Begrüßungsworte Internationaler Frauentag 2014 Partizipation von Mädchen und jungen Frauen 10. März 2014, 11 Uhr, Plenarsaal des Landtags

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1 Begrüßungsworte Internationaler Frauentag 2014 Partizipation von Mädchen und jungen Frauen 10. März 2014, 11 Uhr, Plenarsaal des Landtags Sehr geehrte Damen und (vereinzelte) Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, verehrte Gäste! I. Mehr Stolz, ihr Frauen! Wie ist es nur möglich, dass ihr euch nicht aufbäumt gegen die Verachtung, die euch noch immer trifft. - Auch heute noch? Ja, auch heute noch! (...) Dieser flammende Appell der Schriftstellerin, Publizistin und Frauenrechtlerin Hedwig Dohm, die bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Rechte der Frauen stritt, ist ungefähr so alt wie der Internationale Frauentag selbst.

2 2 Vorgestern jährte er sich zum 103. Mal und wir wollen ihn auch in diesem Jahr mit einer Veranstaltung im Landtag Nordrhein- Westfalen begehen. Hierzu heiße ich Sie alle sehr herzlich willkommen. Im letzten Jahr konnten wir gleichzeitig auch auf das 25-jährige Bestehen der Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen zurückblicken und diesen Geburtstag gebührend feiern. Heute soll ein Thema im Mittelpunkt stehen, dem gar nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt werden kann: ich meine das Thema Partizipation von Mädchen und jungen Frauen. Dass auch in diesem Jahr dieser Plenarsaal wieder gut gefüllt ist, zeigt mir: Der Frauentag hat an seiner Bedeutung und Aktualität nichts verloren und ist es auch heute - im Jahr 2014, wert - zusammenzukommen, zu diskutieren und Forderungen zu formulieren. Gleichzeitig möchte ich mit der Einladung in den Landtag die frauenpolitische Arbeit und das gleichstellungspolitische Engagement würdigen und Ihnen allen für Ihre Arbeit danken. II. Meine Willkommensgrüße gelten daher Ihnen den Gleichstellungsbeauftragten, den Vertreterinnen von Frauenbüros, von Frauenvereinen und - verbänden die Sie sich mit dem Thema

3 3 Gleichstellung von Frau und Mann beruflich oder im Ehrenamt befassen und engagieren. (Besonders freue ich mich über die Teilnahme der Landesregierung, vertreten durch ) Mit Freude begrüße ich die Koordinatorin des Mädchenbeirates von filia.die frauenstiftung. Als ausgewiesene Referentin für Genderpädagogik und politik, Sexualpädagogik, Interkulturelles Lernen und Diversity wird sie den heutigen Fachvortrag zu Partizipation von Mädchen und jungen Frauen halten. Ganz herzlich willkommen, Sabine Sundermeyer. Nach diesem Fachvortrag werden beispielhaft drei erfolgreiche Projekte aus der Mädchenarbeit vorgestellt. Gerne begrüße ich hierzu Jaqueline Mugaragu-Lamprecht, Kira Fink und Anna Konrad sowie Schon jetzt ganz herzlichen Dank für Ihre Mitwirkung und Gestaltung dieses Vormittags. Nicht zuletzt danke ich den Kolleginnen des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation für ihre Mitwirkung bei der abschließenden Gesprächsrunde. Es sind die Sprecherinnen der Fraktionen:

4 4 Gerda Kieninger (SPD), Regina van Dinther (CDU), Josefine Paul (B 90/Grüne), Susanne Schneider (FDP) Birgit Rydlewski (PIRATEN). III. Internationaler Weltfrauentag das ist Jahr für Jahr ein guter Grund und der passende Anlass, Resümee zu ziehen: die Erfolge hervorzuheben, aber vor allem auch Unvollendetes zu benennen und deshalb Initiativen für die Zukunft zu formulieren. Jedenfalls hat der anfangs von mir zitierte Appell von Hedwig Dohm an die Frauen nichts an seiner Aktualität verloren, denn: Nach wie vor müssen Frauen um ihre Gleichstellung kämpfen, insbesondere im Beruf. Hier fällt weder etwas vom Himmel noch wird ihnen etwas geschenkt. Ganz bewusst haben wir in diesem Jahr das Thema Partizipation von Mädchen und jungen Frauen ausgewählt. In der heutigen Zeit, in der junge Frauen an das Thema Emanzipation, Frauenbewegung, frauenpolitische Forderungen und Gleichstellung ganz anders herangehen als die meisten Frauen, die heute hier vertreten sind, ist es umso wichtiger, ganz deutlich zu sagen:

