Kapitel 7: Internationale Faktorbewegungen. Folie 7-1

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1 Kapitel 7: Internationale Faktorbewegungen Folie 7-1

2 Plan für die restliche Veranstaltung Heute: KO Kap. 7 - Internationale Faktorbewegungen Morgen: KO Kap. 9 - Politische Ökonomie der Handelspolitik 24.1.: nochmal WP 25.1.: Gast aus BMF - Internationale Zusammenarbeit in Finanz- und Wirtschaftsfragen - G7, G8, G20, G??? 31.1.: KO Strategische Handelspolitik 1.2.: KO 17.2/3 - Streitfragen der Handelspolitik: Umweltschutz, Niedriglöhne und Arbeitsstandards... Klausur... Folie 7-2

3 Kapitelübersicht Einführung Internationale Mobilität der Arbeit Internationale Kreditaufnahme und Kreditvergabe Internationale Direktinvestitionen und multinationale Unternehmen Zusammenfassung Anhang: Weitere Ausführungen zu intertemporalem Handel Folie 7-3

4 Einführung Die Bewegung von Gütern und Dienstleistungen ist eine Form der internationalen Integration. Eine weitere Form der Integration sind internationale Bewegungen der Produktionsfaktoren (Faktorbewegungen). Hierzu zählen: Arbeitsmigration Kapitaltransfer durch internationale Kreditvergabe Internationale Verflechtungen infolge der Bildung multinationaler Unternehmen Folie 7-4

5 Internationale Mobilität der Arbeit Ein Modell mit einem Gut und ohne Faktormobilität Annahmen des Modells: Es gibt zwei Länder (Inland und Ausland). Es gibt zwei Produktionsfaktoren: Boden (T) und Arbeit (L). Beide Länder produzieren nur ein Gut (bezeichnet als Produktion ). Beide Länder haben dieselbe Technologie, sind jedoch in unterschiedlichen Verhältnissen mit Boden und Arbeit ausgestattet. Inland ist arbeitsreich, Ausland ist bodenreich. Auf allen Märkten herrscht vollständiger Wettbewerb. Folie 7-5

6 Internationale Mobilität der Arbeit Abbildung 7.1: Die Produktionsfunktion einer Volkswirtschaft Produktion, Q Q (T, L) Arbeit, L Folie 7-6

7 Internationale Mobilität der Arbeit Abbildung 7.2: Das Grenzprodukt der Arbeit Grenzprodukt der Arbeit, MPL Reallohn Renten Löhne MPL Arbeit, L Folie 7-7

8 Internationale Mobilität der Arbeit Internationale Bewegung des Faktors Arbeit Wir nehmen an, dass die Arbeiter zwischen beiden Ländern wandern können. Arbeiter wandern so lange von Inland nach Ausland, bis das Grenzprodukt der Arbeit in beiden Ländern gleich ist. Diese Bewegung reduziert die Anzahl der Arbeitskräfte in Inland und hebt daher den dortigen Reallohn. Diese Bewegung erhöht die Anzahl der Arbeitskräfte in Ausland und senkt daher den dortigen Reallohn. Folie 7-8

9 Internationale Mobilität der Arbeit Abbildung 7.3: Ursachen und Folgen der internationalen Arbeitsmobilität MPL Grenzprodukt der MPL * Arbeit A B C MPL MPL * O Beschäftigung im Inland L 2 L 1 Beschäftigung im Ausland O * Arbeitsmigration von Inland nach Ausland Weltweites Arbeitsangebot (insgesamt) Folie 7-9

10 Internationale Mobilität der Arbeit Die Neuverteilung der weltweiten Arbeit Erweiterung der Analyse Die Länder produzieren nun zwei Güter, ein arbeitsintensives und ein bodenintensives. Der Außenhandel als Alternative zur Faktormobilität: Inland kann Arbeit exportieren und Boden importieren, indem es das arbeitsintensive Gut exportiert und das bodenintensive Gut importiert. => Faktorpreisausgleichstheorem?!! Ungleiche Faktorausstattung = Anreiz zu Handel und Migration Beispiel USA: Zuwanderung und Lohnsätze Wenn man noch hoch und niedrig qualifizierte Arbeit unterscheidet: Verlierer sind niedrig qualifizierte Eingeborene Aktuelles Beispiel: Mangel an Arbeitskräften in der Pflege, aber: mangelhaftes Management von Zuwanderung (etwa aus Osteuropa) Folie 7-10

11 Und was ist mit Kapital? Analyse für den Faktor Kapital ginge im Prinzip analog (MPK in Kemp-Diagramm) Nur: Abbau von Maschinen hier und Aufbau von Maschine dort findet i.d.r. nicht statt Stattdessen: Kreditvergabe (langfristige und kurzfristige) Unterschiedung zwischen Finanzkapital und Realkapital in der Praxis oft nicht einfach FDI vs portfolio-investment (Anteile kaufen, was ist das? IMF < oder < 10%) Folie 7-11

