde das nicht Lösung oder Konzept nennen, sondern Öffnung. Die verbindende, versöhnende Wir-Müdigkeit Handkes am Ende des Essays «Müdigkeitsgesellschaft» ist so eine Öffnung, eine Öffnung ins Offene oder ins Freie. Ich schliesse meine Essays immer mit Öffnungen, die öffnen, hinführen, ins Höhere abheben lassen. Diese sind, wie gesagt, keine konkrete Lösung. Am Ende der «Psychopolitik» habe ich Botho Strauss zitiert: Der Idiot ist kein unterworfenes Subjekt: «Eher eine Blumenexistenz: einfache Öffnung zum Licht.» Sie zitieren eine Kutschenfahrt aus einem Roman Flauberts. Flaubert ersetzt die in der Kutsche stattfindende Liebesszene durch Beschreibungen der Landschaft, die vorüberstreift. Sie erwähnen eine Kurzgeschichte von Ballard, in der ein Mann mit einer Augenerkrankung sich am Ende entschliesst, sein Augenlicht zu zerstören, um mehr zu sehen. Wie aber können wir mehr von dieser «Negativität» herstellen in unserem Alltag? Wir leben in einer Transparenzgesellschaft. Sie lässt weder Informations- noch Sehlücken zu. Die Erotik ohne Sehlücke ist Pornografie. Ohne Sehlücke gibt es auch keine Einbildungskraft, kein Begehren. Ohne Sehlücke, ohne Verhüllung gibt es keine Schönheit. Glück heisst ursprünglich «Gelücke». Es hat mit Lücken zu tun. Vielleicht ist die Lücke sogar wesentlich für das Leben. Ohne sie gäbe es nur das Tote, ja das Untote. Kommunikation ohne Lücke ist Lärm. Wir ertragen heute keine Lücke, keine Stille mehr, so produzieren wir viel Lärm. Unser Alltag ist tatsächlich ganz von der Sichtbarkeit beherrscht. Es ist sehr schwierig, etwas gegen diesen Terror der Sichtbarkeit zu unternehmen. Wir sollten wirklich wieder lernen, die Augen zu schliessen. Sie schreiben in «Agonie des Eros» über das pornografische Bild, ihm wohne kein Anstand inne, keine Distanz. Wie sollen wir mit Pornografie um gehen, wenn sie sich doch nicht verbieten lässt? Wir leben in einer Pornogesellschaft. Der Porno erfasst alle Lebensbereiche. Mit dem Porno meine ich nicht die Pornografie im engeren Sinn. Die Kommunikation mit Selbstentblössungen ist etwas Pornografisches. Das Smartphone ist ein Pornoapparat. Das Sehen selbst wird heute pornografisch. Es ist unfähig zum kontemplativen Verweilen, das eine Distanz voraussetzt. Die Transparenz hat pornografische Züge. Der Porno ist heute unsere Lebensform geworden. Entspannung und Pausen seien kein Gegengewicht zur Arbeit, schreiben Sie. Im Gegenteil, sie seien eine Funktion der Arbeit, dienten nur zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit. Gibt es konkrete Möglichkeiten, dies zu ändern? Ich kann da nur auf die Möglichkeit einer anderen Lebensform hinweisen. Wir haben heute keinen Feierabend mehr. Feierabend bedeutet nicht einfach das Ende der Arbeit. Da beginnt eine ganz andere Zeit. Das lateinische Wort «feriae» bedeutet die für religiös-kultische Handlungen bestimmte Zeit. «Fanum» heisst «heiliger, einer Gottheit geweihter Ort». Das Fest beginnt, wo die «pro-fane» (wörtlich: vor dem heiligen Bezirk liegende) Alltagszeit, ja die Arbeitszeit aufhört. Ferien sind heute nur Arbeitspausen, in denen wir uns von der Arbeit erholen. Die Pausen gehören in die Arbeitszeit. Wir haben heute nur Arbeitszeit mit Unterbrechungen, die immer kürzer werden. Wir haben jene Hoch-Zeit des Festes verloren, die eine Erfahrung der Dauer, ja das Verweilen möglich macht. Die Arbeitszeit ist eine vergängliche Zeit. Da wir nur Arbeitszeit haben, sind wir hektisch, nervös und unruhig. Sie zitieren Heidegger, die Menschen seien «Hörige ihrer Herkunft». «Heimisch» mache uns Menschen nur die «lange Herkunft». Wie ändert sich Ihr Bild des antimodernen Philosophen Heidegger, der sich nach der Publikation der «Schwarzen Hefte» als Antisemit herausstellt? Es gibt viele Heideggers. Es gibt sicher Heidegger, der antisemitisch ist. Aber es gibt auch Heidegger, von dem wir heute viel lernen können. Heideggers Gedanken zum Verzicht geben uns immer noch viel zu denken. Die Figur des Verzichtes ist dem ganzen Konsumismus entgegengesetzt. Wir kennen heute nicht mehr jene unerschöpfliche Kraft des Einfachen. Das Einfache wäre Gift für Wachstum und Produktivität. Wir leben ständig in dem Gefühl, etwas zu verpassen. Wir können nicht einrasten, wir können nicht verweilen. So rasten wir ständig aus. Heideggers «Wohnen» bedeutet nichts anderes als Verweilen im Einfachen. Auch ein zentraler Begriff von Heidegger ist «Schonen». Das ist eine schöne Form des In-der-Welt-Seins, die wir neu erlernen müssen. Wir sind ja heute dabei, die Welt schonungslos auszubeuten. Ja wir schonen nicht einmal uns, da wir uns selbst ausbeuten. Die Beschleunigung, so eine Ihrer Thesen, sei nicht das eigentliche Problem unserer Zeit. Wie kommen Sie darauf? Heute fehlt der Zeit der ordnende Rhythmus. So kommt es zu einer Dyschronie, zu einer temporalen Störung. Dieser fehlende Rhythmus lässt die Zeit gleichsam schwirren. Das Gefühl, das Leben beschleunige sich, ist in Wirklichkeit eine Empfindung der Zeit, die richtungslos schwirrt. Die Beschleunigung ist die Folge eines temporalen Dammbruches. Es existieren keine Dämme, keine Schwellen mehr, die den Fluss der Zeit regeln, artikulieren und rhythmisieren würden. Die Zeit ist nicht mehr narrativ, sondern additiv. Eine Narration, eine Erzählung, lässt sich nicht beliebig beschleunigen. Jede Erzählung hat eine Eigenzeit. Die Addition dagegen nicht. So lässt sie sich beliebig beschleunigen. Sie sagen, der derzeitige Hilferuf nach Entschleunigung sei nur die Kehrseite der Beschleunigung. Erholung gewissermassen, um dann umso schneller und intensiver weiterschuften zu können. Wie können wir die Beschleunigung bremsen, ohne zu entschleunigen? Ich sage nur, Beschleunigung und Entschleunigung gehören auf dieselbe Ebene. Wenn die Zeit aus dem Takt gerät, den Rhythmus verliert, macht es nicht viel Sinn, sie nur entschleunigen oder verlangsamen zu wollen. Man muss ihr vielmehr den Takt und Rhythmus zurückgeben. Man muss ihr die Zeit, die Eigenzeit geben. Welcher politischen Partei würden Sie heute Ihre Stimme geben? Einer Partei, die die menschliche Freiheit sehr ernst nimmt. Aber es gibt sie nicht. Proust mochte das Kino nicht, Kafka verwünschte die Briefpost. Heute sind wir permanent von Bildern umgeben und schreiben Briefe SMS im Minutentakt. Raten Sie uns, damit aufzuhören? Ich erteile keinen Rat. Ich zeige, welche destruktiven Züge diese Form der Kommunikation inzwischen entwickelt hat. Die digitale Vernetzung und Kommunikation hat uns am Anfang sehr viel Freiheit versprochen. Nun erweist sie sich als Zwang. Sie befreit uns nicht, sondern macht uns abhängig. Jedes Medium hat zwei Seiten, ist sowohl Emanzipationsmedium als auch Herrschaftsmedium. Indem wir twittern, posten und Like- Buttons anklicken, unterwerfen wir uns dem Herrschaftszusammenhang. Das digitale Medium etabliert sich immer mehr als ein Herrschaftsmedium und verdrängt sein Emanzipationspotenzial. Mein Essay «Psychopolitik» macht eindringlich darauf aufmerksam, dass wir es heute mit einer ganz anderen Machtform zu tun haben, die ich smarte Macht nenne. Die smarte Macht erlegt uns kein Schweigen auf. Vielmehr fordert sie uns permanent dazu auf mitzuteilen, zu teilen, teilzunehmen, unsere Meinungen, Bedürfnisse, Wünsche und Vorlieben zu kommunizieren und unser Leben zu erzählen. So braucht sie keinen Widerstand zu brechen. Diese smarte, freundliche Macht operiert nicht frontal gegen den Willen der unterworfenen Subjekte, sondern steuert deren Willen zu ihren Gunsten. Sie ist eher seduktiv als repressiv. Sie ist bemüht, positive Emotionen hervorzurufen und auszubeuten. Sie verführt, statt zu verbieten. Statt sich uns entgegenzusetzen, kommt sie uns entgegen. Das Smartphone ist sowohl Überwachungsapparat als auch mobiler Beichtstuhl. Es ist die digitale Fortsetzung der sakralen Herrschaft des Beichtstuhls. Aber wir beichten nicht aus Angst vor Verdammnis, sondern aus innerem Bedürfnis heraus. Beichten war eine sehr effektive Herrschaftstechnik. Wir offenbaren unsere Seele bis in den verborgensten Winkel hinein. Wir leben heute in einem digitalisierten Mittelal- 12 DAS MAGAZIN 39/

9 ter. Wir beichten weiter, und zwar freiwillig. Dabei bitten wir nicht um Vergebung, sondern um Aufmerksamkeit. Und es ist jetzt nicht die Kirche, sondern es sind Geheimdienst und Markt, welche uns Gehör schenken. Umlaufbahn fehle schlicht die Gravitation, der Sinn selbst. Daher schwirren nun die Dinge mal langsam, mal belanglos schnell durcheinander im leeren Raum. Wird dieser Sinn zurückkehren? In welcher Form? Was muss dazu passieren? Ich glaube nicht, dass die Gravitationskraft zurückkehrt. Sie gehört in die terrane Ordnung. Wir sollten darüber nachdenken, dass es trotz fehlender Schwere eine andere beglückende Lebensform geben kann. In der Schwerelosigkeit müssen die Dinge nicht schwirren. Sie können auch schön schweben. Sie schreiben, dem Leben sei heute die Möglichkeit abhandengekommen, sich sinnvoll abzuschliessen. Wie meinen Sie das? Wir haben es heute mit einem blossen Leben zu tun, das wir um jeden Preis verlängern wollen. Der Gesundheitsterror gehört dazu. Dadurch gleicht das Leben dem Überleben. Ein erfülltes Leben ist aber ein Leben, das ich sinnvoll abschliessen kann. Wir haben diese Schlussformen nicht mehr. So ist es heute schwieriger denn je zu sterben. Oder: Wir sind zu lebendig, um zu sterben, und zu tot, um zu leben. FONDATION BEYELER RIEHEN / BASEL Le Bord de mer à Palavas, 1854, Musée Fabre Montpellier, Musée Fabre Montpellier Agglomération Sie fragen in «Duft der Zeit»: «Was wird die Gangart der Zukunft sein? Das Zeitalter des Pilgerns oder des Marsches ist endgültig vorbei. Wird der Mensch nach einer kurzen Phase des Schwirrens als Geher zur Erde zurückkehren? Oder wird er die Schwere der Erde, die Schwere der Arbeit ganz verlassen und die Leichtigkeit des Schwebens, des schwebenden Wanderns in Musse, also den Duft der schwebenden Zeit entdecken?» Was ist Ihre Antwort? Die Schwere der Erde gehört in die terrane (auf die Erde bezogene) Ordnung. Wir haben sie längst zugunsten der digitalen Ordnung verlassen. Wir werden nicht mehr zur terranen Ordnung zurückkehren können. In der digitalen Ordnung können wir wunderbar schweben in der Schwerelosigkeit. Aber wir hetzen nur. Wir müssen also eine neue Gangart des Lebens erfinden. Freiheit sei ein Beziehungswort, sagen Sie. An welche Beziehungen denken Sie? Welchen Halt sollten wir suchen, um frei zu sein? Die individuelle Freiheit erreicht heute eine exzessive Form. Nun sehen wir, dass dieser Exzess der Freiheit nichts anderes ist als der Exzess des Kapitals. Freiheit bedeutet ursprünglich «bei Freunden sein». Heute werden wir narzisstischer. Die Facebook-Freunde bestärken diesen Narzissmus. Wir müssen eine neue Form der Freiheit erfinden. Auch für Karl Marx bedeutet Freiheit, sich miteinander zu realisieren. Jean Baudrillard meinte, die Moderne habe alles so beschleunigt, dass vieles gewissermassen aus der Um laufbahn geflogen sei: der Sinn, die Geschichte, das Reale. Sie stellen dieses Bild auf den Kopf. Nicht die Beschleunigung sei das Problem. Der In «Agonie des Eros» beschäftigen Sie sich auch mit der Liebe in heutiger Zeit. Teilen Sie die Ansicht der Psychologie, dass moderne Kommunikationskanäle wie Whatsapp die Distanz reduzieren und zugleich Distanz aufbauen, sodass sich junge Verliebte kaum je nah sind? Die digitale Kommunikation baut die Distanz oder den Abstand ab. Das heisst aber nicht, dass sie mehr Nähe hervorbringt. Sie baut vielmehr die Nähe ab. Die Nähe ist etwas ganz anderes als die Distanz- und Abstandslosigkeit. Die Nähe ist immer mit der Ferne gepaart. Heute haben wir weder Nähe noch Ferne. Die Ferne kann eine besondere Erfahrung der Nähe möglich machen. Ich zitiere gern ein Liebesgedicht von Paul Celan. Da heisst es: «Du bist so nah, als weiltest du nicht hier.» Das ist kein Widerspruch, sondern das Wesen der Nähe. Sie könnten «konservativ» sein oder «links» oder diesen ganzen Zuschreibungen «existenzialistisch» enthoben. Mit welchen Begriffen aus der tradierten Philosophiegeschichte sehen Sie sich richtig beschrieben? Ja, ich bin weder links noch rechts. Ich kann aber gleichzeitig extrem links sein oder extrem konservativ. Sind die Freiheit oder das Glück links oder rechts? Im 18. und 19. Jahrhundert herrschte eine ähnliche Big-Data-Euphorie, wie Sie sie heute an Firmen wie Apple kritisieren. Positivisten wie Auguste Comte glaubten, sie müssten sich nur noch auf die Beschreibung der Oberfläche, des Beobachtbaren, des Offensichtlichen konzentrieren. So könnten sie der Wahrheit am nächsten kommen. Wieso ebbte diese Euphorie damals ab? Sehen Sie heute eine ähnliche Ebbe kommen, gibt es ein Zeitalter nach Google? 14 DAS MAGAZIN 39/2014