5 5 Emanzipatorischen Mädchenarbeit ist und bleibt ein fester und unverzichtbarer Bestandteil der Jugendarbeit. Auch und gerade im 21. Jahrhundert. Emanzipatorische Mädchenarbeit als Bestandteil der Jugendarbeit zu verstehen, dazu hat die LAG Mädchenarbeit entscheidend beigetragen. Die Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit in NRW e.v. engagiert sich für Mädchen, Geschlechterpädagogik und gelungene Geschlechterbeziehungen, ist ein mädchen- und fachpolitisches Netzwerk und bietet Information, Beratung und Fortbildung zu Fragen der Mädchenarbeit und der Geschlechterpädagogik. IV. Mädchenarbeit bedeutet dabei weit mehr als die Förderung einzelner Projekte. Es geht nach wie vor darum, Mädchen und junge Frauen in ihrem Selbstvertrauen zu stärken, ihnen chancengerechte Zugangsmöglichkeiten zu gesellschaftlicher Teilhabe zu bieten und sie mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen anzuerkennen.

6 6 Keine Frage, gerade in den letzten 2 Jahrzehnten ist viel erreicht worden. Grundsätzlich haben Mädchen und junge Frauen mehr öffentlichen Raum erobert. In ihrer eigenen Vorstellung und in dem Bild, das in der Öffentlichkeit von ihnen gezeichnet wird, können sie mittlerweile alles erreichen, was früher überwiegend oder ausschließlich jungen Männern vorbehalten blieb. Das stimmt! Aber die Betonung in diesem Satz liegt auf dem Wort können. Ob die vorhandenen Möglichkeiten genutzt werden, ob aus diesen Möglichkeiten gelebte Selbstverständlichkeit und Realität wird, und wenn nicht, was sich ändern müsste, auch darüber wollen wir heute miteinander reden. Ja, für Mädchen und junge Frauen scheinen alle Wege offen zu stehen, und die Gleichberechtigung scheint erreicht zu sein. Es stellt sich jedoch die berechtigte Frage, ob dieses öffentlich gezeichnete Bild, das ganz häufig auch von den Mädchen und jungen Frauen selber übernommen wird, wirklich stimmt. Einer tatsächlichen geschlechterunabhängigen Chancengleichheit stehen auch heute noch zahlreiche benachteiligende Strukturen entgegen, die zum Teil subtil und verdeckt den Handlungsrahmen von Mädchen und jungen Frauen prägen und vielfach einschränken. Denken wir nur an das nach wie vor sehr eingeschränkte und oftmals typisch weibliche Berufswahlspektrum von jungen Mädchen.

7 7 Wenn wir die Lebenslage der heutigen Mädchengeneration unter gesellschaftskritischen Aspekten betrachten, erkennen wir die Notwendigkeit von Mädchenarbeit mehr denn je: Unterschiedliche Herkunftsfamilien, Bildungs- und Ausbildungschancen, gesellschaftliche Vielfalt und wachsende soziale Ungleichheiten, der Wunsch nach gleichberechtigter Partnerschaft und Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienarbeit stellen junge Frauen und so dann eben auch die Mädchenarbeit vor wachsende Herausforderungen. Junge Frauen spüren im Alltag eigentlich recht schnell und dann auch immer wieder, dass es Grenzen und Hürden gibt. Damit sich aber etwas ändert, muss aus dem subjektiven Spüren ein reflektiertes Erkennen werden. Nur aus dem Benennen der Probleme und Herausforderungen können Lösungen entwickelt, Veränderungen herbeigeführt werden. Deshalb brauchen wir Frauen und Männer, die mit ihrem Engagement und ihrer Fachkompetenz eben diese Lösungswege aufzeigen, die sich in Gremien aktiv einmischen und in Kontakt mit der Politik die tatsächlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass Mädchen und junge Frauen gleichberechtigt an Angeboten der Jugendarbeit teilhaben können. Dass Mädchen und junge Frauen gleichberechtigt leben und arbeiten können.

8 8 V. Viele von Ihnen, die heute gekommen sind, engagieren sich seit vielen Jahren für den Erfolg und die Anerkennung von Mädchenarbeit. Dafür danke ich Ihnen sehr herzlich. Lassen Sie uns mit dem Internationalen Frauentag auch 2014 deutlich machen: Die Herausforderungen werden sich nicht mit der Zeit erledigen, wie so gern behauptet wird. Immer wieder wird es Hürden und Hindernisse auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit geben. Deshalb möchte ich mit einem wunderbaren Satz von Eva Rühmkorf schließen, der wir viele Impulse in Sachen Frauenpolitik verdanken. Sie sagte: Wer die Welt verändern will, muss tiefer träumen und wacher handeln! Danke, dass Sie gekommen sind. Gerne übergebe ich nun das Wort an die Vorsitzende des Ausschusses für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation an meine liebe Kollegin Daniela Jansen (SPD). Herzlichen Dank.

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