12 Internationale Kreditaufnahme und Kreditvergabe Internationale Kapitalbewegungen bestehen aus der Kreditaufnahme und Kreditvergabe zwischen verschiedenen Ländern - Beispiel: Eine US-amerikanische Bank gewährt einem mexikanischen Unternehmen einen Kredit. können als eine Form des intertemporalen Handels interpretiert werden. - Dabei werden heutige Güter gegen zukünftige Güter eingetauscht. - Reale Konsequenzen finanzieller Transaktionen Folie 7-12

13 Internationale Kreditaufnahme und Kreditvergabe Intertemporale Produktionsmöglichkeiten und Außenhandel Eine Volkswirtschaft produziere nur ein Gut und existiere nur zwei Zeitspannen lang, die wir Gegenwart und Zukunft nennen. Intertemporale Transformationskurve Sie zeigt das Verhältnis zwischen gegenwärtiger und zukünftiger Produktion des Konsumguts. Ihre Form ist von Land zu Land verschieden: Einige Länder neigen eher der gegenwärtigen Produktion zu. Andere Länder legen den Schwerpunkt auf die zukünftige Produktion. Folie 7-13

14 Internationale Kreditaufnahme und Kreditvergabe Abbildung 7.4: Die intertemporale Transformationskurve Zukünftiger Konsum Gegenwärtiger Konsum Folie 7-14

15 Internationale Kreditaufnahme und Kreditvergabe Der Realzins Wie kann ein Land zeitversetzt Handel treiben? Durch die Aufnahme oder Vergabe von Krediten kann der Handel zeitlich gestreckt werden. Durch die Aufnahme eines Kredits erwirbt ein Land das Recht auf eine gewisse Menge gegenwärtigen Konsums. Im Gegenzug muss es in der Zukunft eine größere Menge zurückzahlen. Der Umfang der zukünftigen Rückzahlung beträgt (1 + r) Mal die gegenwärtig ausgeliehene Menge, wobei r den Realzins des aufgenommenen Kredits darstellt. Der relative Preis des zukünftigen Konsums ist 1/(1 + r). Folie 7-15

16 Internationale Kreditaufnahme und Kreditvergabe Intertemporaler komparativer Vorteil Land mit komparativem Vorteil in der Produktion zukünftigen Konsums: lukrative Investitionsprojekte Ohne intertemporalen Handel (ohne Kapitalmarkt): niedriger Konsum heute Mit Kapitalmarkt: beleihen der Zukunft Leistunsgbilanzsalden (verschuldete USA) sind nicht per se etwas Schlechtes (Vertrauen in zukünftige Leistungsfähigkeit) Nicht ausgeglichene LB-Salden: höhere gesellschaftliche Nutzenfunktione möglich (gut so!) Folie 7-16

17 Internationale Direktinvestitionen und multinationale Unternehmen Bisher: Handel Konsum heute vs. Konsum morgen (finanzielle Transaktion) Internationale Direktinvestitionen Internationale Kapitalströme, bei denen ein Unternehmen in einem anderen Land eine Niederlassung gründet oder erweitert. Beinhaltet nicht nur den Transfer von Ressourcen, sondern auch die Übernahme von Kontrolle Die Niederlassung hat nicht nur finanzielle Verpflichtungen gegenüber der Muttergesellschaft, sondern ist Teil derselben Organisationsstruktur. Folie 7-17

18 Internationale Direktinvestitionen und multinationale Unternehmen Multinationale Unternehmen treten oft als internationale Kreditgeber und nehmer auf versorgen ihre ausländischen Niederlassungen mit Kapital Nicht unbedingt so, dass Mutterland zum Kreditgeber wird Weshalb entscheiden sie sich für internationale Direktinvestitionen und nicht für andere Formen des Kapitaltransfers? Sie ermöglichen die Bildung einer multinationalen Organisation (Ausweitung der Kontrolle) Weshalb wollen die Unternehmen die Kontrolle ausweiten? Folie 7-18

19 Internationale Direktinvestitionen und multinationale Unternehmen Die Theorie des multinationalen Unternehmens Zwei Elemente erklären seine Herausbildung: (1) Das Standortmotiv Aus folgenden Gründen wird ein Gut nicht in einem, sondern in zwei (oder mehr) verschiedenen Ländern hergestellt:» Produzieren, wo Ressourcen sind» Einsparen von Transportkosten» Umgehen von Handelsbarrieren Folie 7-19

20 Internationale Direktinvestitionen und multinationale Unternehmen Die Theorie des multinationalen Unternehmens Zwei Elemente erklären seine Herausbildung: (2) Das Internalisierungsmotiv Die Produktion eines Guts an unterschiedlichen Standorten wird nicht von unterschiedlichen, sondern von ein und demselben Unternehmen betrieben, weil dies Transaktionen in den Bereichen Technologie und Management verbilligt.» Technologietransfer (Mitarbeiter kommt, kein Schriftsatz)» Vertikale Integration Prinzipiell könnten Aktivitäten MNE s auch zwischen unterschiedlichen Firmen stattfinden, aber: problematische Märkte (z.b.: asymm. Information bei Verkauf von Technologien) Folie 7-20