10 Ja, es gab in der Aufklärung eine Statistikeuphorie. Hume glaubte, dass die Statistik das Wissen, ja die Geschichte von mythologischen Inhalten befreien könne. Heute gibt es eine Big-Data-Euphorie. Big Data mache das Wissen möglich, das frei sei von der Ideologie. Aber ich denke, dass Big Data selbst sich als eine Ideologie erweisen wird. Problematisch ist die Datengläubigkeit, der Dataismus, der eine zweite Aufklärung beschwört. Die taz schrieb kürzlich: «Wir machen mehr, als Menschen jemals getan haben. Aber wir erreichen nicht viel, und aus uns wird immer weniger.» Stimmen Sie zu? Das ist ja die zentrale These meines Essays «Müdigkeitsgesellschaft». Wir beuten uns freiwillig und leidenschaftlich aus. Wir optimieren uns. Wir versuchen, uns selbst zu überholen. Am Ende spürt man eine Leere. Wir bewohnen nicht unseren Körper, sondern bewirtschaften, optimieren ihn. Der optimierte Körper ist nicht der glückliche Körper. Aufgrund dieser Zwänge stellt sich keine innere Erfüllung ein. Wir wissen ja nicht einmal, was wir wollen. Wir leben nicht nach unseren Bedürfnissen, sondern nach vom System erzeugten Bedürfnissen. Denken Sie zum Beispiel an den Textildiscounter Primark. Als ein Mädchen in der Strassenbahn erfuhr, dass Primark auf dem Berliner Alexanderplatz neben C&A einzieht, schrie sie vor Freude auf und sagte: Wenn Primark hierherkommt, ist mein Leben perfekt. Ist dieses Leben wirklich ein perfektes Leben für sie, oder ist es eine Illusion, die der Konsumkapitalismus erzeugt hat? Mädchen kaufen hundert Kleider, jedes Kleid kostet vielleicht fünf Euro was schon für sich genommen ein Wahnsinn ist, weil für solche Klamotten Menschen in Ländern wie Bangladesh sterben, wenn eine Kleiderfabrik einstürzt. Die Mädchen ziehen sie kaum an. Sie machen damit vor allem Werbung! Sie erstellen massenweise Videos, in denen sie die Kleider anpreisen, die sie gekauft haben, und Model spielen. Konsumenten kaufen Kleider, aber sie gebrauchen sie nicht, sondern sie machen damit Werbung, und diese Werbung generiert neuen Konsum. Das heisst, es ist ein absoluter Konsum entstanden, der vom Gebrauch der Dinge abgekoppelt ist. Das Unternehmen hat die Werbung an die Konsumenten delegiert. Es macht selbst keine Werbung. Das ist ein perfektes, perfides System. Auch die Sharing-Ökonomie kündigt das Ende des Besitzes an. Eine kommunistische Gesellschaft, in der Teilen mehr Wert habe als Besitzen, sei im Kommen. Community, Kokonsum und Commons werden beschworen. In Wirklichkeit wird unser Leben selbst durch die Sharing-Ökonomie lückenlos ökonomisiert. Teilen heisst nicht Geben, sondern Verdienen. Alles wird zur Ware. Ich biete sogar die Einfahrt vor meinem Haus als Parkplatz an. Jeder wird zu einem Mikrounternehmer. Für die wenige Freizeit, die ich habe, verdinge ich mich als Taxifahrer über solche Apps wie Uber oder WunderCar. Da verschwindet jede zweckfreie Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft. Ich werde freundlich, damit ich eine bessere Bewertung bekomme. Und es bilden sich neue Monopole wie Airbnb oder Uber. Sie beuten die Community aus. Sie sind die eigentlichen Gewinner. Ich habe in einem SZ-Artikel zu dem Thema gesagt, der Kapitalismus vollendet sich in dem Moment, in dem er seinen Erzfeind, nämlich den Kommunismus, als Ware anbietet. Marx ging davon aus, dass durch Arbeit der Mensch frei werde. Sich selbst befreie vom Kapitalismus, der ihm diese Arbeit zunächst schmackhaft macht. Das ist nicht geschehen und ist der grosse Wermutstropfen vieler linker Theorien geblieben. Geschieht es dennoch irgendwann? Die politische Linke hat zu sehr die Arbeit idealisiert. Nicht die Arbeit selbst galt ihr als Skandal, sondern nur ihre Ausbeutung durch das Kapital. Ihr Programm war nicht die Befreiung von der Arbeit, sondern die Befreiung der Arbeit. Für Marx gilt auch das Primat der Arbeit. Es ist vielleicht an der Zeit, über eine Lebensform nachzudenken, in der die Arbeit keine Rolle mehr spielt. Der altchinesische Denker Zhuangzi würde sie «Wandern in Musse» nennen. Hotelcard das erste Halbtax für Hotels Bestellen Sie Ihre Hotelcard jetzt für 75 statt 95 Franken Zehntausende Schweizerinnen und Schweizer buchen ihre Hotels nur noch mit der Hotelcard. Denn mit dem Halbtax für Hotels übernachtet man in Hunderten Top-Hotels in der Schweiz und im angrenzenden Ausland zum ½ Preis. Das Sparpotenzial ist enorm, denn mit der Hotelcard kann beliebig oft mit 50% Rabatt im Hotel übernachtet werden. Die Idee zur Hotelcard basiert auf dem Halbtax-Abo der SBB, welches die Hotelcard AG vor fünf Jahren mit grossem Erfolg auf die Hotellerie übertragen hat. Das Konzept besticht unter anderem durch seine einfache Handhabung. 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Der Illustrator Samuel Nyholm alias SANY lebt in Stockholm. 1 Nacht im Doppelzimmer inkl. Frühstück ab CHF300. statt Nacht im Doppelzimmer inkl. Frühstück ab CHF statt Nacht im Doppelzimmer inkl. Frühstück ab CHF75. statt DAS MAGAZIN 39/2014

11 AGGLO TOTAL Ein sehr hoher Ausländeranteil, viele Sozialhilfebezüger und Fluglärm: willkommen in Opfikon, der Schweizer Stadt, von wo mehr als die Hälfte der Bewohner innert fünf Jahren wieder wegziehen. Text JOEL BEDETTI Bilder SIMON TANNER Beatrix Jud ist überrascht, als wir durch das Rohr-/Plattenstrasse-Quartier spazieren. «Das ist ja gar nicht so schlimm», sagt sie und deutet auf die schmucklosen Mehrfamilienhäuser mit TV-Satellitenschüsseln. «Oder sieht das hier wie ein Ghetto aus?» Beatrix Jud, 59, kurze Haare, schwarzer Mantel, lackierte Fingernägel, ist Stadträtin von Opfikon und zuständig für das schwierigste Ressort: das Soziale. Das letzte Mal war sie vor zwei Jahren hier, als sie einem Opfiker Einwohner den behördlichen Blumenstrauss zum neunzigsten Geburtstag überreichte. «Nach meinem Gefühl war es damals schlimmer.» Tatsächlich sieht es längst nicht so übel aus, wie die Geschichten über Gärten vermuten liessen, die mit Abfall übersät sein sollen. Einzig vor einer Strassenlaterne liegen ein paar Abfallsäcke. Doch in Opfikon ist das Rohr-/Plattenstrasse- Quartier schon fast zum Schimpfwort geworden; es ist das Symbol der sozialen Probleme, die sich in dieser Stadt stauen. Die Flugzeuge fliegen hier im Tiefflug Richtung Kloten. Auch deshalb sind die Mieten rekordtief und verweisen die Namen auf den Briefkästen in alle Welt, während Schweizer zur Ausnahme geworden sind. Und weil manche Vermieter wissen, dass ihre Mieter, viele davon Sozialbezüger und Working Poor, keine besseren Wohnungen finden werden, lassen sie ihre Häuser verlottern. Selbst wenn inzwischen ein paar Liegenschaften saniert worden sind: Mittelschichtsfamilien werden sich hier in der nächsten Zeit kaum niederlassen. Das ist auch Beatrix Jud klar. «Man kann aus einer Ente keinen Schwan machen», sagt sie trocken. «Wir sind eine Agglo-Stadt.» Opfikon, inoffiziell Opfikon-Glattbrugg, Einwohner, liegt zwischen den nördlichen Ausläufern der Stadt Zürich und dem Flughafen Kloten. Opfikon ist Agglomeration total. Die Probleme, die an die suburbanen Ränder der boomenden Städte gespült werden soziale Belastung, Verkehr, Entfremdung, zeigen sich hier im Extrem. Ein paar Zahlen: Opfikon hat mit 44,5 Prozent die zweithöchste Dichte an Ausländern im Kanton Zürich. Nur in Schlieren ist sie noch höher. Die Sozialbezügerquote liegt mit 6,2 Prozent weit oben. Egal, ob Stadtschreiber, Integrationsbeauftragter oder Chef des Sozialdiensts: Alle betonen, wie spannend und herausfordernd die Arbeit in Opfikon ist. Aber niemand von ihnen wohnt hier. Wer die soziale Leiter hochsteigt, verlässt Opfikon wieder. Die Stadt hat, nach Hüttikon, mit 61,2 Prozent die höchste Wegzugsquote im Kanton Zürich. Knapp Personen haben Opfikon zwischen 2007 und 2013 verlassen, davon 5100 Schweizer und 6900 Ausländer. Doch die Stadt leert sich keineswegs im Gegenteil: Menschen sind seit 2007 zugezogen, gut 5000 Schweizer und fast doppelt so viele Ausländer. Eine Durchgangsstation Opfikon ist nicht nur im Jahres-, sondern auch im Tagesrhythmus eine Durchgangsstation. Jeden Morgen pendeln mehr als zehntausend Personen in die Industriezone von Opfikon. Hunderte Banker und Informatiker strömen in die grauen UBS- Blöcke, auch der japanische Pharmakonzern Takeda und der Nahrungsmittelriese Kraft Foods haben hier eine Niederlassung. Die Lage zwischen Zürich und Flughafen ist auch ein Gewinn für Opfikon. Minuten nachdem man den Zoll in Kloten passiert hat, sitzt man in einem Konferenzraum. «Umgekehrt kann man von Kein Kandidat für den Wakkerpreis: Wohnhaus in Opfikon-Glattbrugg DAS MAGAZIN 39/

12 Der Superschweizer: Tan Birlesik, für die SVP Mitglied des Opfiker Gemeinderates Opfikon aus fast in den Finken nach New York reisen, ohne nass zu werden», scherzt Hansruedi Bauer, der seit über dreissig Jahren Stadtschreiber von Opfikon ist. Die Firmen bescheren der Stadt eine solide wirtschaftliche Grundlage; über die Hälfte der Steuern nimmt sie von juristischen Personen ein. Weil die Banker und Informatiker nur zum Arbeiten hierherkommen, wiederholt sich an den S-Bahnhöfen Opfikon und Glattbrugg täglich dasselbe Schauspiel: Morgens kreuzen sich die Wege der Pendler in Anzügen und Krawatten mit jenen der Einheimischen, von denen viele als Bodenpersonal am Flughafen oder in nahen Hotels arbeiten. Abends tauschen sie die Richtungen. «Wir wechseln quasi zweimal pro Tag die Bevölkerung aus», sagt der grünliberale Stadtrat Jörg Mäder. Zu Hause bleiben die Sozialhilfebezüger. Der Budgetposten für Beatrix Juds Ressort sorgt im 36-köpfigen Stadtparlament jedes Jahr für heftige Diskussionen. Vom diesjährigen 130-Millionen-Budget werden gemäss Voranschlag über 13 Millionen für Sozialhilfe ausgegeben, und das Unverständnis darüber ist nirgends grösser als in Juds eigener Partei: der SVP. Dem versucht die Stadträtin mit abendlichen Informationsveranstaltungen zu begegnen, bei denen sie per Powerpoint die nüchternen Zahlen und ein paar Vergleiche an die Wand beamt. Opfikon hat rund 600 Sozialfälle. Meilen, eine Goldküstenstadt mit Einwohnern, hat gerade mal 91. Opfikon gibt pro Einwohner rund 850 Franken für Sozialhilfe aus, Meilen weniger als 200. Da könne man nicht viel machen, erklärt Beatrix Jud ihrem Publikum. Das Sozialhilfegesetz und die SKOS-Richtlinien geben die Leistungen vor. Und solange die Wohnungen in Opfikon billig sind, werden sich hier «Sozialfälle» niederlassen. «Ich versuche zu sparen, wo es möglich ist, doch der Handlungsspielraum beträgt etwa vier Prozent», sagt Beatrix Jud. Nicht sparen will sie bei den Sozialarbeitern; nur so könne man die Dossiers auf Missbrauch prüfen. Dieses Jahr hat sie im Stadtparlament gar eine Aufstockung um viereinhalb Stellen durchgebracht. Aber es sei schwierig, gute Sozialarbeiter zu rekrutieren. «Die Stadt Zürich wirbt uns immer wieder gute Leute ab.» Oft müssen sich unerfahrene Studienabgänger mit den Opfiker Sozialfällen befassen. Beatrix Jud ist keine typische SVPlerin. In zweiter Ehe war sie mit einem palästinensischen Sans-Papiers verheiratet. Und ihre politische Karriere begann links. Ab 2002 sass sie für die SP im Opfiker Stadtparlament, doch 2008 wechselte Jud von der SP zur SVP. Sie sieht den Seitenwechsel so: «Vorher sass ich auf dem linken Stuhl rechts, jetzt sitze ich auf dem rechten Stuhl etwas links.» Wenn man mit der SVP-Sozialvorsteherin über ihre Klienten redet, wird ihre ambivalente Haltung zwischen Mitgefühl, Exekutivverantwortung und SVP-Programm spürbar. Als die SVP zum Beispiel die Einzäunung der Asylanlage im Dorf verlangte, machte sie ihren Parteifreunden rasch klar: «Das geht nicht. Das sind keine Gefangenen, sie dürfen sich frei bewegen.» Opfikon ist wie die meisten Gemeinden im Flughafen-Agglo-Gürtel eine SVP- Bastion. Im Stadtparlament stellt die Partei 13 von 36 Sitzen. In nationalen Wahlen geben fast 40 Prozent der Opfiker ihre Stimme der SVP, und die Masseneinwanderungsinitiative nahmen sie mit 58,2 Prozent an. Pfadi, Handball, SVP Auch Tan Birlesik ist kein Opfiker mit Stammbaum und trotzdem ein Vorzeige- SVPler: 30 Jahre alt, Treuhänder, Wirtschaftsstudent und Gemeinderat. Er steht auf einem Feldweg ausserhalb des alten Dorfkerns. Birlesik deutet nach links zum Hardwald, in dem er gern joggen geht. «Das Tolle an Opfikon ist, dass man so schnell im Grünen ist.» Doch schaut man in die Talsenke Richtung Zürich, sieht man die Kräne des Glattparks, des neuen Stadtteils, in den täglich neue Bewohner einziehen. «Vor zehn Jahren waren wir noch eine er-Gemeinde, bald werden wir sein», sagt Tan Birlesik. «Das gibt zu denken.» Seine Grosseltern kamen Ende der 60er-Jahre aus der Türkei hierher, der Grossvater arbeitete als Flugzeugmechaniker für die Turkish Airlines. «Ich vergesse nicht, woher ich komme», sagt Birlesik. Er spricht noch ein paar Brocken Türkisch, manchmal geht er auch in die Türkei in die Badeferien. Doch sonst ist Birlesik so einheimisch wie seine eingeborenen SVP-Kollegen. Er wuchs im Dorfkern mehrheitlich unter Schweizer Kollegen auf, ging in die Pfadi, spielte Handball. Noch trifft er in der Freizeit seine Jugendclique und geht an die Spiele der Kloten Flyers. Als Tan Birlesik 2009 für das Opfiker Stadtparlament kandidierte und seine Wahlplakate mit Sünneli und fremdländischem Namen auf den Äckern standen, fragte er sich, ob das gut kommen werde. Und er strahlt noch heute, wenn er er zählt, wie er auf Platz drei der SVP-Liste antrat und mit dem besten Resultat in den Gemeinderat gewählt wurde. Inzwischen ist Birlesik der Hoffnungsträger der Ortspartei, er ist Vizepräsident und Vizefraktionspräsident im Gemeinderat. Birlesik sei ein «Haudegen», ein «Einpeitscher», ein «scharfer Hund», sagen Politiker aus den anderen Parteien. «Ich gehöre nicht zu den Hardlinern», findet Birlesik selber, aber wenn er in Fahrt ist, wettert er besonders gern gegen die Stadtverwaltung und das Energielabel. Im Frühling 2014 kandidierte Birlesik vergeblich als Schulpräsident. Er wollte Opfikons Schulen für Schweizer Familien attraktiver machen. 48 Prozent der Schüler sind Ausländer und noch viel mehr nicht deutscher Muttersprache. Die Maturaquote liegt bei 6,4 Prozent, einer der tiefsten Werte im Kanton. «Viele befreundete Eltern sagen mir, dass sie dann mal weg sind, sobald ihr Kind in den Kindergarten kommt.» Sein Vorschlag: Sonderklassen für die schwachen Schüler, damit nicht alle zurückbleiben. Der alte Dorfkern von Opfikon (oben), Ibrahim Zahiri, Stadtrat und Kleintierzüchter (unten) 20 DAS MAGAZIN 39/2014

