Kaplan Christoph Hinke PREDIGT IN ST. JOSEPH MAINZ (Nachprimiz) Kostbares Blut D.N.J.C.

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1 Kaplan Christoph Hinke PREDIGT IN ST. JOSEPH MAINZ (Nachprimiz) Kostbares Blut D.N.J.C. Liebe Brüder und Schwestern im Herrn! Der Monat Juli gilt in der Tradition der Kirche der Verehrung des Kostbaren Blutes. Jenes Blutes also, dass Jesus für uns vergossen hat, als er am Kreuz für uns gestorben ist. Papst Johannes XXIII. hat in seinem Pontifikat noch eine Litanei zum Kostbaren Blut herausgegeben, die heute leider fast ganz vergessen ist. Wieso ist das so? Wieso haben wir als Kirche fast ganz vergessen, das Blut Christi zu verehren?

2 Ist es wirklich so abstoßend? Ist es so, dass ein rachsüchtiger Vater- Gott Freude daran hatte, seinen Sohn leiden zu sehen? Und ist es so, dass Jesus Freude an Schmerzen hatte und deshalb den Kreuzestod auf sich nahm? Liebe Brüder und Schwestern, diese Fragen stammen nicht von mir. Ernsthaft wird einem so etwas heutzutage vorgeworfen: Wir Christen würden an einen rachsüchtigen, blutsüchtigen Gott glauben, der Freude am Tod und Menschenopfern haben würde. Doch je mehr man diese Frage betrachtet, um so mehr merkt man, wie oberflächlich und kurz sie doch gedacht ist. Natürlich hat Gott keine Freude am Tod. Natürlich hat Gott keine Freude am Kreuzestod seines Sohnes. Und auch Jesus hat wohl keine Freude an Schmerzen gehabt.

3 Im Gegenteil, unter der Last des Kreuzes ist er dreimal auf dem Weg nach Golgotha zusammengebrochen. Eine solche Fragestellung ist zu oberflächlich. Wir müssen nach dem Warum des Todes Jesu fragen. Der Tod kam in die Welt, weil unsere Stammeltern gesündigt haben. Der Tod Jesu wurde nötig, weil alle Opfer, die Menschen in der Geschichte Gott gegenüber machten, nicht ausreichten für eine Vergebung der Schuld und Sünden. Im Hebräerbrief im Neuen Testament, lesen wir, dass es ohne Blutvergießen keine Vergebung geben kann. Das hat einen tiefen Sinn. Blut gilt als Leben. Wir alle kennen die Redensart vom Blut als Lebenssaft. Blut hat etwas Reines, etwas Reinigendes. Aus diesem Grund hat Jesus sein reines Blut für uns am Kreuz vergossen.

4 Nicht aus Freude daran, sondern aus Liebe zu uns. Um uns mit dem Vater im Himmel zu versöhnen. Im letzten Buch der Bibel, in der Geheimen Offenbarung des Apostels Johannes lesen wir sogar davon, dass man sich im Blut Jesu Christi waschen muss, ja darin baden muss. Ist das jetzt nicht ganz und gar absurd? Wenn wir oberflächlich weiterfragen, dann natürlich. Doch wir müssen auf den tieferen Sinn schauen. Gemeint ist damit, dass wir uns durch Jesus Vergebung schenken lassen müssen. So, wie wir im Wasser der Taufe gebadet wurden, so werden wir im Bild gesprochen, im Blut Jesu getauft. Zunächst eben in der Taufe, aber dann auch in allen Sakramenten der Kirche. Vor allem im Sakrament der Buße.

5 Das Blut ist Zeichen des Lebens. Das Blut ist Zeichen des Ewigen Lebens, das Jesus allen schenken will, die ihn als ihren Erlöser bekennen, die sich im Glauben, im Gebet und in den Sakramenten der Kirche Vergebung der Sünden schenken lassen. Je tiefer wir also schauen, umso mehr merken wir, dass es beim Blut Jesu Christi ganz und gar nicht um etwas Oberflächliches oder Abstoßendes geht. Es geht um Leben. Es geht um Ewiges Leben. Es geht um Vergebung. Ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung. In diesem Sinne ist sehr schade, dass heute oft nur noch so wenig vom Blut Jesu Christi gesprochen wird. In der außerordentlichen Form des römischen Ritus hatte und hat das Fest des Kostbaren Blutes noch einen festen Platz an jedem 1. Juli.

6 Leider wurde dieses Fest mit der Liturgiereform mit dem Fest Fronleichnam zusammengelegt. Das ist natürlich nicht falsch. Leib und Blut gehören ja zusammen. So feiern wir es ja in jeder hl. Messe bei der Wandlung. Aber trotzdem haben wir zwei eucharistische Gestalten. Den hl. Leib und das hl. Blut. Das Fronleichnamsfest hat einmal mehr die Anbetung des Allerhlst. Altarsakramentes im Blick. Die Verehrung des Kostbaren Blutes die Verehrung der sühnenden, das heißt Vergebung schenkenden Kraft seines Blutes. Liebe Schwestern und Brüder, kommen wir nocheinmal zurück zur Ausgangsfrage: Wieso haben wir als Kirche Christi fast ganz vergessen, dass Blut Christi zu verehren? Allein deswegen, weil es im kirchlichen Kalender als eigenständiges Fest nicht mehr vorkommt?