21 Internationale Direktinvestitionen und multinationale Unternehmen Multinationale Unternehmen in der Praxis Multinationale Unternehmen spielen im Welthandel und bei weltweiten Investitionen eine wichtige Rolle. Beispiel: Die Hälfte aller Importe der USA geht auf Transaktionen innerhalb multinationaler Unternehmen zurück, und 24% aller Anlagevermögen der USA im Ausland bestehen aus Anteilen an ausländischen Niederlassungen US-amerikanischer Unternehmen. Multinationale Unternehmen können sich in inländischem oder ausländischem Besitz befinden. Multinationale Unternehmen in ausländischem Besitz spielen in den meisten Volkswirtschaften, insbesondere in den USA, eine wichtige Rolle. Folie 7-21

22 Internationale Direktinvestitionen und multinationale Unternehmen Tabelle 7.1: Arbeiter in den USA, die in Unternehmen in ausländischem Besitz beschäftigt sind Alle nicht in der Landwirtschaft Beschäftige (%) In der Industrie Beschäftige (%) ,5 3, ,2 14,6 MNE s sind wichtig! MNE s organisieren Handel und Investitionen (nur etwas komplizierter) => Wohlfahrtsgewinne! (warum mag die kaum einer?) Folie 7-22

23 Internationale Direktinvestitionen und multinationale Unternehmen Abbildung 7.6: Ausländische Direktinvestitionen in den USA Daimler-Chrysler- Übernahme Reale Schwankungen durch DotComBlase? Folie 7-23

24 Ausländische Direktinvestitionen FDI eines der Maße für Globalisierung, wo wirklich etwas passiert ist Quelle: UNCTAD Folie 7-24

25 Zusammenfassung Internationale Faktorbewegungen können unter Umständen Handel ersetzen. Die internationale Aufnahme und Vergabe von Krediten kann als eine Form des Außenhandels aufgefasst werden, bei der nicht Güter, sondern gegenwärtiger Konsum gegen zukünftigen Konsum getauscht werden. Der Existenzzweck multinationaler Unternehmen besteht in erster Linie darin, die Aktivitäten eines Unternehmens in zwei oder mehr Ländern zu kontrollieren. Folie 7-25

26 Zusammenfassung Zwei Elemente erklären die Existenz multinationaler Unternehmen: das Standortmotiv. das Internalisierungsmotiv Zum Weiterlesen: Bhagwati, Jagdish / Panagariya, Arvind / Srinivasan, T. N. (2004). The Muddles over Outsourcing. Journal of Economic Perspectives, 18(4): und Angaben im KO (Kapitelende Für morgen: KO, Kapitel 9 Folie 7-26

27 Das war es für heute Bis morgen Folie 7-27

28 Anhang 1: Ermittlung der Gesamtproduktion anhand der Grenzproduktkurve Abbildung 7A1.1: Die Produktionsmenge ist gleich der Fläche, unterhalb der Kurve, die das Grenzprodukt der Arbeit beschreibt Folie 7-28

29 Anhang 1: Ermittlung der Gesamtproduktion anhand der Grenzproduktkurve Abbildung 7A1.2: Einkommensverteilung im Industriesektor Folie 7-29

30 Anhang 2: Weitere Ausführungen zu intertemporalem Handel Abbildung 7A2.1: Bestimmung des intertemporalen Produktionsmusters von Inland Zukünftiger Konsum Isowertlinien mit der Steigerung (1 + r) Q F Q Intertemporale Transformationskurve Q P Investition Gegenwärtiger Konsum Folie 7-30

31 Anhang 2: Weitere Ausführungen zu intertemporalem Handel Abbildung 7A.2: Die Bestimmung des intertemporalen Konsummusters von Inland Zukünftiger Konsum D F Indifferenzkurven D Importe Q F Q Intertemporale Budgetbeschränkung D P + D F /(1 + r) = Q P +Q F /(1 + r) D P Q P Exporte Gegenwärtiger Konsum Folie 7-31

32 Anhang 2: Weitere Ausführungen zu intertemporalem Handel Abbildung 7A2.3: Die Bestimmung der intertemporalen Produktion und der Konsummuster von Ausland Zukünftiger Konsum Q * F Q * Exporte D * F D * Intertemporale Bugdetbeschränkung, D * P + D * F/(1 + r) = Q * P +Q * F/(1 + r) Q * P D * P Importe Gegenwärtiger Konsum Folie 7-32

33 Anhang 2: Weitere Ausführungen zu intertemporalem Handel Ausland exportiert zukünftigen Konsum (Q * F D * F) and Inland importiert zukünftigen Konsum (D F Q F ) (Q * F D* F ) = (D F Q F ) P E F Abbildung 7A2.4: Das internationale intertemporale Gleichgewicht, dargestellt anhand der Tauschkurven O Steigerung = (1 + r 1 ) (Q P D P ) = (D * P Q * P) Inland exportiert gegenwärtigen Kosnum (Q P D P ) und Ausland importiert zukünftigen Konsum (D * P Q* P ) Folie 7-33

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