13 Ob jemals richtig Leben einkehrt, ist noch ungewiss: Neu erstellter Sportplatz im Glattpark

14 Impressionen aus einer optisch anspruchslosen Stadt; links unten posiert Beatrix Jud, Stadträtin von Opfikon, vor einem typischen Wohnhaus. Tan Birlesik zeigt uns das historische Opfikon. Das ehemalige Bauerndorf hat kaum etwas von seiner Idylle verloren, in den Hofläden kann man frische Auberginen und Äpfel kaufen. Hier und im angrenzenden Einfamilienquartier Oberhausen wohnen die Alteingesessenen, die Schweizer. Vor dem Kapellenturm, dessen Spitze in ein Baugerüst gehüllt ist, bleibt er stehen. «Das ist unser Wahrzeichen», sagt er, der sich mit einer Motion für den Erhalt des Turms einsetzt. In diesem Teil von Opfikon ist der «Grüezi-Faktor», wie das gegenseitige Vertrauen und das gesellschaftliche Engagement kürzlich im «Magazin» beschrieben wurden, hoch. Hier kennt man den Pöstler, grüsst einander auf der Strasse und geht im gelobten Dorfrestaurant Frohsinn essen. Man geht in die Vereine, man wählt Freunde und Bekannte und die sind oft SVP. «G-Bronx» gegen «Dorfmentalität» Damit hat Haci Pekerman ein Problem. Pekerman, 29 Jahre alt, SP-Gemeinderat, sitzt in schwarzem Kittel und weissem Hemd im Restaurant Glatthof, einer Bar im Zentrum von Glattbrugg, die sich am Wochenende jeweils in die «Miami Disco» verwandelt. Hinten an der Bar streiten die Stammtischler, der tamilische Barkeeper schaut stoisch zu. Haci Pekerman, der bei einer Pensionskasse als Controller arbeitet, bestellt ein Rivella Rot und fragt: «Ist die Demokratie in Gefahr? Ja. Wenn eine Minderheit über eine Mehrheit bestimmt, ist die Demokratie in Gefahr.» Die Zahlen geben Pekermans dramatischem Befund recht. In Opfikon herrschen die Alteingesessenen und die Schweizer über die Zuzüger und die Ausländer. Die Stadt hat eine der tiefsten Stimmbeteiligungen im Land. Bei den Nationalratswahlen 2011 gaben gerade mal 35 Prozent der Opfiker ihre Stimme ab, nur in einer Zürcher Gemeinde waren es noch weniger. Bei der Gemeinderatswahl im März dieses Jahres lag die Wahlbeteiligung gar bei 23 Prozent. Auch wenn es nicht mit Zahlen zu belegen ist, so bestehen kaum Zweifel, dass der Grossteil der Stimmen aus dem Dorf Opfikon und aus Oberhausen stammt. Dort wohnen die meisten Stadt- und Gemeinderäte, viele haben Eltern, die selbst im Gemeinde- oder Stadtrat sitzen oder sassen. Haci Pekerman lächelt, aber seine Meinung über die konservativen Schweizer in Opfikon ist klar. «Hier herrschte lange eine Haci Pekerman, SP-Gemeinderat aus Opfikon Dorfmentalität. Man wollte nicht wahrhaben, dass es Glattbrugg auch noch gibt.» Glattbrugg ist jener Stadtteil, der Opfikons «Agglo»-Ruf gerecht wird. Hier leben weit über 50 Prozent Ausländer, und ein guter Teil der Schweizer ist eingebürgert. Die Jugend nennt Glattbrugg «G-Bronx», in Anspielung an New Yorks Ghetto. Hier gibt es Kebabbuden, China-Takeaways, ein Solarium und feierabends Stau. Im Vergleich zu Glattbrugg wirkt das Zürcher Langstrassenquartier geradezu helvetisch. Haci Pekerman lebt in Glattbrugg, seit er als 13-Jähriger mit Mutter und Bruder aus der Türkei zu seinem Vater gezogen ist, der für Gate Gourmet arbeitet. In der Schule wurde er politisiert. Trotz guter Noten stufte man ihn in die Sek B ein. Pekerman engagierte sich in der Schülerorganisation und trat in die SP ein. 2004, mit 19 Jahren, wurde er ins Opfiker Stadtparlament gewählt. Der Gemeinderat bestand damals mehr oder weniger aus bürgerlichen alten Männern. Haci Pekerman war einer der ersten Jungen und der Erste mit ausländischem Namen. Inzwischen gehört er zu jenen, die den SVP-Haudegen im Rat die Stirn bieten, zum Beispiel dem Fraktionspräsidenten, der Pekerman mal empfoh- Sessel Graph Hochwertigkeit in jedem Detail. Schon auf den ersten Blick besticht Graph durch das aussergewöhnliche grafische Erscheinungsbild, auf das sein Name verweist. Durch das Zusammenspiel von fliessender Form und klaren geometrischen Linien ergibt sich ein zeitloses Design. Die hochwertige Verarbeitung bis ins kleinste Detail und die zukunftsweisende Sitzkultur bilden die Gene für einen modernen Klassiker. Alles über Graph finden Sie unter wilkhahn.ch/graph 25

15 <wm>10cfxkoq6dqbae0c_ay8zedrcsbhaeqfbnmur-v2qlq3ju7xup4fbyjms7i2ce9ykjlzxns4qzt2qvjmk_yaw6rzd_ukuslmd8iienmsjrmgksjvz-vj5znxdccqaaaa==</wm> <wm>10casnsjy0mdqx0tu2m7q0mauaumoo9g8aaaa=</wm> len hat, er könne ja seinen Schweizer Pass wieder deponieren, wenn er unzufrieden mit der Integrationspolitik sei. Haci Pekerman hat es zu seiner Mission gemacht, die «schweigende Mehrheit» aus Ausländern und Eingebürgerten zu politisieren. Für die SP hat er einen ägyptischstämmigen Anwalt rekrutiert, aber der ist inzwischen wieder weggezogen. Es sei eben nicht einfach, Einwanderern die Lo kalpolitik nahezubringen, sagt Pekerman. «Viele haben Angst, dass sie zu wenig wissen.» Und doch getrauen sich immer mehr. Seit der Gemeinderatswahl vom 30. März hat jeder sechste Gemeinderat einen Namen, der auf eine andere Herkunft hinweist: Einer stammt aus Indien, drei aus der Türkei, zwei aus Kosovo. Haci Pekerman ist überzeugt, dass die politisierten Migranten Opfikon verändern werden. «Die Dorfmentalität wird Stück für Stück verschwinden», hofft er. «Viele sehen langsam, dass Opfikon eine Grossstadt ist.» Die Städter kommen Die Stadt kriecht vom Süden her nach Opfikon. Wo einst eine Grünfläche zwischen Opfikon und Zürich-Oerlikon lag, ragen quadratische Grossbaustellen in die Höhe. Der Glattpark, vermutlich die grösste Baustelle der Schweiz, wird zum dritten Stadtteil von Opfikon werden. Anders als das historisch gewachsene Opfikon und das im Nachkriegsboom zusammengebastelte Glattbrugg ist der Glattpark ein Quartier, das auf dem Reissbrett entworfen wurde. Einerseits ist der Glattpark ein Businesszentrum für Dienstleister aus Informatik, Finanz und Pharma. Mittags essen die Angestellten mit makellosen Anzügen in Restaurants, die Fusion Food anbieten. Doch der Glattpark mit seinem künstlichen See soll auch ein Wohnquartier werden Bewohner sind schon eingezogen, in wenigen Jahren sollen es 6000 sein. Noch sind viele Gebäude erst im Bau, und abends wirkt der Glattpark an vielen Stellen wie eine mondäne Geisterstadt. Die Frage ist, ob dereinst tatsächlich ein Quartier daraus entstehen wird oder eine Schlafgemeinde. Im «Glattpark-Barometer» von 2010 bezeichnet ein Team von Soziologen den Park als Nomadenstadt. Mehr als die Hälfte der befragten Bewohner war bloss nachts zu Hause, aber nur 15 Prozent der Familien möchten den Glattpark aktiv zu einem lebendigen Quartier mitgestalten. Immerhin, es gibt Anfänge. In der Lilienthal-Siedlung gibt es einen Arzt, einen Coiffeur, eine Pizzeria. Seit sechs Jahren existiert im Glattpark auch ein Quartierverein mit 300 Mitgliedern, fast ein Zehntel der Bevölkerung. Sein Präsident, Marc- André Senti, ist seit dem 18. Mai Stadtrat von Opfikon der erste Sozialdemokrat seit 25 Jahren. Am selben Tag gab es einen heftigen Rückschlag für die Quartierbildung. So lehnten die Opfiker den Bau eines dringend benötigten Schulhauses im Glattpark ab. Die SVP hatte den Kampf gegen das 74-Millionen-Projekt («Luxustempel») geführt und mit 54 Stimmen Unterschied gewonnen. Jetzt wird wohl ein Provisorium reichen müssen. Man darf vermuten, dass viele alteingesessene Opfiker dagegen stimmten und kaum nur wegen der hohen Kosten. Für viele von ihnen ist der Glattpark grundsätzlich ein Fremdkörper. Zum Beispiel für Tan Birlesik, den SVP-Gemeinderat. «Ich mag diese Wohnblöcke nicht.» Er geht dort zwar ab und zu in der neuen grossen Migros einkaufen und vielleicht auch im Fitnessstudio trainieren. «Aber wohnen würde ich dort nie.» Für die SVP ist der Glattpark mit seiner urbanen Ausstrahlung eher eine Bedrohung. Falls daraus ein lebendiges, engagiertes Quartier entsteht, wird man hier wohl mehr Sozialdemokraten wählen, die heute bloss einen Sechstel der Gemeinderatssitze halten. Der Opfiker Stadtrat möchte mit dem Konzept «Stadtentwicklung 2012+» auch den Rest der Stadt aufwerten. Leicht wird das nicht, was wiederum nicht heisst, dass sich hier nicht leben liesse. «Der Charme von Opfikon erschliesst sich erst auf den zweiten Blick», sagt der Integrationsbeauftragte Daniel Frei. Für Hansruedi Bauer, den Stadtschreiber, hat Opfikon gar «Modellcharakter»: «Kosovaren und Serben leben hier friedlich zusammen. Hier läuft keiner mit einer Kalaschnikow herum oder sticht die Autoreifen des anderen auf.» Viele Schweizer finden Multikulti trotz aller Probleme bereichernd. «Meine Kinder gehen mit Tibetern und Kongolesen zur Schule und essen bei ihnen zu Mittag», sagt Ciri Pante, FDP-Gemeinderat und Vizepräsident des FC Glattbrugg, der seinem heutigen SP-Ratskollegen Haci Pekerman einst das Fussballspielen beibrachte. Am Food Festival, das von Stadtpräsident Paul Remund, FDP, lanciert wurde und Ende September im Glattpark stattfindet, präsentieren Einwanderer aus über dreissig Ländern ihre Spezialitäten. Auch abgesehen vom Essen sind die Integrationsmassnahmen von Opfikon beachtlich, in der Fachwelt werden sie gelobt. Das Angebot um fasst Konversationskurse, Spielgruppen mit Frühförderung, um mit den Müttern ins Gespräch zu kommen. Natürlich kann man niemanden dazu zwingen. «In Opfikon kommt man tagelang durch, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen», sagt der grünliberale Stadtrat Jörg Mäder, der das Ressort Integration betreut. Schlüssel zum Stadthaus Die Angst vor Parallelgesellschaften ist kein Hirngespinst, zum Beispiel im Industrieviertel von Glattbrugg, wo kürzlich ein Islamzentrum eröffnet wurde, dessen auswärtige Betreiber niemand hier zu kennen scheint. Doch für viele Einwanderer ist Opfikon zur Heimat geworden. Viele junge Secondos wollen die Stadt, in der sie aufgewachsen sind, nicht verlassen. Manche Familien ziehen aus Wohnblöcken weg und kaufen Einfamilienhäuser oder Stockwerkeigentum in Opfikon-Dorf oder in Oberhausen. Sie treten in die Feuerwehr ein, interessieren sich für Politik, kurz: Sie werden zu Bürgern. Der Albaner und die Kleintierzüchter Ibrahim Zahiri sitzt in seiner Hütte im Kleintierzüchtergarten in Regensdorf, einer Ortschaft nahe Opfikon. Er kommt jeden Tag hierher, um bei seinen Hühnern und Tauben nach dem Rechten zu sehen, am Wochenende ist er oft mit seiner Frau und den beiden Kindern da. Zahiri, 38, Familie und Freunde nennen ihn Ibi, ist seit dem 30. März neu gewählter Gemeinderat von Opfikon. Er kam 1989 mit 13 Jahren aus Kosovo in die Schweiz. Sein Vater, ein studierter Imam, der als Bauspengler arbeitete, holte ihn und drei Geschwister damals vor dem drohenden Bürgerkrieg nach Glattbrugg. Die Zahiris gehörten zu den ersten Kosovaren in Opfikon; zu jener Zeit waren die meisten Ausländer Italiener und Spanier. Ibrahim Zahiri arbeitete sich bei Denner hoch, heute leitet er im Glattzentrum die grösste Denner-Filiale und ist im Unternehmen für Ausbildungsprojekte zuständig. Als Zahiri vor zehn Jahren in den Kleintierzüchterverein Regensdorf eintrat, war er ein Exot. Er erinnert sich noch an eine Prämierung von Zuchthühnern in Wil, als ihn die alten Ostschweizer mit den Stumpen im Mund nicht zurückgrüssten. «Ich nahm das nicht persönlich. Diese Männer waren vermutlich sehr überrascht, dass ein Ausländer mitmacht», sagt Zahiri wählten ihn die Regensdorfer Kleintierzüchter zu ihrem Präsidenten. Er spricht mit einem leichten Akzent, der verrät, dass er nicht hier geboren ist. «Hoi José, alles klar?» «Jaja, es mues.» «Hoi Werni, gahts guet?» Auch wenn Ibrahim Zahiri durch Glattbrugg läuft, grüsst er Bekannte auf Schritt und Tritt. Je nach Schätzung sprechen zehn Prozent der Opfiker als Muttersprache Albanisch. Etwa hundert Verwandte von Zahiris Familie, die aus der Stadt Gjilan im Südosten von Kosovo stammt, leben in der Stadt. «Wir sind vermutlich die grösste Familie hier», sagt Zahiri. Doch Ibrahim Zahiri wollte nicht nur im Familienclan verkehren. Er wollte am Gemeindeleben teilhaben. Als sein Sohn in die Schule kam, trat er in den Elternrat ein und präsidierte ihn später auch. Vor drei Jahren half Ibrahim Zahiri den Glatt-Alb- Verein gründen, einen Club der Albaner in Opfikon mit etwa 120 Mitgliedern. Der Verein engagiert sich bei «jeder Hundsverlochete», heisst es im Stadthaus anerkennend, egal ob Fussballgrümpi oder Feuerwehrchili. Und er vermittelt Migrantenkindern Studenten, die Nachhilfe geben. «Es geht immer darum, die Messlatte höher zu setzen», sagt Zahiri. «Mein Vater war zufrieden, als ich eine Lehre als Verkäufer machte. Er sagte: Wenigstens arbeitest du nicht mit mir auf dem Bau, wo es gefährlich ist. Ich wünsche mir, dass meine Kinder einmal studieren werden.» Im März wurde Zahiri ins Stadtparlament gewählt für den Gemeindeverein, eine gemässigte politische Gruppierung. Ibrahim Zahiri verfolgt kein politisches Programm wie Pekerman oder Birlesik, sondern das Amt ist für ihn eher die Krönung einer gelungenen Integration. Am Tag der Wahl sass seine grosse Verwandtschaft überrascht und stolz in seiner Stube und fand, das sei ein Wunder. Kurz darauf folgte ein zweites, indem Zahiris Nichte für die SP ins Parlament nachrutschte. Die Zahiris sind die erste Migrations-Politdynastie in Opfikon. Nach der Wahl musste Ibrahim Zahiri an seine Ankunft in Glattbrugg denken, am 17. Dezember Sein Vater wollte die sechsköpfige Familie in einer Dreizimmerwohnung einquartieren, doch als er bei der Stadtverwaltung wegen der Aufenthaltsgenehmigung für die Kinder vorsprach, hiess es, das gehe nicht, er müsse eine grössere Wohnung mieten. Nach der Wahl zeigte Ibrahim dem Vater den Schlüssel, den er von der Stadtverwaltung erhalten hatte, und sagte: «Weisst du noch, als wir hier ankamen? Jetzt habe ich einen eigenen Schlüssel zum Stadthaus.» JOEL BEDETTI ist freier Journalist aus Zürich. Der Fotograf SIMON TANNER lebt in Zürich. Suhrkamp Verlag, Frankfurt ammain Max Frisch hinterliess der Welt den «Stiller». Auch wenn Sie kein Schriftsteller sind: Sie können etwas Bleibendes für die Nachwelt schaffen. Mit einemtestament oder Legat zugunsten von UNICEF bauen Sie das Fundament einer besseren Welt für Kinder.Wir informieren Sie gerne: UNICEF Schweiz, Baumackerstrasse 24, 8050 Zürich Telefon +41 (0) DAS MAGAZIN 39/