7 Allein deswegen, weil viele Gesang- und Gebetbücher die Litanei und Gebete zum Kostbaren Blut nicht mehr aufführen? Sicherlich auch deswegen. Aber wohl auch deshalb, weil unsere Zeit sich oftmals nur noch um sich selber dreht. Wir merken oft gar nicht mehr, dass wir nur noch uns selbst, unser Wohlbefinden, unsere Interessen, unsere Ziele im Blick haben und nicht mehr Gott, nicht mehr Jesus und seine Sache, nicht mehr die Kirche und unseren Nächsten. Ja oftmals sind wir zu einer richtigen Ellenbogengesell-schaft geworden. Gerade hierfür will uns aber das Kostbare Blut Jesu Abhilfe schaffen. Es will uns einen Neuanfang ermöglichen. Es will uns Heil und Leben schenken. Liebe Brüder und Schwestern, in einem Vortrag habe ich einmal von folgender Begebenheit gehört. Sie ist frei erfunden, aber es ist wohl etwas Wahres dran.

8 Da wird von einer Geburtstagsfeier berichtet. Viele Gäste sind gekommen. Dem einen hat das Essen gefallen, einem anderen die Musik, wieder einem anderen die Getränke, anderen die Dekoration, anderen die Gesprächsthemen. So ging das den ganzen Abend. Plötzlich bemerkte einer, dass etwas gefehlt hat, ja das einer gefehlt hat. Die Hauptperson:das Geburtstagskind! Ist es nicht auch oft in unseren Kreisen so: Wie oft hört man, mir hat das gut gefallen, mir hat jenes nicht gefallen. Geht es darum aber überhaupt? Haben wir nicht viel zu oft nur unsere eigenen Interessen im Blick? Natürlich sollen wir uns wohlfühlen dürfen, aber wir sollen nicht nur uns selbst im Blick haben. Nein, im Gegenteil sogar. Zuerst müssen wir als Christen Gott im Blick haben. Und wer Gott im Blick hat,

9 der blickt immer aufs Kreuz. Der blickt auf Jesus, der dort hängt zu unserem Heil. Wer Gott im Blick hat, der blickt auf Jesus, der dort sein Blut vergossen hat zu unserer Erlösung. Ja, dahin muss unser Blick gehen, liebe Brüder und Schwestern, auf Jesus und das Kreuz, auf sein Kostbares Blut. Das Blut ist nicht einfach Selbstzweck sondern vielmehr Mittel zum Zweck. Mittel zur Erlösung. Mittel zum Heil. Mittel zur Vergebung. Mittel zum Ewigen Leben. Wenden wir uns in diesem Sinne an Jesus und sein Kostbares Blut. Lassen wir uns in diesem Sinne im Blut des Erlösers waschen. Das Neue Testament spricht gut 30-mal vom Blut Christi, vom Blut Jesu, vom Blut des Herrn, dem Blut des Lammes.

10 Opfer, Blut, Sühne und Erlösung; diese Begriffe haben derzeit nicht gerade Hochkonjunktur. Sie sollten es aber wieder bekommen! Nur im Blut Jesu finden wir Heil und Leben; nur durch sein Opfer und Sühne. Darin gründet wahre Jesusnachfolge. Sind wir dazu bereit? Nachfolge und Opfer notfalls bis zum Blut; so wie die Martyrer? Was sühnen wir? Was opfern wir auf? Gibt es Dinge, die wir aus Liebe zu Gott oder zu unserem Nächsten tun, die wir sonst vielleicht gar nicht gern tun würden? Die Kraft für ein solches christliches Leben müssen wir uns von Gott schenken lassen. In seinem Blut, durch sein Blut, in seinen Sakramenten. Drei Personen aus der Hl. Schrift können uns Vorbild sein und zeigen, wie wir mit dem Kostbaren Blut umgehen sollten.

11 Die ersten Verehrer des Kostbaren Blutes waren Maria und Johannes. Sie standen unter dem Kreuz. Lassen wir uns von ihrem Geist etwas schenken. Und der erste Mensch, der die erlösende Kraft des aus Liebe vergossenen Blutes für sich in Anspruch nahm, das war der gute Schächer am Kreuz. Jesus, denk an mich, wenn Du in Dein Reich kommst. Jesus hat ihm geantwortet: Heute noch wirst Du bei mir im Paradies sein. Das kann unser Programm sein, ein Lebensprogramm. Machen wir es wie der gute Schächer: Vertrauen wir auf Gott; lassen wir uns von ihm erlösen und reinwaschen in seinem Blut. Machen wir es wie die Muttergottes: Mitleidend. Mitsühnend. Mitopfernd. Aushaltend und Ertragend unterm Kreuz stehend. Aus Liebe zu Jesus. Und machen wir es wie der hl. Johannes: Stellen wir uns wie er unters Kreuz.

12 Vertrauend auf Jesus mit der Muttergottes. Stimmen wir so ein in den Ruf: Oh Herr, lass dein Blut und deine Pein an uns doch nicht verloren sein. Amen.

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