16 ALLTAGSMYTHEN, DRITTER TEIL «DAS WESENTLICHE IST FÜR DIE AUGEN UNSICHTBAR» VON LUKAS BÄRFUSS Christian Wulff mag den «Kleinen Prinzen» und wurde dafür verspottet. Weshalb eigentlich? BILD: KARL RAUCH VERLAG Es gibt die geschriebenen, und es gibt die ungeschriebenen Gesetze. Es gibt Dinge, die gelehrt werden, und es gibt Dinge, die man selbst erkennen muss. Jede Kultur transportiert neben dem formellen auch ein informelles Wissen, das ihre Gepflogenheiten und die Wertvorstellungen beinhaltet. Dieses Wissen lässt sich nicht immer eindeutig begründen, trotzdem gibt es Auskunft über das Selbstbild einer Gesellschaft, wie sie gesehen werden und was sie darstellen will. Zum informellen Wissen unserer Kultur gehört unter anderem, dass «Der kleine Prinz» von Antoine de Saint- Exupéry ein Buch ist für Kinder und für Idioten. Ein Buch, das man in seiner Jugend lieben darf und für das man sich später schämen muss gerne auch öffentlich, um zu demonstrieren, wie dumm man einst war und welchen Reifeprozess man inzwischen erlebt hat. Wer über sechzehn ist und das Buch liebt, sollte dies geflissentlich für sich behalten jedenfalls alle, die um ihren geistigen Status besorgt sind. Also jeder, von dem man mehr Intellekt erwartet als von einem Bob-Anschieber oder von einem Stallknecht es gibt bei der Einschätzung einen gewissen Spielraum der Interpretation. Sicher aber ist: Wer das erste Amt im Staate anstrebt, dem ist «Der kleine Prinz» verboten. Er darf sich privat und im Geheimen daran erfreuen, sich öffentlich dazu zu bekennen gehört sich nicht. Christian Wulff, damals Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten Deutschlands, hat den Mut oder die Dummheit besessen, es trotzdem zu tun. Wohl eher Letzteres. Denn er wundert sich in seinem Buch «Ganz oben, ganz unten», in dem er die Umstände seines späteren Rücktrittes darlegt, über die Häme, die er für seine Offenheit erntete. «Weichstapler» nannte man ihn, und wenn auch nicht klar ist, was dies genau bedeutet unter den gewählten Bezeichnungen für den Politiker gehörte sie zu den wohlwollenden. Wulff nimmt den Spott als Beleg für den moralischen Niedergang der Presse, denn was kann falsch sein an einem Buch, das die Liebe und die Menschlichkeit verteidigt? Gute Frage. Erstes Argument: «Der kleine Prinz» ist ein Märchen, und Märchen haben in der Politik nichts zu suchen. Zu einfach ist deren Moral, zu simpel ihre Struktur. Die Einteilung der Welt in Gute und Böse wird der Komplexität der modernen Welt nicht gerecht. Allerdings: Hätte sich Wulff zu den Märchen der Gebrüder Grimm bekannt, der Spott wäre niemals so heftig ausgefallen. Hans Christian Andersen? Man hätte beifällig genickt. Wilhelm Hauffs Märchen? Zeugt von grossem literarischem Geschmack. Nein, an der Märchenform kann die Ablehnung nicht liegen. Ist «Der kleine Prinz», eines der am meisten verkauften Bücher, zu populär? Verbietet es sich für einen Mann, der respektiert werden will, sich am Geschmack der Massen zu orientieren? Das ist wenig wahrscheinlich. Wulff hätte eine beliebige Krimiserie nennen können man hätte es mit dem Zerstreuungsbedürfnis eines viel beschäftigten Mannes erklärt. Das Bekenntnis zum Populären hat einem Politiker, der doch auf die Zustimmung breiter Schichten angewiesen ist, selten geschadet. Sind die Illustrationen das Problem, die Tatsache, dass Bilder nur in Kinderbüchern toleriert werden? Hätte Wulff die Werke Tomi Ungerers oder Maurice Sendaks «Wo die wilden Kerle wohnen» genannt, so hätte man vielleicht über seine Schrullen gelächelt. Aber bestimmt nicht seine Dummheit verspottet. Was also macht den «Kleinen Prinzen» unmöglich? Warum ist dieses schmale Buch eine grosse Peinlichkeit? Wenn es nicht an der Form liegt, muss es am Inhalt, an der Moral dieses Textes liegen. Und diese lässt sich im Grunde mit der berühmtesten Stelle des Buches zusammenfassen. Sie findet sich im Kapitel 21. Dort begegnet der kleine Prinz einem Fuchs. Das Tier lehrt ihn: «Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.» Ist diese Aussage nun das Glaubensbekenntnis der Weichstapler und deshalb abzulehnen? Wörtlich genommen, ist sie natürlich Unsinn. Jedenfalls der erste Teil. Mit dem Herzen sieht man überhaupt nicht. Zum Glück. Die optischen Eindrücke in der Tiefe und Dunkelheit des Brustkorbs wären nicht gerade erspriesslich. Aber Saint-Exupéry meint es nicht wörtlich, sondern sinnbildlich. Er bewertet das, was man dem Herzen zuschreibt die Liebe, die Freude, kurzum: die Gefühle, höher als den reinen Verstand. Für einen Politiker ist das eine zweifelhafte Position. Man erwartet von ihm Pragmatismus und Rationalität. Und doch: Die Partei, der Christian Wulff angehört, bezieht sich auf ein Buch, das im Wesentlichen genau diese Haltung vertritt. Im Matthäusevangelium steht: «Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.» Und in der Bergpredigt wird betont: «Selig sind die geistig Armen, denn ihrer ist das Himmelreich.» Hätte sich Wulff der Kritik ausgesetzt, wenn er sich zur Bergpredigt bekannt hätte? Das ist möglich. Hätte er sich damit lächerlich gemacht und dem Spott preisgegeben? Ganz gewiss nicht. Wo liegt also die Peinlichkeit? Vielleicht im zweiten Teil des Satzes: «Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.» Wer immer diese Meinung vertritt, wird zugeben müssen, dass wir in ziemlich unwesentlichen Zeiten leben. Das Primat der Augen über die anderen Sinne ist nicht zu leugnen. Was nicht sichtbar ist, wird kaum wahrgenommen. Man kann sogar sagen, dass es überhaupt nicht existiert. Deswegen wird beinahe jede Anstrengung vollbracht, um das, was man für wesentlich hält, auch sichtbar zu machen. Nur dann erhält es die gewünschte Aufmerksamkeit. Aber das beweist nicht die Wahrheit dieser Aussage. Nach ihr wäre das Wesentliche überhaupt nicht zu visualisieren, es würde sich dem Sehsinn entziehen. Um zu entscheiden, ob dies zutrifft, muss man zunächst bestimmen, was das Wesentliche überhaupt ist. Fern von normativen Bestimmungen ist es einfach das, was den Unterschied ausmacht. Jene Eigenschaft, die es erlaubt, eine Sache von einer anderen zu unterscheiden. Diese differenzierende Eigenschaft zu bestimmen, das ist die Aufgabe der Wissenschaft. Erkenntnis bedeutet zuerst unterscheiden, das eine vom anderen trennen zu 28 DAS MAGAZIN 39/

17 <wm>10cfxlrq4cqqxf4sfq5n5o222pjos2kwh-dehz_oofhzjuo8frpvdrup_3_dyezwqgsqq9fojmw_ssgonirlh1yy4012kz9beiwaod62sejdrffacwfqfrndfej-cb5igo_noaaaa=</wm> <wm>10casnsjy0mdqx0tu2m7cwtaqaidmilw8aaaa=</wm> können, das Wahre vom Falschen, das Wirkliche vom Scheinbaren. Wasser ist nicht einfach Wasser. Es besteht aus Wasser- und Sauerstoff. Wasserstoff besteht aus einem Proton und einem Elektron. Elektronen besitzen gemäss der neusten Erkenntnis weder eine Ausdehnung noch eine innere Struktur. So schreiten die Differenzierungen mit dem Fortschritt der Wissenschaften immer weiter voran. Zwar gibt es keine theoretische Grenze der Erkenntnis, jedoch sehr wohl eine Grenze der Beobachtung. Wir können die Eigenschaften sehr kleiner Teile nicht vollständig bestimmen. Der Physiker Werner Heisenberg hat das mit seiner berühmten Unschärferelation klargemacht, und so kompliziert dieses Prinzip auch ist, seine Wirkungen sind einsichtig. Licht besteht aus Photonen, und diese wirken auf sehr kleine Teilchen wie der Wind auf ein Segel. Sie werden verweht, noch bevor wir sie sehen, das heisst messen können. Mit dem Herzen sieht man überhaupt nicht. Zum Glück gie in die Visualisierung steckt, muss dies eine Kränkung sein. Die neuesten Technologien, die uns so faszinieren, dass es eine Computeruhr weltweit auf die Titelseiten schafft, machen vor allem Dinge sichtbar. Sämtliche Bücher in sämtlichen Bibliotheken, die letzte Seitenstrasse in irgendeiner weit entfernten Stadt, der hinter hohen Büschen versteckte Garten des Nachbarn alles in Nullkommaplötzlich auf meinem Bildschirm. Aber niemand wird deshalb behaupten, dass mit dieser Sichtbarkeit auch ein Erkenntnisgewinn verbunden ist. So berauschend diese Entwicklungen sind, so tiefgreifend sie unser Leben auch verändern mögen es waren nie die Technologien, die die wesentlichen Fortschritte gebracht haben. Zwar musste die grösste Maschine der Menschheit gebaut werden, der Large Hadron Collider in Genf, um das letzte Elementarteilchen sichtbar zu machen. Dessen Existenz jedoch war seit den Sechzigerjahren bekannt, und dem Physiker Peter Higgs reichten zur Postulierung des Bosons, das seinen Namen trägt, Papier, Bleistift und sein Kopf. Auch Albert Einstein entwickelte seine Relativitätstheorie nicht im Labor, nicht mit einer Maschine, sondern in seinem Hirn. Genau wie Pythagoras seine Lehrsätze und Archimedes seine Prinzipien, die Auch im makroskopischen Bereich gibt es Phänomene, die wir niemals sehen können, auch nicht mit den besten und den grössten Maschinen. Dazu gehört die Entropie. Sie besagt, dass die Unordnung der Teile in einem geschlossenen System immer nur zunehmen kann. Dieses folgt aus dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik. Wärme lässt sich nicht vollständig in Arbeit umwandeln. Sonst wäre das Perpetuum mobile möglich. Bei jeder Umwandlung von Energie in Arbeit bleibt ein ungenutzter Rest übrig. Diese Entropie wurde nicht durch Beobachtung, sondern durch statistische Berechnung entdeckt. Wie sollte das auch gehen: Das Universum ist zu gross, um als Ganzes beobachtet zu werden. Ob die Entropie nun wesentlich ist? Jedenfalls folgt aus ihr, dass unser Universum seinem unabwendbaren Schicksal entgegenstrebt nämlich dem Wärmetod. Der Fuchs in «Der kleine Prinz» hat also recht. Wesentliche Eigenschaften der Wirklichkeit sind für die Augen nicht sichtbar. Für eine Gesellschaft, die viel Enerheute so gültig sind wie vor zweieinhalbtausend Jahren. Auch wenn man sie nicht mit den Augen sehen, sehr wohl aber mit dem Verstand erfassen kann. Das alles bedeutet noch nicht, dass «Der kleine Prinz» ein wertvolles Buch ist. Aber es zeigt: Mit dem, wovor sie sich ekelt, was ihr peinlich ist, verrät eine Gesellschaft viel über ihre Ängste. Vielleicht fürchtet sich unsere Zeit vor der Erkenntnis, dass von der Technologie, wie weit wir sie auch entwickeln mögen, keine wesentliche Erkenntnis zu erwarten ist. Und wir weiter auf den Geist zurückgeworfen sind, um etwas über unsere Existenz im Universum zu erfahren. An das dachte Christian Wulff wahrscheinlich nicht, als er sein Lieblingsbuch nannte. Und so hat er sich auch nicht zu beschweren, wenn er dafür Spott erntet. Auch wenn dieser Spott letztlich weniger über diesen Politiker als über seine Gesellschaft aussagt. LUKAS BÄRFUSS ist Schriftsteller und Theaterautor. Sein neuster Roman «Koala» ist bei Wallstein erschienen. Dies ist der dritte Text einer Serie über Alltagsmythen, die Bärfuss exklusiv fürs «Magazin» schreibt. Gesucht gebucht Umzugs- und Handwerkerprofis zu guten Preisen auf renovero.ch JOGHURT-DRINK MANGO Empfohlen durch Recommandé par Raccomandato da Service Allergie WaS Immer SIe vorhaben: mit uns Haben SIe auch IHr budget Im griff. 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18 WO DIE ANGST IST, DA IST DER TEUFEL Fatih Akin beschreibt in seinem neuen Film «The Cut» eine Welt ohne Gott. Die Geschichte spielt vor hundert Jahren. Und erzählt von heute. BILD: OLAF BALLNUS / AGENTUR FOCUS 32 DAS MAGAZIN 39/

19 Text BIRGIT SCHMID Er fühle sich, als hätte er sich geprügelt, sagt Fatih Akin. Es sei ein Schmerz jenseits der körperlichen Schmerzen, «etwas Psychologisches. Das klingt jetzt ein bisschen an.» Er weiss, wie es sich anfühlt, denn früher hat er sich gern angelegt, mit Neonazis, Türken, den Nachtbuben in Hamburg-Altona, wo er als Kind türkischer Gastarbeiter aufgewachsen ist. Noch immer lebt er in diesem Stadtteil, mit seiner Frau und zwei Kindern, hier ist auch seine Produktionsfirma. Fatih Akin wirkt tatsächlich etwas verkatert, wie er hinter dem Pult in seinem Büro sitzt und von der Erfahrung erzählt, die jeder einmal macht: zuerst emporgelobt und dann hinabgetadelt zu werden. Ein Bass steht in der Ecke, auf dem Fensterbord sind die Preise aufgereiht, die er für seine bisherigen Filme gewonnen hat, im Hof werden die ersten Bäume gelb. Die Kritik, die sein neuer Film «The Cut» an der Uraufführung Anfang September in Venedig erhielt, beschäftigt ihn. Es ist schwer zu ertragen, wenn man bisher alle überrascht hat, Erwartungen unterlief in der Rolle des ungezogenen, aber hoch begabten Kindes. Auf diese Weise eroberte sich der deutsche Türke einen Platz im deutschen Kino. Man gestand ihm die Rolle gern zu. Denn sein Erfolg als Künstler lässt sich auch als Erfolg einer Integration herzeigen. Gerade der Vorzeigetürke wollte Akin nie sein, ein Vermittler zwischen seinen Kulturen schon gar nicht. Er benehme sich gern rüpelhaft, hat er vor sieben Jahren gesagt, als wir uns anlässlich seines vorletzten Films «Auf der anderen Seite» erstmals trafen. «Ich bekenne mich dazu, dass ich kiffe, und ich bekenne mich Der Mörder wird zum Retter: Ein Türke hilft dem Armenier Nazaret (Tahar Rahim, links) zu überleben. dazu, dass ich mich haue.» Mit Hauen meinte er Prügeln. Er redete, wie er es gern tut, im Präsens, auch wenn er die Vergangenheit meinte, formulierte unbedarft, das hatte etwas unfreiwillig Komisches. Bei ihm würden selbst Anekdoten nach grossem Kino klingen, hat der «Stern» einmal geschrieben. Er staunte: «Die nehmen mich als seriös da draussen.» Odyssee durch das Grauen Ein Kino, das die Gegenwart anleuchtet, das sind seine besten Filme: «Gegen die Wand», «Soul Kitchen». Geschichten, im Kleinen angesiedelt, aus einem Milieu in Hamburg oder Istanbul heraus erzählt, wuchtig, wild, mit Hip-Hop-Coolness versetzt, es ging um Identität, die Liebe, den Tod. Mit «The Cut» hat er grosses Kino versucht und ein Heldenepos geschaffen als Melodram und ist damit gescheitert. Ja, man nimmt ihn ernst da draussen, Filmkritik, Jurys, Publikum: deshalb mit enttäuschten Erwartungen. Man werde entweder mit Rosen oder mit Steinen nach ihm werfen, hat Fatih Akin im Vorfeld über seinen Film gesagt, je nachdem, welchem Lager man angehöre. Weder das eine noch das andere ist bisher eingetroffen. Der Film, der seine Schweizer Premiere nächste Woche am Zurich Film Festival hat, kommt am 16. Oktober ins Kino. «The Cut» spielt während des Völkermords an den Armeniern, der 1915 einsetzte und sich nächstes Jahr zum hundertsten Mal jährt. Und mit dessen Aufarbeitung sich die Türkei bis heute schwertut. Es ist die Geschichte des armenischen Schmieds Nazaret Manoogian, der in der osmanischen Kleinstadt Mardin BILDER LINKS: GORDON MUEHLE / BOMBERO INTERNATIONAL / PATHÉ FILM; RECHTS: GALERIE MATIGNON. JEAN JANSEM / PROLITTERIS ZURICH 2014 lebt und eines Nachts von türkischen Soldaten seiner Familie entrissen wird. Bis dahin sah das Beleuchtungskonzept überwiegend Kerzenlicht vor und das Drehbuch Liebe. Der Einbruch des Bösen ist umso deutlicher. Nazaret wird deportiert und kommt in ein Arbeitslager. Weil er aber nicht zum Islam konvertieren will, soll er mit anderen Ungläubigen exekutiert werden. Doch er überlebt, da der Türke, der ihm den Hals aufschlitzen soll, sich erbarmt und ihm nur einen Stich versetzt, der seine Stimmbänder durchtrennt. Die Odyssee durch das Grauen geht weiter, wobei Akin das Grauen formal auf Distanz hält. Einerseits durch das Breitleinwand-Format, das den Vergewaltigungen und Hinrichtungen etwas Entrücktes gibt. Andererseits durch den Stil. So komponiert er etwa ein Todeslager zu einem ästhetischen Tableau, auf dem zerfetzte Zelte und sterbende Körper schön gebüschelt werden. Der Genozid als Western Per Tweet haben türkische Nationalisten Fatih Akin mit dem Tod gedroht, bevor überhaupt etwas vom Film zu sehen war. Aber nach der Uraufführung warf niemand mit Steinen nach dem Regisseur. Im Gegenteil, erzählt Akin, politische türkische Kommentatoren, die in Venedig im Publikum sassen, schrieben anderntags, dass «The Cut» in der Türkei gezeigt werden sollte. Ist das nun ein Kompliment oder ein Beweis für seine Harmlosigkeit? Der Film macht keine eindeutigen Schuldzuweisungen. Der Armenier Nazaret wird vom selben türkischen Söldner gerettet, der ihm die Stimme raubt. In Aleppo versteckt ein arabischer Gemälde vom armenischen Genozid dienten Akin als ästhetische Vorlage. Jean Jansem, «Massacre bleu», 1999 Seifensieder den Verfolgten. Akin hat den historischen Stoff nicht zu einem politischen Drama aufbereitet, dafür bleibt Geschichte zu sehr Kulisse. Auch kommen der Auseinandersetzung Akins Fabulierlust in die Quere und seine Lust, verrücktes Kino zu machen. Er erzählt den Genozid ansatzweise wie ein Märchen nach, wie es schon Roberto Benigni mit «La vita è bella» versuchte und dadurch den Holocaust ins Sentimentale verkleinerte. Akins Protagonist ist gleichzeitig eine Art Westernheld, der sich in fast biblisch-archaisch anmutenden Bildern westwärts durch die Steppe schleppt. Auf der Suche nach seinen Töchtern gelangt er schliesslich nach Amerika. «Natürlich hätte man den Film auch realistischer drehen können, dokumentarisch mit Handkamera und schnellen Schnitten, dass man Blut und Gehirn spritzen sieht», sagt Akin. «Das Kino ist voll solcher Gewaltdarstellungen. Ich habe mich dagegen entschieden. Die Opfer sollen ihre Würde behalten.» Zudem habe er immer einen Film machen wollen, den sich sowohl Türken wie Armenier anschauen und der in der Türkei gezeigt wird. «Ich hätte nichts davon, wenn die Türken nach fünfzehn Minuten protestierend das Kino verlassen und die Armenier die Türken nach dem Film noch mehr hassen. Das würde bloss den Status quo bestätigen. Aber den will ich ja gerade verändern.» Ob der Film einen türkischen Verleih findet, ist weiterhin offen. Fatih Akin, der im August 41 Jahre alt geworden ist, hat den bösen Buben abgelegt, zumindest heute. Er könnte auch als Rapper durchgehen, der es zu etwas gebracht hat. Er trägt eine Trainerhose von Adidas, Nikes, an den Fingern drei dicke Gold- 34 DAS MAGAZIN 39/

20 <wm>10cfxloq7dmawe0c9yde58jjpdqqwammzdpuh9p2o6vnc6a--oi1nwz7y_3_srfwomzehu5gcpfe1sw0sq6imbvhd6qdga8ntfzkiuny8igii2tqpdvkpdsc-_z_cev8i5pnkaaaa=</wm> <wm>10casnsjy0mdqx0tu2mzaznqqavnnspw8aaaa=</wm> ringe. Kein Auflehnen mehr gegen Zuschreibungen wie die des Versöhners, nun räumt er selber der Kunst die Kraft der Verständigung ein, formuliert es in diesen Worten: die Kraft, Brücken zu bauen. Sein Film sei durchaus politisch, sagt er, er wolle einander feindlich Gesinnte versöhnen. Es war schwierig, Türken und Armenier für die Mitarbeit am Film zu gewinnen, viele hatten Angst. Seine Hauptfigur, die ihm verblüffend ähnlich sieht, wird vom algerienstämmigen Franzosen Tahar Rahim gespielt. Obwohl die Türkei den armenischen Völkermord nicht mehr offiziell leugnet, es dürfen auch Bücher darüber erscheinen, schweigen viele Türken lieber. Das Schweigen wird von einer Generation an die nächste weitergegeben. Viele würden nie im Leben das Wort «Völkermord» gebrauchen, Akin hat es auch noch nie aus dem Mund seiner Eltern gehört. Seine Eltern würden aber nicht daran zweifeln, dass die Dinge geschehen sind, wie er sie in «The Cut» erzählt. Er selber habe zum ersten Mal als Teenager in der Schule von der Vertreibung und dem massenhaften Töten gehört, und auch seine erste Reaktion sei gewesen: Das ist eine Lüge, die Türken machen so etwas nicht! Es ist noch nicht lange her, dass der Schriftsteller und Nobelpreisträger Orhan Pamuk wegen «öffentlicher Herabsetzung des Türkentums» angeklagt, beschimpft und bedroht wurde, bloss weil er in einem Interview mit dem «Magazin» vom 5. Februar 2005 gesagt hatte, in der Türkei seien eine Million Armenier systematisch ermordet worden, dies werde aber von staatlicher Seite noch immer abgestritten. Die Türkei von heute sei nicht mehr dieselbe Türkei wie vor zehn Jahren, sagt Fatih Akin. Es gebe eine demokratische Bürgerbewegung, die von Mitgefühl geleitet sei. Leute würden sich Als Fatih Akin in der Schule zum ersten Mal von der Vertreibung und dem massenhaften Töten von Armeniern erfuhr, dachte er: Das ist eine Lüge, die Türken machen so etwas nicht! plötzlich zu ihren armenischen Wurzeln bekennen und seien stolz darauf. Wie wenig es braucht, den Nationalstolz zu verletzen, hat aber auch der Regisseur erlebt. Im Interview, das wir vor sieben Jahren führten («Magazin» 39/07), sagte er, lieber gebe er die türkische Staatsbürgerschaft ab, als Militärdienst zu leisten, den er der Türkei immer noch schuldete. «Aber ich will da nicht hin», sagte er. «Keine Lust... Ich bin eher bereit, auf ein Stück Papier zu verzichten, als eine Waffe in die Hand zu nehmen, jetzt mal ideologisch gesprochen.» Auf seine Identität habe das keinen Einfluss, er bleibe Istanbuler. Die Aussage stand kurz darauf auf der Frontseite einer türkischen Zeitung; wirkungsvoll platziert neben der Meldung von Anschlägen der kurdischen Arbeiterpartei PKK, bei denen mehrere türkische Soldaten starben. Um keine Geldstrafe für den versäumten Militärdienst zahlen zu müssen, hat Akin seinen türkischen Pass dann tatsächlich abgegeben. «Obwohl sie mir Ärger eingebracht hat, habe ich meine Äusserung nicht bereut», sagt er heute. «Man soll die eigene pazifistische Haltung verteidigen, um andere zu ermutigen.» Parallelen zum IS-Terror Zur aktuellen türkischen Politik mag er dann doch nichts sagen. Nichts zu Recep Tayyip Erdogan, dem Staatschef, der sich in der Armenienfrage lange widersprüchlich verhalten hat, 2011 an der armenisch-türkischen Grenze ein Versöhnungsdenkmal niederreissen liess, dann in diesem Frühling den Armeniern zum Gedenktag sein Beileid ausgesprochen hat. Das sei zu komplex für eine kurze Antwort, sagt Akin. In «The Cut» überblenden sich viele Szenen von damals mit der Wirklichkeit von heute. Der Zuschauer wird mit Gewalt und Hass konfrontiert, die an die täglichen Berichte aus Syrien und dem Irak denken lassen. Wer den falschen Glauben hat, wird gejagt, öffentlich vergewaltigt, hingerichtet. Die Welt, durch die der Held taumelt, der so heisst wie Jesu Geburtsstadt, ist blutig rot, die Menschen scheinen von allen Göttern verlassen. So rührt die titelgebende Szene an den Schrecken, den die IS-Terroristen mit ihren Hinrichtungsvideos auslösen: Nazaret wird in der Wüste mit den Mitgefangenen in eine Schlucht getrieben, die Männer müssen sich hinknien, die Schlächter setzen ihnen stumpfe Messer an die Kehlen. Erschiessen kommt nicht infrage. Es wäre schade um die Munition. Fatih Akin recherchierte in Syrien, wenige Wochen bevor dort der Bürgerkrieg ausbrach. Was denkt er über die Parallelen seines Films zum aktuellen Weltgeschehen? Die Aktualität erschrecke ihn, gibt er zurück. Aber ja, es seien diese Fragen, die ihn beschäftigen: Warum tötet jemand? Warum handeln andere barmherzig? «Am Ende werden für mich Opfer und Täter austauschbar. Das Böse ist in der Welt und wird es immer sein.» «The Cut» ist der dritte Teil einer Trilogie, die Akin mit Liebe, Tod und Teufel überschrieben hat. «Gegen die Wand», das Drama über eine türkische Scheinehe, machte den Anfang und gewann 2004 an der Berlinale den Goldenen Bären folgte der Episodenfilm «Auf der anderen Seite» über die Suche nach Heimat, in Cannes gab es für das Drehbuch die Goldene Palme. «The Cut» soll nun vom Teufel handeln. Was ist das Böse? Es sei in jedem Menschen angelegt, sagt Akin. «Es gibt etwas in uns, das macht, dass wir morden und anderen den Kopf abschneiden. Manchmal braucht es die richtigen Zutaten, dass es so weit kommt, ein liebloses Elternhaus, fehlende Bildung. Aber das reicht als Erklä- Wir setzen ein Zeichen für Ihre Treue. 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21 <wm>10cfxloq7dmaxf0s9y9oz4ju4nq7kqocopmyb3_2hbwcfl5-57subu3y5ro1oh7lk9euwbwkylraz6ie6aqab7muuj096mj0xcwwjmvxfumuylamixk6n8xu8v_ufg5nuaaaa=</wm> <wm>10casnsjy0mdqx0tu2mtm1mauabvglga8aaaa=</wm> rung nicht aus. Die Attentäter von 9/11 kamen aus guten Familien, sie studierten hier in Hamburg Architektur. Ein Psychiater würde es wohl pathologisieren und von Narzissmus reden.» Aber auch wenn es eine menschliche Neigung zum Bösen gebe, glaubt er, «dass es im günstigsten Fall ein Innehalten gibt, bevor man einen anderen Menschen tötet. Bei den meisten meldet sich die Moral oder das Gewissen.» Dank dieser durch Kultur und im zivilisatorischen Prozess erworbenen Schranke bleibt seine Hauptfigur am Leben. Warum verliert einer den Glauben nicht? Müsste man angesichts von Krieg und Elend nicht zu hadern beginnen, wie der Filmheld Nazaret, der in der Wüste Steine gegen Gott wirft? GROSSARTIG! Tages-Anzeiger EIN KLUGER UND ÜBERAUS SCHÖNER FILM ÜBER DIE KRAFT DER LIEBE. Kino-Zeit DIE BEGEGNUNG MIT DEM AUTOR VON ALS NIETZSCHE WEINTE IN EINEM FILM VON SABINE GISIGER OFFICIAL SELECTION 67. FESTIVAL DEL FILM LOCARNO 2014 Glauben mit Hippie-Ansatz Für ihn komme das Böse auch aus der Angst, sagt Akin. Angefangen bei der Angst, den Völkermord als solchen zu benennen. Er spricht von der Angst, an seinem Film mitzuwirken, der Angst, die ihm die Nationalisten mit den Morddrohungen machen wollten. «Wo die Angst ist, da ist der Teufel. Die Angst ist ein guter Nährboden, da kann der Teufel gut gedeihen.» Auch die Religion benütze die Angst, um die Menschen zu manipulieren. «Es heisst: Du sollst Gott fürchten. Ich kann das Leben fürchten, das Schicksal, Angst vor einem Autounfall haben oder dass meinen Kindern etwas passiert. Aber ich muss doch Gott nicht fürchten.» Er fährt fort, es sind längst nicht mehr seine Worte: «Da, wo die Liebe ist, ist keine Furcht. Da, wo Angst ist, ist Unordnung, und wo Unordnung ist, ist keine Liebe. Das sag nicht ich. Das sagt Jiddu Krishnamurti.» Krishnamurti, der indische Philosoph. Warum verliert einer den Glauben nicht? Müsste man angesichts von Krieg und Elend nicht zu hadern beginnen, wie Nazaret, der ein Kreuz auf sein Handgelenk tätowiert hat und in der Wüste Steine gegen Gott wirft? Er habe seinem Helden die Hoffnung lassen wollen. Er gehe durch die Hölle und werde dafür am Ende belohnt. Also wie Jesus selber. «Die Hoffnung bleibt, das ist meine Botschaft. Das Gute setzt sich durch.» Glaubt er echt noch an das Gute? Er sei ein spiritueller Mensch und habe eine Vorstellung davon, was Gut und Böse sei, «das versuche ich auch meinen Kindern weiterzugeben. Das ist nicht abhängig von einer Religion.» Seine eigene Spiritualität habe er, wie es jeder Regisseur tue, auf der Leinwand abgebildet. Er sei auf keinen Fall ein Atheist, hat er dem «Spiegel» gesagt, sondern habe einen «Hippie-Ansatz». Was heisst das? Akin: «John Lennon hat das doch mal gesungen. Imagine, there s no countries and no religion too.» Er meint: Die Wahrheit liegt jenseits von Grenzen und Religionen. Letztlich ist Akin auch an seinem unmöglichen Versuch gescheitert, einen Völkermord als Western zu drehen. Er hat sich einem Genre untergeordnet und konnte die erzieherische Richtung nicht vermeiden. Dabei will er doch ein Hippie sein und frei von allen Zwängen. Er denkt durchaus nach über die Einwände gegen seinen Film. Aber es sei halt schon immer ein Kindheitstraum gewesen, einen Western zu machen, sagt er. Und als er dann bei seiner Recherche erfuhr, dass viele Armenier während des Ersten Weltkriegs nach Kuba ausgewandert sind und Amerika, oft mit Ziel North Dakota, wo auch Nazarets Odyssee endet, sah er die Gelegenheit dazu. Sogar die Musik von Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten folgt Ennio Morricone, wird überführt in armenische Volkslieder, verweht mit dem Wüstensand. Zu rhythmisieren, der Handlung einen Puls zu geben, das gelingt Akin wie immer. Arbeiten, um zu vergessen Martin Scorsese, den Akin seinen Filmvater nennt und mit dessen Filmplakaten die Wände im Sitzungszimmer beklebt sind, erteilte ihm dann die Absolution. «Er sagte: Das ist die Geschichte Amerikas, die du erzählst. Die Geschichte Amerikas ist nicht einfach John Wayne, John Ford oder Gangs of New York. Auch Menschen aus dem Nahen Osten sind hergekommen und haben die Gewalterfahrungen aus ihrer Heimat mitgebracht.» Der Drehbuchautor Mardik Martin, ein Amerikaner mit armenischen Wurzeln, der oft für Scorsese gearbeitet hat, hat dem Drehbuch den Schliff gegeben und zusammen mit Akin einen neuen Schluss geschrieben. Wenn Leute Filme umschreiben, deren Denken vom Hollywood-Kino geprägt ist, dürften manche Autorenfilmer zu fürchten beginnen. Wie ging denn sein eigener, Fatih Akins, ursprünglicher Schluss? Er sei dramaturgisch schwach und gegen die Regeln des Drehbuchschreibens gewesen, sagt er. «Mein Schluss hatte etwas Transzendentales. Mir schwebte so was wie das Ende von Apocalypse Now vor: lange Monologe in dunklen Räumen, mit Indianern in Schwitzhütten.» Wie immer das ausgesehen hätte. Es klingt wieder ganz nach ihm. Obwohl ihn auch so eine Aussage nervt, denn warum darf man als Filmer nicht mal einen andern Stil ausprobieren? Man muss doch offen bleiben! Jedenfalls schreibt er bereits am nächsten Film, ein Thriller soll es werden. Und doch nicht so richtig ein Thriller. Sagt er. Im März will er zu drehen beginnen. Bis dahin hat er auch die Kritik überwunden. Absolut scharf sehen? Sven Brülisauer verbindet begeistert seine Vorliebe für Technologie mit guter Beratung. In seinem Job hat er diese Leidenschaft vertieft um seinen Kunden noch bessere Sehlösungen anbieten zu können. So wurde der diplomierte Augenoptiker zum Spezialist für den DNEye Scanner.«Damit lassen sich die ersten High-Performance-Brillengläser für absolut scharfes Sehen realisieren.» VomSehen bis zum Aussehen bei Kochoptik werden Sie immer von Spezialisten bedient. Sven Brülisauer ist einer von ihnen. Wenn Sie also Ihr Sehpotenzial voll ausschöpfen möchten und eine ausgezeichnete Beratung wünschen, dann sind Sie bei uns genau richtig. OFFICIAL SELECTION MILL VALLEY FILM FESTIVAL 2014 Eine Anleitung zum Glücklichsein AB 2. OKTOBER IM KINO «The Cut» kommt am 16. Oktober ins Kino. An der Galapremiere am 2. Oktober anlässlich des Zurich Film Festivals wird Fatih Akin im Kino Corso anwesend sein. BIRGIT SCHMID ist stellvertretende Chefredaktorin des «Magazins». Gratisnummer DAS MAGAZIN 39/2014

22 DER ZOO ALS PRÄSENTIERTELLER Eine Replik auf das Gespräch mit Zoodirektor Olivier Pagan im «Magazin» No. 37 Text MARKUS WILD Der Basler Zoodirektor Olivier Pagan macht zu Recht auf gesellschaftliche Widersprüche im Um gang mit Tieren aufmerksam: «Giraffen, Löwen oder Flusspferde lösen bei Menschen gewisse Gefühle aus, doch haben sie deshalb mehr Recht auf Leben als ein Kalb oder ein Schaf?» Obwohl Pagan auf Widersprüche hinweist, verstrickt er sich jedoch in sie, sobald es um Zoofragen geht. Ein erster Widerspruch betrifft das Verhältnis von Tieren in der Wildnis und im Zoo. Pagan bemüht das Argument, dass es Kein Zoo der Welt kann ihm diese Umgebung bieten. wenn wir Kleinkindern Grundrechte zugestehen, warum nicht auch diesen Tieren? Dilettantisch ist weniger diese Argumentation (man mag sie teilen oder nicht) als vielmehr Pagans Reaktion: Nicht wir, auch nicht Juristen oder Ethiker, sondern allein Experten für Tierhaltung sollen über die Auswahl der Zootiere bestimmen. Real erfolgt die Auswahl freilich weniger aufgrund von Expertenmeinung oder Schutzwürdigkeit als vielmehr aufgrund der Vorlieben der Zoobesucher: Knüller- Tiere wie Affen, Löwen, Elefanten, Bären oder Flusspferde und natürlich Jungtiere. Pagan meint, man könne jedes Tier (Delfin, Gorilla, Eisbär) halten. Andere Experten widersprechen. Hanno Würbel, Professor für Tierschutz an der Vetsuisse-Fakultät in Bern, hat mehrfach betont, dass Eisbären- oder Elefantenhaltung nicht gehe. Es gibt ein interessantes Argument für den Zoo, das Pagan leider nur mit der Bemerkung streift, Zootiere seien «Botschafter für die Tiere da draussen». Natürlich stellt sich die Frage, ob man Tiere als Botschafter für andere instrumentalisieren soll. Dennoch könnte man argumentieren, dass insbesondere Kinder im Zoo Tieren leibhaftig begegnen, sich für sie begeistern und Bereitschaft zum Engagement entwickeln. Nur konnte bislang keine Studie zeigen, dass dieser Effekt nachhaltig ist. Ebenso wie Vegetarier nicht unbedingt wegen ihrer Ernährung gesünder sind, sondern weil sie generell gesünder leben, sind manche Kinder einfach deshalb sensibler, weil ihre Eltern sie generell stärker sensibilisieren. Diese Sensibilität kann man auch mit Büchern, Filmen oder in der Natur entwickeln. Dabei wird auf die unterschwellige Botschaft der Kontrolle verzichtet, die der Zoo vermittelt. In Barcelona wurde erwogen, die Elefantenhaltung durch eine virtuelle zu ersetzen. Für die kommende Generation werden digitale Kontakte über den Globus hinweg noch mehr zum Alltag gehören. Wir sind durchaus in der Lage, mit digitaler Kommunikation Erlebnis- und Begegnungsräume aufzubauen. Insbesondere braucht es keine neuen Meeresaquarien, weil wir den Bewohnern des Meeres mit Liveschaltungen in ihrem Zuhause begegnen könnten. Auch wenn das neue Zürcher Elefantengehege begeistert, viele Elefanten leben in Verhältnissen, die zu Stereotypien, Arthritis, Ernährungsproblemen und Aggression führen. Stadtzoos wie Barcelona, Basel oder Rapperswil können nicht expandieren. Sogar wenn Zoos Kindern wertvolle Erlebnisse bieauch in der Wildnis vorkomme, dass Löwen Giraffen reissen: «Regt sich da jemand auf?» Allein der Vergleich hinkt. Der Unterschied zwischen Gnus, die von Raubtieren erbeutet werden, und Tieren, die in unseren Einrichtungen leben, besteht darin, dass wir für Letztere direkt Verantwortung haben, für Erstere nicht. Zudem hat der Löwe keine Alternativen und kann sein Verhalten nicht unter Prinzipien stellen, wir schon. Basel ist nicht Afrika, und das gibt Pagan zu. Der Vergleich wäre also hinfällig. Nur vergisst Pagan dies gleich wieder und benutzt ihn weiter. So meint er, dass in der Wildnis ein «natürliches System aus Zwängen», im Zoo hingegen ein «künstliches System aus Zwängen» herrsche. Zwänge gibts halt überall. Zu Ende gedacht hiesse dies, dass es keinen Unterschied zwischen Menschen in Freiheit und in Gefangenschaft gibt, denn sowohl im Gefängnis als auch im Alltag herrschen Zwänge. Natürlich gibt es Unterschiede. Im einen Fall sind die Lebensvollzüge der direkten Kontrolle durch andere unterworfen, sie bestimmen Tagesablauf, Essen, Bewegungsraum, Sozialkontakt usw. Dies gilt viel stärker für eingesperrte Tiere im Zoo. Warum werden überzählige Einzeltiere im Zoo getötet (wie die Kopenhagener Giraffe oder die Berner Bären)? Pagan: «Eines unserer Ziele ist der Artenschutz.» Hier liegt der Widerspruch zwischen Schutz der Art und Schutz des Individuums. Mit Artenschutz ist übrigens nicht ge meint, dass Tiere ausgewildert würden («Wird schwierig»). Zuchtprogramme wollen Nachwuchs für Zoos produzieren, l art pour l art. Darin gleich der Artenschutz einem andern Ziel des Zoos: Ein Zweck der Forschung im Zoo besteht darin herauszufinden, wie man Tiere im Zoo hält. Ohne Zoos bräuchte man jedoch weder diese Art der Forschung noch diese Art der Arterhaltung. Wir sollten zumindest endlich damit beginnen, auf die Haltung bestimmter Tiere zu verzichten, und die Mittel zum Schutz frei lebender Tiere einsetzen. So sollten wir auf die Haltung von Menschenaffen, Papageien, Delfinen, Raben oder Elefanten verzichten. Im Mai dieses Jahres wurde in Deutschland eine Grundrechtsinitiative lanciert, mit dem Ziel, ein Recht der Menschenaffen auf Freiheit, Leben und körperliche Unversehrtheit im Grundgesetz zu verankern. Neuseeland und Spanien sind vorausgegangen. Pagan kontert, er habe Mühe mit dieser Auswahl an Tieren. Warum nicht auch Forelle, Oktopus, Flamingo oder Seegurke? Die Auswahl sei «höchst dilettantisch». So weit das Geschimpfe; doch wo ist das Argument? In den letzten Jahrzehnten hat die Verhaltensforschung bei Menschenaffen und Delfinen eine ganze Reihe kognitiver Fähigkeiten festgestellt. Dazu gehören das Hineinversetzen in andere, Formen von Selbstbewusstsein, Vorausplanung, subjektive Erinnerung, soziale Intelligenz, Weitergabe lokaler Traditionen und intentionale Kommunikation. Anders als bei Menschenaffen oder Delfinen gibt es bei Forelle, Oktopus und Flamingo (geschweige denn Seegurken) keine Hinweise auf solche Fähigkeiten. Es gibt also eine Reihe von kognitiven Fähigkeiten, mit denen wir bestimmte Tiere auswählen können. Daran ist nichts Dilettantisches. Offen ist die Frage, welche Tiere noch dazugehören. Die genannten kognitiven Fähigkeiten sind nicht nur vergleichbar mit Fähigkeiten bei Kleinkindern, sie wurden auch als Merkmale betrachtet, die den Menschen vom Tier unterscheiden und ihm Vorrechte verleihen. Wenn diese Fähigkeiten Mensch und Tier nicht mehr sauber trennen und ten könnten braucht es denn dazu wirklich drei Elefantenanlagen im Mittelland? Zoos sind offensichtlich Einrichtungen, die nicht nur tiergartenbiologische Fragen aufwerfen, sondern auch politische, juristische und ethische. Diese Fragen gehören in einem demokratischen Gemeinwesen, dessen Verfassung zudem eine «Würde der Kreatur» kennt, nicht allein in die Hände von Tiergartenbiologie und Zoodirektion. Das Stossende an Pagans Sicht auf politische Fragen zeigt sich in seinen Äusserungen zum Importverbot für Delfine (2012). Weil der Tierarzt in Conny- Land vom Vorwurf der fahrlässigen Tierquälerei freigesprochen worden ist, hält er die Sache für erledigt: «Warum also das Importverbot?» Nun, der Tod der Delfine war Anlass, nicht aber Grund für das Importverbot. Daran, dass man die Haltung von Delfinen in solchen Anlagen nicht für art- und tiergerecht hält, ändert der Freispruch des Tierarztes nichts. Die Begründung für den Freispruch des Tierarztes lautet übrigens, es sei nicht restlos nachgewiesen, dass ein Medikament zum Tod der Tiere geführt habe, ausserdem sei die korrekte Dosierung des Antibiotikums für Delfine unklar. So viel zum wissenschaftlichen Fundament der Delfinhaltung. Zoos sind mehr oder minder schön angerichtete Tierpräsentierteller, die sich rentieren müssen. Die entscheidende Frage ist: Was legitimiert sie? Die volkstümliche Antwort lautet: Fun! Die offizielle Antwort verweist auf Forschung, Bildung und Artenschutz. Abgesehen von der Frage, ob es zulässig ist, Tiere für unsere Zwecke zu instrumentalisieren, ist ein Problem, dass nicht erhärtet ist, dass Zoos diesen Zielen dienen. Zudem gibt es Alternativen. Gern argumentieren Zoos mit Besucherzahlen. Auch die Atomenergie kennt nach wie vor viele Abnehmer, doch folgt daraus nicht, dass sie noch zeitgemäss wäre. Auch Zoos und Aquarien sind nicht mehr zeitgemäss. MARKUS WILD ist Professor für Philosophie und Medienwissenschaften an der Universität Basel. Er befasst sich unter anderem mit Tierethik. 40 DAS MAGAZIN 39/

23 Das Bild zeigt einen Text in Neocrillo (eine der Sprachen, die Xul Solar erfunden hat). Deutsch: «Mein Wille: mit dir in Frieden für eine bessere Welt zu arbeiten, Rio Lujan 1962/1176 HANS ULRICH OBRIST MARSMENSCH IN SUPERMARKT Ich glaube, jeder von uns hat einen Ort, wohin er immer schon einmal wollte. Bei mir war dieser Ort Buenos Aires, das ich durch die Texte von Jorge Luis Borges zwar irgendwie schon zu kennen glaubte, aber ich war eben noch nie dort. Borges war eng befreundet mit dem argentinischen Maler Xul Solar, dessen Bilder ein wenig wie Zeichensysteme von Ausserirdischen aussehen. Solar hat wie Borges, der einer der grössten Erzähler des 20. Jahrhunderts war, das Reale und das Fantastische auf eine sehr selbstverständliche Art und Weise kombiniert. Darin ähneln beide auch dem Schriftsteller César Aira, der sozusagen ihr Nachfolger im Geiste ist. In einem seiner letzten Bücher, «El Mármol», schildert Aira einen chinesischen Supermarkt in Buenos Aires, in dem Marsmenschen einkaufen gehen. Er beschreibt den Supermarkt, die Waren und das Einkaufsverhalten präzise wie ein Reporter, und es scheint dabei ganz natürlich, dass die Kunden nicht von nebenan, sondern aus dem All gekommen sind, um Milch und Nudeln zu kaufen. Aira weiss selbst nicht mehr genau, ob er achtzig oder neunzig Bücher geschrieben hat, wobei ein Buch bei ihm auch nur zwanzig Seiten stark sein kann. Er hält sich an die kleinen Verlage, von denen es sehr viele und exquisite in Buenos Aires gibt, zum Beispiel den Verlag Mansalva. Dass deren Vertriebssystem nicht so gut ist wie jenes grosser Häuser, findet er gut: Die Leser sollen sich die Bücher suchen sie sollen sich ihm nicht anbieten. Zwei Dinge, sagte er mir, wolle er unbedingt vermeiden. Das eine sei das Schreiben im Präsens. Fast alle schrieben heutzutage im Präsens, aber das sei ihm zu flach, sagt er, da fehle eine Dimension. Das andere ist die «erste Person». Im Internet gebe es nur noch die erste Person, alle redeten nur noch über sich, aber die erzählende Person selbst sei ja meist uninteressant. Sein Vorbild sind das Märchen oder Scheherazade aus «1001 Nacht», die dem Sultan die unglaublichsten Geschichten erzählt, um ihn bei Laune zu halten und zu begeistern so wie Borges uns über Buenos Aires erzählt hat. Von César Aira zuletzt auf Deutsch erschienen: «Der Literaturkongress», «Gespenster» «Die nächtliche Erleuchtung des Staatsdieners Varamo» Hans Ulrich Obrist ist Kurator und Co-Direktor der Serpentine Galleries in London. XUL SOLAR: MUI WILE CON YU, BILD: FUNDACIÓN PAN KLUB MUSEO XUL SOLAR «Das Magazin» ist die wöchentliche Beilage des «Tages-Anzeigers», der «Basler Zeitung», der «Berner Zeitung» und von «Der Bund» HERAUSGEBERIN Tamedia AG, Werdstrasse 21, 8004 Zürich Verleger: Pietro Supino REDAKTION Das Magazin Werdstrasse 21, Postfach, 8021 Zürich Telefon Telefax Redaktionsleitung: Chefredaktor: Finn Canonica Redaktion: Birgit Schmid (Leitung), Sacha Batthyany, Martin Beglinger, Daniel Binswanger, Mathias Ninck, Anuschka Roshani Artdirektion: Michael Bader Gestaltungskonzept: Annina Mettler / Jonas Voegeli Bildredaktion: Frauke Schnoor / Studio Andreas Wellnitz Berater: Andreas Wellnitz (Bild) Abschlussredaktion: Isolde Durchholz Redaktionelle Mitarbeit: Sven Behrisch, Anja Bühlmann, Miklós Gimes, Dominik Gross, Peter Haffner, Max Küng, Trudy Müller-Bosshard, Mathias Plüss, Christian Seiler, Thomas Zaugg Honorar: Claire Wolfer VERLAG Das Magazin Werdstrasse 21, Postfach, 8021 Zürich Telefon Verlagsleiter: Walter Vontobel Lesermarkt: Annemarie Ita (Leitung), Nicole Ehrat (Leitung Leserservice) Werbemarkt: Walter Vontobel (Leitung), Jean-Claude Plüss (Anzeigenleitung), Claudio Di Gaetano, Catherine Gujan (Gebietsver kaufsleitung), Michel Mariani (Agenturen), Katia Toletti (Romandie), Esther Martin-Cavegn (Verkaufsförderung) Werbemarktdisposition: Jasmin Koolen (Leitung), Selina Iten Anzeigen: Tamedia AG, ANZEIGEN-Service, Das Magazin, Postfach, 8021 Zürich Telefon Deutschschweiz Telefon Westschweiz Trägertitel: «Tages-Anzeiger», Werdstrasse 21, Postfach, 8021 Zürich, Tel , «Berner Zeitung», Tel , «Basler Zeitung», Tel , «Der Bund», Tel , Nachbestellung: Ombudsmann der Tamedia AG: Ignaz Staub, Postfach 837, CH-6330 Cham 1 Bekanntgabe von namhaften Beteiligungen (i. S. v. ART. 322 STGB): 20 Minuten AG, 20 minuti Ticino SA, Berner Oberland Medien AG BOM, Brandstore FF AG, car4you Schweiz AG, CIL Centre d Impression Lausanne SA, Distributionskompagniet ApS, Doodle AG, DZB Druckzentrum Bern AG, DZO Druck Oetwil a.s. AG, DZZ Druckzentrum Zürich AG, Edita S.A., Editions Le Régional SA, ER Publishing SA, Espace Media AG, FashionFriends AG, Glattaler AG, homegate AG, JobCloud AG, Jobsuchmaschine AG, LC Lausanne-cités S.A., Le Temps SA, LS Distribution Suisse SA, MetroXpress Denmark A/S, Olmero AG, Romandie Online SA en liquidation, Schaer Thun AG, search.ch AG, Société de Publications Nouvelles SPN SA, Soundvenue A/S, Swiss Classified Media AG, Tagblatt der Stadt Zürich AG, Tamedia Publications romandes SA, tutti.ch AG, Verlag Finanz und Wirtschaft AG, Zürcher Oberland Medien AG, Zürcher Regionalzeitungen AG Seiner Zeit voraus. Der neue Audi A7 Sportback. Die Zukunft beginnt heute dank intelligenten Matrix LED-Scheinwerfern und Audi connect für einfachen Zugriff auf Online-Dienste. Der neue Audi A7 Sportback ist auch als S und RS Modell erhältlich. Mehr Infos bei Ihrem Audi Partner oder unter 42 DAS MAGAZIN 39/2014

24 TRUDY MÜLLER BOSSHARD PARTITUR IST SEINE SORE: Die Lösung ergibt sich aus den grauen Feldern waagrecht fortlaufend. WAAGRECHT (J + Y = I): 4 Ist ohne Gepäck mal kurz weg. 13 Zeigt, wörtlich genommen, Reaktion auf Klingelton. 18 Lässt, eher selten betörend, ungefragt von sich hören. 19 Sei Oxidieren in spe, heissts es sei denn, es geht aus voraus. 20 Als Drecksarbeiter bestallter Herkules verschmähte das Gerät. 22 Stand, den Nappi noch Léman nannte. 23 Standart beim Fels in der Brandung. 24 Beispielsweise ein Weinprodukt. 26 Geht im Seefeld ins Geld. 27 Stimuliert, hier noch nicht dudenreformiert. 29 Bei Marut: B. Travens anarchistisches Alias. 30 Hierzulande ein Tagender, anderswo ein Nager. 31 Ohne Jules ist der Römer ein Filmpreis. 33 Wo die Alliierten 1945 konferierten. 35 Ort in der Fiat-Metropole. 36 Überbrückung oder Riespartikel. 38 Feinkosthersteller im Positiv: liegt auf der Kippe. 39 Sowohl Beisser-Darsteller wie auch famose Hose. 40 Mienenspiel ist in dieser verschwendet. 41 Quittungen für Artistendarbietungen. 42 Diagnose bei humpelnder Pumpe. SENKRECHT (J + Y = I): 1 Sowohl der Stoiker als auch der in der Kiste ist es. 2 Handeltreibendes Oberschicht-Nordlicht. 3 Eine schnittige Figur machen Gentlemen in denen. 4 Papierverschwendung beim Habenichts. 5 Wird öffentlich oft nicht selbstlos zelebriert. 6 So geht es, wenn das GPS schweigt. 7 Stehts hintendran, ist da auch ein Sohnemann. 8 Gegenwart von Sippenmitgliedern nicht bedingender Stimmungsbeschrieb. 9 Hat weder Anfang noch Ende. 10 Hier drehte sich Vettel erstmals im Kreis. 11 Wesen, wo balai ein Besen. 12 In Wirklichkeit mit Masseinheit. 14 In der Mansarde überflüssige Ortsangabe. 15 Einer Schönen Sohn? Algeriens Präsident nach Abzug der Grande Nation! 16 Wenn erdgebunden, brauchts dafür kein Tschaikowski-Ballett. 17 Ein Liedermacher, auch von unten betrachtet. 20 Wohnt nicht in den eigenen vier Wänden. 21 Schrecken ist in dem Anbaugebiet integriert. 25 Halb immer wieder: schiebt sich bei Henry Miller zwischen Stille und Clichy. 28 Eine Kleinigkeit, gepaart mit dem Grund für der Princess Sleeplessness. 32 Gienger (Eberhard) hing daran. 34 Was einer wie Turner intus hat. 37 Ohne Hans Werner ein Unterwasserhöhlenbewohner. LÖSUNG Nº 38: SOMMERPAUSE WAAGRECHT (J + Y = I): 6 REINIGUNGSGERAET. 12 VOLKSVERBLOEDUNG. 18 LEITERLI(-spiel). 19 WM-TITEL. 20 BLINI. 21 (Spiegel-)SAAL. 22 SIMI Ammann. 23 NEBST. 24 (Apfel-)SINE (lat. für ohne). 25 NULPE, Tulpe. 26 EMERIT. 27 FATA (ital. für Fee) Morgana. 28 KNIBBELN. 31 EMSE. 33 SETE (ital. für Durst), Sète. 34 DESOLAT. 35 QUITTE(!). 36 SEÑOR, Anagramm: Rosen. 37 UNO. 38 ANBAU. 39 SEE (engl. für sehen). 40 PLENARSAAL 41 ENGROS(-handel). SENKRECHT (J + Y = I): 1 BIKINI-ATOLL. 2 LIVE-SENDUNG. 3 UNBILL. 4 BEDTIME (engl. für Schlafenszeit). 5 KANTERSIEG. 6 ROLLRASEN. 7 GERANIEN. 8 URLAUBSORT. 9 SOWIE, so wie. 10 RUINE. 11 TALSTATION. 13 (Decken-)LEISTEN. 14 STINKER. 15 LISPELN. 16 EMMENTAL (Löcher im Käse). 17 GEBIETER. 29 BOAS. 30 (Rudolf von) LABAN. 32 MUS. 35 QUER(-gang). HELPLINE FÜR RATLOSE: Sie kommen nicht mehr weiter? Wählen Sie (1.50 Fr. / Anruf vom Festnetz), um einen ganzen Begriff zu erfahren. Wenn Sie nur den Anfangsbuchstaben wissen möchten, wählen Sie (90 Rp. / Anruf vom Festnetz). 44 DAS MAGAZIN 39/2014

25 CHRISTIAN SEILER TAGESGERICHT: NO BULLSHIT Als ich nach einem langen Spaziergang entlang der Promenade von Estoril nach Cascais endlich im Restaurant «Mar do Inferno» ankam, hatte ich den Wirbel und den Trubel eines aufgedrehten portugiesischen Ferienstädtchens längst hinter mir gelassen. Auf dieser Seite von Cascais drehen sich keine Karusselle mehr, und der Sandstrand ist einer dicht mit Macchia und Sukkulenten bewachsenen Böschung gewichen, hinter der sich tiefblau und grossartig der Atlantik ausstreckt. Es wäre allerdings ein veritabler Gewaltakt, das «Mar do Inferno» als glamouröses oder auch nur minderen ästhetischen Grundsätzen genügendes Lokal zu beschreiben, denn es hockt bäurisch da, ein stöckig und mit allerhand Zeltplanen und Bretterverschlägen zu dem merkwürdigen Konglomerat ergänzt, in dem ich zu essen gedachte. Auf der Terrasse war kein Platz mehr frei. Ich kriegte ein Tischchen im Anbau, genau zwischen dem Ausgang der Küche und der mit Eis vollgepackten Theke, an der die Meeresfrüchte geknackt und für den Verzehr vorbereitet werden. Ausserdem hatte ich den Fernseher im Blickfeld, in dem gerade ein Spiel von Benfica übertragen wurde. Das beanspruchte die Aufmerksamkeit der Kellner weit mehr als das Gezappel ihrer Gäste. Aber zu diesem Zeitpunkt war ich schon so ruhig, wie ich in einem Restaurant, das ich zum ersten Mal besuche, nur sein kann. Ich hatte die Muscheln gesehen, die an einen Nebentisch geliefert worden waren, und den Duft der Scampi eingeatmet, die ein Ehepaar, das ansonsten offensichtlich zum Fernsehen gekommen war, gerade schälte. Ausserdem sah ich auf dem Pult des Mitarbeiters, der mit einem Hammer gerade mächtige Taschenkrebse knackte, merkwürdige Schalentiere, die ich noch nie gesehen, geschweige denn gekostet hatte. Der Kellner brachte die Karte, als Benfica das 1:0 schoss. Nachdem das Tor mehrfach wiederholt und vom Personal diskutiert worden war Tendenz: hätte der Torwart halten können, konnte ich endlich in den Dialog mit meinem Kellner treten. Wie die Amêijoas die gegitterten Venusmuscheln, die es heute gab zubereitet würden? Der Kellner hob die Augenbrauen. Mit Knoblauch natürlich, mit Wein und Koriander. Wie man Amêijoas à Bulhão Pato eben zubereite. Noch was? Äh, die Scampi..? Kommen von der Algarve. Sie kriegen keine besseren. Eingesalzen, gekocht, lauwarm serviert. Und die schwarzen Dinger dort drüben auf der Theke? Ach so (die Stimmung des Kellners hellte sich auf). Percebes. Entenmuscheln. Kennen Sie nicht? Ich bringe welche! Das Essen war ein Triumph. Die Percebes entpuppten sich als etwas tintenfischartig, aber sehr wohlschmeckend, die DAS MAGAZIN 39/2014 Amêijoas brachten mich in ihrem tiefen, das Meer und seinen besten Freund, den Knoblauch, feiernden Geschmack fast zum Weinen. Die Scampi waren die besten seit langer, langer Zeit, und weil die Mayonnaise gelb, perfekt und kräftig war, bestellte ich gleich noch eine Portion. Ich war viel zu schnell satt, lange bevor ich daran denken konnte, auch noch einen Fisch zu bestellen aber das Glück, das mich ergriff, wurde nicht nur von den verschiedenen Eiweiss- und Fettkombinationen gespeist (und der Flasche Redoma branco von Niepoort), sondern von der seltenen Attitüde dieses Restaurants, nur das Notwendigste zu tun, um ein glänzendes Ergebnis zu erzielen. Die Gerichte im «Mor do Inferno» brauchten keine Inszenierung, keine Kreativität, keine feuilletonhafte Kochkunst. Wie die Teller aussahen? Keine Ahnung. Die Tische? Vergessen. Wichtig waren allein die simple Perfektion, die jedem Produkt angedieh, und der unvergessliche Geschmack. Motto: No Bullshit. Hier wird keine Beilage, keine Idee, kein Kunstwerk serviert. Nur das, was sein muss in jeder Hinsicht. Im Blog: die wertvolle Liste der raren No-Bullshit-Lokale, die ich kenne. Mehr von Christian Seiler immer montags in seiner «Montagsdemonstration» auf blog.dasmagazin.ch Illustration ALEXANDRA KLOBOUK 45

26 EINE NACHT IM LEBEN Der Kameruner Ibrahim, 28, hat den Zaun von Melilla bezwungen, die Landgrenze zwischen Afrika und Europa. Es war mein dritter Versuch, so nah an den Zaun hatte ich es vorher nie geschafft. Jetzt stand ich davor und mit mir Hunderte andere, die genau dasselbe wollten: einfach nur rüber. Es war die Nacht vom 27. auf den 28. Mai, ich hatte nicht geschlafen. Wir waren etwa 800 Leute, vor allem Malier und Kameruner, und wir waren gut vorbereitet. Unter uns waren vier Frauen, eine davon schwanger. Sie hat es auch geschafft, sie verlor nicht einmal ihr Kind. Viele von uns waren schon mehrmals am Zaun gewesen. Manche hatten ihn schon bezwungen, wurden dann aber von der spanischen Guardia Civil nach Marokko zurückgeschafft. Das war nun ihr Vorteil, weil sie wussten, wo man am besten angreift und wie man auf der anderen Seite ins Lager kommt. Denn nur weil du es auf europäischen Boden geschafft hast, bist du noch nicht in Sicherheit. Sicher bist du erst im Campo. Nach Mitternacht brachen wir auf. Vom Berg, auf dem wir zu Tausenden in Felsen oder selbst gezimmerten Verschlägen hausten, bis zum Zaun sind es etwa zwölf Kilometer. Wir marschierten mehrere Stunden über Ziegenpfade durch kleine Nadelwälder. In einer Senke des steinigen Geländes warteten wir, den Zaun noch einen Kilometer vor uns. Gegen 4.30 Uhr kam der Helikopter. Die Guardia Civil mit ihren Wärmebildkameras hatte uns entdeckt. Das hiess, dass auch die marokkanischen Forces Auxiliaires bereits auf dem Weg sein mussten. Die Marokkaner arbeiten mit den Spaniern zusammen sie sind nicht zimperlich: Viele Brüder sind schon unter ihren Knüppeln gestorben. Ich bekam Angst. Ich wusste nicht, was jetzt passieren würde. Bloss dass dies der Moment war: jetzt oder nie. Ich kapierte, dass ich gleich mein Leben aufs Spiel setzte. Ich war seit zwei Jahren unterwegs, und in der nächsten Stunde würde ich tot sein oder drüben, in Europa. Ich rannte los, rannte vielleicht eine Viertelstunde lang. Am Zaun wurde gedrängt, gezogen, geschrien, Leute kletterten übereinander, stiessen einander vorwärts. Manche finden den Tod an Ort und Stelle. Allein schafft es keiner, und es können nicht alle rüber. Genau genommen sind es drei Zäune. Wir hatten eine Taktik entwickelt: Einige schoben mit langen Haken den Nato-Stacheldraht am ersten Zaun hoch, damit die anderen darunter hindurchschlüpfen könnten. Oben auf dem ersten Zaun spürte ich plötzlich einen Schmerz am Hinterkopf der Stein eines marokkanischen Soldaten hatte mich getroffen. Ich spürte, wie mir das Blut in den Nacken floss, doch ich konnte mich halten. An einem gewissen Punkt spürst du, wie deine Füsse gefrieren, als hättest du sie in einen Eisschrank gesteckt. Ich weiss nicht, warum, vielleicht weil dir der Draht das Blut abschneidet. Aber du machst einfach weiter. Du darfst nicht zurückschauen, sonst bekommst du nur mehr Angst. Du musst hochschauen und klettern. Der dritte Zaun ist die letzte Hürde zwischen dir und Europa. Etwa in der Hälfte merkten wir, dass sie etwas geändert hatten. Da war plötzlich ein sehr feines Geflecht angebracht über dem Maschendrahtzaun, den wir schon kannten. So fein, dass unsere Finger und Zehen keinen Halt fanden. Das Problem ist, dass du für die ganze Aktion nur drei, vier Minuten hast. Du musst drüben sein, bevor sich genügend Guardia Civil an der Stelle versammeln kann, wo du runterkommst. Wir kamen nicht weiter, und wir steckten zu Hunderten fest in diesem engen Abschnitt zwischen dem zweiten und dem letzten Zaun. Fast wäre Panik ausgebrochen. Doch dann fand jemand ein Loch von einer anderen Gruppe vor uns. Alle wollten raus, bevor die Guardia da war. Ich schaffte es, meinen Kopf durch das Loch zu stecken, danach stiess mich die Masse hindurch. Kopfvoran kam ich nach Europa in ein neues Leben. Egal, was noch kommt: Ab jetzt wird es besser. Ich bin nun seit zwei Monaten im Campo. Jeder hier wartet darauf, dass sein Name am Dienstag am Brett steht. Das heisst, du kommst auf das Schiff, das dich aufs Festland bringt. Und ich habe gehört, dass man in den Gewächshäusern von Almería leicht Arbeit findet. Ich bin aufgebrochen, um ein besseres Leben zu finden. Was immer ich also tun kann, um etwas zu verdienen, werde ich tun. Ich habe keine Wahl. Protokoll AMIR ALI Bild PASCAL MORA 46 DAS MAGAZIN 39/

27 Wo KMU einfach ins Geschäft kommen. Wir sind einfach Bank.

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